Elli: Verschwörung im Reitstall - Ariane Vaßen - E-Book

Elli: Verschwörung im Reitstall E-Book

Ariane Vaßen

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Beschreibung

Ein spannendes Abenteuer rund um Freundschaft, Rivalität und ein großes Geheimnis auf dem Reiterhof. Elli verbringt jede freie Minute im Reitstall der Familie von Leierberg, wo sie mit ihrem geliebten Hengst Sky trainiert. Ihre größte Konkurrentin ist Kate, die Tochter des Stallbesitzers. Doch als sich Ellis Trainerin Frida bei einem Springturnier seltsam verhält, wird Elli misstrauisch und bittet ihre Freunde Kim, Leo und Carla um Hilfe. Als ein Pferd erkrankt und die Vier seltsame Dinge beobachten, beginnen sie, Nachforschungen anzustellen: Warum verstecken fremde Männer Kisten im Wald? Und was hat Nico, der Stalljunge und Leos Fußballfreund mit der ganzen Sache zu tun?

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Seitenzahl: 230

Veröffentlichungsjahr: 2025

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© 2025 Brunnen Verlag GmbH

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Die Nutzung von Bild-, Sprach- und Textdaten für sog. KI-Training und ähnliche Zwecke ist nur nach vorheriger schriftlicher Genehmigung erlaubt.

Lektorat: Nadine Weihe, www.lektorat-weihe.de

Umschlagillustration: Andrea Baitz, www.andrea-baitz.de

Umschlaggestaltung: Daniela Sprenger, Brunnen Verlag GmbH

Satz: Brunnen Verlag GmbH

ISBN 978-3-7655-2180-5 (Buch)

ISBN 978-3-7655-7763-5 (E-Book)

Inhalt

Kapitel 1

Elli

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Nico

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Kapitel 15

Kapitel 16

Kapitel 17

Kapitel 18

Kapitel 19

Kapitel 20

Elli und Kim

Carla, Leo und Kate

Kapitel 21

Kapitel 22

Elli

Kapitel 1

Elli

Eine leichte Drehung noch und dann weiter im Trab. Elli hat die Zügel fest in der Hand, während sie zum nächsten Hindernis schaut. Die Trippelbarre. Das ist schwer, denkt sie. Dieses vorletzte Hindernis ist ein Hochweitsprung mit drei ansteigend hohen Elementen. Dort muss sie möglichst nah heranreiten, um richtig hoch und weit zu springen, da das hintere Element am höchsten ist. Der Oxer, der letzte Sprung im Parcours, war für eine längere Zeit das schwierigste Hindernis, da sie am Anfang richtig hoch springen muss. Jetzt ist es die kurze Wendung zwischen Trippelbarre und großem Wassergraben mit Oxer, die sie besonders herausfordert. Dabei muss der Absprung perfekt passen. Dieses Hindernis, das vom Pferd nicht nur nach oben, sondern auch „nach vorne“ gesprungen werden muss, hat sie lange geübt. Sie muss auf dem Weg bleiben, sich konzentrieren, sonst hat sie nicht genug Schwung. Ihr geliebter Hengst Sky muss so hoch springen, dass keine Stange herunterfällt. Das gäbe extremen Punktabzug. Bei den professionellen Reitern sieht es oft einfach aus, aber die Körperspannung und Konzentration beim Absprung und bei der Landung sind enorm.

Ein kleiner Luftzug kommt ihr entgegen. Heute ist ein windiger Herbsttag. Die Veranstalter räumen zwischen den einzelnen Ritten die heruntergefallenen Äste vom Reitplatz. Aber das Wetter stört Elli nicht. Sie ist voll konzentriert. Der Helm sitzt und sie liebt die elegante Turnierbekleidung als Reiterin.

Eine weitere Herausforderung ist der Ablauf der Hindernisreihenfolge. Alle Teilnehmer reiten immer den selben Weg zu den Hindernissen, aber es ist unglaublich schwer, genau mit dem richtigen Tempo auf diesem Weg zu bleiben.

„Du schaffst das, Elli“, hört sie plötzlich ein Rufen. Das war Kim. Sie ist heute bei dem Turnier mit ihrem Bruder Leo dabei und schaut aufgeregt zu.

