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So bleibt die neue Sprache im Kopf
Lernen Sie, wie Sie eine neue Sprache einfach und effektiv meistern! María J. Cabrera-Puche zeigt Ihnen, welche Faktoren beim Sprachenlernen wirklich zählen, wie Sie Ihre Motivation hochhalten, realistische Ziele setzen und Ihren Lernplan optimal auf Ihre Bedürfnisse abstimmen. Sie erhalten wissenschaftliche Erklärungen, aber auch konkrete Strategien sowie Tipps, wie Sie mit verschiedenen Hilfsmitteln Ihr Ziel erreichen. Egal, ob Sie ganz neu starten, Ihr Wissen auffrischen oder andere beim Lernen unterstützen: Mit diesem Buch bringen Sie Sprachkenntnisse auf das nächste Level.
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Seitenzahl: 432
Veröffentlichungsjahr: 2026
Einfach und effektiv Sprachen lernen für Dummies
Wenn Sie eine neue Sprache lernen möchten, sind einige der folgenden Begriffe hilfreich. Damit können Sie jede Ihrer Sprachen richtig bezeichnen.
Erstsprache (L1): Ihre L1 ist die erste von Ihnen erworbene Sprache.Zweitsprache (L2): Ihre L2 ist eine Sprache, die Sie nach Ihrer L1 erlernen. Sie wird in Ihrer unmittelbaren Umgebung gesprochen.Fremdsprache (L2): Dies ist eine Sprache, die Sie nach Ihrer L1 lernen, meist in einer Unterrichtsumgebung. Sie wird nicht in Ihrer unmittelbaren Umgebung gesprochen.Herkunftssprache: Dies ist die Sprache, die Sie zu Hause von Ihren Bezugspersonen erwerben, die jedoch nicht die vorherrschende Sprache der sozialen/politischen Gemeinschaft ist, in der Sie leben.Wenn Sie eine neue Sprache lernen, ist es wichtig, dass Sie durch Lesen, Hören und Sehen angemessenen Input (Kontakt mit der Sprache, die Sie lernen) erhalten. Der Input, der Ihnen beim Erlernen einer neuen Sprache hilft, muss folgende Eigenschaften aufweisen:
verständlichauf dem Niveau i + 1 (etwas über Ihrem aktuellen Verständnisniveau)fesselnd, interessant und für Sie relevantkommunikativ eingebettet und sinnvollin guter Qualitätin einer stressfreien, angstfreien UmgebungSie fragen sich, mit welchem Vokabular Sie in Ihrer neuen Sprache anfangen sollen? Beachten Sie die folgenden Tipps, um zu entscheiden, welche Wörter Sie in Ihrer neuen Sprache zuerst lernen sollten:
Suchen Sie nach Vokabeln, die für Sie sinnvoll und nützlich sind.Lernen Sie wichtige und häufig verwendete Vokabeln (sogenannte Überlebenssprache) und verwenden Sie diese so oft wie möglich.Konzentrieren Sie sich zunächst auf Verben und Substantive (konkrete Substantive sind leichter zu merken als abstrakte) und dann auf Adjektive und Adverbien.Lernen Sie einige Funktionsformeln, die Ihnen in Alltagssituationen begegnen können. Zum Beispiel: Hallo, wie geht's dir?Guten Tag!Guten Morgen!Freut mich, Sie kennenzulernen!Ich würde gerne etwas anmerken.Tut mir leid.Wirklich?Konzentrieren Sie sich auf sogenannte Kognaten, verwandte Wörter (Wörter, die in Ihrer L1 und Ihrer L2 ähnlich geschrieben werden), wie zum Beispiel Elefant (Deutsch) und elefante (Spanisch).Überprüfen Sie, ob die L2 Lehnwörter aus Ihrer L1 enthält.Die folgenden Strategien können Ihnen beim Vokabellernen in Ihrer neuen Sprache helfen:
Achten Sie darauf, dass Sie viel sinnvollen und verständlichen L2-Input erhalten, beispielsweise durch Bücher, die Ihrem Sprachniveau entsprechen (vereinfachte Lesebücher mit abgestuftem Schwierigkeitsgrad, graded readers). Es ist besser, wenn Sie den Input in verschiedenen kommunikativen Kontexten/Situationen erhalten. Wenn Sie beispielsweise ein Buch lesen, in dem es um Essen geht, versuchen Sie, mit L2-Sprechern über Essen zu sprechen und/oder sich ein Kochvideo in Ihrer L2 anzusehen.Achten Sie auf neue Wörter in dem Input, den Sie erhalten. Erraten Sie deren Bedeutung anhand des Kontexts, der Ähnlichkeit zu anderen Wörtern, die Sie kennen, der Wortart und so weiter.Überprüfen Sie die Bedeutung, wenn möglich, mit Ihrem Gesprächspartner (der Person, mit der Sie interagieren) oder in einem Wörterbuch.Notieren Sie jedes neue Wort in einem Notizbuch oder auf einer Karteikarte. Visualisieren Sie dessen Bedeutung.Sagen oder schreiben Sie es wiederholt.Organisieren Sie den L2-Wortschatz nach Themen mithilfe von Karteikarten odersemantischen Karten (visuelle grafische Organisationshilfen, mit denen Sie Wörter miteinander verbinden und in Beziehung setzen können).Üben Sie Delayed Copying (verzögertes Abschreiben), bei dem Sie einen Satz lesen, ihn so lange wie möglich im Gedächtnis behalten und dann versuchen, ihn ohne nachzuschauen aufzuschreiben. Vergleichen Sie den Originalsatz mit Ihrem.Wiederholen Sie den L2-Wortschatz mit Hilfe der verteilten Wiederholung (Spaced Repetition), bei der Sie die Wörter häufig lernen, aber den Abstand zwischen den Wiederholungen allmählich verlängern und die Reihenfolge, in der Sie die Wörter lernen, ändern.Rufen Sie Wörter aus Ihrem Gedächtnis ab, wenn Sie ihnen in einer neuen Kommunikationssituation (beim Lesen, im Gespräch und so weiter) begegnen und wenn Sie Ihre Karteikarten wiederholen.Erweitern und vertiefen Sie Ihr Wissen über ein Wort, indem Sie seine Bestandteile, seine Verwendung und so weiter analysieren.Schreckt Sie die Vorstellung, in Ihrer neuen Sprache zu sprechen, ab? Keine Sorge! Beachten Sie die folgenden Tipps für das Sprechen in Ihrer neuen Sprache:
Bereiten Sie sich nach Möglichkeit auf Situationen vor, in denen Sie die L2 sprechen werden, indem Sie den zu erwartenden Wortschatz wiederholen und sich Beispielgespräche zu denselben Themen anhören (im realen Leben oder online).Ahmen Sie L2-Muttersprachler bei Gesprächen nach.Üben Sie erwartete Gespräche, wenn möglich. Üben Sie laut allein oder mit anderen.Üben Sie so oft wie möglich. Jedes Mal, wenn Sie eine ähnliche Unterhaltung üben, werden Sie besser.Probieren Sie die 4/3/2-Strategie aus: Erklären Sie anderen ein Thema zunächst in vier Minuten, dann in drei und schließlich in zwei.Konzentrieren Sie sich darauf, Gedanken und aussagekräftige Inhalte zu vermitteln.Verwenden Sie häufig Inhaltswörter (Substantive, Verben, Adjektive, Adverbien).Wenn Sie Anfänger sind, machen Sie sich keine Gedanken über perfekte Grammatik. Verwenden Sie beispielsweise ein Adverb wie gestern, um anzuzeigen, dass Sie sich auf die Vergangenheit beziehen, und achten Sie nicht zu sehr darauf, das Verb in der richtigen grammatikalischen Form (in diesem Beispiel Präteritum oder Perfekt) zu verwenden. Die Grammatik wird mit zunehmender Sprachkompetenz an Bedeutung gewinnen.Lernen Sie einige Formeln und funktionale Ausdrücke der L2 und wenden Sie diese so oft wie möglich an. Einige nützliche Ausdrücke sind: Hallo. Wie geht es Ihnen?Schön, Sie kennenzulernen.Können Sie das wiederholen?Umschreiben Sie Begriffe, insbesondere wenn Sie ein fortgeschrittener Lernender sind.Lassen Sie sich nicht verunsichern, weil Ihre Aussprache nicht wie die eines Muttersprachlers klingt. Solange Ihre Gesprächspartner Sie verstehen, sind Sie auf dem richtigen Weg. Sie können jedoch an Ihrer Sprachgewandtheit und Aussprache arbeiten, indem Sie beispielsweise Sätze von Muttersprachlern (in Filmen, Liedern, Aufnahmen und so weiter) wiederholen und sich Online-Aussprachewörterbücher anhören.
