Fatimas Flucht - Eva Völler - kostenlos E-Book

Fatimas Flucht E-Book

Eva Völler

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Beschreibung

Anna und Sebastiano, die Helden aus Zeitenzauber, sind auf einer neuen Zeitreise-Mission! Nachdem sie den Wikinger Ole rekrutiert haben, braucht ihre Zeitreise-Akademie weiteren Nachwuchs. Die beiden sollen ein Mädchen namens Fatima aus dem Harem eines osmanischen Sultans befreien, doch der Job im historischen Orient ist alles andere als einfach. Kaum hat sich Anna als Dienerin in den Sultanspalast eingeschmuggelt, türmen sich die Probleme: Intrigante Haremsdamen, allzu tatkräftige Eunuchen und ein rettungslos verliebter Prinz machen ihr das Leben schwer. Dabei ahnen Anna und Sebastiano nicht, dass ihnen die schlimmste Gefahr von unerwarteter Seite droht ... Ein neuer Kurzroman zur fantastischen Time-School-Reihe von Eva Völler!

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Seitenzahl: 79

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Inhalt

CoverÜber dieses BuchÜber die AutorinTitelImpressumTime School – Fatimas Flucht

Über dieses Buch

Anna und Sebastiano, die Helden aus Zeitenzauber, sind auf einer neuen Zeitreise-Mission! Nachdem sie den Wikinger Ole rekrutiert haben, braucht ihre Zeitreise-Akademie weiteren Nachwuchs.

Die beiden sollen ein Mädchen namens Fatima aus dem Harem eines osmanischen Sultans befreien, doch der Job im historischen Orient ist alles andere als einfach. Kaum hat sich Anna als Dienerin in den Sultanspalast eingeschmuggelt, türmen sich die Probleme: intrigante Haremsdamen, allzu tatkräftige Eunuchen und ein rettungslos verliebter Prinz machen ihr das Leben schwer. Dabei ahnen Anna und Sebastiano nicht, dass ihnen die schlimmste Gefahr von unerwarteter Seite droht …

Über die Autorin

EVA VÖLLER war zuerst Richterin und Rechtsanwältin, bevor sie die Juristerei an den Nagel hängte und sich ganz für das Schreiben entschied. Nach zahlreichen Romanen in der Belletristik erschien 2011 ihr Jugendbuchdebüt im Baumhaus-Verlag. Die Zeitenzauber-Trilogie, die 2014 abgeschlossen wurde, hat bis heute zahlreiche Fans. Mit ihrer neuen Trilogie Time School schließt die Autorin daran an.

EVA VÖLLER

Fatimas Flucht

Time School

BASTEI ENTERTAINMENT

Digitale deutsche Erstausgabe

Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG

Copyright © 2018 by Bastei Lübbe AG, Köln

Textredaktion: Anna Hahn, Trier

Covergestaltung: U1berlin/Patrizia di Stefano unter Verwendung von Motiven © Guryanov Andrey / shutterstock; ©leolintang / shutterstock

eBook-Erstellung: hanseatenSatz-bremen, Bremen

ISBN 978-3-7325-6180-3

www.be-ebooks.de / www.bastei-entertainment.de

www.lesejury.de

Als wir aus der Zeitmaschine ausstiegen, roch es nach Pinienharz und Lorbeer. Der Himmel spannte sich in sattem Blau über den Hügeln und der Bucht. Die Morgensonne funkelte auf dem Wasser des Bosporus. Wir befanden uns im alten Konstantinopel des fünfzehnten Jahrhunderts.

Die Einzelheiten unseres Einsatzes hatten wir natürlich vor unserem Aufbruch besprochen. Sobald der Job erledigt war, wollte José mich und das Mädchen gleich nach Einbruch der Dunkelheit im Haremsgarten abholen. Danach würden wir mit der Maschine hierherspringen und Sebastiano und Ole einsammeln, bevor es zurück ins einundzwanzigste Jahrhundert ging.

