Elementares - Johannes Schellhorn - E-Book

Elementares E-Book

Johannes Schellhorn

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Beschreibung

Dank des Großen Herrn können Menschen ohne Furcht leben, da die Elementares in ihre Schranken gewiesen wurden. Vier Geschichten werden in dieser Zeit des Friedens erzählt, die sich allmählich näher kommen: Leander, ein Fischerjunge, der zusammen mit seinem Freund Tomas Gefahr läuft, von den Wachen der Regierung gefunden zu werden. Naria, eine Wasserelementarin, die fern der Regierung auf einer entlegenen Insel im Norden lebt. Erra, eine Luftelementarin, die auf verschiedene Gifte getestet wird und alles überlebt. Arren, ein Feuerelementar, der sich seiner Vergangenheit stellen muss. Das Schicksal aller vier wird vom mächtigsten Mann der Welt entschieden: vom Großen Herrn selbst.

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Seitenzahl: 734

Veröffentlichungsjahr: 2022

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Zur Geschichte

Dank des Großen Herrn können Menschen ohne Furcht

leben, da die Elementares in ihre Schranken gewiesen

wurden. Vier Geschichten werden in dieser Zeit des

Friedens erzählt, die sich allmählich näher kommen:

Leander, ein Fischerjunge, der zusammen mit seinem

Freund Tomas Gefahr läuft, von den Wachen der Regierung

gefunden zu werden. Naria, eine Wasserelementarin, die

fern der Regierung auf einer entlegenen Insel im Norden

lebt. Erra, eine Luftelementarin, die auf verschiedene Gifte

getestet wird und alles überlebt. Arren, ein Feuerelementar,

der sich seiner Vergangenheit stellen muss. Das Schicksal

aller vier wird vom mächtigsten Mann der Welt entschie-

den: vom Großen Herrn selbst.

Der Autor

© Paul Wimmer

Johannes Schellhorn stammt aus Innsbruck und studierte Filmschnitt an der Filmakademie Wien. Er ist Mitglied der AEA – Austrian Editors Association und als Filmeditor und Autor tätig. Er lebt und arbeitet in Deutschland und Österreich. Weitere Informationen zum Autor und seinem Werk unter

www.elementares.atwww.editors.at/mitglieder/johannes-schellhorn/

Für die, die mitgeholfen haben bei dem Buch.

Ja, euch allen widme ich das.

Inhaltsverzeichnis

DIE VIER REGELN

PROLOG: Die Fackel

LEANDER

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Kapitel 15

Kapitel 16

Kapitel 17

Kapitel 18

Kapitel 19

NARIA

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

ERRA

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

ARREN

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

LEANDER

Kapitel 20

Kapitel 21

Kapitel 22

Kapitel 23

Kapitel 24

Kapitel 25

Kapitel 26

Kapitel 27

Kapitel 28

Kapitel 29

Kapitel 30

Kapitel 31

Kapitel 32

Kapitel 33

NARIA

Kapitel 14

Kapitel 15

Kapitel 16

Kapitel 17

Kapitel 18

Kapitel 19

Kapitel 20

Kapitel 21

Kapitel 22

Kapitel 23

ERRA

Kapitel 13

Kapitel 14

Kapitel 15

Kapitel 16

Kapitel 17

Kapitel 18

Kapitel 19

ARREN

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Kapitel 15

Kapitel 16

Kapitel 17

Kapitel 18

Kapitel 19

Kapitel 20

Kapitel 21

LEANDER

Kapitel 34

Kapitel 35

Kapitel 36

Kapitel 37

NARIA

Kapitel 24

Kapitel 25

Kapitel 26

Kapitel 27

ERRA

Kapitel 20

Kapitel 21

Kapitel 22

Kapitel 23

ARREN

Kapitel 22

Kapitel 23

Kapitel 24

Kapitel 25

Kapitel 26

Kapitel 27

Kapitel 28

Kapitel 29

Kapitel 30

LEANDER

NARIA

ERRA

LEANDER

NARIA

ERRA

BEGEGNUNG

EPILOG

NACHWORT

Erde, Wasser, Luft, Feuer.

Die Welt wurde durch die Vier geformt und gestaltet.

Dunkel war das erste Jahr, wüst und leer. Die drei Arten, Menschen, Suratek und Elementares, erhoben sich aus der Asche der jungen Welt. Wir bestaunten, was die Vier erschaffen hatten, was durch ihr Wirken wuchs und gedieh.

Leben breitete sich auf der Welt aus.

Über den Anbeginn der Zeit

Aus den Wahren Worten

Schriftrolle, datiert um 734 nach dem Anbeginn der Zeit Archiv von Alkála

Aus der Rede des Großen Herrn, gehalten in der Hauptstadt Alkála am Tag 67 des Jahres 3489 nach dem Anbeginn der Zeit:

Lange genug haben Elementares uns unterjocht.

Lange genug hat es Zwiespalt zwischen Menschen und Suratek gegeben, weil sich die Gattung der Elementares über alle erhoben hat.

Dies hat mit dem heutigen Tag ein Ende.

Gemeinsam können wir uns gegen die Elementares wehren.

Nie wieder werden wir Sklaven dieser Gattung sein.

Nie wieder werden wir als minder bezeichnet werden.

Wir, Menschen und Suratek, werden Harmonie schaffen.

Gemeinsam werden wir Einigkeit zwischen den Kontinenten schaffen und beseitigen, was Zwiespalt sät!

Nieder mit den Elementares!

DIE VIER REGELN

1

Jeder Elementar muss sofort den Aufsichtspersonen des

Großen Herrn gemeldet werden.

2

Jeglicher Kontakt mit Elementares ist strengstens verboten.

3

Jedes auffällige Verhalten, das dem eines Elementars

gleicht, muss sofort den Aufsichtspersonen des Großen

Herrn gemeldet werden.

4

Jede Person, die mit Elementares verkehrt, muss umgehend

gemeldet werden.

Werden eine oder gleich mehrere der Vier Regeln gebrochen,

widersetzt man sich dem Großen Herrn und somit

dem einen Volk.

Als Folge drohen Strafen, abhängig vom Ausmaß des

jeweiligen Vergehens: Zwangsarbeit, Freiheitsentzug oder

Tod.

Die vier Regeln gelten seit dem Jahr 3489.

Die vier Regeln dienen dem Wohl der Allgemeinheit.

Die vier Regeln sind für jeden Bürger verpflichtend, um den

gemeinsamen Frieden aufrechtzuerhalten.

Die vier Regeln sind immer einzuhalten.

PROLOG

Die Fackel

Ein lauter Knall durchbrach die Nacht und der Dorfplatz wurde schlagartig in helles Licht getaucht.

Das Wirtshaus brannte lichterloh, die Fenster waren durch die Wucht zerborsten und die Schreie derer, die im Feuer gefangen waren, hallten laut aus der glühenden Hitze. Die Leute rannten herbei, schnell wurde jeder mit Eimern ausgestattet und schon begannen die Löschversuche. Wasser traf zischend auf das brennende Holz, doch das Feuer ließ nicht nach und verzehrte das Haus in Windeseile. Frauen und Kinder standen mit Decken bereit, um diejenigen, die es hinaus schafften, von den Flammen zu erlösen. Aber niemand kam durch die brennende Tür gerannt. Die Schreie aus dem Inneren des Hauses wurden schwächer und verwandelten sich in ein Röcheln, das mit einer menschlichen Stimme fast nichts mehr zu tun hatte. Schon wanderte das Feuer auf die benachbarten Häuser und die Panik stieg.

In all dem Chaos erschienen sie, die Wachen des Großen Herrn, zwei Suratek und vier Menschen, bereit, den Dorfbewohnern zu helfen. Der Hauptmann aber hielt seine Gefolgsleute zurück und beobachtete stirnrunzelnd das Haus. Stumm warteten die Wachen auf seinen Befehl. Die Hitze war unbeschreiblich und glühte so stark, dass er die Hand schützend vors Gesicht halten musste. Egal, wie viel Wasser die Leute auf das Haus schütteten, das Feuer machte keine Anstalten, schwächer zu werden. Der Gestank verbrannten Fleisches kroch in seine Nase.

„Bitte, helft uns!“, rief einer der vielen Männer. Der Hauptmann schüttelte den Kopf.

„Dieses Feuer lässt sich so nicht löschen!“ Seine Gefolgsleute blickten ihn alarmiert an, der junge Mann kam entsetzt näher. Der Hauptmann nickte. Schnell rannte der Bursche an ihnen vorbei zum kleinen Alarmturm und sogleich ertönte die Glocke schrill und laut.

„Elementar!“, rief er. Alle blieben abrupt stehen, pures Entsetzen rauschte über die Menge hinweg.

„Räumt sofort den Platz!“, rief der Hauptmann. „Dieses Feuer ist elementarischen Ursprungs! Ihr könnt den Brand erst löschen, wenn die Quelle aus dem Haus gekommen ist!“ Ein Krachen ließ die Leute zusammenschrecken. „Los jetzt! Bringt euch in Sicherheit!“ Schnell rannten die Dorfbewohner davon, flüchteten sich in die nahen Gassen oder in ihre Häuser, während der Hauptmann und seine Leute sich vor dem Haus in Kampfbereitschaft aufstellten.

„Glaubt Ihr, es handelt sich um einen Anschlag?“, fragte eine der Wachen.

