Falsches Spiel - Mariano Hamilton - E-Book

Falsches Spiel E-Book

Mariano Hamilton

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  • Herausgeber: btb
  • Kategorie: Krimi
  • Sprache: Deutsch
Beschreibung

Buenos Aires: Roque Centurión, der sich als Privatdetektiv kaum über Wasser halten kann, dafür aber bei Frauen umso mehr Erfolg hat, erhält endlich wieder einen lukrativen Auftrag. Ein wohlhabenes Ehepaar bittet ihn, ihre Tochter Carla zu finden, die seit Monaten nicht mehr nach Hause gekommen ist. Zuerst glaubt Roque an ein Verschwinden harmloser Natur, immerhin war Carla nicht so ein Unschuldslamm wie ihr Vater aussagte; doch als kurze Zeit später Carlas Freund Marcelo ermordet wird, erscheint der Fall in einem ganz anderen Licht...

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Seitenzahl: 266

Veröffentlichungsjahr: 2011

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Mariano Hamilton

Falsches Spiel

Roman

Deutsch vonSabine Giersberg

Buenos Aires: Roque Centurión, der sich als Privatdetektiv kaum über Wasser halten kann, dafür aber bei Frauen umso mehr Erfolg hat, erhält endlich wieder einen lukrativen Auftrag. Ein wohlhabendes Ehepaar bittet ihn, ihre Tochter Carla zu finden, die seit Monaten nicht mehr nach Hause gekommen ist. Zuerst glaubt Roque an ein Verschwinden harmloser Natur, immerhin war Carla nicht so ein Unschuldslamm wie ihr Vater aussagte; doch als kurze Zeit später Carlas Freund Marcelo ermordet wird, erscheint der Fall in einem ganz anderen Licht …

Mariano Hamilton, 1961 in Buenos Aires geboren, arbeitet seit zwanzig Jahren als Journalist für verschiedene Zeitschriften, u. a. für Clarín, El Gráfico, Perfil und ESPNDeportes. »Falsches Spiel« ist sein Debütroman – ein Krimi, mit dem er es auf Anhieb unter die Finalisten für den renommierten Premio Planeta schaffte. Mariano Hamilton schreibt derzeit am zweiten Roman der Serie mit seinem Ermittler Roque Centurión. Der Autor lebt in Buenos Aires.

Die argentinische Originalausgabe erschien 2009 unter dem Titel »Cercano Oeste« bei 1a edición, Planeta, Buenos Aires.

1. Auflage

Deutsche Erstveröffentlichung September 2011,

btb Verlag in der Verlagsgruppe Random House GmbH, München

Copyright © 2009 by Mariano Hamilton

Published by arrangement with Michael Gaeb Literary Agency

Copyright © der deutschsprachigen Ausgabe by btb Verlag

in der Verlagsgruppe Random House GmbH, München

Umschlaggestaltung: semper smile, München

Umschlagfoto: © Plainpicture / STOCK4B

Satz: Uhl + Massopust, Aalen

NB · Herstellung: BB

ISBN 978-3-641-05657-5

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www.btb-verlag.de

1

»N’abend«, bellte die raue Männerstimme ins Telefon. »Kommen Sie heute Nacht um zwei in mein Haus. Calle Echeverría 436, San Antonio de Padua. Ich erwarte Sie.« Bevor ich antworten konnte, wurde einfach aufgelegt.

Missmutig notierte ich mir die Adresse. Ich war es nicht gewohnt, so behandelt zu werden. Aber die Auftragslage war nicht gerade rosig, also beschloss ich, es mit Gelassenheit zu nehmen. Ich holte mir den Rest des Sandwichs, das mir María am Mittag zubereitet hatte, goss mir das Glas halb voll mit Fernet, zündete eine Clifton an, ließ mich in den Sessel zurücksinken und legte die Füße auf den Tisch. Ich wollte nachdenken, und das ging in dieser Haltung am besten. San Antonio de Padua. Irgendwas klingelte da bei mir. Ich hatte den Namen vielleicht drei- oder viermal in meinem Leben gehört, und ich war mir sicher, das letzte Mal war noch nicht allzu lange her.

Ich stand auf und nahm meinen Mantel. Um herauszufinden, worauf ich heute Nacht gefasst sein musste, gab es nichts Besseres als eine Tortilla, einen Cinzano und Espiños Informationen. Er würde meinem Gedächtnis auf die Sprünge helfen. Bevor ich ging, richtete ich vor dem Spiegel den Knoten meiner blauen Krawatte und bürstete über die Schultern des schwarzen Anzugs: Ich musste mir wirklich dringend ein Shampoo gegen Schuppen kaufen.

