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Ein Streifzug durch die Spiele und Spielzeugwelt der Wirtschaftswunderzeit. Erinnerungen an die sogenannte „Improvisations-Generation“, die nicht selten mit einfachsten Mitteln aber oft mit viel Kreativität und Fantasie spielte. Ein Rückblick auf die Anfangsjahre des Kinderfernsehens und auf inzwischen legendäre Spielsachen von damals, die heute vielfach begehrte Sammler-Objekte sind. Rundum wunderschöne Erinnerungen für alle, die diese Zeit erlebt haben, aber auch eine interessante „Zeitreise“ für die Generationen danach. Ein liebevoller Bildband, der mit über 180 Fotografien die Kindheit der 1950er- und 1960er-Jahre Revue passieren lässt.
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Veröffentlichungsjahr: 2017
Manfred Mühlbeyer
Einfach Spielen
Kindheit in der Wirtschaftswunderzeit
Impressum
Bibliografische Informationen der Deutschen Nationalbibliothek
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.
ISBN: 978-3-95894-062-8
© Copyright: Omnino Verlag, Berlin / 2017
Alle Rechte, auch die des Nachdrucks von Auszügen, der fotomechanischen und digitalen Wiedergabe und der Übersetzung, vorbehalten.
Bildnachweis:
Da viele Bilder nur noch in den Erinnerungen des Autors vorhanden sind, wurden diese von Patrick Mühlbeyer nachgestellt. Dabei achtete man allerdings auf bestmögliche Authentizität.
Patrick Mühlbeyer - Bilder auf den Seiten: 6, 8, 10 oben und unten, 12, 14 oben und unten, 16, 17, 18, 19, 20, 21, 22, 24, 25 oben und unten, 26, 27 oben und unten, 28, 29, 30, 31, 32, 34, 36, 38, 39, 43 oben und unten, 44, 46, 47, 50, 53, 54, 55 oben und unten, 58, 60, 62, 64, 65, 67 oben und unten, 68 oben, 69, 70, 77 oben, 81, 88, 89, 90, 91, 94, 95, 98, 99, 101, 102, 103, 104, 106, 107, 109, 110, 116, 118, 123, 125, 126, 128, 129, 138, 139, 141, 144, 145, 147, 150, 152, 153, 154, 155, 156, 158, 159.
Walter Marhoffer - Bild auf der Seite 40.
Angelika Mühlbeyer - Bilder auf den Seiten: 45, 48, 56, 57, 84, 92 oben und unten, 93, 100, 105, 108, 111, 113, 114, 115, 117, 119, 120, 121, 122, 124, 127, 130, 131, 132, 134, 135, 137, 142, 143, 146, 148, 157 und die Butterbrotpapierpausen auf den Seiten: 51, 52.
Thomas Henne - Bilder auf den Seiten: 77 unten, 86, 112, 133, 136, 149.
Ernst Mühlbeyer- Bilder auf den Seiten: 71, 72, 74, 140.
Gustav Mühlbeyer - Bild auf Seite 66.
Uwe Groll - Bild auf Seite 96.
Hans Mühlbeyer - Bilder auf den Seiten: 11, 15 oben und unten, 23, 33 oben, 35 oben und unten, 41, 42, 61, 63 oben rechts und unten rechts, 68 unten, 76, 79, 80, 83.
Fred Strauch - Bilder auf den Seiten: 33 unten, 63 oben links und unten links, 75, 78, 82, 85.
Wir danken den Lizenzträgern bzw. deren Nachfahren für die Genehmigung.
Alle Rechte vorbehalten.
Vielen Dank an: Klara, Hanna, Leander, Lucas, Phil sowie Patrick und Marcel für die nachgestellten Fotos. Ursula Sehrt und Angela Moser für das Gegenlesen, Wolfgang Wagner für vielerlei Unterstützung sowie Uwe Groll für seinen Beitrag über die Gebrüder Bing (S. 97).
