Erziehung - Jan-Uwe Rogge - E-Book

Erziehung E-Book

Jan-Uwe Rogge

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Beschreibung

Der Erziehungs-Check Das Kinderzimmer versinkt im Chaos, die Kinder gehen nicht ins Bett, das Essen schmeckt nicht, die ewige Trödelei macht Vater und Mutter rasend, und der Familienkrieg mit dem Pubertierenden ist auch kein Vergnügen ... Was tun? Anhand von 111 Fragen zu alltäglichen kleineren und größeren Erziehungsthemen können Eltern checken, was idealerweise zu tun ist. Sie kommen so auf spielerische Weise dahinter, wie sie schwierige­ Situationen meistern können und was für den Familien­frieden und die Entwicklung ihrer Kinder das Beste ist. Jan-Uwe Rogge, Deutschlands bekanntester Erziehungsberater, verblüfft ­immer wieder mit seinen Vorschlägen, und seine Botschaft lautet vor allem auch: Man muss nicht immer alles richtig machen! Ein Buch, das wirklich weiterhilft und auch noch Spaß macht! «Das Buch ermutigt, Eltern dürfen lernen, Fehler gehören dazu.» (Family) «Ein amüsanter Zugang zu Eltern-Kind-Konflikten.» (Gehirn und Geist)

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Seitenzahl: 259

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Jan-Uwe Rogge

Erziehung – Die 111 häufigsten Fragen und Antworten

Inhaltsverzeichnis

«Ich habe da mal eine Frage ...»

Zwischen Aufräumen und Zickenalarm – 111 Fragen und Antworten

Aufräumen: Warum lieben Kinder Streuordnung? (1)

Mithilfe im Haushalt: Wie kann man Kinder motivieren? (2)

Ausnahmen: Muss man denn immer konsequent sein? (3)

Beißen und schlagen: Was kann ich tun, wenn mein dreijähriger Sohn dies macht? (4)

Der berüchtigte Klaps: Wie kann ich das verhindern? (5)

Wutausbrüche: Was mache ich nur, wenn meine Tochter ausrastet? (6)

Daumenlutschen: Wie bringe ich mein Kind davon ab? (7)

Verhalten bei Tisch: Wie verhindere ich dieses fürchterliche Essverhalten meiner Kinder? (8)

Zubettgehen: Wie kann ich den Stress dabei vermeiden? (9)

Die Auszeitmethode: Was hat es mit dieser Technik auf sich? (10)

Unterschiedliche Erziehungsstile: Können Kinder damit umgehen? (11)

Die kleinen Lügen: Wie verhalte ich mich? (12)

Aufstand auf dem Marktplatz: Wie reagiere ich, wenn mein Kind in der Öffentlichkeit ausrastet? (13)

Fernsehsucht: Was mache ich, wenn mein Kind ständig fernsehen will? (14)

Hausaufgaben: Wie kann man den Stress damit verhindern? (15)

«Gute» Worte: Warum erreicht man damit nichts? (16)

Der verdammte Computer: Wie bringe ich die Kinder zu einem vernünftigen Umgang damit? (17)

Trödelnde Kinder: Was mache ich mit meinem Sohn, der bummelt, aber in die Schule muss? (18)

Rituale: Verändern oder durchziehen? (19)

Geschwisterstreit: Wann soll ich eingreifen? (20)

Warum will mein Sohn partout seine Windeln anbehalten, wenn er doch schon sauber ist? (21)

Mobbing: Was kann man tun, wenn das eigene Kind betroffen ist? (22)

Strafe und Konsequenz: Was ist der Unterschied? (23)

Was mache ich, wenn mein vierjähriger Sohn jede Nacht zu uns ins Bett kommt? (24)

Ab wann halten Kinder endlich Ordnung in ihrem Zimmer? (25)

Was macht Kinder zu Außenseitern? (26)

Taschengeld: Was macht man, wenn es nicht reicht und die Kinder mehr fordern? (27)

Fäkalsprache: Wie geht man mit Schimpfworten um? (28)

Alkohol: Was mache ich, wenn mein Sohn betrunken nach Hause kommt? (29)

Sind Freunde eigentlich wichtiger als Eltern? (30)

Fernsehverbot: Kann ich damit drohen, weil dann alles funktioniert? (31)

Muss ich mir Sorgen machen, wenn mein Sohn mit Puppen spielt und nur mit Jungen zusammen ist? (32)

Ist ein trotzendes Kind auch ein ungehorsames Kind? (33)

Der verdammte Computer: Was mache ich, wenn mein Vierzehnjähriger nur noch vor dem Computer hockt? (34)

Was macht man, wenn ein Kind ständig Opfer sein will? (35)

Wie geht man damit um, wenn sich der Älteste ununterbrochen an seinen jüngeren Geschwistern reibt? (36)

Schamlos! Wie reagiere ich richtig, wenn mein kleiner Sohn stolz seinen Penis präsentiert? (37)

Wiedergutmachung: Kann man Heranwachsende heranziehen, um Schäden, die sie verursacht haben, zu beheben? (38)

Warum muss man Kindern alles tausendmal erklären? (39)

Ritzen: Wie gehe ich darauf ein, wenn mein Kind sich offensichtlich selbst verletzt? (40)

Warum sind gemeinsame Essensrituale so wichtig? (41)

