Verlag: epubli Kategorie: Für Kinder und Jugendliche Sprache: Deutsch Ausgabejahr: 2016

Erhalten Sie Zugriff auf dieses
und über 100.000 weitere Bücher
ab EUR 3,99 pro Monat.

Jetzt testen
30 Tage kostenlos

Sie können das E-Book in Legimi-App für folgende Geräte lesen:

E-Reader (w tym Kindle) für EUR 1,- kaufen
Tablet  
Smartphone  
Lesen Sie in der Cloud®
mit Legimi-Apps.
Warum lohnt es sich?
Hören Sie in der Cloud®
mit Legimi-Apps.
Warum lohnt es sich?
Seitenzahl: 281

Das E-Book kann im Abonnement „Legimi ohne Limit+“ in der Legimi-App angehört werden für:

Android
iOS
Hören Sie in der Cloud®
mit Legimi-Apps.
Warum lohnt es sich?

Das E-Book lesen Sie auf:

Kindle MOBI
E-Reader EPUB für EUR 1,- kaufen
Tablet EPUB
Smartphone EPUB
Computer EPUB
Lesen Sie in der Cloud®
mit Legimi-Apps.
Warum lohnt es sich?
Hören Sie in der Cloud®
mit Legimi-Apps.
Warum lohnt es sich?

Leseprobe in angepasster Form herunterladen für:

Sicherung: Wasserzeichen

E-Book-Beschreibung EIS - Johanna Ehrke

Kara ist sechzehn und lebt mit ihren Eltern in einer Kuppel, die sie vor dem ewigen Schneesturm der zerstörten Welt schützt. Doch dann gelangt sie durch einige Zufälle zu den Rebellen, die sich gegen die mächtige Regierung der Kuppel auflehnen. Dort lernt sie auch Adam kennen, einen jungen Widerstandskämpfer. Mit ihm zusammen bricht sie zu einer gefährlichen Mission auf, die viele Opfer fordern wird.

Meinungen über das E-Book EIS - Johanna Ehrke

E-Book-Leseprobe EIS - Johanna Ehrke

Johanna Ehrke

EIS

Roman

Erschienen im Februar 2016 im Selbstverlag

© Johanna Ehrke

Inhalt

Kara

Adam

Kara

Adam

Kara

Adam

Kara

Adam

Kara

Adam

Kara

Adam

Kara

Adam

Kara

Adam

Kara

Adam

Kara

Adam

Kara

Adam

Kara

Adam

Kara

Adam

Kara

Adam

Kara

Adam

Kara

Danksagung

Kara

Der Wind blies durch meine Haare. Es war eiskalt. „Warum müssen wir diesen verdammten Ausflug machen? Wen interessiert es schon, wie es hinter der Mauer aussieht?“, maulte Xenia, meine beste Freundin.

„Die Lehrer sind der Meinung, dass es für uns wichtig ist. Meine Eltern waren zu ihrer Schulzeit auch hier.“, antwortete ich.

Xenia rümpfte ihre kleine Stupsnase. „Dass du immer auf alles eine Antwort hast! Du kannst mich mal!“, rief sie und boxte mir leicht an die Schulter.

„Kinder, hier seht ihr die Ruinen einer früheren Stadt. Sie wurde vor etwa zweihundert Jahren verlassen, als es zu schneien begann.“, erzählte der Lehrer grade. Wir alle hatten Schneeanzüge an und sahen damit ein wenig aus wie Yetis. Doch der Wind blies sogar durch den Anzug.

„So Leute. Noch irgendwelche Fragen? Sonst fahren wir jetzt wieder zurück.“, rief Mr. Bolton. Alle schüttelten den Kopf. Mr. Bolton nickte und wir machten uns auf den Rückweg zu den Schneemobilen.

Als die Klasse sich auf die drei Fahrzeuge verteilt hatte wurden die Türen verriegelt und die Heizung angeschaltet.

„Endlich.“, murmelte ich und meine Freundin nickte zustimmend. Ich nahm als erstes die Schneebrille ab, dann die Kapuze und dann pellte ich mich auch aus dem restlichen Anzug. Durch den Sturm draußen hatte sich eine dünne Schneeschicht auf den Anzügen gebildet die jetzt abbröckelte, schmolz und eine riesige Pfütze auf dem Boden des Schneemobils hinterließ.

„Hast du heute Abend was vor?“, fragte Xenia mich. Ich schüttelte den Kopf.

„Gut. Dann kommst du zu mir und wir sehen fern. Heute kommt irgend so eine Quizsendung mit den Töchtern der Präsidenten.“, bestimmte sie. Ich nickte nur. Ich interessierte mich eigentlich nicht so für die arroganten, schwerreichen Töchter von unseren drei ehrwürdigen Präsidenten. Aber Xenia liebte die drei Mädchen und ebenfalls liebte sie den neusten Klatsch und Tratsch. Durch sie erfuhr ich immer, wer grade mit wem ging und wer grade Stress mit wem hatte. Sie war immer top gestylt und hatte meistens die neusten Klamotten, und sie konnte auch ziemlich nerven. Aber ich liebte sie.

„Wusstest du eigentlich, das dieser Typ, Bob heißt der glaube ich, dass der zum Rektor musste?“, flüsterte sie mir zu.

Ich horchte auf. Bob war ein ziemlich gut aussehender, aber düsterer Junge, der die Parallelklasse besuchte.

„Wieso?“, fragte ich. Nun war sie völlig in ihrem Element.

„Drogen und Diebstahl glaube ich. Und Einbruch. Ich glaube er hat einige Lehrer – und Schülerspinte aufgebrochen.“, erzählte sie.

