Eyleen und der Detektiv - Franciska Schmid - E-Book

Eyleen und der Detektiv E-Book

Franciska Schmid

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Beschreibung

Nach einem Jahr Ehe ist die Beziehung zwischen Eyleen (ehemalige Schauspielerin) und ihrem Mann, James Ward (Bauunternehmer), bereits zerrüttet. Seine krankhafte Eifersucht - und die Prügelattacken - lassen ihr keine Wahl - sie nimmt Reißaus vor ihm und flüchtet in ein Hotel. In ihrer Not sucht und findet sie Hilfe bei dem Privat­detektiv Mark Sutter. Als ihr Ehemann realisiert, dass seine Frau unauffindbar bleibt, setzt er alles in Bewegung, um sie wiederzufinden. Es entspinnt sich ein Katz und Maus Spiel, aus Flucht und Verfolgung. Und aus einem gefährlichen Plan, mit dem die Ehefrau ihren Mann zu erpressen versucht. Der Detektiv und die Ausreißerin kommen sich schnell näher und beginnen eine Affäre - dies gibt ihrer Flucht eine intime und brisante Wendung.

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Seitenzahl: 386

Veröffentlichungsjahr: 2025

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Das Buch

Nach einem Jahr ist die Ehe zwischen der Schauspielerin Eyleen und dem Baumogul James Ward bereits am Ende. - Seine krankhafte Eifersucht und die Prügelattacken lassen ihr keine Wahl - sie nimmt Reißaus. In ihrer Not sucht und findet sie Hilfe bei dem Privatdetektiv Mark Sutter.

Als ihr Ehemann realisiert, dass seine Frau ihn verlassen hat, setzt er alles in Bewegung, um sie wiederzufinden. Es entspinnt sich ein Katz und Maus Spiel, aus Flucht und Verfolgung. Und aus einem gefährlichen Plan, mit dem die Flüchtende ihren Mann zu erpressen versucht.

Der Detektiv und die Ausreißerin kommen sich schnell näher und beginnen eine Affäre - dies gibt ihrer Flucht eine intime und brisante Wendung.

Die Autorin

Die gebürtige Westfälin lebt seit geraumer Zeit wieder in ihrer Geburtsstadt. Nach einem längeren Aufenthalt an der amerikanischen Westküste, ist die Vielgereiste zurück in der Heimat und hat die Zeit in Übersee genutzt für eine spannend-sinnliche Detektivgeschichte.

Bereits erschienen:

Miranda und ihre Liebhaber

Erotische Geschichten

Inhaltsverzeichnis

Prolog

Der Tag vor ihrer Flucht.

Kapitel I

Kapitel II

Kapitel III

Kapitel IV

Kapitel V

Kapitel VI

Kapitel VII

Kapitel VIII

Kapitel IX

Kapitel X

Prolog

Es begann harmlos, wenn man es denn harmlos nennen wollte: mit Klapsen und Ohrfeigen. - Später hatte es eine andere Qualität, dann packte er sie - ohne große Vorwarnung - und schüttelte sie so heftig, dass sie meinte, ihre Organe würden sich von ihrem angestammten Platz verabschieden. - Oftmals stieß er sie zu Boden, beugte sich über sie, wie eine dunkle Wolke, und warf ihr Belehrungen an den Kopf, als ob er zu einem dummen Flittchen spräche. - Am schlimmsten aber war, wenn er sich danach von ihr abwandte, als sei nichts weiter geschehen.

Am Ende stürmte er hinaus und ließ die Tür schallend ins Schloss fallen. - Dann herrschte Ruhe und sie konnte aufatmen. - Nur seine schweren Schritte hörte sie noch, wie sie auf den glatten Stufen widerhallten.

Wohin er verschwand, wusste sie nicht. Entweder fuhr er in irgendeine Bar oder er hatte mal wieder eine am Laufen, bei der er sein letztes Fünkchen Wohlwollen feilbieten konnte.

Manchmal interpretierte sie seine Flucht aber auch als eine Art unterdrückte Scham, die er doch empfinden musste, nachdem er seine Frau so brutal angegangen hatte!?

Am Ende war es ihr egal. Hauptsache er war weg und sie hatte endlich Ruhe vor ihm. - Selbst, wenn eine Lippe aufgeplatzt war, eine Schulter schmerzte oder eindeutige Hämatome an Stellen auftauchten und sich breitmachten, die besser im Verborgenen geblieben wären. - Sie versuchte ihre Wunden zu versorgen, so gut es ging, um sich abzulenken, durchzuatmen und an etwas Schöneres zu denken.

Ein heißes Bad half hin und wieder - nachdem sie mit einem Eisbeutel erste heilende Maßnahmen ergriffen hatte - dann schloss sie die Augen, sog den Duft von Minze und Eukalyptus in sich auf und schwelgte in Erinnerungen.

Sie malte sich aus, wie es anders hätte laufen können, hätte sie ihn nie kennengelernt …

Der Tag vor ihrer Flucht.

Nach den heftigen Regengüssen der letzten Tage, hatte sich das Wetter beruhigt und die Temperaturen stiegen wieder an, so dass der aufsteigende Nebel, ein Vorbote dessen war, was an Klarheit und Himmelblau zu erwarten war.

Unten vorm Haus, auf dem groben Kiesweg, rollte gerade der Wagen ihres Mannes aus der Einfahrt.

Sie fühlte sich befreit, selbst, wenn sie benommen und furchtsam, auf den verschwindenden Wagen hinunterblickte. - Die Nacht zuvor hatte er sie abermals angegangen. Ihre Brust schmerzte immer noch und an ihrer Schläfe bildete sich ein aufkeimendes Hämatom.

Sie hatte sich heftig gewehrt, gegen seinen Versuch der Vergewaltigung, doch am Ende war sie kurzzeitig weggetreten, als er ihr einen Schlag gegen den Kopf versetzte.

Ihr Unterleib fühlte sich sonderbar an, selbst jetzt noch. Ihr Negligé fand sie am nächsten Morgen, ein paar Meter entfernt, zerknüllt in einer Ecke wieder und ihren Slip fand sie zerrissen auf dem Bettlaken. - Sie wollte sich nicht Vorstellung, was in der Nacht mit ihr geschehen war, aber sie konnte es auch nicht leugnen.

- „Dieser verdammte Dreckskerl!“ -

Die Einfahrt war endlich verwaist. Ruhe kehrte ein, nur ein paar Spatzen zankten und flogen um die Wette.

Ihr Puls beruhigte sich zügig. Sie ging ins Bad und duschte lange, um das Geschehene auszutilgen - irgendwie. Immer mit der Angst im Nacken, er könne wiederkommen und sie erneut angehen …

Vorm Spiegel sah sie dann ihr zerzaustes Haar und die Blessuren. Es machte sie wütend und unendlich traurig. Sie berührte zaghaft die schmerzenden Stellen. Deutliche Blutergüsse hatten sich an ihren Oberarmen gebildet, dort, wo er gnadenlos zugepackt hatte.