Einfach und effektiv Sprachen lernen für Dummies
Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.
1. Auflage 2026© 2026 Wiley-VCH GmbH, Boschstraße 12, 69469 Weinheim, Germany
Original English language edition Learning a New Language For Dummies © 2026 by Wiley Publishing, Inc. All rights reserved including the right of reproduction in whole or in part in any form. This translation published by arrangement with John Wiley and Sons, Inc.
Wiley, the Wiley logo, Für Dummies, the Dummies Man logo, and related trademarks and trade dress are trademarks or registered trademarks of John Wiley & Sons, Inc. and/or its affiliates, in the United States and other countries. Used by permission.
Bevollmächtigte des Herstellers gemäß EU-Produktsicherheitsverordnung ist die Wiley-VCH GmbH, Boschstr. 12, 69469 Weinheim, Deutschland, E-Mail: [email protected].
Alle Rechte bezüglich Text und Data Mining sowie Training von künstlicher Intelligenz oder ähnlichen Technologien bleiben vorbehalten. Kein Teil dieses Buches darf ohne die schriftliche Genehmigung des Verlages in irgendeiner Form – durch Photokopie, Mikroverfilmung oder irgendein anderes Verfahren – in eine von Maschinen, insbesondere von Datenverarbeitungsmaschinen, verwendbare Sprache übertragen oder übersetzt werden.
KI-Haftungsausschluss: Der Verlag und die Autoren dieses Werks haben nach bestem Wissen und Gewissen gearbeitet, einschließlich einer gründlichen Überprüfung des Inhalts. Jedoch übernehmen weder der Verlag noch die Autoren Garantien oder Gewährleistungen hinsichtlich der Genauigkeit oder Vollständigkeit des Inhalts dieses Werks. Insbesondere schließen sie jegliche ausdrücklichen oder stillschweigenden Gewährleistungen aus, einschließlich Gewährleistungen der Handelsüblichkeit oder Eignung für einen bestimmten Zweck. Es kann keine Garantie durch Vertriebsmitarbeiter, schriftliche Verkaufsunterlagen oder Werbeaussagen übernommen oder erweitert werden. Der Verweis auf eine Organisation, Website oder ein Produkt als Quelle für weitere Informationen impliziert keine Unterstützung oder Empfehlungen durch den Verlag und die Autoren. Der Verkauf dieses Werks erfolgt unter der Voraussetzung, dass der Verlag keine professionellen Dienstleistungen erbringt. Die enthaltenen Ratschläge und Strategien sind möglicherweise nicht für Ihre Situation geeignet. Konsultieren Sie gegebenenfalls einen Spezialisten. Leser sollten sich darüber im Klaren sein, dass die in diesem Werk aufgeführten Websites zwischen dem Zeitpunkt der Erstellung und dem Zeitpunkt des Lesens geändert sein können oder nicht mehr existieren. Weder der Verlag noch die Autoren haften für entgangene Gewinne oder sonstige wirtschaftliche Schäden, einschließlich besonderer, zufälliger, Folgeschäden oder sonstiger Schäden.
Coverillustration: aaabbc – stock.adobe.comKorrektur: Milena Fuchs, Berlin
Print ISBN: 978-3-527-72392-8ePub ISBN: 978-3-527-85512-4
Dr. María José Cabrera-Puche promovierte an der Rutgers University (Rutgers, The State University of New Jersey) im Bereich Zweitspracherwerb und Zweisprachigkeit. Cabrera-Puche ist Professorin für Spanisch, Sprachwissenschaft und Sprachlehrmethoden an der West Chester University of Pennsylvania (WCU). Sie ist Mitautorin der bisherigen Ausgaben von Tu mundo, einem Spanisch-Lernprogramm, und arbeitet derzeit an der nächsten Ausgabe. Außerdem ist sie Mitherausgeberin von Romance Linguistics 2006: Selected papers from the 36th Linguistic Symposium on Romance Languages (LSRL) (Ausgewählte Beiträge des 36. Linguistischen Symposiums zu romanischen Sprachen). Sie hat mehrere Artikel und Buchkapitel über Sprachenlernen, Sprach-Assessment (Sprachstandsfeststellung) und den Einsatz von Technologien beim Sprachenlernen veröffentlicht.
Ihr Hintergrund und ihre Erfahrung beim Sprachenlernen sind seit mehr als 15 Jahren für die Koordination aller Spanischkurse für Anfänger an der WCU und für die Ausbildung zukünftiger Sprachlehrer von großem Wert. Ihre Begeisterung für Assessments und Assessment-Verfahren ist auch für ihre über zehnjährige Tätigkeit als Assessment-Koordinatorin ihrer Abteilung und als Direktorin des allgemeinen Bildungsprogramms an ihrer Universität von entscheidender Bedeutung. Darüber hinaus ist sie vom American Council on the Teaching of Foreign Languages (ACTFL) zertifizierte Oral Profeciency Interview (OPI)-Prüferin nach der Interagency Laguage Roundtable (IRL) Scale und bewertet die Spanischkenntnisse aller Teilnehmenden dieser mündlichen Prüfung.
Dieses Buch ist meiner geliebten und verständnisvollen Familie gewidmet, die mich immer aufmuntert und unterstützt: Ricardo, Sofía und Marina.
Außerdem auch meiner Mutter und meinem verstorbenen Vater (du bist immer bei mir) sowie meinen Geschwistern Pedro und Carmen – für eure ständige Präsenz und Liebe.
Und meiner bewunderten hermanita hormiguita (kleinen Schwester) Magdalena, die immer für mich da ist, sich um mich kümmert und mir so viel beibringt.
Dieses Buch ist inspiriert von Menschen, die erfahren haben oder bereit sind zu erfahren, was das Erlernen einer neuen Sprache wirklich bedeutet, mit sich bringt und wie es sich anfühlt. Besonders dankbar bin ich all meinen Sprachschülern, die ich in den letzten 25 Jahren als Lehrerin für Spanisch als Zweitsprache, Fremdsprache und Herkunftssprache unterrichtet habe – und natürlich meinen zweisprachigen Töchtern. Ihren Sprachlernprozess und ihre Fortschritte live mitzuerleben, war für mich als Sprachlehrerin, Forscherin, Autorin und auch als selbst Sprachlernende sehr aufschlussreich und ermutigend.
Cover
Titelblatt
Impressum
Über die Autorin
Widmung
Danksagung der Autorin
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Über dieses Buch
Törichte Annahmen über die Leser
Wie dieses Buch aufgebaut ist
Symbole, die in diesem Buch verwendet wurden
Wie es weitergeht
Teil I: Erste Schritte beim Erlernen einer neuen Sprache
Kapitel 1: Lust auf eine neue Sprache
Definieren, was Sprache ist
Eine Superkraft durch eine neue Sprache erwerben
Kategorien, Komponenten und Gestaltungsmerkmale von Kommunikation
Verschiedene Sprachfunktionen
Wichtige Zweige der Sprachwissenschaft
Kapitel 2: Grundbegriffe und -elemente für das Erlernen einer Sprache
Grundbegriffe zum Thema Sprachen
Grundbegriffe für die Sprecher einer Sprache
Grundbegriffe zur kommunikativen Kompetenz
Grundelelemente für das Erlernen einer Sprache
Kapitel 3: Persönliche Faktoren für das Erlernen einer Sprache
Individuelle Unterschiede beim Erlernen einer Sprache
Ihr Sprachkompetenzniveau verbessern
Kapitel 4: Vorteile durch das Erlernen einer Sprache
Mehr akademischer Erfolg
Verbesserung der Gehirnleistung: Kognitive und gesundheitliche Vorteile
Persönliche, soziale und kulturelle Vorteile
Bessere wirtschaftliche Möglichkeiten
Teil II: Die Grundlagen für das Erlernen einer Sprache legen
Kapitel 5: Sprachentwicklung
Wissen, dass es eine natürliche Reihenfolge der Sprachentwicklung gibt
Vergleich und Gegenüberstellung der L1- und L2-Entwicklung
Sofort durchstarten: Sie haben bereits eine Muttersprache
Erlernen einer Zweitsprache/Fremdsprache
Kapitel 6: Wissenschaftliche Theorien zum Sprachenlernen
Die wichtigsten Theorien zum Erstspracherwerb
Theorien zum Erlernen einer L2
Kapitel 7: Sprachlehrmethoden und –ansätze
Die beste Sprachlehrmethode für Ihre Bedürfnisse auswählen
Merkmale wichtiger früher Sprachlehrmethoden
Aktuelle Unterrichtspraktiken im Einklang mit dem kommunikativen Ansatz
Kompetenz und Standards
Teil III: Sprachlernaktivitäten
Kapitel 8: Die wichtigsten Elemente für den Sprachlernprozess
Das wichtigste Element: Sprachinput
Rolle der sprachlichen Interaktion
Sprachoutput produzieren
Was ist Output?