Den Rest des Weges fuhren wir schweigend, ich sprach erst wieder ein Wort, als wir die Mauer erreicht hatten. Dort erwartete uns die Kontrolle, wie jeden anderen auch, der von außerhalb in die Stadt wollte. Jeder von uns musste durch einen Scanner gehen, und die Fahrzeuge fuhren ebenfalls durch einen. Die Kontrolle diente dazu, dass niemand Gegenstände von draußen mit in die Stadt schleusen konnte, die eventuell verseucht sein könnten. Denn vor dem Schnee wüteten große Kriege auf der Erde, die das Land größtenteils zerstört hatten. Man beschoss sich mit Nuklearwaffen und anderen Dingen, die hochgefährlich waren.

Ich wurde als eine der ersten gescannt und wartete in einem kleinen Raum hinter den Scannern auf Xenia. Sie verdrehte die Augen und hakte sich bei mir unter. Zusammen verließen wir das Gebäude und traten durch eine dicke Glastür in das Innere der Mauer. Die Mauer war eigentlich nicht mal eine richtige Mauer, sondern eher eine dicke Glaskuppel. In ihrem Inneren war, dank einer künstlichen Atmosphäre ein normales Leben möglich.

Schließlich kam auch Mr. Bolton aus dem Sicherheitsgebäude und wir machten uns zu Fuß auf den Weg zur Schule. Ich blickte hinauf zum Himmel. Er war wie immer dunkel. Die Wissenschaftler der Präsidenten arbeiteten an einer Methode es so aussehen zu lassen, als ob die Sonne scheinen würde, hatten sie uns in der Schule erzählt. Aber so ganz war ihnen das wohl noch nicht gelungen. „Endlich wieder ein gutes Klima.“, seufzte Xenia. Ich nickte zustimmend. Meine Freundin runzelte die Stirn.

„Stell dir mal vor, du würdest da draußen leben. Da kriegt man ja Frostbeulen! Dann sieht man doch nicht mehr schön aus!“, sagte sie. Ich grinste. Das war typisch Xenia. Immer auf das gute Aussehen bedacht.

„Als hätte man da draußen nicht andere Probleme, als sich zu überlegen, wie man aussieht.“, sagte eine tiefe Stimme hinter uns.

Ich wendete meinen Kopf. Es war Murin, der Sohn von Mr. Bolton. Er hatte kurze, schwarze Haare und so dunkle Augen, dass sie fast schwarz wirkten.

Um ehrlich zu sein, fand ich ihn ziemlich gruselig.

„Tja, bei dir kann man sowieso nichts mehr retten, Bolton. Also kannst du dich um andere Dinge kümmern.“, erwiderte Xenia. Murin murmelte etwas und ging an uns vorbei zu seinen Kumpels.

Wir kamen kurze Zeit später an der Schule an. Im Klassensaal setzten wir uns alle an unsere Plätze und Mr. Bolten stellte sich hinter sein Pult.

„Wie ihr alle wisst findet in drei Tagen der große Test statt.“, begann er. „Deshalb werden wir den morgigen Tag dazu nutzen, euch vorzubereiten. Ich werde euch genau erzählen, um was es in diesem Test geht. Obwohl viele von euch es vermutlich schon wissen.“

Ich wusste es. Mein großer Bruder hatte den Test vor zwei Jahren hinter sich gebracht. Dabei ging es um die Gruppierung. In unserer Kuppel gab es zwei wesentliche Gruppen. Die Beschützer, also die, die zu Soldaten und Cops ausgebildet wurden, und die Arbeiter, die alles das abdeckten, was die Beschützer nicht waren. Wie der Test genau ablief wusste ich nicht, aber das würde Mr. Bolten uns morgen ja sicherlich erläutern.

„So. Dann bis morgen. Kommt gut nach Hause.“, verabschiedete sich unser Lehrer gerade und die Klasse bewegte sich in Richtung Ausgang.

Draußen umarmte ich Xenia und machte mich auf den Weg nach Hause. Ich hatte zum Glück keinen sehr weiten Weg, denn in der Kuppel durften wegen der Luftverschmutzung keine normalen Autos, Busse oder Züge fahren. Doch vor einigen Jahren hatten Wissenschaftler die Technik der Fahrzeuge so verändert, dass sie deutlich weniger schadhafte Abgase ausstießen. Allerdings hatten nur wenige Menschen das Glück ein Auto besitzen zu dürfen. Mit dem Blick nach unten auf mein Buch gerichtet bog ich um die nächste Straßenecke und knallte gegen ein graues T-Shirt, oder eher gesagt gegen seinen Träger.

„Pass doch auf, verdammt noch mal!“, knurrte eine tiefe Stimme. Ich bückte mich, um mein Buch wieder aufzuheben, das mir beim Aufprall runtergefallen war. „Entschuldigung.“, murmelte ich. Ich blickte den Träger des grauen Shirts an. Er hatte haselnussbraune Locken, dunkelbraune Augen, die mich ziemlich grimmig anschauten, und olivfarbene Haut.

„Und jetzt geh mir aus dem Weg. Vergiss am besten dass du mich gesehen hast.“, brummte er und drängte sich an mir vorbei. Als ich mich umdrehte, um ihm nachzusehen war er verschwunden.

Ich runzelte die Stirn, drückte mein Buch an mich und setzte meinen Weg eilig fort. „Ist das grade wirklich passiert, oder hab ich mir das nur eingebildet?“, fragte ich mich leise. Was hatte er gesagt? Vergiss am besten dass du mich gesehen hast. Aber ich hatte jetzt auch nicht die Zeit darüber nachzudenken.