Über dem linken Auge entdeckte sie eine schmale Wunde. Sie tupfte mit einem Papier darüber, doch gleich darauf trat wieder etwas Blut hervor und rann über ihre Augenbraue. Sie versuchte es erneut, wischte und wischte - zweimal, dreimal - über die aufgeplatzte Stelle. Sie zitterte am ganzen Körper. Dann hielt sie ein Taschentuch darauf, bis sie die Finger nicht mehr spürte - und so lange, bis endlich kein Blut mehr hervortrat.

Ihr Kopf dröhnte und an ihrer Schläfe pulsierte der Schmerz. Sie musste unwillkürlich an das Unsagbare denken, an letzte Nacht, wo er sie gewaltsam genommen hatte.

„Mist!“, das würde sicherlich noch dick anlaufen, hier und dort. Ja - überall, wo er hingelangt hatte … da half wohl auch keine Schminke …

Warum war er so und ging so mit ihr um? Sie fand, die Grenze des Erträglichen war erreicht und sie musste sich etwas einfallen lassen.

(Warum waren Männer so und drehten bei jeder Kleinigkeit durch? Hatte sie allein in die Scheiße gegriffen oder machten andere Frauen ähnliches durch?)

Seine Ausraster und seine Eifersucht waren eine immerwährende Bedrohung. Ihr wurde klar, dass es niemals enden würde.

Sie fand, dass es jetzt genug sei und erdachte im Stillen einen Fluchtplan, den sie immer wieder in Gedanken durchspielte, bis sie ihn als eine Möglichkeit zur Befreiung erachtete. - Ihr Ehemann war zwar unberechenbar, aber dies musste sie jetzt in Kauf nehmen. Allen Mut musste sie aufbringen und für ihr Vorhaben nutzen.

-

Zum letzten Mal erinnerte sie sich, wie alles angefangen hatte - wie herrlich es sich anfühlte, an einer starken Schulter zu lehnen und dass alles so heiter und zwanglos begann. Charme hatte er bewiesen und eine anziehende Präsenz ging von ihm aus. Das mochte sie sofort an ihm. Es machte ihr nichts, dass er zwanzig Jahre älter war. Dafür war er doch eine gute Partie und würde ihr helfen, bei ihrem Fortkommen … so hatte sie zumindest erhofft.

Er hätte sich als ein Fürsprecher oder Mittler für ihre Filmkarriere einsetzen können. Er kannte doch so viele Leute, Leute mit Einfluss, die wiederum andere einflussreiche Persönlichkeiten kannten. Sie hätte es als eine Gelegenheit angenommen und ausgeschöpft. - Auch, wenn es, hin und wieder, in der Klatschpresse für Aufruhr gesorgt hätte.

Sie hatte hohe Erwartungen an ihre Ehe geknüpft, doch am Ende wurde nichts draus. - Ihr Mann puschte gar nichts. Ihre hehren Ziele prallten an ihm ab und alles verpuffte wie eine Seifenblase.

I

Der Deckenventilator machte ein klackendes Geräusch. Mark Sutter lag in Unterhemd und Flanellhose auf seinem Faltbett und blickte genervt hoch.

Ein paar Spinnfäden tanzten im Windzug der rotierenden Blätter und machten die immer gleichen, fliehenden Bewegungen und kamen doch nicht von der Stelle.

Das Zimmer war stickig, obwohl er das Fenster weit geöffnet hatte.

Der Detektiv nahm einen weiteren Zug aus seiner Zigarette, die fast runtergebrannt war - dabei stiegen die letzten Rauchwölkchen nach oben und wurden gleich verwirbelt.

Teile der Asche segelten aufs Laken, das sich, von den Hitzeattacken der letzten Nacht, immer noch klamm anfühlte.

Die Hitze empfand er als eine Art Stillstand, als ob sein Denkapparat, über einen gewissen Temperaturlevel hinaus, einfach abschaltete. - Und erst recht mit diesem beschissenen Ventilator, der wie ein Metronom klackte, in immer gleichen Abständen. Dabei weigerten sich seine Synapsen eine kreative Verbindung in Gang zu setzen …

Diese gefühlten 90° Fahrenheit - genau genommen ein Unding für San Francisco – wurden nur zum Abend hin erträglicher. - Nach dem langen Regen, erhoffte man eher frische und klare Luft, doch dann stiegen die Temperaturen gewaltig an. - Laut Wetterbericht, sollte aber diese Regelwidrigkeit nicht mehr lange andauern.

Im Halbschlummer schwirrten ihm Pressefotos einer ehemaligen Schauspielerin durch den Kopf, deren Gesichtszüge er nicht mehr ganz zusammenbrachte. Ein paar Schlagzeilen fielen ihm dennoch ein, die eine Zeit lang kursierten: „Baumogul heiratet Filmsternchen“ oder „Das schnelle Ende einer vielversprechenden Karriere“. - Nach den Schlagzeilen und den üblichen Zeitungsfotos kam das Desinteresse, dem alles unterlag, was den Reiz des Neuen verloren hatte.

In einer guten Stunde sollte er sich mit ihr treffen - sie hatte ihn angerufen und brauchte seine Hilfe. Ihm schwante nichts Gutes. Er dachte gleich an Rosenkrieg und Scheidung, die bei diesen Leuten die Regenbogenpresse anzog, wie rohes Fleisch die Schmeißfliegen.

Die Hitze ließ ihn erneut wegdriften. - Er träumte diesen Traum, der ihn manchmal ereilte. - Da lief er durch den Golden Gate Park, wie ein verwundetes Tier, wohl auf der Flucht vor dunklen Gestalten, die ihm eine Lektion verpassen wollten, dass man besser, von dem einen oder anderen Gangsterboss, die Finger lassen sollte und nicht Dinge ausplauderte, die nur jene Leute etwas angingen …

Danach brauchte er immer eine Weile, bis er begriff, wo er war und was er da geträumt hatte. Seltsam, manche Erinnerungen wurden auf den Kopf gestellt und ließen die Realität als etwas Fragiles erscheinen. Alles wurde verdreht und auf seinen Verstand konnte man sich nicht mehr verlassen. - Oder es war eine Reaktion auf diese verdammte Hitze, die die Stadt im Würgegriff hatte …

Dies führte nur dazu, dass sein Shirt nun völlig ruiniert war und dass er, nur mit großer Mühe, von seiner Bettstatt hochkam. Desorientiert stolperte er fast über seine eigenen Füße, als er sich zu seiner Waschzelle aufmachte.

Das Zimmer, in dem er schlief und wohnte, war kleiner als dasjenige, in dem er seine Klienten empfing -und ihm als Büro diente. Das war ein Kompromiss, den er eingegangen war, um Geld zu sparen. Er lebte allein und brauchte keine extra Wohnung. Für ihn war es praktisch und er konnte Leben und Arbeiten miteinander verbinden.

Sein Büro war immerhin vorzeigbarer als sein Wohn-Schlaf-Raum. Klar, das war er seinen Klienten schuldig. Es zählte der erste Eindruck. Seriosität stand für ihn obenan.

Was er im Hinterzimmer machte und trieb musste ja niemanden interessieren.

Sein privater Wohnbereich hatte schon bessere Tage gesehen. Die Wände waren grau und staubig und hätten einen neuen Anstrich verdient. Vom letzten Erdbeben sah man noch einen Riss, neben dem Fenster, der vom Boden bis zur Decke reichte und der ebenfalls hätte ausgebessert werden müssen.

