Ella und die Ritter der Nacht - Timo Parvela - E-Book

Ella und die Ritter der Nacht E-Book

Timo Parvela

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6,99 €

Beschreibung

Es beginnt mit einem Missverständnis. Als Pekka, der Klassendödel, in der Schule erzählt, sein fieser Trainer habe ihn aus der Mannschaft geschmissen. Da denken alle, er redet vom Eishockey. Es war aber ein Wasserballteam, aus dem er geflogen ist. Das hat Pekka nur vergessen zu erwähnen. Blöd nur, dass Timo so eine tolle Idee hat: Ihr eigenes Eishockeyteam, die "Ritter der Nacht", soll es Pekkas altem Team zeigen! Jetzt müssen also eine Eishockey- und eine Wasserballmannschaft gegeneinander antreten. Normalerweise geht das gar nicht, aber bei Ella und ihren Freunden wird es ein echtes Spektakel. Viel Humor und wahre Freundschaft machen in diesem Kinderbuch wieder einmal das Unmögliche möglich.

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Seitenzahl: 152

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Timo Parvela

Ella und die Ritter der Nacht

Aus dem Finnischen vonAnu und Nina Stohner

Mit Bildern von Sabine Wilharm

Carl Hanser Verlag

Inhalt

Mit Pekka stimmt was nicht

Eine ganz normale Rechenstunde

»Die Peitsche«

Die Ritter der Nacht

Die Kometen

Haben wir eine Chance gegen sie?

Beim Bowling

Wisst ihr noch?

Wir brauchen Geld, und zwar fix!

Da da da da da da da da da da da da Batman!

Wir sagen’s ihm später

Wie kann denn ein Eishockeyspieler so viel kosten?

Und kann man ihn jetzt reparieren?

Auch eine Badehose wäre nützlich

Wo landen alle ehemaligen Eishockeyprofis?

Fo ift ef am beften

Hä?

Es hat im Leben alles auch sein Gutes

Das fängt ja gut an

Die Ritter der Nacht gegen die Torpedos – Erstes Drittel

Das BKA

Die Ritter der Nacht gegen die Torpedos – Zweites Drittel

Bingo

Die Ritter der Nacht gegen die Torpedos – Drittes Drittel

Die Verlängerung

Wie bitte?

Die Originalausgabe erschien 2010 unter dem Titel Ella ja Yön ritarit bei Tammi in Helsinki.

Das Hörbuch Ella und die Ritter der Nacht, gelesen von Friedhelm Ptok, erscheint bei Igel Records.

ISBN 978-3-446-24841-0

© Text Timo Parvela 2010

© Carl Hanser Verlag München 2015

Alle Rechte vorbehalten

Aus dem Finnischen von Anu und Nina Stohner

Satz im Verlag

Unser gesamtes lieferbares Programm und viele andere Informationen finden Sie unter www.hanser-literaturverlage.de

Erfahren Sie mehr über uns und unsere Autoren auf www.facebook.com/HanserLiteraturverlage oder folgen Sie uns auf Twitter: www.twitter.com/hanserliteratur

Datenkonvertierung E-Book: le-tex publishing services GmbH, Leipzig

Mit Pekka stimmt was nicht

Ich heiße Ella. Ich gehe immer noch in die zweite Klasse, obwohl jetzt schon Januar ist und sogar ein neues Jahr. Aber das macht nichts, weil ich immer noch in derselben netten Klasse bin und denselben netten Lehrer habe. Alles ist ganz normal, nur Pekka nicht, aber der ist unser Klassendödel und war eigentlich noch nie normal.

In letzter Zeit war er sogar richtig seltsam. Mir ist es zum ersten Mal aufgefallen, als wir über das neue Baby des Lehrers sprachen.

»Der Lehrer sieht ein bisschen müde aus«, sagte Hanna.

»Das wird an dem neuen Baby liegen«, vermutete ich.

»Wieso an dem Baby?«, wunderte sich Mika.

»Babys können zum Beispiel Koliken haben«, sagte Tiina.