Was macht man, wenn die Tochter wie eine Nutte daherkommt? (42)

Woher kommen die Stimmungsschwankungen in der Pubertät, und wie geht man damit um? (43)

Oma und Opa: Darf man Großeltern Grenzen setzen? (44)

Wie geht man damit um, wenn sich das jüngere Geschwisterkind ständig mit dem großen vergleicht? (45)

Immer ich: Warum muss ich denn schon wieder mithelfen? (46)

Wie vermeide ich den Markenfimmel meines Sohnes? (47)

Doktorspiele: Sind die normal? (48)

Was mache ich, wenn ich auf dem Handy meines Sohnes Gewaltbilder entdecke, die er gemacht hat? (49)

Burnout: Warum machen mich meine Kinder oft so fertig, dass ich nur noch heulen möchte? (50)

Warum liebt meine Tochter Pferde nur so abgöttisch? (51)

Einnässen: Ab wann ist das ein Problem? (52)

Einzelkinder: Haben die es schwerer? (53)

Loben und Ermutigen: Wie unterscheidet man das? (54)

Warum empfinden jüngere Kinder oft keine Scham? (55)

Achtjahresangst: Warum reagiert mein Sohn häufig so unsicher? (56)

Fehlende Disziplin: Wo soll das enden? (57)

Warum rutscht mir manchmal die Hand aus? (58)

Was macht man, wenn das Kind die Eltern beim Geschlechtsverkehr erwischt? (59)

Muss man Geschwisterkinder gleich behandeln? (60)

Alle anderen dürfen: Was mache ich, wenn mein Kind das ständig sagt? (61)

Wie stärke ich das Selbstbewusstsein meiner kleinen Tochter? (62)

Zoff zwischen Jungen und Mädchen: Warum müssen die so häufig miteinander streiten? (63)

Warum schlägt mein Dreijähriger einfach drauflos? (64)

«Fremdeln»: Warum hat meine kleine Tochter vor jeder neuen Situation Angst? (65)

Sich herausreden: Warum sagt mein Sohn die Unwahrheit, obgleich ich ihn durchschaut habe? (66)

Was muss man beachten, wenn man jüngeren Kindern Grenzen aufzeigen möchte? (67)

Selbstbefriedigung: Wie gehe ich damit um, wenn mein Vierjähriger sich ständig selbst befriedigt? (68)

Warum gerät man mit den Kindern so schnell aneinander, wenn man sie kritisiert? (69)

Wie kommt man an Kinder heran, die jedes Gespräch abblocken? (70)

Angstlust: Ist es nicht bedenklich, wenn Kinder sich so gerne gruseln? (71)

Warum bringen «Warum»-Fragen bei jüngeren Kindern nichts? (72)

Warum fährt mein Sohn so auf Pornos ab? (73)

Warum überschreitet mein Kind ununterbrochen Grenzen? (74)

Was habe ich nur falsch gemacht, wenn mein Kind wieder in die Hose macht? (75)

Wie bringt man Kindern bei, dass sie einem mal zuhören? (76)

Schulverweigerung: Wie reagiert man, wenn Kinder die Schule schwänzen? (77)

Warum lernt meine dreijährige Tochter nicht aus schmerzhaften Erfahrungen? (78)

Lügengeschichten: Was bedeutet es, wenn mein Kind die ständig erzählt? (79)

Warum behandelt uns unsere pubertierende Tochter wie den letzten Dreck? (80)

Wie holt man Kinder aus ihrem Spiel, ohne dass sie gleich ausflippen? (81)

Darf man sich vor Kindern streiten? (82)

Ob es Opa im Himmel gut geht, fragt mein Sohn. Wie gehe ich mit einer solchen Frage um? (83)

Können Kinder den Tod des Vaters verarbeiten? Wie kann ich sie unterstützen? (84)

Was findet meine Tochter nur an diesen Popstars? (85)

Urlaubsstress: Wie kann ich verhindern, dass sich der aufbaut? (86)

Wie setzt man seinem Mann Grenzen, wenn er sich plötzlich in die Kindererziehung einmischt? (87)

Zähneputzen: Wie vermeidet man die leidigen Auseinandersetzungen dabei? (88)

Wie kann ich verhindern, dass mein Kind alles auseinandernimmt und erforschen will? (89)

Gespenster: Wie kann ich meiner Tochter nur die Angst davor nehmen? (90)

Mitleid und Mitgefühl: Wie vermeide ich es, Kinder in Krisensituationen zu bemitleiden, statt ihnen Mitgefühl zu geben? (91)

Der liebe Gott: Was sage ich, wenn mein Kind nach Gott fragt? (92)

Mütter und Job: Muss ich als berufstätige Mutter ein schlechtes Gewissen haben? (93)

Väter und Beruf: Wie bringt man als Vater Beruf und Kindererziehung unter einen Hut? (94)

Wo war ich, als ich noch nicht bei euch war? (95)

Wer bin ich, Pausenclown, Freizeitanimateur oder was noch? (96)

Urlaub ohne Kinder: Geht das? (97)

Grenzenlose Erziehung: Wie geht man auf Kinder ein, die keine Grenzen erfahren? (98)

Wie sollten Großeltern handeln, ohne sich in die Erziehung einzumischen? (99)

Rollenspiele: Warum sind sie für Kinder so wichtig? (100)

