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Stell dir eine Welt ohne Sonne, mit Müllmeer, schwarzem Himmel und voller Intrigen vor. Alisja muss es sich nicht vorstellen, denn sie lebt in dieser Horrorwelt. Als eines der Kinder der Zukunft soll sie das Überleben der menschlichen Rasse sichern. Doch während sie auf genau diese Aufgabe vorbereitet wird, verschwimmen Gut und Böse vor ihren Augen und Geister der Vergangenheit suchen sie heim. Freunde, Feinde, Ängste und Gefahren treten in ihr Leben, welche dieses für immer verändern werden.
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Veröffentlichungsjahr: 2024
Inhaltsverzeichnis
Prolog
Kapitel 1
Kapitel 2
Kapitel 3
Kapitel 4
Kapitel 5
Kapitel 6
Kapitel 7
Kapitel 8
Kapitel 9
Kapitel 10
Kapitel 11
Kapitel 12
Kapitel 13
Kapitel 14
Kapitel 15
Kapitel 16
Kapitel 17
Kapitel 19
Kapitel 20
Kapitel 21
Kapitel 22
Kapitel 23
Kapitel 24
Kapitel 25
Kapitel 26
Kapitel 27
Kapitel 28
Kapitel 29
Kapitel 30
Kapitel 31
Kapitel 32
Kapitel 33
Kapitel 34
Kapitel 35
Kapitel 36
Kapitel 37
Kapitel 38
Kapitel 39
Kapitel 40
Kapitel 41
Kapitel 42
Kapitel 43
Kapitel 44
Kapitel 45
Epilog
ENDE
Dankessagung
Danke an alle, die mich bei diesem Prozess unterstützt haben. Ich hätte es ohne euch nicht geschafft!
Impressum
für alle,
die ihre Träume, Wirklichkeit werden lassen
Alle Rechte des Inhalts dieses Buches, sowie die Rechte auf das Cover, gehören der Autorin Celina Teufl.
Manchmal wünsche ich mir, ich wäre in einem anderen Jahrtausend geboren. Vor ungefähr tausend Jahren kannte man das Problem des Klimawandels bereits, musste sich jedoch keine Sorgen um seine Zukunft machen und ob unser Planet das nächste Jahr überstehen würde. Ich schließe die Augen und stelle mir ein Leben in dieser Welt vor. Doch wenn ich die Augen wieder öffne, ist alles wie zuvor.
Alisja
Ich wache nicht von den Sonnenstrahlen auf wie ich es mir so sehnlich wünsche. Nein, mein Wecker läutet. Ich hasse es morgens früh aufzustehen!
Trotzdem schleppe ich mich aus dem Bett und ziehe die Vorhänge nach hinten. Wie jeden Morgen ist der Himmel grau. Noch nie habe ich einen blauen Himmel gesehen. Anscheinend soll es wunderschön sein, doch heute geht das nicht mehr. Unmotiviert mache ich mich auf den Weg zu meinem Kleiderschrank und ziehe wie jeden Tag meine Uniform an. Sie besteht aus einer silbernen Hose, einem silbernen T-Shirt und einer silbernen Weste. Auf allen drei Kleidungsstücken ist ein Kreis mit einem Planeten zu sehen. Das Erkennungszeichen dafür, dass ich eine der auserwählten Kinder bin. Manche wären froh darüber. Ich bin es nicht.
Seit ich klein war, bestand mein Tag immer daraus etwas Neues zu lernen. Gleich nach der Geburt, wird das Gehirn untersucht und diejenigen, die diese Untersuchung „bestehen“, werden sobald wie möglich auf einen neuen Planeten umgesiedelt. Wieso? Ganz einfach. Wir haben immer mehr CO2 verbreitet, keiner hätte je gedacht, dass es einmal so ein schweres Ausmaß erreichen würde. Vor tausend Jahren war man noch besorgt, dass die Pole schmelzen. Nun ja, sie sind bereits geschmolzen. Wir sorgen uns nicht mehr um Geld oder politische Probleme. Hier gibt es nur ein Problem. Die Erderwärmung!
Vor ein paar Jahren haben Wissenschaftler die Zeit berechnet, die uns noch auf der Erde bleibt, und die ist bald abgelaufen. Man hat bereits alles versucht, um den Planeten zu retten, scheiterte aber. Die Astronauten fliegen noch immer im Weltall herum, um einen neuen Planeten zu finden. Jedem war klar, dass man nicht alle Menschen retten konnte, also beschränkte man sich auf die Kinder. Sie waren noch jung und konnten sich auf dem neuen Planeten ein neues Leben aufbauen. Um die Kinder nicht alleine ins Weltall zu schicken, wurden wenige Erwachsene ausgewählt, sie zu begleiten. Das wird jedoch nie passieren. Ich habe bereits jegliche Hoffnung auf einen neuen Planeten aufgegeben. Auch wenn es im Moment noch alle verdrängen, werden wir in ein paar Monaten draufgehen. Laut den Wissenschaftlern wird die Erde, aufgrund ihrer erhöhten Temperatur explodieren. Alle verbringen ihre letzten Monate mit Freunden und Familie. Ich hatte das nie. Durch meinen „Kind der Zukunft“ Status, so nennen sie die Kinder, die auf den nächsten Planeten reisen dürfen, hatte ich nie eine Gelegenheit Freunde zu finden. Ich saß fast immer in meinem Zimmer und hab gelernt. Und meine Familie. Das ist ein Thema für sich. Mein Vater starb, als ich klein war, aufgrund einer Krankheit, die bis heute niemand erkennen konnte. Seitdem ist meine Mutter unglaublich ängstlich und versucht mich so gut wie möglich vor allen Dingen zu schützen.
Nachdem ich mich angezogen habe, gehe ich hinunter in unsere Küche, in der ich mir eine Schüssel Müsli und ein Glas Wasser hole. Danach bewege ich mich ins Wohnzimmer und setze mich neben meine Mutter auf die Couch. Sie sieht sich wie jeden Tag die Morgennachrichten an. Ich sehe meiner Mutter sehr ähnlich. Wir haben die gleiche Haarfarbe, die gleichen Augen und die gleichen Gesichtszüge.