Fehler zu machen ist völlig normal
Verschiedene Lernkontexte
Kapitel 9: Die verschiedenen Sprachfertigkeiten
Ihre L2-Lesefertigkeit verbessern
Ihre Hörfertigkeit verbessern
Keine Angst beim Sprechen Ihrer L2
Ihre L2-Schreibfertigkeit üben
Kapitel 10: Strategien zum Erlernen einer Sprache
Verschiedene Sprachlernstrategien alleine anwenden
Gelegenheiten für L2-Interaktionen finden
Sich selbst anfeuern
Teil IV: Das Vorhaben in die Tat umsetzen
Kapitel 11: Welche neue Sprache lernen?
Ihre Motivation zum Erlernen einer neuen Sprache
Verfügbare Ressourcen vor der Auswahl Ihrer L2 prüfen
Kapitel 12: Einen Lernplan für Sie maßschneidern
Auf die Plätze, fertig, los! Ziele setzen und einen Plan erstellen
Die für Sie geeigneten Lernaktivitäten auswählen
Zugang zu Input-, Interaktions- und Output-Möglichkeiten
Kapitel 13: Aufbau von Wortschatz und Grammatik
Überblick über das Erlernen des L2-Wortschatzes
Überblick über wichtige Vokabeln, Ausdrücke und Formeln
Materialien zum Vokabellernen
Praktische Strategien zum Vokabellernen
Die Rolle von Grammatik beim Sprachenlernen
Kapitel 14: Rolle von technischen Hilfsmitteln
Entscheiden, welche technische Ressourcen und Technologien Sie für Ihr Sprachenlernen einsetzen möchten
Sprachlernplattformen und -kurse
Hör- und Lesefertigkeit üben
Am Sprechen und Schreiben arbeiten
Ihren L2-Wortschatz erweitern
Interaktion mit der Kultur Ihrer L2
Hilfe bekommen
Ihren Fortschritt bestimmen
Teil V: Der Top-Ten-Teil
Kapitel 15: Zehn Tipps für den Beginn Ihrer neuen Sprachreise
Ihre Motivation kennen
Sich auf das Vokabellernen fokussieren
Interessante Input-Quellen finden
Mit der Sprache spielen
Mit anderen interagieren und Bedeutung aushandeln
Risiken eingehen und Fehler in Kauf nehmen
Einen Lernplan erstellen und einhalten
In die Sprache eintauchen
Gute Lernmaterialien verwenden
Feiern Sie Ihre Fortschritte
Kapitel 16: Zehn Bereiche, die Sie in Ihrer neuen Sprache beherrschen sollten
Machen Sie sich mit der Kultur Ihrer L2 vertraut
Sich begrüßen und verabschieden
Grundlegende Informationen erfragen
Eisbrecher nutzen
Zahlen und Buchstaben kennen
Sich bedanken und »Bitte, gern geschehen« sagen
Gutes Benehmen im Restaurant
Entschuldigungen und andere Höflichkeiten
Über öffentliche Verkehrsmittel und Orte sprechen
In Notfällen um Hilfe bitten
Abbildungsverzeichnis
Stichwortverzeichnis
End User License Agreement
Kapitel 1
Tabelle 1.1: Überblick über die Gestaltungsmerkmale von Kommunikation
Kapitel 3
Tabelle 3.1: Multiple Intelligenzen und Sprachenlernen
Kapitel 5
Tabelle 5.1: Erwerbsreihenfolge in Englisch (L1- und L2-Erwerb)
Tabelle 5.2: Entwicklungssequenzen im Englischen (L1 und L2)
Kapitel 11
Tabelle 11.1: Beliebte Sprachen, die weltweit gesprochen werden
Kapitel 12
Tabelle 12.1: Messung des L2-Kompetenzniveaus
Kapitel 16
Tabelle 16.1: Über kulturelles Bewusstsein in Ihrer L2 verfügen
Kapitel 1
Abbildung 1.1: Die Kommunikationskette. Mit Genehmigung geändert aus Datei 1.2...
Kapitel 2
Abbildung 2.1: Koordinierte Zweisprachigkeit © John Wiley & Sons, Inc.
Abbildung 2.2: Zusammengesetzte Zweisprachigkeit © John Wiley & Sons, Inc.
Abbildung 2.3: Untergeordnete Zweisprachigkeit. © John Wiley & Sons, Inc.
Kapitel 5
Abbildung 5.1: U-förmiger Lernverlauf © John Wiley & Sons, Inc.
Kapitel 10
Abbildung 10.1: Beispiel für eine semantische Karte.
Cover
Titelblatt
Impressum
Über die Autorin
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Fangen Sie an zu lesen
Abbildungsverzeichnis
Stichwortverzeichnis
End User License Agreement
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Eine neue Sprachen zu lernen, ist seit einigen Jahren ein wichtiges Ziel vieler Menschen (einschließlich Führungskräften in der Wirtschaft). Besonders, weil die Welt immer globalisierter wird und der Fokus auf Inklusion und Vielfalt weiter vorangetrieben wird. Letztendlich ist es wichtig, zu wissen, dass das Recht auf Sprache ein Menschenrecht ist. Wenn man die Sprache einer Person spricht, werden damit auch Anerkennung und Respekt für diese Person und für ihre Kultur zum Ausdruck gebracht.
Vor diesem Hintergrund wächst der Bedarf, Menschen beim Sprachenlernen zu unterstützen. Dieses Buch bietet einen Überblick darüber, was Sprachenlernen bedeutet, welche Faktoren dabei eine Rolle spielen, welche zahlreichen Vorteile das Erlernen einer neuen Sprache mit sich bringt und vieles mehr.
In Einfach und effektiv Sprachen lernen für Dummies erfahren Sie, was Sie zum Erlernen einer neuen Sprache benötigen und wie Sie diese Erfahrung für sich erfolgreich gestalten können. Sie erhalten einen Überblick über die wichtigsten Komponenten des Sprachlernprozesses, die Rolle, die dabei persönliche Unterschiede spielen, die Bedeutung des Vokabellernens und die besten Strategien, um all Ihre Fertigkeiten in der neuen Sprache zu entwickeln und zu verbessern. Außerdem werden Sie dabei unterstützt, Ihre Motivation und Ihre Ziele für das Erlernen einer neuen Sprache zu bedenken und die Sprache und Lernstrategien auszuwählen, die Ihren Bedürfnissen am besten entsprechen.
Dieses Buch enthält wissenschaftlich fundierte Erklärungen, damit Sie verstehen, worauf Sie sich beim Erlernen einer neuen Sprache konzentrieren sollten. Zudem werden konkrete Strategien vorgestellt, mit denen Sie Ihre Lernziele erreichen können. Beispielsweise wird diskutiert, wie wichtig es ist, sowohl angemessenen sprachlichen Input zu erhalten (Kontakt mit der Sprache, die Sie lernen) als auch Möglichkeiten zu haben, Output zu produzieren (die Sprache zur Kommunikation mit anderen zu verwenden). Daher lernen Sie auch mehr über die Forschungsergebnisse zu Input und Output und erhalten Tipps und Vorschläge, wie Sie die Grundsätze dieser Forschung auf Ihre eigenen Interaktionen anwenden können – sowohl bei der persönlichen Kommunikation als auch beim Einsatz von technischen Hilfsmitteln. Außerdem werden Sie im Laufe des Buches immer wieder daran erinnert, dass Fehler beim Sprachenlernen und in der Sprachentwicklung ganz natürlich und zu erwarten sind. Geben Sie nicht auf!
