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Süß, engelsblond - und ganz schön frech
Wie die kleine Saskia sich in das Herz eines Kinderfeindes schlich
Von Heide Prinz
Der erfolgreiche Journalist Tim macht kein Geheimnis daraus, dass ihm Kinder mit ihrem Chaos, Geschrei und Spielen zuwider sind. Umso heftiger sitzt deshalb der Schock, als er erfährt, dass er seit fünf Jahren Vater ist. Die Mutter der kleinen Saskia ist kürzlich bei einem Unfall ums Leben gekommen. Nur deswegen erfährt er überhaupt etwas von dem Kind!
Tim ist völlig verstört. Er und Vater - einfach undenkbar! Trotzdem kann er die Tatsache nicht einfach ignorieren und fährt eines Tages los, um sein Töchterchen kennenzulernen. Vielleicht kann er ja mit der Frau, bei der Saskia derzeit lebt, ein Abkommen aushandeln. Unterhalt zahlen würde er ja schon.
Doch als sich Vater und Tochter dann gegenüberstehen, in diesen Minuten, in denen ein Kinderfeind einem niedlichen, vorlauten, blonden Mädchen begegnet, passiert etwas Unglaubliches ...
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Seitenzahl: 108
Veröffentlichungsjahr: 2019
Cover
Impressum
Süß, engelsblond – und ganz schön frech
Vorschau
BASTEI ENTERTAINMENT
Vollständige eBook-Ausgabeder beim Bastei Verlag erschienenen Romanheftausgabe
Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG
© 2018 by Bastei Lübbe AG, Köln
Programmleiterin Romanhefte: Ute Müller
Verantwortlich für den Inhalt
Titelbild: Chernikovy Sisters / shutterstock
eBook-Produktion:3w+p GmbH, Rimpar
ISBN 9-783-7325-7712-5
www.bastei-entertainment.de
www.lesejury.de
www.bastei.de
Süß, engelsblond – und ganz schön frech
Wie die kleine Saskia sich in das Herz eines Kinderfeindes schlich
Von Heide Prinz
Der erfolgreiche Journalist Tim macht kein Geheimnis daraus, dass ihm Kinder mit ihrem Chaos, Geschrei und Spielen zuwider sind. Umso heftiger sitzt deshalb der Schock, als er erfährt, dass er seit fünf Jahren Vater ist. Die Mutter der kleinen Saskia ist kürzlich bei einem Unfall ums Leben gekommen. Nur deswegen erfährt er überhaupt etwas von dem Kind!
Tim ist völlig verstört. Er und Vater – einfach undenkbar! Trotzdem kann er die Tatsache nicht einfach ignorieren und fährt eines Tages los, um sein Töchterchen kennenzulernen. Vielleicht kann er ja mit der Frau, bei der Saskia derzeit lebt, ein Abkommen aushandeln. Unterhalt zahlen würde er ja schon.
Doch als sich Vater und Tochter dann gegenüberstehen, in diesen Minuten, in denen ein Kinderfeind einem niedlichen, vorlauten, blonden Mädchen begegnet, passiert etwas Unglaubliches …
Das Telefon auf seinem Schreibtisch in der Redaktion schlug an, als Tim Wiesner, Reporter beim ÜBERBLICK, eben erleichtert das letzte Wort getippt hatte. Die Zeit drängte. Der Beitrag über die Kindergartenmisere sollte noch in der nächsten Ausgabe erscheinen. Die Setzerei hatte diesen bereits angemahnt.
Im ersten Impuls dachte Tim daran, das Klingeln einfach zu ignorieren. Doch dann überlegte er, dass es sich ja auch um eine wichtige Mitteilung handeln könnte, die sonst womöglich beim Konkurrenzblatt landete. Tim war viel zu sehr Profi, um ein solches Risiko einzugehen. Also griff er, während er sich schon erhob und mit einer Hand die Blätter aufeinanderhäufte, mit der anderen zum Hörer.
»Wiesner.« Tims Stimme war die Ungeduld deutlich anzumerken.
»Herr Wiesner«, meldete sich der Pförtner vom Haupttor. »Ich habe hier einen an Sie adressierten Brief. Können Sie den wohl gelegentlich bei mir abholen?«
»Schicken Sie ihn mir einfach mit der Hauspost hoch«, veranlasste Tim und wollte schon wieder auflegen.
