Endliches und ewiges Sein (Zusammengefasste Ausgabe) - Edith Stein - E-Book

Endliches und ewiges Sein (Zusammengefasste Ausgabe) E-Book

Edith Stein

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Beschreibung

Endliches und ewiges Sein ist Edith Steins Versuch, phänomenologische Beschreibung und thomistische Metaphysik zu vermitteln. Von Husserls Intentionalität ausgehend, prüft sie Wesen und Existenz, Person und Freiheit, führt Akt und Potenz, Form und Materie sowie die Analogie des Seins zusammen. Das Endliche erscheint als Teilnahme am göttlichen Vollsein. Stilistisch verbindet das Werk strenge Gliederung und terminologische Präzision mit erfahrungsnaher Analyse; es antwortet zugleich auf Heideggers Ontologie, indem es Metaphysik als legitime Wissenschaft des Seins rehabilitiert. Stein, 1891 in Breslau geboren, Schülerin Husserls und 1922 zum Katholizismus konvertiert, trat 1933 in den Karmel ein. Ihre Übersetzungen thomanischer Texte und die existenzielle Vertiefung des Glaubens schärften den Blick für Teilnahme, Schöpfung und Person. Unter den Zumutungen der Zeit entsteht das Buch als intellektuelle Summe und geistige Selbstvergewisserung. Empfehlenswert für Leserinnen und Leser, die die Nahtstelle von Phänomenologie, Metaphysik und Theologie suchen. Die anspruchsvolle, klar gegliederte Argumentation belohnt mit hermeneutischer Reichweite: von der Analyse endlicher Erfahrung bis zur Einsicht in das ewige Sein. Unverzichtbar für alle, die Husserl, Heidegger oder Thomas von Aquin im systematischen Gespräch lesen wollen. Quickie Classics fasst zeitlose Werke präzise zusammen, bewahrt die Stimme des Autors und hält die Prosa klar, schnell und gut lesbar – destilliert, niemals verwässert. Extras der erweiterten Ausgabe: Einführung · Zusammenfassung · Historischer Kontext · Kurze Analyse · 4 Reflexionsfragen · Redaktionelle Fußnoten.

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Veröffentlichungsjahr: 2026

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Edith Stein

Endliches und ewiges Sein (Zusammengefasste Ausgabe)

Bereicherte Ausgabe. Ontologie und Metaphysik mit Thomas von Aquin, Husserl und Heidegger; Katholische Kirche, Heilige, Frauenrechte, Holocaust
Einführung, Studien, Kommentare und Zusammenfassung von Lydia Adler
Bearbeitet und veröffentlicht von Quickie Classics, 2026
EAN 8596547888956
Quickie Classics fasst zeitlose Werke präzise zusammen, bewahrt die Stimme des Autors und hält die Prosa klar, schnell und gut lesbar – destilliert, niemals verwässert. Extras der erweiterten Ausgabe: Einführung · Zusammenfassung · Historischer Kontext · Kurze Analyse · 4 Reflexionsfragen · Redaktionelle Fußnoten.

Inhaltsverzeichnis

Einführung
Synopsis
Historischer Kontext
Endliches und ewiges Sein
Analyse
Reflexion
Notizen

Einführung

Inhaltsverzeichnis

Zwischen der Begrenztheit menschlicher Erfahrung und der Weite des göttlichen Seins spannt sich der Gedankengang dieses Buches. Edith Steins Endliches und ewiges Sein verfolgt die Frage nach dem Sinn von Sein mit einer Sorgfalt, die zugleich streng analytisch und geistlich wach ist. Der Text führt Leserinnen und Leser an die Grenze des Sagbaren, ohne die Klarheit philosophischer Begriffsarbeit preiszugeben. Er öffnet einen Raum, in dem das Denken seine eigenen Voraussetzungen prüft und zur Ordnung kommt, bevor es über sich hinausfragt. So entsteht ein Werk, das den Widerstreit von Endlichkeit und Transzendenz nicht glättet, sondern als Bewegungsform des Suchens annimmt und in methodischer Disziplin fruchtbar macht.

