Eine Liebe in Paris (Die Liebe auf Reisen – Band 3) - Sophie Love - E-Book
Beschreibung

„DAS FESTIVAL DER LIEBE erschafft eine Welt voll Emotionen und Aufregung. Wir tauchen ein in die Gedanken einer jungen Frau (Keira) und ihre Bemühungen, Karriere und Privatleben unter einen Hut zu bringen. Sophie Love hat eine natürliche Begabung fürs Geschichten erzählen. DAS FESTIVAL DER LIEBE ist sehr gut erzählt und ich kann es nur jedem empfehlen, der sich ein Wochenende lang von einer Romanze verzaubern lassen will.“ --Books and Movie Reviews (Roberto Mattos) EINE LIEBE IN PARIS (Die Liebe auf Reisen – Band #3) ist der dritte Band der neuen Romantikserie von Bestseller-Autorin Sophie Love. Die Serie beginnt mit DAS FESTIVAL DER LIEBE (Buch #1). Keira Swanson, 28, kehrt nach New York zurück, dieses Mal in Begleitung von Cristiano. Ihn bei sich in New York zu haben, ihn ihrer Familie vorzustellen, das erweist sich als Kulturschock für sie beide. Schon bald erhält Keira einen neuen Auftrag, der noch wichtiger ist als alle zuvor. 30 Tage in Paris, gemeinsam mit Cristiano. Sie soll herausfinden, ob ihre Liebe in einem fremden Land bestehen kann, wenn sie sich beide auf unbekanntem Terrain befinden. Keira und Cristiano machen sich auf die romantische Reise nach Paris und müssen feststellen, dass ihre Liebe auf unerwartete Weise auf die Probe gestellt wird. Durch eine plötzliche Wendung ändert sich auf einmal alles. Kann ihre Liebe das aushalten? Eine turbulente und humorvolle Romanze, mit Tiefgang und Witz, das ist EINE LIEBE IN PARIS, Band 3 der bezaubernden neuen Serie, die dich zum Lachen und Weinen bringen wird, mit der du dir die Nächte um die Ohren schlägst und die dich mit ihrer Romantik die Liebe neu entdecken lässt. Band 4 ist in Vorbereitung. „Sophie Loves Fähigkeit, bei ihren Lesern Magie zu bewirken, zeigt sich in ihrem höchst inspirierenden Ausdruck und den lebendigen Beschreibungen… [Dies] ist der perfekte Liebes- oder Strandroman, der sich von anderen abhebt: seine mitreißende Begeisterung und die wunderschönen Beschreibungen machen deutlich, wie komplex die Liebe und auch die Gedanken der Menschen sein können. Dieses Buch ist perfekt geeignet für Leser, die nach einem Liebesroman mit Tiefgang suchen.“ --Midwest Book Review (Diane Donovan über Für jetzt und für immer)

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Sammlungen



L'AMOUR IN PARIS

Sophie Love

#1 Bestseller-Autorin Sophie Love ist die Schöpferin der romantischen Comedy-Reihe, DIE PENSION IN SUNSET HARBOR, die bisher aus 3 Bänden besteht, weitere sind in Arbeit. Band 1 ist unter dem Titel FÜR JETZT UND FÜR IMMER (DIE PENSION IN SUNSET HARBOR – BUCH 1).

Sophie Love ist außerdem die Autorin einer neuen humorvollen Romance-Reihe, DIE LIEBE AUF REISEN, die mit DAS FESTIVAL DER LIEBE (DIE LIEBE AUF REISEN – BUCH 1) beginnt.

Sophie würde sehr gern von Dir hören, also besuche sie doch auf ihrer Webseite: www.sophieloveauthor.com.

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Copyright © 2017 by Sophie Love. Alle Rechte vorbehalten. Außer, wie gemäß dem U.S. Copyright Gesetz von 1976 ausdrücklich erlaubt, darf kein Teil dieser Veröffentlichung ohne vorherige Erlaubnis der Autorin vervielfältigt, verbreitet oder in irgendeiner Weise oder in irgendeiner Form übertragen, in einer Datenbank oder in einem Datenabfragesystem gespeichert werden. Dieses E-Book ist nur für den persönlichen Gebrauch zugelassen. Dieses E-Book darf nicht weiterverkauft oder an andere Personen weitergegeben werden. Wenn Sie sich dieses E-Book mit einer anderen Person teilen möchten, kaufen Sie bitte eine zusätzliche Kopie für jeden weiteren Empfänger. Wenn Sie dieses Buch lesen, es jedoch nicht selbst gekauft haben und es auch nicht ausschließlich für Ihren eigenen Gebrauch gekauft wurde, dann geben Sie es bitte zurück und erwerben eine eigene Kopie. Vielen Dank für Ihren Respekt für die harte Arbeit dieser Autorin. Bei diesem Buch handelt es sich um Fiktion. Namen, Charaktere, Unternehmen, Organisationen, Orte, Veranstaltungen und Vorkommnisse sind entweder das Produkt der Fantasie der Autorin oder sind fiktiv eingesetzt. Jede Ähnlichkeit mit real existierenden Personen,lebend oder tot, ist reiner Zufall. Umschlagbild Copyright Ditty_about_summer, unter der Lizenz von shutterstock.com.