Frühreif: Kann meine Tochter schon in der Pubertät sein? (101)

Klauen: Was mache ich, wenn mein Kind auf frischer Tat ertappt wurde? (102)

Unsichtbare Freunde: Was mache ich, wenn mein Sohn ständig mit ihnen redet? (103)

Angeberei: Warum braucht mein Kind das ständig? (104)

Petzen! Wie gehe ich damit um? (105)

Trotzanfälle: Woher kommen sie, und was können Eltern tun? (106)

Nächtliches Aufwachen: Muss ich zu meinem Kind gehen? (107)

Warum macht mein Sohn aus allem eine Waffe? (108)

Was tue ich, wenn meine Tochter bei ihrem Freund übernachten will? (109)

Pünktliches Nachhausekommen: Ist es richtig, wenn ich darauf bestehe? (110)

Zickenalarm: Was mache ich, wenn es zwischen meiner Tochter und ihren Freundinnen ständig funkt? (111)

Zwischen Partnerschaft und Autorität – Nachgedanken

Bücher von Jan-Uwe Rogge (Auswahl)

«Ich habe da mal eine Frage…»

Der Erziehungstest – man muss ihn nicht bestehen, um Kinder ins Leben zu begleiten. Der Erziehungstest dient nicht der Vorbereitung auf den immer wieder geforderten Eltern-Führerschein. Der Test ist viel pragmatischer gedacht: Er soll Eltern weder überprüfen noch vorbereiten, er soll Spaß machen, vielleicht auch zum Nachdenken anregen, um eigene Handlungsmuster zu überprüfen. Der Erziehungstest will nicht aufzeigen, was Väter und Mütter nicht wissen, sondern verdeutlichen, dass Eltern vieles wissen und können.

Er will Eltern darin bestärken, sich ihrer Erziehungsverantwortung bewusst zu werden. Die meisten Eltern machen – so beobachte ich das – einen guten «Erziehungsjob», können zufrieden mit ihren erzieherischen Bemühungen sein. Doch anstatt liebevoll mit sich umzugehen, holen sie allzu häufig die Peitsche heraus, um sich selber zu bemitleiden – nach dem Motto: «Womit habe ich das nur verdient!» Oder: «Ich will mir später nichts nachsagen lassen!»

Kinder finden Eltern jedoch nur komisch, die ihre Erziehung ständig perfektionieren wollen. Sie mögen lebendige Eltern, die Fehler machen, die sich zu ihrer Unvollkommenheit bekennen – nicht aus einer falsch verstandenen Resignation heraus – mit der Überschrift: «Ich kann sowieso nichts ändern!» Sie finden Eltern manchmal merkwürdig, die Erziehungsratgeber lesen und danach handeln.

Felix, acht Jahre, hat seine Mutter auf eine wunderbar-hinterlistige Weise durchschaut, als er fast altklug feststellte: «Meine Mama redet und redet, aber ich mache mein Ding. Und ich warte ab!» Er schmunzelt: «Dann dreht sie irgendwann komplett durch, schreit.» Er grinst: «Wenn sie dann so vor mir steht, dann weiß ich, sie ist meine Mutter und völlig normal.»

Sind Kinder nicht wunderbar – nicht in jedem Augenblick natürlich! Und Gott sei Dank gibt es ja die Phase, in denen sie – hoffentlich – schlafen, im Kindergarten oder in der Schule sind.

Kinder mögen ihre Eltern – natürlich auch nicht in jedem Moment. Manchmal sind sie nicht zum Aushalten, wenn sie mal wieder die «Bestimmer» sind und recht haben wollen. Aber noch unerträglicher sind Eltern, die anstreben, alles richtig zu machen, in jeder Situation reflektiert und kompetent zugleich sein wollen. Und sie dabei Yoga mit Erziehung verwechseln, wie pädagogische Gurus durch den Erziehungsalltag schweben – um dann von ihren Kindern auf unnachahmliche Weise geerdet zu werden.

Aber man muss Mütter und Väter auch verstehen: Viele wollen es anders machen als ihre Eltern oder, mehr noch, nicht nur anders machen, vielmehr: alles besser machen. Bloß nicht wie die eigenen Eltern werden! Ein schier unerträglicher Gedanke! Da ist es dann schon besser, sich selber den pädagogischen Oscar zu verleihen, weil ohnehin keiner die Mühen und Bemühungen sieht, die man jeden Tag aufopfernd, das Kreuz der Erziehung tragend auf sich nimmt.

Eine typische Situation, ein ganz normaler Augenblick: Ich stehe in einem Vortrag vor Eltern, schaue in ernste Gesichter, die gezeichnet sind von einem langen, stressigen Erziehungsalltag, Eltern, die auf den Tipp von mir warten, um die Kinder endlich fehlerfrei zu erziehen. Dann braucht es unbedingt eine Aufmunterung, einen kleinen Witz, der sich nicht über Eltern erhebt, der sie vielmehr ernst nimmt, sie aber zum Lachen bringt. Schnell erlebe ich dann, wie Väter und Mütter schmunzeln können – über sich, über die Kinder, über ihre Fehler. Und häufig denke ich dann: Könnten Kinder ihre Eltern doch mal so gelassen, so gelöst, so aufgehoben erleben – und nicht wie erzieherische «Monster», die manchmal daherkommen, als hätten sie alles im Griff – nur nicht sich, und schon gar nicht die Kinder, als sähen sie schon jetzt die morgendlichen Trödeleien oder den Stress mit den Hausaufgaben vor sich. Eltern können lachen, können so gelöst wirken. Und nach dem Vortrag kommen sie dann, bedanken sich, sind irgendwie verlegen, wissen nicht, wie sie beginnen sollen, geben sich schließlich einen Ruck: Das wäre ein «klasse Vortrag», schöner Abend gewesen, sie hätten sich im Spiegel, den ich ihnen vorgehalten habe, schnell erkannt. Das wäre erleichternd gewesen, entlastend, aber – und manchmal schauen mich Mütter wie Väter irgendwie unsicher an – sie hätten «da noch eine kurze Frage». Kurze Fragen, so meine Erwiderung, erfordern meist längere Antworten.