Es handelt sich um eine philosophische Hauptschrift, die im Grenzbereich von Metaphysik, Erkenntnistheorie und philosophischer Anthropologie arbeitet. Verfasst wurde sie Mitte der 1930er Jahre nach Steins Eintritt in den Karmel, in einer Phase geistiger Konzentration und erzwungener akademischer Stille; publiziert wurde sie erst posthum. Der Schauplatz ist kein geografischer, sondern der Denkraum zwischen phänomenologischer Beschreibung und scholastischer Metaphysik, in dem sich die Autorin mit besonderer Nähe zu Thomas von Aquin bewegt. Das Genre ist ein systematischer Traktat, der über weite Strecken lehrbuchartig entfaltet, zugleich aber biografisch existenzgesättigt bleibt und die Fragwürdigkeit des eigenen Standorts offenhält.

Ausgangspunkt ist die elementare Frage danach, was es heißt, dass etwas ist, und wie endliche Wirklichkeit zu einer Quelle schlechthiniger Geltung in Beziehung steht. Von hier aus entfaltet Stein schrittweise Begriffsnetze, definiert Arbeitsbegriffe und prüft sie an der Erfahrung. Die Stimme ist sachlich und ausgeruht, ohne akademische Kühle; der Ton bleibt prüfend, bisweilen meditativ, stets der Sache verpflichtet. Leserinnen und Leser begegnen einer dichten, klar gegliederten Prosa, die Geduld belohnt und Selbstdenken herausfordert. Das Leseerlebnis gleicht weniger einer linearen Erzählung als einer beharrlichen Annäherung, in der Einsichten aufscheinen, verweilen und in größere Zusammenhänge eingeordnet werden.

Zu den Leitmotiven gehören die Unterscheidung von Wesen und Existenz, die Struktur der Person und ihrer Akte, die Freiheit als Teilnahme am Sein sowie die Frage nach Wahrheit und Evidenz. Stein prüft, wie sich Bewusstsein auf Wirklichkeit richtet, und ob die Analogie des Seins den Übergang vom Endlichen zum Unendlichen denkbar macht. Sie kartiert Stufen der Wirklichkeit, ohne sie zu nivellieren, und hält am Eigenrecht empirischer Erfahrung ebenso fest wie an der Möglichkeit metaphysischer Einsicht. Dabei wird die Endlichkeit nicht als Mangeldeutung fixiert, sondern als Ort, an dem Sinn empfangen, geprüft und verantwortet werden kann.

Ihre Methode verbindet phänomenologische Strenge – genaue Beschreibung intentionaler Vollzüge, Evidenzansprüche, Wesenssichten – mit dem begrifflichen Instrumentarium der Scholastik. Aus der Analyse von Erfahrungsmomenten erwächst ein gestuftes Fragen, das sich in metaphysische Horizonte öffnet, ohne den empirischen Bezug zu kappen. Das berühmte Programm eines Aufstiegs zum Sinn des Seins wird so nicht als Sprung, sondern als geordnete Bewegung nachvollziehbar, die Gewicht auf Definition, Unterscheidung und argumentative Sorgfalt legt. Dadurch gewinnt der Text eine seltene Mischung aus Transparenz und Tiefe: Er macht seine Voraussetzungen sichtbar und lädt dazu ein, die Wege des Denkens mitzuvollziehen.

Für heutige Leserinnen und Leser bleibt das Buch relevant, weil es die Frage nach Sinn, Wahrheit und Personwürde jenseits schneller Gegenwartsdiagnosen stellt. In Zeiten beschleunigter Kommunikation, technischer Machbarkeit und normativer Fragmentierung zeigt Stein, wie Denken geduldig, prüfend und dialogfähig werden kann, ohne an Entschiedenheit zu verlieren. Ihre Verbindung von Erfahrung und Metaphysik eröffnet Gesprächsräume zwischen Philosophie, Theologie und Wissenschaft, die Polarisierungen vermeiden und Gemeinsamkeiten freilegen. Wer Orientierung sucht, findet keine Parolen, sondern Kriterien: begriffliche Genauigkeit, Maßstäbe gelebter Vernunft und den Mut, das Endliche anzunehmen, ohne den Anspruch des Ewigen preiszugeben.