Ein kurzer Hinweis: Seitenleisten (schattierte Textfelder in einigen Kapiteln) gehen näher auf ein bestimmtes Thema ein, sind aber für das Verständnis nicht unbedingt erforderlich. Sie können sie lesen oder überspringen. Sie können auch Abschnitte überspringen, die mit dem Dummies-Symbol gekennzeichnet sind. Mit diesem Symbol gekennzeichnete Abschnitte enthalten interessante, wissenschaftliche, aber nicht unbedingt notwendige Informationen zum Erlernen einer neuen Sprache.
Eine letzte Anmerkung: Sie werden feststellen, dass einige Webadressen in diesem Buch über zwei Zeilen verteilt sind. Wenn Sie das Buch in gedruckter Form lesen und eine dieser Websites besuchen möchten, geben Sie einfach die Webadresse genau so ein, wie sie im Text angegeben ist, und ignorieren Sie den Zeilenumbruch. Wenn Sie dieses Buch als E-Book lesen, haben Sie es leichter – klicken Sie einfach auf die Webadresse, um direkt zu der Website zu gelangen.
Hier sind einige Annahmen über Sie und warum Sie dieses Buch in die Hand genommen haben:
Sie interessieren sich dafür, herauszufinden, was das Erlernen einer neuen Sprache ausmacht.
Sie möchten eine neue Sprache lernen, um mit anderen Sprechern dieser Sprache zu kommunizieren.
Sie fragen sich, wie Sie Ihre Reise in eine neue Sprachwelt am besten beginnen können, und sind unsicher, wie Sie anfangen sollen oder wonach Sie suchen müssen.
Wie jedes … für Dummies-Buch gliedert sich auch dieses in Kapitel und Teile auf. Hier finden Sie eine kurze Übersicht, worum es den fünf Teilen dieses Buchs geht.
Teil I
: Erste Schritte beim Erlernen einer neuen Sprache
Sie erfahren, wie Sie Ihre Motivation für das Sprachenlernen entdecken, wichtige Begriffe und persönliche Faktoren verstehen und die Vorteile des Sprachenlernens für Ihr Leben und Ihre Karriere nutzen.
Teil II
: Die Grundlagen für das Erlernen einer Sprache legen
In diesem Teil setzen Sie sich mit der Entwicklung von Sprache auseinander, lernen verschiedene theoretische Ansätze kennen und erhalten einen Überblick über bewährte Methoden und aktuelle Ansätze im Sprachunterricht.
Teil III
: Sprachlernaktivitäten
Sie lernen, wie Sie zentrale Elemente wie Input, Interaktion und Output im Lernprozess jonglieren, verschiedene Sprachfertigkeiten gezielt trainieren und effektive Lernstrategien anwenden.
Teil IV
: Das Vorhaben in die Tat umsetzen
Nun geht es ans Eingemachte: Hier lernen Sie, wie Sie gezielt eine neue Sprache auswählen, einen individuellen Lernplan erstellen und Ihren Wortschatz und Ihre Grammatik aufbauen. Außerdem lernen Sie Lernprogramme und Apps kennen, die Ihr Lernvorhaben unterstützen.
Teil V
: Der Top-Ten-Teil
Kurz und knackig: Sie erhalten zehn praktische Tipps für Ihren Start ins Sprachenlernen und lernen zehn wichtige Themen kennen, die Sie in Ihrer neuen Sprache meistern sollten – von Begrüßungen bis zum Verhalten in Notfällen.
Wie alle Bücher der Reihe …für Dummies enthält auch dieses Buch Symbole, die Ihnen die Navigation durch das Buch und die enthaltenen Informationen erleichtern. Hier ist ihre Bedeutung:
Wenn Sie etwas aus diesem Buch mitnehmen, dann sollten es die Informationen sein, die mit diesem Symbol gekennzeichnet sind.
Dieses Symbol kennzeichnet Informationen, die etwas tiefer in den Prozess des Spracherwerbs eintauchen.
Dieses Symbol hebt besonders hilfreiche Ratschläge dazu hervor, was Sie tun sollten und wie Sie dabei vorgehen sollten, um eine neue Sprache zu lernen.
Dieses Symbol weist auf Situationen und Handlungen hin, die Sie vermeiden sollten, damit Sie Fortschritte erzielen und erfolgreich sind.
Sie müssen dieses Buch nicht von vorne bis hinten durchlesen, aber wenn Sie besonders gründlich sein wollen, können Sie das gerne tun! Wenn Sie nur bestimmte Informationen suchen und dann mit dem Lernen Ihrer neuen Sprache fortfahren möchten, schauen Sie sich das Inhaltsverzeichnis oder den Index an und tauchen Sie dann in das Kapitel oder den Abschnitt ein, das beziehungsweise der Sie interessiert.
Wenn Sie beispielsweise nicht wissen, wie oder wo Sie anfangen sollen, und Hilfe bei der Entscheidung für eine neue Sprache benötigen, schlagen Sie das Buch bei Kapitel 11 auf, um Tipps zur Auswahl einer Sprache zu erhalten, und lassen Sie sich dann in Kapitel 12 dabei helfen, Ihren Lernweg zu gestalten. Schon bald werden Sie einen Plan haben und bereit sein, Ihre Reise zum Erlernen einer neuen Sprache zu beginnen. Schnallen Sie sich an und machen Sie sich bereit!
In diesem Buch wird der Begriff Zweitsprache sowohl für Zweitsprachen als auch für Fremdsprachen verwendet, es sei denn, es muss der unterschiedliche Lernkontext hervorgehoben und eine Unterscheidung getroffen werden.
Ihre Zweitsprache(auch als L2 bezeichnet) ist jede Sprache, die Sie nach dem Erlernen Ihrer Erstsprache lernen/erwerben. Es kann Ihre zweite, dritte oder vierte Sprache sein und dennoch als Ihre Zweitsprache bezeichnet werden.
Teil I
IN DIESEM TEIL …
Erfahren Sie, was Kommunikation ist, welche Komponenten und Gestaltungsmerkmale sie hat sowie welche Zweige der Sprachwissenschaft es gibt.Lernen Sie Fachbegriffe kennen, um Sprachen und ihre Sprecher sowie wichtige Komponenten beim Erlernen einer neuen Sprache zu benennen.Erfahren Sie, welche persönlichen Merkmale das Sprachenlernen beeinflussen und wie Sie Ihre Sprachkompetenz beim Erlernen einer L2 bewerten.Entdecken Sie die vielen Vorteile, die das Erlernen einer neuen Sprache mit sich bringt.Kapitel 1
IN DIESEM KAPITEL
Definition von SpracheWas zum Erlernen einer neuen Sprache benötigt wirdWelche Komponenten der Kommunikation es gibtWelche Funktionen Sprache hatWelche Teilgebiete der Sprachwissenschaft es gibtSie möchten eine neue Sprache lernen? Das ist toll! Dann sind Sie hier genau richtig. Sie lesen dieses Buch und sind vermutlich ziemlich interessiert daran, eine neue Sprache zu lernen. Damit haben Sie bereits eine wichtige Voraussetzung für dieses Vorhaben: Motivation!
In diesem Kapitel erhalten Sie einen Überblick über den Prozess des Sprachenlernens. Zunächst wollen wir definieren, was Sprache ist. Das scheint ein einfacher Begriff zu sein, aber Sprachwissenschaftler haben jahrelang darüber nachgedacht, wie man Sprache definieren kann. Außerdem wird erklärt, warum es in der heutigen Welt wichtig ist, mehr als eine Sprache zu beherrschen und Teil eines zwei- oder mehrsprachigen Teams zu sein. Anschließend wird erläutert, was Kommunikation ist und welche Komponenten, Merkmale und Funktionen Kommunikation aufweist. Abschließend werden einige Fachgebiete vorgestellt, die sich mit Sprache beschäftigen.
Wenn Sie eine Sprache lernen möchten, die Sie mit vielen Menschen sprechen können, hier eine interessante Tatsache: Die weltweit am häufigsten gesprochenen Sprachen (als Muttersprache und als Zweitsprache) sind Englisch, Mandarin-Chinesisch, Hindi, Spanisch, Französisch und Modernes Standard-Arabisch. Weitere Informationen zur Auswahl einer zu lernenden Sprache finden Sie in Kapitel 11.
Sprache ist eine natürliche Fähigkeit des Menschen, die wir mühelos erwerben, indem wir ihr ausgesetzt sind und sie zur Kommunikation mit anderen Mitgliedern unserer Sprachgemeinschaft verwenden. Sprache ist für unser Leben unverzichtbar, um soziale Interaktionen aufrechtzuerhalten, da sie uns hilft, Gedanken, Ideen, Wünsche, Emotionen und Kultur auszudrücken.