Neben dem Bett gab es weiter nicht viel, um sich heimisch zu fühlen. Unterm Fenster stand ein kleiner Kühlschrank, für Getränke, mit denen man sich abschießen konnte. Ein hohes Regal stand in einer Ecke, wo die nötigsten Dinge fürs Leben aufbewahrt wurden. Ein paar Bücher, aus seinem letzten Domizil, die er nicht hatte entsorgen wollen, lehnten, wie eine Pyramide aufgestapelt, direkt daneben. Ein Kleiderschrank und eine Kommode, bildeten den Rest seiner Habseligkeiten.

Hinter einem kleinen Verschlag, im Erker seiner Etagenwohnung, konnte er sich waschen und frisch machen. Die Toilette befand sich im Treppenhaus.

Im Erker angekommen, zog er das verschwitzte Hemd aus und wusch sich erneut. Hier hatte er seinen Rasierer und das Aftershave - seine Zahnbürste und einige Handtücher verstaut. - Für diese Dinge sorgte er selber, da er fand, dass seine Sekretärin genug anderes zu tun hatte.

Allerdings war es ihr Part dafür zu sorgen, dass seine Kleidungsstücke immer parat lagen und er genug zum Wechseln hatte. Darin war sie erfahren und er vertraute ihrem Geschmack, eine vorzeigbare Auswahl für ihn zusammenzustellen. Dies tat sie gerne und sie hatte ein gutes Händchen dafür, ihn nach der neuesten Mode einzukleiden. - Vornehmlich die weibliche Kundschaft war von seinem Style eingenommen.

Sein Unterhemd hatte er bereits zum dritten Mal gewechselt. Aber ein Ausgeh-Sortiment war noch vorhanden.

Damit war ein wichtiger Faktor für sein Treffen erfüllt. Er machte sich zwar nichts aus Mode, aber man hatte gewisse Verpflichtungen, um bei den Klienten gut anzukommen, zudem hatte er Miete und anderes zu zahlen.

Er hoffte auf Abkühlung, mit der hereinbrechenden Nacht. Oder vielleicht auf Nebel, der sich stets für Stunden über die Stadt legte. Es kam zwar immer mal wieder vor, dass es in den späten Sommermonaten ein paar Tage über 75°F (24°C) warm wurde, aber es blieb zum Glück die Ausnahme.

Seine Wohn- und Arbeitsräume lagen nur dreizehn Blocks von den Fährstationen an der Oakland Bay entfernt. Somit kam immer eine leichte Brise durch die Straßenschluchten, was er immer als angenehm empfand, da er Hitze einfach nicht abkonnte. - Seine Niederlassung war in dem schmalen Bereich, wo Mission- und Market Street sich trafen.

Er verließ sein Büro, gab seiner Sekretärin aber noch den Auftrag, seine Wäsche reinigen und bügeln zu lassen. Die Nacht brach schnell herein und machte das Atmen angenehmer.

Er stieg in seinen Chevy und drehte sofort die Klimaanlage hoch. Er hielt sich links und stieß auf die Market St. - von dort fuhr er in Richtung der Piers. Ein paar Blocks davor bog er aber in die Pine St. ein und lenkte sein Gefährt zum Ritz-Carlton-Hotel.

Mit dem sauberen -und knitterfreien Hemd, der dunklen Leinenhose, dem leichten Jackett und den Lackschuhen, fühlte er sich wieder wie ein Mensch, unter anderen Menschen, ohne, dass man ihm seinen vorherigen Zustand, auch nur ansatzweise, hätte anmerken können.

Die Krawatte klemmte er unter den Hemdkragen und band sie nur locker um seinen Hals - es würde reichen, wenn er sie später zurechtziehen würde.

Von ihr wusste er nur, dass sie eine reizende Person war, die für einige gute Filmrollen besetzt worden war, bevor sie einen einflussreichen Bauunternehmer geheiratet hatte. In der Regenbogenpresse machte diese Wendung - vom Film-Sternchen zur Frau an der Seite eines bekannten Baumoguls - einige pikante Schlagzeilen. Doch seit geraumer Zeit, war es ruhig um sie und ihrem Mann geworden.

Kein Wunder also, dass es ihr vor allem um Diskretion ging. Doch er wusste, dass es damit in dieser Stadt nicht gut bestellt war. - Falls die Paparazzi gerade Pause machten, sollte es ihr Glück- und seines gleich dazu sein.

Sein Konterfei sollte im Verborgenen bleiben und nicht überall in irgendwelchen Schmutzblättern auftauchen. Wie sonst sollte man seinen Job unterm Radar machen und nicht zur Zielscheibe anderer werden?!

Das Gebäude war lange Zeit das Aushängeschild einer Versicherungsgesellschaft gewesen, bevor es in ein Hotel umgewandelt wurde. Es war erst vor einigen Monaten eröffnet worden und somit gehörte seine Klientin zu den ersten Gästen, die hier nobel logierten.

Das Hotel stand am Rande von Chinatown und nur ein paar Blocks nördlich, vom Union Square entfernt. - Von außen zeigte es sich klassisch-altertümlich und repräsentativ. Die Frontseite war einem dorischen Tempel nachempfunden und fiel eigentlich aus dem Rahmen, selbst für San Francisco Verhältnisse. Von innen war es gediegen, eindrücklich und großzügig gestaltet.

Mark Sutter liebte Hotels. Nicht nur, weil er sich selbst immer wieder gerne dorthin einlud und mit den Barkeepern über neueste Klatschgeschichten im Viertel schwatzte, sondern weil er gerne Leute beobachtete, wie sie gemütlich oder hektisch den Aufenthalt bestritten.

Es war auch ein unverfängliches Ritual, seine wenigen Flirt-Bekanntschaften, vorzugsweise auf einen Drink oder zwei einzuladen.

Und ein neutraler Ort für seine Klientel, die ihn anheuerte und wo das Geschäftliche gleich mit abgehandelt werden konnte.

Die Aura drumherum war jedes Mal anregend und machte neugierig. All die Gäste, die aus nah und fern anreisten, die fremden Sprachen, die er nebenbei aufschnappte, die vielen Gepäckstücke, die durch so viele Hände gingen und wo man erstaunt war, was manche an Gerätschaften mit sich führten und durch die Eingangstür schoben.

Sobald er die Hotel-Lobby betrat, konnte er sich der Atmosphäre kaum entziehen. - Im „Ritz“ hatte er einen Faible für die stets frischen Blumengebinde, die ausladend arrangiert, als Blickfang dienten und, in kristallenen Vasen, die Eingangshalle schmückten. -

Dann der graue Marmor, über den man schritt - und der die Säulen im Foyer zum Glänzen brachte, dazu die dezenten Teppiche, die damit im Einklang standen.

Jeder der eintrat, bekam gleich eine ganz andere Wichtigkeit und Würde. Hier residierte internationales Publikum, das seinen eigenen Stil und seine eigene Fremdheit mitbrachte.

Jetzt zog er schnell noch seine Krawatte zurecht, die er, im Vorbeigehen, vor einem Spiegel prüfte. Der Termin sollte in der Hotelbar stattfinden und so ging er rasch darauf zu. Von draußen fiel die Dämmerung herein und dies machte sich gleich in der Bar bemerkbar.