Elli sieht, wie die Freunde gestikulieren. Dabei schaut Leo seine Schwester streng an und legt den Finger auf die Lippen. Typisch Kim, denkt Elli und lächelt. Dann schaut sie wieder konzentriert nach vorne. Das war lieb von Kim, aber jetzt muss sie sich ganz fokussieren. Die Gedanken auf das nächste Hindernis richten. Sie bewundert die Reiter im Fernsehen beim Springreiten. Wie elegant sie in die Kurven gehen und ständig nach vorne schauen. Diese Haltung und die Grazie, mit der die Reiter auf dem Pferd sitzen. Das hat Elli sich schon früher immer im Fernsehen angeschaut und so hatte sie den Traum, auch mal Springreiterin zu werden. Aber es gehört harte Arbeit und viel Disziplin dazu. Auch das musste sie erst lernen.

Sie ist irgendwie abgelenkt. Sie muss heute während des Ritts immer wieder auf den Boden sehen, damit sie in der richtigen Spur bleibt. Ihre Trainerin Frida ermahnt sie häufig im Training: „Elena, du darfst nicht nach unten schauen. Dein Blick muss nach vorne gehen. Sky findet den Weg nur, wenn du ihn lenkst und den Blick oben hältst.“ Leichter gesagt als getan, denkt Elli. Sie muss immer wieder schauen, wo der Weg ist, aber da helfen die kleinen Nummern vor den Hindernissen. Und gerade heute beim Turnier ist sie so aufgeregt, dass sie Angst hat, den falschen Weg zu reiten.

Manchmal machen die Veranstalter es besonders schwer für die Reiter und verändern die Reitrichtung. Aber diesen Weg heute kennt sie gut und es wurde auch nichts an der Reihenfolge verändert. Frida hat ihn mit Elli und Sky geübt und Elli ist sicher. Aber Sky ist irgendwie unruhig heute. Ihr schwarzer Pflegehengst aus dem Reitstall von Leierberg mit der wunderschönen weißen Blesse ist ihr Ein und Alles. Wie gern würde sie jede freie Minute bei ihm verbringen.

Aber heute ist ihr großer Tag und natürlich sind auch Mama und Papa da. Es tut so gut, dass sie zuschauen. Jetzt will sie auch zeigen, was sie kann. Manchmal machen Sky die Zuschauer nervös, dann muss sie fest sitzen und ihn streicheln, damit er konzentriert bleibt.

Ach, das klappt schon, denkt Elli jetzt und spricht noch einmal ganz ruhig zu ihrem Hengst. Sie nimmt die Zügel ein bisschen kürzer, streicht dem Hengst über den Hals und flüstert leise: „Gut machst du das, mein Großer! Und jetzt noch mal alles geben.“ Sie presst die Beine an das Pferd. Das ist das Zeichen, dass Sky losgaloppiert und zum Absprung startet. Die Musik läuft leise, es ist mucksmäuschenstill im Zuschauerbereich des Reitplatzes. Sky wird schneller. Auf in den Galoppwechsel und weiter über die Trippelbarre. Geschafft! Perfekt. Die Menge applaudiert. Wow, das war schon mal gut, aber jetzt schnell weitertraben. Elli sucht den Blickkontakt mit ihrer Trainerin. Wo ist sie? Okay, weiter! Nicht ablenken lassen.

Der Wassergraben mit Oxer. Immer wieder ist Sky im Training hängen geblieben. Seine Beine wollten einfach nicht so weit springen. Aber irgendwann hat es doch noch geklappt. Jetzt gibt Elli die Zügel nach, gibt wieder die richtigen Schenkelhilfen und Sky galoppiert erneut an. Jetzt muss er es zeigen. Jetzt müssen sie es zusammen zeigen. Sie sind ein Team. Elli glaubt fest an ihren Sky. Sie schaut kurz auf und noch mal zur Seite. Sie sucht ihre Trainerin. Normalerweise steht sie am Rand und drückt die Daumen oder gibt ihr letzte Anweisungen. Sie haben eine Zeichensprache, die Elli hilft, denn Frida kann ihr ja nicht die ganze Zeit etwas zurufen. Das ist gar nicht erlaubt. Aber wo ist Frida? Elli schaut sich noch einmal um, sie darf den Schwung nicht verlieren. In diesem Moment sieht sie ihre Trainerin. Was macht sie denn da? Wo ist ihr Nicken, ihre Ermutigung, ihr Zeichen? Warum schaut sie ihr nicht zu? Frida redet mit jemand. Wie kann sie jetzt eine Unterhaltung führen? Elli braucht sie. Sie braucht das Nicken, die Bestätigung, das … Warum gestikuliert sie so herum? Sie diskutiert mit diesem Mann. Nein, es sind zwei Männer. Was ist da los? Was macht sie da?