Sprache ist auch eine Form der Selbstidentität. Ja, ganz richtig! Die Art und Weise, wie Sie sprechen, und die Sprache, die Sie verwenden, verraten viel über Ihre Identität und Ihre Kultur. Denken Sie mal darüber nach: Wenn Sie jemanden sprechen hören, können Sie einschätzen, ob diese Person aus Ihrer Gegend stammt oder nicht? Können Sie deren Alter oder Geschlecht erraten? Wie steht es um den sozioökonomischen Status? Können Sie einschätzen, ob es sich um Muttersprachler oder Sprachlernende handelt? Meistens kann man alle oder die meisten dieser Fragen mit Ja beantworten. Das ist gemeint, wenn man sagt, dass Sprache eine Form der Selbstidentität ist.
Technisch gesehen bestehen Sprachen aus willkürlichen Zeichen (Wörtern), die bestimmten Regeln (Grammatik) unterliegen. (Mehr über die Willkür von Wörtern erfahren Sie später in »Besondere Gestaltungsmerkmale«.) Trotz ihrer Komplexität sind Sprachen systematisch und regelgebunden, sodass Sprachwissenschaftler sie wissenschaftlich untersuchen können. Dank der Regeln, denen Sprachen unterliegen, können Mitglieder einer Sprachgemeinschaft unendlich viele Sätze bilden und verstehen.
Die meisten Wissenschaftler sind sich einig, dass Menschen von Geburt an mit der Fähigkeit zum Sprachenlernen ausgestattet sind – und dass bestimmte Strukturen in unserem Gehirn auf die Sprachverarbeitung spezialisiert sind. Ein Teil der Arbeit ist also bereits für Sie erledigt, ohne dass Sie sich besonders anstrengen müssen!
Wenn Sie sich noch nicht entschieden haben, welche Sprache Sie lernen möchten, haben Sie eine große Auswahl! Laut www.ethnologue.com, einer der wichtigsten Online-Quellen für Informationen über Sprachen, gibt es weltweit mehr als 7.000 Sprachen! Hier sind einige interessante Fakten zu diesen Sprachen:
Etwa 90 Prozent der Weltbevölkerung sprechen 700 dieser Sprachen.Mehr als 50 Prozent der Bevölkerung sprechen 23 dieser Sprachen.85 Prozent der Menschen weltweit sprechen entweder asiatische oder europäische Sprachen.40 Prozent dieser Sprachen (mehr als 3.000 Sprachen) sind vom Aussterben bedroht (sie haben weniger als 1.000 Sprecher).Das Erlernen neuer Sprachen ist eine spannende und lohnende Aufgabe! Zweisprachige Menschen können mit mehr Menschen kommunizieren als einsprachige, und Sprachen bieten Ihnen die Möglichkeit, andere Kulturen zu entdecken und einen breiteren Blick auf die Welt und die Menschheit zu gewinnen. Das ist eine Superkraft!
Und Sprachen zu lernen ist gar nicht so schwer, wie manche vielleicht denken. Sie beherrschen ja bereits mindestens eine Sprache – nämlich die, in der Sie gerade dieses Buch lesen. Vielleicht brauchen Sie nur ein wenig Anleitung, wie Sie Ihr Ziel erreichen können, eine neue Sprache zu lernen. Außerdem haben Sie vielleicht schon einmal gehört, dass es mit jeder weiteren Sprache, die man lernt, immer leichter wird, eine neue Sprache zu lernen. Also: Legen Sie einfach los! In den folgenden Abschnitten erfahren Sie, was Sie zum Erlernen einer neuen Sprache benötigen, und erhalten einen Überblick über den Nutzen des Sprachenlernens.
Für den Erfolg beim Erlernen einer neuen Sprache benötigen Sie einige Zutaten, damit Sie besser früher als später zum Team der zwei- oder mehrsprachigen Superhelden gehören können. (All diese Zutaten werden ausführlich in diesem Buch besprochen.) Um eine Sprache zu lernen, benötigen Sie:
Starke Motivation: Das Erlernen einer Sprache sollte Ihnen Freude bereiten. Sie sollten eine innere Begeisterung verspüren, so als ob Sie Schmetterlinge im Bauch haben, wenn Sie jemanden treffen, den Sie mögen. Sie sollten sich nicht dazu gezwungen oder verpflichtet fühlen, die Sprache zu lernen, sondern einen starken Wunsch danach verspüren.
Um Ihre Motivation zu erhöhen, schreiben Sie mindestens fünf Gründe auf, warum Sie eine bestimmte Sprache lernen möchten. Sie möchten beispielsweise Französisch lernen, um leichter durch Frankreich reisen zu können, mit Freunden und Familienmitgliedern zu sprechen, die dort leben, französische Literatur im Original zu lesen, französische Filme ohne Untertitel anzusehen und französische Restaurants noch mehr zu genießen, indem Sie die Speisekarten auf Französisch lesen können.
Zeit und Regelmäßigkeit: Es wird empfohlen, jeden Tag mindestens 15 Minuten für Ihre neue Sprache aufzuwenden. Es ist besser, täglich etwas Zeit zu investieren, als einmal pro Woche viele Stunden zu lernen.
Versuchen Sie, das Sprachenlernen mit Ihrem Alltag zu verbinden. Nutzen Sie beispielsweise die Zeit, bis das Wasser für Ihren Kaffee kocht, um in Ihrer neuen Sprache zu lesen, Musik in dieser Sprache zu hören, Karteikarten durchzugehen und so weiter. Sie können auch Ihre E-Mail-/Telefoneinstellungen auf die neue Sprache umstellen, versuchen, Fernsehsendungen und Filme in der neuen Sprache anzuschauen, oder Ihre To-do-Liste in der neuen Sprache schreiben. Das Wiederholen dieser Handlungen wird Ihnen beim Lernen sehr helfen!
Ressourcen:
Sie sollten interessante Bücher, Wörterbücher, audiovisuelles Material und ähnliche Ressourcen in Ihrer gewünschten Zielsprache finden. Wenn Sie wiederholt mit vielfältigen Materialien in Kontakt kommen, in denen die neue Sprache verwendet wird, können Sie sich diese Sprache besser einprägen.
Wenn möglich, suchen Sie nach Muttersprachlern oder Personen mit sehr guten Sprachkenntnissen, mit denen Sie üben können. Das ist eine sehr wertvolle Ressource! Sie können sich an lokale Universitäten wenden oder nach Sprachclubs in Ihrer Nähe suchen, die sich regelmäßig treffen. Achten Sie auf Aushänge in Cafés, Bibliotheken und Universitäten. Sie können auch Online-Apps nutzen, um Gesprächspartner zu finden. In Kapitel 14 werden einige Online-Apps und Websites vorgestellt, die Sie nutzen können.
Entspannung:
Sie sollten sich beim Lernen oder Üben der Sprache nicht gestresst fühlen. Sie müssen sich wohlfühlen und akzeptieren, dass Fehler zum Lernen dazugehören. Im Bereich des Sprachenlernens bezeichnen wir dies als einen
niedrigen affektiven Filter
. Mehr über die Bedeutung des affektiven Filters erfahren Sie in
Kapitel 7
.
Ein Plan:
Denken Sie über Ihre Motivation und Ihre Ziele nach und skizzieren Sie die Schritte, die Sie unternehmen wollen, um diese Ziele zu erreichen. Je klarer Ihr Plan ist, desto leichter wird es sein, ihn umzusetzen. Weitere Informationen finden Sie in
Kapitel 12
.
Grundwortschatz: Der Der Aufbau eines Grundwortschatzes ist besonders zu Beginn des Lernprozesses wichtig; das Lernen von Wörtern ist sogar wichtiger als das Beherrschen der Sprachstruktur (Grammatik). Sie können mit alltäglichen Wörtern beginnen und solchen, die mit Ihren Interessen und Hobbys zu tun haben. Weitere Informationen finden Sie in Kapitel 13.
Denken Sie daran, dass Sie sich mit einzelnen Wörtern verständigen können. Grammatikalische Korrektheit kommt mit der Zeit und sollte für Anfänger nicht im Vordergrund stehen. Traditioneller Unterricht kann sehr hilfreich sein, wenn es darum geht, Ihre Grammatik zu verbessern.