„Im Moment gibt es keine neuen Informationen zur Suche des neuen Planeten. Der letzte Planet stellte sich leider als nicht bewohnbar heraus, jedoch ist bereits ein neuer in Aussicht. Wir bitten alle, weiterhin ruhig zu bleiben und nicht in Panik zu verfallen. Auch wenn es im Moment so aussieht, als gäbe es keine Lösung, werden wir dennoch eine finden. Wir danken Ihnen für Ihr Vertrauen. Und jetzt zum Wetter.“ Klar! Als ob sie noch eine Lösung finden werden. Seit Jahren versprechen sie uns schon eine Lösung für das Problem, aber ist etwas passiert? Nein! Immer das gleiche. Ich seufze und möchte in meinem Zimmer verschwinden, doch meine Mutter hält mich auf. „Liebling, sie werden schon einen Planeten finden.“, sagt sie mit der sanften Stimme, die sie immer verwendet, wenn sie mich beruhigen möchte. „Mama, sie erzählen uns seit Jahren, dass sie sicher einen neuen Planeten finden werden, aber bis jetzt ist nichts passiert und die Planeten, die sie gefunden haben, waren nicht bewohnbar. Die ganze Warterei hat doch sowieso keinen Sinn!“, meine ich. „Schatz, ich bin mir sicher, sie werden einen Planeten finden. Für die Regierung ist es doch auch nicht einfach. Die Proteste nehmen immer mehr zu und die Todesfälle häufen sich. Die Menschen haben Angst, dass es keine Hoffnung mehr für sie gibt.“, versucht sie, mir die Situation näher zu bringen. „Da haben sie Recht! Es wird bestimmt kein Planet gefunden.“,gebe ich überzeugt von mir. Schock steht im Gesicht meiner Mutter geschrieben. „Das darfst du nicht sagen! Hörst du?! Du bist ein Kind der Zukunft. Gerade du solltest eigentlich die Hoffnung verbreiten und weiterhin daran glauben, dass ihr gerettet werden könnt. Ich will so etwas nie wieder von dir hören! Haben wir uns verstanden, junge Dame?“ „Ja.“, gab ich genervt zurück. Meine Mutter ist etwas überempfindlich, was die ganze Sache angeht. Mein Vater hat die KdZ mitgegründet und dafür gesorgt, dass ich ein Teil dieses Programms werde. Damals, als er noch bei uns war, glaubte ich auch noch daran, dass alles besser werden würde. Doch dann war er weg. Von einem Tag auf den anderen verschwand er. Meine Mutter meinte, er litt an einer Krankheit und er wollte mich im Ungewissen lassen, damit ich mir keine Sorgen machen muss. Am Schluss ihrer Rede meinte sie, dass er daran gestorben sei und dass es ihm dort, wo er jetzt war, gut gehen würde. Ich glaubte ihr nicht. Wochenlang versuchte ich ihn anzurufen, doch es ging immer wieder die Mailbox ran. Irgendwann beschloss ich dann, nach ihm zu suchen. Ich war drei Tage weg. Meine Mutter war krank vor Sorge und schaltete die Polizei ein. Sie fanden mich schließlich neben einer Straße auf dem Weg in unser altes Haus, denn als mein Vater starb, zogen wir sofort um. Mutter meinte nur, es sei besser und so können wir den Schmerz besser verdauen, aber es hat nichts gebracht. Jedenfalls wurde ich dann zurück zu Mama gebracht und sie hat mich seitdem nicht mehr aus den Augen gelassen. Ich kann mich nur noch schwer an unser altes Haus erinnern. Nur dass wir einen riesigen Garten hatten und dass wir in der Stadt lebten weiß ich noch. Ich beobachtete von meiner Terrasse aus immer die Leute vor unserem Haus. Irgendwie wollten alle meinen Vater treffen. Vermutlich waren es seine Freunde, denn davon hatte er wirklich viele. Fast jede Woche kamen seine Freunde zu Besuch, und fast immer waren es andere Personen als beim letzten Mal. Nur selten sah ich zweimal die gleiche Person. Früher fragte ich Mama oft, wie es damals war, wie unser Haus aussah, aber sie gab mir nie Antworten. Unglücklicherweise weiß ich nicht einmal mehr, wie der Ort hieß, in dem wir gelebt haben. Ich wünschte, ich könnte mich erinnern.
Mit einer Nachricht, die bereits so alltäglich geworden war wie das Zähneputzen, erweckt der Fernseher erneut meine Aufmerksamkeit.
„Ein neuer Planet wurde von unseren Astronauten gesichtet. Er wird gerade untersucht, ob man darauf leben kann. Die Kinder der Zukunft werden aufgrund dieser Entdeckung in ein Camp geschickt. Dieses soll sie auf die bevorstehende Reise ins All vorbereiten.“
Denken die ernsthaft, dass plötzlich kurz vor dem Ende ein neuer bewohnbarer Planet auftaucht? Und was bitte soll dieses komische Camp bringen. Alles nur Zeitverschwendung. Ich sehe zu meiner Mutter, die dazu wohl eine andere Meinung hat. Ihre blauen Augen strahlen förmlich und auf ihrem Gesicht erscheint das größte Lachen seit langem.
„Alisja, pack deine Sachen! Wir fahren noch heute.“, bestimmt meine Mutter und blickt mich auffordernd an. „Mum beruhig dich. Wir haben doch noch nicht einmal eine E-Mail bekommen.“, versuche ich sie wieder in die Realität zurückzuholen. Doch der Fakt, dass wir noch keinerlei Informationen haben, scheint ihr nichts aus zu machen. „Ach, mach dir keine Sorgen, mein Schatz. Die schreiben noch früh genug. Wichtig ist jetzt, dass wir vorbereitet sind! Und jetzt komm, wir müssen packen.“, grinst sie mich voller Freude an und will mich schon aus dem Wohnzimmer zerren, als ein Pieps von unserem Laptop kommt. Bitte nicht.
Ich kann nicht so schnell schauen, da ist sie schon beim Laptop und tippt aufgeregt herum. Anscheinend geht ihr wiedermal alles zu langsam. Ich frage mich, mit wem sie wohl reden wird, wenn ich nicht mehr da bin, wer mit ihr Filme sieht, sich über die Kleidung der Fernsehmoderatoren lustig macht und mit ihr kocht. Ich seufze und reibe mir über die Schläfen. Wieso muss es immer mich treffen? Ich will meine Mutter nicht alleine lassen. Nicht weil ich denke, dass sie es ohne mich nicht schafft, sondern weil wir beide uns nur gegenseitig haben und wenn wir getrennt sind, haben wir niemanden mehr. Keiner von uns beiden.
Langsam gehe ich auf meine Mutter zu, die in der Zwischenzeit bereits Outlook geöffnet hat und aufmerksam die E-Mail liest, die wir bekommen haben.
Sehr geehrte Frau Ebner,
hiermit teilen wir Ihnen mit, dass ihre Tochter an unserem neusten Ausbildungsprogramm teilnehmen muss.
In dieser letzten Lernphase, lernen die Kinder alles Nötige, um sich auf dem neuen Planeten zurecht zu finden. Außerdem wird es von Vorteil sein, wenn sich die Bewohner des neuen Planeten bereits kennenlernen, um ein besseres Miteinander zu schaffen.
Das Programm beginnt am nächsten Montag um 14 Uhr. Wir bitten Sie daher Ihre Tochter pünktlich in das Camp zu bringen. Weitere Informationen finden Sie im Anhang der Datei.
Wir danken Ihnen für ihre Kooperation!
Hochachtungsvoll,
Mario Rosenblatt
Jetzt ist es offiziell. Ich muss ins Trainingslager.
Im Anhang befinden sich eine Packliste, sowie die Bedienungsanleitungen des Equipments, das wir bekommen werden und noch weitere Informationen.
„Siehst du Schatz… Ich habe doch gesagt wir müssen vorbereitet sein.“ Ich sehe, wie meine Mutter die Packliste öffnet und auch die Shopping- Website, auf der wir die fehlenden Sachen bestellen können. Gemeinsam arbeiten wir die elend lange Liste mit den unnötigsten Sachen ab und geben sie in den Warenkorb. Nachdem sich alle benötigten Dinge darin befinden drückt meine Mutter schnell auf den „Kaufen“ Button und wir kommen auch sofort die Bestätigung der Bestellung. Nachdem die meisten Vorbereitungen erledigt waren, mache ich mich auf in mein Zimmer um den Lernstoff von heute in mein Hirn zu bekommen.
In meinem Zimmer angekommen kommt zuerst das große Boxspringbett in mein Sichtfeld. An der Wand neben meinem Bett befindet sich das Fenster, aus dem ich jeden Morgen sehe und darunter der kleine Holzschreibtisch. Mein Kleiderschrank ist aus demselben Material gefertigt und befindet sich gegenüber von meinem Bett.
Langsam betrete ich mein Zimmer und hole die Skripten aus den Schubladen meines Schreibtisches. Gemeinsam mit ihnen lege ich mich in mein Bett und beginne sie zu lernen. Einen Tag Mal nicht auswendig lernen… Das wäre schon was.
Am Abend erlaube ich mir dann eine Pause. Ich nehme mir meinen Laptop und sehe mir einen neuen Film an. Von unten höre ich Stimmen, vermutlich telefoniert meine Mutter wiedermal mit ihrem Chef. Auch wenn sie es nicht zugeben will, mag sie ihn. Da das Gerede nicht aufhört, stelle ich den Ton etwas lauter, doch kurz darauf schwanken meine Gedanken zum Trainingslager. Auch wenn ich es eigentlich nicht zugeben will habe ich Angst davor, wie es sein wird alleine unter anderen zu sein. Immerhin war ich noch nie alleine an einem fremden Ort. Außerdem weiß ich nichts über diese Menschen, nur, dass ich später Mal mit ihnen auf einem Planeten wohnen werde. Allerdings bin ich neugierig, ob es den anderen genauso ergangen ist wie mir. Mit genauso ergangen meine ich, ob sie auch zu Hause sitzen und stundenlang lernen müssen, sich mit niemandem treffen dürfen und fast immer alleine sind.