Elli muss jetzt schneller werden und springen, sonst schafft sie es nicht. Aber was macht Frida? Sky galoppiert und darf nicht mehr abbremsen, nicht mehr zögern. Konzentration und … nein, sie bleiben hängen. Die letzte Stange wackelt. Oh nein, nicht herunterfallen! Sie spürt, wie unruhig Sky ist. Die Stange wackelt und … oh nein, das geht schief. Elli schaut gebannt zur Stange. Es scheint, als würde die ganze Arena den Atem anhalten. Sie war nicht ganz konzentriert. Warum? Wegen Frida. Wie konnte sie in diesem wichtigen Moment nicht ihre Unterstützung sein? Elli braucht sie doch. Die Stange wackelt immer noch, aber sie bleibt liegen. Die Menge tobt. Elli ist sehr gut geritten! Aber das gibt trotzdem Punktabzug, weil dies ein Stilspringen ist. Wie ärgerlich, nur wegen Frida.

Und Frida? Jetzt schaut sie wieder zu ihr. Sie applaudiert heftig und strahlt Elli an. Wo sind die Männer? Da standen doch eben noch zwei Männer, denkt Elli. Oder hat sie sich geirrt? Die waren doch gerade noch da. Warum steht Frida jetzt allein da?

Als Elli aus der Arena reitet, kommt Frida auf sie zugelaufen. „Toll gemacht, Elena. Ich bin so stolz auf dich. Das war wirklich super!“

„D…danke“, stottert Elli und ihre Finger zittern immer noch leicht. Als sie von ihrem Hengst absitzt, wollen ihre Knie sie nicht so ganz halten. Wow, sie hat es echt geschafft. Sie ist den Parcours ohne Fehler geritten. Und doch hat sie ein merkwürdiges Gefühl in der Magengegend. Die Freude ist irgendwie getrübt. Frida, ihre wichtigste Verbündete, hat im entscheidenden Moment nicht nach ihr geschaut. Wieso ärgert sie das jetzt so? Sie hat es doch geschafft! Soll sie etwas wegen eben zu Frida sagen? Frida strahlt sie so stolz an. Aber mit wem hat sie geredet? Das macht Frida sonst nie. Wirklich nie. Sie ist immer aufmerksam, wenn Elli dran ist. Das war komisch, findet Elli und ihr Blick wandert von Frida auf den Boden. Sie hat den Helm abgenommen und hält ihn in der Hand. Gedankenverloren streicht sie darüber. „Danke Frida, aber es war ja nicht ganz fehlerfrei. Das gibt Abzug, weil die Stange gewackelt hat. Hast du das gesehen? Als ich kurz vorm Oxer …“

„Elena, das war dein bester Ritt. Ich denke nicht, dass es viel Abzug gibt. Du bist trotzdem unter den ersten drei. Jetzt hast du es geschafft. Du bist weitergekommen. Genau diese Punkte haben dir gefehlt. Jetzt bist du für die Landesmeisterschaft qualifiziert.“

„Ja! Ich bin auch echt happy.“ Elli wartet, ob Frida noch etwas sagt. Sie schaut ihre Trainerin erwartungsvoll an. „Frida?“, fängt sie vorsichtig an.

Ihre Trainerin schaut sie gespannt an.

„Wer waren denn die Männer da eben bei dir?“

„Was?“ Da verändert sich der Blick ihrer Trainerin. „Ach, das waren … das waren alte Bekannte.“

„Aha.“

„Ach, das ist jetzt unwichtig. Du hast es geschafft, Elena. Ich bin so stolz.“ Frida streichelt sie an der Schulter, doch Elli schaut skeptisch. „Elena, das war nichts. Wirklich … egal jetzt.“

„Frida …“ Aber weiter kommt Elli nicht, denn da kommen schon Kim und ihr Zwillingsbruder Leo angelaufen.

Kim fällt Elli um den Hals und drückt sie so fest, dass sie fast keine Luft mehr bekommt. „Hey, Hammer. Super, Elli, du bist ja total krass. Machst du einfach diesen Hocker, äh …“

„Oxer“, verbessert Elli und lacht Kim an.