Ich fuhr die neun Stockwerke hinunter und stieg in den schwarzen Gordini. Ich legte den zweiten Gang ein und ruckelte los; ich musste unbedingt demnächst die Gangschaltung reparieren lassen. Mit einem Auto in diesem Zustand konnte man unmöglich jemanden verfolgen. Zum Glück war ich in den letzten Monaten nicht in diese Verlegenheit gekommen. Leider hatte ich in derselben Zeit auch meine Reserven aufgezehrt und hielt mich nur dank Marías Sandwichs und Espiños Kredit über Wasser.

Ich fuhr die Avenida Córdoba hoch und hatte eine grüne Welle, was mir ein absurdes Gefühl von Genugtuung gab. Dann überquerte ich die Canning und bog an der Serrano rechts ab. Ich schaute auf die Spritanzeige: Der Tank war fast leer. Hoffentlich hatte Espiño gute Laune. Ich wollte ihn um Geld bitten, damit ich es mit dem Gordini bis nach San Antonio de Padua schaffte. Schließlich nahm ich die Cabrera und stellte das Auto ein paar Meter hinter der Gurruchaga ab. Aus Espiños Bar schallte Musik herüber; es war mir ein Rätsel, wie der Spanier es anstellte, dass ihn die Nachbarn nicht wegen Lärmbelästigung anzeigten. Ich trat ein und sah dieselben Gesichter wie immer: Espiño stand lächelnd hinter dem Tresen, Carlos lag über den Tisch am Fenster gebeugt, vor sich drei leere Gläser, und Andrea versuchte, mit dem einzigen unbekannten Gast ins Geschäft zu kommen, der sie argwöhnisch musterte und zögerte, die verlangte Summe zu zahlen. Auf dem Plattenspieler lief eine Schnulze von Sandro.

»Wie geht’s?«, rief Espiño und schwenkte das Geschirrtuch durch die Luft wie ein Chalchalero-Sänger.

»Na ja …, ich wollte was essen und mit dir reden«, sagte ich beiläufig, als ob Espiño nicht wüsste, dass ich ihn anpumpen wollte.

»Setz dich, ich mach dir gleich eine Tortilla. Und hier«, sagte er, nahm den Cinzano und den Fernet aus dem Regal hinter sich, holte ein Sodawasser aus dem Kühlschrank und stellte alles zusammen mit einem Glas vor mich hin.

»Bedien dich.«

»Danke, Gallego«, konnte ich gerade noch sagen, bevor er in der Küche verschwand.

Wieder blickte ich mich um, doch da war nichts, was meine Stimmung gehoben hätte. Andrea feilschte weiter mit ihrem potentiellen neuen Freier. Carlos schlief nach wie vor, nur in einer anderen Position: Der Kopf lag nicht mehr auf seinem rechten Arm, sondern mit der Stirn auf dem Tisch, als wäre er vornübergekippt.

Schweigend genoss ich meinen Aperitif und lauschte der Stimme von Marikena Monti. Drei Minuten später kam Espiño mit einem dampfenden Teller zurück.

»Sieht aus, als hätte ich einen Job«, sagte ich, als Espiño mir das Besteck reichte. »Nichts Weltbewegendes, glaub ich, aber es ist immerhin ein Job.«

Ich nahm einen ersten Bissen von der Tortilla. Espiño lächelte zufrieden.

»Na prima. Das freut mich doppelt. Erstens, weil ich schon Angst hatte, du würdest noch einrosten, und zweitens, weil du mir dann ja meine Kohle zurückzahlen kannst. Das entlastet die Freundschaft«, bemerkte er grinsend und zeigte dabei seine gelben Zähne.

»Ich muss dich noch mal um einen Gefallen bitten«, sagte ich mit vollem Mund. »Der Termin ist heute Nacht um zwei in San Antonio de Padua, und ich habe kein Geld für den Sprit. Kannst du mir noch mal was pumpen? Ich schwöre dir, morgen zahle ich meine Schulden zurück«, fügte ich schnell hinzu.

»Ach, hör auf. Mach bloß keine Versprechungen, die du nicht halten kannst.«

»Das ist mein voller Ernst. Vor einer Stunde bekam ich den Anruf. Deshalb bin ich auch hier: Hast du vielleicht irgendeinen Schimmer, was da in letzter Zeit passiert ist? Ich weiß nicht, warum, aber irgendwas klingelt da bei mir.«

Espiño hob seine buschigen Augenbrauen und starrte ins Leere. Diesen Gesichtsausdruck kannte ich seit wir damals Artikel für die Verbrechenssparte der Crónica schrieben. Er dachte nach und fuhr sich mit der Hand durch das grau melierte Haar. Dann schien er plötzlich hellwach.