Ich ging noch schneller und da tauchte auch schon das kleine Haus auf, in dem ich wohnte. Meine Eltern gehörten beide zu den Akademikern. Mein Vater war Wissenschaftler in einem großen Konzern, DomeTec, der sich mit dem Bereich Nanotechnik befasste, meine Mutter arbeitete ebenfalls in diesem Konzern, nur in einem anderen Bereich.

Ich kramte in meiner Tasche nach der Karte für das Haus und wollte sie gerade durch den Scanner ziehen als die Tür aufgerissen wurde. „Mum, was…“, weiter kam ich nicht. „Schätzchen, ich muss noch mal los. Der Sicherheitsalarm in der Firma wurde ausgelöst und alle Mitarbeiter dorthin beordert. Es könnte spät werden. Zaubere dir was Schönes zu essen, Süße“, erklärte sie mir im Vorbeigehen und hastete zu ihrem Wagen. Meine Mutter war ein höheres Tier im Konzern und durfte so ihr eigenes Auto besitzen. Nur wir durften nicht damit fahren. Es war, ganz davon abgesehen, auch viel zu klein.

Ich betrat das Haus und schloss die Tür hinter mir. Meine Eltern verdienten ganz gut, aber das Haus war trotzdem klein. Ich eilte durch die kleine Eingangshalle und sprintete dann die Treppe hoch. Im Obergeschoss befanden sich drei Zimmer. Das meiner Eltern, das alte Zimmer von meinem Bruder Jamie und schließlich meins.

Meine Tasche schmiss ich in die Ecke meines Zimmers und warf die Jacke auf mein Bett. Anschließend schnappte ich mir mein Buch, welches wir für den Geschichtsunterricht lesen mussten, und setzte mich hinunter ins Wohnzimmer. Wenn meine Eltern nicht da waren, war es im Haus immer schrecklich ruhig. Das lag vor allem daran, dass mein Bruder Jamie nach der sechzehnten Klasse seinen Wohnort wechseln musste, so wie jeder der einer Sektion zugeteilt wurde.

Nach dem Test ging man dort noch zwei weitere Jahre zur Schule. Man lernte nun aber hauptsächlich Dinge die mit der Sektion zusammenhingen und wurde auf seine späteren Aufgaben vorbereitet. Mein Bruder wurde in die Beschützersektion gewählt. Ich hatte ihn seit seinem Umzug nur zwei Mal gesehen und vermisste ihn schrecklich.

Nach kurzer Zeit stellte ich fest, dass ich mich auf das Buch nicht richtig konzentrieren konnte. Als ich mich grade daran machen wollte, etwas zu Essen zu zubereiten, ertönte ein schriller Ton. Ich folgte dem Geräusch und fand den Pager meiner Mutter in der Jackentasche ihres Jacketts. Ich blickte auf das Display, auf dem in leuchtend roten Buchtstaben stand: Code Rot!!! Die Pläne wurden gestohlen!!! Versammlung im Konferenzraum!!!

Was für Pläne? Und wer hatte sie gestohlen? War das der Grund, weshalb Mum wieder in die Firma musste?

Ich stecke den Pager in die Tasche zurück und hastete die Treppe hoch in mein Zimmer. Dort schnappte ich mir mein Handy und rief Xenia an.

„Hey Süße!“, meldete sie sich.

„Xeni, du glaubst nicht was grade passiert ist. Kannst du rüberkommen?“, fragte ich. An ihrem kurzen Schweigen vermutete ich, dass sie überlegte.

„Ja, klar. Ich bin schon unterwegs.“, antwortete sie. Ich legte auf.

Kurze Zeit später klingelte es an der Tür. Ohne ein Wort zeigte ich Xenia die Worte auf dem Pager.

„Was für Pläne?“, fragte sie. Ich zuckte mit den Schultern.

„Na dann. Ich würde sagen, wir schauen bei dir fern wenn ich schon mal hier bin. Wo sind eigentlich deine Eltern?“, fragte sie. Das war typisch für sie. Sie verbannte Dinge, die ihr zu kompliziert waren, ganz schnell aus ihrem Gedächtnis. „Sie sind in der Firma. Wegen den Plänen, nehme ich an.“, erwiderte ich.

„Ok. Gehen wir ins Wohnzimmer?“ fragte sie. Ich nickte.

Adam

Ich hastete um die nächste Ecke und rannte über die Straße. In der Nähe des Tors würde Max auf mich warten. Um ein Haar wäre ich in ein Auto gerannt, und der Fahrer blickte mich wütend an. Ich wollte so schnell wie möglich die Pläne loswerden. Wenn sie mich damit erwischten, war ich verloren.

Wenn es stimmte, was Max in Erfahrung gebracht hatte, dann zeigten die Pläne einen unterirdischen Gefängniskomplex, und ebenfalls würden sie uns die Lage des Bauwerkes verraten. Ich erreichte den Treffpunkt, Max wartete schon auf mich.

„Da bist du ja, Alter. Ich dachte schon, sie hätten dich erwischt.“, begrüßte er mich. Ich stütze meine Hände auf die Knie, um wieder etwas zu Atem zu kommen.

„Hat dich die Rennerei so geschafft? Lernst du denn nichts bei uns?“, neckte Max mich. Ich richtete mich auf. „Dir würde es genauso gehen, mit Plänen im Gepäck, die hinter einem Hochsicherheitstresor lagen.“, antwortete ich und sein Gesicht wurde sofort ernst.