„Respekt, Elli! Wir haben ja kurz gezittert, aber zum Glück ist die Stange liegen geblieben“, sagt Leo und grinst sie bewundernd an.

„Wir sehen uns später!“, flüstert Frida Elli zu und verschwindet in der Menge.

Die will gerade reagieren, aber da ist Frida schon weg. Sie blickt in die Richtung, in die Frida läuft, verliert sie aber aus den Augen. Ellis Eltern und die anderen Reiterinnen kommen herüber und beglückwünschen sie herzlich.

„Hey, meine Große, das war toll. Beim letzten Hindernis hab ich wirklich gezittert, aber du hast es souverän gemacht.“

„Danke, Mama, na ja, ein bisschen gewackelt hat es ja. Zum Glück ist die Stange nicht heruntergefallen. Das wäre so ärgerlich. Aber es gibt trotzdem Abzug. Frida weiß auch nicht genau, wie viel. Sie meint aber, ich hätte es geschafft. Sky war wirklich gut drauf und ganz lieb. Er war die meiste Zeit hoch konzentriert und ganz bei der Sache. Aber die blöde Kate ist jetzt doch besser als ich. Bei mir hat es zweimal gewackelt und bei ihr nur einmal, glaub ich.“

„Ach, das ist doch halb so wild. Sei doch dankbar, dass es bei dir so gut geklappt hat.“

„Ja, stimmt schon.“ Elli nickt ihrer Mutter zu. „Aber nur weil Kate die Tochter des Besitzers ist, hat sie ständig Vorteile und das ist unfair.“

„Konkurrenz belebt das Geschäft“, sagt Leo und hebt lehrerhaft den Zeigefinger.

Kim verdreht die Augen. „Bruder, sei einfach still.“

„Wir sehen uns gleich, oder? Bei der Preisverleihung?“

Elli nickt ihren Eltern zu, die gerade andere Bekannte begrüßen. Dann dreht sie sich zu ihren Freunden. „Ich muss euch etwas erzählen. Kommt mal mit!“ Elli bringt Sky in seine Box und geht wieder aus dem Stall zu ihren Freunden. Sie macht ein Zeichen, dass die beiden ihr folgen sollen.

„Kannst du denn jetzt hier weg?“, fragt Kim und zieht ihren Bruder hinter sich her.

„Ja, es ist noch ein bisschen Zeit bis zur Preisverleihung. Die ist erst in einer Stunde.“

„Was ist denn los?“, fragt Leo und streicht sich eine Locke aus dem Gesicht. Der Wind ist ein bisschen stärker geworden und die drei stellen sich unter ein kleines Dach neben der Reithalle.

„Ich hab etwas ganz Komisches beobachtet“, fängt Elli an zu erzählen. „Während des Turniers, also in meiner letzten Runde, hab ich Fridas Blickkontakt gesucht. Normalerweise steht sie immer am Rand und gibt mir noch Tipps oder ermutigt mich oder …“

„Ja, und?“ Kim schaut Elli ungeduldig an.

„Also, als ich in die letzte Runde geritten bin, hab ich kurz zu Frida geschaut und …“

Da kommt ihre Trainerin zu den dreien. „Elena, du musst in die Box zu Sky. Ihr seid gleich dran mit der Preisverleihung. Sie fangen mit den Jüngeren an und dann kommt deine Klasse. Das Wetter wird schlechter und sie ziehen die Verleihung vor. Du musst Sky noch einmal putzen und striegeln.“

„Oh, okay, ich komme gleich“, sagt Elli und dreht sich wieder zu ihren Freunden.

Frida steht jetzt knapp neben Elli und blickt sie ernst an. „Was ist? Los, in den Stall.“

Elli zuckt mit den Schultern und schaut ihre Freunde schuldbewusst an. „Sorry, ich erzähl es später“, sagt sie und will weggehen.

Da hält Kim sie fest. „Elli … was … was war denn jetzt?“

„Haltet die Augen auf … was Frida macht … beobachtet sie“, flüstert sie den beiden zu.

„Hä, was? Frida? Wieso?“ Leo schüttelt den Kopf.

„Keine Ahnung, aber wenn Elli das sagt … Komm, wir laufen mal ein bisschen herum und checken die Lage.“ Kim läuft los und Leo hinterher.

Elli ist ihren Freunden in diesem Moment sehr dankbar und eilt in den Stall zu Sky.

