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Kennen sie diese Situationen auch- Irgendetwas Rästelhaftes passiert und sie suchen eine logische Erklärung dafür. Ihre Freunde überlegen mit Ihnen und sie finden sich schon damit ab, dass sie die Lösung nicht finden- niemals eine Antwort bekommen. Dann erfahren sie etwas völlig anderes. Irgendwann einmal stolpern ihre Gedanken, merken auf, bringen Ihnen dann eine überhaupt nicht erwartete Tatsache und sie haben die Lösung.Genau so geht es den Menschen in den 3 Kurzgeschichten. Zuerst wundern sie sich,dann fühlen sie sich ungemütlich, dann fühlen sie sich horrend, um zuletzt zufrieden festzustellen, dass alles logisch war
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Seitenzahl: 159
Veröffentlichungsjahr: 2015
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Gerd Ruttka
Fast ein Krimi
Vieles endet anders als man dachte,gewöhnlich aber bizarr.
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Inhaltsverzeichnis
Titel
Altenbach Haus Nr.5
Ein idyllisches Haus
Forellenwasser
Impressum neobooks
Hanna würdeam Wochenende zu einer Fortbildung fahren. Mit dem Nachtzug nach Berlin
2 Wochen Fortbildung, und montags würde sie wieder kommen. Die Kinder waren auf dem Pferdehof der Visters.
Steezer hatte sich freiwillig zum Nachtdienst für die Wochenenden von Freitag bis Montag gemeldet. Das erste Wochenende war ruhig, fast schon zu ruhig.
KKKrause, kurz KKK genannt, der Leiter des Kriminaldienstes, hatte mit ihm gemeinsam Dienst. KK Krause war alleinstehend. Ein Mittfünfziger, grauhaarig, sportlich und schlank. Er hatte noch immer das schüchterne Lächeln mit dem er als 20 jähriger aufgefallen war, was manchen schweren oder auch leichteren Jungen beim ersten Zusammentreffen zu einer falschen Einschätzung verleitete. So wurden viele unvorsichtig, versuchten mit Krause Katz und Maus zu spielen, um am Ende dann festzustellen, dass sie selbst die Maus waren.
Krause bewohnte das Haus seiner verstorbenen Eltern, und das war auch alles was man von seinem Privatleben wusste. Eine Zeit lang hatte man gemunkelt, er sei schwul und er befürchte entlassen zu werden.
Aber dieser Verdacht zerschlug sich, als er zufällig beim Oktoberfest in München von einer Fernsehkamera erfasst wurde. Die Frau die er im Arm hatte, war gutaussehend, und so wohl proportioniert, dass kaum einer noch Zweifel hatte, dass er nicht schwul war. Aber als man ihn nach ihr fragte, erklärte er einfach:" Das geht niemanden etwas an, außer mir". Er bemerkte dann, dass dies eine schroffe Antwort war, fügte dann versöhnlich hinzu: " Sollte ich 'mal eine Frau zu Euch mitbringen, dann wisst ihr: es ist was Ernstes."
Man kannte seinen Musikgeschmack, man wusste, dass er gerne tanzte, man wusste welchen Sport er trieb, wo er Urlaub machte. Aber, da er nie verheiratet war, wurde nie bekannt, ob er zu der jeweiligen Zeit eine Lebenspartnerin hatte. Irgendwann einmal hörte man auf im Büro darüber zu spekulieren. Zuletzt machte sich keiner mehr Gedanken darum, zumal es Wichtigeres gab.
Seit seine Eltern nicht mehr lebten, übernahm er gerne die langen Wochenenddienste, obwohl er als Chef des KD durchaus keine Wochenenddienste mehr machen musste. Auch an diesem Wochenende hatte er den Dienst für Helga Nickel übernommen. Diese war die Schwarzgurt -Trägerin ihres Vereines mit dem höchsten Dan. Sie hatte schon einen Namen in ihren Kreisen,. dazu war es für sie eine Herzensangelegenheit ihr "Dotscho" bei einem Turnier zu vertreten.