„Sieht mir eher nach einem Unfall aus. Aber haltet euch bereit!“ Schweres Holz ächzte im Inneren des Hauses laut auf, dann plötzlich durchbrach etwas die verkohlte Haustür und stolperte auf den Dorfplatz.

„Du meine Güte…“, hauchte einer der Wachmänner. Der Hauptmann war sprachlos. Der Körper des Elementars bestand aus Glut, Licht und Flammen, nur noch schemenhaft war seine Figur zu erkennen und die Hitze, die er ausstrahlte, war unbeschreiblich. Der Feuerelementar hatte noch keine Notiz von den Wachmännern genommen und starrte das Wirtshaus an, das Balken für Balken in sich zusammenbrach.

„In diesem Zustand können wir ihn nicht betäuben“, sagte der Hauptmann leise zu seinen Gefolgsleuten und deutete auf die Eimer, die überall verstreut herumlagen. Schnell liefen sie damit zum Brunnen, während der Hauptmann das Wesen im Auge behielt. In seinem ganzen Leben hatte er nur ein einziges Mal einen Elementar in diesem instabilen Zustand gesehen und er wusste, wenn sie nicht sofort handelten, würde das ganze Dorf auf einen Schlag eingeäschert werden. Vorsichtig ging der Hauptmann auf ihn zu. Je schneller der Elementar eine Kaltdusche verabreicht bekam, desto besser. Die Wachmänner kamen wieder zurück. Gleich waren sie nahe genug, um den Elementar löschen zu können. Plötzlich aber, als hätte er etwas bemerkt, drehte sich der Elementar um und der Hauptmann starrte in das brennende Gesicht. Es bestand zwar aus einer glühenden Oberfläche, doch behielt es seine Form bei und so erkannte der Hauptmann große Augen und einen schmalen Mund. Die flache Brust bewegte sich lebhaft auf und ab, die Schultern waren recht schmal und sowohl Arme als auch Beine waren eher dünn. Er war noch ein Kind!

Bevor der Hauptmann aber reagieren konnte, wurde alles in grelles, weißes Licht getaucht. Es folgte ein ohrenbetäubender Knall und der kräftige Mann flog durch die Luft. Der Blitz, der aus den Fingerspitzen des Jungen geschossen kam, tötete den Hauptmann, noch bevor er aufschlug. Schnell schütteten die schockierten Wachmänner das Wasser über den Feuerelementar, doch vergebens: Blaue Stichflammen schossen aus seinem Körper und bildeten eine lodernde, schützende Wand; das Wasser verdampfte laut zischend.

Mit einem dumpfen Geräusch verschwanden die Stichflammen und der Elementar kam in bedrohlicher Haltung auf die Wachmänner zu. Schnell rannten sie zum Brunnen zurück. Lächelnd hob der Junge den rechten Arm und ein grelles Licht wuchs knisternd und knackend in seiner Hand. Dieser Blitz würde alle Wachmänner auf einen Schlag umbringen.

Plötzlich klatschte eiskaltes Wasser auf den Kopf des Elementars und der Blitz erlosch. Schreiend ging er zu Boden. Der junge Mann, der vorher die Glocke geläutet hatte, ließ den leeren Eimer fallen und brachte sich rasch in Sicherheit. Das grelle Leuchten ließ nach und anstelle der Glut waren Teile heller Haut auf dem Körper des Elementars zu sehen. Die Wachen zückten sogleich kleine Betäubungspfeile und schossen auf ihn. Der Elementar aber wich den Pfeilen aus, rollte zur Seite und rannte los. Die Wachen nahmen die Verfolgung auf.

Schnell floh er über die Hauptstraße, vorbei an kleinen Gassen, aus denen ihn entsetzte Gesichter anstarrten. Die gelöschten Stellen auf seinem Körper glühten auf und die Hitze hatte ihn wieder vollständig umschlungen. Das Holztor am Ende der Straße hielt ihm nicht stand und zerbarst in tausend Splitter, als er es durchbrach und in die tiefe Nacht hinausrannte. Er legte einen Zahn zu und raste über den vom Regen aufgeweichten Feldboden – eine helle Fackel inmitten der Dunkelheit. Die Wachmänner aber waren ihm dicht auf den Fersen. Immer wieder stieß der Elementar Blitze zurück, Knall folgte auf Knall, grelles Licht folgte auf grelles Licht. Die Wachen wichen den Angriffen gekonnt aus und trotzten mutig der zerstörerischen Gewalt. Der Elementar sah sich um und erkannte, dass er nicht entkommen konnte. Ein letzter Blitz stob aus dem Arm, dann wurde er langsamer und das Feuer auf seinem Körper wurde schwächer.

Schließlich blieb er stehen, drehte sich um und hob die Hände. Das Licht erlosch vollständig und die Gestalt aus Glut und Flammen war verschwunden. Die fünf umzingelten den Jungen. Nackt stand er da, mit gesenktem Kopf und bebenden Schultern. Die Tränen schüttelten seinen Körper, leise hörten die Wachleute die junge Stimme schluchzen. Demütig kniete er sich hin. Einer der Wachen hielt dünnen Draht zum Fesseln bereit, ein anderer zückte einen neuen Betäubungspfeil und kam auf den Elementar zu.

Da hob der Knabe den Blick und starrte sie aus geweiteten Augen an. Sofort war der Draht geschmolzen und rann als glühende Flüssigkeit auf die Hände des Wachmanns. Kreischend fiel dieser zur Seite, die versengten Hände an sich gepresst. Blitzschnell rannte der Junge auf den anderen Wachmann zu, wich dem Betäubungspfeil mit der Geschicklichkeit eines Raubtiers aus, griff sich ein Messer, das am Gürtel seines Gegners steckte und rammte es ihm in den Brustkorb. Die übrigen drei, endlich aus ihrer Starre befreit, schossen Betäubungspfeile auf den Jungen. Er aber ließ die Leiche auf sich fallen und versteckte sich geschickt darunter. Die Pfeile bohrten sich in den toten Kameraden, der dem Mörder als Schutzschild diente. Ein schriller Laut ließ die drei Wachen plötzlich zusammenschrecken: Unter der Leiche hörten sie den Jungen lachen. Sie konnten es kaum fassen. Der Junge lachte!

Mit seiner freien Hand stieß er blindlings ein Inferno in ihre Richtung und für einen kurzen Augenblick wurde es unglaublich heiß und hell wie an einem sonnigen Tag. Wie Puppen an dünnen Fäden blieben die drei Wachmänner in absoluter Regungslosigkeit stehen, in völliger Anspannung, als ob sie die Luft angehalten hätten. Dann fielen sie zu Boden, ihre Gesichter zu verkohlten, schwarzen Flächen verbrannt. Die mit Pfeilen bespickte Leiche kippte zur Seite. Elegant richtete sich der Junge auf, legte den Kopf in den Nacken, schloss die Augen und atmete seufzend aus. Obwohl die Nacht frisch war, fror er nicht. Eine der drei Wachen bewegte sich noch schwach und versuchte, durch die geschmolzenen Nasenknorpel zu atmen. Ein greller Blitz bereitete ihm ein jähes Ende und mit einem Mal war es totenstill. Die bleichen Füße traten sanft auf das Gras, der drahtige Körper wurde vom Mondlicht beschienen, das die außergewöhnlich weiße Haut des Knaben noch kälter aussehen und das kurze blonde Haar metallisch glänzen ließ. Der junge Feuerelementar verließ lächelnd das Schlachtfeld.

Ein leises Zischen war zu hören. Der Junge stoppte abrupt. Sein Grinsen gefror. Mechanisch neigte er den Kopf und blickte auf seine rechte Schulter. Die spitze Nadel eines Wurfpfeils hatte sich durch die Haut ins Fleisch gebohrt, der betäubende Stoff breitete sich rasch aus. Mit der linken Hand griff er zurück und zog den Pfeil heraus. Eine blutige, versengte Hand packte den bleichen Knöchel und brachte den Jungen ruckartig zu Fall. Hart schlug er mit dem Kopf auf und Sterne blitzten über seine geschlossenen Lider hinweg. Schnell wollte er sich aufrichten, doch mit einem Mal spürte er eine schwere Last auf der Brust und zwang sich, die Augen zu öffnen. Der Wachmann mit den verbrannten Händen, ein großer, breitgebauter Suratek, blickte auf ihn herab und drückte seinen Fuß auf die nackte Brust des Jungen.

„Beweg dich und ich trete dir deine scheiß Rippen ein“, knurrte er und fletschte drohend seine spitzen Zähne. Der Junge hob beruhigend die Hände und bewegte sich nicht mehr. Hektisch kramte der Wachmann in seiner Manteltasche und suchte eine neue Drahtfessel. Seine fleischig-roten Finger, von der Verbrennung schwer verletzt, schmerzten fürchterlich und dicke Schweißperlen bildeten sich auf seiner Stirn. Seelenruhig sah ihm das kleine Monster zu seinen Füßen zu. Keine Angst war in seinen Augen zu sehen. Kein Bedauern, keine Niedergeschlagenheit. Der Junge sah ihn nur an. Mit einem Mal, ohne es kontrollieren zu können, nahm dieser ruhige Blick den Wachmann gefangen. Der Draht war vergessen, die Hände hielten inne und schwebten nutzlos in der Luft. Ohne Vorwarnung umschlang eine seltsame, dumpfe Taubheit seinen Körper und langsam, sehr langsam überkam ihn ein Gefühl der blanken Angst. Die Augen des Jungen leuchteten auf unheimliche Weise und da erkannte der Wachmann, dass die Pupillen des Elementars von einer gelben Iris umrahmt waren. Der Junge hatte goldgelbe Augen, die wie zwei Fackeln in dem bleichen Gesicht loderten.

