Female Lovestories by Casey Stone Sammelband 1 - Casey Stone - E-Book

Female Lovestories by Casey Stone Sammelband 1 E-Book

Casey Stone

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Beschreibung

Dieser Sammelband beinhaltet die ersten drei Bücher der Female Lovestories by Casey Stone. Jeder Band ist in sich geschlossen und kann unabhängig von allen anderen gelesen werden. Band 1 - Faith, Hope, Love Pam ist erfolgreich und führt ein angenehmes Leben. In Sachen Liebe sieht es jedoch anders aus. Nach einer Liebesnacht mit ihrem Freund und ihrer besten Freundin wird ihr klar, was sie wirklich empfindet. Haley arbeitet als Pams persönliche Assistentin und hegt bereits seit längerem Gefühle für sie. Das Chaos nimmt an einem berüchtigten Montag seinen Lauf. Pam stolpert von einem Fettnäpfchen ins Nächste und Haley steht ihr zur Seite. Doch dann passiert etwas, das alles in Frage stellt ... Band 2 - Fear, Courage, Truth Das Leben der Krankenschwester Amy ist nach einem Überfall aus den Fugen geraten. Seither kämpft sie mit den Erinnerungen an jene schreckliche Nacht, bis eine namenlose, schwerverletzte Frau im Krankenhaus eintrifft. Amy macht es sich zur Aufgabe, sie zu pflegen und verliebt sich schließlich in sie. Auf dem Weg der Genesung entwickelt sich zwischen den beiden mehr als nur Freundschaft, bis etwas Unvorhergesehenes passiert und Amy alles zu verlieren droht. Ist sie stark genug und wird damit umgehen können? Band 3 - Desire, Passion, Limits Ein harmloser Kuss unter Frauen. Ein Partyende, das zum Horror wird. Ein Unfall mit schwerwiegenden Folgen. Ein feiger Freund auf der Flucht. All das verändert Summer Lee's Leben an einem Abend. Sie bewahrt die junge Ava vor dem Feuertod und ahnt nicht, dass dies nur das kleinere Übel war. Was ist Ava widerfahren? Wird Summer in der Lage sein, sie zu retten?

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Seitenzahl: 821

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by Casey Stone

Sammelband 1

Band 1 – Faith, Hope, LovePam & Haley

Band 2 – Fear, Courage, TruthAmy & Skye

Band 3 – Desire, Passion, LimitsSummer & Ava

Band 1 – Faith, Hope, Love

Pam ist erfolgreich und führt ein angenehmes Leben. In Sachen Liebe sieht es jedoch anders aus. Nach einer Liebesnacht mit ihrem Freund und ihrer besten Freundin wird ihr klar, was sie wirklich empfindet.

Haley arbeitet als Pams persönliche Assistentin und hegt bereits seit längerem Gefühle für sie. Das Chaos nimmt an einem berüchtigten Montag seinen Lauf. Pam stolpert von einem Fettnäpfchen ins Nächste und Haley steht ihr zur Seite. Doch dann passiert etwas, das alles in Frage stellt …

Band 1 – Female Lovestories by Casey Stone

Warnung:Dieser Roman enthält erotische Szenen zwischen zwei Frauen. Sollten Sie sich daran stören oder nicht damit zurechtkommen, lesen Sie ab hier bitte nicht weiter.

Die ersten 3 Bände der Female Lovestories sind ein fiktives Werk, welches in der aktuellen Zeit spielt und von der Realität inspiriert wurde. Ähnlichkeiten zu tatsächlichen Ereignissen, lebenden oder verstorbenen Personen sind rein zufällig und nicht beabsichtigt. Die Namen, Charaktere und Geschichte wurden allein für Unterhaltungszwecke kreiert.

Markennamen und Warenzeichen, die eventuell in diesem Buch verwendet werden, sind Eigentum ihrer rechtmäßigen Eigentümer. Kopieren, Vervielfältigung, auch auszugsweise nur mit Genehmigung des Autors.

© Casey Stone

Oktober 2019

Ebook ISBN: 9783750406896

Impressum:

Casey-Stone.com

Wiesengrund 6

17207 Röbel/Müritz

Lektorat & Korrektorat: Nadine Kapp, Booklover Verlag

Korrekturleserin: Silke Witt

Cover: Nadine Kapp, Booklover Verlag

Alle Rechte vorbehalten.