BÜCHER VON SOPHIE LOVE

DIE PENSION IN SUNSET HARBOR

DIE PENSION IN SUNSET HARBOR

FÜR JETZT UND FÜR IMMER (Buch 1)

FÜR IMMER UND EWIG (Buch 2)

FÜR IMMER MIT DIR (Buch 3)

WENN ES DOCH NUR FÜR IMMER WÄRE (Buch 4)

FÜR IMMER UND EINEN TAG (Buch 5)

FÜR IMMER UND NOCH EIN TAG (Buch 6)

DIE LIEBE AUF REISEN

DAS FESTIVAL DER LIEBE (BUCH #1)

ITALIENISCHE NÄCHTE (BUCH #2)

Inhalt

KAPITEL EINS

KAPITEL ZWEI

KAPITEL DREI

KAPITEL VIER

KAPITEL FÜNF

KAPITEL SECHS

KAPITEL SIEBEN

KAPITEL ACHT

KAPITEL NEUN

KAPITEL ZEHN

KAPITEL ELF

KAPITEL ZWÖLF

KAPITEL DREIZEHN

KAPITEL VIERZEHN

KAPITEL FÜNFZEHN

KAPITEL SECHZEHN

KAPITEL SIEBZEHN

KAPITEL ACHTZEHN

KAPITEL NEUNZEHN

KAPITEL ZWANZIG

KAPITEL EINUNDZWANZIG

KAPITEL ZWEIUNDZWANZIG

KAPITEL DREIUNDZWANZIG

KAPITEL VIERUNDZWANZIG

KAPITEL FÜNFUNDZWANZIG

KAPITEL SECHSUNDZWANZIG

KAPITEL SIEBENUNDZWANZIG

KAPITEL ACHTUNDZWANZIG

KAPITEL EINS

Keira blickte zu Cristiano auf dem Platz neben ihr. Trotz des langen und ermüdenden Flugs sah er attraktiv aus wie immer, mit seinen dunklen Augen, dem südländischen Teint und dem energischen Unterkiefer. Streng genommen fand Keira, dass er noch besser aussah als sonst, falls das überhaupt möglich war. Seine Augen glänzten vor Aufregung. Unter ihnen konnte man die Lichter von New York bei Nacht erkennen.

„Die Straßen sind alle so gerade“, murmelte Cristiano erstaunt. „Wie ein Gitter. Aber was ist die Lücke da?“

Sie blickte hinunter auf das dunkle Rechteck, das er meinte. „Das ist der Central Park.“

Cristiano war beeindruckt. „Ah, verstehe. Central. Weil er im Zentrum ist.“

Keira lachte über sein kindliches Staunen. „So ungefähr.“

Während das Flugzeug immer tiefer sank, blickte Cristiano neugierig aus dem Fenster.

„Die Häuser sind alle so hoch“, murmelte er.

Keira kicherte und strich mit dem Daumen über seinen Handrücken. Sie hatten sich den ganzen Flug über an der Hand gehalten, von Verona in Italien bis nach New York. Keira hatte nicht die Absicht, so bald wieder loszulassen.

Der Blick auf die großartige Stadt unter ihnen wurde mit jedem Augenblick besser, je näher sie der Landung kamen. Man konnte immer mehr Details erkennen, die vielen Taxis auf den Straßen, das gelbe Licht der Straßenlaternen, dann schließlich die hellen Lichter des Flughafens. Mit quietschenden Reifen setzte das Flugzeug endlich auf der Landebahn auf, verlangsamte und rollte bis zum Terminal.

„Wir sind da.“ Keira strahlte Cristiano an.

Er nickte mit aufgeregter Miene. „Ich kann es immer noch nicht ganz glauben.“

„Liebling, das geht mir ganz genauso“, antwortete Keira.

Ihre spontane Entscheidung in buchstäblich letzter Sekunde, Cristiano einzuladen, mit ihr nach New York zu kommen, war streng genommen etwas albern gewesen. Aber zu keinem Zeitpunkt während des Flugs hatte sie das Gefühl gehabt, eine falsche Entscheidung getroffen oder übereilt gehandelt zu haben. Cristiano neben ihr sitzen zu sehen, fühlte sich richtig an.

Endlich kam das Flugzeug zum Stehen und sie durften sich abschnallen. Sie standen auf, Cristiano holte seine kleine Ledertasche unter dem Sitz hervor, mehr hatte er nicht mitgebracht. Keira nahm ihre Handtasche, dann gingen sie mit den anderen Passagieren von Bord.

Keira genoss es, endlich die Gliedmaßen wieder strecken zu können, nach so vielen Stunden des Sitzens. In letzter Zeit hatte sie viel zu viel Zeit in Flugzeugen verbracht. Allerdings würde sie deshalb noch lange nicht ihren Job an den Nagel hängen. Eine Menge Leute würden töten, um drei Wochen beruflich durch Italien reisen zu können. Sie war dankbar für ihren Job als Reisejournalistin und Viatorum, das Magazin, für das sie schrieb, war mehr als nur ein Arbeitsplatz für sie. Sie hatte Freunde da, so wie Nina, ihre Redakteurin. Oder Elliot, ihren Boss. Außerdem hatte sie eine richtige Aufgabe da. Die Chance, die Viatorum ihr bot, war wie ein Traum, der wahr wurde.

Aber ihre letzte Reise durch Italien hatte ihr mehr eingebracht als nur einen Artikel, der unter ihrem Namen veröffentlicht worden war. Sie hatte die Liebe gefunden. Mit Cristiano.

Während sie darauf warteten, dass ihr Gepäck übergeben wurde, konnte sie Cristianos Eifer erkennen, endlich aus dem Flughafen herauszukommen und die Stadt zu erkunden. Sie konnte diese Ungeduld sehr gut nachvollziehen, es ging ihr nicht anders.

Endlich erschien ihr Gepäck auf dem Karussell. Cristiano, immer ganz der Gentleman, sammelte alles ein und bestand darauf, es für sie nach draußen zu schieben.

Sie verließen eilig den Flughafen, voller Aufregung, was sie erwartete.

Sie nahmen die U-Bahn in das Stadtviertel, in dem Bryns Wohnung lag, eilten aus dem Ausgang hinauf in die Kälte. Ein eisiger Wind empfing sie. Cristiano schleppte ihren Koffer die Treppe hinauf, blieb dann auf dem Gehweg stehen und stellte den Koffer neben ihr ab. Keira freute sich geradezu darauf, alles auszupacken und Wäsche zu waschen.