Ich habe im Laufe meiner Vortrags- und Seminararbeit viele «kurze Fragen» bekommen, einige habe ich in diesem Buch aufgenommen und sie mehr oder minder «kurz» beantwortet.

Natürlich wollen Eltern Tipps, praktikable natürlich, besser: Sie möchten Rezepte! Aber die gibt es nicht. Man kann Kinder nicht nach einem Rezept erziehen. Jedes Kind ist anders, jede Mutter, jeder Vater auch. Erziehung braucht die ganz persönliche Besonderheit. Wenn man eine Suppe nach einem Buch kocht, gelingt sie, doch erst wenn die individuellen Zutaten hinzukommen, dann schmeckt sie, hat sie das ganz eigene Flair, ist sie eine besondere Suppe. Und so ist es denn auch in der Erziehung. Eltern sind verschieden, Kinder kann man schon gar nicht vergleichen. Zudem hat Erziehung eine sehr besondere Gemenge-Lage: Was an einem Tag gelingt, führt am anderen in die Katastrophe. Und wenn man manchmal denkt, man habe es geschafft, komme endlich in ruhige Gewässer, da wäre nun endlich Licht am Ende des Tunnels, dann schaue man genauer hin, ist das Licht doch meistens der entgegenkommende Zug. «Genau», so erklärte mir jüngst eine Mutter, «wenn du meinst, du hast es geschafft, dann steht das nächste Problem vor der Tür, und du denkst, hat das denn alles nie ein Ende!»

Erziehung ist die Begleitung der Kinder ins Leben. Und das ist kein gerader, kein aufstrebender Pfad, gar ein unangestrengter Spaziergang. Wer Kinder ins Leben begleitet, der durchlebt viele, häufig widerstrebende Gefühle – eine Mischung von glücklichen, aber eben auch traurigen Momenten, von Phasen, die einen bestätigen, und Augenblicken, die von Frustrationen gekennzeichnet sind.

Der Weg ist das Ziel – dieser Satz hört sich so philosophisch, so getragen, so leicht an. Aber wenn man sich auf den Weg macht, dann gibt es Anstiege und Abfahrten, Sackgassen und Umwege, dann erinnert man sich mehr an die Mühen der Ebene als an die Glücksmomente, etwas geschafft zu haben.

Und daran wollen die vorgestellten Situationen und Fragen dieses Buches anknüpfen: Nicht im Sinne einer Handlungsanweisung – nach dem Motto: «So macht man das richtig!» oder: «So gelingt gute Erziehung!» Es werden alltägliche Situationen und Entwicklungsetappen von Kindern vorgestellt, über die man nachdenken soll. Die Fragen und Antworten möchten zur Besinnung einladen, möchten vor allem zeigen, was Eltern für Kompetenzen haben – natürlich nicht in jedem Augenblick, aber im Prinzip.

Denken Sie daran! Kinder mögen Eltern, die Fehler machen – und die die Souveränität besitzen, sich dafür zu entschuldigen. Fehler werden nur dann problematisch und unverzeihlich, wenn man sie immer und immer wieder macht. Erziehung stellt nicht allein die Anwendung von Techniken dar, bedeutet gar die Umsetzung von Tipps, Erziehung hat mit Haltung zu tun – eine Haltung dem Kind und eine Haltung sich selbst gegenüber.

Nur auf der Grundlage einer Haltung kann man Erziehungstechniken anwenden. Techniken ohne eine gewachsene und gelungene Eltern-Kind-Beziehung sind blutleer und seelenlos und wirken deshalb nicht.

Und so habe ich in meinen Antworten versucht, diese doppelte Perspektive umzusetzen. Eltern zu stärken bedeutet die Herausbildung eines Fundamentes, auf dem man alltagspraktische Tipps anwenden kann. In den Antworten findet man nicht immer konkrete Tipps, aber Stoff zum Nachdenken, Überdenken und vielleicht zum Umdenken.

Und bedenken Sie: Falls Sie die Fragen anders beantworten, als ich es vorgeschlagen habe, so spricht das nicht gegen Ihre erzieherischen Fähigkeiten. Ein letzter ermutigender Gedanke: Erziehung ist nicht wirklich bis ins letzte oder vorletzte Detail plan- oder umsetzbar. Erziehungsbemühungen sind durchaus wirkungsunsicher. Das bedeutet nun nicht, sich immer und immer wieder aufs Neue zu bemühen. Denn Kinder mögen Eltern, die nicht verzweifeln, sondern an denen sie erfahren, dass sich Väter und Mütter als Lernende begreifen, die sich auf den Weg gemacht und sich dabei von den Kindern Entscheidendes abgeschaut haben: ihre ständigen, ununterbrochenen Bemühungen. Denn Kinder machen vieles immer und immer wieder – so lange jedenfalls, bis sie einen Weg gefunden haben.