Eine gedehnte Lektüre mit Notizen, Rückblenden und Querlesen wird dem Werk am ehesten gerecht, denn es baut aufeinander auf und klärt seine Termini fortlaufend. Wer sich auf diesen Rhythmus einlässt, entdeckt, wie aus präziser Begriffspflege ein Horizont erwächst, der dem Glauben Raum lässt, ohne die Vernunft zu übergehen. Endliches und ewiges Sein ist kein Gelegenheitsbuch, sondern ein geistiges Lebenswerk, das zugleich Einführung und Vertiefung bietet. Es lädt dazu ein, die eigene Fragestellung zu schärfen, intellektuelle Tugenden zu üben und inmitten wechselnder Antworten die entscheidende Frage nach dem Sein wachzuhalten heute.

Synopsis

Inhaltsverzeichnis

Edith Steins Endliches und ewiges Sein, ein in den 1930er‑Jahren verfasstes und postum veröffentlichtes Hauptwerk, unternimmt den systematischen Versuch, die Frage nach dem Sinn des Seins von der endlichen Erfahrung her bis zu ihrem letzten Grund zu klären. Ausgangspunkt ist die phänomenologische Besinnung auf Gegebenheit, Wesenserkenntnis und Intentionalität; Ziel ist eine tragfähige Metaphysik, die das Endliche im Horizont des Ewigen versteht. Stein verbindet Husserls Methodenstrenge mit thomasischer Begrifflichkeit, ohne beide einfach zu verschmelzen. Das Werk entfaltet in großen Bögen eine Abfolge von Analysen, die schrittweise vom Aufbau des Seienden zur Frage nach seinem Ursprung führen.

Zu Beginn legt Stein die erkenntnistheoretische Grundlage: Wie erschließen sich Wesen und Sein im Bewusstsein, und worin unterscheidet sich ideale Möglichkeit von realer Wirklichkeit? Sie bestimmt die Rolle der Wesensschau, grenzt sie von bloßer Abstraktion ab und prüft, wie intentionale Akte Gegenständlichkeit konstituieren, ohne den ontologischen Anspruch der Dinge aufzuheben. Zugleich präzisiert sie die Differenz von Sachgehalt und Existenzvollzug und fragt, ob und wie Erfahrung über das Gegebene hinaus auf Sein als solches verweisen kann. Diese Klärungen rahmen die spätere Ontologie, indem sie die Bedingungen einer nichtrelativistischen, an Evidenz gebundenen Metaphysik festhalten.

Darauf aufbauend integriert Stein zentrale Einsichten der klassischen Metaphysik. Mit den Unterscheidungen von Form und Materie sowie Akt und Potenz beschreibt sie Strukturen, in denen endliches Sein verwirklicht wird. Sie arbeitet die Analogie des Seins heraus, um Gleichheit und Verschiedenheit zwischen Seinsweisen begrifflich zu fassen, und differenziert reale, ideale und normative Gegenstandsbereiche. Die thomasische Lehre von Essenz und Existenz wird phänomenologisch neu gelesen: Wesen sind nicht bloß Denkmöglichkeiten, sondern verweisen, wo sie realisiert sind, auf ein vom Wesen unterscheidbares Existieren. So entsteht ein realistischer Rahmen, der sowohl Erfahrungsnähe als auch begriffliche Strenge beansprucht.