Plötzlich schießt es mir durch den Kopf… Morgen ist mein letzter Tag mit meiner Mutter. Vermutlich ist es mein allerletzter, denn es ist sehr wahrscheinlich, dass wir nach dieser letzten Phase des Trainings gleich auf den neuen Planeten gebracht werden, wenn es denn überhaupt so weit kommen wird, was ich ja stark bezweifle. Aber auch wenn wir nicht auf einen neuen Planeten gebracht werden können, könnte die Erde jederzeit explodieren und ich denke nicht, dass sie eines ihrer ach so „kostbaren“ Kinder der Zukunft zurück in eine viel zu „gefährliche“ Stadt lassen, auch wenn es nur dem Zweck dient meine Mutter zu besuchen. Meine Gedanken driften ins Leere und irgendwann bin ich dann wohl eingeschlafen, denn ich wache am Morgen wie so oft durch das Piepen meines Weckers wieder auf. Da ich in meiner Uniform geschlafen habe, klebt alles an mir. Schnell springe ich unter die Dusche und ziehe mir neue Kleidung über.
Noch müde wandere ich langsam die Treppe hinab. Als ich in die Küche komme, schlägt mir der Duft von Pancakes ins Gesicht. Meine Mutter steht am Herd und schwenkt gerade einen in der Pfanne. „Ich dachte mir, da das heute dein letzter Tag hier ist, verbringen wir den Tag zusammen und unternehmen etwas. Was meinst du?“ Sie reicht mir einen vollen Teller und wendet sich dann wieder dem Herd zu. Schnell setze ich mich zum Tisch und fange an zu Essen. Einen gemeinsamen Ausflug haben wir seit Jahren nicht mehr gemacht… Schmatzend antworte ich ihr: „Klar, aber was willst du machen? Die Museen für die KdZ haben alle geschlossen, sowie alle anderen Freizeitanlagen auch.“ Sie schaltet den Herd aus, nimmt sich ebenfalls einen Teller voller Pfannkuchen und setzt sich neben mich. „Ich dachte mir, wir fahren zum Meer. Auch wenn es nicht so schön ist wie damals, ist es doch ein toller Anblick.“ Ja das Meer. Ich hatte bereits viel darüber gehört. Mein Vater hat mir früher immer Geschichten darüber erzählt und mein größter Wunsch war es, einmal dorthin zu fahren und den Horizont zu erblicken, denn bis jetzt hatte ich es immer nur in alten Romanzen gesehen. Jedoch war ich etwas skeptisch. Ich bettle sie schon seit Jahren an, mit mir dorthin zu fahren, doch jedes Mal höre ich die gleiche Ausrede, nämlich dass es ein zu weiter Weg sei, weshalb ich auch schnell einwillige, damit sie es sich doch nicht noch anders überlegen kann.
Nachdem wir gefrühstückt haben, setzen wir uns ins Auto und fahren los. Die Fahrt dauert ungefähr eine Stunde, doch als wir das Meer endlich erreichen, kann ich meinen Augen nicht trauen… Meine Mutter parkt unser Auto und wir steigen aus. Ich hatte es mir vollkommen anders vorgestellt. Mein Vater hat immer erzählt, dass es ein atemberaubender Anblick sei, dass das Wasser tiefblau wäre und die Sonne sich auf dessen Oberfläche spiegeln würde. Hier war es eher düster. Der Himmel war vollständig mit grauen Wolken bedeckt und der Sand hat eine graue, matschige Konsistenz angenommen. Das Wasser ist das Schlimmste. Es ist nicht blau, wie man es immer hört. Nein, es ist grau und schleimig. Im Wasser treiben Müll und Fäkalien…ekelhaft! Meine Mutter seufzt neben mir. „So hatte ich es aber nicht in Erinnerung. Es ist sogar noch schlimmer geworden, als es damals schon war.“ Traurig blickt sie mich an und man sieht ihr an, wie leid es ihr tut. „Kein Problem Mama, wir können auch zu Hause auf der Couch einen Film ansehen. Hauptsache wir sind zusammen.“ Aufmunternd sehe ich ihr in die blauen Augen, die hier fast schwarz wirken. „Ja, da hast du recht. Komm, gehen wir zurück zum Auto und fahren nach Hause.“ Traurig schleppen wir uns wieder den Weg hinauf zum Parkplatz, auf dem unser Auto noch auf uns wartet.
Auf dem Rückweg schweigen wir. Keiner will etwas zu diesem katastrophalen Anblick sagen.
Zu Hause machen wir uns Milchreis in der Mikrowelle warm. Wir setzen uns auf die Couch und schalten den Fernseher an. Auf der Suche nach einem guten Film bleiben wir wieder einmal bei einem Nachrichtenkanal hängen.
„Am nächsten Montag beginnt das Trainingscamp für die Kinder der Zukunft. Sie werden darauf vorbereitet auf den neuen Planeten Kurion zu fliegen. Dieser wurde erst kürzlich von den Astronauten entdeckt und bereits jetzt ist klar, dass das der Planet ist, den wir gesucht haben. Um Sauerstoff zu produzieren bauen sie jetzt mehrere Kuppeln auf, und das an verschiedenen Stellen des Planeten. Dort werden Pflanzen angebaut um den notwendigen Sauerstoff zu produzieren. In ein paar Monaten werden die Kinder der Zukunft auf diesen Planeten gebracht und bis dorthin wird alles vorbereitet, um dort leben zu können. Wir wünschen den Kindern der Zukunft Glück und viel Erfolg. Ihr werdet unsere Spezies retten. Und nun schalten wir zum Ort des Geschehens.“ Der Bildschirm wird kurz schwarz dann sehen wir einen Moderator der mit einer Frau und einem Mann vor einem Gebäude steht. „Ich bin hier mit den beiden Leitern des Projekts „Kinder der Zukunft“. Also Ennia und Mario Rosenblatt, wie wird das Training der Kinder denn aussehen?“ Die schwarzhaarige Frau ergreift sofort das Wort: „Die Kinder werden von uns in Weltraumsimulatoren gebracht. Dort lernen sie mit der nicht vorhandenen Erdanziehungskraft fertig zu werden. Außerdem wird es sehr viele Sportstunden geben, um die Kinder fit zu halten.“ „Natürlich wird es auch Lernstunden geben, in denen die Kinder ihren Unterricht fortsetzen werden.“, mischte sich nun auch der Mann mit den grünen Augen namens Mario ein. „Wie sieht es mit der Verpflegung und den Unterkünften aus?“ „Die Kinder werden in Zweierzimmer eingeteilt, da sie sich noch nicht gegenseitig kennen werden wir diese Raumeinteilungen übernehmen.“ „Es werden also alle Kinder in jedem Alter zusammen wohnen und lernen?“, erkundigt sich der Moderator. „Nicht ganz. Die Kinder werden in Altersgruppen eingeteilt, da die jüngeren auch noch nicht so viel gelernt haben wie die Älteren. Die Mahlzeiten werden natürlich gemeinsam eingenommen, aber auch dabei gibt es einen Sitzplan.“, erläutert Mario den ausgearbeiteten Plan. „Wie werden diese Zimmereinteilungen denn erstellt?“ Neugierig blickt der Moderator die beiden an. „Wir gehen nach Herkunft. Um die beiden Geschlechter nicht vollständig voneinander abzuschirmen, haben wir kleine Häuser gebaut. In diesen Unterkünften befinden sich zwei Doppelzimmer, eine Küche, zwei Bäder und ein Wohnzimmer. Es werden immer zwei Mädchen und zwei Jungs in einem Haus wohnen. Die Zimmereinteilung wird, wie bereits gesagt, nach der Herkunft und dem Alter erstellt. Die Kinder, die also nahe beieinander wohnen, werden vermutlich auch in einem Haus zusammen wohnen. Natürlich beachten wir auch die Wünsche der Eltern.“, erzählt Ennia. „Stimmen Sie der Meinung einiger Menschen zu, dass es sich bei Ihrem Programm um Kinderarbeit handelt?“, richtet der Moderator seine Frage an Mario. „Nein natürlich nicht! In diesem Programm haben die Kinder ganz normalen Unterricht. Es ist als wären sie in einem Internat. Sie haben nur ein paar zusätzliche Kurse um sich auf das All vorbereiten zu können. Dieses Programm ist absolut kinderfreundlich. Die Kinder der Zukunft haben genug Freizeit, sie können jederzeit mit ihren Eltern und Freunden in Kontakt treten und finden zusätzlich neue Freunde. Außerdem verfügt diese Anlage über einige Quadratkilometer Grünfläche. In diesem Bereich können sie sich frei bewegen und ihren Hobbies nachgehen.“, erklärt er mit einem empörten Unterton. „Nun, da hören Sie es. Dieses Programm ist ein gutes Projekt, dass sich mit der Zukunft unserer Menschheit befasst.“
Meine Mutter schaltet den Fernseher aus und starrt kurz vor sich hin. „Ich denke, wir sollten deine Sachen für morgen packen.“ Damit steht sie auf und geht in mein Zimmer. Ich folge ihr und schnappe mir noch einen meiner Koffer.