Noch zwei zusätzliche Vor-Bemerkungen: Meine Antworten auf die Situationen und Fragen habe ich bewusst sehr knapp gehalten. Wer Näheres zu den angesprochenen Themen wissen möchte, der sei auf meine hinten angeführte Literatur verwiesen.

Ich habe alltägliche Situationen vorgestellt und drei Handlungsmöglichkeiten bzw. Intentionen zur Auswahl gestellt – manche sind bewusst provokativ formuliert. Natürlich favorisiere ich eine Reaktion (manchmal auch zwei), was nicht heißt, dass andere nicht möglich sind. Wer zu anderen Lösungen (auch als die hier vorgeschlagenen) kommt, fällt natürlich nicht durch den Test.

Eines ist sowieso klar: Im alltäglichen Leben geht es nicht um einen Test. Da muss man spontan, häufig aus dem Bauch heraus entscheiden, da bleibt meist keine Zeit zum Nachdenken, da sind dem Fehler Tür und Tor geöffnet. Aber man glaubt es kaum: Kinder und Jugendliche mögen Eltern, die Fehler machen, dies umso mehr, je mehr die Heranwachsenden sich von Vater und Mutter in ihrer Unvollkommenheit angenommen wissen und fühlen. Also: Auf in den Test! Viel Spaß! Und: Vielleicht machen Sie ihn gemeinsam auch einmal mit Ihren Kindern!

Zwischen Aufräumen und Zickenalarm – 111Fragen und Antworten

Aufräumen: Warum lieben Kinder Streuordnung? (1)

«Neulich sagt doch mein Peter zu mir», erzählt Vera Bauer, «als ich ihn auffordere, Ordnung zu schaffen, er habe keine Lust dazu.» Da sei sie wütend geworden: «‹Meinst du, ich habe Lust dazu?›, habe ich ihn angeschrien. Sie glauben es nicht, was der mir antwortet, ganz cool, ganz lässig: Dann solle ich’s doch auch bleiben lassen.»

Wie verhalten Sie sich?

Sie sagen ganz ruhig «Dann räumst du eben ohne Lust auf!» und ergänzen: «In den ersten fünf Minuten helfe ich dir!»

Ihnen ist das ganze Thema mit dem Aufräumen zuwider. Sollen die Kinder doch in ihrem Zimmer machen, was sie wollen. Nur in der übrigen Wohnung, da will ich meine Ordnung haben!

Einmal in der Woche kündigen Sie den Kindern an, in deren Zimmer zu saugen und etwas Ordnung zu schaffen. Alles, was dann am Boden liegt, wird weggesaugt. Sie wissen, dass diese Methode pädagogisch nicht wertvoll ist, aber einen Versuch ist sie allemal wert. Denn schlimmer kann es ohnehin nicht kommen!

Ich favorisiere Antwort A, aber C kann es auch mal sein

Gerade bei jüngeren Kindern zwischen zwei und sechs Jahren muss man unterscheiden, ob ein Kind nicht aufräumen will oder es nicht kann. Jüngere Kinder favorisieren eine Streuordnung, die natürlich im Gegensatz zur gewünschten «Häufchenordnung» der Eltern steht. Streuordnung meint: Kinder finden in den am Boden oder in den Regalen zerstreuten Objekten eher das wieder, was sie brauchen. Und sie haben dabei ihre ganz eigene Ordnung.

Kinder lieben eine Grobordnung, die es ihnen erlaubt, sich zurechtzufinden. Aber zugleich verlieren sie dann den Überblick, wenn zu viel herumliegt. Sie versinken im Chaos, haben keine Lust, Ordnung zu schaffen. Deshalb kann es im Kindergartenalter sinnvoll sein, Kinder beim Aufräumen zu unterstützen:

Manche Zimmer quellen über. Da liegen Wintersachen neben der Kleidung, die man nur im Sommer trägt. Da findet sich Spielzeug, mit dem das Kind schon Monate, gar manchmal Jahre nicht gespielt hat. Das Zimmer zu entrümpeln – in Absprache mit dem Kind – kann zu neuer Übersicht führen. Und mancher Vater, manche Mutter hat schon mal in einer Einzelaktion Spielzeug entfernt, ohne dass das Kind dies überhaupt bemerkt hat.

Man kann mit Kindern auch Aufräum-Rituale absprechen: Man vereinbart einen Termin, hilft dem Kind – je nach Alter und Entwicklungsstand – eine Zeit lang und lässt es dann eigenständig weiterarbeiten. Kinder lassen sich auf solche Vereinbarungen dann ein, wenn sie spüren, die Eltern respektieren ihre Ordnungsvorstellungen und wollen ihnen nicht ihre aufdrücken.