»Vor etwa zwei Monaten ist da doch ein zwanzigjähriges Mädchen verschwunden. Erinnerst du dich nicht mehr? Ich habe dir davon erzählt. Ihre Eltern dachten erst, sie wäre entführt worden. Die Geschichte machte Schlagzeilen, in den Zeitungen erschienen Anzeigen mit der Bitte um Hinweise. Zwei Wochen lang hat sich die Presse auf den Fall gestürzt, aber als es nicht mehr Neues gab, wanderte er auf die hinteren Seiten ab. Und seit ein paar Wochen bringen sie gar nichts mehr darüber.«

»Ich erinnere mich nicht mehr, aber ich verlasse mich auf dein Gedächtnis. Hast du ein paar Zeitungsausschnitte von dem Fall?«, fragte ich, während ich mit einem Stück Brot den Teller blankputzte und mir noch einen Schluck genehmigte.

»Klar. Du weißt doch, dass in meinem Archiv kein ungelöster Fall fehlt. Setz dich an den Tisch da drüben und behalt das Lokal im Auge, ich seh mal nach, was ich finde.«

Espiño räumte den Teller ab und verschwand durch die Seitentür. Ich marschierte hinter den Tresen, schnappte mir den Cinzano, den Fernet und das Sodawasser und trug alles zu einem der Tische. Dann zündete ich mir eine Zigarette an und streckte die Beine aus. Espiño hatte sich 1964 von seinem Posten als Chefredakteur der Kriminalberichterstattung zurückgezogen, doch auch als Rentner war er immer noch mit Leib und Seele Journalist und Ermittler. Er besaß einen besonderen Spürsinn für interessante Fälle und führte seit zwei Jahrzehnten ein Geheimarchiv im Keller. Niemand durfte diesen Ort betreten; er war sein Heiligtum.

Wenige Minuten später kam er mit einem braunen Umschlag an und warf ihn auf den Tisch.

»Da, nimm. Schau’s dir an so lange wie nötig und gib’s mir dann zurück!«

Ich erwiderte nichts; ich kannte die Regeln: Nichts aus dem Archiv des Spaniers verließ das Haus.

Ich zog die Zeitungsausschnitte heraus. Viele waren es nicht, keine zehn Stück. Crónica titelte: »Studentin auf mysteriöse Weise verschwunden«. Bei Clarín hieß es: »Polizei sucht vermisste Studentin.« In den ersten Tagen hielt man sich noch an die offizielle Version, die die Eltern des Mädchens, der Chirurg Juan Carlos Forrester und seine Frau Sandra, papageienartig wiederholten: Carla Forrester, zwanzig Jahre alt und Kunststudentin, hatte sich eines Morgens auf den Weg zur Universität gemacht und war nie mehr wiedergekommen. Anfangs dachten sie, sie sei entführt worden, aber als keine Lösegeldforderung kam, mutmaßten sie, ihre Tochter könnte aus irgendeinem Grund abgehauen sein. Von einem festen Freund war nichts bekannt, und soweit die Eltern wussten, hatte Carla auch keine Bettgeschichten. Auch ihre Freundinnen und Freunde hatten der Presse bestätigt, wie ruhig und liebenswert Carla von Charakter war. Ein rührendes Familienporträt. Doch nach einer Woche hatten die Journalisten begonnen Nachforschungen zu betreiben und eigene Hypothesen über Carlas Verschwinden aufzustellen: Das Mädchen habe sich schlecht mit dem Vater verstanden, ihre Mutter sei Alkoholikerin, Carla habe mit zahlreichen Kommilitonen Sex gehabt, habe einen Freund, der sie geschlagen habe, sei Mitglied einer merkwürdigen Sekte – angeführt von einer gewissen Jennifer Carter –, die sich auf die Ankunft von Außerirdischen vorbereite. Am Abend vor ihrem Verschwinden habe sie mehrere Stunden bei Señora Carter verbracht, um mit ihr über Marsmenschen und ähnlichen Blödsinn zu sprechen. Carla, dieses Schneewittchen ohne die sieben Zwerge, verwandelte sich mit einem Schlag in die jüngere der Sternwood-Schwestern aus dem Film Der große Schlaf.

Ich nahm mein Notizbuch und schrieb in Stichworten alle Einzelheiten auf, die mir irgendwie nützlich erschienen. Der Anruf in meinem Büro hatte tatsächlich etwas mit dem Verschwinden von Carla Forrester zu tun, denn in der Zeitung stand dieselbe Adresse, zu der man mich bestellt hatte: Echeverría 436.

Ohne genau zu wissen, worum es ging, rechnete ich mir schon aus, wie viel ich für den Job verlangen konnte.

2

Kein Zweifel, ich hatte mich verfahren.

Ich hielt mit dem Gordini am Seitenstreifen, griff zum Handschuhfach und nahm Straßenkarte und Taschenlampe heraus. Es war Viertel vor zwei. Mir blieb noch eine Viertelstunde, um den Weg zu finden, oder ich war den Job womöglich schon los, bevor ich ihn überhaupt angetreten hatte.

