Frühlingsfluten - Peter Burkey - E-Book

Frühlingsfluten E-Book

Peter Burkey

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Beschreibung

Ein pubertierender Junge quält seinen homosexuellen Klassenkameraden. Das Ende ist so überraschend wie tragisch. Chibenga, Sohn eines portugiesischen Gastarbeiters, quält seinen Klassenkameraden so lange, bis er ihn in den Selbstmord treibt.

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Seitenzahl: 19

Veröffentlichungsjahr: 2015

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Peter Burkey

Frühlingsfluten

 

 

 

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Inhaltsverzeichnis

Titel

Frühlingsfluten

Impressum neobooks

Frühlingsfluten

 Saarbrücken: zwei noch nicht identifizierte männliche Jugendliche wurdenin dieser Nacht tot aus der Saar geborgen. Ein Spaziergänger hatte die Leichen am Wehr bei St.Arnual entdeckt. Die Staatsanwaltschaft Saarbrücken hat Ermittlungen angeordnet.

Chibenga: muskulös, breitschultrig, für einen Menschen portugiesischer Herkunft beinahe groß gewachsen. Seit drei Jahren musste der 16-Jährige sich täglich rasieren, so dass er jetzt schon wirkte wie ein volljähriger, junger Mann. Unter den wirren, schwarzen Locken, die sich bis tief in die Stirn kräuselten, flackerten seine dunkelbraunen Augen stets voller unruhiger Bewegung, trotzdem wirkten sie matt und tief wie stille Wasser. Nur dann, wenn sie etwas oder jemanden fixierten, das er begehrte oder verachtete, u?berzogen sie sich mit einem Glanz, vergleichbar dem des Perlmutt aus Muscheln.

Aus dem Wohnzimmer hörte er die Stimmen seiner Eltern. Mutter schrie, ihre Worte durchschnitten die Luft wie die Salven eines Maschinengewehres, Vater war kaum zu hören. Um sich abzulenken starrte Chibenga auf die drei Fotos an der Wand gegenüber. Mit Reißzwecken angeheftet bogen und wellten sie sich, aber sie waren Teil seiner Wand geworden, mit ihr wie verwachsen, in dieser Wohnung im 12. Stock eines Hochhauses aus Betonplatten, genauso wie diese Fotos verwachsen waren mit seinem Leben. Das erste zeigte eine ockergelbe Landschaft in der Struktur eines zu Trockenheit erstarrten Meeres, großwogig, wüstenhaft ruhig unter einem hellblau gleißenden, heißen Himmel: der Alentejo. Hier war er geboren, als Sohn des Lohn- und Saisonarbeiters Louis Alberto de Campos und dessen Frau Maria Conzuela. Hier verlebte er die ersten fünfJahre seiner Kindheit, bis Vater Louis keine Arbeit mehr fand in den Feldern. Das zweite Foto zeigte Armut. Der Hügel von Miraflores, das eitrige Gerstenkorn im Auge Lissabons. Auf einem schlammigen Weg, vor einer Wellblechbude, zwischen mit zerschlissener Kleidung behangenen Wäscheleinen und den Rinnsalen menschlicher Fäkalien steht ein magerer Junge, der einen zersausten, schwarzen Köter im Arm hält. Der Junge lächelt. Da war Chibenga sechs Jahre alt, der Vater ausgebrannt