Vor Kopf war der Ausschank - mit viel Glas und noch mehr Hochprozentigem – wobei die untergehende Sonne, wie ein Brennglas darauf traf, so dass er kurzzeitig gar nichts mehr wahrnahm, und ein paar Sekunden brauchte, um sich davon abzuwenden und wieder Details erkennen zu können.

Die meisten Sitzgruppen waren noch verwaist - nur vereinzelt schlenderten Gäste an die Bar, um sich einen Drink zu genehmigen.

Hätten sie kein Erkennungszeichen ausgemacht, wäre er glatt an ihr vorbeigelaufen. Die Zeichen waren Sonnenbrille und bunter Schal. Sie saß abseits, auf einer Eckbank, die, mit dickem Leder im Rücken, für die nötige Bequemlichkeit sorgte. Auf dem länglichen Tischchen davor, stand ein halbvolles Cocktailglas. Er nickte ihr zu und setzte sich in einen der Clubsessel, ihr gegenüber.

Sie nahm kurz ihre getönte Brille ab, um ihn zu begrüßen:

„Hallo Mark, schön, dass sie es einrichten konnten!“, sie sprach leise zu ihm, damit die wenigen anderen Gäste, sich nicht nach ihnen umdrehten. Ihre dunklen Augen, die mit schwungvollen Augenbrauen einhergingen, ließen erahnen, dass sie ihre Anziehungskraft nicht verloren hatte. Allerdings hatte er nur kurz das Vergnügen, da sie die Brille schnell wieder aufsetzte.

„Kein Problem, Madam, ich bin gekommen, um zu helfen!“, auch der Detektiv senkte seine Stimme, allein schon aus Respekt. Den Namen ihres Mannes auszusprechen verkniff er sich, um keine Aufmerksamkeit vor den anderen Gästen zu erregen.

„Sagen sie ruhig Eyleen. - Möchten sie etwas trinken?“

„Ich nehme einen Daniels. Danke“, dabei machte er ein Handzeichen zur Bar.

Die Pressephotos gaben nicht ganz die Person wieder, die nun vor ihm saß. Sie wirkte abgeklärt, in sich gekehrt, nicht wie ein Filmstar, sondern eher melancholisch. Ihr langes, brünettes Haar fiel sanft auf ihre Schultern, wobei sie darauf achtete, dass es nicht zu viel von ihrem Gesicht preisgab.

Sie war nur leicht geschminkt, da man die vermuteten Falten darin, nicht hätte finden können. - Nur ihren Mund hatte sie um so auffallender betont. Ihr Kleid war luftigseiden, reichte gerade über ihre Knie, und stellte ihre Körperformen elegant heraus. Sein Blick wurde kurz auf ihren Busen gelenkt und er fragte sich, ob sie einen BH trug.

Als Schmuck hatte sie einen großen Ring am rechten Mittelfinger, vielleicht Modeschmuck. Und um ihr linkes Handgelenk trug sie eine wertige Uhr, mit einem breiten Goldarmband – ein Geschenk ihres Mannes …?

Ihre überkreuzten Beine waren makellos und leicht gebräunt. Um ihren Hals- und über ihre Schultern hatte sie das bunte Tuch geschlungen, mit dem sie hin und wieder spielte.

Ihr Blick war nüchtern und ernst. - Sie kam gleich zur Sache: „Ich bin weg von meinem Mann. Hab meine Sachen gepackt und die Flucht ergriffen … Okay, ganz so spontan war es nicht, da ich mit der Entscheidung erst haderte. - Nun ja, die Einzelheiten erklär ich ihnen später. Ab heute wohne ich hier, im Ritz!“, sie machte eine kurze Pause und nippte an ihrem Cocktail, einem Mojito, wobei das Minzblatt gerade noch so am Glasrand klebte. Als sie ihn zitternd abstellte, hatte sich eine Wasserlache, am Boden des Glases, gebildet - sie wartete wohl schon eine ganze Weile auf ihn.

„Mit einer Ausrede bin ich weg von ihm: dass ich mit einer Freundin ausgehen- und dass es spät werden würde. So wird er erst einmal nicht gleich ausflippen, wenn er mein Bett verwaist vorfinden wird.“ -

„Sie verstehen, dass ich meine Flucht nicht an die große Glocke hängen möchte - ganz im Gegenteil. Daher hat meine Freundin ein Zimmer unter ihrem Namen gemietet. Erst einmal für eine Nacht. Zum Glück hat sie meine Statur und gleiche Haarfarbe, damit hier niemand auf falsche Gedanken kommt. Daher meine Aufmachung, mit Schal und Brille.“

Bei den letzten Worten beugte sie sich über den Tisch und verfiel in einen Flüsterton. - Ihr Parfüm war dezent, aber ein Hauch von Vanille stieg ihm in die Nase.

„Mag sein, dass wir – also, mein Mann und ich - nach außen das perfekte Paar abgeben, aber dem ist nicht so!“, hier musste sie schlucken und wurde gleich wieder leiser beim Sprechen: „Eifersucht ist mir eigentlich fremd, aber mein Mann - da könnte ich ihnen Sachen erzählen …!“ - Sie schüttelte leicht den Kopf und fast wäre ihre Stimme abgebrochen.

„Haben sie keine Angst, alles, was wir hier besprechen, wird nicht nach außen dringen!“, dies betonte Mark, da er sah, wie es in ihr brodelte.

„Das ist gut zu wissen - danke schon einmal dafür …!“, sie schien sich wieder gefangen zu haben und wurde etwas gelassener. Selbst, wenn sie sich umsah, hin und wieder, um zu erkunden, ob sie jemand erkannte oder beobachtete.

Sie sah ihn jetzt genauer an. So wie Frauen oft schauen, wenn sie ihr Gegenüber taxieren. Ein Lächeln spielte um ihre Mundwinkel, als sie in seine blauen Augen sah.

Mark war es durchaus nicht unangenehm, von einer schönen Frau so angesehen zu werden. Na, wenn sie Spaß daran hatte, sollte es ihm nur recht sein. Er ahnte bereits, was nun auf ihn zukommen würde: „Wie kann ich ihnen nun konkret zur Seite stehen, Eyleen …?“

„Ich denke, Mark, das haben sie schon ganz gut erfasst … zur Seite stehen… das ist das Stichwort! Weiteres können wir in meinem Zimmer besprechen“, sie nahm ihren Mojito wieder auf, um Mark Bedenkzeit zu geben. Dabei führte sie das Glas an ihre Lippen und gönnte sich einen weiteren Schluck.

Mark war fasziniert, wie sie ihn dabei anschaute. Obwohl die Brille ihre Augen verbarg, ahnte er doch, dass sie ihn aufmerksam studierte. Vielleicht wog sie ab, ob er der Aufgabe gewachsen war und ob sie sich auf ihn einlassen sollte. Sie beugte sich dabei vor, so dass ein paar Wassertropfen, von der Glasunterseite, auf ihr Knie herabfielen. Dies schien sie aber nicht weiter zu stören - so vertieft war sie in ihren Gedanken.