Autor:
Manfred Mühlbeyer, Jahrgang 1955, faszinieren Spielsachen, Spiele und Spielen seit seiner Kindheit. Sein Dokumentarfilm „Spielzeugwelt der Wirtschaftswunderzeit“ wurde inzwischen über zwei Dutzend Mal in nahezu allen ARD-Programmen ausgestrahlt und seine Ausstellungen um das Kulturgut Spielzeug sind wahre Publikumsmagnete.
Als Referent tourt er durch das gesamte Bundesgebiet und präsentiert seine bebilderten Vorträge in Seniorenresidenzen, Kulturzentren und Museen. Weitere Informationen: www.spielzeuggeschichte.de
Als Kind der Wirtschaftswunderzeit habe ich diese, für mich interessanteste Epoche der Spielzeuggeschichte, in vollen Zügen erlebt und genossen. Spielzeug war damals noch für die Ewigkeit gemacht, so wie mein kleines Zirkus-Pferdchen mit Uhrwerkantrieb, das ich im Alter von 2 Jahren als Weihnachtsgeschenk bekam. Es funktioniert heute noch und hat einen Ehrenplatz in meiner Spielzeugsammlung.
Schon als Schulkind machte es mir großen Spaß, besondere Spielsachen zu hegen und zu pflegen sowie dekorativ ins Regal zu stellen. Mein jüngerer Bruder dagegen schraubte sehr gerne an technischem Spielzeug herum, um herauszufinden wie das Ganze funktioniert. Dabei machte er auch nicht vor meinen Spielsachen halt, was natürlich nicht besonders zur Bruderliebe beitrug. Aber nach ein paar Stunden, spätestens am nächsten Tag, war alles vergessen und verziehen und man spielte wieder zusammen.
Es war eine glückliche und zufriedene Kindheit ohne stundenlanges Fernsehen, ohne Kisten und Kasten voller Spielsachen, ohne Computerspiele und Software, die vorschreibt, wie man zu spielen hat.
Lassen Sie sich nun in die Spiele- und Spielzeugwelt der 1950er/60er-Jahre entführen und dazu wünsche ich Ihnen viel Spaß.
Manfred Mühlbeyer
Fantasie und Kreativität wurden damals großgeschrieben und obwohl nicht jedem Mädchen oder Buben diese Eigenschaften in die Wiege gelegt waren, spielte man mit seinen individuellen Möglichkeiten. Alle hatten die märchenhafte Gabe, ihre Vorstellungskraft auf genau das zu fokussieren, was sie sich wünschten.
Mit Tieren aus den beliebten Wundertüten wurde Zirkus gespielt und aus einem kleinen aufgespannten Regenschirm entstand das große Zirkuszelt.
„1 - 2 - 3 - 4 - ab!“ und das Schiffchenwettrennen begann. Nussschalen wurden sorgfältig geteilt, mit verschieden Farben bemalt und dann ging es zur Bachbrücke. Das Nussschalen-Schiffchen, das als erstes die nächste Brücke erreichte, hatte gewonnen. Manchmal gab es ein „Stechen“, wenn zwei Schiffchen gleichzeitig durchs Ziel fuhren.
Natürlich konnten auch Lausbuben improvisieren, denn die Vogelscheuche am Wegrand sollte schließlich nicht nur Vögel erschrecken, sondern auch Menschen. Also wurde ein langer Wasserschlauch unter dem Hut der Vogelscheuche versteckt, geschickt hinter dem Pfahl mittels Blumendraht verlegt, dann etwas eingegraben und hinter einem Strauch wieder ca. einen Meter lang nach oben geführt. Jetzt musste der Schlauch nur noch mit Wasser gefüllt werden und dann legte man sich hinter dem Strauch auf die Lauer. Man musste nicht lange warten und schon kam jemand mittels Fahrrad an der Vogelscheuche vorbei. Ein kräftiger „Puster“ in das Schlauchende hinter dem Busch und schon spritzte Wasser unter dem Hut der Vogelscheuche hervor und traf die Person auf dem Fahrrad, die sich nicht selten erschrak und manchmal sogar vom Fahrrad fiel. Bitte nicht nachmachen!
Agieren anstatt reagieren war angesagt. Heute ist es genau umgekehrt. Systemspielzeug und vor allem das visuelle, multimediale Spielen lassen da oftmals sehr wenige Spielräume.