Ich trat in die Kälte hinaus, zündete eine Zigarette an und spähte in die Dunkelheit, um mich zu orientieren. Etwa vierzig Meter weiter war eine halbversteckte Schranke, und auf der anderen Seite der Gleise stand ein großes altes Gebäude, das etwas von einem Kloster hatte. Kein einziges Licht weit und breit. Ich breitete die Karte auf der Kühlerhaube des Gordini aus und leuchtete mit der Taschenlampe darauf.

»Wo zum Teufel bin ich?«, murmelte ich wie ein Irrer vor mich hin, um meine Kehle zu wärmen.

Ich rief mir den Weg noch einmal in Erinnerung, den ich in den letzten eineinhalb Stunden genommen hatte, und fuhr mit dem Finger die sich schlängelnde Spur der Ruta 7 Richtung Westen nach. War ich womöglich schon zu weit? Das konnte nicht sein. Ich war doch gerade erst an der Plaza de Ituzaingó und einer Bahnschranke vorbeigekommen. Ich warf noch mal einen Blick in die Karte: Um nach San Antonio de Padua zu gelangen, musste ich noch zwei weitere Schranken passieren, die, die vierzig Meter vor mir lag, und eine weitere in etwa zwei Kilometern Entfernung. Ich stieg wieder in den Wagen, ließ den Motor an, legte den zweiten Gang ein, und der Gordini begann zu ruckeln wegen der Kälte, aber auch wegen dieses verfluchten kaputten ersten Ganges. Ich fror bis auf die Knochen, vor allem an den Beinen. Es ging mir erst wieder besser, als ich die neunzig Kilometer-Marke erreicht hatte, das Lenkrad aufhörte zu vibrieren und die Motorenwärme über die Lüftung auf meine Füße blies.

Ich fuhr noch fünf Minuten weiter und traf auf die zweite Schranke. Die Calle Echeverría musste ungefähr dreihundert Meter entfernt sein. Ich fand sie problemlos, bog links ab und fuhr sie langsam hinauf. Es gab nur wenige Häuser und viele Freiflächen, aber alles war genau durchnummeriert. Ich sah noch einmal auf die Uhr; sieben vor zwei. Ich ging davon aus, dass ich erwartet wurde, also konzentrierte ich mich nur auf die Häuser, in denen Licht brannte. Eine Minute später gelangte ich zu dem zweistöckigen Haus, das ich auf den Fotos in den Zeitungen gesehen hatte.

Ich parkte ein, stellte den Motor ab und beobachtete das Haus, während ich mir eine Zigarette ansteckte. Ich wollte nicht zu früh kommen. Im Haus tat sich nichts. Um Punkt zwei stieg ich aus dem Wagen, schloss die Tür ab, passierte einen niedrigen Gitterzaun und ging auf die Holztür zu. Ich klingelte zweimal und hörte in der Ferne das Bellen irgendeines schlaflosen Hundes. Im selben Moment wurde geöffnet. Ein elegant gekleideter Mann in grauen Flanellhosen, weißem Hemd und schottischer Weste, um die sechzig, schon sehr ergraut und körperlich ausgelaugt, bat mich mit einer Handbewegung herein. Hinter ihm tauchte eine blonde Frau auf, die trotz der Falten im Gesicht kaum älter als vierzig sein mochte. Mir fielen die langen Beine und die festen, spitzen Brüste auf. Das beigefarbene Kleid betonte ihre Figur; ich stellte sie mir nackt vor, den runden, drallen Arsch. Allein das übervolle Cognacglas in der rechten Hand und die rote Nase wollten nicht ganz dazu passen. Doch bei der Kälte dachte und sah ich ohnehin nichts mehr.

Als ich vor dem Mann stand, streckte ich die Hand aus, und er drückte sie kräftig.

»Ich bin …«, wollte ich mich vorstellen.

»Ja, ich weiß. Spezialdienste. Ich habe Sie angerufen«, fiel er mir ins Wort.

Es war eindeutig die Stimme vom Telefon. Er drehte sich auf dem Absatz um und ging vor ins Wohnzimmer. Seine Frau musste sich beeilen, um mitzuhalten, und ein wenig von dem Cognac schwappte auf den Teppich. Meine Vermutung war richtig: Der Arsch hielt, was die Beine versprachen. Doch abgesehen vom Kribbeln in der Magengegend, das diese blonde Frau bei mir auslöste, herrschte sterile Hotelatmosphäre.

Ich betrat das Wohnzimmer, der Kamin brannte, Familienfotos standen auf dem Sims, eines, in Bariloche aufgenommen, bei dem die ganze Familie in die Kamera lächelte, stach besonders heraus, und es gab einen nagelneuen Zenith-Fernseher. Ein Heizofen war eingeschaltet.