Ein Schwerpunkt gilt dem gestuften Aufbau endlicher Wesen, besonders der menschlichen Person. Stein entfaltet die Einheit von Leib, Seele und Geist, beschreibt Kräfte, Habitus und Freiheit, und bestimmt Individualität als Form der je eigenen Wesensausprägung. Frühere Arbeiten zur Einfühlung werden aufgenommen, um personale Innerlichkeit und Zwischenmenschlichkeit zu erläutern. Daran schließen Analysen sozialer Gebilde an: Gemeinschaften, Verbände, Staat und kirchliche Ordnung besitzen je eigene Gesetzmäßigkeiten, die Personen prägen, aber deren Würde nicht aufheben dürfen. Der Abschnitt erschließt die Spannungen zwischen Einzigkeit und Zugehörigkeit und bereitet damit den Übergang zu Fragen des Sinns und der Letztbegründung vor.

Aus der Kontingenz und Abhängigkeit endlicher Seiender entwickelt Stein die Metaphysik des Grundes. Endliches Sein erscheint als empfangen und begrenzt; sein Vollzug verweist auf eine Quelle, die nicht in derselben Weise bedingt ist. Philosophisch wird so ein Aufstieg zu einem unbedingten Ursprung skizziert, dessen Erkennen nur analog und in begrifflicher Annäherung möglich bleibt. Stein markiert die Reichweite natürlicher Vernunft und hält die Grenze zu spezifisch theologischen Einsichten fest. Wesentliches Ergebnis ist die Verschränkung von ontologischer Analogie, Kausalität und Sinn, die das Endliche durchsichtig macht auf ein Mehr an Wirklichkeit, ohne den Unterschied einzuebnen.

Im letzten Teil werden Anthropologie und Metaphysik in eine Dynamik von Natur und übernatürlicher Hinordnung gestellt, die personale Freiheit, Gewissen und Liebe thetisch vertieft. Philosophische Analyse bleibt dabei eigenständig, öffnet sich jedoch für den Dialog mit Theologie, der die Frage nach dem Ewigen präziser konturiert. Methodisch zeigt das Werk, wie phänomenologische Evidenzprüfung die Begriffe der Scholastik klären kann, und umgekehrt, wie scholastische Ontologie phänomenologische Beschreibungen ontologisch erdet. Dadurch entsteht ein integrativer Zugang, der sittliche Bildung, Gemeinschaftsleben und geschichtliche Verantwortung nicht nebenbei, sondern als Schauplätze der Wahrheit des Seins ausweist.

Die übergeordnete Aussage des Buches liegt in einer Erneuerung der Metaphysik aus der Erfahrung heraus: Endliches Sein erhält Sinn im Bezug auf ein ewiges Maß, ohne in diesem aufzugehen. Für Phänomenologie und christliche Philosophie bietet das Werk eine wegweisende Vermittlung, die Debatten über Person, Gemeinwesen und Wahrheit bis heute inspiriert. Seine nachhaltige Wirkung besteht weniger in einzelnen Thesen als in einer Haltung des Aufstiegs, die nüchtern argumentiert und zugleich für Transzendenz sensibel bleibt. So hinterlässt Endliches und ewiges Sein einen anspruchsvollen, aber fruchtbaren Denkweg, der zur geduldigen Klärung und zur verantwortlichen Gestaltung des Endlichen anleitet.

Historischer Kontext

Inhaltsverzeichnis

Endliches und ewiges Sein entstand Mitte der 1930er Jahre im Karmel Köln-Lindenthal, nachdem Edith Stein 1933 in den Orden eingetreten war. Zuvor war sie in den Universitätsstädten Breslau, Göttingen und Freiburg von der Phänomenologie Edmund Husserls geprägt sowie vom akademischen Milieu der preußischen Universitäten und der jungen Weimarer Republik. Katholische Bildungsinstitutionen wie das Dominikanerinnenkloster St. Magdalena in Speyer (wo sie 1923–1931 lehrte) und das Institut für wissenschaftliche Pädagogik in Münster (1932–1933) bildeten die unmittelbare Umgebung ihrer Lehr- und Übersetzungstätigkeit. Diese Orte und Institutionen rahmen die Entstehungssituation des Werkes in einem stark umkämpften intellektuellen Feld.