Mithilfe im Haushalt: Wie kann man Kinder motivieren? (2)

Es wäre «zum Haareraufen», ereifert sich Hanna, die Mutter des fünfjährigen Patrick: «Wenn ich ihn um eine Aufgabe bitte, also z.B. den Mülleimer zu leeren, dann meint er, er mache das gleich. Aber nichts passiert. Ich muss ihn dann mindestens zehn Mal inständig bitten, dann tut er es vielleicht!» Das Problem kenne sie auch, fährt Rebecca, die Mutter des achtjährigen Tom, fort, «du sagst etwas tausend Mal, und nichts geschieht, rein gar nichts, also beispielsweise die Geschirrspülmaschine ausräumen». Sie schüttelt heftig ihren Kopf: «Und wer räumt am Ende die Sachen aus?», fragt sie rhetorisch: «Ich natürlich! Weil ich so blöde bin!» Dann zuckt sie resigniert mit ihren Schultern: «Oder einfach die schwächeren Nerven habe, was weiß ich?»

Wie verhalten Sie sich?

Da man die Diskussionen satthat, macht man die Aufgaben als Mutter (oder als Vater) lieber gleich selbst und erspart sich lästige Auseinandersetzungen.

Sie sagen Ihren Kindern: «Bevor du das nicht machst, zum Beispiel aufzuräumen, dann darfst du auch kein Fernsehen!», weil Sie wissen, solche kleinen Nötigungen helfen, den Kindern Beine zu machen.

Sie sprechen mit Ihren Kindern Aufgaben durch, die von ihnen eigenständig in einem gewissen Zeitraum zu machen sind. Es gibt Pläne, in denen die Mithilfe schriftlich fixiert ist.

Ich plädiere für Antwort C

Kinder wollen sich nicht nur bedienen lassen, sie möchten die Zugehörigkeit zur Familie durch Mittun im häuslichen Alltag beweisen. Und das fängt früh an. Schon zwei- oder dreijährige Kinder möchten mithelfen, den Tisch zu decken, beim Kochen ihren kleinen, aber wichtigen Beitrag zu leisten. Wenn die Kinder älter werden, so müssen sie durch klare Absprachen einbezogen werden. Das kann vom vierten oder fünften Lebensjahr an geschehen. Wobei die übertragenen Aufgaben natürlich altersspezifisch zu gestalten sind. Wenn Kinder nur hin und wieder aufgefordert werden – nach dem Motto: «Kannst du jetzt nicht mal, du siehst doch, wie viel ich zu tun habe!»–, bauen Sie weder ein Verantwortungs- noch ein Zeitgefühl auf, dann schieben sie beides von sich weg. Deshalb sollte man einige Grundsätze beherzigen:

Für Kinder ist eine regelmäßige Beteiligung wichtig. Deshalb machen Sie einen Plan, in dem die Aufgaben für ein Kind aufgelistet sind. Legen Sie fest, bis wann diese Aufgaben erledigt sein müssen!

Bedenken Sie: Wenn Kinder Aufgaben nicht erfüllen, kann es auch damit zusammenhängen, dass die Aufgaben nicht mehr entwicklungs- und altersangemessen sind. Pläne müssen dann gemeinsam mit dem Kind regelmäßig überprüft werden.

Erinnern Sie ein Kind morgens oder mittags an die Aufgaben, die es zu erledigen hat. Je jünger ein Kind ist, umso häufiger und zeitnäher muss die Erinnerung sein.

Erinnern Sie die Kinder in einem freundlichen, aber auch bestimmten Ton. Und ermutigen Sie das Kind, wie toll Sie es finden, dass es die Aufgaben durchgeführt hat. Aber sprechen Sie zugleich auch unerledigte Aufgaben an, ohne gleich mit Konsequenzen zu kommen.

Ausnahmen: Muss man denn immer konsequent sein? (3)

Besuch hat sich angesagt. In der Küche herrscht Hektik. Der Mann hat versprochen, bei der Vorbereitung des Essens mitzuhelfen. Wer sich verspätet, ist er! Typisch! Die Kinder quengeln, wuseln herum, nerven. Da kommt Julia, sieben Jahre, und fragt: «Mama, darf ich mit Robert noch eine Sendung sehen?» Mit großen Augen sieht sie ihre Mutter an: «Mama! Bitte!» Und dabei haben die Kinder schon ihre beiden Sendungen, die abgesprochen waren, gesehen.

Wie verhalten Sie sich?

Sie bleiben konsequent, erinnern an die Absprachen, bitten Ihre Kinder, die Küche sofort zu verlassen. Riskieren eine weitere Auseinandersetzung. Aber Nachgiebigkeit, so meinen Sie, schwächt Ihre Autorität.

Pädagogische Korrektheit hilft jetzt nicht, egal, was die Experten schreiben. Sie geben mit «Meinetwegen!» nach, um in Ruhe arbeiten zu können.

Konsequenz hin, Konsequenz her. Manchmal kommt es doch anders, als man denkt. Sie sagen: «Ihr dürft heute noch eine Sendung sehen, dafür gibt es morgen eine weniger!»