„Ihr miesen Suratek…“, zischte der Junge. Das dumpfe, beängstigende Gefühl verschwand und der Wachmann löste erleichtert den Blick. Wut. Damit konnte er umgehen. Der Junge würde ihn beschimpfen, aber das war kein Problem. Damit konnte er umgehen, immerhin besser als dieser Blick. Schnell suchte er weiter nach dem verflixten Draht.

„Eure Gattung ist genauso einen Scheißdreck wert wie die der Menschen.“

„Lass das jetzt“, sagte der Wachmann ruhig und spürte mit jedem Atemzug, wie er wieder Herr der Lage wurde.

„Lass das jetzt“, äffte der Knabe ihn angewidert nach. „Natürlich, mir kannst du ja Befehle erteilen, so wie ich hier liege, im Matsch, wie ein Tier. Vorher hast du dich ja selbst im Matsch gewälzt, wie ein Schwein, weil ich es war, der dich zum Quieken gebracht hat. Die Hände müssen immer noch fürchterlich brennen, oder?“

„Du bist hiermit verhaftet im Namen des Großen Herrn.“

„Du hast ja nicht mal die Eier, den Fuß von meiner Brust zu nehmen. Hast du etwa Angst?“

„Bei Mord durch elementarisches Wirken ist dir ein Aufenthalt im Block sicher. Du wirst nicht lange überleben.“ Die spitzen Zähne des Suratek blitzten dabei bedrohlich auf, doch er behielt die Kontrolle. Er würde sich nicht provozieren lassen. Nicht von Elementar-Abschaum wie diesem Burschen.

„Du hast Angst. Natürlich hast du. Du hast gesehen, was ich mit deinen Kameraden gemacht habe. Aber gib bloß nicht zu, Angst zu haben. Ihr Suratek steht ja über allem. Fleisch fressen, Blut trinken, aber nach der Pfeife der Menschen tanzen. Suratek sind wirklich viel weniger wert als Menschen. Eine unnötige Gattung, von Menschen geleitet. Von Menschen! Die eigentlich euer Futter sein sollten. Die haben euch gut unterjocht…“

„Halt die Klappe!“

„Suratek verdienen nicht mal das Blut einer Ratte, die sich im Abfluss in meiner Scheiße wälzt…“ kicherte der Junge, worauf der Wachmann zudrückte und ihn in den weichen, glitschigen Boden presste. Das Lachen blieb dem Jungen im Hals stecken und er schnappte nach Luft.

„Hör zu, ich warne dich ein letztes Mal…“, begann der Wachmann.

Plötzlich aber packte der Elementar den Fuß des Suratek und riss ihn von seiner Brust. Der Wachmann stolperte und fiel direkt auf den am Boden Liegenden. Reflexartig stützte er sich mit den Armen ab und blickte für einen kurzen Augenblick aus nächster Nähe in die glühenden Augen.

„Das war ein Fehler“, sagte der Junge lächelnd. Er umschlang den Suratek mit Armen und Beinen und klammerte sich wie ein Affe fest. Laut kreischte er mit schriller Stimme direkt in dessen linkes Ohr. Der Wachmann bäumte sich brüllend auf, versuchte, den Jungen abzuschütteln, schlug auf ihn ein und schnappte verzweifelt mit seinen spitzen Zähnen nach ihm.

„Ich zeig dir mal, wie du das als Suratek machen solltest!“ Der Junge biss zu. Schmerz hämmerte unbarmherzig auf den Wachmann ein und breitete sich wie ein Feuer in dürrer Steppe in seinem Kopf aus. Sein Ohr! Der Junge biss in sein Ohr! Heißes Blut floss seinen Hals hinunter, vermischte sich mit dem Speichel des wahnsinnigen Jungen und rann in seinen Nacken. Stöhnend ging er in die Knie. Unter dem Pochen seines Bluts und der schrillen Stimme des Jungen hörte er ein dumpfes Knacken, als die Zähne sein Ohr durchtrennten. Triumphierend begann der Junge hysterisch zu lachen und biss noch fester zu. Der Wachmann war der Ohnmacht nahe.

Ein dumpfer, metallischer Schlag stoppte diesen Albtraum. Die schrille Stimme verstummte, die Zähne öffneten sich und das Monster fiel bewusstlos zu Boden. Das Kreischen war einem monotonen, hohen Surren im Kopf des Wachmanns gewichen. Ein junger Mann aus dem Dorf, mit unzähligen Sommersprossen im Gesicht und einer Schaufel in der Hand, stand über ihm, die Augen vor Entsetzen geweitet.

„Danke…“, sagte der Wachmann, setzte sich auf und griff schnell in die Manteltasche. Endlich fand er die Drahtfessel und band sie um Arme und Beine des Jungen. Zur Sicherheit verabreichte er ihm noch eine zusätzliche Ladung Betäubungsgift und setzte sich dann schwerfällig hin. Vorsichtig betastete er den blutigen Rest seines linken Ohrs.

„Wir haben im Dorf einen Arzt…“, begann die Sommersprosse vorsichtig, doch der Wachmann schüttelte abweisend den Kopf. Das Ohr war hinüber.

„Aber hol mir bitte zwei Männer aus dem Dorf, die uns helfen, den da ins Gefängnis zu tragen. Falls er aufwacht, brauchen wir Verstärkung.“ Die Sommersprosse lief schnell zum Dorf zurück, das immer noch im Schein des Feuers erleuchtet war. Die Löscharbeiten würden bis zum Morgengrauen andauern. Der Wachmann drückte sich ein Tuch gegen die pochende Wunde und stand mühselig auf. Er trat ein paar Schritte von dem Elementar zurück, obwohl dieser regungslos auf der weichen Erde lag, und beobachtete ihn aus sicherer Entfernung. Sein Hauptmann, seine vier Kameraden und sein linkes Ohr. Was für ein Albtraum diese Nacht doch gewesen war!

Der Wachmann atmete zitternd aus. Der Feuerelementar, dieser wahnsinnige Mörder, war bloß ein Junge von höchstens dreizehn Jahren. Jetzt wirkte er völlig harmlos. Eine Platzwunde hatte sich auf der Stirn des Jungen gebildet, wo die Schaufel ihn getroffen hatte. Ein schwaches Rinnsal dunklen Blutes bahnte sich seinen Weg über die bleiche Haut in den Matsch des Feldes. Die Augen, aus denen kurz zuvor in glühend gelber Farbe der Wahnsinn gelodert hatte, waren geschlossen, und der Wachmann war erleichtert, diesen Wahnsinn nicht mehr sehen zu müssen.

LEANDER

1

„Halt ihn fest, halt ihn fest!“ Mit hochgekrempelter Hose befanden sich Leander und Tomas im Wasser, die Sonne schien warm auf ihre bloßen Oberkörper und der Wind, der vom Meer zu ihnen wehte, war mild und angenehm.

Leander, ein starker, lebhafter Junge von dreizehn Jahren, mühte sich gerade ab, den Fisch, den er verkrampft festhielt, zum Strand zu tragen. Das Tier war groß und sehr schwer, doch Leander konnte Dinge schleppen, die dreimal so schwer waren; harte Arbeit war er gewöhnt. Dennoch, der Fisch zappelte und zuckte wie verrückt und es war nicht leicht, ihn ins Trockene zu bringen. Sein Freund Tomas, ein dünner Bursche im gleichen Alter, stand hinter ihm bis zu den Knien im Wasser und beobachtete ihn. Die blauen Augen glänzten vor Aufregung.

„Komm schon, gleich hast du es geschafft!“, rief er Leander zu.

„Mit Harpune und Netz wär‘ das alles einfacher gewesen!“, ächzte Leander. Ruckartig befreite sich das Tier aus seinen Armen, Leander verlor das Gleichgewicht und fiel ins Wasser. Der Fisch schwamm davon, doch Tomas war sogleich zur

Stelle, tauchte unter und packte ihn im richtigen Augenblick. Das Tier zappelte zornig, doch gab es kein Entkommen mehr. Leander rappelte sich prustend auf.

„Ohne Netz bist du wirklich verloren“, sagte Tomas grinsend.

„Ach, halt die Klappe!“ Leander blinzelte, das Salzwasser brannte in den Augen. Tomas kam auf ihn zu und sah ihn mitleidig an.

„Du musst einfach mehr üben. Jetzt zum Beispiel!“, sagte er und stellte Leander ein Bein. Erneut fiel er ins Wasser und Tomas lief weg.

„Na warte!“ Die Jungen rannten über den Strand, der Fisch wippte in Tomas‘ Armen auf und ab. Leander holte an Land schnell auf, packte Tomas am Arm und warf sich mit ihm auf den Boden. Die beiden rauften wild miteinander, während der Fisch neben ihnen hilflos herumzuckte. Schnell war die Rangelei vorbei und Leander drückte Tomas in den warmen Sand. Triumphierend funkelte er ihn aus seinen braunen Augen an. Er war immer schon stärker gewesen als sein Freund. „Ergib dich!“ Plötzlich klatschte die Schwanzflosse des rebellierenden Fisches in sein Gesicht und Tomas stieß Leander von sich.