Steezerkam es gerade recht, dass er zusammen mit Krause Dienst hatte, denn Krause war wie er Schachspieler. Die Zeit, in der sie keine Büroarbeit mehr leisten konnten, aber auch nicht schlafen wollten, konnten sie stets mit einer Partie Schach überbrücken. Zuweilen kam es vor, dass das Schachbrett mit einer angefangenen Partie über das ganze Wochenende auf dem Schreibtisch eines Kollegen stand. Für die Kollegen war das das Zeichen, dass die beiden den langen Wochenenddienst hatten. So kam es vor, dass Steezer und Krause zurück von ihren Einsätzen seelenruhig weiter spielten, bis der nächste Einsatz kam.
Es ist früher Morgen, fünf Uhr. Sylvie, wie sie von allen genannt wird, die junge, adrette Beamtin, die alle paar Wochen eine neue Haarfarbe hat, im Moment ist ihr Haar fast lilafarben Rot, liegt im Ruheraum, der mit einem direkten Zugang neben der Pförtnerloge ausgebaut wurde. Eigentlich ist dieser Raum die Stockwerksküche, aber am Wochenende kann der Kollege der für den langweiligen Pförtnerdienst eingeteilt ist, sich etwas hinlegen um zu ruhen." Noch eine Stunde, " denkt sie, " dann kommt die Ablösung." Sie verfällt wieder in einen leichten Halbwach-Zustand der sie immer gegen Ende des langen Wochenend-Dienstes überfällt, wenn sie in dem bequemen Schlafsessel halbliegend sitzt. Das schnarrende Klingelzeichen vom Haupttor ertönt. Sofort ist sie hellwach und auf den Beinen. Im Aufstehen wirft sie einen Blick aus dem Fenster. Am grossen Haupttor steht eine Person, deren Haare im Licht der aufgehenden Sonne in einem Rotton glänzen, von dem Sylvie weiss, daß man dieses Rot nicht einfärben kann. Sie wendet sich durch die Tür an den Schreibtisch in der Pförtnerloge.
Auf dem Monitor sieht sie eine Frau. Deren Alter ist schwer einzuschätzen. Sie konnte ebenso 30 wie 45 Jahre alt zu sein. Ihr lockiges mittellanges Haar liegt in einer geordneten Frisur um ihren Kopf. Sie trägt gute Kleidung, langärmelige Bluse und eine lange Hose. Beiden Kleidungsstücken sieht man an, dass sie nicht vom Versandhandel kommen, sie haben einen kleinen gewissen aparten Pep, der auf die Qualität hinweist. An der Bluse sind es die Knöpfe, und an der Hose der extravagante Bund, der wie geflochten aussieht. "Eine ordentliche Frau mit Geld", denkt Sylvie. Sie drückt den Knopf der Gegensprechanlage." Ja, bitte?" fragt sie freundlich.
Eine zittrig-dünne Frauenstimme dringt an ihr Ohr. "Ich muss unbedingt gleich einen Kriminalbeamten sprechen!" "Die Frau trägt keine Handtasche, keine Jacke, nichts deutet daraufhin, dass sie etwas im Schilde führen könnte", stellt Sylvie in Gedanken fest. Sie drückt den Knopf, der eine kleine schmale Tür an dem großen Gittertor öffnet. Die Frau tritt ein, überquert den Hof, steht nun an der Türe zum Eingangsbereich des Reviers. Die Beamtin öffnet auch diese Türe und lässt die Frau ein.
Als die Frau den grell erleuchteten Vorraum zur Pforte betritt, erschrickt Sylvie. Noch niemals in ihrer bisherigen Laufbahn hat sie einen Menschen gesehen, der so bleich und offenbar geschockt war, wie diese Frau.
"Kann ICH etwas für sie tun?" fragt sie. Aber die Frau schüttelt nur den Kopf. "Nein, aber ich muss unbedingt persönlich einen Kripobeamten sprechen." Ihr Ton ist jetzt drängend, aber ihre Stimme wirkt noch immer dünn und zitternd. Die junge Beamtin bittet die Frau sich zu setzen, und zeigt auf die Bank gegenüber der Pforte. Gehorsam wie ein kleines Kind setzt die Frau sich hin, während Sylvie den Kripo-Nachtdienst anruft." Hoffentlich ist er schon aufgewacht", überlegt sie. Noch während sie überlegt, hebt er den Hörer ab und meldet sich.