Doch der Pförtner fuhr fort: »Ich habe der Dame versprechen müssen, Ihnen den Brief nur persönlich auszuhändigen. Sie bat ausdrücklich darum.«
»Der Dame? Er ist nicht mit der Post gekommen, sondern wurde gebracht? Wann?«
»Vor einer halben Stunde etwa. Ich habe gleich bei Ihnen angerufen. Aber es hat sich niemand gemeldet.«
»Kann sein, dass ich mal eben kurz raus war. Ist der Brief eilig?«
»Keine Ahnung. Ich hatte allerdings nicht diesen Eindruck. Dringlich hat die Dame es nur insoweit gemacht, als sie mich bat, niemandem sonst als Ihnen selbst den Brief auszuhändigen.«
»Und sie hat nicht gesagt, um was es geht?«
»Nein, hat sie nicht.«
Mein Gott!, dachte Tim erschrocken, als er auf seine Armbanduhr schaute. Ich stehe hier und stelle Fragen, anstatt einfach Okay zu sagen und auf dem Rückweg von der Setzerei kurz beim Pförtner vorbeizuschauen. Die Zeit lief ihm davon.
»Ich hole mir den Brief in ungefähr zehn Minuten ab«, versprach Tim und legte auf.
Mit großen Schritten durchmaß er den großen Redaktionsraum und hastete die Treppe hinunter. Dabei prallte er einen Stock tiefer fast mit einer der jungen Damen aus der Buchhaltung zusammen, die, einen Arm voller Aktenordner, zügig durch die Schwingtür trat.
»Entschuldigung«, bedauerte Tim und konnte einem Zusammenprall im letzten Augenblick eben noch ausweichen. Um sie zu versöhnen, lächelte er sie bewundernd an und streichelte flüchtig über ihre Wange. »Hab’s furchtbar eilig.«
»Wann habt ihr Reporter das mal nicht?«, entgegnete sie ärgerlich und blickte ihm kopfschüttelnd nach.
Tim hielt sich in der Setzerei nicht lange auf. Wie versprochen machte er auf dem Rückweg einen Umweg zur Hauptpforte hin und verlangte den Brief.
Äußerlich war diesem nicht anzusehen, ob er brisante Nachrichten enthielt. Es handelte sich dabei um einen neutralen weißen Umschlag ohne Absender.
Anstatt ihn gleich zu öffnen und der Sache auf den Grund zu gehen, wedelte Tim mit dem Umschlag durch die Luft wie mit einem Fächer. Obwohl für ihn Hinweise und Meldungen, die von außerhalb kamen, sein tägliches Brot bedeuteten, beschlich ihn in diesem Fall seltsamerweise das Gefühl, als könne der Brief etwas Unangenehmes enthalten.
»Hat die Dame gesagt, um was es geht?«, fragte Tim lauernd.
»Nein. Sie hat mich lediglich um persönliche Aushändigung gebeten. Weiter nichts. Stimmt etwas nicht, Herr Wiesner?« Der Pförtner machte ein interessiertes Gesicht.
»Doch, doch, alles in Ordnung«, versicherte Tim rasch. »Ich hätte nur gern gewusst, ob ich die Dame vielleicht persönlich kenne.«
Der grauhaarige Pförtner zog kurz die Schultern hoch. Kann ich nicht sagen, sollte das wohl bedeuten.
»Einen Gruß hat sie auch nicht ausrichten lassen?«
»Tut mir leid, nein.«
Tim steckte den Brief ungelesen ein und eilte, immer zwei Stufen auf einmal nehmend, zurück in die Redaktion. Dort angekommen, ließ er sich mit Wucht in seinen Drehstuhl fallen und streckte seine Beine von sich. Da der Umschlag nicht besonders sorgfältig zugeklebt war, bedurfte es keines Brieföffners. Es genügte der Zeigefinger, den er unter die Lasche schob, um den Umschlag zu öffnen.
Wenn Tim bei dieser dringlichen Bitte um persönliche Aushändigung auf eine brisante Story gefasst gewesen war, dann wurde er jetzt einigermaßen enttäuscht. Die äußerst unschuldig aussehende Karte, die er hervorzog, enthielt neben Namen, Adresse und Telefonnummer lediglich die Bitte, »gelegentlich« mit der Absenderin Kontakt aufzunehmen. Dies könne auch telefonisch geschehen. Sie habe ihm etwas mitzuteilen.
Auf ein aktuelles Thema deutete das keineswegs hin. War also wohl doch nicht so besonders wichtig, was sie ihm mitzuteilen hatte. Was Tim, der auf etwas Sensationelles gefasst gewesen war, zusätzlich ärgerte, war die Art, wie manche Menschen sich wichtigmachen wollten. Die Frau wohnte in einer Kleinstadt etwa fünfzig Kilometer von Tims Arbeitsplatz entfernt, war hier gewesen und hatte ihm dennoch nicht persönlich ihr Anliegen vortragen können. Nein, sie wollte angerufen werden!