»Schlimme Blähungen«, erklärte Timo, unser Klassengenie.

»Das neue Baby pupst und stinkt so schlimm, dass der Lehrer keine Nacht mehr schlafen kann«, brachte unser Klassenrambo die Sache auf den Punkt.

Dann wurde es still, weil wir warteten, dass Pekka irgendwas Komisches über seinen Vater erzählte, weil er das normalerweise immer tut, wenn wir über was reden. Aber diesmal blieb er stumm. Und da wusste ich, dass was nicht stimmte.

Kurz darauf gingen wir zum Mittagessen in den Speisesaal. Es gab die Spezialität unserer Schulköchin: Hühnerfrikasseerosinengummikartoffelauflauf. Das ist unser Lieblingsessen. Ich aß einen Riesenteller voll, und Tiina, Hanna, Timo, Mika und der Rambo auch. Pekka aß zwei Riesenteller voll, was ganz normal war, aber dann holte er sich keinen dritten.

»Ich hab keinen Hunger«, sagte er und holte sich doch noch einen. Aber er aß ohne Appetit.

Jetzt merkten auch die anderen, dass was nicht stimmte.

Am Nachmittag passierte dann gleich noch was Seltsames. Wir hatten Sport und spielten ein Spiel mit Hockeyschlägern und einem Ball, das angeblich wie Eishockey ging. Richtig verstanden hat es niemand, aber wir spielten trotzdem alle begeistert mit, und als es 2:0 oder vielleicht auch 7:6 stand, fiel uns plötzlich auf, dass Pekka immer nur herumschlappte und sich alle paar Schritte auf seinen Schläger stützte. Das hatte es überhaupt noch nie gegeben!

Pekka ist eine Sportskanone, und am liebsten schwingt er den Hockeyschläger. Eishockey ist sein Ein und Alles, und der Lehrer meint sogar, Pekka sei mit Schlittschuhen an den Füßen geboren. Das hat er jedenfalls mal gesagt, und wir hätten’s vielleicht auch geglaubt, wenn er uns auf unsere Frage, wie so was gehen soll, keine so ausweichende Antwort gegeben hätte. Aber das war jetzt alles nicht wichtig. Wichtig war nur, dass Pekka eindeutig in Schwierigkeiten steckte. Darum machten wir gleich nach der Schule das, was wir immer machen, wenn es Schwierigkeiten gibt: Wir hielten eine Krisensitzung ab.

Wir versammelten uns im Garten des Lehrers in dem alten Bus, mit dem wir mal ein wichtiges Rennen gegen ein Mini-Formel-1-Auto gewonnen haben.1 Der Bus ist unser Geheimversteck, obwohl er nicht wirklich geheim ist und eigentlich auch kein Versteck. Diesmal war er auch noch voller Schnee, der durch ein kaputtes Fenster hereingeweht war.

»Hiermit erkläre ich die Krisensitzung für eröffnet«, sagte Timo.

Wir fanden, das hörte sich so schön vornehm an, dass wir ihn baten, die Sitzung gleich noch mal zu eröffnen. Timo war einverstanden, und als er die Sitzung viermal eröffnet hatte, fingen wir an.

»Mit Pekka stimmt was nicht«, sagte ich.

»Aber was?«, fragte Tiina.

»Sag noch mal, dass mit Pekka was nicht stimmt, und mit deiner Nase stimmt auch was nicht!«, knurrte der Rambo, der immer zu Pekka hält.

»Vielleicht hat er auch Koliken«, sagte Hanna.

»Oder sein Vater«, sagte Timo nachdenklich.

Wir waren entsetzt. Timo konnte natürlich recht haben. Vielleicht war Pekka so appetitlos und müde, weil sein Vater die ganze Nacht pupste und stank.

»Wenn es so ist, müssen wir Pekkas Vater kurieren, damit Pekka endlich wieder schlafen kann«, schlug ich vor.

»Aber wie kuriert man Koliken?«, fragte Mika.