Die Gehwege waren voll mit Menschen, die eilig unterwegs waren, beschäftigt mit ihrem eigenen Leben. Cristiano wirkte amüsiert darüber, dass alle es so eilig hatten, was ihm unverständlich schien.

Während sie das letzte Stück zu ihrer Wohnung zurücklegten, schaute sich Cristiano erstaunt um. Keira fand sein kindliches Staunen charmant und fragte sich, ob sie auf ihrer Rundreise durch Italien auch so ausgesehen hatte.

„Es gibt so viel zu sehen“, sagte er. „So viele Häuser. Es ist überwältigend.“ Aber dann fing er an zu bibbern und mit den Zähnen zu klappern. „Ist es hier immer so kalt?“

Cristiano trug einen dieser italienischen Anzüge, die zwar sexy aussahen aber unpraktisch waren. Er rieb sich über die Arme. Sie tat das ebenfalls und half ihm, etwas wärmer zu werden in dem dünnen Anzug.

„Nur um diese Jahreszeit“, erklärte sie. „Wir müssen dir einen anderen Mantel kaufen.“ Sie deutete auf das nächste Bekleidungsgeschäft. Es war ein großer Outlet Store, preisgünstig. Da würden sie etwas Passendes finden.

Aber Cristianos Reaktion war alles andere als begeistert.

„Ich würde lieber warten und in ein besseres Geschäft gehen“, meinte er. „Ich halte die Kälte schon noch ein bisschen aus bis dahin.“

„Du frierst lieber als nur für einen Moment nicht perfekt angezogen zu sein?“, spottete Keira.

„Natürlich.“ Cristiano schmunzelte.

Aber er hatte es noch nicht ganz ausgesprochen, als der scharfe Novemberwind sie voll erwischte. Keira zitterte, umschlang ihren Oberkörper mit den Armen und blickte Cristiano an.

„Armer Kerl“, sagte sie lachend. „Du bist nicht mehr in Italien.“

Cristiano gab nach und sie eilten in das große, hell erleuchtete Geschäft. Er ging eine Reihe grell bunter Windjacken durch und sah dabei unbegeistert aus. Die Zeiten, da sie italienische Designer-Klamotten gekauft hatten, waren vorbei.

Endlich fand er einen schwarzen Mantel, eine billige Kopie von etwas, das ein modebewusster Italiener vielleicht tragen würde, und kaufte ihn.

„Zehn Dollar“, sagte er kopfschüttelnd. „Er wird binnen einer Woche auseinanderfallen.“

„Er muss ja nur halten, bis wir das nächste Gucci-Geschäft gefunden haben“, witzelte sie.

Sie bogen in die Straße ein, wo Bryn wohnte und blieben vor dem etwas heruntergekommen aussehenden Backsteinhaus stehen. Ein frisches Graffiti war dran geschmiert, ein Geländer war abgebrochen und die Pflanzen in den Kästen waren tot.

„Das ist es also?“ Cristiano blickte an der Fassade hinauf.

Zu sagen, er wirkte unbeeindruckt, war untertrieben. Seine Erwartungen mussten von der schäbigen Wohngegend einen ziemlichen Dämpfer erhalten haben. Er musste sich in etwa so fühlen wie sie, als sie das erste Mal Neapel gesehen hatte.

Sie hoffte, er war nicht zu enttäuscht, denn es würde ja nicht besser werden.

„Meine Schwester ist … etwas … nun, sagen wir, verrückt“, warnte sie ihn. „Besser, du stellst dich darauf ein.“

Cristiano lachte. Offenbar dachte er, sie machte einen ihrer Scherze.

KAPITEL ZWEI

Bryn hatte offenbar komplett vergessen, dass Keira heute zurückkam. Das wurde deutlich, sobald sie das Apartment betreten hatten.

Es sah verheerend aus. Kleidung und Schuhe lagen überall herum, auf der Anrichte in der Küche standen eine Reihe benutzter Weingläser. Auf dem Couchtisch, der voller Krümel war, lagen außerdem leere Chipstüten und eingetrocknete Schalen mit Dips. Keira verzog bei dem Anblick das Gesicht. Was sollte Cristiano denn nun denken?

Um das Bild vom totalen Chaos abzurunden, entdeckten sie die schnarchende Bryn auf dem Sofa, das Make-up auf dem Gesicht verschmiert. Das Glitzerkleid verhüllte ihren Körper nur sehr begrenzt. Ihr rot bemalter Mund stand offen.

Keira runzelte die Stirn und blickte auf die Uhr. Es war gar so spät. Bryn hatte wohl einen ihrer Samstags-Marathons absolviert, bei dem sie Mittags schon anfing zu trinken, dann von Bar zu Bar hüpfte und dann beizeiten auf der heimischen Couch umfiel.

Keira spürte, wie Cristiano hinter ihr zögerte. Sie schämte sich zu sehr, um ihn anzuschauen. Sie mochte ihn zwar gewarnt haben, aber das hier war deutlich schlimmer als sie selbst erwartet hatte.

Keira warf ihre Tasche beiseite und Bryn schrak hoch von dem Geräusch Sie setzte sich mit einem lauten Schnarchen auf. Sie schwankte und hielt sich mit einer Hand den Kopf. Dann blickte sie Keira aus schmalen Augen an.

„Du bist zu Hause?“, fragte sie.

„So sieht's aus“, antwortete Keira angespannt. „Du hast es vergessen, dass ich heute ankomme, richtig? Und du hast auch vergessen, dass ich einen Gast mitbringe“, quetschte sie zwischen den Zähnen hervor. Bryn hatte bisher offenbar nicht einmal bemerkt, dass sie nicht alleine waren.