Steins philosophische Sozialisation vollzog sich in der Bewegung der Phänomenologie. Ab 1913 studierte sie in Göttingen bei Husserl, wechselte 1916 mit ihm nach Freiburg und promovierte dort mit einer Arbeit über Einfühlung. Im Umfeld wirkten Max Scheler, Adolf Reinach und die sogenannten Münchener und Göttinger Realisten, die die methodische Strenge der Wesensschau mit lebensweltlichen Anliegen verbanden. Die deutsche Universitätsphilosophie war zugleich von Neukantianismus und Debatten um Wissenschaftstheorie geprägt. Diese Konstellation prägte Stein nachhaltig und lieferte Begriffe, Methoden und Problemfelder, auf deren Hintergrund ihr späteres Großprojekt eines systematischen Seinsdenkens steht maßgeblich.

Parallel entstand im katholischen Raum eine thomistische Erneuerung, die seit der Enzyklika Aeterni Patris (1879) und den Leoninischen Editionen klassische Scholastik für die Moderne neu erschloss. In Deutschland wirkten Zeitschriften wie Hochland und Denker wie Erich Przywara SJ als Vermittler zwischen Scholastik und zeitgenössischer Philosophie. Stein übersetzte Thomas von Aquins Quaestiones disputatae De veritate ins Deutsche und vertiefte in den 1920er Jahren in Speyer die systematische Lektüre scholastischer Quellen. Der Versuch, phänomenologische Analysen mit thomistischen Begriffen von Person, Akt und Potenz ins Gespräch zu bringen, bildet einen wesentlichen fachgeschichtlichen Hintergrund des späteren Werkes.

Die Weimarer Republik bot einerseits neue Bildungswege, andererseits blieb die akademische Habilitation für Frauen und Jüdinnen praktisch versperrt. Stein scheiterte mehrfach an Habilitationsvorhaben, obwohl sie publizierte und lehrte. Gleichzeitig führten Nachkriegsumbruch, Massenpolitik und Debatten über Recht, Gemeinschaft und Person zu intensiven Auseinandersetzungen, an denen Philosophinnen und Pädagoginnen in katholischen Verbänden, Lehrerbildungsanstalten und Vortragskreisen teilhatten. Die liturgische und geistliche Erneuerung in katholischen Milieus schuf Nachfrage nach systematischer Philosophie, die mit Glaubenstraditionen vermittelbar war. Diese bildungs- und kirchenpolitischen Konstellationen strukturierten Steins Tätigkeitsfelder unmittelbar vor der Machtübernahme der Nationalsozialisten. Zeitgleich etablierte sich eine lebhafte Vortragskultur in katholischen Akademien und Frauenverbänden. Stein war in diesen Netzwerken präsent.

Mit der nationalsozialistischen Machtübernahme 1933 verschärften staatliche Eingriffe das akademische und publizistische Umfeld. Das Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums und nachfolgende Verordnungen schlossen Juden und Jüdinnen aus staatlichen Einrichtungen aus; Stein beendete 1933 ihre Tätigkeit in Münster und trat in den Kölner Karmel ein. Die Nürnberger Gesetze von 1935 verschärften Diskriminierung und Überwachung. Katholische Verlage und Klöster arbeiteten unter wachsamer Zensur und politischem Druck. In diese Lage fällt die Abfassung von Endliches und ewiges Sein, die auf vorhandenen Vorarbeiten aufbaute und in klösterlicher Abgeschiedenheit, aber unter den Bedingungen eines totalitären Staates vorangetrieben wurde.