Er nahm wahr, wie die Flüssigkeit durch ihre Kehle rann und dass sie ihn dabei weiter fixierte. Noch hielt sie das Glas hoch, wenn auch etwas schief, so dass es wirkte, wie in einer Filmszene … - „Also, was meinen sie, kann ich mich auf sie verlassen?“

„Aber ja, unbedingt!“, sagte er etwas verdattert, „Gedenken sie späterhin weiterzuziehen, um anderswo Unterschlupf zu suchen?“

„Unterschlupf suchen … eine schöne Wortwahl! … Aber ja, sie haben recht - da mache ich mir bereits Gedanken drüber. Es gibt ein paar Optionen, die ich in Aussicht habe. Da werde ich sie dann noch rechtzeitig informieren, damit sie mir beim Umzug in den Unterschlupf behilflich sein können“, sie fand es eher lustig und sah noch nicht den Ernst darin.

„Darf ich ganz offen sein und sie auf etwas aufmerksam machen, Eyleen?“ - Mark wollte ihr begreiflich machen, dass sie ihre „Optionen“ erst einmal hintenan stellen sollte. (Sie nickte!) -

Nun war es an ihm, sich vorzubeugen: „Sie sollten, wenn sie meine Dienste in Anspruch nehmen, es vielleicht doch besser mir überlassen, wo wir sie sicher unterbringen können. - Vielleicht gibt es ja einige Geheimnisse, die sie für sich haben - doch sollten sie bedenken, dass vieles davon ihrem Mann auch bekannt sein könnte - ohne ihr Wissen. Sie können auch nicht ausschließen, dass sie bereits überwacht werden, so, wie sie seine Eifersucht schildern … Vielleicht hat er was geahnt? - Ihr Bekanntheitsgrad ist da eher hinderlich … verzeihen sie, wenn ich das so sage … da müssen wir um so umsichtiger vorgehen!“

„So habe ich das noch gar nicht gesehen. Aber sie haben sicherlich recht. Meinem Mann ist wirklich alles zuzutrauen!“ - Sie war von dem Mann, der ihr jetzt so zugetan und geduldig gegenübersaß, fasziniert und hingerissen.

Solch einen fürsorglichen Beistand hatte sie nicht erwartet und ihr wurde bewusst, wie alleine sie doch war, mit all ihren Problemen.

Er nahm sie noch genauer in Augenschein. - Sie hatte von ihrer Attraktivität nichts verloren. Im Gegenteil, auch, wenn sie öfters in ihr Haar griff, daran nestelte, um die gewählte Frisur in ihrer Gänze zu kontrollieren. - Es kam ihm vor, als benutzte sie ihr Haar wie einen Schutzwall, vor der Unbill da draußen.

Er schlug sich bereits auf ihre Seite, egal, wie begründet ihre Flucht auch sein mochte. - Sie hatte etwas Begehrliches in ihm geweckt - in ihrem Verlangen nach Schutz. Nur, konnte er sich keinen Reim daraus machen, dass seine Gefühle plötzlich so durcheinandergingen.

-

Er liebte seinen Beruf. Und er liebte es, den Beschützer zu geben. Ihm war nur nicht klar, woher dieses Verlangen kam: dieser Beschützerinstinkt. - Vielleicht lag es an seinem Vater, der viele positive Charaktereigenschaften auf sich vereinen konnte, selbst, wenn er ihn kaum gekannt- und er die Familie früh verlassen hatte.

Mark wusste von seiner Mutter, dass sein Vater nicht nur ihre Ehe aufs Spiel gesetzt-, sondern auch anderen Frauen den Kopf verdreht hatte, aber es bei keiner länger aushielt. Diese Aussage verband sie stets mit einem milden Lächeln. - Er vermutete, dass sie dabei in süßen Erinnerungen schwelgte?

Dies widersprach sich vielleicht in Gänze, da er wusste, dass Erinnerungen einen trügen konnten. Wo war der Vater und Ehemann abgeblieben? Davon wusste sie weiter nichts zu erzählen oder brachte es nicht über sich, ihm die ganze Wahrheit zu offenbaren. Sie hatte immer nur dieses Glänzen in den Augen, wenn sie davon anfing.

Und doch war er seinem Vater dankbar. Mark hatte die wenige Zeit genossen, die er damals mit ihm verbringen konnte. Sie wurde dadurch um so schätzenswerter für ihn. Da gab es so Vieles, an das er sich erinnern konnte. Die Gespräche mit ihm, die Ausflüge und Wanderungen. Es war immer interessant und abenteuerlich, mit ihm abzuhängen und herumzuwandern.

Als er dann erwachsen wurde, war niemand mehr da, den er hätte Fragen oder den er um einen Rat hätte angehen können. Anfänglich trieb er sich mit seinen Kumpels herum und lebte in den Tag hinein. Er fing alle möglichen Jobs an und fand doch nicht seine Bestimmung.

Bis er einem Privatschnüffler über den Weg lief und bei ihm anheuerte. Ab da wusste er, was er wollte und ging ganz darin auf.

-

Er hatte nur kurz an seinem Daniels genippt, da er einen klaren Kopf behalten wollte und aus Takt ihr gegenüber.

„Es wäre schön, Mark, wenn sie noch in meine Suite mitkommen könnten, um alles Weitere zu besprechen!“, sie blickte ihn hoffnungsfroh-fragend an, als ob sie seine Gedankengänge ergründen könne.

Dann wechselte sie ihre Mimik und gab ihm wieder dieses einnehmende Lächeln - wobei er nicht wusste, ob es unwillkürlich oder gewollt war. - Na, Schauspieler, solche Leute waren ihm noch nicht untergekommen, daher wusste er nicht, wie ernst und wie weit gespielt dieses alles war? In jedem Fall schaute sie dabei recht verwegen drein und dies machte sie noch anziehender.

Er ließ sich nicht zweimal bitten. Mark trottete hinter ihr her, beobachtete allerdings die Räumlichkeit ein letztes Mal, um zu sehen, ob jemand sich auffällig benahm oder hinter einer Zeitung sein Gesicht verbarg.

Doch alles schien unverdächtig, da die wenigen, die hier noch verweilten, mit dem Rücken zum Tresen standen und, wie abwesend, in ihre Gläser starrten.

In ihren High Heels schritt sie voran. - Ihr Gang hatte etwas Laszives. Zumindest kam es Mark so vor - man musste ihr einfach hinterherschauen, in ihrem Seidenkleid und wie sie die Hüften schwang.

Mit der Sonnenbrille und dem Halstuch, lag ein Geheimnis um diese Person, das er gerne ergründen wollte. - Mit dem Tuch hatte sie zu kämpfen, um die richtige Passform, als ob sie damit etwas verdecken wollte.

In der kleinen Kabine des Fahrstuhls versuchte sie eine selbstbewusste Haltung einzunehmen. Allerdings bemerkte er, dass sie auf ihre lackierten Fingernägel starrte, den Kopf unmerklich schüttelte und ein wenig zu zittern begann. -

Abermals stieg der verführerische Duft auf, den er vordem bereits wahrgenommen hatte. Sollte er sie auffangen und in den Arm nehmen, wollte sie das erreichen …?

Aus Verlegenheit strich sie erneut durch ihr Haar und blickte zur Seite. Für einen kurzen Moment vergaß er seinen Auftrag und dass sie seine Klientin war.