Auch wenn die Gastgeber unerträglich distanziert waren, hatte die Einrichtung doch etwas Gemütliches. Der Raum war geteilt: Auf der einen Seite das Wohnzimmer mit dem Kamin, dem Fernseher, zwei Sesseln und einer blassblauen Couch, die um einen Marmortisch gruppiert waren. Und hinter einem Türbogen der Essbereich mit einem robusten Eichentisch und acht grau gepolsterten Stühlen. Hohe Regale voller Bücher und eine Westinghouse-Stereoanlage verliehen dem Ganzen einen edlen Touch. Und eines fiel auf: Alles war feinsäuberlich an seinem Platz. Zu viel Ordnung für meinen Geschmack.

Ich zog den Mantel aus. Keiner machte Anstalten, ihn mir abzunehmen, also faltete ich ihn sorgfältig zusammen und legte ihn auf einen der Sessel, als wäre es das Selbstverständlichste auf der Welt. Ich warf einen Blick auf meine Schultern und entfernte unauffällig die Schuppen. Ich stand vor dem Couchtisch. Die Frau hatte sich in den anderen Sessel gesetzt, und der Hausherr stand mit dem Rücken zu uns, die Hände in die Hüften gestemmt, und betrachtete das Kaminfeuer. Ich würde erst einmal nichts sagen. Nach fünfzehn Sekunden, die mir wie fünfzehn Jahre vorkamen, brach er das Schweigen, ohne sich umzudrehen. Seine Stimme klang kalt.

»Mein Name ist Dr. Juan Carlos Forrester. Ich vermute, Sie haben den Blödsinn schon gelesen, der über uns in der Zeitung stand«, sagte er, ohne eine Antwort zu erwarten oder mir anzubieten, mich zu setzen. »Nun, das ist fast alles gelogen. Wahr ist lediglich, dass unsere Tochter vor zwei Monaten verschwunden ist und wir nichts mehr von ihr gehört haben. Sie sollen sie finden.« Er drehte sich zu mir um und sah mich mit leichenstarrem Blick an.

Es schien mir nicht unbedingt der passende Ton für einen verzweifelten Vater, aber ich war nicht dort, um voreilige moralische Urteile zu fällen. Ich wandte mich der Frau zu, die die ganze Zeit über schwieg, aber sie wich meinem Blick aus, stierte ins Feuer und gönnte sich einen großen Schluck. Ihre scheinbare Unterwürfigkeit nervte mich allmählich.

»Wenn ich mich um den Fall kümmern soll, brauche ich ein paar Informationen über ihre Tochter, zum Beispiel, wie die Beziehung zu Ihnen aussah. Ich würde auch gerne mit ein paar Freunden sprechen, dafür bräuchte ich eine Liste mit Namen«, sagte ich und setzte mich auf die Couch; ich versuchte möglichst professionell aufzutreten.

»Hier sind alle Informationen«, sagte Forrester und reichte mir einen Umschlag. »Wir möchten nicht mehr allzu viel darüber reden, und es wäre mir lieber, wenn sie die Freunde meiner Tochter und auch unsere nicht weiter behelligen, das ist alles sehr schmerzlich für uns.«

Rasch überlegte ich, wie ich reagieren sollte, um den Fall nicht zu verlieren, und ich beschloss, auf Nummer sicher zu gehen. Forresters Bitte war vollkommen abwegig: Ich konnte schlecht ermitteln, wenn ich mit niemandem sprach. Doch mit der Zeit würde ich mir schon Zugang zu den nötigen Quellen verschaffen.

Ich holte das Päckchen Clifton heraus, aber Forrester fuhr mir gleich in die Parade.

»Ich wäre Ihnen sehr verbunden, wenn Sie das unterließen«, sagte er.

Ich schob das Päckchen wieder in die Innentasche des Jacketts.

Es war spürbar, wie stark die Forresters unter Druck standen, sie wollten einfach nur, dass ich ihre Tochter fand, um sich nicht länger mit Polizisten und Journalisten herumschlagen zu müssen. Meine Vermutungen wurden umgehend von Forrester bestätigt.

»Meine Frau ist seit zwei Monaten völlig neben sich. Die Polizei hat nicht die geringste Ahnung, wo sie suchen soll oder was zu tun ist. Deshalb haben sie all diese Verleumdungen über Carla und unsere Familie in Umlauf gebracht. Sie wollen jegliche Verantwortung von sich weisen und schieben deshalb alles uns in die Schuhe. Die wissen nicht, wie schmerzlich das für Sandra ist.«

Zum ersten Mal an diesem Abend sah er seine Frau an, doch es war mehr eine Höflichkeitsgeste mir gegenüber, er stellte sie mir quasi vor. »Deshalb haben wir Sie angerufen. Wir möchten Diskretion und Ergebnisse, in dieser Reihenfolge. Für uns ist grundlegend, dass Sie die Vertraulichkeit, mit der Ihre Detektei wirbt, um jeden Preis wahren. Wir nehmen sie für zwei Wochen unter Vertrag, dann entscheiden wir, ob Sie weitermachen oder nicht.«

»Ich hoffe, dass ich Ihre Tochter in zwei Wochen zurückgebracht habe«, sagte ich, weil ich etwas Nettes sagen wollte, aber es tat mir sofort leid, den Mund so voll genommen zu haben, denn Sandra Forrester sah mich hoffnungsvoll an.