Beim Packen sieht sie eigenartig fahl aus und ist nicht ganz bei der Sache. Sie hat anscheinend realisiert, dass wir uns ab morgen nicht wieder sehen werden, auch wenn sie es im Fernsehen gesagt haben. In der E-Mail wird in einer der Beilagen ausdrücklich darum gebeten, dass die Eltern der KdZ nicht mit in das Lager kommen und ihre Kinder nicht kontaktieren, damit keinerlei Ablenkung entstehen kann.
Wir reden den restlichen Abend fast nichts mehr. Nachdem alles fertig verstaut ist, verkrieche ich mich in mein Zimmer und machen mich bettfertig. Als ich unter die Decke schlüpfe ist es bereits dunkel und meine Augen werden schwerer. Langsam übermannt mich die Müdigkeit und ich drifte mit dem angsteinflößenden Gedanken an morgen in einen unruhigen Schlaf.
Alisja
Der Morgen heute war ziemlich stressig. Ich habe verschlafen und meine Mutter hat mich nicht geweckt. Erst eine Stunde später ist sie raufgekommen, um nachzusehen, wo ich bleibe. Als sie gesehen hat, dass ich noch schlafe, hat sie mir die Decke weggezogen und mich angeschrien es wäre schon zwölf Uhr. Daraufhin bin ich aus meinem Bett gesprungen und ins Bad gerannt, um mir die Zähne zu putzen. Ich sprang auch kurz unter die Dusche und als ich nach 15 Minuten wieder auftauchte, war meine Kleidung bereits herausgelegt und ein Zettel lag auf meinem Bett.
Hab deinen Koffer nochmal kontrolliert, alles drin. Mach dich schnell fertig, in fünf Minuten gibt’s Essen.
Ich habe mich daraufhin so schnell wie möglich angezogen. Als ich in die Küche gekommen bin, hat meine Mutter gerade das Essen eingepckt. „Essen kannst du unterwegs, wir müssen jetzt los.“, sagte sie und lief hinaus zu unserem Auto.
Jetzt gerade sitze ich mit einem Jausenbrot und einer Flasche Wasser im Auto und versuche mir gut zuzureden, um meine Nervosität in den Griff zu bekommen.
Eineinhalb Stunden später kommen wir dann gerade noch pünktlich zum Treffpunkt. Ich steige aus und hole mir meinen Koffer aus dem Kofferraum. Während ich zur Anmeldestelle gehe, parkt meine Mutter ihr Auto.
„Name.“, sagt der Rezeptionist als ich an der Reihe bin. „Alisja Ebner.“, antworte ich ihm. „Ausweis.“ Ich hole meinen Ausweis aus meiner Tasche und zeige ihn ihm. „Hier haben Sie Ihren Stundenplan. Sie sind im Haus 119 untergebracht.“ Er reicht mir ein Tablet, auf dem alle Informationen sind. „Falls Sie noch Fragen haben, finden Sie auf Ihrem Tablet eine App, die den Namen „Fragen“ trägt. Sie müssen sie nur öffnen und Ihre Frage eingeben. Dann klicken Sie auf absenden und bekommen so schnell wie möglich eine Antwort. Das gilt auch bei Unterrichtsstoff und Hausaufgaben, die sie nicht verstehen.“ „Danke!“ Ich nehme meine Sachen und gehe in die Richtung der Schleuse. Meine Mutter wartet dort bereits auf mich. „Ich werde dich vermissen meine Kleine. Pass gut auf dich auf, ja.", bittet sie mich mit wässrigen Augen. „Werde ich machen. Ich hab dich lieb, Mama.", antworte ich ihr und versuche meine Tränen zurückzuhalten. „Ich hab dich auch lieb, mein Schatz.“ Ich nehme sie in den Arm und drücke sie so lange wie möglich an mich, bevor ich durch die Schleuse gehe. Es ist ein dunkler Gang und als ich hinaustrete, befinde ich mich auf einer riesigen Wiese. Überall laufen Kinder und Jugendliche herum. Ich sehe mich unsicher um und frage mich, wie ich zu meinem Haus kommen soll. Vielleicht…
„Kann ich Ihnen behilflich sein.“, unterbricht jemand meine Gedanken und ich zucke beim Klang dieser metallischen Stimme zusammen. Vor mir steht ein kleiner Roboter und sieht mich an. Ich zögere kurz doch dann frage ich: „Ja, ich muss zum Haus 119. Kannst du mir zeigen wo es sich befindet?“ „Natürlich, dafür bin ich da. Mein Name ist Lira. Ich bin dein persönlicher Roboter. Meine Aufgabe ist es, dir mit meinem Wissen zur Seite zu stehen. Du kannst mich jederzeit etwas Fragen oder mich mit etwas beauftragen.“, kommt die Antwort prompt aus dem Lautsprecher des kleinen Roboters. „Hat jeder hier einen eigenen Roboter?“, lautet die erste meiner Fragen und ich bin mir sicher, dass noch viele folgen werden. „Ja.“, meint sie schlicht. „Kannst du mir meine Taschen abnehmen? Die sind ziemlich schwer.“, versuche ich mich von dem schweren Gepäck zu trennen. „Natürlich.“, erklingt ihre metallische Stimme erneut. Ich reiche ihr daraufhin meine Taschen und wir machen uns auf den Weg zu meiner Unterkunft. Während wir gehen, informiert mich Lira über meine Aufgaben und den Tagesablauf.