Dann schaute sie auf und direkt in seine blauen Augen. Ihre Haltung begann sich komplett zu ändern. Erneut schaute sie auf seine Statur und sagte mit geänderter Stimme: „Sie sehen durchtrainiert aus, ist das ein Zeichen ihrer Persönlichkeit oder gehört es zu ihren beruflichen Erfordernissen?“, dabei lächelte sie ihn verwegen an. Ihre rechte Handfläche schob sie dabei unter das Revers seines Jacketts -und sie ließ nur den Daumen über die Stofffalte gleiten, um ihrer Frage mehr Gewicht und Vertrautheit zu geben.

Unwillkürlich standen sie eng beieinander. Mark war etwas konfus. Erst schien sie nervös und zittrig und nun war es in sein Gegenteil gekehrt. Er blickte seinerseits auf die dunkle Brille und war plötzlich derjenige, der um Fassung rang.

„Ich würde sagen … sowohl als auch …“, zu mehr war er nicht imstande.

Im Dritten hielt der Fahrstuhl. Sie schlenderten den Gang entlang, ohne dass ihre Schritte hörbar wurden. Sie sahen keine weiteren Hotelgäste auftauchen oder in ihren Zimmern verschwinden. Vielleicht gab es ein paar Geräusche, ein paar dumpfe Gesprächsfetzen oder Gelächter, hinter der einen oder anderen Tür … es war einerlei.

Ihre Suite, die 307, war in ein dunkles Blau getaucht. Sobald man das Zimmer betrat, konnte man bereits die großen Fenster, zur Straße hin, wahrnehmen. Dicke Vorhänge reichten von der Decke bis zum Boden. Dort stand ein Sekretär, ein Stuhl davor und eine Lounge an der anderen Wand, worüber eine Mattscheibe prangte. Im nächsten Zimmer stand ein großes Bett, auf dem ihr Koffer aufgeschlagen lag, aber noch nichts daraus entnommen worden war. Im Anschluss dahinter stand die Tür zum Bad, halb offen.

Zielstrebig ging sie an den Schreibtisch, der übersät war mit allerlei Papieren. Eine Handtasche lehnte auf einem der Sessel am Fenster. - Sie öffnete eine Schublade und holte ein paar hundert Dollarscheine hervor.

„Ich kann ihnen einen Tagessatz von 100 Dollar zahlen - ich hoffe, das es reichen wird … leider sind meine Mittel begrenzt. - Mit meiner Bankkarte war ich heute noch am Automaten und habe mich bedient, ab Morgen wird er meine Karten gesperrt haben!“, sie verfiel in eine kleine Hektik, die, wie er fand, gar nicht von Nöten war. -

„Sie müssen eins wissen, wenn man so in der Öffentlichkeit steht, kann man sich Fehltritte kaum erlauben. Ich weiß, dass sie das verstehen. Daher kann ich ihnen versichern, dass ich mir diesen Schritt gründlich überlegt habe und die Konsequenzen, die sich daraus ergeben, nicht scheue!“, dabei schaute sie auf die Tischplatte und raffte einige Papiere zusammen, die sie achtlos ausgebreitet hatte. Mark ging an ihr vorbei und auf die Fenster zu, die in Richtung Chinatown wiesen. Er lüftete ein wenig den Vorhang und musterte die California St. unterhalb. Der Verkehr floss an den Häuserzeilen vorbei und vorm Hotel war ein geschäftiges Treiben zu beobachten. Ihm fiel nichts Verdächtiges auf. - Wie sollte das auch aussehen oder sich bemerkbar machen? Eyleen war ja gerade erst ausgebüxt und es brauchte eine gewisse Zeit, bis die Gegenseite in die Gänge kam. Und, da er die meisten Detekteien in der Stadt kannte, war er gespannt, wen Mr. Ward mit der Suche beauftragen würde. Das Hotelpersonal hatte die Anwesenheit, der einst berühmten Schauspielerin, vielleicht noch nicht bemerkt, da sie unter falschem Namen angemeldet war … Und auch das konnte er nicht ausschließen, dass ihre Anwesenheit schnell die Runde machte. Er ließ seinen Blick über die Stockton St. schweifen, wo der Verkehr zu dieser Stunde noch nicht nachgelassen hatte und sah dann die Lichter von Chinatown aufglänzen, mit seinen verwinkelten Gassen. - Er war so absorbiert von den Lichtern der hereinbrechenden Nacht, dass er fast vergaß, wo er war.

„Gibt es etwas Interessantes da draußen, Mark?“, sie schlenderte auf ihn zu und wedelte mit einem Stück Papier vor ihrer Brust.

„Nein, eigentlich nicht, alles normal da draußen …!“

„Na, wenn sie das sagen, beruhigt es mich natürlich!“, dabei überreichte sie ihm langsam ein Kuvert, mit ein paar hundert Dollarscheinen. - „Setzen sie sich doch. Ich für mein Teil bin müde, von dem Tag, und brauche einen kleinen Schlaftrunk!“ - Nachdem sie Brille und Schal abgenommen hatte, war sie in die Hocke gegangen, um nachzusehen, was alles in der Zimmerbar zu finden war. - Ihr Haar schwang dabei nach hinten und Mark bemerkte gleich die Blutergüsse, auf ihren Oberarmen -und der linken Schläfe.

„Möchten sie einen weiteren Daniels oder etwas anderes?“

„Aber, Eyleen, was ist ihnen passiert? Wer hat sie so zugerichtet?“, er wusste zwar die Antwort, wollte aber, dass sie es ihm erzählt und bestätigt.

„Mr. Ward rastet hin und wieder aus und lässt seine Wut an mir aus. - Das behalten sie aber bitte für sich …!“, ihre Stimme stockte ein wenig, selbst, als sie versuchte, es mit einem ironischen Unterton zu erklären. - Doch wirkte sie jetzt, wie ein verwundetes Tier, das einen Ausweg sucht.

Mark hasste brutale, schlagende Ehemänner, die einfach nicht kapierten, was sie anrichteten - von ihrem feigen Verhalten ganz zu schweigen. - „Also liegt hier bereits eine Straftat vor, die sie aber nicht zur Anzeige brachten …!?“

„Was soll das nützen – und es ist nicht das erste Mal!“, dabei zeigte sie auf ihre Schläfe. „Er ist ein einflussreicher Mann und schert sich einen Teufel, wie es mir dabei geht.

Er kann Anwälte on mass aufbieten, da habe ich keine Chance …!“, bei den letzten Worten griff sie zu einer kleinen Flasche - eine von vielen, die sie auf dem Glastisch aufgebaut hatte. Sie drehte eins auf und leerte es mit einem Zug.

„Gerichte sind unabhängig! Sie hätten Beweisfotos anfertigen lassen können. So einfach käme er nicht davon!“, er wollte sie ermuntern, einen anderen Weg einzuschlagen.

„Er würde alles mir in die Schuhe schieben … Das es ein Unfall im Haus war-, dass ich eine Lügnerin bin, die sich die Wunden selbst beigebracht hat-, er würde einen Liebhaber erfinden, mit dem er mich erwischte … er würde alles Mögliche ersinnen, nur um unbeschadet aus der Sache herauszukommen!“, sie redete sich in Rage und griff gleich zum nächsten Fläschchen.