Wenn sie sich zurzeit schon in der Stadt befand und sogar ihre schriftliche Bitte persönlich beim Pförtner abgeben konnte – warum hatte sie Tim dann nicht gleich herunterrufen lassen, um ihm unmittelbar zu erklären, was sie von ihm wollte? Das wäre doch am einfachsten gewesen! Vermutlich gehörte sie – er hatte total vergessen, nach dem Alter der Frau zu fragen – zu der umständlicheren Spezies Mensch, die auch noch die einfachsten Dinge komplizierte.
Tims anfängliches Interesse ließ beträchtlich nach. Was immer es auch sein mochte, was die Frau ihm mitzuteilen hatte, im Moment waren ihm sowieso die Hände gebunden. Erreichen würde er sie jetzt doch nicht. In der kurzen Zeit konnte sie unmöglich bereits wieder zu Hause eingetroffen sein. Und wo sie sich hier in der Stadt aufhielt – und für wie lange –, das ging aus den wenigen Worten nicht hervor.
Tim nahm sich vor, die Unbekannte, wie sie es gewünscht hatte, »gelegentlich« einmal anzurufen und nach ihren Wünschen zu fragen. Zunächst aber ließ er die Karte gelangweilt in seinen überquellenden Ablagekorb segeln – wo sie schon kurz darauf unter einem weiteren Stapel erledigter wie auch unerledigter Korrespondenz verschwand und von niemandem mehr beachtet wurde.
Noch deutete nichts darauf hin, dass diese kleine, nun versteckte, so unschuldig aussehende Karte einmal sein ganzes Leben verändern würde …
♥♥♥
Etwa drei Wochen später rief die Frau am frühen Nachmittag in der Redaktion an.
Tim war erst kurz zuvor ins Verlagshaus zurückgekehrt. Seit dem frühen Morgen hatte er unentwegt für eine Story recherchiert und außer etlichen Tassen nachtschwarzen Kaffees noch nichts zu sich genommen. Von Hungerfantasien heimgesucht, wollte er eben in die Kantine gehen, als sein Telefon klingelte.
»Wiesner«, meldete er sich unlustig.
»Hier spricht Isabel Grotheer. Haben Sie meine Nachricht nicht erhalten, Herr Wiesner?«, fragte eine ihm unbekannte Frauenstimme.
Grotheer? Grotheer? Den Namen hatte er doch schon irgendwo gehört? Im Augenblick jedoch wollte Tim beim besten Willen nicht einfallen, in welchem Zusammenhang.
»Entschuldigen Sie bitte, Frau Grotheer, aber in der letzten Zeit ging es bei mir so hektisch zu, dass meine Erinnerung mich momentan im Stich lässt. Helfen Sie mir doch bitte auf die Sprünge. Um welche Nachricht handelt es sich?«
Tim, der aus unerfindlichen Gründen – niemand konnte sich schließlich alles merken – ein schlechtes Gewissen bekam, warf trotz seines knurrenden Magens seinen ganzen Charme in die Waagschale.
»Ich hatte Ihrem Pförtner vor drei Wochen einen Umschlag mit der Bitte überreicht, Ihnen diesen persönlich auszuhändigen. Auf diese Weise glaubte ich sicher sein zu können, dass meine Nachricht Sie in jedem Fall erreicht, Herr Wiesner«, erklärte die Frau sachlich. »Eigentlich bin ich davon ausgegangen, dass er meinem Wunsch auch nachkommt. Er wirkte so vertrauenerweckend. Wie ich jetzt sehe, muss ich mich wohl getäuscht haben.«
Im selben Moment stellte sich bei Tim die Erinnerung wieder ein. Während er mit der einen Hand den Hörer hielt, griff seine andere stöbernd in den Wust von Papieren in seinem Ablagekorb. Die Karte musste dort irgendwo vergraben sein. Wenn er sie jetzt doch bloß wiederfinden würde …!
Es grenzte schon fast an ein Wunder, dass er tatsächlich ohne übermäßige Anstrengungen jene Karte unter seinen gesammelten, teilweise völlig überalterten Werken wiederfand. Sie hatte sich mit einer Ecke im Gitter des roten Kunststoffkörbchens verfangen.
Es wäre nun ein Leichtes gewesen, die Frau in dem Glauben zu lassen, der Pförtner habe eine Pflichtverletzung begangen. Aber das entsprach nun doch nicht Tims Stil. Man konnte ihm manche Schwäche oder Unzulänglichkeit nachsagen, aber nicht, dass andere für von ihm selbst begangene Fehler den Kopf hinhalten mussten.