Steezer meldet sich, aber er hört sich entnervt an." Was gibt es denn so früh am Morgen, Sylvie?" Sylvia erklärt ihm die Situation. "Ich komme sofort, Mädchen!" antwortet er forsch. Wirklich steht er zwei Minuten später schon vor ihrer Türe. Stumm deutet Sylvia, die junge Beamtin, auf die im Vorraum sitzende, bleiche, offenbar am ganzen Körper zitternde Frau Die Frau ist aufgestanden. Jetzt sieht man es deutlich: sie zittert am ganzen Leib, die Arme und Hände bis in die Fingerspitzen flattern, selbst ihre Beine scheinen sie kaum zu tragen, als sie den Beamten durch die innere Sicherheitsschleuse in den Vorraum treten sieht. "KK Steezer", stellt er sich vor, streckt ihr die Hand hin. Doch sie bemerkt diese Geste nicht "Bitte", ihre Stimme ist jetzt fast unhörbar vor Zittern, "bitte, ich muss unbedingt eine Anzeige machen." Die dünn-zitternde Stimme veranlasst Steezer, der Beamtin in der Pforte ein Zeichen zu geben, dass sie die Schleuse öffnet. Steezer geht der Frau voraus, in ein kleines Büro.
Überall an den Wänden hängen bunte Reklame-Plakate. Plakate zur Anwerbung von neuen Polizisten, Reklame zur Verhütung von Taschendiebstahl, Aufforderung darauf zu achten was mit Kindern geschieht, Reklame zum Straßenverkehr. Aber die Frau scheint diese Plakate nicht zu bemerken. Ihr Blick hängt irgendwo in der Luft, abwesend, beschäftigt damit die äußeren Umstände im gerade noch vertretbaren Minimalumfang zu erkennen und festzustellen, was sich um sie herum abspielt. Steezer nimmt hinter dem Schreibtisch Platz, bietet ihr durch ein Handzeichen den Stuhl an, der vor dem Schreibtisch steht. Während Steezer auf dem Computer das Protokollblatt aussucht, kommt Krause dazu, wirft einen Blick in die Runde, will wieder gehen, aber Steezer gibt ihm ein Zeichen mit den Augen, doch hierzubleiben. So geht Krause an den kleinen Eckschrank, nimmt einen Ordner heraus, schlägt ihn auf, und betrachtet, Wichtigkeit vortäuschend, das Deckblatt zu einer Werbebroschüre.
Steezer hat inzwischen das Blatt gefunden "Sie heißen?" fragt er freundlich", "Clara Höller, Clara mit C am Anfang, geb. Müller!" leiert sie mit kleiner, automatisch klingender, nahezu gleichgültig-abwesender Stimme herunter. Krause dreht sich um, starrt die Frau an. Mit einem hellwachen, fast scharf prüfenden, überhaupt nicht mehr schüchternen Blick. Er bleibt so stehen offenbar alle Sinne angespannt. Steezer wirft ihm einen kurzen Blick zu, befasst sich dann jedoch sofort wieder mit dem Ausfüllen des Formulars. " Und wo wohnen sie?" fragt er in höflich freundlichem Ton.
Noch immer antwortet die Frau in einem Tonfall, automatisch, abgehackt, Roboter-mäßig "Wohnhaft in 'das kleine Haus' in Altenbach, Haus Nr. 5." Er tippt min seiner Methode die Adresse ein -zweiFinger Adler Methode, "Suchen und zustoßen!" erklärt er lächelnd. Ob die Frau ihn gehört oder verstanden hat, kann er nicht feststellen. "Und was möchten sie anzeigen?" fragt er freundlich weiter, in der Hoffnung, daß die Anspannung der Frau sich löst, wenn sie den Grund ihres Kommens genannt hat.