„Richtig. Wir sollten gehen. Komm.“, sagte er und öffnete die Tür des Hauses, vor dem wir standen. Ich schloss sie hinter mir wieder und schob den schweren Eisenriegel vor. Der Wohnraum war nur spärlich eingerichtet. Es war der einzige Ort in der Stadt, wo man sich sicher unterhalten konnte, ohne gleich verhaftet zu werden. Das Haus wurde von einer alten Frau bewohnt, die mit uns zusammen arbeitete.

„Also, erzähl mal. Wie hat es geklappt? So, wie wir es besprochen hatten?“, erkundigte sich Max. Ich nickte.

„Im Großen und Ganzen , ja. Ich musste eine Wache KO schlagen, weil sie direkt vor dem Tresor stand. Und ich hab ein Mädchen umgerannt, oder eher sie mich. Beinahe wären die Pläne unter meinem T-Shirt rausgerutscht.“, berichtete ich. Max begann zu lachen. Ich blickte ihn verärgert an.

„Was ist los?“, knurrte ich. Er lachte nur noch lauter.

„Du stiehlst Pläne aus einem Hochsicherheitstresor und lässt dich anschließend von einem kleinen Mädchen umrennen! Ich schmeiß mich weg!“, brachte er nur mühsam hervor.

„Sehr witzig.“, brummelte ich.

„Ok, jetzt aber wieder zu die Plänen. Zeig mal her.“, verlangte er, also zog ich sie unter meinem Shirt hervor. Max begutachtete sie sorgfältig.

„Wow. Das ist…unglaublich!“, staunte er. „Wir müssen los. Die Teile hier zu Ruben bringen. Der wird Augen machen!“

Max erhob sich und steckte die Pläne in seine Umhängetasche. Dann betraten wir gemeinsam den Nebenraum. Ich ging zu einem schlichten ausgefransten Teppich in der Mitte des Raumes und klappte ihn um. Darunter befand sich eine Falltür. Max öffnete sie und ich stieg hinunter. An der Wand des Schachtes war eine schmale Leiter angebracht, die etwa dreißig Meter in die Tiefe führte. Ich ließ die letzten Sprossen aus und sprang. Dann knipste ich die Taschenlampe an, die ich immer in meiner Hosentasche hatte.

Der Lichtkegel traf Max, der grade den Teppich wieder über die halb geschlossene Falltür zog und anschließend die Luke von innen mit einem Hochsicherheitsschloss verriegelte. Dann kam auch er zu mir hinunter.

„So, lass uns nach Hause gehen.“, brummte er und wir machten uns auf den Weg in den Tunnel. Es war ein Geheimgang, den die ersten Rebellen vor knapp hundert Jahren angelegt hatten. Er führte zu allen Unterschlüpfen der Rebellen, von denen jetzt aber nur noch ein einziger besetzt war. Der Anfang des Tunnels führte gut vier Meilen nach Westen unter der Kuppel hindurch, und mündete schließlich in einer Kreuzung, an der es acht Möglichkeiten gab, weiter zu gehen. Drei davon waren zugeschüttet, eine vierte war eine Sackgasse. Wir wählten den siebten Gang. Der führte auf ein paar Umwegen zu unserem Stützpunkt. Wir gingen schweigend, und ich musste die ganze Zeit an das Mädchen denken, dass mich heute fast umgerannt hatte. Sie hatte wunderschöne rote Haare, grüne Augen und eine blasse Haut. Aber was viel wichtiger war: hatte sie etwas bemerkt? Vermutlich nicht, aber immerhin hatte ich die Papiere direkt unter meinem T-Shirt, an der Stelle die sie berührt hatte.

Schließlich hatten wir eine weitere Kreuzung erreicht, die erneut in drei weitere Gänge abzweigte. Wir nahmen den dritten Gang.

„Ruben könnte doch wenigstens Fahrräder für die Gänge anschaffen. Ich hasse das ganze Gerenne hier unten.“, maulte Max, als wir endlich die schwere Stahltür erreichten und unsere Daumen auf den Fingerabdruck-Scanner legten.

„Name, Nummer, Einheit?“, fragte eine elektronische Stimme aus dem Scanner.

„Adam Woods, 037, Einheit Dragon.“, sagte ich ziemlich monoton. Der Satz ging mir mittlerweile leicht über die Lippen. Alle Sicherheitstüren hatten Scanner und jede fragte einen nach Namen, Nummer und Einheit. Anfangs hatte ich Schwierigkeiten, mir das alles zu merken, aber ich war nun schon seit zwei Jahren hier und hatte meine Ausbildung als Jahrgangsbester abgeschlossen. Nun war ich ein Spion und Dieb, der in den Diensten der Rebellen stand. Aber in allererster Linie war ich ein Soldat.

Die Stahltür öffnete sich mit einem leisen Summen. Ich betrat den dahinterliegenden Raum, der, falls es zu einem feindlichen Angriff kam, zugeschüttet werden konnte. Ich wartete auf Max, der hinter mir durch die Tür kam. Zusammen durchquerten wir die nächste Tür, die ein Passwort von uns wissen wollte.

„Meeresfrüchte.“, antwortete ich und wir durften eintreten. Nun folgte ein langer Flur, von dem einige Gänge und Türen abzweigten. Wir gingen bis ganz zum Ende und klopften an die Tür.

„Eintreten.“, tönte es von drinnen. Max öffnete die Tür und wir betraten die Kommandozentrale. Ruben stand an einem Tisch und blickte auf, als er uns hörte. Wir schlugen die Hacken zusammen und salutierten.

„Ah, da sind ja meine zwei Lieblingsspione. Wie ist es gelaufen?“, fragte er und sah uns erwartungsvoll an.