Bryn blickte mit verkniffenem Gesicht an Keira vorbei zu Cristiano. Sie blinzelte einige Male ungläubig, dann war sie plötzlich hellwach.

„Oh, hi!“ Sie klang wach und aufmerksam. „Ich bin Bryn. Du musst Cristiano sein.“

Seit sie das Apartment betreten hatten, drehte sich Keira zum ersten Mal um, damit sie seine Reaktion sehen konnte. Aber Cristiano schien von dem ganzen Chaos um sie herum eher amüsiert zu sein. Auch als Bryn zu Keiras Entsetzen auf wackeligen Beinen auf Cristiano zuging, schien er das eher von der humorvollen Seite zu sehen.

„Wow, du bist der Hammer“, sagte Bryn und umarmte Cristiano. „Ich dachte, Keira übertreibt, um mich eifersüchtig zu machen.“

Keira wurde von einer Wolke aus Alkohol und Parfüm eingehüllt.

„Vielen Dank, nehme ich an.“ Cristiano klang etwas unsicher, kicherte aber. „Du und deine Schwester, ihr habt sehr schöne Gene geerbt.“

Bryn blicke Keira mit hochgezogenen Augenbrauen und machte gar nicht erst den Versuch, ihre Schwärmerei zu verbergen. Keira bekam plötzlich Angst. In den Augen der meisten Leute war ihre Schwester die attraktivere von ihnen beiden. Und sie flirtete hemmungslos. Was, wenn Cristiano ihrem Charme verfiel? Wenn er eher auf ihre überschwängliche Persönlichkeit stand? Es war unmöglich zu sagen, was er wirklich dachte, denn er verhielt sich Bryn gegenüber wie jeder anderen schönen Frau, der er begegnete.

„Wollt ihr was trinken?“, fragte Bryn und musterte Cristianos schönes Gesicht. „Bier, Wein, Prosecco?“

„Hältst du das für eine so gute Idee?“ Keira betrachtete die aufgelöste Erscheinung ihrer Schwester.

Bryn rollte mit den Augen und sah Cristiano an. „War sie in Italien auch die ganze Zeit so? Keira kann eine echte Spielverderberin sein.“

„Hey!“, protestierte Keira.

„Ganz und gar nicht“, sagte Cristiano. Er nahm offenbar alles mit Humor, auch wenn es Keira alles ziemlich peinlich war. „Wir haben an so manchem Abend guten Wein getrunken, nicht wahr, meine Liebe?“ Er strahle Keira mit seinen schönen Augen an, was ihr sogleich das Gefühl vermittelte, die einzige Frau auf der Welt zu sein.

„Ja“, murmelte sie verträumt.

Bryn unterbrach sie auf ihre übliche rüde Art. „Dann musst du wohl auf sie abgefärbt haben, Cris. Normalerweise verlässt sie kaum das Haus, ohne dass man Himmel und Hölle in Bewegung setzen muss.“

Keira schüttelte über ihre Schwester den Kopf.

„Schütte einfach die Drinks ein“, murmelte sie.

Bryn grinste boshaft. Sie genoss es, Keira auf die Palme zu bringen. Dann lächelte sie Cristiano lieblich an. „Was möchtest du, Cris?“

Keira verzog das Gesicht. Sie hasste es schon jetzt, dass ihre Schwester ihm sofort einen Spitznamen gegeben hatte. Das war viel zu vertraut. Sie selbst hatte ihn bisher nie anders als Cristiano genannt. Wenn ihm jemand einen Spitznamen gab, dann sollte sie das doch wohl sein!

„Wein, rot“, antwortete Cristiano. „Einen Shiraz aus Neuseeland, wenn du den hast.“

Bryn kicherte laut, wie sie es beim Flirten immer tat. „Ich werde sehen, was sich machen lässt“, schnurrte sie. Dann blickte zu Keira. „Kannst du ein wenig aufräumen?“ Sie wedelte mit der Hand in Richtung des Durcheinanders.

Keira biss die Zähne zusammen. Sie spürte den Zorn in sich aufwallen.

Während sie den ganzen Müll einsammelte, konnte sie hören, wie sich Bryn und Cristiano an der Küchenzeile unterhielten.

„Wie lange wirst du in der Stadt bleiben, Cris?“, fragte Bryn.

Keira hielt mit ihrer Arbeit inne und warf einen Blick über die Schulter. Sie und Cristiano hatten darüber noch nicht gesprochen. Ihre Beziehung war von Anfang an so stürmisch gewesen, dass sie überhaupt noch nichts geplant hatten. Sie hatten auch nicht besprochen, dass es in Bryns Apartment nur ein einziges Bett gab. Wo würden sie schlafen?

„Ich weiß es noch nicht“, antwortete Cristiano. „Wir leben für den Augenblick. Nehmen jede Minute so, wie sie kommt.“

Keira atmete aus. Das war eine beruhigende Antwort.

Sie beendete schnell das Aufräumen und gesellte sich zu den beiden anderen. Bryn schenkte auch ihr ein Glas Wein ein.

„Ich denke, ihr beide solltet im Bett schlafen“, meinte sie und schob das Weinglas über den Tresen. „Auf die Couch passt ihr beide wohl nicht.“

„Im Ernst?“ Keira wunderte sich über diese großzügige Geste. So war Bryn eigentlich nicht. „Was wird mit dir?“

Bryn deutete Richtung Couch. „Ich schlafe sowieso meistens vor dem Fernseher ein. Wenn ich überhaupt zu Hause bin.“

Sie wackelte vielsagend mit den Augenbrauen. Keira stöhnte auf. Der Gedanke an Bryns zahlreiche Eroberungen bereitete ihr Unbehagen.