Wirklich, sie atmet tief durch, wie ein Mensch atmet, der eine große Erleichterung empfindet. Ihr Blick scheint nicht mehr durch alles hindurchzusehen. Sie wirft einen Blick auf Steezer, dann auf Krause. Dann sieht sie Steezer ins Gesicht, "Mein Mann, Klaus Höller ist tot. Ich habe ihn getötet." berichtet sie mit ihrer nur noch leicht zitternden Stimme. Dann, als habe ihr gesamter Geist und Körper nur darauf hin gearbeitet, diesen einen Satz an dieser Stelle zu sagen, bricht sie lautlos zusammen, ihr Kopf fällt auf den Schreibtisch vor ihr, und sie gleitet wie ein nasses Bündel lautlos zu Boden. Krause scheint diesen Zusammenbruch erwartet zu haben, er ist schon dabei zu der Frau hin zu gehen, als sie ohnmächtig wird. Er kann sie gerade noch auffangen, bevor ihr Kopf auf dem Boden aufschlägt.
KK Krause beginnt sofort den Puls der Frau zu überprüfen. "Normal!" stellt er mit verblüffter Stimme fest. Auch Steezer fühlt den Puls- auch er kann nichts anderes als "Völlig normal", festzustellen." Ich geh eben mal schnell zu Paulis," Krause hat schon die Türklinke in der Hand, um zu Peter Paulis zu gehen, einem Kollegen, von dem man weiss, dass er beim Roten Kreuz sei nunmehr fast 20 Jahren freiwillig Dienst macht, im Krankenwagen der in seinem Wohnort in der Halle der Feuerwehr steht.
Peter Paulis eilt auf der Stelle herbei mit seinem unvermeidlichen "Erste-Hilfe- Koffer". Er kniet neben die Frau nieder, fühlt den Puls. Er legt seine Hand auf ihre Stirn, ob die Frau Fieber hat. Aber er ist ratlos, er legt der Frau die Blutdruckmanschette, den Fingerclip zur Kontrolle an Aber während er den Blutdruck kontrolliert wird er immer verwirrter, sein Blick wird ratloser. Irritiert und ratlos den Kopf schüttelnd teilt er seinen Kollegen mit, was ihn ratlos macht: "Alles normal, alles im grünen Bereich."
Dann versucht er mit Hilfe der Kollegen einige Tricks, die sie vielleicht wieder aufwecken könnten. Das fängt damit an, dass sie die Frau so halten, als würde sie einen Patienten füttern, hört damit auf, dass sie versuchen die Fremde mit Wasser zu besprengen. Aber die Frau erwacht nicht.
Als Steezer und seine Kollegen nach 15 Minuten mit ihren Kenntnissen von erster Hilfe nichts erreicht haben, rufen sie den Rettungsarzt an. Kollege Paulis drückt auf den Speziellen Knopf an seinem Handy, hat einige Augenblicke später einen Notarzt in der Leitung." Hallo, Doktor Lössler, Paulis hier. Wir haben hier in der Wache eine Frau die wir nicht aus der Ohnmacht holen können." Dann hört er zu, antwortet: "Ja- gut, versuche ich- in Parterre, die Pforte zeigt Euch wo's langgeht.-ja, ich sag ihr Bescheid. Bis gleich."
Die Umstehenden hören aus dem Handy den Klang der Krankenwagen- Sirene. Dann wird der Kontakt abgebrochen. Keine 10 Minuten vergehen, schon hören sie das herannahende Martinshorn. Eine kurze Zeit später eilen ein Arzt und eine Sanitäterin mit ihren Taschen in das Büro mit den vielen Plakaten. Sylvie hat den Pförtnerdienst inzwischen ihrer Ablösung übergeben. Jetzt stellt sich an den Eingang der Pforte, dreht sich nach einem kurzen Moment um, zieht die Türe hinter sich in das Schloß. Sie schlendert hinter Arzt und Sanitäterin her zu dem Raum in dem die bleiche Frau liegt. Sie will sich nur davon überzeugen, dass diese Ohnmacht nicht auf etwas schlimmerem basiert, das sie nicht bemerkt hat. Einfach, damit sie sich keine Vorwürfe machen muss, und ihre 3 freien Tage genießen kann,
Der Notfallarzt sieht die am Boden liegende, bleiche, ohnmächtige Frau, richtig auf der Seite gelagert. Die Sanitäterin dreht sie auf den Rücken, krempelt den Ärmel der weiten Bluse bis über den Ellbogen hoch, weicht dann dem Arzt. Der legt eine Kanüle in ihrem Innenarm kurz unter ihrer Armbeuge, während die Sanitäterin die Bluse der Frau öffnet, damit der Arzt die Frau an das tragbare EKG-Gerät anschließen kann. Sie hat erst drei Knöpfe geöffnet, als ihr ein kleiner Schrei, ein Aufschrei voll Entsetzen über die Lippen kommt, während sie zurückprallt.