PrologGlauben wir nicht alle an etwas? Der eine an Gott, andere an das Gute im Menschen. Aber ich, ich weiß im Moment nicht, was ich glauben soll. Mit schweren Beinen laufe ich durch die Tiefgarage zum Aufzug. Nach dem altbekannten Piepton gleiten die Türen auf.

„Fuck!“, schimpft jemand, als er in mich hineinrennt. Vor lauter Schreck knicke ich mit meinen High Heels um und stürze zu Boden. Unsanft lande ich auf meinem Hintern. Der Kaffeebecher, den ich eben noch in der Hand gehalten hatte, liegt aufgeplatzt neben mir und ich bade in der braunen Brühe.

„Sorry, Pam, ich hatte nicht so früh mit dir gerechnet“, sagt Aaron. Schnell hilft er mir auf, faselt etwas von Baby und rennt weiter zu seinem Wagen. Ich kann ihm wegen des Unfalls nicht einmal böse sein. Er wartet seit Tagen auf eine Nachricht aus dem Medical Center. Seine Frau ist mit dem ersten gemeinsamen Kind schon überfällig.Einer meiner Mitarbeiter, auf den ich heute nicht zählen kann und das, obwohl wir doch gerade erst den großen Werbeauftrag von Blu-Tec Inc erhalten haben. Die neue Woche ist schon gelaufen, wunderbar! Soviel zum Thema Glauben …

Long Beach | PB-Advertising | PamVerdammt! Das Outfit kann ich vergessen. Ich spüre, dass mein Hintern nass ist. Der braune Fleck zieht sich schon bis auf die Seite. Meine Mitarbeiter werden mich auslachen, aber so kann ich nicht mal in meinen Wagen einsteigen.

„Oh Gott, Pam, was ist denn mit dir passiert?“, fragt mich Anastasia. Im Gegensatz zu meiner Sekretärin sehe ich fürchterlich aus.

„Kleiner Unfall, Ana. Kannst du mir ein Handtuch holen? Ich möchte nicht auch noch meinen Stuhl ruinieren.“

„Bringe ich dir sofort, Chefin. Oh, Aaron hat einen Anruf erhalten, seine Frau hat starke Wehen, es ist soweit“, sagt sie überglücklich.

„Schon gehört“, fasse ich mich kurz. Schnell ins Büro, bevor mich noch jemand so sieht. Ich kann nicht mal meine Schuhe ausziehen, weil mir der Kaffee die Beine hinuntergelaufen ist. Warum bin ich heute überhaupt aufgestanden? Ich hasse Montag. Der schlimmste Wochentag, den es gibt. Im Moment ist alles wie Montag. Nichts funktioniert, ständig geht irgendetwas kaputt. Ich glaube, die Welt hat sich gegen mich verschworen und das, obwohl ich niemanden etwas getan habe, hart arbeite und für alle da bin.

Klopf, Klopf

„Herein“, rufe ich in der Annahme, dass Ana mir ein Handtuch bringt. Ich drehe mich um und sehe ihn.

„Pam, wir müssen reden“, sagt Brian. In mir kocht es hoch. Was bildet sich dieser arrogante Arsch ein, hier einfach aufzutauchen?

„Spinnst du?“, fauche ich ihn wütend an.

„Hey, ganz ruhig, ich will einfach nur mit dir reden!“, beteuert er und hebt abwehrend seine Hände hoch.

„Du mit mir reden? Will Beth noch einen Dreier, nachdem du uns wieder mit Alkohol willig gemacht hast?“ Ich fasse es nicht! Dieser miese Dreckskerl, der bis gestern noch mein Freund war, hat uns abgefüllt und meine beste Freundin zu einem Dreier überredet.

„Es tut mir leid, Pam! Wir hatten doch eine Menge Spaß. Oder etwa nicht?“ Den hatte ich in der Tat, aber mehr mit Beth als mit ihm.

„Brian, es geht nicht um den Spaß. Du hast illegale Betäubungsmittel konsumiert und bist auf Bewährung. Ich habe mir hier meine Existenz aufgebaut. Weißt du was passiert, wenn die Cops herausbekommen, dass du dir Drogen besorgt und in meinem Haus reingezogen hast?“ Ich glaube ich spinne! Der Idiot denkt überhaupt nicht nach.