»Wenn die Polizei in zwei Monaten nichts erreicht hat«, rückte Forrester die Dinge zurecht, »werden Sie wohl kaum so schnell mit Ergebnissen aufwarten können. Fürs Erste sind wir schon zufrieden, wenn Sie diskret ermitteln. In zwei Wochen erwarten wir einen detaillierten schriftlichen Bericht.«

Forrester machte auf dem Absatz kehrt und marschierte Richtung Treppe, ohne mich eines weiteren Blickes zu würdigen oder sich zu verabschieden.

»Gut, das war’s dann von meiner Seite. In zwei Wochen sehen wir weiter«, brachte ich gerade noch heraus.

Er nahm mich gar nicht wahr. Mit gesenktem Kopf entschwand er und ließ mich mit seiner Frau allein. Man hörte eine Tür knallen – der Hausherr machte keinen Hehl aus seinem Missmut; er würde das Schlafzimmer bis zum Morgen nicht mehr verlassen. Die beiden schienen einander nicht sonderlich zugetan. Ob das von Vorteil oder eher hinderlich war, konnte ich zu dem Zeitpunkt noch nicht sagen – der Ball war ja gerade erst ins Rollen gekommen.

3

Ich sah Sandra Forrester an und wartete. Zum zweiten Mal innerhalb von einer halben Stunde hatte ich beschlossen zu schweigen, so unangenehm die Situation auch war. Ich wollte sie kommen lassen. Wenn ich sofort anfing, sie über ihre Tochter auszufragen, würde auch sie weglaufen, das sagte mir mein Gefühl. Und eines war klar: Ich brauchte Informationen. Außerdem war da noch die alles andere als nebensächliche Kleinigkeit, dass wir noch nicht über mein Honorar und einen Vorschuss gesprochen hatten: Ich konnte mir nicht leisten, den Fall abzulehnen oder das Haus ohne einen Centavo in der Tasche zu verlassen.

»Wenn Sie wollen, können Sie jetzt rauchen«, sagte sie ein wenig schüchtern, aber bestimmt.

Ich nickte dankbar, holte das Päckchen heraus und bot ihr eine an. Mit einem gezwungenen Lächeln nahm sie sie und stellte ihr Glas auf den Couchtisch. Ich zündete ein Streichholz an, beugte mich vor und gab ihr Feuer. Sie umfasste mit beiden Händen meine Hand und sah mich mit ihren blauen Augen an, während sie zog. Ich hielt ihrem Blick einige Sekunden lang stand und senkte ihn erst, als ich beim Anstecken meiner Clifton für einen Moment befürchtete, mir die Nasenspitze zu verbrennen. Ich ließ das Streichholz in einen Glasaschenbecher fallen und blickte sie erneut an. Sie war ganz auf ihr Cognacglas konzentriert, an das sie sich klammerte, als hinge ihr Leben davon ab.

»Sie müssen meinen Mann entschuldigen. Er steht stark unter Druck«, sagte sie und blies dabei elegant den Rauch aus.

Ihre Stimme war tief, aber sanft, und sie passte zu ihrem prächtigen Körper, lediglich der welken Haut sah man ihr Alkoholproblem an. Weder der Presse noch mir war Sandra Forresters liebster Zeitvertreib verborgen geblieben.

»Juan Carlos liebt Carla zu sehr. Er kann es nicht ertragen, dass sie weg ist. Wir alle lieben sie sehr«, erklärte sie. »Wir sind völlig neben der Spur. Wir verstehen das alles nicht.«

Ich sah sie und ich hörte ihre Worte, aber ihre Brüste brachten mich aus dem Konzept. Sie bemerkte es und mit einer flinken Handbewegung hatte sie das Oberteil in Form gezupft. Ich tat so, als hätte ich es nicht mitbekommen, aber die Art, wie sie sich bewegte, war mir nicht entgangen. Ich versuchte mich auf ihre Worte zu konzentrieren.