José reichte Sebastiano eine Pergamentrolle, die mit einem amtlichen Siegel versehen war. »Das ist eure Zugangsberechtigung für das Palastgelände.« Er zwinkerte uns mit seinem gesunden Auge zu. Das andere war unter einer schwarzen Klappe verborgen, mit der er immer ein bisschen wie ein alter Pirat aussah. Momentan ähnelte er allerdings eher einer Figur aus Ali Baba und die vierzig Räuber, denn er hatte seinen dürren Körper passend zur Epoche in farbenfrohe orientalische Kleidung gehüllt – zu seiner Pumphose trug er ein Flatterhemd und eine enge Weste. Die Krönung war ein ausladender Turban, der würdevoll auf seinem Kopf thronte. »Viel Glück auf dieser Mission!«

Das konnten wir gut gebrauchen. Die Einsätze, zu denen José uns im Laufe der letzten Jahre bereits entsandt hatte, waren häufig wesentlich gefährlicher als erwartet, und das lag nicht selten an der dürftigen Informationslage. Wenn wir uns bei José darüber beschwerten, behauptete er regelmäßig, uns nicht zu viel verraten zu dürfen, weil sonst das Gelingen unserer Mission in Gefahr geriete. Angeblich führte zu viel Vorwissen bei den Zeitwächtern zu Unvorsichtigkeit oder allzu einseitiger Sichtweise. Deshalb erfuhren wir oft nicht mehr über unseren Einsatz als das, was unser Weissagungsspiegel uns zeigte – eine kurze Szene oder auch nur ein Bild aus dem Zeitstrom, den wir korrigieren sollten, und wir mussten uns daraus dann mehr oder weniger selbst zusammenreimen, wie das am besten funktionierte.

Unsere – oder genauer: meine – Aufgabe bestand diesmal darin, ein Mädchen namens Fatima aus dem Harem des Sultans von Konstantinopel zu befreien. Wir wussten, wie sie aussah und wo ich sie treffen würde, doch der genaue Ablauf der Befreiungsaktion war alles andere als klar.

»Ciao, bis heute Abend!«, sagte José, ehe er sich zu der Zeitmaschine begab, die als verwitterter Holzschuppen getarnt war. José trat ein und schloss die knarrende Tür hinter sich. Einen Moment später drang das blendend weiße Glühen durch die Ritzen der morschen Bretter, und das Vibrieren der Zeitmaschine erfüllte die Luft. Gleich darauf war der Schuppen verschwunden, als wäre er nie da gewesen. Es war niemand in der Nähe, der es hätte sehen können, aber selbst wenn – der Betreffende hätte sich hinterher nicht daran erinnert.

»Ich würde sagen, es kann losgehen«, sagte Sebastiano zu Ole und mir. Mit einem letzten Blick prüfte er unser Outfit. Ich hatte mich meiner Rolle entsprechend verkleidet – wallendes, bodenlanges Gewand und ein Gesichtsschleier, der nur meine Augen freiließ.

Sebastiano und Ole waren ähnlich kostümiert wie José, nur dass es ihnen viel besser stand, weil sie jung waren und gut aussahen. Oles breitschultrige, hünenhafte Gestalt wirkte durch den Turban, unter dem er sein blondes Haar versteckte, noch größer. Optisch machte er wirklich was her.

Doch es war Sebastiano, bei dessen Anblick mein Herz unweigerlich schneller schlug. Was allerdings nicht viel mit seiner Kleidung zu tun hatte – er war schlicht und ergreifend die Liebe meines Lebens. Seit er bei unserem ersten gemeinsamen Zeitreiseabenteuer mein Herz im Sturm erobert hatte, konnte ich mir ein Leben ohne ihn nicht mehr vorstellen. Wir waren nicht nur auf all unseren Einsätzen ein Team, sondern außerdem auch seit einer Weile verlobt.

Vermutlich wären wir mit unserer Hochzeitsplanung schon deutlich weiter gewesen, wenn José nicht kürzlich mit seiner Idee von einer Zeitreise-Akademie um die Ecke gekommen wäre. Er war der Meinung, dass wir Verstärkung brauchten und unbedingt Nachwuchs ausbilden sollten.

Ole war unser erster Schüler. Wir hatten den jungen Wikinger im Norwegen des zehnten Jahrhunderts quasi vom Schlachtfeld weg rekrutiert und ins einundzwanzigste Jahrhundert mitgenommen, um ihm auf unserer neu gegründeten Zeitreiseschule in Venedig alles beizubringen, was ein guter Zeitwächter wissen musste. Nachdem er erst einmal begriffen hatte, dass man dort nicht mit einer Streitaxt am Gürtel durch die Gegend lief, machte er erstaunliche Fortschritte, besonders im Kampfsport.

»Ich würde mich in dieser Umgebung wohler fühlen, wenn ich hinreichend bewaffnet wäre.« Ole warf einen neidvollen Blick auf Sebastianos Krummsäbel.

»Und ich fühle mich wohler, wenn du nicht bewaffnet bist«, erklärte Sebastiano. »Denn du neigst definitiv dazu, die Waffen, die du bei dir trägst, auch zu benutzen.«

»Waffen dürfen nur im äußersten Notfall verwendet werden«, pflichtete ich ihm bei, doch Ole beachtete meinen Einwurf gar nicht. Seiner Ansicht nach verstand ich von der Thematik sowieso nicht genug, um dabei mitreden zu können.