Es ist gar nicht so leicht, Zwei- oder Mehrsprachigkeit zu definieren, und folglich ist es auch schwierig, die Anzahl der zweisprachigen Menschen in der Welt zu bestimmen. Tatsächlich gibt es keine offiziellen Daten zur Zweisprachigkeit. Einige Forscher, wie François Grosjean, gehen jedoch davon aus, dass die Hälfte oder etwas mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung zweisprachig ist, während andere, wie Colin Baker, eine Zahl zwischen 50 und 70 Prozent nennen.
Normalerweise wird in einer Volkszählung nicht gefragt, ob die Bevölkerung zweisprachig ist, sondern welche Sprachen sie spricht. Anhand dieser Angaben wird dann die Zahl der zweisprachigen Personen berechnet. Allerdings bleibt die Schwierigkeit, zu definieren, was Zweisprachigkeit bedeutet oder was das Beherrschen einer Sprache beinhaltet. Einige Länder, wie beispielsweise die Schweiz, haben eine restriktivere Definition von Zweisprachigkeit als andere Länder, wie beispielsweise die Vereinigten Staaten. Es ist also nicht so einfach, verlässliche Daten über die Anzahl der zweisprachigen Menschen weltweit zu erhalten.
Klar ist, dass in einigen Ländern und auf einigen Kontinenten (wie Asien und Afrika) Zwei-/Mehrsprachigkeit sehr verbreitet ist; in anderen (wie Europa) spricht mehr als die Hälfte der Bevölkerung mindestens zwei Sprachen (obwohl zwei der größten Länder Europas, Großbritannien und Frankreich, nicht besonders zweisprachig sind). Die Vereinigten Staaten sind eines der wenigen entwickelten Länder, in denen das Erlernen von Sprachen keine Priorität hat.
Zwei oder mehr Sprachen zu sprechen ist keine moderne Errungenschaft, sondern existiert seit jeher, da Gemeinschaften mit unterschiedlichen Sprachen miteinander kommunizieren mussten. Tatsächlich sind zwei Hauptgründe für Zweisprachigkeit:
Handel und Wirtschaft:
Heutzutage wird beispielsweise Englisch für geschäftliche Zwecke verwendet, aber im dritten und vierten Jahrhundert vor Christus benutzten Käufer und Verkäufer Griechisch, um im Mittelmeerraum Handel zu treiben.
Migration von Menschen aus politischen, religiösen, sozialen, bildungsbezogenen oder wirtschaftlichen Gründen: Beispielsweise wandern Menschen aus Regionen mit politischen oder religiösen Konflikten in andere Länder aus, um ein stabileres und friedlicheres Leben zu suchen. Ebenso wandern Menschen auf der Suche nach besseren Arbeits- oder Bildungsmöglichkeiten aus.
In unserer vielfältigen Welt wird Mehrsprachigkeit allgemein als großer Vorteil angesehen. Organisationen wie die Vereinten Nationen unterstützen Mehrsprachigkeit aufgrund der Vorteile für die Weltgemeinschaft. Darüber hinaus belegen Forschungsergebnisse, dass Mehrsprachigkeit eine Vielzahl von Vorteilen mit sich bringt, die von akademischen über kognitive und kulturelle bis hin zu wirtschaftlichen Vorteilen reichen. Als Teil des zweisprachigen Superkräfte-Teams eröffnen sich Ihnen Möglichkeiten, die Sie sonst nicht hätten. Zweisprachigkeit kann Ihnen persönlich, akademisch und beruflich Türen öffnen. Weitere Informationen zu den Vorteilen des Erlernens neuer Sprachen finden Sie in Kapitel 4.
Sprache ist der Hauptakteur im Sprachlernprozess, aber nicht der einzige. Sprache ist das Werkzeug, das wir benötigen, um mit anderen Mitgliedern unserer Gemeinschaft zu kommunizieren. Daher ist Kommunikation ein weiterer Hauptakteur im Sprachlernprozess. In den folgenden Abschnitten wird der Begriff Kommunikation definiert, dann werden seine verschiedenen Formen beschrieben, seine Komponenten erörtert – und es wird erklärt, wie diese Komponenten zusammenwirken, um die vielfältigen Funktionen der Sprache zu erfüllen.
Professor Milton Azevedo und andere Sprachwissenschaftler definieren Sprache als ein soziales Verhalten, das nur Menschen besitzen und das sich durch den kreativen Einsatz von Zeichen manifestiert. Diese Zeichen sind willkürlich und Teil eines geordneten Systems. Ein geordnetes System ermöglicht es uns, mit anderen zu kommunizieren und unsere kulturellen Ausdrucksformen in einer Vielzahl von Kontexten zu teilen.
Kommunikation wurde von vielen Sprachwissenschaftlern auf verschiedene Weise definiert. In einem 2017 veröffentlichten Artikel definiert der bekannte Sprachwissenschaftler Bill VanPatten Kommunikation als »den Ausdruck, die Interpretation und die Aushandlung von Bedeutung mit einer Absicht in einem bestimmten Kontext«.
Mit anderen Worten: Kommunikation beinhaltet, dass Menschen ihre Gedanken so artikulieren, dass andere sie verstehen können – und wenn es zu einer Kommunikationsstörung kommt, müssen sie die beabsichtigte Bedeutung aushandeln. Sprachaustausch muss in dem Kontext, in dem er stattfindet, zielgerichtet und sinnvoll sein.
Kommunikation kann als einseitige oder gegenseitige Kommunikation klassifiziert werden.
Einweg-Kommunikation oder einseitige Kommunikation ist Kommunikation, die keine Antwort erfordert. Wenn Sie beispielsweise eine Online-Nachrichtenseite lesen, empfangen Sie einseitige Kommunikation, da Sie die Bedeutung der Wörter lesen und interpretieren, aber nicht erwartet wird, dass Sie auf die Seite antworten. Ein weiteres Beispiel ist ein Reporter, der Nachrichten im Fernsehen übermittelt. Der Reporter informiert die Zuschauer lediglich und erwartet keine Interaktion mit ihnen.Zweiweg-Kommunikation oder gegenseitige Kommunikation hingegen beinhaltet ein Geben und Nehmen zwischen den an der Kommunikation beteiligten Personen. Eine Person produziert Sprache, die andere reagiert auf die produzierte Sprache. Es kann zu einer Aushandlung über die Bedeutung zwischen den beiden Teilnehmern des Kommunikationsakts kommen.Der ACTFL (American Council on the Teaching of Foreign Languages; siehe Kapitel 3) unterteilt Kommunikation in drei Modi:
Interpretative Kommunikation ist eine Einwegkommunikation, die das Verstehen und Entschlüsseln von Nachrichten beinhaltet. Sie kann in Form von Lesen (zum Beispiel Zeitung), Hören (zum Beispiel Radio) oder Sehen (zum Beispiel Film) erfolgen.Interpersonale Kommunikation ist eine Zweiweg-Kommunikation, bei der die Teilnehmer Informationen austauschen und deren Bedeutung aushandeln. Interpersonale Kommunikation kann durch Sprechen (zum Beispiel ein Gespräch mit Freunden) oder Schreiben (zum Beispiel das Versenden von Textnachrichten) erfolgen.Präsentierende Kommunikation ist eine Einweg-Kommunikation, bei der der Sprecher/Schreiber Informationen an ein Publikum übermittelt, aber keine Antwort vom Publikum erwartet.Bei Kommunikation denken Sie vielleicht an zwischenmenschliche Kommunikation, bei der zwei Personen Informationen austauschen. Das Wort »Kommunikation« stammt vom lateinischen Wort communicare ab, was »teilen«, »gemeinsam machen« oder »mitteilen« bedeutet. Tatsächlich ist die Wurzel communis, was »von allen geteilt, gemeinsam, öffentlich« bedeutet. Wenn Sie kommunizieren, teilen Sie Informationen und machen sie zu Allgemeinwissen. Weitere Wörter, die denselben Wortstamm haben, sind zum Beispiel im Englischen community (Gemeinschaft) und im Deutschen Kommune. Interessant, oder?
Wir kommunizieren aus vielen verschiedenen Gründen, zum Beispiel um Informationen auszutauschen, Gedanken zu übermitteln, Wünsche, Emotionen und Gefühle auszudrücken, Sprache selbst zu beschreiben oder um über abstrakte Konzepte zu sprechen, Spaß mit Sprache zu haben, die Vergangenheit wiederzugeben oder sogar, um die Zukunft zu erfinden. Weitere Informationen zu den verschiedenen Verwendungszwecken von Sprache in der Kommunikation finden Sie später im Abschnitt »Verschiedene Sprachfunktionen«.