»Eines Morgens hat sie ihre Tasche mit den Sachen für die Uni genommen und ist nie wieder aufgetaucht. Erst dachten wir, jemand habe sie entführt, deshalb verhielten wir uns still. Wir sagten allen, Carla sei verreist. Es war Juan Carlos’ Idee, um Zeit zu gewinnen. Aber als wir nach drei Tagen immer noch keine Nachricht von den Entführern hatten, wandten wir uns an die Polizei. Mein Mann wollte zuerst nichts davon wissen, obwohl er einen Freund hat, der Kommissar ist, doch am Ende habe ich ihn überredet. Aber, um ehrlich zu sein, bereue ich das, denn die haben nur eine Menge Staub aufgewirbelt, sonst nichts. Wären wir nicht zur Polizei gegangen, hätten die Zeitungen nicht diese schrecklichen Sachen über uns geschrieben.«

Sie sprang auf und füllte ungeniert ihr Glas mit original französischem Hennessy. Mir lief das Wasser im Mund zusammen. Sie bot mir auch einen Drink an, und mit verhohlener Freude schlug ich das Angebot nicht aus. Als sie mir das Glas reichte, nahm ich zum ersten Mal Sandras Geruch wahr: Eine perfekt harmonierende Mischung aus französischem Parfüm und Cognacduft. Sie setzte sich neben mich auf die Couch, und all meine Muskeln wurden steif vor Anspannung. Alle, ohne Ausnahme.

»Jetzt ist es schlimmer als vorher. Wir wissen nichts über Carlas Verbleib, und anstatt nach ihr zu suchen, spioniert die Polizei uns und unseren Freunden hinterher, und dieser Wahnsinn nimmt kein Ende. Deshalb haben wir mit Ihnen Kontakt aufgenommen. Wir wissen, dass Sie gut sind.«

Ich muss gestehen, erst war ich überrascht, aber dann fühlte ich mich geschmeichelt. Der Moment war gekommen, einen Vorstoß zu wagen.

»Wie sind Sie auf mich gekommen?«, fragte ich ein wenig selbstgefällig.

»Eine Freundin aus der Stadt hatte Sie vor zwei Jahren angeheuert, Sie sollten ihren Mann wegen vermeintlicher Untreue beschatten. Als sie durch die Zeitungen erfuhr, was wir durchmachten, hat sie mir Ihre Telefonnummer gegeben und sich nicht nur für Ihre Diskretion, sondern auch für Ihre Ehrlichkeit verbürgt. Sie weiß, dass Andrés versucht hat, Sie zu bestechen, und dass Sie nicht darauf eingegangen sind.«

Sofort fiel mir die Geschichte wieder ein. Susana Tudor war im Winter 68 zu mir gekommen, weil sie – zu Recht – vermutete, dass ihr Mann sie betrog. Am Ende hatten wir etwas miteinander. Ihr Mann hatte mir Geld angeboten, damit ich die Berichte fälschte, denn er trieb es mit Jungs. Das hatte ich Susana nie gesagt. Ich teilte ihr nur die halbe Wahrheit mit: In meinem Abschlussbericht hieß es, Andrés Tudor habe keine weiblichen Geliebten. Ich hatte mir eine der Freiheiten des Privatdetektivs herausgenommen, nämlich Gott zu spielen und diesmal die Menschen ihre Probleme ohne göttliche Einmischung lösen zu lassen. Um ehrlich zu sein, habe ich noch nie gern in Beziehungsgeschichten ermittelt. Egal, wie, es geht nie gut aus. Bestätigt sich die Untreue, sinnt der Ertappte auf Rache gegenüber dem, der sie verraten hat. Und bestätigt sie sich nicht, denkt der Teil, der mich angeheuert hat, ich hätte ihn betrogen.

»Sie meinen Susana Tudor, nicht wahr?« Eine rhetorische Frage.

»Ja. Erinnern Sie sich an sie?«

»Ich habe ein gutes Gedächtnis, gnädige Frau. Das gehört zu meinem Job.« Ich musste mich bremsen zu fragen, ob Susana immer noch verheiratet war.

»Nun …, letzten Donnerstag erzählte ich meinem Mann von Ihrer Detektei und der Vertraulichkeitsklausel, aber er wollte Sie partout nicht anrufen. Am nächsten Tag hatte er eine heftige Auseinandersetzung mit Kommissar Gutiérrez, dem Ermittlungsleiter, und als er zurückkam, war er wütend. Ich meinte wieder, wir sollten Sie einschalten, aber er weigerte sich strikt. Ich musste ihm damit drohen, ihn zu verlassen, damit er einwilligte. Deshalb war er auch vorhin so wortkarg. Er will nicht, dass Sie sich einmischen. Er fürchtet, dass die Herumschnüffelei der Presse dann von Neuem beginnt. Wissen Sie, Juan Carlos ist sehr auf unsere Privatsphäre bedacht.«

Sandra bezog sich auf die Klausel, in der Spezialdienste seinen Mandanten absolute Anonymität zusicherte, der Kunde erhielt sogar das Honorar zurück, wenn irgendetwas an die Öffentlichkeit drang. Das war bei Fällen, in denen die Polizei ermittelte, schwer umzusetzen, aber ein guter Köder. Allerdings hätte ich, wenn ich mich einmal nicht daran hielte, die Detektei schließen müssen, denn unsere bescheidene Werbung basierte allein darauf. Keine andere Detektei sicherte Vertraulichkeit gegen Rückzahlung des Honorars zu.