Mit einfachsten Mitteln aber mit viel Kreativität wurde früher gebaut, experimentiert und gespielt. Apropos experimentiert: Wenn die große Schwester die Technik perfekt beherrschte und die Milchkanne mit Inhalt so schnell im Kreise schleuderte bzw. drehte, ohne dass auch nur ein Tropfen Milch herauslief, schaute der kleine Bruder aufmerksam zu und würde es am liebsten auch einmal probieren.
Wir konnten damals noch richtig spielen! Diesen zugegeben etwas provozierenden Satz hört man immer wieder von der „Improvisations-Generation“. Wie recht die Mädels und Buben von damals hatten, zeigen wir nun vielfältig auf. Und dass die Bezeichnung „Improvisations-Generation“ ein absolutes Kompliment ist, versteht sich dann von selbst.
Opas leere Zigarrenkisten funktionierte die kreative Puppen-Mutti in ein Bettchen mit nebenstehendem Kleiderschrank um.
Die „Improvisations-Generation“ brachte zum einen den kreativen Bastler hervor und zum anderen die experimentierfreudige Individualistin.
Eine stabile Tonne, mit zwei Backsteinen fixiert, ein Brett darüber – fertig war die Wippe.
Generell wurde viel mehr draußen gespielt als heute und dies zu jeder Jahreszeit. Völlig klar: Es gab weniger Verkehr und sonstige Gefahren, obwohl es auch damals schon Schutzengel gab. Noch heute überkommt mich ein Schaudern, wenn ich daran denke, was wir alles getrieben haben. Mehr möchte ich dazu nicht schreiben, um mögliche Nachahmer nicht zu motivieren.
Im Frühjahr spielte man besonders gerne mit Murmeln oder Klickern. In manchen Gegenden wurden die bunten Glas-Kugeln auch Schusser genannt.
Die Bezeichnung Klicker, wie man u. a. in der Pfalz sagt, leitet sich übrigens von dem klackenden Geräusch ab, das die aneinander stoßenden Kugeln erzeugen. Im Zeitalter asphaltierter Straßen – oder mit Platten bzw. Steinen versiegelten Gehwegen, Plätzen und Höfen, ist dieses Spiel so gut wie ausgestorben und dies nach rund 5000 Jahren.
Schon im alten Ägypten gab es Ton- und Marmor-Kugeln wie Grabbeilagen beweisen. Somit gilt das Spiel mit Murmeln als eines der ältesten der Welt. Glasmurmeln mit ihren bunten Mustern, wie wir sie heute kennen, gibt es erst ab Mitte des 19. Jahrhunderts.
An Laetare! Es gibt viele Bräuche, den Winter zu vertreiben oder gar zu verbrennen. Meist kämpften der Strohmann (Winter) und der Efeumann (Frühling) mit Schwertern gegeneinander.
Wie in jedem Jahr siegte der Efeumann und danach wurde gesungen:„Winter ade“
Während das Spiel mit dem Peitschenkreisel, der mittels Peitsche zum Drehen gebracht wird, als typisches Buben-Spiel gilt, ist das Häuserhüpfen – auch Hickel, Himmel und Hölle oder Paradiesspringen genannt – fast ausschließlich ein Spiel der Mädchen.
Gummi-Twist, das sich vom Wirtschaftswundertanz der 1960er-Jahre ableitete, ist ein wahres Kultspiel und wurde früher bei jeder Gelegenheit und überall gespielt. Um Gummi-Twist zu spielen, braucht man ein Gummiband – mindestens fünf Meter lang –, das an den Enden zusammengeknotet wird. Folgendermaßen wurde gespielt: Zwei Mädchen, manchmal durfte auch ein Junge mitmachen, stellten sich in das Gummiband und ein drittes Mädchen sprang die vereinbarten Figuren. Wer beim Springen einen Fehler machte, musste die Mitte verlassen und der oder die Nächste war an der Reihe.
Das Laufen auf Stelzen, die man sich relativ einfach selbst basteln konnte, ist zwar nicht so einfach wie es aussieht – aber die Welt aus einer erhöhten Position zu betrachten, das hatte was.