„Heute hast du wirklich kein Glück!“ Schnell packte er den Fisch und drückte ihn zu Boden. Leander nahm einen großen Stein und schlug dem Tier auf den Kopf. Ein kurzes, heftiges Zucken und der Fisch rührte sich nicht mehr. Sogleich kramte Tomas ein kleines scharfes Messer aus seiner Hosentasche und weidete ihn aus, während Leander ihm dabei zusah. Seine kurzen, dunkelbraunen Haare waren schon wieder trocken, wogegen Tomas‘ lange, schwarze Haare sicher bis zum Mittag noch feucht bleiben würden, trotz der wärmenden Sonne.

„Fertig.“ Tomas drückte Leander den Fisch in die Hände. „Der wird uns sicher zehn Serén einbringen!“ Erwartungsvoll beobachtete er Leander, der den Fisch stirnrunzelnd in der Hand wog.

„Wenn nicht sogar zwölf!“, sagte Leander grinsend und Tomas strahlte. Sie wuschen den Fisch im Meer, hängten ihn auf einen Stock und zogen ihre Hemden wieder an. Gut gelaunt verließen sie den Strand, streiften ihre Füße im grünen Gras bei den kleinen Bootshäusern ab und gingen über einen Trampelpfad zum Dorf zurück. Es war ein wunderbarer Sommertag, keine Wolke war am Himmel zu sehen. Vor den ersten Häusern von Kal trafen die Jungen auf eine Gruppe kleiner Kinder mit Netzen und Eimern, die Muscheln und kleine Krebse an den Felsen der umliegenden Klippen sammeln gingen. Verstohlen blickten sie auf den Fang von Leander und Tomas, die stolzer nicht hätten sein können.

2

„Fünf Serén.“

„WAS?“ Auf dem kleinen Dorfplatz war es heiß und der sonst so kühle Lehmboden war ausgetrocknet. Der Stand mit den Fischen, der an einem schattigen Platz aufgebaut war, bildete zusammen mit einem Gemüsestand und einem kleinen Aufbau mit Kräutern den ganzen Markt Kals‘. Bis auf Leander und Tomas, die beide den Fischhändler fassungslos anstarrten, war niemand hier.

„Der bringt dir sicher zehn Serén ein!“, protestierte Leander. „Solltet ihr nicht in der Schule sein?“, murrte der schwere Mann.

„Heute erst am Nachmittag. Komm, gib uns wenigstens acht!“ Der Verkäufer schnaufte schwer, zwängte sich aus seinem Stand und begutachtete den Fisch.

„Kein Einstich?“

„Keine Harpune“, entgegnete Leander.

„Mit Netz?“

„Sehen wir so aus, als hätten wir ein Netz? Mit den Händen!“, sagte Tomas.

„Sechs Serén. Mein letztes Angebot.“ Leander und Tomas sahen sich stirnrunzelnd an und nickten schließlich. Ohne ein weiteres Wort nahm der Dicke den Fisch vom Stock, wusch ihn in einem Fass und legte ihn auf einen freien Platz an der Theke. Etwas grob, aber doch sorgfältig, bedeckte er ihn mit Eis. Den Jungen warf er überraschenderweise acht Serén zu. „Aber nur, weil er in der Tat groß ist“, grummelte er. Leander und Tomas teilten sich das Geld begeistert und steckten es in die Tasche.

„Du bist der Junge von Sara, oder?“ Leander schaute auf und nickte.

„Deine Mutter bringt mir doch jeden Morgen sechs Fische von eurem Fang für Merkala.“

„Ja, ich helfe ihr immer beim Fischen.“

„Die hat sogar ein Netz“, warf Tomas ein und boxte seinem Freund gegen die Schulter.

„Sag ihr, sie muss ab jetzt sieben Fische abgeben, wenn sie den gleichen Lohn bekommen will. Neue Regelung von Merkala. Gilt für alle umliegenden Dörfer, auch für Kal.“ Leander sah ihn verständnislos an, wusste aber, dass die Regelung unanfechtbar sein würde.

„Ist gut, ich richte es aus“, sagte er verärgert. Stumm gingen sie über den kleinen Marktplatz und konnten sich nicht einmal mehr über ihren Lohn freuen.

„Bringt doch nichts bei unserem kleinen Fischerdorf“, begann Tomas leise. „Warum wollen die überhaupt unsere Fische? Die haben doch selbst das Meer vor der Tür…“

Im Allgemeinen war das Leben in Kal von Ruhe geprägt. Das hügelige Land endete in hohen Steilklippen, die typisch für die Westküste an diesem Landstrich waren. Nur selten fielen sie sanft ab und gaben kleinen Bächen und Flüssen einen ebenen Weg in den Ozean. An einer solchen flachen Mulde war auch Kal entstanden, mit einem kleinen Hafen auf der Südseite und einem winzigen Strand an der Nordseite, beide getrennt durch einen kleinen Fluss, der ins Meer führte. Drei Brücken verbanden beide Ortshälften, doch benötigte man sie eigentlich nicht, konnte doch jeder mühelos durch das kleine Rinnsal waten. Die Gemeinde, ein kleines Nest, hatte keine besonders großen Häuser oder Straßen und der Hafen bot nur den hier lebenden Fischern Platz für ihre kleinen Ruder oder Segelboote. Die meisten Bewohner waren Fischer und gaben den Großteil ihres Fangs an die Provinzhauptstadt Merkala ab, die sich nördlich von Kal befand und ungefähr einen Tagesritt entfernt war.

Da die Stadt so nahe war, kam jeden Tag ein fahrender Händler auf seinem mit Eis gefüllten Wagen vorbei und holte den Fang des Dorfes ab. Landwirtschaft wurde nur im Privaten betrieben, der größte Bauernhof der Region hatte gerade mal vier Kühe, zwei Ziegen und ein Schwein, auf richtige Höfe traf man erst im Landesinneren. Kal aber war schon seit jeher ein Fischerdorf gewesen, worauf die Alten des Orts immer wieder gerne hinwiesen.

So eingebettet zwischen den Klippen, waren die Bewohner recht zufrieden mit sich und der Welt. Es gab ihren Hafen, es mangelte ihnen an nichts, sie strebten nicht nach besonders viel. Wäre ein Wanderer aus der Stadt dort vorbeigekommen, hätte er von Kal berichtet, dass die Bewohner ehrliche, vernünftige Leute seien, tüchtig und fleißig, es jedoch vorzogen, in ihrem Dorf zwischen den Klippen zu bleiben. Wenn sich je ein Wanderer dorthin verirrt hätte. Die Hauptstraße führte an dem Ort zwar vorbei, doch bogen nur die wenigsten dort ab. Nachrichten verbreiteten sich innerhalb der Gemeinde schnell, auf die Gemüter der Leute hatten diese aber wenig Auswirkung. Man könnte sagen, Kals Bewohner liebten Harmonie und verteidigten sie vehement. Was nicht gesehen oder gehört werden sollte, verlor sich schnell im Plausch, wurde zwar nicht vergessen, doch auch nicht mehr angesprochen.

Die Regeln der Regierung wurden gewissenhaft befolgt und die Wachmänner hatten nie etwas zu berichten. Es gab nicht einmal ein eigenes Wachquartier; die Wachmänner kamen aus der südlichen Gemeinde Tuk, die einen halben Tag zu Pferd entfernt lag. Es gab jedoch eine freiwillige Wache, die ganze drei Leute zählte und mehr oder weniger überflüssig war. Die geschätzte Harmonie wurde nämlich von den Bewohnern selbst aufrechterhalten und so lebte man die Jahreszeiten hindurch friedlich und unbekümmert, ohne irgendwie aufzufallen oder gestört zu werden.

Zudem waren die Leute auch dankbar für das, was die Regierung für sie getan hatte. Sie bekamen Lohn, konnten Handel betreiben und bis auf die regelmäßigen Besuche der Wachen veränderte sich nichts in diesem kleinen Küstenort. Für die Kinder war eine Schule eingerichtet worden, verpflichtend vom siebten bis zum fünfzehnten Lebensjahr. Das Schulgebäude, ein kleines Haus mit fünf Klassenzimmern, befand sich in der Nähe des Markplatzes, und wurde von Kals‘ Kindern und denen der umliegenden Höfe aus dem Landesinneren besucht. Wie auch Tomas und Leander hatten sie jeden Tag Unterricht, teils vormittags, teils nachmittags.

„Befolge stets die Regeln des Großen Herrn…“ Die Lehrerin, Frau Saran, wartete geduldig. Adrian stockte nervös. Leander sah ihn nachdenklich an und ließ langsam den Blick über das Lehrzimmer schweifen. Jedes der zwanzig Kinder saß auf einem Stuhl, die vielen nackten Füße verharrten ruhig auf dem staubigen Holzboden. Nur Tomas wippte leicht mit seinem linken Fuß auf und ab und schien genauso gelangweilt wie Leander zu sein. Auf dem Tisch neben Frau Saran lag eine neue Schriftrolle aus der Bibliothek von Merkala, die der Bote wahrscheinlich gestern mitgebracht hatte.