„Das ist sehr nett von dir“, sagte Cristiano. Offenbar hatte er den Unterton nicht mitbekommen.

„Eine eigene Wohnung zu finden, steht ganz oben auf meiner Liste“, erklärte Keira. „Ich verspreche, wir verschwinden so schnell wie möglich aus deiner Wohnung.“

Neben ihr versteifte sich Cristiano plötzlich. Er nippte an seinem Wein und hielt seinen Blick gesenkt. Warum verspannte er sich? Hatte sie etwas Falsches gesagt?

Dann fiel es ihr wie Schuppen von den Augen. Dachte er etwa, sie würden sich eine gemeinsame Wohnung nehmen?

Wie peinlich konnte es denn noch werden? Keira kauerte sich auf ihrem Sitz zusammen. Das hatte sie damit ganz und gar nicht sagen wollen! Es wäre dumm, anzunehmen, Cristiano würde nach so kurzer Bekanntschaft mit ihr zusammenziehen wollen. Zumal sie nie über dergleichen geredet hatten. Sie wusste nicht einmal, wie lange sie ihn um sich haben wollte. Zwischen heute und für immer gab es ein sehr weites Feld.

Auf einmal erschien es ihr doch ein wenig übereilt, dass sie spontan gemeinsam ins Flugzeug gestiegen waren. Im Flieger hatte es sich noch gut angefühlt. Aber hier war sie zu Hause und alles fühlte sich ganz anders an. Dies war die Realität. Früher oder später würde sie ihren ganzen Mut zusammennehmen und mit ihm reden müssen, über all das, was eine Beziehung eine so große Distanz mit sich brachte. Aber sie wollte ihn eben auch nicht vergraulen.

Keira schwieg, ganz in Gedanken versunken, und nippte an ihrem Wein. Sie nahm an dem Gespräch der beiden nicht mehr Teil, beobachtete nur noch, wie Bryn kicherte und Bemerkungen über Cristianos wunderbaren Akzent machte, während sie ihn anhimmelte. Erst als sie ihre Hand ausstreckte, um über seinen Arm zu streichen, war Keira wieder hellwach. Zeit, dieses Schauspiel zu beenden. Sie gähnte laut.

Bryn zuckte überrascht zusammen, als hätte sie vollkommen vergessen, dass Keira auch noch da war.

„Bist du müde?“, fragte sie. „Du musst nicht meinetwegen aufbleiben. Immerhin bleibt dir nur ein Tag, um dich wieder zu akklimatisieren, bevor du wieder zur Arbeit musst.“

Normalerweise irritierte es Keira, wenn sie von ihrer Schwester so bemuttert wurde, aber gerade kam es ihr sehr gelegen. Und es war die beste Möglichkeit, Bryn loszuwerden.

Sie stand auf. „Tut mir leid, der Flug hat mich total erschöpft. Morgen können wir ausgiebig quatschen. Ich habe außerdem ein Geschenk für dich.“

Bryn grinste. „Großartig. Ich kann es kaum erwarten.“

Sie stand ebenfalls auf und sie umarmten sich. Dann schaute Keira Cristiano an, der noch immer saß.

„Kommst du?“, fragte sie.

Er sah überrascht aus, als hätte er nicht damit gerechnet, dass Keira ihn mit ins Bett nehmen wollte.

„Äh, ja, sicher“, stammelte er.

„Du musst nicht“, beeilte sich Bryn zu erklären, „wenn du noch nicht müde bist. Wir können uns gern weiter unterhalten. Ich habe noch mehr Wein aus Neuseeland.“

Keira blickte Bryn finster an. Cristianos Blick huschte zwischen ihnen hin und her, als verstehe er nicht genau, wo er da reingeraten war. Schließlich stand er auf und schloss sich Keira an. Sie nickte zufrieden über ihren kleinen Sieg.

„Morgen“, sagte Cristiano zu Bryn. „Danke für den Wein.“

Keira fiel auf, dass er nicht ausgetrunken hatte. Sie hatte ein schlechtes Gewissen, ihn quasi mitzuschleifen, aber sie kannte ihre Schwester eben besser als er. Sie mit ihm allein zu lassen, barg ein nicht unerhebliches Risiko.

„Gute Nacht“, rief Keira Bryn zu und zerrte ihren Koffer ins Schlafzimmer.

Cristiano folgte ihr. Sobald sie beide im Schlafzimmer waren, schloss Keira die Tür hinter ihnen. Sie lehnte sich dagegen und atmete tief durch.

„Tut mir leid“, sagte sie und deutete durch die geschlossene Tür.

Cristiano wirkte amüsiert. „Verstehe ich nicht. Sie schien doch ganz nett.“

„Sie hat mit dir geflirtet.“ Keira schüttelte empört den Kopf.

Cristiano schien das nicht zu stören. „Es macht mir nichts aus.“

„Aber mir“, sagte Keira. „Sie ist meine Schwester. So etwas macht man nicht.“

Cristiano zuckte mit den Schultern. Er kam zu ihr und nahm sie in den Arm. „Du weißt doch, dass ich nur Augen für dich habe.“ Er hielt sie fest umschlungen.

„Ich mache mir auch keine Sorgen über dich“, antwortete Keira und entspannte sich ein wenig. „Sondern über all die anderen heißblütigen Frauen in der Welt.“

Ein Gedanke traf sie wie ein Keulenschlag. In Italien war Cristiano, auch wenn er sehr gut aussah, nur einer von vielen gewesen. Hier in New York war er eine exotische Kreatur, ein echter Italiener, ein Model, direkt dem Cover eines Modemagazins entsprungen. Ihre Heimatstadt barg eine Menge neuer Gefahren für ihre Beziehung, an die sie bisher gar nicht gedacht hatte.