Kapitel 2

„Na komm, Bruderherz. Schauen wir uns mal ein bisschen um. Was sollen wir sonst bei den ganzen Sekttrinkern hier machen?“

Kim und Leo laufen von der Reithalle, wo noch ein paar Reiter mit ihren Pferden stehen, in Richtung der Ställe. Auf dem Platz vor der Halle ist ein Büfett aufgebaut, wo sich einige Besucher bedienen.

„Na ja, das Büfett ist gar nicht schlecht“, antwortet Leo, schaut sehnsüchtig auf die Speisen, nimmt sich und beißt in ein belegtes Brötchen.

„Sag mal, du bist auch die ganze Zeit am Essen. Das hindert das schnelle Denken. Komm, wir haben einen Auftrag!“ Kim läuft los.

„Ist ja gut.“ Leo schluckt schnell den Bissen herunter, an dem er sich fast verschluckt, und rennt mit dem halben Brötchen in der Hand seiner Schwester hinterher.

Sie laufen in Richtung der Ställe und sehen Elli mit ihrem Sky. Daneben Frida. Elli putzt und striegelt ihr Pferd fleißig. Da geht Frida aus dem Stall. Etwas abseits stehen zwei Männer, die Frida hinterherschauen und dann gestikulieren. Leo sieht die beiden und wundert sich. Elli ist vertieft in ihre Arbeit.

„Komm, wir gehen mal hinter Frida her“, schlägt Kim vor.

Leo schaut noch einmal in Richtung der Männer, doch die sind verschwunden.

Die Geschwister laufen ein Stück vor und bleiben hinter einem Auto stehen, als sie sehen, wie Frida zwischen zwei Anhänger geht. Sie schaut sich noch einmal um und ist dann verschwunden. Schnell hasten die Geschwister Richtung Anhänger und sehen, dass Frida telefoniert.

„Sie will anscheinend ungestört sein“, meint Leo. „Das muss ja noch nichts heißen.“

„Stimmt, aber irgendwie verhält sie sich komisch.“ Kim geht noch einen Schritt vor, aber nur so weit, dass sie hinter den Anhängern bleibt, und versucht etwas zu verstehen. „Dein Geschmatze ist so laut, dass ich nichts höre“, schnaubt sie ihrem Bruder böse zu.

Der schluckt schnell seinen Bissen herunter und schaut sie unschuldig an.

„Frida scheint zu flüstern. Ich verstehe kein Wort. Sie ist zu weit weg.“ Kim schlängelt sich wie eine Katze an dem Anhänger vorbei. Sie spitzt die Ohren, aber Frida redet zu leise. „Komm, wir versuchen es von der anderen Seite, vielleicht verstehen wir dann etwas.“

„Hey, ihr da! Was macht ihr hier?“ Eine Gestalt ist hinter ihnen aufgetaucht.

Kim und Leo zucken zusammen.

„Wir … wir wollten nur …“, stammelt Kim und überlegt angestrengt, was sie sagen könnte. Ihr fallen tausend Dinge ein, aber nichts Passendes.

„… die Pferde noch mal sehen“, beendet Leo ihren Satz und schaut den Mann mit seinem schönsten Lächeln an. Ein paar Krümel hängen ihm noch im Mundwinkel.

Der Mann zieht die Augenbrauen zusammen und sagt lautstark: „Das ist verboten. Ihr habt hier nichts zu suchen.“

„Tut uns leid. Das wussten wir nicht.“ Leo weicht dem Blick des Mannes aus.

„Kim? Leo? Was macht ihr denn hier?“ Frida kommt zwischen den Hängern heraus und schaut die beiden verwundert an.

„Wir … wir wollten noch mal kurz … zu Elli und Sky!“, sagt Kim schnell.

„Ah ja.“ Frida nickt und schaut wieder auf ihr Handy.

Der Mann räuspert sich hörbar und Frida schaut erschrocken auf. „Ähm, ihr dürft nicht hier sein. Los, ihr müsst hier weg. Elli kommt doch gleich raus.“

Eine kurze Pause entsteht und der Mann schaut die beiden immer noch kritisch an.

„Ach so, ich kenn die zwei, Kalle“, sagt Frida noch schnell.

Kalle nickt und brummelt irgendwas in seinen Bart. Dann geht er weg.