Das Werk entstand überwiegend 1935–1936 im Karmel Köln; Stein knüpfte an ihr Manuskript Potenz und Akt (1931) an und arbeitete es grundlegend um. Als Quellen nutzte sie systematisch Thomas von Aquin, daneben Duns Scotus sowie phänomenologische und aristotelische Literatur; zugleich standen Husserls Analysen im Horizont. Der Untertitel Versuch eines Aufstiegs zum Sinn des Seins verweist auf den systematischen Anspruch. Eine Veröffentlichung zu Lebzeiten kam wegen der politischen Lage und ihrer klösterlichen Situation nicht zustande. Die erste Edition erschien postum 1950 in Löwen/Leuven, gestützt auf Manuskripte aus dem Nachlass, der im Karmel bewahrt wurde.

In denselben Jahren verdichteten sich Debatten über Sein und Metaphysik: Martin Heideggers Sein und Zeit (1927) hatte die Frage nach dem Sein in die philosophische Öffentlichkeit getragen; parallel entwickelten katholische Autoren wie Étienne Gilson und Jacques Maritain eigenständige thomistische Lesarten. Innerkirchlich markierte die Enzyklika Mit brennender Sorge (1937) eine offene Kritik am Nationalsozialismus. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler wurden emigriert, verfolgt oder zur inneren Emigration gezwungen; katholische Gelehrtentraditionen wichen zunehmend in Ordens- und Verlagsmilieus aus. Diese Lage prägt den Rezeptionshorizont, in dem ein systematisch angelegtes Werk zur Seinsfrage Aufmerksamkeit in konfessionellen und akademischen Kreisen finden konnte.

Endliches und ewiges Sein ist daher historisch als Dokument einer Verbindung zweier starker Strömungen der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu sehen: phänomenologischer Analyse und thomistischer Metaphysik. Verfasst im Karmel unter den Restriktionen des NS-Staates, postum 1950 veröffentlicht und von einer Autorin, die 1942 in Auschwitz ermordet wurde, kommentiert das Buch seine Epoche durch Form und Entstehungsweg: Rückzug ins Kloster, Arbeit am Begriff des Seins, Pflege der lateinischen Quellen, interdisziplinäre Schulung. Es steht für die Beharrlichkeit gelehrter Arbeit in bedrängter Zeit und für den Versuch, philosophische Modernität mit christlicher Tradition ins Gespräch zu bringen.

Endliches und ewiges Sein (Zusammengefasste Ausgabe)