»Mein Vater und meine Mutter haben meinen kleinen Bruder nächtelang durch die Gegend getragen«, erzählte Tiina. »Sie haben ihn gewiegt und ihm auf den Rücken geklopft und ihm den Bauch gerieben und dazu Schlaflieder gesungen. Manchmal hat mein Vater ihn auch ins Auto gepackt und ist so lange mit ihm herumgefahren, bis er sich beruhigt hat.«

Wir überlegten eine Weile und kamen zu dem Schluss, dass Pekkas Vater vielleicht doch keine Koliken hatte. Jedenfalls hofften wir das, weil ja noch keiner von uns einen Führerschein hat. Mika fiel zwar Batman ein, der Pekkas Vater angeblich mit dem Batmobil hätte herumfahren können, aber Mika fällt zu allem Batman ein, und meistens hören wir gar nicht mehr hin.

»Vielleicht ist Pekka ja verliebt?«, sagte Tiina plötzlich.

»Das würde den fehlenden Appetit erklären«, sagte Hanna.

»Was redet ihr denn für einen Quatsch!«, fuhr ich dazwischen.

»Wieso?«, wunderte sich Tiina.

»Weil … weil ich es wüsste, wenn Pekka verliebt wäre«, sagte ich.

»Und woher, wenn man fragen darf?«, erkundigte sich Timo interessiert.

»Ich wüsste es einfach«, sagte ich und schwieg erst mal, weil ich spürte, wie meine Wangen wärmer wurden.

Plötzlich starrten mich alle an.

»Weil Pekka keiner von den Jungs ist, die sich …«, sagte ich.

»Ja?«, sagte Tina.

»Keiner von denen, die sich einfach so in irgendwen verlieben. Dazu ist er viel zu … zu … klug«, sagte ich wütend.

Es regte mich richtig auf, dass man ihnen so was Sonnenklares überhaupt erklären musste.

»Stimmt ja! Wie konnten wir das bloß vergessen?«, sagte Hanna. »Wo doch jeder weiß, wie wahnsinnig … klug Pekka ist. Davon abgesehen, glaube ich übrigens auch, dass es um irgendwas anderes geht.«

Danach ging die Sitzung weiter, und wir stellten noch viele andere Vermutungen über Pekkas seltsames Benehmen an: Tiina vermutete, dass er vielleicht zahnte. Hanna überlegte, ob er vielleicht im Trotzalter war. Ich hatte den Verdacht, dass Pekka an großem Weltschmerz litt, und Mika fand, dass wir lieber nach Hause gehen sollten, weil seine Mutter sich bestimmt schon Sorgen machte. Mika ist ein altes Muttersöhnchen, aber wenigstens heulte er nicht. Er ist nämlich auch eine alte Heulsuse. Der Rambo schlug dann vor, dass wir vorsichtshalber allen, die Pekka kannten, eins auf die Nase verpassen sollten, und wenn das nichts half, gleich noch einen Schlag in die Magengrube. Manchmal überlegen wir wirklich, was er später mal wird. Hoffentlich nicht Politiker.

Und dann sagte Timo endlich: »Ich hab einen Plan.«

Wir waren vielleicht erleichtert! Ohne Timos Pläne geht bei uns nämlich gar nichts. Timos Pläne sind immer ganz einfach, und gerade deshalb sind sie genial. Auch der jetzt war es wieder:

»Fragen wir doch Pekka selbst, was mit ihm nicht stimmt!«, sagte Timo.

Pekka hatte bis dahin still auf der hintersten Sitzbank gesessen. Jetzt drehten wir uns zu ihm um, und Hanna fragte ihn:

»Also, Pekka, was stimmt mit dir nicht?«

»Sie haben mich aus der Mannschaft geschmissen«, antwortete Pekka. »Das stimmt mit mir nicht.«

Eine ganz normale Rechenstunde

Pekka erzählte uns, dass es der Trainer gewesen sei, der ihn aus der Mannschaft geschmissen habe. Weil Pekka angeblich nicht gut genug sei. Das kam uns allen sehr seltsam vor. Wir fanden nämlich, dass Pekka richtig gut war. Und selbst wenn er’s nicht gewesen wäre: Waren Mannschaften und Trainer nicht dazu da, die noch nicht so Guten besser zu machen?