Sie würden sich die nächsten Tage damit beschäftigen, bevor der Bote mit einer neuen Schriftrolle kam. Leander hoffte, dass es sich um etwas Spannendes handeln würde. Vielleicht würden sie etwas Neues über die Suratek erfahren? Oder über die Elementares? Am liebsten waren ihm andere Länder und Gegenden wie zum Beispiel der legendäre Kontinent Shak-Anh, das weite Soa, das nördliche Krun mit seinen vielen Inseln oder das eisige Basoa im äußersten Süden. Schule war nie vergeudete Zeit, wenn sie über die Eigenarten der jeweiligen Gegenden sprachen, über die dortigen Bräuche, oder wenn sie etwas über die verschiedenen Akzente der Welt lernten. Tomas hingegen konnte sich ganz besonders für Tiere oder Pflanzen und deren Herkunft begeistern.

Doch bevor die neue Schriftrolle geöffnet wurde, durfte Frau Saran die Klasse mit den allseits bekannten Regeln quälen. Adrian dachte immer noch nach und Leander war froh, nicht an der Reihe zu sein. Die Regeln waren sowieso für jeden klar, aber diese ständigen Wiederholungen…

„Hab keine Angst vor den Suratek, sie sind unsere Freunde, verwende also auch keine minderen Namen für sie wie Sauger, Bluttrinker oder Fleischfresser…“

„Gut Adrian, das reicht. Tomas, bitte fahr fort.“ Der Junge stand lächelnd auf.

„Sollte dir etwas Merkwürdiges auffallen in deiner Umgebung, gib sofort einer Wache oder einem Mitglied der freiwilligen Wache Bescheid. Halte die Augen stets offen für Elementares. Elementares sind Feinde der Menschen und der Suratek. Solltest du…“

„Danke Tomas. Leander, fahr fort.“ Tomas setzte sich hin und warf Leander einen herausfordernden Blick zu.

„Ähm, solltest du einen Elementar treffen, musst du laufen und Hilfe oder Zuflucht suchen und den Elementar den Wachen des Großen Herrn melden. Mit Elementares in jeglicher Art zu verkehren ist gefährlich und verboten.“

„Halt, da hast du etwas vergessen.“ Leander dachte nach. „Ich gebe dir einen Tipp. Es war bei Hilfe und Zuflucht. Was fehlt?“

„Ah, ähm, das… Genau, da war…“

„Wer kann Leander helfen?“

Natürlich ging Tomas‘ Hand in die Höhe. Er war aber nicht der Einzige, der es wusste, die meisten hoben die Hand.

„Halt, jetzt weiß ich wieder: Egal, wie stark der Elementar ist. Egal, wie stark er ist, ich muss fliehen.“

„Sehr gut, Leander. Setz dich. Denn wie sind Elementares einzuteilen? Frage an alle.“ Mehrere zeigten auf, Annabel gab die Antwort: „In drei Kategorien: Einfach, Stark, Mächtig.“ „Sehr gut. Was ist die Besonderheit eines einfachen Elementars?“ Annabel fuhr fort: „Er kann nur kleine Mengen des jeweiligen Elements bewegen.“

„Richtig. Ein Einfacher ist aber schon stark genug, sich in seinem Element zu bewegen und es in kleinen Mengen zu leiten. Dagegen der Starke, wie schon der Name sagt? Na, Adrian?“ Adrian gab Antwort. Jedes Mal dasselbe! Leander schlug die Beine übereinander und fing an, restliche Sandkörner von der Wade zu kratzen.

Die Sonne lag schon zur Hälfte im Meer und die Luft kühlte schnell ab. Leander fror ein wenig, während er durch die Straßen nach Hause ging. Der Unterricht hatte sich fürchterlich in die Länge gezogen: Die Rolle enthielt ehemalige Herrschaftssysteme, die mit der Regierung des Großen Herrn verglichen wurden. Für Leander wäre es weitaus spannender gewesen, Schnecken beim Löwenzahnfressen zu beobachten. Irgendwann hatten Tomas und er kleine Steinchen vom Boden aufgesammelt und sich gegenseitig abgeschossen, bis Frau Saran sie auseinandergesetzt hatte. Die Grimassen aber, die sie sich dann zugeworfen hatten, hatte die Lehrerin auch nicht mehr verhindern können.

Die Hütten warfen lange Schatten und das Dämmerlicht leuchtete so golden, dass Leander darin den ersten Vorboten für den nahenden Herbst erkannte. Bald müssten sie alle wieder Schuhe, lange Hosen und warme Westen anziehen. Leander beschleunigte seine Schritte. Vor ihm, am Fuße eines Hügels, der zur Meeresseite hin in einer hohen, steilen Klippe endete, tauchte sein Zuhause auf: eine kleine Hütte mit Steingrund und Holzverschlag, einem schönen Holzdach und einem kleinen Schornstein, aus dem Rauch heraustrat. Es war das südlichste Haus von Kal und lag direkt am Meer. Leander ging am Kräutergarten vorbei und über die fünf Stufen der hohen Holzveranda hinauf zur Haustür. Aus den Fenstern schien das sanfte Licht von Kerzen und vom Feuer des offenen Kamins und Leander freute sich, ins Warme zu kommen. In der Küche legte seine Mutter Sara gerade den Rost zum Kochen über die Flammen. Ihr schwarzes, langes Haar war zu einem Zopf zusammengebunden und sie hatte die Ärmel ihres braunen Kleids zurückgekrempelt. Sie sah auf und lächelte ihren Sohn an, bevor sie sich wieder ihrer Arbeit zuwandte und eine große Pfanne auf den Rost stellte.

„Schneidest du bitte die Karotten?“ Während Leander seiner Mutter beim Kochen half, erzählte er die ernüchternde Information des Fischhändlers.

„Zurzeit gibt es sowieso viel mehr Fische als sonst“, sagte sie gelassen und gab geschnittenen Lauch in die heiße Pfanne. „Das sollte kein Problem sein. Außerdem haben wir ja schon für den Winter ausreichend vorgesorgt.“ Leander nickte nur. Mutter war immer so. Sie ärgerte sich nicht so wie er und suchte sofort nach einer Lösung. Und bis jetzt hatte sie auch immer eine Lösung gefunden.

„Dann fahren wir morgen etwas früher als sonst aufs Meer, in Ordnung? Dann wird uns dieser siebte Fisch auch noch ins Netz gehen.“

Es stand zwar jedem Fischer frei, wieviel er an Merkala abgab, doch war das manchmal ein leidiges Thema. Zum einen versorgten sich die Leute nämlich selbst mit dem Fang, zum anderen konnten sie aber auch nicht auf das Geld verzichten, das die Stadt ihnen als Gegenleistung zahlte, wenn sie etwas abgaben. Nur so konnte man sich Kleidung, warme Schuhe für den Winter, Feuerholz und andere anfallende Gegenstände leisten. Nahrung wurde in der kalten Jahreszeit für manche ein Problem, wenn der Fang nicht ausgereicht hatte.

Mit etwas gespartem Geld hatte Sara daher ihren Grund erweitert und besaß somit einen Garten mit einem eigenen, kleinen Acker, auf dem sie alles an Gemüse großzog, was sich auch gut überwintern ließ. Samen für Kartoffeln, Karotten, Kohl oder Rüben waren bei Weitem billiger als frisches Gemüse vom Händler. Zudem gehörten Leander und sie zu den wenigen Leuten im Dorf, die Platz genug hatten, um ihren Fisch zu trocknen. Gleich neben dem Haus befand sich ein kleiner Verschlag, in dem ein stolzer Vorrat für den Winter hing. Somit mussten sie sich nur mehr darum kümmern, täglich sieben Fische für Merkala zu fangen und für sich selbst noch einen oder zwei für den täglichen Bedarf.

Heute war es ein mittelgroßer Lachs, der nun in der Pfanne brutzelte. Leander gab die Karotten und ein paar Kräuter dazu und sogleich verbreitete sich ein köstlicher Duft in der Hütte. Während Leander einen Tonkrug mit Wasser aus dem kleinen Bach neben ihrem Haus füllte, wehte ihm eine kühle Brise ins Gesicht. Er blickte in Richtung Westen auf das offene Meer und sah dunkle Wolken am Horizont. Es würde wahrscheinlich über Nacht regnen.

Im Schein von drei Kerzen saßen sie am Tisch und ließen sich das Essen schmecken. Von draußen war das ruhige Wogen der Wellen zu hören.

„Morgen geh ich nach der Schule mit Tomas schwimmen.“

„Na gut, aber seid vorsichtig, ja?“ Leander nickte grinsend. Er und Tomas hatten einen besonderen Ort, ihren eigenen Strand sozusagen, der sich etwas nördlich von Kal befand und an dem sie immer baden gingen. Die meisten Eltern von Kal verbaten ihren Kindern, dort schwimmen zu gehen, da es viel zu gefährlich war wegen der Felsen und der Gezeiten, die recht wild werden konnten. Doch Tomas‘ Vater und Leanders Mutter blieben gelassen.

„Manchmal brauchen die Bengel Freiheiten, um auch mal auf sich selbst aufzupassen. Würden wir ihnen alles verbieten, würden sie ja nie vernünftige Erwachsene werden!“, hatte Tomas‘ Vater einst weise gesagt. Er sagte sonst nicht viel und war auch eher etwas unzugänglich, doch liebte er seinen Bengel sehr, das hatte Leander oft mitbekommen, wenn er sie zusammen sah.