„Eyleen, bitte!“, er nahm ihr das Fläschchen aus der Hand und versuchte sie zu beruhigen: „Bitte, beruhigen sie sich doch, zumindest haben sie es geschafft, von ihm wegzukommen. Sie sind safe hier und … ich bin ja auch noch da!“

„Gut, dass sie das sagen …“, sie lehnte sich zurück - „… und schön, dass sie es sind, der die Rolle des Beschützers übernimmt!“ -

„Ich wüsste nicht, wen ich sonst darum bitten sollte. - Je bekannter man ist, um so dünner wird die Luft um einen herum, glauben sie mir, die meisten blicken nur neidisch auf einen und schauen genau, was man der Person andichten- oder mit welchem Makel man sie erniedrigen kann.“

Beide saßen nebeneinander. In Eyleen kam Bewegung, sie wollte sich flach hinlegen, doch das Sofa war zu kurz für beide, so legte sie - als ob es das Natürlichste der Welt wäre - ihren Kopf in Marks Schoß. Sie schloss gleich die Augen, um es für Mark unverfänglich anmuten zu lassen und sie schien erst einmal wegzudämmern.

„Ja, ruhen sie sich aus … und es tut mir aufrichtig leid, Eyleen, was sie alles mit dem Kerl durchmachen mussten!“ - Erst jetzt sah er einen dünnen, rot-braunen Streifen, der sich über ihrem linken Auge spannte. In der Bar war das Licht nicht ausreichend, hier aber lag sie direkt unter einer Deckenleuchte.

(Er verstand manche Frauen nicht, wie sie es so lange mit ihren Peinigern aushalten konnten. Manche dachten, dass sie ihre Männer umerziehen könnten, zu wohl besseren Menschen. Doch jene sind erwachsen und keine kleinen Jungs mehr, die Frau so eben umdrehen kann.)

Er strich ihr sanft übers Haar und befand sich dabei in einer Position, die er lieber vermieden hätte: „Ich kann mir vorstellen, wie schwierig es sein muss, über diese Dinge, mit einem Fremden, so offen zu sprechen!“

Sie öffnete ihre Augen. - „Sie sind wirklich nett, Mark - manche Männer haben halt kein Gefühl dafür, was es bedeutet, in ständiger Angst leben zu müssen. Sicherlich halten sie mich für eine selbstbewusste Frau, aber, allein die Vorstellung, dass er mich schneller finden könnte, als mir lieb ist, raubt mir den Verstand!“ -

„Als Bauunternehmer kennt er Hinz und Kunz, gut möglich, dass er ebenfalls jemanden engagiert, um mich aufzuspüren. Vielleicht schon morgen!?“

„Keine Angst, das werden wir verhindern!“, er versuchte positiv rüberzukommen, wusste aber nicht, ob er sie damit zufrieden stellen konnte.

„Halten sie bitte die Augen offen. - Vor allem, die ganzen Gaffer und Paparazzi, müssen sie mir vom Hals halten. - Zwar sind die Schlagzeilen abgeebbt, doch, wenn einer von denen von meiner Flucht erführe, wären die wie Bluthunde hinter mir her!“ - Jetzt richtete sie sich wieder auf und berührte sein Knie dabei. -

„Es ist noch nie vorgekommen, dass ich nachts weg blieb und irgendwo anders übernachtet hätte. Das ist natürlich Futter für seine verkappte Eifersucht!“, sie strich über ihr Haar, wie eine Frau, die diese Geste als ein einnehmendes Zeichen ins Spiel bringt.

„Ich versuch mein Bestes und möchte sie in allem unterstützen!“ - Er wollte cool bleiben, aber ihre Berührung traf ihn unvorbereitet.

„Können sie nicht bleiben, Mark? … Es würde mich unendlich beruhigen, jemanden heute Abend an meiner Seite zu wissen!?“, dabei rutschte sie näher heran, drehte ihren Oberkörper zu ihm, dass kein Blatt mehr zwischen ihnen passte.

Eigentlich war Marks Professionalität und Sachlichkeit gefragt … doch angesichts ihrer Nähe kam er erst gar nicht dazu, irgendeine Distanz zu wahren. - Sie legte ihren Arm um seine Schulter und sah ihn durchdringend an. Ihre Augen waren wirklich unergründlich. Durch sein Oberhemd spürte er ihre harten Nippel auf seiner Brust. Irgendetwas musste sie gedacht oder empfunden haben, dass sie so reagierte.

„Eigentlich wollte ich ein nächstgelegenes Zimmer buchen, aber, wenn sie darauf bestehen, werde ich nicht von ihrer Seite weichen!“, das sagte er leise und mit ruhigem Ton, fast schon wieder routiniert, sachlich … Er wollte eine Bewegung zurück machen, weg von der intimen Nähe, in die sie ihn gebracht hatte, doch hielt sie ihn, mittels seiner Krawatte, wo er nun einmal war. Als ob es nur dieser einen Geste bedurfte, um ihn an Ort und Stelle zu halten.

- Wilde Gedanken geisterten durch seinen Kopf: Hinterhalt! Erpressung! Scheidungsgrund! - Und, warum hatte sie gerade ihnauserkoren? Jobverlust, wenn es hart auf hart käme. Die Gerüchteküche konnte schnell alles zunichte machen, was er sich, in all den Jahren, aufgebaut hatte. Und seine Anonymität wäre dahin. Schlagzeilen … und … beider Konterfei auf den Titelseiten … nicht auszudenken!

Dass er in dieser Situation so rational alles hinterfragte, wunderte ihn jetzt. Aber so schnell, wie diese Gedanken kamen, verflüchtigten sie sich auch wieder. -

Verstand er, was hier vor sich ging? Zum ersten Mal war er irritiert und wusste nicht weiter. Frauen … diese hier im Besonderen, ließen alle Coolness aufweichen! Oder spann er sich da etwas zurecht, was nur in seinen Vorstellungen aufpoppte?

Sie strich ihre High Heels von den Füßen und meinte:

„Nimm mich einfach in deine Arme und halt mich ein wenig“, sie küsste ihn auf die Wange, als ein Zeichen ihrer Zuneigung und dass sie sich sicher bei ihm fühlte.

Weiter wollte sie es eigentlich nicht treiben, aber dann kam eins zum andern. - Zum ersten Mal fühlte sie sich wieder aufgehoben bei einem Mann und nach all der Unbill, die sie ertragen hatte, sah sie einen Silberstreifen am Horizont, dem sie unwillkürlich folgen musste. - Und, eh Mark sich noch einen Reim daraus machen konnte, kam sie vor und küsste ihn leicht auf den Mund.

„Aber … Eyleen …?!“, von ihrer Annäherung überrumpelt, zitterte seine Stimme. - Sie legte kurz einen Finger auf seine Lippen und gab ihm noch einen Kuss - diesmal mit noch mehr Nachdruck. - Langsam und bedächtig erwiderte er ihren Kuss.

Wie weich und verführerisch doch ihre Lippen waren! Ein paar Sekunden Intimität hatten genügt. Ungläubig schaute er sich noch einmal im Zimmer um, ob sonst noch jemand anwesend war -oder hinter einem Vorhang steckte. - Noch glaubte er sich im Griff zu haben … doch, sie wusste es vermutlich besser.