Antwort C hat eine gewisse Gelassenheit, an einem schlechten Tag läuft es wohl auf B heraus

Für ein kompromissloses Bestehen auf Absprachen bekommt man vielleicht einen Preis, für eine Ausnahme von getroffenen Vereinbarungen aber das Verständnis des Kindes: Eltern sind keine Maschinen, keine Rechthaber, sie sind Persönlichkeiten, die sich dadurch auszeichnen, dass sie sich auf unterschiedliche Situationen einstellen können. Eine pädagogisch vielleicht nicht korrekte, aber praktische Strategie könnte deshalb sein: «Heute gibt es eine Sendung mehr für euch! Und morgen habe ich Zeit für euch, und da gibt es keine Sendung!» Die Kinder jubeln, und man hat sein schlechtes Gewissen zumindest etwas unterdrückt, das Essen wird fertig, und man kann sich als perfekter Gastgeber zeigen. Vernünftige Ausnahmen, im Vorhinein bestimmt und gemeinsam vereinbart, schwächen nicht die elterliche Autorität. Eltern werden vielmehr in ihrer Persönlichkeit bestärkt, weil sie souverän und eigenständig genug über erzieherische Positionen nachdenken. Inkonsequent handelt nur der, der Ausnahmen mal zulässt, dann wieder nicht, der mit Zuckerbrot hantiert («Na gut, weil du heute so brav warst, darfst du heute länger aufbleiben!») und am nächsten Tag die verbale Peitsche herausholt («Heute gibt es kein Computerspiel, weil du mir widersprochen hast!»). Regeln sind nicht unverrückbar, gar unveränderbar. Sie sind nicht unumstößlich. Es ist für alle Beteiligten sinnvoller, Ausnahmen zu gestalten und umzusetzen, vor allem dann, wenn man weiß, dass die getroffenen Absprachen ohnehin nicht eingehalten werden können. Vernünftige Ausnahmen bestärken die Autorität!

Beißen und schlagen: Was kann ich tun, wenn mein dreijähriger Sohn dies macht? (4)

Paul ist mit seinen zwei Jahren schon Spielplatz-bekannt. Wenn Pauls Mutter mit ihm an der Sandkiste auftaucht, dann bemerkt sie schon an den erschreckten Gesichtern der anderen Mütter: «Hilfe, jetzt kommt Paul.» Und Paul ist als «Beißmonster», so hat ihn eine Mutter einmal tituliert, bekannt. Viele Kinder mögen ihn, nur nicht die Mütter dieser Kinder. Und tatsächlich: Paul scheint in den Gesichtern der Mütter zu lesen, was von ihm erwartet wird. Und da Paul sich nichts zweimal sagen lässt, tut er das, was von ihm erwartet wird: Er beißt! Pauls Mutter ist ratlos ob des Verhaltens ihres Sohnes.

Wie verhalten Sie sich?

Sie gehen nicht mehr mit Ihrem Sohn auf den Spielplatz, weil Sie es als peinlich empfinden, diesen «Beißer» als Sohn zu haben.

Sie ermahnen Ihren Sohn im Vorhinein, nicht zu beißen, zu schubsen oder zu kratzen. Sollte er es trotzdem tun, halten Sie ihn an, sich bei den anderen Kindern zu entschuldigen. Tut er das nicht, machen Sie das stellvertretend für Ihren Sohn bei den Müttern der malträtierten Kinder. Dann nehmen Sie Ihren Sohn und verlassen die Örtlichkeit.

Sie wissen um die impulsiven Reaktionen Ihres Sohnes. Deshalb sprechen Sie ihn vorher darauf an in der Hoffnung, er unterlässt seine unsozialen Verhaltensweisen. Aber Sie vermeiden es, ihn vor anderen Kindern vorzuführen! Dafür wählen Sie das Gespräch unter vier Augen.

Auch wenn es schwerfällt, ich halte es mit Antwort C

Kinder zwischen eineinhalb und drei Jahren können noch nicht «Nein!» sagen; ihnen fällt es schwer, sprachlich Grenzen zu setzen. Dies machen sie vielmehr handgreiflich: Die einen schubsen, die anderen spucken, die dritten kratzen, die vierten schlagen, und schließlich gibt es Kinder, die beißen.

Beißen erfolgt meist aus einem Reflex heraus. Statt dem Kind ständig vorzuhalten, es dürfe nicht beißen, ist es besser, ihm einen Beißknochen aus Plastik oder einen anderen Gegenstand zu geben, in den es, wenn es wütend ist, hineinbeißen kann. Da das Beißen einem Reflex unterliegt, wird das Kind Aufforderungen wie «Du darfst nicht beißen!» oder «Du sollst doch nicht beißen!» kaum befolgen. Pragmatisch ist ein Satz wie: «Wenn du wütend bist, dann beiß in deinen Knochen!» Damit wird die Attacke so umgelenkt, dass sie anderen nicht schadet.

Drei Strategien haben sich bewährt im Umgang mit dem Kratzen, Schubsen, aber auch dem Beißen, denn gänzlich verhindern kann man diese wenig sozialen Handlungsmuster sowieso nicht.

Auch wenn Sie gefühlsmäßig geladen sind, vermeiden Sie es, das Kind anzuschreien, denn das führt eher zu einer Trotzreaktion.

Sollten Sie bemerken, dass Ihr Kind sich in der Sandkiste oder auf dem Spielplatz nicht an die vereinbarten Regeln hält, holen Sie es kurz aus dem Spiel heraus. Solch eine Auszeit, die natürlich vorher vereinbart sein muss, kann eine Eskalation verhindern.

Vermeiden Sie es, Ihr Kind vor anderen Kindern zu demütigen, indem Sie es mit lauten Worten zurechtweisen.

Vereinbaren Sie ein «Zauberwort», dessen Bedeutung nur Sie und Ihr Kind kennen. So vermeiden Sie es, ständig den Namen Ihres Kindes oder «Nein!» rufen zu müssen. Fällt das Zauberwort, so ist das ein Hinweis an das Kind, Regeln und Absprachen zu beachten.