„Wie war der Unterricht heute?“

„Langweilig“, murrte Leander. „Beim Fischen hatten wir mehr Spaß.“ Schon beim Kochen hatte er stolz das Geld gezeigt und in die Truhe mit den Ersparnissen gegeben. Bald könnten sie sich neue Schuhe für den Winter leisten. Seine Mutter schmunzelte.

„Also nichts über fremde Völker oder Länder?“, fragte sie nach, worauf Leander den Kopf schüttelte.

„Herrschaftsformen von früher. Königreiche und so weiter. Und natürlich hundert Jahre lang Regeln aufsagen am Anfang!“, jammerte er weiter. „Du kannst froh sein, dass du nicht zur Schule gegangen bist.“

„Naja, wir hatten zwar keine Schule, mussten aber trotzdem viel lernen. Dein Papa und ich haben von Opa und Oma gelernt, was wir wissen mussten.“ Sie lehnte sich zurück und trank einen Schluck Wasser. „Wie etwas richtig angebaut wird, wie sich Sachen über Winter halten, wie man am besten mit den Gezeiten umgeht bei unseren Buchten, welche Muscheln essbar sind und welche nicht, wie man den Schafen und Kühen beim Werfen hilft. Das muss auch gelernt sein und kann lange dauern. Ich habe nur das Glück, dass du dich nicht so dumm anstellst.“ Leander zeigte ihr als Antwort die Zunge.

„Hast du gewusst, dass dein Opa sogar ausprobiert hat, welche Algen man essen kann?“

„Igitt!“

„Ich werde mal bei Ebbe die essbaren Arten sammeln. Dann kannst du dich auf was gefasst machen!“, lachte Sara.

„Du kannst versuchen, sie dem geldgierigen Fischhändler zu verkaufen.“

„Ach was, so schlimm ist er jetzt auch wieder nicht.“ Leander sah sie ungläubig an.

„Acht Serén für den Prachtkerl? Er kann den für zwölf verkaufen, sag ich dir. Fette Qualle…“

„Leander!“ Sara schüttelte streng den Kopf. „Du weißt gar nicht, wie er früher war. Er kannte sich mit Tauschhandel aus. Er nahm den Fisch, wir bekamen Butter oder sogar Fleisch. Er tauschte den Fisch dann weiter. Die Leute gingen gern zu ihm, weil er wie ein Mittler war. Er wusste einfach über alle Bescheid und hatte ein Gespür dafür, was wir brauchten oder was wir gerade im Überfluss hatten. So gesehen war er eigentlich recht nett.“ Leander nickte und trank einen Schluck Wasser.

„Kann ich mir fast nicht vorstellen, dass der mal nett war.“

Sara trank ebenfalls aus ihrem Becher. Leander aß weiter, dachte nach und mit einem Mal wirkte sein Blick auf gewisse Weise bedrückt. Saras Gabel berührte mit einem hellen Klacken den Tellerrand, als sie ihr Mahl beendet hatte. Sie kannte diesen Blick ihres Sohnes.

„Und Papa war ein guter Fischer, ja?“

Sara beobachtete ihn, während er geduldig auf die Antwort wartete. Sein verstrubbeltes, kurzes, dunkelbraunes Haar, die ebenso dunkelbraunen Augen, die eine lebhafte, dennoch gesetzte, starke Ausstrahlung hatten. Und die schlanken, aber kräftigen Hände, die sie so an Hendrik erinnerten.

Die Frage kam immer wieder. Sie hatte gedacht, er würde irgendwann damit aufhören, doch jetzt, mit seinen dreizehn Jahren, stellte er diese eine Frage immer noch in der Art wie früher. Und immer wartete er geduldig auf ihre Antwort. Sie würde noch dahinterkommen, warum er diese Frage so oft stellte. Eines Tages bestimmt. Sie begann zu lächeln.

„Nicht so gut wie wir zwei.“ Schnell wuschen sie das Geschirr im kalten Wasser des Baches und gingen wieder ins Haus. Leander gab Sara einen Kuss auf die Stirn und ging ohne ein weiteres Wort ins Bett. In eine Decke gehüllt saß Sara in dieser Nacht noch lange vor der Hütte, rauchte eine Pfeife und schaute auf das dunkle Meer hinaus. Das Kraut schmeckte bittersüß und verströmte einen herben, würzigen Duft. Die Wellen wogten ruhig dahin, die Wolken verbargen die Sterne. Sara nahm einen Zug, die Glut in der Pfeife leuchtete auf, ein kleines Licht, das in die große Dunkelheit leuchtete, bevor es erlosch. Sara fröstelte, zog die Decke enger um sich und atmete seufzend aus.

3

Die Sonne ging über den sanften Hügeln auf und warf goldenes Licht auf die Häuser Kals‘. Die Wolken hatten sich über Nacht verzogen und den klaren Himmel freigegeben. Leander und Sara saßen in ihrem Boot, in Westen aus Schafspelz gehüllt, und zogen gerade den letzten Fisch für heute aus dem Wasser. Der Junge hatte während der Arbeit immer wieder hinaufgesehen und den Morgenstern am Himmel gesucht. Und wie immer hatte er ihn nicht gefunden.

Heute bestand der Fang aus sieben Makrelen, einem Lachs und einem großen Kabeljau, mit dem sie zufrieden zurückfuhren; den Kabeljau und eine Makrele würden sie sich behalten. Wieder an Land, an der kleinen Bucht vor ihrem Haus, weidete Sara die Tiere gleich aus und Leander wusch sie in einem Eimer.

„Gestern ist übrigens die Wache zu uns ins Lehrzimmer gekommen“, begann er zu erzählen.

„Ach ja? Wer denn?“

„Kannst du dir ja denken. Ruk.“ Der Suratek, von Beruf Metzger und Ehemann von Frau Saran, war der Anführer der dreiköpfigen freiwilligen Wache von Kal. Leander mochte ihn nicht besonders, da er unheimlich aussah, wenn er lächelte.

„Und was war?“, fragte Sara.

„Er hat uns von einer Verhaftung erzählt.“ Sara nickte.

„Wo?“

„Nördlich von Merkala.“

Sie sah auf. Leander wusch den Fisch ruhig im klaren Wasser.

„Ein Luftelementar“, sagte Leander nachdenklich. „Und er hat auch gesagt, dass wir wachsam bleiben müssen. So wie immer. Hast du gewusst, dass es da oben öfters Stürme gegeben hat?“ Sara bohrte das Messer in den Lachs.

„Da oben ist das Wetter meistens launischer“, antwortete sie ruhig. Verwirrt betrachtete Leander seine Mutter. Das Messer glitt durch den Bauch. „Die Gegend wird weiterhin stürmisch bleiben.“

„Ja, aber Ruk hat von Stürmen erzählt, die das Meer so wild bewegt haben, dass die Leute mitsamt ihren Booten untergegangen sind.“

„Die See kann rau sein“, antwortete Sara. „Nimmst du ihn, bitte?“ Sie hielt ihm den ausgeweideten Lachs hin, den er mechanisch an sich nahm.

„Aber an Land haben sie auch nichts anbauen können, weil die Stürme alles verwüstet haben. Das kann doch nicht natürlich sein.“

Die Stirn in Falten gelegt, wusch der Junge den Fisch und sah mit einem Mal sehr erwachsen aus.

„Und du glaubst, dass daran einzig und allein der eine Luftelementar schuld ist?“, fragte Sara. Die Runzeln auf Leanders Stirn schienen größere Schatten zu bekommen. „Haben sie gesagt, in welche Gruppe er fällt?“ Sie beobachtete Leander genau und wusch das Messer. Als er nicht sofort antwortete, ging sie zu den nahegelegenen Felsen und warf die Fischinnereien weg. Ein Schwarm Möwen fiel sogleich darüber her. „Er war anscheinend ein Starker…“, murmelte Leander und massierte das rote Fleisch mit seinen Daumen, sodass ein wenig Blut hervortrat. Sara kniete sich hin und sammelte die Fische auf.

„Und kann ein starker Luftelementar für so lange Zeit über Stürme von solcher Größe gebieten?“, fragte sie.

„Aber wenn das Schwein Eltern oder sogar Kinder, die auf den Booten waren, getötet hat…“

„Kann ein Starker so groß wirken?“, wiederholte Sara streng ihre Frage. Leander blinzelte und hielt in seiner Bewegung inne.

„Nein, nur ein Mächtiger“, gab der Junge zu. Er schaute sie nicht an, gab ihr den Lachs und schüttete das Waschwasser zu den Innereien. Sara legte die Fische in einen Ledersack und schnürte ihn zu. Ohne ein weiteres Wort machten sie sich auf den Weg zum Markt.

Die Vormittagssonne schien wärmend auf die Dächer, die Leute waren alle schon auf den Beinen, die meisten kamen auch gerade vom Fischen und begaben sich zum Fischhändler. Sara und Leander nahmen einen ruhigeren, schmalen Weg über die Felder. Der Junge trug stumm den Fang, während seine Mutter ihren Blick nachdenklich über Kal schweifen ließ. Kleine Kieselsteinchen stachen Leander bei jedem seiner Schritte unangenehm in die Fußsohlen.