„Gut, Sir. Ich musste einem Cop die Nase brechen, weil er im Weg stand, aber wir haben die Pläne und sonst ist mir auch niemand über den Weg gelaufen. Max hat mich gut geführt.“, erzählte ich. Ruben lächelte.

„Ich wusste, was ich tat, als ich euch beide da rein geschickt habe. Ihr seid das beste Team für sowas. Die Pläne, wenn ich bitten dürfte.“, sagte er. Max beeilte sich, die Pläne aus seiner Tasche zu holen. Ruben schaute sie sich sorgfältig an. Immer wieder nickte er.

„Gute Arbeit, ihr zwei. Ihr habt mir tatsächlich die Pläne vom DomeTec Hauptquartier gebracht. Und noch dazu einen von einer neuen High-Tech Waffe. Glückwunsch! Und jetzt könnt ihr gehen. Ab morgen werden die neuen Rekruten ihre Ausbildung beginnen. Und ihr zwei werdet einige Neue Dragons ausbilden. Ihr solltet euch ausruhen.“, sagte er. Wir salutierten ein zweites Mal und verließen dann den Raum.

„High Five, Alter! Wir sind ab morgen Ausbilder der Dragons!“, jubelte Max. Ich schlug ein und wir redeten den ganzen Flur hinunter von der Mission.

„Kein anderer ist so gut wie du, wenn du dich unsichtbar machst. Wie schaffst du dass nur? Nie sieht dich jemand.“, fragte Max. Ich zuckte mit den Schultern. „Ich habe eben den besten Hacker, der mir den Weg ebnet.“, gebe ich zurück. „Ach ja, `tschuldige wegen dem Cop im Tresorraum. Den hab ich echt nicht gesehen.“, sagte Max kleinlaut. Ich boxte ihm freundschaftlich in den Arm.

„Hey, das ist kein Problem. Wozu haben wir denn die Kampfausbildung?“, erwiderte ich. Er nickte. „Stimmt.“

Wir bogen in einen der Gänge ein und betraten den Speiseraum. Die Essenszeit hatte grade erst begonnen, aber alle saßen schon an ihren Tischen, so dass wir uns einfach unser Tablett auffüllen konnten. Es gab das Übliche. Bratkartoffeln mit Spiegelei und einer Scheibe Brot. Dazu Wasser. Das war das typische Abendessen. Ich blickte mich nach Ben, Rob, Paul und Danny um und entdeckte sie an dem Tisch an der Wand. Ich steuerte auf sie zu und setzte mich neben Paul.

„Hab von den Plänen gehört. Und, wie ist es gelaufen?“, fragte er und klopfte mir mit der Hand auf die Schulter.

„Gut. Sehr gut sogar. Max und ich sind ab morgen Ausbilder.“, antwortete ich zwischen zwei Bissen Bratkartoffeln. Ben runzelte die Stirn.

„Ausbilder bei den Dragons?“, fragte er und pfiff durch die Zähne.

„Da seid ihr glaube ich die jüngsten, die es jemals gab.“, sagte Rob.

„Echt? Die jüngsten? Krass.“, hörte ich Danny.

Die vier waren meine besten Freunde. Zusammen mit Max, der die Ausbildung als Zweitbester abgeschlossen hatte, waren Paul, Rob und Danny die anderen Besten. Ben war erst letztes Jahr dazugekommen. Obwohl es so viel Gesprächsstoff gab, aßen wir schweigend zu Ende. Anschließend standen wir auf und gingen alle gemeinsam in die Trainingshalle, um die Neuen zu begrüßen.

Es waren nicht viele, da die Rebellen nicht in der Öffentlichkeit neue Leute anwerben konnten, aber es gab immer wieder Leute, vor allem aus den ärmeren Vierteln der Kuppel, die sich uns anschlossen.

Ich war vor zwei Jahren von zu Hause weggelaufen, weil meine Mutter eine schreckliche Tyrannin war. Sie wollte unbedingt dass ich ihren Platz einnahm, und mein Vater war ein Rückgratloser Hänfling. Na ja, auf jeden Fall war ich jetzt ein Widerstandskämpfer, und ich wollte schon immer einer sein.

Die Neuen standen etwas eingeschüchtert in der Halle, während nach und nach immer mehr Soldaten eintrudelten.

„Wow, guck dir mal den an.“, raunte Paul mir zu. Ich folgte seinem Finger und erblickte einen muskelbepackten Klotz, der mit verschränkten Armen vor den Neuankömmlingen stand. Danny lachte leise. „Dem wird sein grimmiges Getue noch vergehen.“, sagte er.

Ich beobachtete die Gruppe genau. Die meisten standen verschüchtert da und versuchten, sich so klein wie nur möglich zu machen. Aber einige strahlten Selbstbewusstsein aus. Ich hoffte, dass wir einige mutige Soldaten kriegen würden. Denn um bei den Rebellen zu überleben brauchte man Mut.

„So Jungs. Und natürlich Mädels.“, begann Ruben, der auf einem Podest in der Mitte des Raumes stand.

„Ab heute werdet ihr zu Soldaten ausgebildet. Einige von euch haben schon eine Grundausbildung genossen, dass wird euch zu Gute kommen. Aber täuscht euch nicht, das Leben hier ist hart, dass kann euch jeder dieser Soldaten hier bestätigen! Ihr werdet jetzt aufgeteilt in die verschiedenen Einheiten, die heute Morgen bei den Tests festgelegt wurden. Jedem von euch wurde seine Einheit mitgeteilt und ihr geht jetzt zu den Leitern der Trainingsgruppen.“, fuhr er fort.