„Es wird niemand erfahren, beruhige dich doch bitte.“

„Du hast in meinem Haus gekokst und das ist ein absolutes No-Go! Ich lasse mir nicht meinen Ruf oder meine Firma ruinieren. Wie lange läuft das eigentlich schon mit dir und Beth?“, frage ich ihn. Eine Antwort bekomme ich nicht. Ich wusste es. Schon vor Wochen hatte ich den Verdacht, dass die beiden sich heimlich treffen und zusammen in die Kiste springen. Wütend zeige ich auf die Tür.

„Raus! Verschwinde, und komm nie wieder hier her oder zu mir nach Hause. Deine Sachen schicke ich dir mit einem Kurier.“ Stotternd versucht er noch etwas zu sagen, bis Ana endlich mein Büro betritt.

„Oh, tut mir leid, ich wollte nicht stören“, sagt sie.

„Nein Ana, warte. Brian wollte gerade gehen. Bringst du ihn noch zum Aufzug?“

„Natürlich, Pam.“

„Ich danke dir. Lass das Handtuch einfach hier.“ Wortlos verlässt mein Ex-Freund mein Büro. Als ich mich auf das Handtuch setze, ekelt mich das nasse Kleid an. Ich sollte nach Hause fahren und mich umziehen. Wieder klopft es an der Tür.

„Miss Boomer, ich habe die Präsentation für Blu-Tec Inc fertig. Wollen Sie vor Ihrem Termin noch einmal darüber schauen?“, fragt mich meine Assistentin Haley. Sie hat ein Händchen für die schwierigen Aufgaben und ist hier die Einzige, die mich noch siezt.

„Ich sehe es mir gleich an, muss aber erst noch einmal nach Hause, mich umziehen.“ Entsetzt schaut sie, mit einer Hand vor dem Mund, auf mein ruiniertes Kleid.

„Soll ich zu Macy’s gehen und Ihnen ein neues Kleid besorgen?“

„Nein, Haley. Mit einem neuen Kleid ist es nicht getan, ich klebe überall und rieche nach kaltem Kaffee. Ich fahre nach Hause und komme wieder her. Wann ist denn der Termin?“ Sie löst die Hand von ihrem Mund, um auf ihr zartes Handgelenk zu schauen, an dem sich eine schmale silberne Uhr befindet.

„In eineinhalb Stunden.“

„Okay, dann sollte ich mich beeilen.“

„Brauchen Sie noch etwas, Miss Boomer?“ Ich sollte dich mitnehmen, du könntest mir beim Ausziehen und Duschen zur Hand gehen, denke ich mir. Ich muss lächeln. Auch wenn die Nacht beschissen war, hatte ich viel Spaß mit Beth und ich habe Lust auf mehr. Das erste Mal mit einer Frau war gar nicht so schlecht. Kopfschüttelnd wende ich mich an meine Assistentin. „Danke, Haley, aber ich bin erst mal bedient.“ Im Eiltempo laufe ich mit dem Handtuch und meiner Tasche zum Aufzug. In der Tiefgarage decke ich den Sitz meines Wagens ab. Jetzt schnell raus hier und nach Hause, ich darf diesen Termin nicht verpassen, denn der bringt uns weit nach vorne.

Wenigstens der Verkehr macht mir heute keinen Strich durch die Rechnung. Minuten später erreiche ich Surfside. Hier habe ich mir vor zwei Jahren ein Häuschen gekauft, nachdem das erste Jahr mit meiner eigenen Werbeagentur sehr erfolgreich war. Jede Stunde, die ich hart dafür gearbeitet habe, hat sich gelohnt. Ich liebe mein kleines Paradies, weil es direkt am Strand liegt.

Als ich in die Surfside Avenue abbiege, stehen überall Pylonen und kleine Bauzäune herum. Komisch, die standen vor einer Stunde noch nicht hier. Wollten die nicht erst morgen mit dem Bau beginnen? Egal, jetzt habe ich keine Zeit, mir den Kopf darüber zu zerbrechen. Ich parke vor meinem Haus, greife nach dem Schlüssel in meiner Handtasche und laufe hinein.