Abbildung 1.1 zeigt, wie die Kommunikationskette funktioniert und wie wir unsere Gedanken kommunizieren.
Damit menschliche Kommunikation stattfinden kann, müssen folgende Hauptkomponenten berücksichtigt werden:
Die Gesprächspartner oder Nutzer (Sender/Quelle und Empfänger) sind die Teilnehmer der Kommunikation. Menschen und die meisten Tiere können ihre Rolle als Sender und Empfänger während der Kommunikation jederzeit tauschen.Die Nachricht ist das Wissen oder das Gefühl, das Sie vermitteln möchten, oder das, was Sie empfangen und interpretieren müssen.Der Code (oder Kode) ist die Sprache, die zur Übermittlung von Nachrichten verwendet wird. Sobald Sie die Nachricht kennen, die Sie vermitteln möchten, müssen Sie sie in der von Ihnen verwendeten Sprache gemäß den Regeln dieser Sprache kodieren. Anschließend dekodiert der Empfänger Ihre Sprache, um die Nachricht zu verstehen.Damit die Kommunikation erfolgreich ist, müssen die Gesprächspartner natürlich den Code kennen: seine Laute (oder seine schriftliche Form), die Bedeutung der verwendeten Wörter und die Art und Weise, wie Wörter in Sätzen verwendet werden (Grammatik).
Abbildung 1.1: Die Kommunikationskette. Mit Genehmigung geändert aus Datei 1.2 (S. 7) des Fachbereichs Linguistik der Ohio State University, Language Files: Materials for an Introduction to Language and Linguistics, 13. Auflage (2022): https://ohiostatepress.org/books/titles/9780814258354.html.
Wie diese Komponenten zusammenwirken, sehen Sie in Abbildung 1.1.
Kommunikation weist eine Reihe von Charakteristika auf, die als Gestaltungsmerkmale (design featuers) bezeichnet werden (ein Begriff, der in den 1960er Jahren vom Sprachwissenschaftler Charles Hockett geprägt wurde). Obwohl sowohl Tiere als auch Menschen kommunizieren, weisen unsere Kommunikationsformen nicht dieselben Gestaltungsmerkmale auf. Tatsächlich verwenden nur Menschen eine hochentwickelte Form der Kommunikation: die Sprache.
Tabelle 1.1 gibt einen Überblick über die Gestaltungsmerkmale von Kommunikation. Sie können sehen, welche Merkmale allen Kommunikationssystemen gemeinsam sind und welche speziell für den Menschen gelten.
Gestaltungsmerkmale
Alle Kommunikationssysteme
Kommunikationsmodus
Semantik
Pragmatische Funktion
Einige Kommunikationssysteme
Austauschbarkeit
Kulturelle Überlieferung
Arbitrarität
Diskretheit
Nur Menschen (Sprache)
Dislokation/Dislozierung
Produktivität
Lügen/Täuschung
Reflexivität
Tabelle 1.1: Überblick über die Gestaltungsmerkmale von Kommunikation
Alle Kommunikationssysteme weisen diese drei Merkmale auf:
Medium/Kommunikationsmodus: Dieses Gestaltungsmerkmal bezieht sich darauf, wie Nachrichten übertragen werden – wie sie erzeugt und wahrgenommen werden. Die meisten Menschen und Tiere kommunizieren über einen auditiv-vokalen Kommunikationsmodus: Das vokale System überträgt Laute, und das auditive System empfängt sie.Andere Kommunikationsmodi, die von einigen Tieren und Menschen verwendet werden, sind visuell-gestisch beziehungsweise -manuell (in Gebärdensprachen, bei denen Nachrichten über Hand-, Arm-, Kopf- und Gesichtsbewegungen übertragen und visuell empfangen werden) und chemisch-olfaktorisch (einige Motten übermitteln Nachrichten über ein chemisches Medium namens Pheromone).
Eine neue Sprache verwenden Sie hauptsächlich durch die Kommunikation mittels Lauten (auditiv-vokaler Modus), aber Sie verwenden auch den visuellen Modus (zum Lesen von Druckerzeugnissen, zum Ansehen von Videos oder zur Verwendung von Gebärdensprachen).
Semantizität: Dieses Merkmal geht davon aus, dass alle Signale in einem Kommunikationssystem eine Bedeutung haben müssen und dass die Gesprächspartner diese verstehen können. Wenn Sie beispielsweise Buch hören, wird erwartet, dass alle Kommunikationsteilnehmer eine ähnliche Vorstellung davon haben, was Buch bedeutet.Pragmatische Funktion: Diese Eigenschaft bezieht sich darauf, dass wir Kommunikationssysteme für einen bestimmten Zweck nutzen. Wir produzieren Nachrichten, um andere Mitglieder der Gemeinschaft zu informieren oder zu beeinflussen, um sie am Leben zu erhalten, um neue Informationen zu erlangen und Ähnliches. Tiere beispielsweise verwenden Zeichen, um Alarm zu signalisieren und die Quelle und Qualität von Nahrung anzuzeigen, während Menschen eine Vielzahl von Absichten vermitteln können.Während die vorgenannten Gestaltungsmerkmale allen Kommunikationssystemen gemeinsam sind, finden sich andere Gestaltungsmerkmale nur in bestimmten Kommunikationssystemen. Natürlich weist die menschliche Kommunikation all diese Merkmale auf:
Austauschbarkeit
:
Die Nutzer (Sender und Empfänger) können ihre Rollen tauschen: Ich kann zuerst der Sender einer Nachricht sein und einen Moment später der Empfänger einer anderen. Außerdem kann dieselbe Person sowohl Sender als auch Empfänger sein (wenn man beispielsweise mit sich selbst spricht). Nicht alle Organismen können beide Rollen einnehmen. Beispielsweise sind männliche Seidenraupen nur Empfänger, sie können keine Nachrichten senden.
Kulturelle Überlieferung
:
Selbst, wenn es stimmt, dass es bei Menschen vorprogrammiert ist, Sprachen zu erlernen (Language Acquisition Device, Spracherwerbsapparat), brauchen wir soziale Interaktion und Input von anderen Sprachbenutzern, um eine Sprache und ihre Konventionen zu lernen. Diese Interaktionen übertragen auch die Kultur der Sprachgemeinschaft. Man kann eine Sprache nicht isoliert erwerben, sondern muss mit anderen Sprechern in Kontakt treten und interagieren, um sie zu lernen. Beispielsweise lernen männliche Weißkopfammern ihren »Dialekt« in den ersten drei Monaten nach ihrer Geburt von älteren Männchen; männliche Buckelwale haben ebenfalls ihren eigenen Gesang, der sich im Kontakt mit anderen Buckelwalen weiterentwickelt. Mehr über kulturelle Übertragung erfahren Sie in
Kapitel 2
.
Arbitrarität
:
Warum nennen wir ein bestimmtes vierbeiniges Tier auf Deutsch
Hund
? Das gleiche Tier wird von jemand anderem vielleicht auf Spanisch
perro
oder auf Französisch
chien
genannt. Der Grund für all diese unterschiedlichen Benennungen ist, dass Wörter (sprachliche Zeichen) willkürlich sind. Es gibt keine intrinsische (zugrundeliegende) Verbindung zwischen der Form (dem Signal, der Bezeichnung) und der Bedeutung (dem, worauf es referiert, was es bezeichnet) oder zwischen den Elementen des Kommunikationssystems und ihrer Bedeutung. Einige Tiere zeigen gewisse Variationen oder »Dialekte«, wie beispielsweise die Gesänge der Buckelwale im Südpazifik.
Diskretheit
:
Einige Kommunikationssysteme bestehen aus kleinen, diskreten (isolierbaren, separaten) und wiederholbaren Einheiten (Laute, Wörter), die sich zu sinnvollen Nachrichten verbinden. Sprachen beispielsweise haben Laute, die für sich genommen keine Bedeutung haben. Wenn sie jedoch in einer linearen Abfolge kleiner diskreter Einheiten kombiniert werden, können sie Wörter mit eigener Bedeutung bilden. Diese einzelnen Einheiten unterscheiden sich voneinander und bilden zusammen Silben, Wörter, Sätze und letztlich Nachrichten. Diese Eigenschaft ermöglicht Einfachheit und sprachliche Ökonomie. Einige Affen, Delfine und Papageien zeigen Anzeichen von Isolierbarkeit.