„Das war der Stallmeister. Elli hat schon oft von ihm erzählt und dass er sehr streng und unheimlich pingelig ist, wenn es um die Ordnung im Stall geht“, flüstert Kim ihrem Bruder zu. Sie trippelt von einem Bein auf das andere und schaut zu ihrem Bruder, der sie aber nur fragend anschaut.

Frida sieht vertieft in ihr Handy und tippt mittlerweile nervös herum.

„Alles okay, Frida?“

„Was?“, nuschelt sie. Dann blickt sie auf und sagt: „Ja. Ja, alles gut. Ähm, was macht ihr noch hier?“

„Das haben wir doch gerade gesagt“, wiederholt Leo und zieht die Augenbrauen hoch. „Wir wollten …“

„Ach ja, Elena ist im Stall. Sie kommt gleich.“

„Okay, danke. Ciao.“ Die Geschwister gehen langsam aus dem Stallbereich weg. Sie lassen Frida nicht aus den Augen.

„Okay, das war seltsam.“ Kim schaut Leo nachdenklich an.

„Aber hallo“, bestätigt er. „Die war ja völlig zerstreut. Ich glaub, Elli hat recht, dass da etwas nicht stimmt.“ Leo wischt sich die letzten Krümel vom Mund, während Kim Frida nachschaut.

Diese hat das Handy mittlerweile wieder am Ohr und telefoniert.

Sie gehen zurück in den Zuschauerbereich, wo es nach Essen und Getränken riecht. Leo schaut sich schon wieder nach dem Büfett um und macht einen langen Hals, bis Kim ihn kopfschüttelnd anschaut.

„Was? Das ist alles kostenlos. Das müssen wir ausnutzen“, sagt er und will nach einem Spieß mit Käse, Hackbällchen und Trauben greifen. Gleichzeitig versucht er, mit der anderen Hand ein Laugenstück zu ergattern, und verliert fast das Gleichgewicht.

Kim zeigt auf Ellis Eltern. „Da sind Vera und Alexander. Komm, wir stellen uns zu ihnen.“

Leo wirft einen letzten Blick auf das Büfett, als Kim ihn hinter sich herzieht. Dort warten sie auf Elli, bis die Preisverleihung losgeht.

Die Verleihung ist eine Riesenveranstaltung. Die Reiterinnen kommen mit ihren geschmückten Pferden einzeln in die Arena geritten. Sie drehen eine Runde und nehmen den Kranz oder den Pokal entgegen. Danach verbeugen sie sich in alle Richtungen und ein tosender Applaus verabschiedet sie. Kim hat Tränen in den Augen, als Elli an ihr vorbeireitet.

Elli muss Sky noch füttern und den Stall aufräumen. Bevor sie sich auf den Weg dorthin macht, kann sie sich nur kurz von ihren Freunden verabschieden, da sie von vielen Menschen umlagert ist. Die drei haben keine Zeit mehr, über die Beobachtungen zu reden, und Kim gibt nur ein Handzeichen, dass sie später ja noch mal telefonieren könnten. Elli nickt und verschwindet im Stall.

Als endlich der ganze Trubel fertig ist und alle nach Hause gehen, merkt Elli erst, wie müde sie ist. Nachdem sie Sky versorgt hat, fährt sie mit ihren Eltern nach Hause. Wie gut, dass heute Samstag ist und sie morgen noch einmal ausruhen kann, bevor die Schule wieder losgeht.

Sie liegt auf ihrem Bett und begutachtet den Pokal. Sie kann es immer noch nicht glauben, dass sie es endlich geschafft hat.

„Danke, Jesus!“, betet Elli leise und kommt aus dem Lächeln gar nicht mehr heraus. Ihre Kieferknochen tun schon weh und sie juchzt vor Freude. So lange hat sie trainiert und immer wieder mit Frida die Runde eingeübt. Endlich ist sie in der Landesmeisterschaft. Wenn sie doch nur fehlerfrei geritten wäre! Das ärgert sie sehr. Alles nur wegen … Frida! Sie schaut verträumt aus dem Fenster. Der Regen hat zwar aufgehört, aber dicke Wolken hängen noch zwischen den dunklen Tannen des Waldes. Wenn sie aus ihrem Fenster schaut, hat sie einen tollen Blick in den Schwarzwald, auch wenn sie nicht ganz auf der Höhe des Hügels der Stadt wohnen.