Es gab dafür nur eine Lösung. Sie würde Cristiano von morgens bis abends beschäftigen, ihn ganztägig im Auge behalten müssen.

„Wir sollten morgen beizeiten aufstehen“, sagte sie und löste sich aus seiner Umarmung. Dann machte sie sich für die Nacht fertig. „Mir bleibt nur ein freier Tag bevor ich wieder arbeiten muss. Das wird eine anstrengende Sightseeing-Tour.“

Cristiano grinste. „Ich kann es kaum erwarten. Aber gehen jetzt nicht sofort schlafen, oder?“ Er blickte sie vielsagend an. „Ich war den ganzen Tag in einem engen Flugzeug eingepfercht. Ich habe eine Menge angestauter Energie.“

KAPITEL DREI

Keira erwachte vom schrillen Klang ihres Weckers. 7 Uhr. Aber wegen des Jetlags und der Tatsache, dass sie und Cristiano nicht wirklich viel Zeit mit Schlafen im Bett verbracht hatten, fühlte es sich an, als sei es noch mitten in der Nacht. Nach einem Nickerchen tagsüber fühlte sie sich meist ähnlich neben der Spur.

Aber auch wenn sie körperlich etwas durchhing, war sie geistig doch hellwach und freute sich auf den Tag. Sie sprang aus dem Bett, voller Erwartung und mit reichlich Adrenalin. Sie sah auf Cristiano herab, der noch fest schlief.

„Aufwachen“, sagte sie, beugte sich über ihn und küsste ihn auf die Stirn.

Er öffnete die Augen. „Muss ich?“, fragte er gähnend. „Der lange Flug hat mich sehr erschöpft.“

„So so, der lange Flug war das also, ja?“ Keira zwinkerte ihm vielsagend zu.

Aber Cristiano war schon wieder eingeschlafen.

Sie entschied sich, ihn noch schlafen zu lassen, während sie sich für den Tag fertig machte.

Sie schlich ins Wohnzimmer, wo Bryn noch schnarchend auf dem Sofa lag. So leise wie möglich, um die schlafende Bestie nicht zu wecken, schlich Keira an ihrer Schwester vorbei und sprang schnell unter die Dusche, um die Anstrengungen der Reise und einen letzten Rest Italien abzuspülen.

Als sie zurück ins Schlafzimmer kam, schlief Cristiano noch immer tief und friedlich. Sie seufzte und beschloss, erst einmal ihre Schmutzwäsche in den Waschsalon an der Ecke zu bringen. Besser, sie verschwendete keine Zeit, wenn sie morgen wieder arbeiten musste.

Sie kippte ihren Koffer aus, packte die Sachen, die von letzter Nacht verstreut im Zimmer lagen, dazu, und eilte damit aus der Wohnung, die Treppe hinunter, auf die Straße.

Es war ein ziemlich kalter Morgen und sie fühlte sich beinahe nostalgisch. In den letzten beiden Monaten war sie so gut wie gar nicht in New York gewesen und es fühlte sich gut an, wieder daheim zu sein, all die vertrauten Geräusche, den Verkehr, die Gerüche, die Abgase zu erleben. Sie dachte mit Freude daran, dass bald Thanksgiving war, ihr liebster Feiertag. Dieses Jahr würde sie den mit Cristiano feiern können, was es zu etwas Besonderem machte. Vorausgesetzt, er blieb so lange.

Im Waschsalon war nichts los und Keira stopfte die Wäsche von mehreren Wochen in die Maschine, füllte Waschmittel ein und warf ein paar Münzen in den Schlitz. Sie hatte nicht viel Kleingeld dabei, weil sich keine Gelegenheit ergeben hatte, Geld zu wechseln, aber eine halbe Stunde war besser als nichts für die Wäsche.

Sobald die Maschine lief, kehrte Keira ins Apartment zurück. Sie wollte Cristiano wecken und ihn aus der Wohnung locken, weg von Bryns Klauen.

Aber zurück im Schlafzimmer sah sie, dass Cristiano immer noch fest schlief. Sie küsste ihn erneut und versuchte ihn zu wecken.

„Hey, schlafende Schönheit“, sagte sie fröhlich und laut. „Wir müssten langsam mal los.“

Cristiano stöhnte. „Können wir nicht einen faulen Tag im Bett verbringen? Wir sind wochenlang unterwegs gewesen. Wir haben uns einen entspannten Vormittag verdient, oder nicht?“

Keira schüttelte den Kopf, denn sie dachte an Bryn im anderen Zimmer. Sie mussten weg sein, bevor sie erwachte.

„Nein. New York erwartet uns!“

Cristiano gähnte und wandte sich von ihrer lauten Stimme ab. „Und es wird auch am Nachmittag noch da sein.“

„Aber morgens macht es mehr Spaß“, beharrte Keira und zog ihm die Decke weg. „Glaube mir, ich weiß Bescheid.“

Cristiano gab nach und stand frierend auf.

„Warum hast du es so eilig?“, stöhnte er.

„Weil es viel zu entdecken gibt.“ Sie zog schnell ein Paar Winterstiefel von Bryn an. Ihre eigenen Sachen waren irgendwo in einer Kiste verstaut, ihre Sachen aus Zachs Wohnung waren über mehrere Wohnungen verteilt, inklusive der ihrer Mutter, Shelbys Dachboden und Bryns Schrank. Selbst unter ihrem Schreibtisch bei Viatorum stand eine Kiste.

„Kann ich wenigstens vorher noch duschen?“, fragte Cristiano.

Keira kaute auf ihrer Unterlippe. Jede Minute, die sie hier vertrödelten, bedeutete, dass Bryn aufwachen und ihre Klauen in Cristiano schlagen könnte. Aber Keira konnte ihm wohl kaum die notwendigen menschlichen Bedürfnisse untersagen.