Der Rambo wollte sich den Trainer auch gleich mal vorknöpfen und ihn hochkant über die Bande schmeißen, aber wir anderen erklärten ihm, dass Gewalt keine Lösung sei. Das heißt, im Eishockey ist es vielleicht eine, aber wir wollten uns trotzdem lieber was anderes überlegen. An dem Abend im Bus fiel allerdings niemand mehr was Gescheites ein, nicht mal Timo, und so gingen wir unverrichteter Dinge nach Hause.

Ich konnte erst gar nicht schlafen, weil ich immer nur an Pekka denken musste. Ich stellte mir vor, wie er in seiner Eishockeymontur im dunklen Zimmer auf der Bettkante saß. Allein und verlassen. Es musste grausam sein, aus der Mannschaft geworfen zu werden. Und noch viel grausamer, ein über alles geliebtes Hobby aufzugeben. Aber am allergrausamsten musste es sein, in der Eishockeymontur ins Bett zu gehen. So ein Helm drückte doch bestimmt. Oder die Schlittschuhe verhedderten sich im Bettlaken. Und was, wenn er in der Nacht auf die Toilette musste? Mir tat Pekka so leid, dass ich ihm schnell noch eine SMS schickte:

Kopf hoch, Pekka! Eines Tages entscheidest du das Weltmeisterschaftsendspiel mit einem Fallrückzieher!

Ich hoffte nur, dass das im Eishockey ging, weil ich von Sport leider nicht viel Ahnung habe.

Am nächsten Morgen kam Pekka nicht zur Schule, und das machte uns echt Sorgen, denn sonst kommt er meistens als Erster. Seine Mutter ist nämlich gleichzeitig die Direktorin unserer Schule und schleppt ihn, wenn’s sein muss, im Schlafanzug hin. Ehrlich. Das hat sie wirklich mal gemacht. Und Pekka fand es sogar ganz praktisch, weil er an dem Tag abends keinen Schlafanzug mehr anzuziehen brauchte. Aber heute war nichts von ihm zu sehen, weder mit noch ohne Schlafanzug.

In der ersten Stunde hatten wir dann Rechnen. Oder wir hätten Rechnen gehabt, wenn der Lehrer nicht eingeschlafen wäre. Er konnte Timo gerade noch für das Sechser-Einmaleins aufrufen, dann war es vorbei. Er hatte sein Rechenbuch so vor sich auf den Tisch gestellt, dass es von vorne aussah, als würde er darin lesen, aber sein Schnarchen verriet ihn. Der Arme musste schrecklich müde sein. Er tat uns so leid, dass wir uns aus dem Klassenzimmer schlichen, damit er für den Rest der Stunde in Ruhe schlafen konnte.

Wir quetschten uns alle zusammen in die Kammer mit den Bastelsachen. Dort war es zwar ein bisschen eng, aber wir mögen Watte und Seidenpapier und all so was und fühlen uns dazwischen wohl.

»Ich schlage vor, dass wir uns verkleiden«, sagte Hanna, als wir alle saßen.

»Wie?«, fragte ich.

»Zum Beispiel mit Wattebärten«, sagte Hanna. »Als Wichtel.«

»So hab ich’s nicht gemeint«, sagte ich. »Ich hab mich nur gewundert, warum wir uns verkleiden sollen.«

»Wegen Pekka natürlich«, sagte Hanna ungeduldig.

»Ich meine ...«, begann ich, aber Timo unterbrach uns:

»Das mit dem Verkleiden kommt später. Wenn wir Pekka helfen wollen, brauchen wir erst mal einen präzisen Plan.«

Das mit dem »präzisen Plan« war typisch Timo, der die tollsten Wörter kennt. Aber er hatte wieder mal vollkommen recht.

Unser präziser Plan ging dann so:

Wir helfen Pekka.

(Zu dem Punkt fiel niemand was ein.)

Pekka ist gerettet.

Der Plan war spitze, und wir waren stolz darauf.