So gab sich Tim auch jetzt ziemlich zerknirscht und bekannte, dass leider er selbst es gewesen war, der die Karte verlegt hatte. Der Pförtner sei in der Tat stets sehr zuverlässig.
»Ich bitte Sie herzlich, mir zu verzeihen, liebe Frau Grotheer«, fügte Tim schuldbewusst hinzu.
Er bot seinen ganzen Charme auf, um sie zu besänftigen. Besonders, da es sich um eine Anruferin mit äußerst anziehender Stimme handelte, wie Tim fand. Und der Damenwelt war er bereits seit seinen ersten erkennbaren Bartstoppeln sehr zugetan.
Es hatte in seinem Leben nicht viele Frauen gegeben, die immun gegen seine Eroberungskünste geblieben waren. Darauf bildete Tim sich eine Menge ein. Aber sobald eine Beziehung in eine bestimmte Richtung – sprich: mögliche Heirat – abdriftete, hatte er es immer wieder geschickt verstanden, die zarten Bande möglichst rasch zu lockern. Und danach schnellstens zu durchtrennen.
Ein Leben mit nur einer einzigen Frau konnte er sich einfach nicht vorstellen. Zur Übernahme von Verantwortung für andere verspürte er nicht den leisesten Drang.
Tim reizte stets nur das Neue. Und ein bisschen anfänglicher Widerstand erhöhte höchstens den Reiz dieses Spiels mit dem Feuer. Er war das Salz in der Suppe, der durchgehende Faden einer endlos langen Kette von Verliebtheiten und Verrücktheiten – von welchen am Ende oft nicht einmal mehr die Erinnerung an bestimmte Gesichter zurückblieb.
Hier oder da wenigstens mal ein kleiner Anflug von Reue oder Bedauern? Nein, nicht bei Tim. Erobert, genossen und – abgelegt. Auch in privater Hinsicht hielt er es mit dem Motto aller Journalisten: Nichts ist so alt wie die Zeitung von gestern.
Diese Frau hier schien sich momentan noch in der Rolle der Kühlen, der Überlegenen zu gefallen. Ihrer Stimme fehlte noch die schmeichelnde Wärme, die Tim an einer Frau so liebte. Aber sie waren einander ja bisher auch noch nicht persönlich begegnet. Sobald sie sich erst von Angesicht zu Angesicht gegenüberstanden, würde es mit der kühlen Distanz vorbei sein. Das hatte ihn die Erfahrung gelehrt.
Ständig mit immer neuen Menschen – und besonders Frauen aller Altersstufen – zusammenzukommen, empfand Tim als die angenehmste Begleiterscheinung seines Berufs.
»Aus Ihrer Karte geht leider nicht hervor, was Sie mir mitzuteilen haben«, fuhr Tim liebenswürdig fort. »Können Sie mir bitte einen Hinweis geben, um was es sich handelt?«
»Tut mir leid. Das lässt sich am Telefon leider nicht besprechen«, erwiderte sie. »Ich möchte Sie jedoch dringend bitten, mich gelegentlich zu besuchen, Herr Wiesner. Allerdings nach vorheriger Anmeldung, damit ich auch wirklich zu Hause bin«, fügte sie erklärend hinzu.
Tim war äußerst verblüfft. Was glaubte sie, wer er war? Verwechselte sie ihn hier mit einem Hündchen, das auf Kommando Männchen machte? Um zu ihr zu kommen, genügte kein kleiner Umweg innerhalb der Stadt. Wenn er zu ihr hinausfuhr, ging mindestens ein halber Tag flöten. Und das vielleicht für eine Sache, die ihn überhaupt nicht interessierte.
Dies gab Tim unumwunden zu bedenken. Doch die Fremde bat – ohne die geringste Angabe eines Grundes – nur umso dringlicher um seinen Besuch. Am Telefon wolle, nein, könne sie keine Angaben machen, versicherte sie.
Das klang ja äußerst geheimnisvoll. Genauso zielbewusst, wie Tim gewöhnlich bei einer Frau vorging, die ihn interessierte, wusste diese Unbekannte offenbar, wie man den Instinkt eines Reporters anregte. Dieses kleine Biest!, dachte Tim amüsiert.
»Nicht der kleinste Anhaltspunkt?«, versuchte er es ein letztes Mal.
»Tut mir leid, Herr Wiesner« erwiderte sie kühl. »Aber ich verspreche Ihnen eine außergewöhnlich interessante Story!«
»Das sagen Sie! Aber woher soll ich wissen, dass ich nicht anderer Meinung sein werde, wenn ich erst höre, um was es geht?«