Und nun kommen wir zu den Gestaltungsmerkmalen, die nur beim Menschen vorkommen und die bei Sprache möglich sind:
Dislokation/Dislozierung (Displacement): Menschen können Sprache verwenden, um über Ereignisse zu sprechen, die an einem anderen Ort und zu einer anderen Zeit als hier und jetzt, also in dem Moment, in dem sie sprechen, stattgefunden haben. Alle Sprachen verfügen über Mittel, um zeitliche und räumliche Verschiebungen auszudrücken, da die Angabe von Zeit und Raum wichtige Informationen sind, die zwischen Sprechern ausgetauscht werden müssen. Einige Sprachen verwenden Flexion (Formveränderungen), um Zeitverschiebungen anzuzeigen (zum Beispiel die Endung -te in sagte), oder sie können Präpositionalphrasen (zum Beispiel zu Hause) oder Adverbien (zum Beispiel gestern) verwenden, um einen Transfer in Raum und Zeit anzuzeigen.
Obwohl Dislokation beziehungsweise Dislozierung ein Merkmal der menschlichen Kommunikation ist, glauben manche Menschen, dass auch Bienen Transfer ausdrücken können. Bis zu einem gewissen Grad stimmt das. Bienen können durch bestimmte Tanzbewegungen die Richtung und Entfernung zu einer Nahrungsquelle sowie deren Qualität anzeigen. Allerdings sind Bienentänze sehr genau festgelegt und es können nur bestimmte Körperhaltungen und Gesten verwendet werden, um ganz bestimmte Informationen auszudrücken.
Produktivität
:
Durch die Befolgung der Regeln, die jede Sprache hat (Kombination von Lauten zu Morphemen, Wörtern und Sätzen), können Menschen neuen Dingen, Handlungen oder Ereignissen neue Benennungen geben und völlig neue Sätze bilden, die noch nie zuvor gehört oder produziert wurden. Nur Menschen können eine endliche Anzahl sprachlicher Elemente (auch wenn sich diese Elemente ändern können) verwenden, um eine unendliche Anzahl von Sätzen zu bilden. Tiere hingegen verfügen über ein geschlossenes Kommunikationssystem und können die vielfältigen, isolierbaren Einheiten nicht zu neuen Einheiten kombinieren.
Lügen/Täuschung (Prevarication)
:
Menschen können Sprache verwenden, um zu lügen und zu täuschen. Im Allgemeinen können Tiere nicht lügen. (Interessanterweise hat der Sprachwissenschaftler Charles Hockett jedoch die These aufgestellt, dass einige Primaten, darunter Gibbons und Guenons, lügen können, um ein Ziel zu erreichen.)
Reflexivität
:
Dieser Begriff bezieht sich auf die Verwendung des Codes, um über den Code zu sprechen. Beispielsweise wird in diesem Buch Sprache verwendet, um Merkmale der Sprache selbst zu erklären. Dies ist ein Gestaltungsmerkmal von Kommunikation, das nur Menschen besitzen.
Die Mitglieder einer Sprachgemeinschaft verwenden Sprache, um zu kommunizieren und bestimmte Ziele zu erreichen. Sie können Sprache beispielsweise verwenden, um Nachrichten, Gedanken oder Bedürfnisse zu übermitteln, Emotionen und Wünsche auszudrücken, bestimmte Handlungen herbeizuführen oder einfach nur Spaß mit der Sprache zu haben (Witze erzählen, Gedichte schreiben und so weiter).
Um genauer zu sein, der Sprachwissenschaftler Roman Jakobson hat sechs Sprachfunktionen vorgeschlagen: die referenzielle, emotive, appellative, phatische, metasprachliche und poetische Funktion. Die folgende Liste gibt einen Überblick über die einzelnen Funktionen. (Beachten Sie, dass in einigen Beschreibungen Begriffe verwendet werden, die im vorherigen Abschnitt »Komponenten der Kommunikationskette« eingeführt wurden.
Referenziell
:
Sprache wird verwendet, um Wissen oder Informationen weiterzugeben, Beobachtungen und Gedanken mitzuteilen, Personen/Orte/Dinge zu beschreiben oder über Dinge im Allgemeinen zu sprechen.
Emotiv (expressiv): Der Fokus dieser Funktion liegt auf dem Sender, dem Ich. Sprache wird verwendet, um auszudrücken, wie sich der Sender fühlt und wie er zu Dingen steht.
Da Kulturen unterschiedlich sind, müssen Sie kulturelle und soziale Normen beachten, wenn Sie Ihre Gefühle in einer neuen Sprache ausdrücken. Sie müssen verstehen, wie und wann Sie Ihre Gefühle ausdrücken können, und den Kontext berücksichtigen, in dem Sie sich befinden und gegenüber wem Sie Ihre Gefühle und Emotionen zum Ausdruck bringen. Wenn Sie bereits wissen, welche Sprache Sie lernen möchten, können Sie online eine kurze Suche durchführen, um einige der kulturellen Regeln oder Erwartungen zum Ausdruck von Emotionen zu finden. Sie können beispielsweise nachschlagen, wie man sagt, dass man satt ist und nichts mehr essen möchte, ohne die Gefühle anderer zu verletzen.
Appellativ (konativ)
:
Der Fokus dieser Funktion liegt auf dem Empfänger der Nachricht: Es ist eine
Du
-Funktion. Der Sender verwendet Sprache, um andere zu überzeugen oder zu beeinflussen. Er kann
Vokative
(direkte Anrede) und
Imperative
(Befehle und Aufforderungen) verwenden, um den Empfänger zu überzeugen (zum Beispiel »Mädchen! Kommt sofort her!«).
Phatisch
:
Diese Funktion bezieht sich auf den Small Talk, der die soziale Kommunikation aufrechterhält. Es ist die Sprache, die Menschen in alltäglichen Interaktionen verwenden, wenn sie sagen: »Hallo, wie geht's dir?« und antworten: »Mir geht's gut, danke!« oder wenn sie ans Telefon gehen und auf Deutsch
Hallo
oder auf Spanisch
dígame
sagen. In diesen Austausch ist die Absicht enthalten: »Ich bin hier, ich nehme deine Anwesenheit wahr und bin bereit für die Kommunikation.«
Ihre alltägliche Kommunikation ist voller Beispiele für diese Funktion. Manchmal reden Sie einfach nur, um zu reden und ein Gespräch zu führen, ohne besonders auf die Informationen zu achten, die Sie dabei weitergeben. Normalerweise verwenden Sie phatische Wörter, um eine Kommunikation zu beginnen (Hallo), aufrechtzuerhalten (okay, aha, hmmm), Informationen zu überprüfen (wirklich?) oder ein Gespräch zu beenden (Tschüss). Suchen Sie online nach Möglichkeiten, ein Gespräch in der Sprache, die Sie lernen möchten, zu beginnen oder zu beenden.
Metasprachlich (reflexiv)
:
In dieser Funktion wird Sprache verwendet, um Sprache selbst zu erklären oder zu beschreiben. Genau das erfolgt mit diesem Text. Auch Wörterbücher haben eine metasprachliche Funktion.
Poetisch (ästhetisch)
:
Der Schwerpunkt dieser Funktion liegt auf der Nachricht und ihrer Verwendung. Sprache kann beispielsweise kreativ oder künstlerisch eingesetzt werden (in Gedichten, literarischen Werken, Wortspielen, Slogans, Titeln und ähnlichem). Menschen können Sprache auch nutzen, um sich selbst oder andere zu unterhalten (Witze erzählen, Rätsel aufgeben und so weiter.)
Die poetische Funktion kann für Sprachlernanfänger schwer zu verstehen sein. Viele Witze sind für Anfänger besonders schwer zu verstehen, da sie normalerweise kulturelle und historische Bezüge enthalten.
Aber Sprachfunktionen sind nicht nur schwarz-weiß: Ein Satz oder eine Phrase kann mehrere Funktionen gleichzeitig haben. Wenn ein Lehrer zum Beispiel ein Klassenzimmer betritt und zu den dort anwesenden Schülern sagt: »Oh nein! Es ist heiß in diesem Klassenzimmer«, kann die Aussage auf verschiedene Weise interpretiert werden, oder es können unterschiedliche Ergebnisse beabsichtigt sein, wie zum Beispiel:
Die Schüler über die Tatsache, dass es heiß ist, informieren.
Darüber informieren, wie der Lehrer selbst die Hitze im Klassenzimmer empfindet.
Den Wunsch ausdrücken, dass jemand ein Fenster öffnet oder die Klimaanlage einschaltet.