„Ich will nur sagen, dass die armen Leute in dieser Gegend nach wie vor mit grausamen Stürmen zu kämpfen haben werden, auch wenn dieser Elementar gefangen genommen wurde“, sagte sie schließlich. Leander blieb still, dachte aber darüber nach.

Der Händler, der gerade Eis auf seiner Theke ausbreitete, kaufte ihnen die Fische ab, ohne auch nur ein einziges Wort zu verlieren. Sara wollte auch kein Gespräch mit ihm beginnen und da sich ohnehin schon eine Schlange hinter ihnen gebildet hatte, gingen sie schnell wieder nach Hause. Bevor für Leander die Schule am Nachmittag begann, hatten sie noch einiges zu tun. Die linke Seite der Veranda war von der salzigen Meeresluft in Mitleidenschaft gezogen worden und musste ausgebessert werden, vor allem der Eckbalken hatte eine Erneuerung dringend nötig. Sara hatte dafür schon einen jungen, frischen Stamm besorgt, den sie nun mit einer kleinen Axt an einem Ende spitz schlug und noch etwas in Form brachte, während Leander mit einem Spaten den vermoderten Balken frei grub.

Die Arbeit dauerte bis Mittag und Leander spürte jeden Knochen in seinem Leib, doch genoss er die Anstrengung unter der heißen Sonne. Er schwitzte und schnaufte, während er das Loch zusehends vergrößerte. Immer tiefer grub er in den Boden, vor sich das morsche Holz des Balkens, arbeitete konzentriert, doch war sein Kopf trotz der Hitze, trotz des Pulsierens in seinen Händen, ganz woanders.

Natürlich hatte Mutter Recht, der Elementar war sicher nicht allein verantwortlich für das miserable Leben der Bewohner dort im Norden, doch hatte er es sicherlich unterstützt. Oder? Plötzlich stieß der Spaten auf etwas Hartes. Völlig automatisch ließ Leander das Werkzeug fallen, ging in die Knie und begann, den großen Stein, der sich an den Balken gelehnt hatte, mit den Händen auszubuddeln.

Man durfte nicht einfach jeden Elementar verurteilen. Und dass Kal bis heute keinen Elementar gesehen hatte, war auch ein recht seltsames Glück, denn Elementares gab es bekanntlich überall. Nur versteckten sie sich. Und sorgten dafür, dass man vor ihnen Angst hatte.

Schweiß rann Leanders Rücken hinunter und bereitete ihm mit einem Mal Gänsehaut.

Vor einem halben Jahr, er konnte sich erinnern, hatte Ruk ihnen in der Schule etwas von einem Vorfall erzählt: Ein Feuerelementar hatte ein Dorf im Inland, östlich von Merkala, fast gänzlich niedergebrannt und konnte nur unter großen Verlusten verhaftet werden. Das war weit weg gewesen, doch hatte diese Nachricht sie alle damals sowohl erschreckt als auch verängstigt. Zuhause hatte Sara ihn dann beruhigt und ihm zu erklären versucht, dass Feuerelementares sich eigentlich ihrer durchaus zerstörerischen Kraft bewusst wären und einen solchen Ausbruch generell mieden. Sie hatte es als Einzelfall beschrieben. Leanders Finger gruben sich unter den Stein und er packte zu.

Trotzdem hatte Leander Angst vor diesen seltsamen Wesen, die zu Dingen fähig waren, die er sich nicht einmal vorstellen konnte. Langsam hob er den schweren Brocken auf und trug ihn keuchend aus dem Erdloch. Immerhin lag der Balken endlich frei. Das Gewicht des Steins ließ seine Finger vor Anspannung weiß werden und während er Schritt für Schritt aus dem knietiefen Loch kletterte, traten die Sehnen an seinen Unterarmen hervor und seine Schultern begannen zu protestieren. Dieser verflixte Felsen, so schwer hatte er doch gar nicht ausgesehen! Erbarmungslos zwang der Stein ihn in die Knie, kurz bevor er ihn aus dem Loch gebracht hätte. Schnaufend verharrte der Junge, die Hände zwischen Fels und Erde eingeklemmt, der Schmerz gerade noch erträglich dank der weichen Erde.

Und trotzdem fluchte Leander innerlich, von Ehrgeiz gepackt. Dieser blöde Stein würde aus dem Loch kommen! Der Junge atmete tief durch und zu seiner eigenen Überraschung hob er den Stein mit fantastischer Leichtigkeit in die Höhe. Er holte Schwung und schon war der Stein aus dem Loch katapultiert und plumpste dumpf ins grüne Gras. Leander sah ihn noch kurz ungläubig an, ging dann aber wieder zum Balken hinunter und grub die Hinterseite frei. Er staunte noch über seine Kraftreserven, als mit einem Mal seine Arme anfingen schwach zu zucken und zu keiner Anstrengung mehr fähig waren. Der Junge schnappte nach Luft, ließ den Spaten fallen und torkelte benommen aus dem Loch. Neben dem großen Stein ging er in die Knie. Alles drehte sich.

„Leander, alles in Ordnung?“, fragte Sara besorgt und kniete sich zu ihm. Leander schaute abwesend auf den Boden.

„Ja, alles gut, danke. Ich hab‘ nur…“, murmelte Leander und blickte auf seine Hände, die sich in die angenehme, kühle Erde gruben.

„Ich glaube, die Sonne hat mich… Es war einfach sehr heiß.“ Sara holte schnell einen Krug Wasser und gab Leander zu trinken. Während er sich noch sein Gesicht und seinen Kopf wusch, beobachtete Sara ihn stirnrunzelnd.

Leander bemerkte es und deutete lächelnd mit dem Daumen auf den Stein.

„Hab‘ einen ordentlichen Brocken herausgehievt.“ Sara begutachtete den Riesen und stieß ihn mit dem Fuß an. Leander zog das Hemd aus und wusch mit dem restlichen Wasser seinen Oberkörper.

„Wie stark du doch bist!“, sagte Sara mit gespielter Bewunderung.

„Unglaublich stark!“

„Und ein Maulwurf obendrein.“

„Und du lässt jeden Biber vor Neid erblassen“, sagte Leander und deutete auf den neuen Balken, der perfekt in Form gehauen war.

„Hab‘ dich ja auch absichtlich buddeln lassen. Mit der Axt bin ich nun mal viel geübter und schlage dir jede hundertjährige Eiche zu Kleinholz!“, prahlte Sara mit theatralisch bedrohlicher Stimme.

„Sicher doch!“, lachte Leander, stand auf und ging zurück zum Loch. Seine Mutter hielt ihn auf.

„Nein nein nein, genug gearbeitet für heute. Der Balken ist freigeschaufelt, den Rest schaffe ich auch selbst. Du gehst am besten gleich los“, sagte sie lächelnd.

„Komm schon, der Unterricht heute ist wirklich nicht nötig“, jammerte Leander.

„Das hältst du schon aus. Außerdem lass ich dich ja dann mit Tomas schwimmen gehen. Also los jetzt und passt auf euch auf.“ Sie streichelte Leander liebevoll über die Wange. Er wusste, jede weitere Diskussion wäre zwecklos. Also nahm er das halb trockene Hemd vom Stein, zog es an und machte sich bereit für einen weiteren Nachmittag voller Langeweile.

4

Sechs Tage vergingen und die ganze Klasse war erleichtert, als Frau Saran in der Einheit am Vormittag die Schriftrolle wieder verschloss und dem anstrengenden Thema ein Ende bereitete. Glücklich gingen die Kinder ins Freie und konnten sich über einen schönen, freien Nachmittag freuen.

„Komm Tomas, eine Runde kannst du auch noch mitspielen. Es ist sowieso gerade Mittagsruhe“, drängelte Leander. Tomas seufzte. Sogleich versammelte sich eine kleine Gruppe von Kindern im Schatten der Häuser. Leander spielte gegen zwei Mädchen, einen Jungen aus dem Dorf und Tomas. Glasmurmeln besaßen sie alle nicht, daher verwendeten sie Kieselsteinchen. Leander war Meister in dem Spiel und ziemlich schnell hatte sich eine Schar von Zusehern um sie herum gebildet. Schnell war der Junge und eines der Mädchen besiegt, Tomas schied als nächster aus. Leander besiegte ihn immer, doch war es nicht seine Schuld, wenn Tomas sich doch immer wieder zu einem Spiel überreden ließ. Zielsicher traf er jedes Steinchen, das er ins Auge gefasst hatte, doch seine Gegnerin, ein Mädchen von einem Bauernhof etwas weiter im Inland, stellte sich auch sehr geschickt an. Es wurde zusehends knapper für ihn und Tomas johlte schon schadenfroh mit den anderen mit, die ihn endlich verlieren sehen wollten. Leander kniff ein Auge zu und katapultierte seinen Wurfstein auf den letzten schwarzen Stein auf dem Spielfeld. Er hatte gewonnen. Die Gegnerin fluchte, manche jubelten, andere, darunter auch Tomas, buhten. Leander legte triumphierend den Stein auf den kleinen Haufen vor sich.

„Beim nächsten Mal mache ich dich fertig!“, sagte das Mädchen.