Hastig streife ich mir die kaffeegetränkten Sachen vom Leib. Unter der Dusche kommt mir Brians Besuch wieder in den Sinn. Dämlicher Idiot, was hat er sich nur dabei gedacht? Das warme Wasser lenkt meine Gedanken zu Beth und ihrer gierigen Zunge. Gott, war das gut. Wir sind seit der Highschool befreundet und haben eine Menge durchgemacht. Dass sie mit meinem Freund rumvögelt, ist mir eigentlich egal. Jeder hat mir von Anfang an gesagt, „Hüte dich vor Brian, er ist ein notorischer Fremdgänger.“ Würde mich jetzt jemand danach fragen, wäre meine Antwort wohl die, dass ich wenigstens ein paar Wochen nicht alleine war. Die Freundschaft zu Beth war mir immer wichtiger, als ein Typ, der seinen Schwanz nicht unter Kontrolle halten kann. Das Problem ist nur, dass die Dinge zwischen Beth und mir jetzt ganz sicher ein wenig anders sind.

Bei den Gedanken an ihre Berührungen wandert eine meiner Hände hinunter zwischen meine Beine. Lauwarmes Wasser prasselt weiterhin auf mich herab. Es ist fast so, als könnte ich ihre Zunge noch immer spüren. Ich lege meinen Kopf leicht nach hinten und streichele mich selbst. Die Bilder, die ich vor Augen habe, bringen mich zusammen mit den Berührungen an meiner Pussy zum Stöhnen.

Das schrille Geräusch der Türklingel reißt mich aus meinen geilen Erinnerungen. Erschrocken löse ich die Hand aus meinem Schritt. Wer läutet da? Ich stelle das Wasser ab und greife mir ein Handtuch. Nachdem ich es um meinen Körper gewickelt habe, gehe ich hinunter zur Haustür und schaue durch den Türspion. Niemand zu sehen. Bestimmt wieder die Nachbarskinder, die sich einen Spaß mit mir erlauben. Auf dem Weg zurück nach oben, mache ich mir Gedanken darüber, ob ich Beth anrufen sollte. Wir müssen über die vergangene Nacht sprechen. Mein innerliches Bedürfnis nach ihr ist groß. Sollte das wirklich nur daran liegen, dass wir Sex hatten?

Kopfschüttelnd stehe ich mit einem Grinsen im Gesicht vor dem Kleiderschrank. „Sie haben gewonnen“, sage ich zu meinem beigefarbenen Lieblingskleid. Es ist etwas kurz, aber heute ist es schon recht warm und ein wenig mehr Bein kommt bei den Herren von Blu-Tec sicher gut an. Im Bad trockne ich meine langen Haare, dann schlüpfe ich in neue Schuhe. Um das Make-up muss ich mich im Büro kümmern, denn die Zeit wird langsam zu knapp.

Auf dem Weg nach draußen fällt mir auf, dass ich meinen Haus – und Wagenschlüssel auf der Kommode im Flur liegen gelassen habe. Wo bin ich heute nur mit meinen Gedanken? Ich drehe mich um, doch die Haustür ist schon zu. Oh nein, verdammt! Was wird heute noch alles schiefgehen? Nervös laufe ich um mein Haus. High Heels und Sandstrand sind eine blöde Idee. Mit den Schuhen in der Hand laufe ich zur Veranda. Es ist alles zu, ich habe nicht ein Fenster offen gelassen, so ein Mist. Was mache ich jetzt bloß?

„Guten Morgen, Pam. Ist bei dir alles in Ordnung?“, höre ich meinen Nachbarn hinter mir fragen.

„Morgen Jim. Nichts ist in Ordnung, heute geht einfach alles schief“, sage ich genervt. Quiekend rennt sein Hund mit wedelndem Schwanz um mich herum.

„Hey Sammy! Warum bist du denn so aufgeregt?“

„Der weiß, dass wir jetzt den langen Strandspaziergang machen. Was ist denn bei dir los? Bist du um die Zeit nicht längst im Büro?“

„Ich musste wieder nach Hause fahren, kleiner Kaffeeunfall. Und ausgerechnet jetzt habe ich meinen Schlüssel im Haus liegen lassen.“ Ich könnte gerade heulen. Mein Termin mit Blu-Tec ist gleich und ich stehe hier ohne Schlüssel.

„Du Arme. Warte, das haben wir gleich“, sagt mein Nachbar. Er geht ein paar Schritte den Strand hinunter und schaut dann auf mein Haus.

„Da oben, offenes Fenster“, ruft er mir zu. „Sammy, bleib kurz bei Pam, ich bin gleich wieder da.“ Mit einem Lächeln verschwindet Jim in seinem Haus. Wenig später kommt er mit einer langen Leiter zurück.