Als wir beim Haus 119 ankommen, fällt mir auf, dass ich keinen Schlüssel oder eine Karte bekommen habe. Lira scheint meinen Blick zu bemerken, denn sie sagt mir wie ich die Tür öffnen kann. „Leg eine deiner Hände auf die Tür. Sie wird deine Fingerabdrücke erkennen und die Tür öffnet sich.“ Ich tue was sie mir gesagt hat und tatsächlich, die Tür geht auf und ich trete in den Flur. Die Tür schließt sich wieder als wir im Haus sind. Der Flur ist mehr eine Kabine um Insekten und andere Tierchen daran zu hindern hineinzukommen. „Komm mit. Ich zeige dir dein Zimmer.“ Ich folge ihr den Gang entlang ins Wohnzimmer. Der Raum ist weiß gestrichen und hat als Einrichtung dazu passende Lackmöbel in Weiß und Schwarz. Die Küche und das Wohnzimmer sind im selben Raum und neben der Küche führt eine Treppe aus weiß lackiertem Holz hinauf. Eine Seite des Zimmers ist vollkommen aus Glas. Lira erzählt mir, dass es getönte Scheiben sind, damit wir hinaussehen können, aber keiner zu uns hinein. Sie führt mich weiter die Treppe hinauf. Auf dieser Ebene befinden sich zwei Türen. „Diese Ebene gehört den Jungs. Sie haben hier ihr Zimmer und das Badezimmer.“ Sie fährt weiter, weshalb ich ihr folge. Eine kleinere Treppe führt uns in eine weitere Etage. „Ich habe deine Koffer unten auf ein Band abgelegt, sie müssten also schon in deinem Zimmer sein. Ich werde jetzt zur Ladestation fahren. Wenn du mich brauchst, sag einfach meinen Namen und ich komme.“ „Danke.“ Und schon saust sie hinunter und lässt mich alleine. Ich gehe zur nächstgelegenen Tür und mache sie auf. Dahinter befindet sich das Badezimmer. Es ist riesig. Es hat zwei Duschen, zwei Badewannen, eine Toilette, zwei Waschbecken und einen Kasten, in den man alles reingeben kann. Ich gehe weiter hinein und sehe mir den Raum genau an. Die Duschen haben verschiedene Einstellungen wie Massage und solche Sachen eben. Die Wände sind wie unten in einem schönen Weiß gestrichen und auch hier ist eine Wand vollkommen aus getöntem Glas. Ich gehe wieder aus dem Raum. Die Tür neben dem Badezimmer wird dann wohl das Schlafzimmer sein. Ich öffne die Tür und sehe mich im Raum um. Wie bei allen anderen Räumen hat auch dieser eine Glaswand. Der Raum ist in zwei Hälften geteilt. In jeder befindet sich eine Couch, ein Bücherregal, ein Schreibtisch, ein riesiges Bett und eine weitere Tür. Ich lasse meinen Blick in die andere Hälfte des Zimmers gleiten und bemerke eine Person, die auf dem Bett liegt. „Hey, ich bin Miria .“ Das Mädchen trägt die gleiche silberne Uniform wie ich. Sie hat braune lockige Haare und dunkle Augen. Sie lächelt mich an. Ich mag ihr Lächeln. „Hey, ich bin Alisja.“ Das Mädchen steht auf und kommt auf mich zu. „Irgendwie komisch, oder? Ich meine, ich habe mein gesamtes Leben zu Hause verbracht, wenn man jetzt die Einkäufe nicht betrachtet, und jetzt bin ich hier.“, redet sie einfach darauf los. Da ich nicht damit gerechnet habe, bin ich kurz etwas überfordert und fange mich schnell wieder. „Ja, ich weiß was du meinst. Bei mir war‘s auch so.“, gebe ich ihr meine Antwort. „Dein Koffer ist schon hier. Er ist in deinem Ankleidezimmer. Ist das nicht total verrückt? Wir haben ein Ankleidezimmer!“, meint sie aufgeregt und strahlt während sie das sagt von einem Ohr bis zum anderen. „Ja, es ist verrückt. Ich hatte mir alles anders vorgestellt. Ich dachte, wir werden in kleinen Hütten untergebracht, die nur eine Etage haben und kleine Zimmer.“, erzähle ich ihr von meinen Vermutungen. „Ja, ich war total sprachlos, als ich hier reingekommen bin. Lora hat mir alles gezeigt.“, erzählt sie mir. „Wer ist Lora?“, frage ich verwirrt nach. „Mein Roboter. Du hast doch auch einen bekommen, oder?", erklärt sie. „Ach so, ja habe ich, meiner heißt Lira. Würde es dir was ausmachen, wenn ich kurz meine Sachen einräume?“, versuche ich das Thema zu wechseln, um etwas Abstand zu erlangen. Sie scheint wirklich nett zu sein, aber im Moment brauche ich einfach Zeit für mich selbst, um alles zu verarbeiten. „Nein, überhaupt nicht, wir können auch später weiter quatschen.“, sagt sie fröhlich. Bevor ich zur Tür auf meiner Seite gehe, lächle ich ihr noch einmal zu, um danach hinter ihr zu verschwinden. Das Zimmer vor mir hat wieder eine Glaswand. Genau wie alle anderen Räume ist auch das Ankleidezimmer ungewöhnlich groß. Ich packe alles aus und mache mich daran, meine mitgebrachten Sachen einzusortieren.
Nachdem alles verstaut ist und ich mich halbwegs, von meiner Nervosität beruhigt habe, begebe ich mich zurück ins Zimmer, in dem ich wieder auf Miria treffe. Ich lasse mich auf mein Bett fallen und sehe zu ihr rüber. Keiner von uns beginnt ein Gespräch, weshalb eine unangenehme Stille entsteht. Da mir nichts Besseres einfällt, um das Schweigen zu brechen, frage ich einfach: „Woher kommst du?" Ich weiß, dass es nicht sonderlich originell ist, aber wenigstens ist es ein Anfang. Miria sieht mich an, überlegt kurz, doch bevor sie mir antworten kann, klopft es an der Tür. Zögernd gehe ich auf sie zu und als ich aufmache, stehen zwei Jungs vor mir. Beide tragen die Uniform, die auch Miria und ich tragen. „Hey können wir reinkommen?“ fragt der Erste. Miria setzt sich blitzschnell auf und fast gleichzeitig sagen wir: „Klar.“ Ich mache die Tür weiter auf und trete einen Schritt zurück, um sie hereinzulassen. Nachdem sie den Raum betreten haben, schließe ich die Tür wieder. Die beiden haben es sich schon auf Mirias Couch gemütlich gemacht. Ich setzte mich zu Miria, auf's Bett und wir starren uns an, bis ich genug davon habe und einfach sage: „Also, ich bin Alisja und das ist Miria “, Miria winkt kurz, „und wer seid ihr?“,möchte ich von den beiden wissen. Immerhin werden wir in nächster Zeit wohl etwas mehr Zeit miteinander verbringen. „Ich bin Aaron“, antwortet mir der schwarzhaarige. Seine grünen Augen funkeln geheimnisvoll, was sein gesamtes Auftreten nur noch düsterer wirken lässt. Mit undefinierbaren Blick starrt er mich an und ich frage mich, was er wohl gerade denkt. „Und ich bin Elian.", bringt der blondhaarige mich wieder zurück ins Hier und Jetzt. Im Gegensatz zu Aaron hat er blonde Haare und braune Augen. Er wirkt um einiges freundlicher und offener, weshalb er mir sofort sympathisch ist. Elian lächelt uns freundlich an und fragt: „Habt ihr die Nachrichten gesehen? Anscheinend haben sie endlich einen Planeten gefunden, der bewohnbar ist. Ich dachte schon, sie würden nie einen finden.“,versucht Elian ein Gespräch zu beginnen. „Denkt ihr wirklich, dass sie einen neuen Planeten gefunden haben?“,erkundige ich mich vorsichtig. „Wieso sollten sie keinen gefunden haben? In den Nachrichten ist es überall und sogar der Präsident hat die Information bereits bestätigt. Ich denke nicht, dass uns die Regierung bei etwas so Wichtigem täuschen würde. ”, meint Miria. Alle drei blicken mich erwartungsvoll an, nur weiß ich nicht, was ich sagen soll, deshalb stimme ich einfach mit einem, „Stimmt ihr habt Recht", zu. Diese Antwort dürfte ihnen gereicht haben, denn Miria und Elian beginnen, sich zu unterhalten. Nur Aaron sieht mich an, als würde er mir nicht glauben. Schnell weiche ich seinem Blick aus und versuche so aus zu sehen, als würde ich Miria und Elian zuhören…
Mit der Zeit löst sich die Anspannung und auch Aaron schaut nicht mehr so extrem finster wie zuvor. Lachend unterhalten wir uns bis es plötzlich an der Tür klopft. Elian ruft ein kurzes „Herein!" und vier Roboter kommen herein. Unter ihnen erkenne ich auch Lira. „Die Besprechung beginnt in einer halben Stunde. Mittlerweile sind alle Kinder der Zukunft eingetroffen. Macht euch fertig, wir werden euch dann zum Ort der Besprechung führen.“, meint einer der anderen drei. „Danke Liro.“, kommt es von Aaron. Ich vermute, es ist sein Roboter. „Sollen wir irgendetwas mitnehmen Loro?“, erkundigt sich Elian beim Roboter neben Liro. „Nein.“, antwortet dieser. „Na schön, dann lassen wir euch jetzt Mal allein. Wir sehen uns gleich.“, gibt Aaron von sich und verlässt gemeinsam mit Elian und ihren zwei Robotern unser Zimmer.„Ja, bis später.“, rufe ich noch schnell hinterher, jedoch glaube ich nicht, dass sie das noch gehört haben.