Heute Morgen noch war ein wunderschöner, farbenprächtiger Herbstwald zu sehen. Bevor man in den tiefen Schwarzwald fährt, erstrecken sich einige Wälder mit Laubbäumen, die im Herbst eine wunderbare Farbenpracht präsentieren. Der Schwarzwald bleibt dagegen finster und dunkel. Aber mit dem schönen Panorama der Berge im Hintergrund merkt Elli mal wieder, wie sehr sie die Gegend, die Natur und vor allem die Ausritte im Wald mit ihrem Sky liebt.

Da fällt ihr diese komische Situation mit Frida wieder ein. Sie hat sich ablenken lassen. Sie war unkonzentriert, weil sie zu ihrer Trainerin geschaut hat. Das sollte sie gar nicht machen. Hätte sie nicht hinübergeschaut … dann hätte sie aber auch nicht dieses Gespräch, oder was das war, gesehen. Sie muss das herausfinden. Irgendwas stimmt da nicht. Ob Kim und Leo noch etwas entdeckt haben? Sie hatten etwas angedeutet, aber Frida war die ganze Zeit in der Nähe und so konnten sie nicht in Ruhe reden.

Am Abend möchte Elli sich deshalb noch mal mit Kim und Leo treffen. Auch Carla sollte dabei sein. Ob sie Zeit hat, weiß Elli noch nicht, daher ruft sie schnell ihre Freundin an. „Hey Carla, alles klar?“

„Oh, hi Elli, ja, alles okay!“

„Weißt du was, ich hab mich qualifiziert. Ich hab's geschafft für die Meisterschaft.“

„Cool, super!“, antwortet Carla und eine kurze Pause entsteht. „Mein Wettkampf war auch cool. Danke der Nachfrage.“

„Oh, ja genau. Sorry! Du hattest ja auch … ein Turnier.“ Elli ist leicht verlegen. Manchmal hat sie das Gefühl, als gäbe es einen Konkurrenzkampf zwischen ihr und Carla, wer besser in seinem Sport ist. Aber das ist natürlich Quatsch.

„Wettkampf heißt das bei uns“, verbessert Carla und lacht. „Ja, es war der Hammer. Ich bin so schnell geschwommen, aber leider waren die anderen in der Staffel nicht so schnell wie ich und daher sind wir nur Zweiter in der Gesamtwertung geworden. Seit meinem letzten Durchbruch bei den Meisterschaften hab ich jetzt die Jury auf meiner Seite. Die sind so begeistert von mir und es ist richtig cool. Und bei dir?“

„Ja, bei mir war es auch richtig gut. Sky ist super gelaufen und hat sich gar nicht ablenken lassen von den vielen Leuten. Er war konzentriert und richtig lieb. Ein anderes Pferd hat sich wegen eines Vogels total erschreckt. Dann war es vorbei für die Reiterin. Am Ende war es noch mal spannend. Du weißt schon, mit dem Oxer und dem Wassergraben. Ich habe es geschafft, auch wenn die Stange ganz leicht gewackelt hat. Du, weswegen ich anrufe …“ Elli macht eine kurze Pause. „Heute war etwas Komisches mit Frida. Ich hab's Kim und Leo schon ein bisschen erzählt. Die waren beim Turnier. Leo hat wohl wieder das Büfett geplündert, hat Kim in der Pause erzählt. Manchmal denke ich, er kommt nur zu den Turnieren, weil es Essen und Getränke gratis gibt.“

Die Mädchen müssen lachen.

„Nee, natürlich nicht. Sag mal, hättest du später noch mal Zeit? Wir wollen uns am Spielplatz treffen. Es regnet ja nicht mehr.“

„Ja, ich denke schon. Muss meine Mum kurz fragen.“ Carla läuft runter zu ihrer Mutter und Elli hört eine andere Stimme. Dann sagt Carla: „Ja, passt, in einer halben Stunde?“

„Ja, supi, ich sag den anderen Bescheid.“ Elli legt auf und schreibt schnell eine Nachricht an die Zwillinge.

Als Elli am Treffpunkt ankommt, ist Carla schon da.

Auch Kim kommt gerade angefahren. „Leo muss noch etwas erledigen und kommt gleich nach“, sagt sie. „Also, Elli, erzähl, wir haben nämlich auch was gesehen.“

„Ja also … während des Turniers, als ich so meine letzte Runde geritten bin …“, beginnt Elli, aber da rollt Kim schon lächelnd die Augen.