Alle Anwesenden drehen sich zu der am Boden liegenden Frau um." OH, mein Gott, " Sylvie, die junge Beamtin die in der Pforte abgelöst wurde, steht in der Türe. Sie presst sich die Hand vor den Mund, so, als wolle sie damit einen Schrei verhindern. Jetzt ballt sie beide Hände zu Fäusten, hält sich jedoch, die Augen voll Entsetzen, die geballte Faust vor den Mund.
Steezer hat seine Hände in die Hosentasche gesteckt, ballt sie zur Faust in der Tasche.
KK Krause verliert jede Farbe im Gesicht.
Einer der ebenfalls anwesenden Streifenbeamten ballt eine Hand zur Faust, schlägt sich mit seiner Faust in die halb geöffnete zweite Hand. Sein Kollege schüttelt den Kopf, als wolle er die ganze Situation überhaupt nicht sehen.
Alle starren auf den Körper der Frau. Auf den Oberkörper, der durch die geöffnete Bluse sichtbar ist. Der Oberkörper, der von verschieden alten Hämatomen übersät ist, von frischem rot über lila und blau zu grüngelb sind alle Stadien von Hämatomen zu sehen. Alle erkennen: Irgendjemand hat diese Frau bewusst und gezielt verletzt, malträtiert- sehr gezielt an Stellen die durch Kleidung verdeckt waren, damit niemand diese Markenzeichen einer gemeinen Brutalität erkennen kann.
Der junge Arzt legt jetzt der Frau eine Kanüle. Vorsichtig, so vorsichtig, als könne er damit diese entsetzlichen Zeichen einer brutalen Aggression verschwinden lassen, führt er eine Kanüle eine Kanüle in den Arm, "Novamin" sagt er ruhig", bitte, keine Ampulle, die Infusionsflasche- wir werden sie in die Intensivstation bringen." ---- - "und ihnen mitteilen, wenn sie wieder aufgewacht ist", wendet er sich an die Polizisten.
Die Beamten nicken schweigend. Peter Paulis geht mit nach unten die Trage zu holen. Vier Mann helfen den Sanitätern, vorsichtig hieven sie die Frau auf die Trage, alle bemüht, dass diese nicht noch mehr Schmerzen erleiden muss, als sie offensichtlich schon hat. Alle haben schon viele Fälle von Körperverletzung durch häusliche Gewalt erlebt, aber in dieser exzessiven Form ist es selbst für den abgeklärtesten unter den Beamten ein Schock.
Für alle ist dieser Anblick, gerade jetzt zum Ende eines anstrengenden Wochenenddienstes, Grund dafür, festzustellen, daß sie sicher sind, den richtigen Beruf gewählt zu haben. Selbst wenn es Dienste wie den langen Wochenenddienst gab, der jeden körperlich und geistig auspowerte.
Zwei Beamte im Streifenwagen werden nach Altenstadt gesandt. Sie finden die Tür des Hauses geöffnet, in der Küche sehen sie den Toten mit einem Messer in dem Rücken liegen. Sofort verlassen sie wieder das Haus und benachrichtigen die Kollegen von der Kripo.
Steezer, der Strohwitwer, hatte sich im Ruheraum der Wache zum Schlafen gelegt, denn er wollte unbedingt von Anfang an mit diesem Fall befasst sein. Er gehörte zu der Gruppe der Beamten die nach der Spurensuche als erste den Raum betraten, noch bevor die Leiche abtransportiert wurde.
Zu seinem Erstaunen waren die Kollegen von der Spurensuche schon nach kürzester Zeit wieder aus dem Haus gekommen. Während der Arzt mitteilte, er habe festgestellt, dass der Mann schon 8-10 Stunden tot war, fluchten die Beamten der Spurensuche "Das Haus ist wie geleckt, da hat einer heute Nacht eine Grundreinigung vorgenommen- einzig die Küche, in der die Leiche liegt, ist offenbar nicht berührt worden. Das Messer steckt noch in der Wunde, allerdings in einem höchst sonderbaren Winkel. So einen Stich habe ich noch nie gesehen. Naja, wir werden vom Doc erfahren, ob wir recht haben."