„Ich freu mich schon darauf!“, entgegnete Leander herausfordernd. Plötzlich begann der Boden zu zittern und der kleine Berg aus schwarzen Steinchen fiel in sich zusammen. Verwirrt sahen die Kinder auf und befürchteten schon ein Erdbeben. Da bewegten sich die Steinchen mit einem Mal von selbst, kullerten immer schneller auf den Dorfplatz zu, als ob sie von etwas angezogen wurden. Die Kinder folgten ihnen starr vor Schreck.

Ein junger Mann, der auf dem Weg zum Fischverkäufer war, ließ seinen Korb mit frischen Muscheln fallen und hatte jegliche Farbe im Gesicht verloren. Die Steine jagten auf ihn zu und hoben plötzlich ab. In der Luft schwebend kreisten sie um ihn herum. Leanders Herz rutschte in den Magen. „Ein Elementar“, hauchte das Mädchen neben ihm.

„Elementar!“, brüllte der Fischverkäufer, trat von seinem Stand zurück und drückte sich ängstlich gegen die Hauswand. „Elementar! Alarm!“ Die Alarmglocke, die in einer kleinen Vorrichtung neben der Schule hing, wurde zum allerersten Mal in Kal geläutet, schrill und hell klang sie durch das Dorf.

„Nein, ich… Das kann nicht…“, stammelte der junge Mann verstört und erblickte die Kinder, die sich sogleich zurückdrängten. Leander sah sich schnell um. Die Hauswand, bei der sie gespielt hatten, war fensterlos und hatte keine Tür. Die Gassen, in die sie laufen hätten können, befanden sich alle hinter dem Elementar. Es gab keine Fluchtmöglichkeit. Sie waren gefangen. Und dennoch, dem Elementar stand ebenfalls die nackte Furcht ins Gesicht geschrieben.

„Nein! Nein, bitte, ich bin kein Elementar!“, schluchzte er. Ruk kam auf den Dorfplatz, die kräftigen Pranken an seiner blutbefleckten Schürze abwischend. Die Kinder hielten den Atem an. Seine spitzen Zähne blitzten in der Sonne und seine Stirn war in Runzeln gelegt. Beruhigend hob er die Hände und näherte sich dem verängstigten Erdelementar.

„Du heißt Samo, nicht wahr?“, begann er. Der junge Mann nickte. „Ich kenne deine Eltern. Du musst jetzt 19 sein.“

„Bitte, ich habe nichts getan!“

„Es ist alles in Ordnung, Samo. Du hast nichts zu befürchten“, sagte Ruk und lächelte. Leander wurde schlecht.

„Du musst deine Macht sicher schon mit zwölf oder dreizehn entdeckt haben. Das muss doch furchtbar sein, sie so lange zu unterdrücken.“ Der Elementar starrte Ruk aus panischen Augen an. „Lass die Steine fallen. Du weißt doch, was jetzt passieren wird.“

„Nein, bitte nicht!“ Inzwischen waren die anderen zwei freiwilligen Wachmänner dazu gestoßen und versuchten sich dem Elementar zu nähern. Auch einige Leute kamen trotz aller Sicherheitsregeln zum Dorfplatz gerannt: Es waren die Eltern, darunter auch Sara und Tomas‘ Vater, die den Alarm gehört hatten und ihre Kinder in Sicherheit bringen wollten. Jetzt aber standen sie starr vor Schreck auf der anderen Seite des Dorfplatzes, getrennt von ihren Kindern durch den Erdelementar Samo.

„Ist doch nicht schlimm, Junge. Du hast nichts getan, wenn du die Steine jetzt fallen lässt. Du kommst in die Besserungsanstalt von Merkala und lernst, deine Kraft wirklich zu unterdrücken. Du wirst nicht lange weg sein.“ Samo, der nun umzingelt war, zitterte am ganzen Körper. Die Steine bewegten sich schneller.

„Leander!“, rief Sara und löste sich aus der Menge. Tomas‘ Vater folgte ihr.

„Nicht, bleibt zurück!“, rief Ruk. Samo erschrak und der Steinkreis wirbelte schnell und bedrohlich. Die Erde bebte erneut, Tomas‘ Vater verlor das Gleichgewicht und fiel hin.

Sara kniete sich schützend zu ihm, Tomas packte ängstlich Leanders Arm.

„Keiner rührt sich, verdammt!“, brüllte Ruk so laut, dass alle zusammenzuckten. Schnell konzentrierte er sich wieder auf Samo. „Ich zähle bis drei, dann lässt du die Steine fallen und kommst mit uns mit. In aller Ruhe. Eins…“ Der Erdelementar schluchzte. Der Steinkreis pulsierte und vergrößerte sich. Ruk blieb unbeeindruckt.

„Zwei…“ Ein scharfkantiger Stein löste sich aus dem Kreis, flog wie ein Geschoss auf einen Wachmann zu und schlitzte seine linke Schulter auf. Die Leute schrien erschrocken auf, blitzschnell fielen die Steine zu Boden.

„Oh nein, es tut mir leid!“, sagte Samo, bevor Ruk ihm in den Magen schlug. Keuchend ging er in die Knie. Sara und Tomas‘ Vater rannten endlich zu ihren Kindern, die anderen Eltern folgten. In aller Eile brachten sie sich in Sicherheit, während Ruk Samo mit aller Wucht mehrmals ins Gesicht schlug, bis sich dieser nicht mehr rührte. Leander konnte den Blick von ihnen nicht abwenden, bis sie in den Gassen verschwanden. Ruk riss einen Streifen von seiner Schürze ab und fesselte Samo damit an Händen und Füßen.

„Ich sperre den Burschen bei mir ein. Morgen holt ihn die Wache aus Tuk ab.“

„Und wenn er sich wehrt?“, fragte der andere Wachmann, der seinem Kameraden aufhalf.

„Ich habe eine Notration an Betäubungsgift. Das wird ausreichen.“ Ohne Anstrengung hievte der Hüne Samo auf seine Schultern und blickte sich um. Ein paar Schaulustige hatten sich versammelt und gebannt zugesehen.

„Ihr alle seid Zeugen. Samo hat mit seinen elementaren Kräften jemanden verletzt. Die Wachmänner von Tuk werden morgen entscheiden, ob er in die Besserungsanstalt oder ins Gefängnis kommt.“

Stumm sahen sie ihm hinterher, wie er mit dem jungen Mann verschwand. Eine seltsame Stille legte sich über den Platz und schließlich gingen die Leute leise murmelnd ihrer Wege.

5

Eine seltsame Unruhe befiel das Dorf nach diesem Vorfall. Gleich am nächsten Tag ritten die Wachmänner des Großen Herrn in Kal ein und wurden von Ruk informiert. Samos Eltern, die beide überprüft wurden und sich als normale Menschen herausstellten, sahen wie ein Häufchen Elend aus. Die Regeln waren streng und das wussten sie.

Hatte ein Elementar jemanden verletzt, stellte er eine Gefahr dar und wurde dementsprechend hart bestraft. Natürlich wurden diese Jungelementares mit der nötigen Rücksicht behandelt, weswegen auch die Besserungsanstalten in den größeren Städten erbaut worden waren. Fast drei Jahre lang dauerte die Behandlung, bis aus den Elementares funktionierende Bürger wurden, die ihre Macht nicht mehr einsetzten. Es blieb im Geheimen, doch man erzählte sich, dass die Leiter der Besserungsanstalten eine Technik erfunden hätten, mit der sie Elementares dauerhaft von ihrem Element kappten. Doch niemand in Kal wusste genaueres darüber, war Samo doch der allererste Elementar überhaupt in diesem Dorf. Die Wachmänner übernahmen ihn und lasen ihr Urteil auf dem Dorfplatz vor.

„Der Erdelementar Samo Lerun wird wegen Ausübung seiner Kräfte zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr verurteilt, mit anschließender Behandlung in der Besserungsanstalt von Merkala. Die Freiheitsstrafe wird im Stadtgefängnis von Merkala verbüßt.“

Im Unterricht wurde über Samos Vergehen gesprochen und wie dankbar er und seine Eltern sein konnten, dass der Große Herr so gnädig war und ihn mit dem Leben davon kommen ließ. Leander war erleichtert, dass Samo niemanden schwer verletzt oder sogar getötet hatte, denn bei Mord mit elementaren Kräften kamen laut Gesetz des Großen Herrn nur zwei Möglichkeiten in Frage: Hinrichtung oder der Block, ein berüchtigter Ort, dem niemand zu nahe kommen wollte. Sara hatte sich gar nicht zu dem Vorfall geäußert.

Die Leute von Kal waren die nächsten Tage äußerst vorsichtig, so wie es Leander noch nie erlebt hatte. Sie plauderten nicht miteinander, wenn sie vom Fischen zum Händler oder nach Hause gingen, die Kinder durften nicht spielen gehen und man mied sich gegenseitig. Ein Hauch von Misstrauen hing in der Luft, da sich niemand sicher war, ob es nicht noch einen Elementar in Kal gab, der sich versteckte. Und hätte es in den Tagen darauf irgendwelche Wetterumschwünge gegeben, Stürme oder einen wilden Wellengang, hätte man sofort nach einem Verantwortlichen gesucht. Es war eine seltsame Zeit, in der Leander niemanden mehr wiedererkannte außer Tomas, der recht gelassen wirkte und seine Mutter, die sich so wie immer verhielt. Zum Glück blieb auch das sommerliche Wetter unbeeindruckt und trug dazu bei, dass die Leute sich langsam wieder beruhigten.