„Das wissen wir … weiter, Elli.“

„Ja, da hab ich zu Frida geschaut und die hat voll heftig mit zwei Männern diskutiert. Das war voll komisch, weil eigentlich ist sie immer ganz bei mir und schaut mir zu und hilft mir, wenn ich reite. Das hat mich so irritiert, dass sie nicht aufgepasst hat.“

„Ja, okay. Aber bist du jetzt einfach sauer oder warum ist das jetzt so besonders, dass Frida mit zwei Männern geredet hat?“, fragt Carla und schaut Elli verwundert an.

„Nicht nur geredet, sie haben heftig gestritten. Das hat mich so irritiert, dass ich dann den Fehler beim Oxer gemacht habe.“

Carla schaut zu Kim und verdreht dann die Augen. „Hey, nur weil du mal wieder nicht die hundertprozentige Aufmerksamkeit von deiner Lieblingstrainerin bekommst, heißt das nicht, dass da irgendwas faul ist.“

„Also Elli, du kannst jetzt nicht Frida für deinen Fehler verantwortlich machen.“

„Das will ich doch gar nicht“, verteidigt sich Elli laut und merkt, wie ihr auf einmal warm wird. „Es war einfach so … Das macht Frida eben nicht.“

„Ja und? Dann hatte sie halt mal kurz ein Gespräch. Vielleicht ging es ja um was voll Wichtiges. Echt jetzt … Was ist dein Problem, Elli?“ Carla zieht ihr Smartphone raus und checkt eine Nachricht.

Kims Blick wandert zu Carla und sie zieht die Augenbrauen hoch. Sie macht den Mund auf, doch da kommt ihr Elli zuvor. „Ey, wenn dich mein Leben nicht interessiert, warum bist du dann hier?“

„Weil … ich dachte eben, es wäre was voll Wichtiges passiert. Du hast so geheimnisvoll geklungen. Aber es geht einfach mal wieder um dein Problem, immer im Mittelpunkt zu stehen. Weißt du was: Das nervt! Da hab ich keinen Bock mehr drauf.“ Carla steht auf.

„Jetzt warte doch mal. Ihr müsst euch doch nicht wegen so einem Mist streiten“, versucht Kim zu vermitteln. „Ich hab übrigens auch bei Frida …“ Aber ihr hört keiner mehr zu.

„Ach, immer denkt Elli, ihre Probleme sind sooo wichtig. Ich dachte, es wäre wirklich etwas passiert.“ Carla dreht sich noch einmal um. „Ich hatte heute auch einen anstrengenden Wettkampf, aber das interessiert hier ja niemand. Und ich mach hier nicht so ein Theater. Meine Trainerin ist eben immer streng und schaut nicht so ‚babysitter-like‘ zu. Ich bin nicht so ein Weichei wie Elli.“

„Ey, geht's noch?“, mischt sich Kim noch mal ein. „Ihr zwei beruhigt euch jetzt mal.“

„Geh doch, wenn du willst“, ruft Elli patzig und dreht Carla den Rücken zu wie ein eingeschnapptes Kleinkind.

„Okay! Dann war's das mit uns!“ Carla dreht sich weg und geht.

„Na toll!“ Kim springt auf und wendet sich Elli mit einem fragenden Blick zu. Dann rennt sie Carla hinterher. „Jetzt warte mal!“

„So ein blöder Streit“, murmelt Elli vor sich hin. Carla hat völlig überreagiert. Sonst ist sie doch auch nicht so schnell eingeschnappt. Und jetzt ist Kim auch noch auf ihrer Seite, oder was? Okay, wenn meine Freundinnen mich nicht mehr ernst nehmen, dann geh ich eben, denkt sie.

Elli schnappt sich ihr Fahrrad und fährt verstört los. Das war ja ein tolles Treffen. Und sie dachte, ihre Freundinnen helfen ihr, herauszufinden, was mit Frida los ist. Da ist nämlich definitiv was faul. Frida verhält sich nie so komisch. Sie mag sie wirklich sehr, und wenn sie in Schwierigkeiten ist, will Elli ihr helfen. Was kann sie nur tun?

Und warum ist Carla auf einmal so fies zu ihr? Sie hat doch ganz normal erzählt. Immer ist Carla neidisch auf Elli. Dabei hat sie das große Haus und die reichen Eltern. Warum ist sie heute nur so zickig? Nein, wenn sie recht überlegt, ist sie schon eine ganze Weile so komisch.

Was ist nur los mit Carla?

Kapitel 3