„Oh Jim, dass ist lieb von dir. Du ahnst nicht, dass du mir gerade den Tag rettest.“

„Kein Problem, Pam. Wir helfen uns doch immer und du warst auch schon oft genug für uns da.“ Nervös beobachte ich, wie er die Leiter an den Balkon lehnt.

„Jetzt wird es schwierig“, sagt er mit gerunzelter Stirn. Ich ahne schon, was er meint. Leider ist er nicht mehr der Jüngste und ich muss, nein ich sollte, da selbst hinaufklettern. Ich habe das Schlafzimmer, zu dem das offene Fenster gehört, noch nicht aufgeräumt. Wer weiß, was da alles noch herumliegt.

„Ich mache das schon, Jim. Bist du so lieb und fängst mich auf, wenn ich falle?“ Grinsend nickt er mir zu. Bei meinem Pech stürze ich mit Sicherheit von dieser Leiter und breche mir alle Knochen. Nervös schaue ich auf die Uhr, in 15 Minuten beginnt der wohl wichtigste Termin, seit ich meine eigene Firma gegründet habe. Mir bleibt nichts anderes übrig, also steige ich auf die Leiter und klettere langsam hinauf.

„Ganz ruhig, Pam, du schaffst das. Konzentriere dich und schau nach oben“, macht Jim mir Mut. Ich hasse Leitern, seit ich als kleines Mädchen beim Spielen von einer heruntergefallen bin. Meine Knie zittern, was mir die Sache keineswegs leichter macht. Mühsam steige ich weiter rauf. Bloß nicht das gute Kleid ruinieren.

„Sehr gut, du hast es geschafft. Jetzt nur noch über das Geländer klettern und dabei schön festhalten.“ Mein skeptischer Blick vermag das Grinsen meines Nachbarn nicht zu trüben. Warum amüsiert ihn das so sehr? Mein Kleid! Oh Pam! Du bist echt blöd, denke ich mir. Ich trage das kürzeste Kostüm, das ich finden konnte und Jim hat dort unten die beste Aussicht. Ich spüre sofort, wie meine Wangen zu glühen beginnen und ich erröte. Schnell kämpfe ich mich über das dämliche Geländer und klettere durch das Fenster.

Als ich in meinem Schlafzimmer stehe, habe ich das Gefühl, dass mich der Schlag trifft. Hier sieht es wie nach einer wilden Party aus. Überall liegen Sachen herum, das Bett ist völlig verwüstet und auf dem Tisch liegen noch Reste von Brians Koks-Utensilien. Gut, dass Jim nicht hierauf gekommen ist. Hastig sammele ich den Dreck meines Ex-Freundes ein und werfe ihn in den Müll. Im Flur schnappe ich mir meine Schlüssel, um dann kurz auf die Veranda zu gehen.

„Mein Retter! Vielen Dank, Jim. Ich weiß nicht, wie ich das wieder gut machen kann.“ Sein Grinsen genügt mir schon. Nach dieser Peepshow sollte ich meinen Schlüssel kein zweites Mal vergessen.

„Alles in Ordnung, Pam. Jetzt fahr lieber wieder ins Büro, du hast doch sicher Termine.“ Wie Recht er damit hat. Er nimmt seine Leiter und verschwindet. Ich winke ihm zum Abschied, schließe die Tür und renne noch einmal ins Schlafzimmer. Die Fenster sind alle zu, dann kann ich jetzt endlich los.

Vor meinem Haus suche ich meinen Wagen. Wo ist er hin? Den habe ich doch vorhin genau hier geparkt. Auf der Straße laufen einige Bauarbeiter herum. Nachdem sie mich entdeckt haben, grinsen sie mich an.

„Suchen Sie etwas, Miss?“, fragt mich jemand von der Seite. Ich drehe mich um und sehe diesen großen Typen in Warnweste.

„Ja, meinen Wagen. Wissen Sie wo der hin ist?“

„Weißer Porsche, Macan Turbo?“ fragt er mich.

„Genau, das ist mein Wagen.“

„Der wurde vor ein paar Minuten abgeschleppt. Heute herrscht, aufgrund der Bauarbeiten, den ganzen Tag Parkverbot in der Surfside Avenue. Ich habe extra noch bei Ihnen klingeln lassen, Miss“, sagt der Bauarbeiter ganz ruhig zu mir.