Der berüchtigte Klaps: Wie kann ich das verhindern? (5)

Susanne Bechtold, Mutter des vierjährigen Elias, ist völlig ausgerastet. Elias hat sie durch ständige Störungen, obgleich sie um Ruhe gebeten hatte, weil sie in der Küche war und kochen musste, «völlig auf die Palme gebracht». Und als er trotz allem keine mütterliche Zuwendung bekam, wie von ihm gefordert, hat er auf den Boden gespuckt. Als die Mutter voller Empörung schrie: «Das machst du nicht noch einmal!», da hat er in ihre Richtung gespuckt. «Da bin ich ausgerastet», erzählt sie, «und habe ihm einen Klaps auf den Po gegeben. Ich bin selber erschrocken über mich! Ich will doch eine perfekte Mutter sein, die keine Gewalt anwendet!»

Wie verhalten Sie sich?

Es ist zwar nicht richtig, Kinder zu schlagen, aber manchmal rutscht einem doch die Hand aus. Man muss sich einfach mehr zusammenreißen, dann passiert es auch nicht!

Kinder müssen spüren, wer das Sagen hat, sonst gewinnen sie die Überhand. Denn auch das darf man nicht vergessen: «Ein Klaps hat noch niemand geschadet!»

Ein Klaps, eine Ohrfeige kommen vor. Leider! Dann muss ich mich aufrichtig beim Kind entschuldigen, weil ich das Recht des Kindes auf körperliche Unversehrtheit verletzt habe. Und deshalb denke ich darüber nach, wie ich eine körperliche Bestrafung zukünftig verhindern kann.

Ich empfehle Antwort C

Ein Kind zu schlagen, es körperlich zu strafen, stellt sich als eine pädagogische Niederlage für den Erziehenden dar. «Ein Klaps hat noch niemand geschadet» – solche Formulierung bagatellisiert, verharmlost, verkennt das Recht des Kindes auf körperliche Unversehrtheit. Aber der Klaps, die Ohrfeige – beide kommen leider vor. Ist es passiert, muss man sich entschuldigen und darüber nachdenken, wie körperliche Bestrafung vermieden wird. Sie passiert häufig dann, wenn man in der Ansprache an das Kind uneindeutig ist, «herumlabert», es «im Guten» versucht. Kinder wollen Klarheit und Nachdrücklichkeit – aber nicht mit Gebrülle, Geschrei oder gar Schlägen. Sie wollen wissen, woran sie bei den Eltern sind. Klarheit und Nachdrücklichkeit vermittelt man über Mimik, Gestik und dem Klang der Stimme sowie dem Inhalt. Dabei müssen Mimik und Gestik, der Klang der Stimme und der Inhalt übereinstimmen. Bemerken Kinder zum Beispiel, dass man bei einem «Nein!» lächelt, dann nehmen sie dieses Nein nicht ernst. Und machen in ihrem Ton weiter, bis die Eltern «böse» werden. Dann ist es bis zum Klaps nicht mehr weit.

Wutausbrüche:  Was mache ich nur, wenn meine Tochter ausrastet? (6)

Nora, acht Jahre, «flippt», so beobachten es die Eltern, «regelmäßig aus. Sie flucht, trampelt, schimpft, stampft, brüllt!» Die Eltern überlegen: «Aber es ist anders als bei den Trotzanfällen früher. Es ist irgendwie anders!» Beide Eltern schauen ratlos: «Aber genauso schrecklich! Was kann man da nur tun?»

Wie verhalten Sie sich?

Sie verstehen die Wut Ihrer Tochter, aber sind nicht bereit, ihren Anfall unmittelbar und eindrücklich mitzuerleben. Sie haben gemeinsam mit Ihrer Tochter eine Wutecke eingerichtet, in der sie ihre Aggressionen, an Regeln gebunden, ausleben kann.

Sie übergehen die Wut Ihrer Tochter, wissen, dass sie sich irgendwann beruhigt, verlassen das Zimmer, um sich das «Drama» nicht mit antun zu müssen – und weil Sie auch wissen, Aggressionen sind irgendwie ansteckend.

Sie versuchen, auf Ihre Tochter mit «guten Worten» einzugehen. Es wäre doch nun wirklich nicht notwendig, so sagen Sie ihr, dass sie jetzt ausflippen würde: «Schatz, nun beruhige dich doch!»

Je nach Situation oder Tagesform bevorzuge ich Antwort A oder B

Der Wutausbruch stellt eine physiologische Reaktion dar; der ganze Körper ist beteiligt. Das Kind pumpt sich geradezu auf. Weil es zeitweise neben sich steht, kann es zu unkontrollierten Reflexen kommen, begleitet von einem lauten Kreischen. Wut hat nichts mit Gewalt zu tun. Gewalt, so die Psychologin Isabelle Filliozat, ist das Ergebnis einer Verdrängung von Wut: Gewalt zerstört. Wut ist dagegen konstruktiv, weil sie von starken Spannungen befreit. Damit aber Wut nicht ins Destruktive umschlägt, muss man Kindern vermitteln, dass sich ihre Wut nicht verletzend oder schädigend gegen andere, sich selbst oder gegen Sachen wenden darf.