Hauptinhaltsverzeichnis
I. Einleitung: Die Frage nach dem Sein
§ 1. Erste Einführung in die Akt- und Potenzlehre des heiligen Thomas von Aquino
§ 2. Die Frage nach dem Sein im Wandel der Zeiten
§ 3. Schwierigkeiten des sprachlichen Ausdruckes
§ 4. Sinn und Möglichkeit einer »Christlichen Philosophie«
II. Akt und Potenz als Seinsweisen
§ 1. Darstellung nach »De ente et essentia«
§ 2. Die Tatsache des eigenen Seins als Ausgangspunkt der sachlichen Untersuchung
§ 3. Das eigene Sein als aktuelles und potenzielles; Zeitlichkeit
§ 4. Erlebniseinheiten und ihre Seinsweise; Werden und Sein
§ 5. Aufbau und Seinsbedingungen der Erlebniseinheit
§ 6. Das »reine Ich« und seine Seinsweisen
§ 7. Das Sein des Ich und das ewige Sein
III. Wesenhaftes und wirkliches Sein
§ 1. Zeitlichkeit, Endlichkeit, Unendlichkeit, Ewigkeit
§ 2. Wesenheit (eidos) und wesenhaftes Sein
§ 3. Wesenheit, Begriff und Wesen
§ 4. Das Wesen und sein Gegenstand; Wesen, »volles Was und Wesenswas« Wesensveränderung und Wesenswandel
§ 5. Einzelwesen und allgemeines Wesen
§ 6. Wirkliches und wesenhaftes Sein
§ 7. Wesen und Wesenskern; Wesenheit und Washaftigkeit (μορφή)
§ 8. Akt und Potenz – wesenhaftes Sein
§ 9. Das wesenhafte und das wirkliche Sein der Dinge
§ 10. Die Universalien
§ 11. Abwehr von Mißdeutungen des »wesenhaften Seins«
§ 12. Wesenhaftes und ewiges Sein
IV. Wesen – essentia, οὐσία – Substanz, Form und Stoff
§ 1. »Wesen«, »Sein« und »Seiendes« nach »De ente et essentia«. Verschiedene Begriffe von »Sein« und »Gegenstand« (Sachverhalte, Privationen und Negationen, »Gegenstände« im engeren Sinn)
§ 2. Versuch einer Klärung des Begriffs οὐσία
§ 3. Form und Stoff
§ 4. Zusammenfassende Erörterung des Formbegriffs
§ 5. Abschluß der Untersuchungen über Form, Stoff und οὐσία
V. Seiendes als solches (die Transzendentalien)
§ 1. Rückblick und Ausblick
§ 2. Form und Inhalt
§ 3. »Etwas«, Kategorien und »Seiendes«
§ 4. Die Transzendentalien (Einleitender Überblick)
§ 5. Das Seiende als solches (ens, res)
§ 6. Das Seiende als »Eines« (unum)
§ 7. Das Seiende als Etwas (aliquid)
§ 8. Versuch einer formalen Fassung des Wahren, Guten und Schönen
§ 9. Die Begriffspaare »inhaltlich – formal«, »gedanklich – sachlich«
§ 10. Versuch einer tieferen Erfassung der Wahrheit (logische, ontologische, transzendentale Wahrheit)
§ 11. Wahrheit des Urteils
§ 12. Künstlerische Wahrheit
§ 13. Göttliche Wahrheit
§ 14. Transzendentale Wahrheit, göttliches und geschöpfliches Sein
§ 15. Göttliche und geschöpfliche Gutheit
§ 16. Verhältnis von Wahrheit und Gutheit
§ 17. Sein, Gut und Wert
§ 18. »Voller Sinn« des Guten und Wahren
§ 19. Schönheit als transzendentale Bestimmung
VI. Der Sinn des Seins
§ 1. Gemeinsamer Sinnbestand alles endlichen Seins und verschiedene Seinsweisen (wesenhaftes Sein, Existenz, wirkliches und gedankliches Sein)
§ 2. Die transzendentalen Bestimmungen und der »volle Sinn« des Seins
§ 3. Einheit des Seins und Vielheit des Seienden – Eigensein des einzelnen Seienden
§ 4. Das erste Sein und die »analogia entis«
VII. Das Abbild der Dreifaltigkeit in der Schöpfung
§ 1. Person und Hypostase
§ 2. Person und Geist
§ 3. Das menschliche Personsein
§ 4. Weitere Klärung des Geistbegriffs: Geist als Sein und Leben (Idee und Kraft)
§ 5. Die geschaffenen reinen Geister
§ 6. Sinn und Fülle, Form und Stoff. Gegensatz und Abbildverhältnis zwischen Schöpfer und Schöpfung
§ 7. Das Abbild der Dreifaltigkeit in den leblosen Körperdingen
§ 8. Das Abbild der Dreifaltigkeit in den unpersönlichen Lebewesen
§ 9. Das Gottesbild im Menschen
§ 10. Unterschied des Gottesbildes in den vernunftbegabten Geschöpfen (Engeln und Menschen) und in der übrigen Schöpfung
§ 11. Unterschied des Gottesbildes in Engeln und Menschen
VIII. Sinn und Begründung des Einzelseins
§ 1. Einzelding, Einzelheit und Einheit (Einzelsein und Einssein)
§ 2. Auseinandersetzung mit der thomistischen Lehre vom Grund des Einzelseins
§ 3. Erwägungen über den Sinn des menschlichen Einzelseins auf Grund seines Verhältnisses zum göttlichen Sein

I. Einleitung: Die Frage nach dem Sein

Inhaltsverzeichnis