„Ich stand unter der Dusche“, antworte ich. Jetzt bin ich definitiv am Arsch, ich bin geliefert. Plötzlich platzt es aus mir heraus, ich fange hemmungslos an zu weinen.

„Nicht doch, Miss. Beruhigen Sie sich“, redet er auf mich ein. Blöder Mist, warum muss mir das passieren? Und alles an diesem beschissenen Tag! Mit den Händen vor dem Gesicht versuche ich, meine Tränen irgendwie zu verstecken. Warum bin ich nicht einfach von der Leiter gefallen und habe mir das Genick gebrochen? Dann müsste ich das alles nicht mehr ertragen.

„Miss? Das ist doch kein Drama! Sie bekommen Ihren Wagen wieder zurück“, sagt der Typ. Der hat leicht reden und vor allem keine Ahnung, wie mein Tag bisher gelaufen ist. Ich befürchte, wenn ich mich jetzt umsehe, starren mich alle möglichen Leute an. Besser, wenn ich einfach ins Haus zurückgehe.

„Geht es Ihnen gut, Miss?“

„Nein, ganz und gar nicht. Mein Wagen wurde abgeschleppt und meine Tasche ist darin. Ich habe kein Geld, kein Handy, einfach nichts“, jammere ich vor mich hin. Bevor ich noch irgendetwas sagen kann, wird es sehr laut. Der Bauarbeiter zeigt auf meine Haustür und deutet mir an, dass ich mit ihm gehen soll. Will der etwa in mein Haus? Er lässt keinen Widerspruch zu. Grinsend steht er Augenblicke später vor meiner Tür und wartet. Scheiße, was soll ich tun? Zögerlich setze ich einen Fuß vor den anderen, bis ich neben ihm stehe. Dieser Presslufthammer macht mich gerade wahnsinnig. Also schließe ich meine Tür auf und gehe mit dem Typen hinein.

„Viel besser“, sagt er. Langsam zieht er etwas aus seiner Tasche. Keine Ahnung was jetzt passiert, aber ich gehe einfach einen Schritt zurück.

„Ganz ruhig, Miss. Ich will Ihnen nichts tun.“ Er zeigt mir sein Handy und fragt mich dann, ob ich kein Haustelefon hätte. Er wird mich auslachen, weil ich genau das nicht habe. Es wurde einfach noch nie gebraucht. Wofür gibt es Handys?

„Wollen Sie jemanden anrufen?“, fragt er mich. Sofort nicke ich. Haley muss die Blu-Tec Leute hinhalten, sonst ist es aus. Dieser Auftrag beschert mir ein fettes Plus, dass ich mir nicht entgehen lassen will, denn dafür habe ich zu lange und zu hart gearbeitet. Dankend nehme ich das Handy in die Hand und tippe die Nummer vom Büro ein.

„Wie heißen Sie, Miss?“

„Pam Boomer. Und Sie sind?“

„Matt Coogan“, sagt der Bauarbeiter und reicht mir dann seine Hand.

„Lassen Sie sich Zeit. Ich versuche herauszufinden, wo Ihr Wagen hingebracht wird.“ Zeit - genau das, was ich im Moment nicht habe. Dennoch bin ich froh, dass er so nett zu mir ist. Solche Männer sind selten geworden.

„Miss Boomer, wo stecken Sie denn?“, höre ich Haley fragen. Sie klingt sehr nervös, wenn nicht sogar beunruhigt.

„Heute geht alles schief, Haley. Sind die Blu-Tec Leute schon da?“

„Ja, sie warten im Besprechungsraum.“ Mist, das ist nicht gut. Ich muss mir etwas überlegen, aber die peinliche Geschichte hier kann ich keinem erzählen. Oder doch?

„Haley, mein Wagen wurde abgeschleppt. Meine Handtasche ist noch darin und ich hatte meinen Schlüssel im Haus vergessen. Kannst du mich abholen und mich bei den Herren entschuldigen?“

„Oh Gott, wie furchtbar“, erklingt es aus dem Lautsprecher. „Natürlich, Miss Boomer. Ich kümmere mich sofort darum und bin gleich bei Ihnen. Keine Panik, wir kriegen das hin.“

„Danke, Haley. Bitte beeile dich.“ Ich beende das Gespräch und bemerke, dass es draußen still geworden ist. Meine Assistentin wird mich retten. Mit meinen Schlüsseln in der einen Hand und dem Handy des Bauarbeiters in der anderen, gehe ich wieder hinaus.