»Und was machen wir als Erstes?«, fragte ich Timo.

»Wir gründen eine Eishockeymannschaft«, sagte Timo.

Alle waren verblüfft, vor allem Mika, der sich schon einen mächtigen Rauschebart aus Watte angeklebt hatte.

»Na toll! Da verkleidet man sich ein einziges Mal nicht als Batman, und schon ist es für die Katz. Warum erfahr ich alles immer erst, wenn es zu spät ist?«, schniefte er.

Er ist wirklich eine alte Heulsuse, aber wir anderen konnten ihm leider auch nicht helfen, weil wir über Timos Vorschlag genauso verwundert waren.

»Es ist unsere Rache dafür, dass sie Pekka so unfair aus der Mannschaft geschmissen haben. Wir gründen unsere eigene Mannschaft, die Pekkas alte Mannschaft besiegt und Meister wird, weil Pekka so ein toller Spieler ist. Das ist dann der Beweis, dass sie ihn besser behalten hätten«, erklärte uns Timo.

Wir fanden alle, dass sich das wahnsinnig toll und genial einfach anhörte. Wenn wir Pekkas alte Mannschaft besiegten, würde der Trainer sehen, was für einen guten Spieler er rausgeworfen hatte, und sich grün und blau ärgern. Wir stellten uns vor, wie Pekka seine alten Mitspieler umkurvte und die entscheidenden Tore schoss, und mussten lachen. Der Trainer würde Augen machen! Es würde ihm alles schrecklich leidtun, und am Ende würde er sich bei Pekka entschuldigen und ihn als Starspieler in seine Mannschaft zurückholen. Vielleicht holte er uns sogar alle in seine Mannschaft, weil wir so toll mit Pekka zusammengespielt hatten, und wir wurden noch reich und berühmt. Als Eishockeyspieler verdient man ja richtig viel Geld und kann sich die tollsten Träume erfüllen, zum Beispiel jede Menge teure Autos kaufen oder im Fernsehen über Eishockeyspiele quasseln.

Als wir alles durchgesprochen hatten, verkleideten wir uns doch noch. Es gab zwar keinen Grund dafür, aber wir waren einfach in der passenden Stimmung.

Mika hatte ja schon seinen Rauschebart, Timo bastelte sich einen hängenden Schnurrbart, und Hanna klebte sich Glitzersternchen ins Gesicht. Tiina bastelte sich eine Wattehochfrisur, ich malte mir mit Filzstift eine Brille, und der Rambo malte sich ein blaues Auge. Dann gingen wir zurück ins Klassenzimmer.

Als wir uns still an unsere Tische setzten, schlief der Lehrer immer noch, aber gleich darauf kam die Direktorin mit Pekka in die Klasse, und genau da wachte er auf. Hinterher erzählte uns Pekka, dass er nur beim Zahnarzt gewesen war.

Die Direktorin erkannte uns wahrscheinlich gar nicht. Sie schaute uns nur ganz komisch an, und als der Lehrer hinter seinem Buch vorgesprungen kam, hob sie die Augenbrauen.

»Darf ich fragen, was das hier sein soll?«, fragte sie den Lehrer.

»Eine ganz normale Rechenstunde«, sagte der Lehrer und wischte sich die Schlafspucke aus den Mundwinkeln. »Nur eine ganz normale Rechenstunde …« Dann schaute er uns genauso komisch an wie die Direktorin und murmelte: »Ich wusste gar nicht, dass man gleich für hundert Jahre wegdösen kann …« Er blinzelte und sagte: »Du, Alter, wie viel ist sechs mal sechs?«

Mit dem Alten meinte er Mika.

»Die Peitsche«

Pekka reagierte ein bisschen misstrauisch, als wir ihn in der großen Pause fragten, ob er in unserer neuen Eishockeymannschaft mitspielen will.

»Auf welcher Position soll ich denn spielen?«, fragte er mit zusammengekniffenen Augen.

»Auf welcher du willst«, versprach ich ihm.

»Zum Beispiel auf der Auswechselbank«, schlug Tiina vor.