Señora Forrester ging wieder zur Bar und schenkte sich einen Cognac ein. Diesmal fragte sie nicht; sie füllte ein zweites Glas bis zum Rand und reichte es mir. Sandra und ich verstanden uns offenbar mehr als gut. Als sie sich hinsetzte, rutschte der Rock bis zum Knie hoch, und der freizügige Ausschnitt kümmerte sie längst nicht mehr. Der Alkohol tat seine Wirkung. Und ich fing an, mich wohlzufühlen: ein interessanter Fall, ein exquisiter Cognac, eine angeheiterte verheiratete Frau, die sich mir geradezu anbot.

4

Gegen sieben fuhr ich in die Stadt zurück. Es war immer noch stockfinster. Mein Magen brannte, und nach langer Zeit hatte ich wieder eigenes Geld in der Tasche. Mit Sandra war es bestens gelaufen, sie hatte gar nicht mehr aufhören können, von sich, ihrem Mann und Carla zu erzählen; und als ich sie um einen Vorschuss für die Spesen bat, hatte sie mir einfach so zweihundertfünfzigtausend Pesos gegeben. Ich konnte es nicht fassen. Normalerweise verlangte ich dreitausend pro Tag plus Spesen. Für fünfzigtausend hätte ich dem Teufel meine Seele verkauft. Mit dem Geld konnte ich María rückwirkend die fünf Monate Lohn zahlen und meine Schulden bei Espiño auf einen Schlag begleichen, und mir blieben immer noch mehr als einhundertfünfzigtausend. Ich sagte Sandra, mit dem Geld seien die zwei Wochen abgegolten, dabei hätte ich genauso gut zwei Monate sagen können, denn es war schlichtweg unmöglich, dass die Spesen diesen Betrag überstiegen, selbst wenn ich auf den Mond fliegen müsste.

Sie bemerkte locker, ich sollte mir wegen des Geldes keinen Kopf machen, ihr Mann sei ein angesehener Chirurg, der für jede Herzoperation ein Vermögen kassierte, außerdem habe sie ein beachtliches Sümmchen von ihrer Großmutter geerbt, Gott hab sie selig. Sie machten nicht den Eindruck, als wären sie Millionäre, mitnichten, aber offensichtlich litten sie keine finanzielle Not; und was kann einem unterbeschäftigten Detektiv Besseres passieren als ein gut betuchter Mandant.

Ich fuhr zu La Giralda und bestellte Schokolade mit Churros. Seit Monaten schon wünschte ich mir ein solches Frühstück, und ich konnte es kaum erwarten, mir meinen Traum zu erfüllen. Ich setzte mich an einen der Tische an der Seite und öffnete den Umschlag, den Forrester mir gegeben hatte. Am besten brachte ich dieses Material dann gleich zu Espiño, denn sonst war ich es bald los. Alles, was man mir gab, verschwand im Durcheinander meines Büros und tauchte nie wieder auf. María half mir noch dabei, Dinge zu verlieren, denn sie war unfähig, ein Archiv auf dem aktuellen Stand zu halten. Wenn ich wegen des Chaos tobte, kam sie immer mit dem Spruch »hier geht nichts verloren, es ist alles nur gut versteckt«.

Ich blickte Richtung Avenida Corrientes. Ein Zeitungsverkäufer pries die Morgenausgaben von Crónica, La Nación und Clarín an. Während ich genüsslich in den zweiten Churro biss, beschloss ich, mich sofort an die Arbeit zu machen. Erst sah ich mir eine Weile die Fotos von Carla an, als läge vielleicht in ihnen der Schlüssel des Geheimnisses. Carla in der Schule, an der Uni, mit Freunden, im Urlaub mit ihren Eltern, im Urlaub mit Kommilitonen, auf Partys. Rein nichts. Alles absolut normal für ein zwanzigjähriges Mädchen. Sie war etwa eins sechzig groß, gut gebaut und wunderhübsch: kurzes schwarzes Haar und grüne Augen. Kein Wunder, dass die Männer auf sie flogen. Ein äußerst attraktives Mädchen mit einem warmherzigen und zugleich klugen Blick.

Ich trank den letzten Rest der heißen Schokolade, steckte mir eine Zigarette an und las die eineinhalb Seiten, die Juan Carlos Forrester niedergeschrieben hatte. Er sprach unter anderem von Carlas temperamentvollem Wesen und enthüllte ihren Charakter so lieblos, als spräche er von einer Fremden.