Sobald die vier weg sind, fängt Lira an zu sprechen: „Alisja, du hast bereits eine neue Uniform bekommen. Diese zu tragen ist verpflichtend, also folge mir bitte." Ohne ein weiteres Wort fährt sie auf ihren eingebauten Rädern in meinen begehbaren Schrank. Schnell laufe ich ihr hinterher und finde eine weiße Uniform mit silbernen Streifen, die wie ein Netz über die gesamte Uniform verlaufen. Ich nehme sie aus dem Kasten. „Jedes Haus hat ein eigenes Wappen und die Farbe steht für eure Altersgruppe. Also 16-17 Jahre. Euer Wappen ist ein Stern.“ Ich ziehe mir meine neue Uniform an und muss überrascht feststellen, dass sie wie angegossen passt. Lira muss meinen verwirrten Blick wohl bemerkt haben, denn sie erklärt mir sofort: „Deine Maße wurden in der Schleuse genommen. Der Anzug und jedes andere Kleidungsstück ist maßgeschneidert.“ Ich drehe mich um, um mir meine Schuhe zu holen, als ich einen kompletten Schrank mit Kleidern, Hosen und T-Shirts sehe. Sie haben alle die gleiche Farbe und das Wappen aufgedruckt. Die Kleidungsstücke sind so vielfältig, dass ich mit dem Schauen nicht zurechtkomme. Wie konnte mir das vorhin nicht auffallen? „Die Kleidungsstücke sind für deine Freizeit gedacht. Die Uniformen sind ausschließlich für den Unterricht und Besprechungen gedacht. Die unterste ist nur für den Sportunterricht.“, klärt mich Lira auf. „Verstanden.“,gebe ich von mir. Ich gehe zu meinem Schuhregal und suche mir die passenden Schuhe heraus. Auch hier gibt es verschiedene Varianten. Da wären hohe Schuhe, Laufschuhe, Hallenschuhe, Sneaker und Sandalen. Alle haben wieder die gleiche Farbe und einen Stern als Wappen. Ich ziehe mir die Sneaker an, bevor ich mit Lira wieder zurück in mein Zimmer gehe. Miria ist noch nicht fertig, also verschwinde ich noch schnell im Bad und kämme meine Haare. Sie sind fast weiß und in der Sonne erscheinen sie einem silbern. Ich blicke in den Spiegel und sehe mich… ein ganz normales Mädchen mit blonden Haaren, dunkelblauen Augen und sportlicher Figur … Das Ebenbild meiner Mutter. Ich seufze einmal und gehe dann zurück in mein Zimmer. Diesmal ist Miria bereits da. Sie sitzt in ihrer Uniform auf dem Bett. „Wo hast du denn die Uhr her?“, frage ich, als ich diese an ihrem Handgelenk erkenne. „Sie lag bei den Sonnenbrillen. Komm mit ich zeig sie dir.“ Ich folge ihr in mein Ankleidezimmer zu einer Schublade. Darin befinden sich ein paar Sonnenbrillen und eine Uhr. Ich nehme sie mir heraus und schnalle sie auf mein linkes Handgelenk. „Das Ding kann einfach alles. Du kannst damit Nachrichten versenden, sie kann als Sportuhr verwendet werden, ein Kalender ist darauf gespeichert, in dem du deine Termine einfügen kannst und sie hat eine Sprachsteuerung.“, erklärt sie kurz. „Wow.“, staune ich. „Das kannst du laut sagen und jetzt komm. Ich will zur ersten Besprechung nicht zu spät kommen.“
Unten warten Aaron und Elian bereits auf uns. Sie stehen ebenfalls in ihren neuen Uniformen im Wohnzimmer und unterhalten sich. „Hey, sind alle so weit?",frage ich, als wir neben sie treten. „Ja, von mir aus kanns losgehen.“, antwortet mir Elian. Aaron ist wie schon zuvor sehr still. Sein Blick gleitet kurz über mich bevor er Miria kurz zunickt und sich dann zum Gehen wendet. „Na dann Mal los.",spreche ich zu mir selbst und folge den anderen.
Wir gehen durch den Park und versuchen mit unseren Robotern Schritt zu halten. Wieso haben die es denn bitte so eilig? Während ich Elian und Miria hinterhertrotte, scheint es für Aaron ein Kinderspiel zu sein ihnen zu folgen. Kein Wunder bei den langen Beinen. Mein Blick richtet sich wieder nach vorne und die Gedanken die ich eigentlich verdrängen wollte, kommen wieder hoch. Was wohl meine Mutter gerade macht? Hoffentlich geht es ihr gut. Ich habe mein gesamtes Leben mit ihr verbracht. Es hieß immer wir beide gegen den Rest der Welt und plötzlich werden wir auseinandergerissen. Mit jedem Schritt den ich gehe fange ich an meine Mutter mehr zu vermissen. Sie war in den letzten Jahren der Anker, an dem ich mich festgehalten habe und den ich von jetzt auf gleich plötzlich verloren habe. Ich wünsche mir so sehr, mit ihr auf der Couch einen Film anzusehen. Wir würden uns über die schlechten Schauspieler aufregen und wie unecht alles wirkt und letztendlich würden wir ihn abschalten und unsere eigenen Geschichten erfinden. Doch das geht jetzt nicht mehr.
Alisja
Nach zehn Minuten, in denen ich vollkommen in Gedanken versunken war, kommen wir zu einem Platz, an dem sich schon ziemlich viele Menschen eingefunden haben. Wir setzen uns auf die Plätze, die uns zugewiesen werden und warten darauf, dass jemand etwas sagt. Ein paar Minuten später sind alle eingetroffen. Das Paar, das ich bereits im Fernsehen gesehen habe, tritt auf die Bühne und alle fangen an zu applaudieren. Die Frau hebt die Hand und alles wird still. „Willkommen im Trainingslager, der Kinder der Zukunft. Ihr werdet die nächsten Monate hier lernen, wie ihr euch auf dem neuen Planeten zurechtfindet. Es gibt strikte Regeln, an die sich jeder Schüler zu halten hat. Gibt es einen Regelverstoß, werdet ihr bestraft. Nun, wo das geklärt ist, möchte ich mich erstmal vorstellen. Mein Name ist Ennia Rosenblatt, ich bin eine der Leiterinnen dieses Projektes. Falls ihr Fragen habt, könnt ihr euch jederzeit an mich wenden. Dasselbe gilt im Fall von Problemen. Sollte jemand ausgegrenzt werden, kommt er bitte sofort zu mir.“ Sie tritt einen Schritt zurück und ein Mann tritt vor. Er hat genau wie die Frau zuvor blonde Haare und braune Augen. „Wie meine Frau bereits gesagt hat, möchte ich euch alle herzlich willkommen heißen. Mein Name ist Mario Rosenblatt. Genau wie meine Frau bin ich ebenfalls Leiter des Projekts „Kinder der Zukunft“. Ich bin für euren Unterricht zuständig und möchte euch bitten, gut mitzuarbeiten. Auch euer Tablet, das ihr an der Rezeption bekommen habt, braucht ihr für den Unterricht, da auf diesem alle eure Kurse und Bücher gespeichert sind. Eure Klassen sind nach den Altersstufen eingeteilt. Diese teilen sich in. 3-5 Jahre, 6-7 Jahre, 8-9 Jahre, 10-11 Jahre, 12-13 Jahre, 14-15 Jahre und 16-17 Jahre. Ich wünsche euch allen einen angenehmen Aufenthalt, bis ihr zum neuen Planeten fliegt.“ Damit ist die Rede vorbei.