„Natürlich“, sagte sie übertrieben fröhlich. Sie ging an Bryns Schrank und holte ein flauschiges Handtuch heraus. „Hier“, sagte sie und reichte es ihm, zusammen mit Shampoo und Duschgel aus ihrem Koffer. „Die Dusche ist am Ende vom Flur.“

Er küsste sie und verließ das Zimmer. Keira ließ sich auf das Bett sinken. Sie war jetzt schon erschöpft. Das würde nicht leicht werden. Sie musste so schnell wie möglich eine eigene Wohnung finden. Möglichst gestern schon.

Aber dazu musste sie von Zach erst einmal die Kaution für ihre gemeinsame Wohnung zurückbekommen. Sie hatte nicht die geringste Lust, Kontakt mit ihm aufzunehmen, aber es war in dieser Situation das geringere Übel. Sie schnappte sich ihr Handy und schickte ihm eine Nachricht.

Gibt es was Neues wegen der Kaution? K

Wider besseres Wissen fügte sie am Ende ein Kuss-X hinzu. Sich bei Zachary einzuschmeicheln passte ihr zwar nicht, aber wenn sie dadurch schneller an ihr Geld kam, sollte es ihr recht sein.

Sie lugte durch die Tür ins Wohnzimmer. Die Jalousien waren noch runter gelassen und das Zimmer lag im Dunkeln. Man hörte die Dusche am Ende des Flurs und Bryns Schnarchen. Zum Glück hatte Cristiano sie nicht aufgeweckt, als er hier durch gegangen war.

Keira wurde langsam ungeduldig. Cristiano ließ sich ganz schön viel Zeit. Sie sah auf die Uhr. Ihre Wäsche wäre gleich schon fertig. Sie wollte im Waschsalon sein, bevor der Waschgang zu Ende war und die Maschine automatisch aufging. Man musste es den Gelegenheitsdieben  in der Gegend nicht noch extra leicht machen. Auch Sonntagmorgen um halb acht konnte man nicht vorsichtig genug sein.

Sie verließ erneut die Wohnung und eilte zum Waschsalon. Jetzt waren ein paar Leute da, Frauen mittleren Alters, die dem späteren Ansturm zuvorkommen wollten.

Keira sammelte die warme, feuchte Wäsche wieder ein. Sie hatte nicht genug Kleingeld für den Trockner, daher würde sie die Sachen in der Wohnung aufhängen.

Sie machte sich auf den Rückweg. Es fühlte sich gut an, normale Dinge des Alltags zu tun, wie ein ganz normaler Mensch. Nicht die Reisejournalistin in einem aufregenden fremden Land zu sein. Auch von so tollen Dingen konnte man offenbar zu viel bekommen.

Ihr Handy vibrierte in der Tasche, gerade als sie die Treppe zum Apartment hinaufging. Zach hatte geantwortet. Mit nicht unerheblicher Anspannung las sie seine Antwort.

Bon jour, Keira! Ich bin beruflich in Frankreich. Morgen fängt eine Konferenz an und dauert eine Woche. Können wir über das Geld reden, wenn ich wieder da bin?

Sie seufzte frustriert. Sie verstand nicht einmal, was es da noch zu reden geben sollte, und dann musste sie auch noch eine Woche darauf warten? Er musste es ihr doch einfach nur überweisen. Aber natürlich würde er es ihr nicht so leicht machen.

Den Blick noch auf das Handy gerichtet, betrat sie Bryns Apartment und wurde überrascht von dem Gelächter, dass sie hörte. Erstaunt blickte sie auf.

Alles war verändert. Die Jalousien waren hochgezogen, das Licht war an, die Kaffeemaschine blubberte. Bryn stand in der Küche und wirkte sehr wach für jemanden, der die Nacht durchzecht hatte. Cristiano lehnte mit dem Rücken an der Anrichte, von seinem nackten Oberkörper liefen noch Wassertropfen, um die Hüfte hatte er ein kleines Handtuch geschlungen, mehr nicht.

„Was geht hier vor?“, fragte Keira irritiert.

Bryn blickte sie an und runzelte angesichts von Keiras paranoidem Tonfall amüsiert die Stirn. „Ich mache Kaffee. Wo warst du denn?“

„Ich war im Waschsalon.“ Sie hielt das feuchte Bündel Wäsche hoch. „Ich war nur zwei Minuten weg.“

Zwei Minuten hatten offenbar ausgereicht, damit Bryn mehr als nur ein Auge auf Cristianos Adonis-Körper werfen konnte.

„Schatz“, sagte Keira betont deutlich an ihn gewandt. „Wir sollten uns anziehen. Wir müssen los.“

„Aber wir haben doch sicher noch Zeit für einen Kaffee, oder nicht? Während du die Wäsche zum Trocknen aufhängst?“

Keira ließ die Tasche einfach auf den Boden fallen und bemühte sich um einen lockeren Ton, während sie ihn an den Schultern packte und Richtung Schlafzimmer schob.

„Aber ich möchte dich ins beste Kaffee von New York ausführen“, sagte sie. „Frisch gemahlener Kaffee, um Längen besser als das Zeug aus Bryns Maschine.“

„Oh … okay …“ Cristiano leistete keinen Widerstand. „Aber … deine Sachen?“

Während sie Cristiano ins Schlafzimmer schob, warf Keira ihrer Schwester über die Schulter einen Blick zu. Sie war offenbar amüsiert von der Szene gerade. Keira blickte sie streng an, eine Warnung, die Finger von Cristiano zu lassen.

„Ich kann deine Sachen aufhängen“, bot sie mit süßem, wissendem Lächeln an.

„Danke“, erwiderte Keira knapp.

Sie wollte die Tür schließen, aber Bryn war noch nicht fertig.