„Miss Boomer, ich weiß wo Ihr Wagen ist.“

„Gott sei Dank! Dann kann ich ihn nachher abholen.“ Grinsend wedelt Matt mit einem Zettel herum.

„Tausche Info gegen Handy“, sagt er amüsiert.

„Oh, natürlich, tut mir leid!“ Ich reiche ihm sein Handy und bekomme den Zettel, auf dem die Adresse des Abschleppunternehmens steht, wo mein Wagen heute auf mich warten muss.

„Wird leider nicht ganz billig. Soll ich Sie dorthin fahren?“ Energisch schüttle ich den Kopf.

„Sie haben mir genug geholfen, meine Assistentin holt mich gleich ab, vielen Dank.“ Das Lächeln in Matts Gesicht verschwindet, er senkt leicht seinen Kopf.

„Na ja, ich hätte etwas gutzumachen. Einer meiner Jungs hat den Abschlepper gerufen und das tut mir ehrlich leid, Miss Boomer.“ Das war mir schon irgendwie klar. Ich kann ihm deswegen nicht mal böse sein. Für mich ist jetzt wichtig, dass Haley mich abholt und ich diesen Termin wahrnehmen kann.

„Schon in Ordnung“, sage ich deshalb. Immerhin hat er mir anderweitig geholfen. Ich bedanke mich noch einmal und beschließe dann, die Straße hinaufzulaufen. Wenn meine Assistentin hier ankommt, kann ich gleich einsteigen. Ohne mich umzudrehen laufe ich los.

Wenige Minuten später erreiche ich den kleinen Parkplatz an der Kreuzung zum Pacific Coast Highway. Haley ist noch nicht zu sehen, also muss ich warten. Meine Nervosität macht mich fast wahnsinnig. Der Tag lief bisher richtig mies und ich weiß nicht, ob die Blu-Tec Leute sauer sind. Unruhig klappere ich mit meinen Schlüsseln herum. Plötzlich hält neben mir eine schwarze Limousine mitten auf der Straße an. Die Scheiben sind schwarz getönt, ich kann nicht sehen wer darin sitzt. Super, die halten mich jetzt sicher für eine Professionelle, denke ich mir. Auf der Fahrerseite geht die Tür auf. Der Typ, der dann aussteigt, sieht aus wie ein Chauffeur. Er trägt einen edlen, schwarzen Anzug und diese typische Chauffeursmütze.

„Miss Boomer?“, fragt er mich. Woher weiß der, wer ich bin?

„Ähm, ja. Kann ich Ihnen helfen?“

„Wir haben gehört, was passiert ist und mein Boss hat mich geschickt, um Sie abzuholen“, sagt der herausgeputzte Kerl. Ich frage mich gerade, ob er in seinen Klamotten nicht fürchterlich schwitzt.

„Miss Boomer?“

„Oh, entschuldigen Sie, mir gehen im Moment sehr viele Dinge durch den Kopf. Wer ist Ihr Boss?“ Seinem Grinsen nach zu urteilen war das ein Fettnäpfchen.

„Der CEO von Blu-Tec, Miss Boomer. Steigen Sie ein, ich bringe Sie zu Ihrer Agentur.“ Der CEO von Blu-Tec weiß was passiert ist? Fuck! Nein, scheiße, Mist, verdammter … Oh Haley, ich bringe dich um, wenn du denen erzählt hast, was passiert ist! Innerlich platze ich, während mir der Typ ganz gelassen mit einem Lächeln die hintere Tür des Wagens aufhält. Mit einem gestellten Lächeln steige ich in die Limousine.

„Machen Sie es sich bequem“, sagt der Chauffeur. Bevor ich etwas sagen kann, schließt er die Tür, steigt ein und fährt los. Meine Wangen glühen, schlimmer kann es nicht mehr kommen. Ich muss mich zusammenreißen. Einfach lächeln und weitermachen, vielleicht kauft mir jemand ab, dass alles gut ist. Im nächsten Moment weiß ich, dass der Deal mit Blu-Tec geplatzt ist. Dafür bin ich zu klein. Die werden mir eine Standpauke halten und anschließend gehen. Warum sollten sie mit der kleinen Pam Boomer noch Geschäfte machen wollen? Ich bin ruiniert, mein Ruf ist dahin. Die lassen mich nur abholen, um mir dann einen deftigen Arschtritt zu verpassen.