"Was mich vor allem interessieren würde", fragte KK Krause, der mit einem Streifenbeamten das gesamte Haus kurz inspiziert hat, "Wo sind die Kinder?"
"Kinder?!?" Steezer war perplex, "welche Kinder?" fragte er. "Na die, die offensichtlich in den Kinderzimmern oben wohnen." Steezer wollte weiter fragen, als die Zentrale einen Ruf an den Streifenwagen weitergab. "Die Kollegen vom Revier in Waldshut an der Schweizer Grenze haben angerufen, wir sollen den Kollegen, die mit dem Fall Höller befasst sind, mitteilen, dass die Kinder der Familie Höller bei der Großmutter in einem Ortsteil von Waldshut gesund und munter untergebracht sind." "Woher, in drei Teufelsnamen, " fluchte Steezer, "wissen die, dass wir einen Fall Höller haben, der ist doch noch keine 3 Stunden alt und noch nirgendwo dokumentiert- -gib mir den Kollegen an die Leitung, " fauchte er durch das Mikrofon die Zentrale an.
Keine 5 Minuten später hatte er den Beamten in Waldshut an der Strippe." Woher wissen sie, dass wir einen Fall Höller haben? Die Sache ist noch keine 3 Stunden alt." fragte er den Kollegen ziemlich ungehalten." " Der Beamte in Waldshut lässt sich nicht aus der Ruhe bringen." Von der Mutter von Frau Höller, unserer Grundschullehrerin seit 30Jahren. Sie ist die Witwe von unserem ehemaligen Revierleiter, und sie bat uns dies mitzuteilen, damit Clärchen erfahren kann, dass die Kinder gut angekommen sind." "Clara Höller wird das wohl nichts so schnell erfahren- sie liegt im Koma." "Dieses Schwein!" fluchte der Beamte aus dem Schwarzwald ungehalten", hat er sie jetzt endlich ins Koma geplagt?" "Von wem sprechen Sie", fragte Steezer, "haben sie Informationen, wer die Frau so zugerichtet hat?" "Nein, Informationen keine, aber wer anders als der geradezu krank-brutale Klaus Höller sollte das gewesen sein? Jetzt muss ich mich erst mal einen Moment beruhigen Herr Kollege Steezer, bitte entschuldigen sie, wenn ich auflege. Rufen sie mich bitte an, wenn Clara wieder aufgewacht ist, ich bin ihr Patenonkel und kenne sie schon seit ihrer Geburt." Aus dem Hörer kommt nur noch ein schnelles "Püpüpüpüpüpüp" das darauf hinweist, dass sein Gegenüber aufgelegt hat.
Steezer war einen Moment verdutzt, perplex, erstaunt, daß der Kollege einfach aufgelegt hatte. Dann jedoch setzte bei ihm ein anderes Gefühl ein: Verständnis. Natürlich war das Verhalten des Kollegen völlig unprofessionell. Aber er sagte sich, dass er selbst in der Situation des Kollegen wohl auch so aufgewühlt reagiert hätte. Er beschloss, erst am nächsten Tag nachzuhaken.
So zuckt er mit der Schulter, wirft noch kurz einen Blick auf den Toten, geht dann hinaus, wo die Kollegen, die Träger der Pathologie bereits dabei sind, den Sarg aus dem Fahrzeug zu hieven. Einer tippt grüßend an seine Mütze "Fertig?" fragte er. Steezer nickt im Vorbeigehen. "Ich möchte wissen, wie diese Frau es geschafft hat, den Mann in den Rücken zu stechen, " denkt er, "sie wirkt nicht, als würde sie jemanden von Hinten überfallen. Aber das Messer steckt zweifellos im Rücken des Mannes." Er steigt in seinen Dienstwagen, zieht den Sicherheitsgurt über und wartet auf seinen Kollegen, der mit ihm zu Tatort gefahren war. Ein Handy klingelt- das Handy des Toten. "Makaber," denkt Steezer.
Das Handy