Nach einer kurzen Wartezeit, in der niemand wusste, was jetzt genau getan werden soll, gehen wir in einen riesigen Speisesaal. Er ist hell beleuchtet und als ich hinaufsehe, blicke ich in den Himmel. Dieser Raum hat ein Fensterdach, leider ist der Himmel nicht blau, so wie ich es mir wünsche, er hat die selbe graue und düstere Farbe wie immer. Der Raum ist in sieben Bereiche aufgeteilt. Meine Gruppe hat ihren Tisch im Bereich 7. Der Bereich für 16–17-Jährige. Wir holen uns unser Essen und setzen uns an unseren Tisch. „Sagt Mal, wie alt seid ihr eigentlich? Ich meine unsere Altersgruppe ist ja von 16-17 Jahren. Ich bin davon ausgegangen, dass sie immer nur Gleichaltrige zusammenstecken, aber da habe ich mich wohl geirrt.“, fragt uns Elian zwischen zwei Bissen. „16“, antwortet ihm Miria zuerst. „Ich auch. Was ist mit dir und Aaron?“ „Wir sind beide 17.“, kommt Aaron, Elian zuvor. „Haben wir heute eigentlich noch irgendwelche Besprechungen?“, Frage ich und beiße in meinen Wrap. „Nein, ich glaube nicht. Soweit ich es verstanden habe fängt der Unterricht erst morgen an.“, antwortet mir Elian. „Das heißt wir haben noch den ganzen Tag vor uns. Wollt ihr irgendwas machen?“, fragt jetzt Miria. „Klar.“ „Ja, in Ordnung. Und was?“, murmeln wir einstimmig. „Was macht ihr denn sonst immer so?“ „Lernen, Sport und Filme sehen.“, antworte ich schnell. „Ja, bei mir siehts ähnlich aus.“, meint Miria. „Macht ihr denn keine Ausflüge?“, mischt sich jetzt auch Aaron ein. „Nein. Ich geh manchmal mit meiner Mutter einkaufen, aber das wars dann auch schon wieder.“,erzähle ich. Miria nickt zustimmend und Aaron und Elian sehen sich verzweifelt an. „Ich glaub da haben wir ne Menge Arbeit zu leisten.“, spricht Elian aus. „Ja. Wie wäre es, wenn wir Mal das Gebiet erkunden, dann können wir beim nächsten Mal schon was unternehmen. Was meint ihr?“ „Von mir aus gerne.“, stimme ich zu und nehme den letzten Bissen in den Mund. „Ja ich bin auch dafür.“,meint auch Miria. „Na dann, auf zur Erkundungstour!", ruft Elian begeistert und schlingt schnell sein restliches Essen hinunter. Als Aaron das sieht verdreht er nur die Augen und isst in Ruhe auf.
Nachdem wir alle mit dem Essen fertig sind, gehen wir zu unseren Robotern. Sie fahren gleich voraus, um uns das Gelände zu zeigen. Wir folgen ihnen einen schmalen Pfad entlang. Er führt uns kurz in ein Stück Wald und dann zu einem See auf einer Lichtung, an dem wir auch bleiben. Überall um uns befinden sich Bäume und das einzige, das man hört, ist das leichte Rauschen des Wassers. Der Wind bläst angenehm und ich schließe meine Augen, um einen tiefen Atemzug zu nehmen. Es ist wunderschön. Die Bäume spiegeln sich auf der Wasseroberfläche und die Stille ist eine willkommene Abwechslung, doch irgendetwas fehlt. Ich sehe zum Himmel hinauf und erblicke wieder die graue trostlose Decke. Keine Sonne und kein blauer Himmel. Traurig lasse ich mich ins Gras fallen und starre weiter auf die graue undurchdringbare Masse. „Ist alles in Ordnung? Du siehst so traurig aus.“, höre ich eine Stimme neben mir. Ich schrecke hoch und drehe mich in die Richtung, aus der sie kommt. Neben mir steht Aaron und sieht mich mit einem undefinierbaren Blick an. „Nein, alles in Ordnung.“, antworte ich ihm. „Bist du dir da sicher? Vorhin hast du nämlich noch gestrahlt und jetzt, von der einen Sekunde auf die andere, siehst du ziemlich traurig aus.“ „Es ist wirklich alles in Ordnung. Ich finde es nur schade, dass wir die Sonne nie zu Gesicht bekommen werden.",erkläre ich. „Da wäre ich nicht so sicher.“, gibt Aaron zu bedenken. „Wie meinst du das?“,will ich wissen. „Naja, irgendwann werden wir auf diesen neuen Planeten ziehen. Vielleicht siehst du von dort aus die Sonne.",teilt er seine Überlegung mit mir. „Vielleicht, aber wenn nicht, habe ich mir umsonst Hoffnung gemacht.“,sage ich schnell. „Das stimmt schon, aber wie man so schön sagt: Die Hoffnung stirbt zuletzt.“ Er lächelt mich an und wendet seinen Blick wieder auf das Wasser. Ich starre ihn nur ungläubig an und versuche meinen Blick von ihm zu wenden. Was ist denn jetzt los? Zuerst still und leise und jetzt ein unerschütterlicher Optimist? Ich bin gespannt, was da noch kommen wird. Seufzend drehe ich meinen Kopf und blicke zu Miria und Elian, die aus vollem Halse lachen. Die beiden verstehen sich wirklich gut. Sie ergänzen sich perfekt. Langsam sehe ich wieder hinauf zum Himmel. Es ist unangenehm still und ich frage mich, was vorher da war und jetzt nicht mehr… die Tiere! Kein einziges von ihnen ist noch zu hören. Vorsichtig setze ich mich hin. Auch der Wind ist verstummt, jedoch hört man ein rauschen aus dem Wald, welches immer lauter wird. Auch die anderen haben es mittlerweile bemerkt und haben aufgehört, sich zu amüsieren. Alle blicken sich um. Bevor wir wissen, was es mit dem Rauschen auf sich hat, setzt ein unglaublich lautes Surren ein. Sofort halte ich mir die Ohren zu. Es schmerzt…sehr sogar. Den anderen geht es wohl ähnlich, denn sie sind alle zu Boden gesunken und drücken ihre Hände auf ihre Ohren. Dieser kurze Moment dauert gefühlt eine Ewigkeit. Mein Herz klopft in meiner Brust und ich presse die Lippen aufeinander. Es wird lauter und lauter, unerträglich und anstrengend. Von weitem höre ich ein paar schmerzvolle Schreie, welche immer weiter zunehmen, bis es zu einer schier unmöglichen Lärmkulisse anschwillt. Tränen bilden sich in meinen zusammengekniffenen Augen. Ich werde immer schwächer und falle zurück auf das Gras. Alles schmerzt. Die Welt um mich herum fängt an zu verschwimmen und das Letzte, das ich wahrnehme, ist die Stimme meiner Mutter, die mir sagt, dass ich stark bleiben muss.
Alisja
Ich wache von dem nervtötenden Geräusch meines Weckers auf. Erschrocken schlage ich meine Augen auf und versuche meinen Wecker aus zu machen, was aber nicht geht. Ich sehe zur Seite und erblicke…. Lira. Kein Wunder, dass ich meinen Wecker nicht getroffen habe! Da ist nämlich keiner. Lira steht neben meinem Bett und aus ihr kommt dieses schreckliche Geräusch. Als sie merkt, dass ich bereits wach bin, verstummt das Geräusch und sie sagt mit ihrer metallischen Stimme: „Ich wünsche einen guten Morgen. Du musst jedoch sofort aufstehen. Es ist bereits 7 Uhr und um 8 Uhr beginnt dein erster Kurs.“ Nachdem sie ihre Ansprache beendet hat, dreht sie sich um und verlässt mein Zimmer. Ich starre ihr nur hinterher und wenn Blicke töten könnten, wäre sie jetzt vermutlich in ihre Einzelteile zerfallen. Ich bleibe noch eine Weile liegen und versuche mich und meinen Körper zu überzeugen, aufzustehen. Bis mir dann einfällt, was eigentlich passiert ist. Wie von der Spinne gebissen springe ich aus dem Bett und laufe in meinem Pyjama, fragt mich nicht, wie ich in diesen gekommen bin, nach unten. In der Küche sehe ich meine drei Mitbewohner lachend am Frühstückstisch sitzen. Als sie mich bemerken, drehen sie sich zu mir um. „Guten Morgen Alisja. Ist alles in Ordnung, du siehst irgendwie fertig aus.", sagt Miria und sieht mich besorgt an. „Ihr…ihr…erinnert ihr euch nicht?", bringe ich mit Mühen heraus. „Erinnern? Woran?", schaltet sich Elian dazu. „Im Wald… Da waren keine Tiere mehr und .. und dann war da kein Wind mehr.. und dann … ich …ich" „Jetzt beruhig dich Mal. Du hast letzte Nacht extrem unruhig geschlafen. Wahrscheinlich hast du einfach nur schlecht geträumt.", erklingt Miria's Stimme. „Was… aber …. Nein… das war kein Traum! Ihr wart doch dabei!", beharre ich und erschrecke selbst daran, wie laut meine Stimme geworden ist. „Alisja, ich kann ja verstehen, dass du aufgewühlt bist, aber das war nur ein Traum. Das war nicht echt.", redet Elian langsam auf mich ein." „Aber…" „Nein, Alisja, nichts aber! Komm runter, mach dich fertig und dann gehen wir gemeinsam zum Unterricht, ja?", setzt sich Miria jetzt durch. „Ich.. Ja, in Ordnung." Verwirrt blicke ich in die Runde und merke erst jetzt den komischen Blick von Aaron…genauso undefinierbar wie gestern schon. Ich wende mich ab und verschwinde ins Bad.