»Ohne Waffe fühle ich mich nackt«, murrte er.

»Du wirst es überleben«, sagte Sebastiano ungerührt. »Bei dieser Aufgabe hat ohnehin Anna den Hauptpart, und eine Waffe ist das Letzte, was sie dafür braucht. Du und ich, wir sind nur das Reserveteam, um ihr den Rücken freizuhalten, und das auch nur für den Fall, dass es ernsthafte Schwierigkeiten gibt. Und die erwarten wir beim aktuellen Stand der Dinge nicht, wenn alles planmäßig läuft.«

»Wenn«, warf Ole vielsagend ein. Zum Glück wechselte er gleich darauf das Thema. Anerkennend betrachtete er das Panorama, das sich vor uns ausbreitete. »Dies ist fürwahr eine prachtvolle Stadt!«

In dem Punkt konnte man ihm nur zustimmen. Seit die Osmanen Konstantinopel – das frühere Byzanz (später würde es Istanbul heißen) – erobert hatten, war die Stadt zu einer Metropole des Orients herangewachsen. Man fühlte sich wie in ein Märchen aus Tausendundeiner Nacht versetzt. Über den Dächern ragten die spitzen Türme der Minarette empor, und ringsum auf den Hügeln, an denen sich die Stadt hinaufzog, sah man goldene Kuppeln leuchten. Eine davon gehörte zu dem Palast, in welchem der Sultan lebte und seinen Harem unterhielt.

Gemeinsam mit Sebastiano und Ole machte ich mich auf den Weg dorthin.

*

Wie immer vor unseren Einsätzen hatten wir uns eine passende Legende ausgedacht: Sebastiano war ein venezianischer Kaufmann, der ein Handelskontor in Pera unterhielt, einem Stadtteil von Konstantinopel, der auf einer Halbinsel nördlich vom Goldenen Horn lag und hauptsächlich von Europäern bewohnt wurde.

Ole war sein Diener – eine Rolle, die nicht gerade nach Oles Geschmack war und zu endlosen Debatten geführt hatte. Es hatte ewig gedauert, bis er kapiert hatte, dass er den Diener nur spielen sollte und dass er selbst als venezianischer Kaufmann mit Sitz in Konstantinopel nicht besonders glaubwürdig rübergekommen wäre – nicht nur, weil er dem Aussehen nach eindeutig ein Wikinger war, sondern auch, weil er von den Sitten im Orient des fünfzehnten Jahrhunderts so viel verstand wie ein Schwein vom Fliegen.

Ich selbst spielte bei diesem Einsatz die Rolle einer Sklavin, und Sebastiano sollte mich an den Chef-Eunuchen verkaufen.

Auf diese Weise wollte ich mich, so der simple Plan, in den Harem des Sultans einschleichen. Dort wurde ständig Personal gebraucht. Weibliches Personal, wohlgemerkt. Männern war der Zutritt bei Todesstrafe verboten. Nur der Sultan konnte kommen und gehen, wie es ihm beliebte.

Ansonsten durften lediglich Eunuchen diesen streng gehüteten Bereich betreten.

Die weibliche Belegschaft im Harem bestand jedoch nicht etwa nur aus Ehefrauen oder Konkubinen des Sultans. Die allermeisten Frauen dort waren Dienerinnen. Sie mussten sich um das leibliche Wohl der wenigen privilegierteren Damen kümmern, die der Sultan für eine engere Beziehung auserwählt hatte.

Doch alle Frauen, die fest dort untergebracht waren, hatten eine traurige Gemeinsamkeit – sie waren allesamt in diesem Luxusknast gefangen. Sie durften den Palast nicht verlassen, abgesehen von Abstechern in den Haremsgarten, der genauso streng bewacht wurde wie der Rest ihrer Unterkunft.

»Ich hätte genauso gut als glaubwürdiger Sklavenhändler auftreten können«, teilte Ole über meinen Kopf hinweg Sebastiano mit. Anscheinend hatte er seine Degradierung zum Diener immer noch nicht verwunden. »Denn Wikinger sind sehr berühmt für den Handel mit Sklaven. Und aufs Feilschen verstehen sie sich auch.«

»Die Wikinger sind in dieser Epoche hier längst Geschichte. Während Venedig gerade die Top-Handelsnation ist.« Sebastiano grinste. »Du wüsstest ja nicht mal, wie viel Geld du für Anna verlangen müsstest.«