Die Gruppe spaltete sich und machte sich auf den Weg zu ihren neuen Familien.

Zu uns kamen fünf Neue, darunter nur ein Mädchen. Sie zögerten erst, als sie auf uns zugingen, wir, die unter dem roten Drachensymbol standen.

Es gab noch zwei weitere Einheiten. Die Leoparden, die Scharfschützen waren, und die Sharks, eine ganz normale Bodentruppe und gleichzeitig die größte der Rebellen.

Ruben räusperte sich.

„Ich werde euch jetzt eure Ausbilder vorstellen. Bei den Sharks sind das Eddie und Will.“, die beiden salutierten.

„Bei den Leos sind Kyle und Jenny die Ausbilder, bei den Dragons Max und Adam.“

Auch wir salutierten. Unsere neuen Rekruten schauten etwas verwirrt.

„Wir werden ab morgen ein Namensschild tragen, wie jeder andere hier auch.“, erklärte Max ihnen zu.

„Das war ein langer Tag heute. Neue Rekruten, ihr geht jetzt in eure Schlafräume. Die Ausbilder kommen noch mal zu mir. Wegtreten!“, rief Ruben und wir gingen zu ihm.

„Ich habe die Besten aus den jeweiligen Truppen ausgewählt, um die Neuen auszubilden. Macht euren Job gut. Am Ende der Woche erwarte ich einen Bericht von euch. Ihr sechs vertretet eure Einheiten, verstanden?“, sagte der Kommandant. Wir nickten. Ruben nickte ebenfalls.

„Gut. Sharks, Wegtreten!“, befahl er. Nun standen nur noch Jenny, Kyle, Max und ich in der Halle.

„Wie ihr wisst finden übermorgen die großen Tests statt. Am Freitag machen diejenigen, die zu den Soldaten gehen, einen Übungsausflug. Sie werden in die Nordstadt fahren, mit nur vier Offizieren. Wir werden sie dort überraschen und die Jugendlichen entführen. Die Regierung sollte langsam lernen, dass man uns nicht zum Narren halten kann. Die Einzelheiten werde ich mit den vollen Truppen am Mittwoch besprechen. Nur dass ihr Bescheid wisst. Wegtreten“, erklärte er.

Wir entfernten uns in den Wohnblock der Dragons.

„Eine Übungsgruppe überfallen? Damit man Respekt vor uns hat?“, fragte ich skeptisch. Max zuckte mit den Schultern.

„Ruben wird schon wissen, was er tut.“, antwortete er. Da hatte er Recht.

Schweigend betraten wir das Zimmer, in dem Max und ich schliefen. Das war das Gute am Ausbilderjob. Man bekam ein Zweierzimmer.

Kara

Aus dem Wohnzimmer ertönte Xenias Lachen.

„Oh Kara, das hast du verpasst! Steffanie ist so lustig!“, rief sie.

„Ach echt?“, rief ich zurück. Ich fand, das Steffanie, die Tochter von Präsident Mulligan eine eingebildete Zicke war. Aber meine beste Freundin sah das völlig anders. Ich verteilte die Milch auf zwei Gläser und stellte diese auf das Tablett. Dann schüttete ich die Kekse aus der Packung in eine Schüssel und trug dann das Tablett ins Wohnzimmer.

„Hier.“, sagte ich und lies mich in den weißen Ledersessel fallen und starrte auf den Flachbildschirm. Dort saßen auf drei Designersesseln die Töchter der Präsidenten. Steffanie, Arianna und Melissa. Allesamt blondiert und in den Make-Up Topf gefallen.

Xenia lachte wieder. Sie hatte richtig Spaß. Aber ich dachte die ganze Zeit nur an diese Pläne. Wieso waren die Pläne so wichtig? Was zeigten sie? In diesem Moment hörte ich die Haustür.

„Hallo Schätzchen! Da sind wir wieder. Oh, hallo Xenia.“, rief Mum aus dem Flur.

„Hi, Mrs. Drake!“, rief Xenia.Ich stand auf und ging in den Flur.

„Weswegen musstest du denn so dringend noch mal los?“, fragte ich mit gedämpfter Stimme. Meine Mutter winkte ab.

„Ach, mach dir keine Sorgen Liebling. Das hat sich alles wieder geklärt.“ Sie sagte es leicht dahin, aber ich hörte den nervösen Unterton in ihrer Stimme.

Ich setzte mich wieder auf den Sessel und versuchte mich auf die Fernsehsendung zu konzentrieren. Aber diesmal musste ich an den Jungen denken, den ich heute angerempelt hatte. Diese Augen waren wunderschön gewesen. Ob er auf unsere Schule ging? Vermutlich nicht, denn er wäre mir längst aufgefallen. Den gesamten restlichen Abend verbrachte ich mit seinem Bild im Kopf und egal was ich versuchte, es wollte nicht verschwinden. Schließlich war auch die Quizsendung vorbei, und Xenia verabschiedete sich.

„Bye, Süße. Bis morgen!“, flötete sie und umarmte mich. Ich winkte kurz und schloss dann die Tür. Als ich auf dem Weg in mein Zimmer an der Tür meiner Eltern vorbei kam, hörte ich die aufgeregte Stimme meiner Mutter.

„Sie können doch nicht einfach verschwinden, Jack! Sie waren im Hochsicherheitstresor! Den kann man nicht so ohne weiteres knacken!“

„Beruhige dich, Pamela. Wer auch immer das getan hat, muss sich hier in der Stadt aufhalten. Wir haben die Tore sofort blockieren lassen. Die Pläne werden schon wieder auftauchen.“, sagte mein Vater mit leiser Stimme. Ich hörte meine Mutter weinen.