Sie wich etwas zurück und schaute interessiert, wie er das Ganze aufgenommen hatte. - Dann stand sie auf und meinte nur: „Ich brauch erst einmal eine Dusche, Mark, vielleicht bestellst du uns in der Zwischenzeit noch einen Drink für die Nacht?!“ - Sie lief barfuß und Hüfte schwingend ins Bad.

Mark war wie gebannt. Kurz flimmerte es vor seinen Augen, da ein aufreizender Hauch von etwas, an ihm vorüberglitt. Verdutzt drehte er sich nach ihr um. Sie wusste, dass er ihr hinterher sah, als sie so lässig aufs Bad zusteuerte.

Er wählte den Zimmerservice und bestellte eine kleine Flasche Southern Comfort, Eis und zwei Gläser.

Mark hörte, wie sie unter der Dusche vor sich hin summte.

Trotz der Klimaanlage fühlte er sich erhitzt und unbehaglich in seinen Klamotten. - Er lockerte seine Krawatte und versuchte alles noch einmal Revue passieren zu lassen.

Jetzt nahm er die Krawatte endgültig ab, legte sie über den Stuhl am Schreibtisch und öffnete die oberen Knopfreihen seines Hemdes. Alles geschah mechanisch, da er weiter grübelte, aber nicht weiter damit kam. - Dann klopfte es an der Tür und der „Southern“ wurde auf einem Tablett hereingereicht.

„He, Mark! Möchtest du dich nicht auch frisch machen?“ - Eyleen kam, nach gefühlt einer halben Stunde, wieder hervor. Sie hatte sich umgezogen und trug nun ein leicht durchscheinendes Negligee, mit breiten, hellen Streifen und Blumenmustern darauf. Es reichte ihr bis kurz über die Knie. Vorn war es offen und mit einem Band zusammengebunden. Ein breiter, bestickter Saum umschloss das gute Stück, darunter trug sie nur ein schmales Höschen.

Mark wusste, dass er etwas zu lang auf ihr Outfit gestarrt hatte. Es war ihm allerdings gleich, da er annehmen musste, dass sie es von ihm erwartete.

Irgendwie hatten beide an der Etikette gekratzt und an ihrem Gesicht konnte er ablesen, dass sein anerkennender Blick, ihr wie Honig durch die Adern floss.

„Okay, dann werd ich mich kurz abduschen …!“

„Einen Bademantel findest du hinter der Tür - und mach schnell, sonst schmilzt noch das Eis in den Gläsern, bevor wir überhaupt anstoßen können!“, dies sagte sie betont schnell und ließ sich dabei aufs Bett fallen.

Seine Sachen versuchte er möglichst glatt zusammenzulegen, es sollte bloß kein Verdacht aufkommen, dass er im Hotel genächtigt hätte. Er konnte ja schlecht den Zimmerservice damit beauftragen, einen Pyjama reinzureichen.

Und die Drinks? Sicherlich tuschelte bereits das Personal - er hätte ihr mehr zur Vorsicht raten müssen …

Kippte hier schon seine Achtsamkeit? Schließlich gingen alle Bestellungen über den Nachtportier. Der hatte Einsicht ins Belegbuch. Gut nur, dass sie ihre Freundin dazu angestiftet hatte, ein Zimmer zu reservieren. - Das war recht smart. Er hoffte nur, dass ihre Bekannte nichts davon ausplauderte.

Die Dusche war ihm eine Wohltat und nicht vergleichbar mit der tristen Waschzelle in seiner Wohnung.

„Na endlich, Mark, ich dachte schon, du würdest dich in der Dusche auflösen …“, sie lag bequem auf dem Bett, die Beine hatte sie gekreuzt und ausgestreckt. Ihr leichtes Hemdchen schmiegte sich sanft und überdeutlich um ihre Kurven.

Eyleen nahm das Whiskyglas vom Nachttisch und schwenkte es lockend in seine Richtung: „Du bist ja diskret, Mark … und du kannst ein Geheimnis bewahren … die Nähe hatte ich gebraucht!“, jetzt lag in ihrer Stimme eine leichte Nüchternheit, die er so nicht erwartet hätte.

Ihre Worte brachte Mark Sutter wieder zur Vernunft.

Schließlich war es ein unmissverständliches Gesetz, sich nicht privat mit den Klienten einzulassen - mochten diese noch so anziehend sein. -

Er dachte plötzlich an das Schmunzeln seiner Mutter, wenn sie über seinen Vater sprach. Erst jetzt und in diesem absurden Moment, schien er endlich ihren Gesichtsausdruck deuten zu können.

„Ist das Glas für mich …?“, er machte eine rasche Bewegung, mit seinem rechten Knie, und balancierte damit für einen Augenblick auf der Bettkante - als ob er ihr einen Antrag machen wollte. Eyleen lehnte sich ihm entgegen und lächelte sanft.

„Schau auf deinen Nachttisch, da steht dein Glas! Mach schnell!“ - Hier schüttelte sie ihr Glas, dass die Eiswürfel klirrten. - „Sonst löst sich das Eis …!“

Er nahm einen guten Schluck davon und genoss die Mixtur aus Whisky - und der merklich süßeren Note darin. Ein paar Eispartikel landeten zwischen seinen Zähnen und er kaute genüsslich daran.

Er blickte auf Eyleen, die in ihrem Nachthemdchen verdammt verführerisch dalag. Doch mit ihrer vorherigen Anmerkung, von der Diskretion und dem Geheimnis bewahren, war ein Abstand zwischen ihnen entstanden, der nötig schien, um wieder professioneller zu agieren.

Selbst Eyleen blieb zurückhaltend und vermied Augenkontakt mit Mark. Sie stellte ihr Glas zurück auf das Tischchen und schmiegte sich in die Kissen. - „Wow, was für ein Tag! Die Dusche und der Whisky haben mir den Rest gegeben. Mark entschuldige, aber ich kann kaum noch meine Augen offen halten.“

„Kein Problem, Eyleen. Schlafen ist immer gut, gerade heute Abend. Morgen können wir überlegen, wie wir deine Flucht weiter bedeckt halten und wie wir sonst vorgehen!“

Nach einer Weile schien sie wirklich in den Schlaf gefallen zu sein. - Den Bodensatz vom Whisky schlürfte er als Nachklang hinunter - ohne den Blick, von der selig schlummernden Eyleen, abzuwenden.

Dann stand er auf und trottete zu den Fensterfronten. Eine letzte Zigarette ließ er aufglimmen und sog den Rauch bedächtig ein und aus.

Ohne eine Erwartung blickte er hinaus. Mittlerweile war es Mitternacht. Vorm Hotel und auf den Straßen war es ruhiger geworden. Nur die Lichter von Chinatown flackerten noch emsig und standen als Symbol für ein geschäftiges Viertel, das niemals schlief.

II

Jack Gabrinsky war ein schlaksiger Kerl, der für die groben Dinge zum Einsatz kam. Er war zwar nur halb so dumm, wie er auf den ersten Blick aussah, dafür hatte er aber einen hinterhältigen und wenig sensiblen Charakter.

Er war ein stadtbekannter Schläger, zumindest wusste dies ein kleiner Kreis von Leuten, die seine Arbeit schätzten und die ihn, nur aus diesem Grunde, engagierten.