„Schätzchen, wenn du meinst, ich wäre schlimm, dann warte, bis ihr da draußen seid.“ Sie deutete vage Richtung Fenster. „Da wird es noch viel schlimmer werden, glaube mir.“

Keira war inzwischen total unentspannt und schloss die Tür.

KAPITEL VIER

Als erstes legten sie einen Stopp an der Upper West Side ein, wo sie Kaffee und Bagels für unterwegs mitnahmen. Das war etwas ganz anderes als ihre ausgedehnten Mahlzeiten in Italien, aber Keira wollte Cristiano eben vermitteln, wie sich das Leben in New York anfühlte.

„Das ist also der beste Kaffee in New York, ja?“, fragte Cristiano und trank einen Schluck aus dem Pappbecher. Er sah nicht überzeugt aus.

„Oh ja, der beste.“ Sie hatte gelogen, aber das würde sie nicht zugeben. Der Kaffee war ziemlich gut, aber nicht das, was sie versprochen hatte. „Zumindest ist das meine Meinung.“

Cristiano zuckte einfach mit den Schultern.

Sie spazierten Hand in Hand Richtung Hudson River. Keira war sich sehr bewusst, wie oft Cristiano angestarrt wurde. Es war ihr sehr bewusst, dass er von ihnen beiden der deutlich Attraktivere war, aber so wie jetzt, fühlte sie sich noch mehr wie eine Landpomeranze. Cristiano war eine seltene Schönheit hier in New York. Bryn hatte vollkommen recht gehabt. Es gab weitaus schlimmere Frauen in New York als ihre Schwester. Es würde sehr anstrengend werden, ihn hier zu haben.

„Was hältst du von meiner Schwester?“, fragte sie.

Cristiano lachte. „Sie ist interessant.“

„Inwiefern?“

Cristiano überlegte offenbar sehr genau, welche Worte er benutzte. „Pazza“, sagte er schließlich.

„Was heißt das?“ Keira ging im Geiste durch, was es bedeuten konnte: schön, wunderbar, verführerisch, hypnotisierend.

„Verrückt“, sagte er.

Keira lachte. Es war eine Erleichterung, das zu hören. Wenn er nicht heimlich auf verrückt stand, war sie wohl auf der sicheren Seite. Zumindest, was Bryn anging. Blieb nur noch der Rest der weiblichen Bevölkerung von New York als Konkurrenz.

Die spazierten durch den Riverside Park, schauten auf den Fluss und gingen dann zum Central Park. Da Cristiano den schon aus dem Flugzeug heraus gesehen hatte, nahm sie an, dass er ihn auch aus der Nähe erkunden wollte.

„Das ist toll“, sagte er mit einem Blick auf die Wolkenkratzer um sie herum. „Es sieht unwirklich aus.“

Keira lächelte. Etwas ähnliches hatte sie in Italien empfunden. Es war schön zu sehen, wie er sich über ihre Heimatstadt freute, die Dinge bewunderte, die sie inzwischen als so normal betrachtete.

Sie gingen nach Osten, zum Metropolitan Museum of Art. Die Kunst in Italien war hinreißend gewesen, aber Keira wetteiferte gern und wollte nicht, dass Cristiano dachte, sein antikes europäisches Land hätte mehr zu bieten als New York. Aber es gab so vieles zu entdecken, dass sie schon nach einer Stunde das Museum wieder verließen, weil Cristiano mehr von der Stadt sehen wollte.

Sie fuhren mit der Bahn zur 5th Avenue, weil Keira ihm den Times Square zeigen wollte. Von da aus ging es zur 11th Avenue, denn von da aus konnte man die Skyline von Manhattan besonders gut sehen.

Am Nachmittag kehrten sie zum Essen in eines der zahlreichen Cafés in SoHo ein. Cristiano schien dieser Teil der Stadt besonders zu gefallen, vor allem die Modegeschäfte. Er passte mit seinem italienischen Anzug perfekt hierher. Er kaufte sich einen Mantel, der zwar genauso aussah wie der billige vom Vortag, aber statt zehn nun fünfzig Dollar kostete.

Während sie aßen, klingelte Keiras Handy. Zuerst dachte sie, es wäre Bryn, die sie zurück in ihr Apartment locken wollte. Aber es war ihre Mutter. Sie nahm den Anruf an.

„Liebling, ich habe gerade mit deiner Schwester gesprochen. Du musst mit Cristiano heute Abend zum Essen vorbeikommen.“

„Nein, Mom. Wir möchten den Tag nur zu zweit verbringen. Wir haben schon alles verplant.“

„Aber ich habe schon eingekauft“, jammerte ihre Mutter. „Ich wollte Lasagne machen.“

„Warum?“, zischte Keira. „Du hast mich nicht einmal vorher gefragt.“

Sie wusste, warum. Hätte sie vorher gefragt, gäbe es nichts, was sie benutzen konnte, um Keira ein schlechtes Gewissen zu machen. Auf diese Weise hatte sie die Oberhand, denn Keiras Ablehnen ließ sie undankbar erscheinen.

Cristiano blickte sie besorgt an. „Alles in Ordnung?“, fragte er.

Keira nickte und bemühte sich, cool zu wirken. „Mom, ich muss los. Wir verschieben es auf ein anderes Mal.“

Ihre Mutter seufzte laut. „Hast du Cristiano überhaupt gefragt, ob er mich kennenlernen möchte? Es hört sich nämlich nicht danach an, als ob du ihm eine Wahl lassen würdest.“

Keira presste die Lippen aufeinander, rollte mit den Augen und wandte sich an Cristiano. „Meine Mutter möchte, dass wir heute Abend zum Essen kommen. Aber wir haben ja schon einen Tisch in einem Restaurant für uns beide reserviert, nicht wahr? Also versuche ich ihr gerade zu vermitteln, dass wir ein anderes Mal zu ihr kommen.“