„Diese Pläne, wenn sie in die Hände unserer Feinde gelangen dann…“, Mum brach ab und ich hörte ein lautes Schluchzen.

„Warte, Schatz. Ich hole dir etwas zu trinken.“, raunte Dad, und ich sprintete so leise wie möglich in mein Zimmer. Ich hätte diese Unterhaltung nicht hören dürfen. So schnell ich konnte machte ich mich fertig und legte mich ins Bett.

Ich lief durch einen Flur. In meiner Hand befanden sich Papiere, die ich nicht lesen konnte, hinter mir wurden Schritte und Stimmen immer lauter.

„Stehen bleiben! Sofort stehen bleiben!“, brüllte eine Stimme, aber ich rannte nur noch schneller. Dann peitschte ein Schuss durch den Gang und traf mich am Bein. Ich stürzte und rollte gegen die Wand. Plötzlich stand ein Junge mit kastanienbraunen Locken über mir.

„Du hättest nie herkommen sollen!“, raunte er und schoss.

Ich fuhr hoch. Nur ein Traum, sagte ich mir. Dass war nur ein Traum. Doch trotzdem gelang es mir nicht, noch einmal einzuschlafen. Ich blickte auf die Leuchtanzeige meines Weckers.

06:17 Uhr. Also beschloss ich aufzustehen. Ich drückte die Fernbedienung, die den Rollladen hochzog und ging in das kleine Bad, um mich zu erfrischen.

Als ich die Küche betrat, stand meine Mutter an der Theke und telefonierte mit gedämpfter Stimme.

„Mr. Wade, ich weiß dass wir in einer heiklen Situation stecken, und deshalb müssen wir den Diebstahl dringend der Regierung melden!“

Sie stand mit dem Rücken zu mir, aber ich beschloss, nicht weiter zu lauschen und ging an ihr vorbei. Sie blickte mich hektisch an und verließ die Küche.

„Guten Morgen, Kleine. Morgen ist der große Tag, hm?“, hörte ich auf einmal meinen Vater hinter mir sagen. Ich drehte mich um.

„Guten Morgen. Ja, ich weiß nicht wieso, aber ich bin aufgeregt.“, antwortete ich. Er lächelte.

„Ich glaube nicht, dass du Angst haben musst. Entweder du bleibst bei uns oder du beschützt die Stadt. Das sind doch beides sehr ehrenhafte Aufgaben.“, sagte er und nahm mich in den Arm. Dann löste er sich von mir.

„Du solltest losgehen, Liebling. Heute ist ein wichtiger Tag. Da solltest du nicht zu spät kommen.“ Ich nickte und schnappte mir bevor ich in mein Zimmer ging, um meine Tasche zu holen, noch eine Flasche Schokomilch aus dem Kühlschrank. Kurze Zeit später verließ ich das Haus.

Draußen war es kühler, als ich erwartet hatte.Ich zog die dünne Strickjacke zu und begab mich mit zügigem Schritt zur Schule. Vor dem Haupteingang wartete schon Xenia auf mich, wie immer top gestylt. Sie grinste.

„Guten Morgen, Süße.“ Ich lächelte und umarmte sie.

„Hey. Es ist kalt heute, oder? So kalt war es hier drinnen schon lange nicht mehr.“, sagte ich. Sie zuckte mit den Schultern. „Ach, die haben sicher die Klimaanlage eingestellt. Und ein bisschen Luft von draußen eingelassen.“, erwiderte sie. Ich nickte. Die Luft von draußen ging durch einen Filter, bevor sie in die Kuppel kam. Und sie brauchte eine Weile, bis sie sich etwas erwärmt hatte. Xenia hakte sich bei mir ein und zog mich in das Schulgebäude.

„Hier ist vorhin ein echt schnuckeliger Typ reingegangen. Komm, vielleicht sehen wir ihn, und ich kann ihn dir zeigen.“, flötete sie.

Im Gebäude war es wieder angenehm warm. Xenia stellte sich auf die Zehenspitzen und reckte den Kopf in die Höhe. „Oh Mist. Er ist nicht hier.“, sagte sie enttäuscht.

„Hey, dass macht doch nichts. Aber eigentlich müssten wir ihn doch schon kennen, oder? In unsere Schule gehen doch nur die Kinder der Arbeiter und Akademiker. Die Soldatenkinder haben doch ihre eigene Schule.“, antwortete ich ihr. Sie zuckte mit den Schultern. „Komm, lass uns in die Klasse gehen.“, sagte sie und so machten wir uns auf den Weg in die Sechzehner Klasse. Dort angekommen setzten wir uns an unsere Pulte und warteten. Jeder Schüler hatte seinen eigenen Tisch, diese standen wiederrum in gleichmäßigem Abstand voneinander entfernt.

Kurze Zeit später betrat Mr. Bolton das Zimmer, gefolgt von einer hochgewachsenen Frau.

„Guten Morgen, Sechzehn!“, sagte unser Lehrer.

„Guten Morgen, Mr. Bolton!“, schallte es aus der Klasse zurück. Nun richtete sich die Frau an uns.

„Guten Morgen. Ich bin Aurelia Flint, die Technische Leiterin von DomeTec, und somit die Leiterin des Testes.“, stellte sie sich vor. Die Klasse schwieg

„Wie ihr wisst, findet dieser Test am morgigen Tage statt, und ich bin hier, um euch darauf vorzubereiten.“, fuhr sie fort. Aurelia ging zu dem Beamer, der in einer Ecke des Raumes stand, und stellte ihn an.