Nach einer schnellen Dusche, kurz Zähneputzen und Anziehen, trotte ich gedankenverloren die Treppe hinunter. Der "Traum" geht mir immer noch nicht aus dem Kopf, jedoch muss das erstmal warten, jetzt heißt es: konzentrieren und arbeiten…
Gemeinsam mit meinen Mitbewohnern betrete ich die Klasse und sehe ich mich erstmal um. Es ist ein ganz gewöhnlicher Klassenraum mit einer riesigen Fensterfront. Vorne ist eine elektronische Tafel mit Beamer. Ich lasse meinen Blick über die Plätze gleiten und mustere die verschiedenen Personen. In der ersten Reihe sitzt ein schwarzhaariges Mädchen mit grünen Augen, das mir irgendwoher bekannt vorkommt. Sie ist stark geschminkt und hat noch einen Gürtel um ihre Taille gebunden um sie zu betonen. Neben ihr sitzt ein eher kleiner Junge mit roten Haaren und freundlichen braunen Augen. Ich präge mir auch die Gesichter der anderen ein und setze mich dann neben Elian, der mir einen Platz freigehalten hat. Er lächelt mich an und richtet dann seine Aufmerksamkeit auf unseren Lehrer, der gerade die Klasse betreten hat. Herr Aalinger, wie ich vermute, legt seine Tasche, die man mit einem Aktenkoffer vergleichen kann, auf den Tisch und baut sich vor uns auf. Unser Lehrer ist ein hoch gewachsener Mann mit strengem Gesicht. Seine grauen Haare hat er sorgfältig nach hinten gekämmt und seine eckige Brille lässt ihn noch strenger wirken. Er trägt einen schwarzen Anzug mit schwarzen Lackschuhen.
„Meine lieben Schüler und Schülerinnen, ich freue mich euer Lehrer in Technik und Wissenschaft sein zu dürfen. Mein Name ist Herr Aalinger und in meinem Kurs werdet ihr euch die verschiedensten Techniken der Wissenschaft und Technik aneignen. Wie man zum Beispiel die Kuppel repariert, wenn sie kaputt ist und worauf man achten muss, damit man nicht stirbt. Bevor wir mit dem Unterricht beginnen, noch ein paar Regeln, die mir sehr am Herzen liegen. Fragen immer erst, wenn ich zu Ende gesprochen habe, keine Unterbrechungen meines Unterrichtes in Form von Gesprächen oder anderen Ablenkungen. Ich erwarte von jedem ein Höchstmaß an Disziplin. Nun, da dies geklärt ist lasst uns mit dem Unterricht beginnen.“ Ich starrte ihn nur an. Nicht das auch noch …
Die Stunde war die Hölle! Dadurch, dass ich so schlecht geschlafen habe bin ich unglaublich müde und verwirrt. Mein Kopf fühlt sich an wie ein Schwamm und ich muss mir Mühe geben die Augen offen zu halten. Immer wieder sind meine Gedanken zu meinem ominösen Traum gewandert, weshalb ich so gut wie nichts vom Stoff mitbekommen habe. Als mich dann der Lehrer auch noch aufgerufen hat und mich gefragt hat, was denn wichtiger sein kann als zu erfahren wie ich auf dem neuen Planeten überlebe, habe ich mich so erschrocken, dass er nur enttäuscht den Kopf geschüttelt und irgendwas von ”das soll unsere Zukunft sein" gemurmelt hat.
Den Rest der Stunde habe ich versucht so gut wie möglich aufzupassen, bin aber immer wieder daran gescheitert, weil mein Kopf sich heute anscheinend nicht durchringen kann sich zu konzentrieren. Es war als wäre die Zeit stehen geblieben und als ich dann das erlösende Läuten der Glocke hörte, packte ich schnell zusammen und verschwand aus dem Klassenzimmer. Mittlerweile bin ich mit Miria, Elian und Aaron auf dem Weg zur Pflanzenpflege-stunde, immerhin müssen wir ja mit irgendetwas Sauerstoff produzieren, damit wir später auf Kurion überleben können.
Wir betreten eine wunderschöne Dachterrasse voller verschiedener Gewächse. In der Mitte steht eine Frau, die ich auf ungefähr 50 schätze. Ihre blauen Augen strahlen uns förmlich an. Ihre Haare hat sie im Nacken zu einem Dutt zusammengebunden. Außerdem trägt sie noch ein farbenfrohes Blumenkleid, welches ihr bis zu den Füßen reicht.
Als wir dann komplett sind und uns in einem Halbkreis aufgestellt haben, fängt sie an sich und ihren Kurs vorzustellen.
„Willkommen liebe Kinder. Mein Name ist Frau Blum und ich unterrichte euch in Naturkunde. Wir werden zusammen viele verschiedene Pflanzen kennenlernen, die ihr leicht auf dem neuen Planeten anbauen könnt. Ich freue mich schon sehr auf die Arbeit mit euch. Das Wichtigste ist, dass ihr Freude daran findet und euch auf die faszinierende Pflanzenwelt einlasst. Dann fangen wir Mal an. Ich werde euch heute in verschiedene Gruppen einteilen und euch dann eine Pflanze zuweisen, um die ihr euch bis zu eurem Aufbruch zum neuen Planeten kümmern werdet. Nun gut, da hätten wir einmal, Miria und Mario“, Miria und der rothaarige Junge von vorhin treten vor. „Ihr bekommt die Tomaten.“ Sie zählt alle Paare nacheinander auf und es ist schnell klar, dass sie die Einteilung extra nicht innerhalb der Hauseinteilungen gelassen hat. Als letztes werden ich und ein Mädchen namens Emily aufgerufen. Das stark geschminkte Mädchen aus der ersten Reihe kommt auf mich zu stolziert und sieht mich an als wäre ich der letzte Dreck. „Ihr beide bekommt die Gurken. Pflegt sie, als wären sie eure eigenen Kinder.“ Damit lässt Frau Blum mich und Emily alleine. Die Schwarzhaarige dreht sich betont langsam zu mir um und zischt: „Damit du eins weißt, ich werde ganz bestimmt nicht im Dreck herumwühlen und irgendwelches Grünzeug gießen oder mich gar darum kümmern. Das kannst gerne du übernehmen. Und versuch gar nicht erst mir zu widersprechen. Meine Eltern leiten dieses Lager und kein Lehrer würde es wagen mich auch nur schief an zu sehen, also los, an die Arbeit.“ Damit dreht sie sich um und geht zu Frau Blum. Emily verzieht das Gesicht schmerzhaft und hält sich wehleidig den Bauch. Frau Blum sieht sie nur mitleidig an und kommt dann gemeinsam mit ihr auf mich zu. „Alisja Liebes, Emily geht es nicht gut, ist es für dich in Ordnung, wenn du heute alleine arbeiten musst?“ Diese Schlange täuscht doch tatsächlich vor, krank zu sein, nur um sich ihre Finger nicht schmutzig machen zu müssen. Ich zwinge mich zu einem Lächeln und antworte Frau Blum: „Natürlich ist das in Ordnung, die arme Emily soll sich ruhig ausruhen und beim nächsten Mal kann sie ja wieder mithelfen.