»Oder am Kreis«, sagte Hanna, die einen Onkel hat, der Handball spielt.

»Oder du bist der in dem schönen schwarz-weiß gestreiften Hemd«, fiel mir ein.

»Das ist doch der Schiedsrichter«, sagte Timo und schüttelte den Kopf.

»Ich will aber der Schiedsrichter sein. Nie darf ich sein, was ich will«, schniefte Mika.

Pekkas Augen waren nur noch ganz schmale Schlitze.

»Hör nicht auf sie!«, sagte der Rambo zu ihm. »Sie lassen dich auf deiner Lieblingsposition spielen, oder ich nehm sie mir zur Brust, bis sie mitsamt den Schlittschuhen in ihre Eishockeyhelme passen!«

Pekkas Augen waren immer noch Schlitze, aber er sah nicht mehr ganz so misstrauisch aus. Er kam uns eher ein bisschen verzweifelt vor.

»Ich soll in eurer Mannschaft mitspielen, aber ihr redet daher wie Leute, die vom Eishockey keinen blassen Schimmer haben«, sagte er.

Wir trauten unseren Ohren nicht. Es war ehrlich das erste Mal, dass Pekka sich wie Timo anhörte.

»Das stimmt doch gar nicht«, sagte Hanna, die sich als Erste von ihrem Schreck erholt hatte.

»Aber echt nicht«, sagte Tiina.

»Ich weiß zum Beispiel, dass es beim Eishockey ... äh … also … dass es da … äh … Dings … gibt«, sagte ich. »Nur mit Fallrückziehern weiß ich nicht – gibt’s beim Eishockey Fallrückzieher?«

Pekkas Augen waren jetzt keine Schlitze mehr. Im Gegenteil: Sie wurden immer größer. Er schaute uns an, als wären wir irgendwelche Außerirdische, und ich kriegte es allmählich mit der Angst, ob unser Plan wirklich so toll war, wie wir dachten. Auf alle Fälle hatten wir uns nicht gründlich genug vorbereitet.

»Ihr wollt mich veräppeln, stimmt’s?«, fragte Pekka.

»Auf keinen Fall, ich schwör’s«, schwor Timo.

»Wir meinen es ernst«, sagte Hanna und nickte.

»Wir brauchen dich, Pekka«, sagte ich. »Ohne dich können wir die Eishockeymannschaft nämlich vergessen. Klar, wir wissen noch nicht alles über Eishockey, aber dann musst du’s uns eben beibringen. Schließlich bist du der Beste, und weil du der Beste bist …«

»Batman ist der Beste«, unterbrach mich Mika.

»Nicht im Eishockey! Da ist Pekka besser«, sagte ich.

Mika wollte mir noch mal widersprechen, aber dann sah er, wie grimmig der Rambo ihn anschaute, und hielt den Mund.

»Und weil du der Beste bist, verlassen wir uns auf dich«, sagte ich feierlich.

Da guckte Pekka endlich wieder so gut gelaunt, wie wir es von ihm kannten. Und er versprach, bei uns mitzuspielen, wenn er den ersten Sturm anführen durfte, was überhaupt kein Problem war, weil wir sowieso nur einen Sturm zusammenbekommen würden. Ich war so froh, dass ich ihn bestimmt umarmt hätte, wenn er nicht ausgerechnet der Sohn unserer Direktorin wäre. Ich würde ihn wahrscheinlich sogar heiraten, wenn ich dann nicht eine Schwiegermutter bekäme, die einem schriftliche Verwarnungen nach Hause schicken kann, damit die Eltern wissen, was man in der Schule alles verkehrt macht.

Das erste Training unserer Mannschaft war noch am selben Abend. Wir hielten es bei unserem Lehrer zu Hause in der Garageneinfahrt ab, weil auf der Eisbahn im Park zu viele Leute waren und in der Eishalle die großen Eishockeyspieler trainierten. In der Garageneinfahrt des Lehrers war Platz, weil er außer dem alten Bus hinten im Garten gar kein Auto hat, und auch der Bus gehört ja eigentlich uns.