„Ich werde euch nun eine Videobotschaft von beiden Sektionen vorspielen, die euch etwas auf die Aufgaben vorbereiten soll, die euch dort erwarten.“ Dann ging das Video auch schon los.

Man sah ein riesiges verglastes Gebäude, die Hauptzentrale der Beschützer. Daneben befand sich ein ebenso großes und verglastes Gebäude, die Hauptzentrale der Arbeiter. Die beiden Gebäude unterschieden sich nur von einander in einem großen Logo. Bei den Beschützern prangte ein schwarzer Schild mit einem goldenen Stern in der Mitte auf dem Hauptquartier. Bei den Arbeitern eine Sense und eine Spitzhacke, die sich kreuzten. Dann ertönte eine tiefe Männerstimme.

„Vor zweihundert Jahren tobten schreckliche Kriege unter den Menschen, die die Welt zerstörten. Atombomben und andere chemische Waffen verschmutzen die Atmosphäre, sodass ein Leben in weiten Teilen der Welt unmöglich wurde. Die wenigen Überlebenden bauten Kuppeln, damit sie ein halbwegs normales Leben führen konnten. Die Wissenschaftler entwickelten immer neuere Methoden, um die Atmosphäre zu entgiften. Doch das ist uns bis heute noch nicht vollends gelungen.“, erzählte die Stimme und dazu wurden Bilder von zerstörten Städten und Landschaften gezeigt. Nun sah man auf der Leinwand Bilder von Vulkanausbrüchen, rauchenden Bergen und Tsunamis.

„Die Natur spielte verrückt, aber einige wenige überlebten in den Kuppeln, bis es zu schneien begann. Nun mussten die Menschen noch mit der eisigen Kälte klarkommen, weswegen sie die Kuppeln immer weiter ausbauten, bis heute noch.“, endete die Videostimme.

Jetzt liefen lachende Menschen über die Grünanlagen, Straßen und in den riesigen verglasten Gebäuden der Zentralstadt umher. Einige fröhliche Kinder spielten auf dem Parlamentsplatz Fangen. Wieder begann die Stimme zu sprechen.

„Das Leben begann sich zu normalisieren, und es bildeten sich in den Kuppelstädten zwei wesentliche Gruppen. Die Beschützer und die Arbeiter und Akademiker, die das Leben in den Städten sichern sollten. In den Außenbezirken wurden Bauernhöfe gebaut, ebenso wurden viele Bäume gepflanzt, um genug Sauerstoff zu haben.“

Mittlerweile gab es aber schon eigen kleine Kuppeln für die Bauernhöfe und die Verarbeitungsfabriken.

„Nun wurden die Aufgaben gerecht verteilt. Die Beschützer sollten für die Sicherheit der Einwohner sorgen, die Arbeiter für das Überleben.“, fuhr die Stimme fort. Nun wurden noch einige Bilder von Soldaten und Bauern gezeigt, die ihrer Arbeit nachgingen. Das Video endete mit dem Bild von glücklichen Menschen innerhalb der Kuppel. Aurelia schaltete den Beamer aus.

„So, jetzt habt ihr das Wichtigste gesehen. Noch irgendwelche Fragen?“, fragte sie. Aus der Klasse kam kein Mucks. Sie nickte.

„Gut. Dann wäre das ja geklärt. Wir sehen uns morgen.“, verabschiedete sie sich mit einem kurzen Nicken und verließ den Raum. Mr. Bolton räusperte sich.

„Aufgrund des Testes morgen dürft ihr nun alle nach Hause, seid pünktlich. Ihr werdet morgen aus der Klasse geholt, immer fünf von euch, die den Test absolvieren müssen. Anschließend dürft ihr nach Hause.“, erklärte er kurz und entließ uns dann.

Ich umarmte Xenia zum Abschied und machte mich auf den Weg nach Hause.

Adam

Als ich erwachte, schlief mein Zimmergenosse noch tief und fest. Uns war gestern zum Glück noch eingefallen, dass wir unsere Sachen noch holen mussten. Ich schlüpfte leise aus dem Bett und lief in das kleine Bad, dass wir auch im Zimmer hatten. Ich trug eine graue Jogginghose, wie fast immer, außer zu Einsätzen, und ein graues Tang Top. Aus der offenen Tür hörte ich Max grunzen, als die kleine Apparatur auf seinem Nachttisch piepste.

„Irgendwann haue ich dieses verdammte Scheißteil mal kaputt.“, murrte er und ich hörte wie er sich aus dem Bett erhob.

„Das gehört eben dazu, wenn man sich gegen die Regierung auflehnt.“, sagte ich und grinste. Er warf mir einen bösen Blick zu.

„Wenn ich das gewusst hätte, wäre ich niemals hierhergekommen.“, antwortete er. Ich lachte leise und schnappte mir die Zahnbürste und schrubbte kräftig über meine Zähne. Auch Max trug eine graue Jogginghose und das Tang Top. Es war hier die Einheitskleidung. Man konnte die verschiedenen Einheiten nur an ihren Symbolen erkennen, die auf die Schulter tätowiert wurden, wenn man die Ausbildung erfolgreich abgeschlossen hatte. In Einsätzen allerdings trugen die Einheiten verschiedene Kleidung, auch ausgerüstet und ausgestattet für die jeweiligen Aufgaben.

„Das Mädchen sah ziemlich eingeschüchtert aus. Ich bin mir nicht sicher, ob sie die Ausbildung schafft.“, überlegte Max laut, der in eine schwarze Cargohose schlüpfte. Ich zuckte mit den Schultern.