Minutenlang quälen mich alle möglichen Fragen, bis der Wagen vor meinem Büro hält. Ich versuche, die Tür zu öffnen, finde aber keinen Griff. Zumindest sehe ich keinen. Der Chauffeur löst das Problem und öffnet mir die Tür.

„Bitte sehr, Miss Boomer.“

„Danke“ gebe ich zurück. Schnell laufe ich die Stufen zum Eingang hinauf und stürme in die Lobby. Der Fahrstuhl öffnet sich, wenigstens etwas. Kaum stehe ich drin, schaue ich in den übergroßen Spiegel an der Kabinenwand, richte meine Haare und zupfe an meinem Kleid. Ich habe mich natürlich nicht geschminkt, weil ich davon ausgegangen bin, rechtzeitig wieder hier zu sein. Ich sollte anfangen, die Fettnäpfchen des Tages zu zählen, so bin ich wenigstens etwas produktiv.

Im siebten Stock angekommen, piept es. Die Türen öffnen sich und dahinter erwartet mich Haley, mit einem breiten Grinsen.

„Bist du verrückt? Was hast du dir dabei gedacht?“, fauche ich sie an. Sofort vergeht ihr das Lachen.

„Aber … aber …“

„Nichts aber, Haley! Hast du denen erzählt, was passiert ist?“

„Tut mir leid, Miss Boomer. Sie wollten wissen was los ist und …“ Ich stoppe meine Assistentin mit ausgestreckter Hand. Wenn sie nicht so eine süße Maus wäre, würde ich sie auf der Stelle feuern.

„Wenn das Thema durch ist, kommst du in mein Büro. Wir werden darüber noch einmal sprechen.“ Mit diesen Worten lasse ich sie stehen und renne in mein Büro. Wo ist mein Make-up? In meiner Handtasche, na klar. Egal, jetzt ist der Drops sowieso schon gelutscht. Daher begebe ich mich auf sofortigen Weg zu meiner eigenen Hinrichtung. Ich zittere am ganzen Körper. Bevor ich die Tür des Schicksalsraumes öffne, hole ich noch einmal tief Luft.

„Guten Morgen“, sage ich. „Tut mir leid für das Chaos.“ Vor mir sitzen eine adrett gekleidete Frau und zwei Männer in grauen Anzügen. Gott, sind die beiden jung. Alle erheben sich. Wer von denen ist der CEO? Mist! Wo ist Haley jetzt schon wieder?

„Wir kennen uns noch nicht, ich bin Pam Boomer“, sage ich zu dem ersten Anzugträger. Höflich schüttelt er meine Hand und stellt sich als Stephen vor. Der zweite nennt kurioserweise auch nur seinen Vornamen, er heißt Greg. Bin ich im falschen Film?

„Miss Boomer, warum sind Sie so aufgeregt?“, fragt mich die Dame, bevor sie meine Hand ergreift.

„Montagmorgen, der ganz normale Wahnsinn“, versuche ich, zu scherzen.

„Keine Sorge, wir haben gehört was passiert ist. Sind wir nicht alle schon mal abgeschleppt worden?“ Meine Henkerin ist ja gut drauf, das wird sicher zum totlachen.

„Ich bin Jillian Hartley und es freut mich, Sie persönlich kennenzulernen.“ Hartley? Das ist der CEO von Blu-Tec. Eine Frau hatte ich allerdings nicht erwartet. Haley hat sich um die ganze Korrespondenz gekümmert, doch die ist noch immer nicht da. Vermutlich, weil sie von mir einen Anschiss bekommen hat.

„Freut mich auch, Miss Hartley. Bitte entschuldigen Sie meine Verspätung.“

„Es ist alles okay. Nennen Sie mich doch einfach Jillian. Wäre das für Sie in Ordnung?“ Ich bin sehr überrascht, denn damit hatte ich nicht gerechnet. Eher damit, dass ich sofort in der Luft zerrissen werde und der Deal geplatzt ist.

„Gerne, Jillian. Pam, sehr erfreut.“ Wir schütteln uns erneut die Hände. Als wir uns setzen, kommt Haley in den Besprechungsraum. Jillian lobt sie in den höchsten Tönen und bedankt sich für die zuvorkommende Art meiner Assistentin. Keine Ahnung, was hier passiert ist, aber jetzt kann ich das erste Mal an diesem Tag richtig lachen.

Wie sich in unserem kurzen Vorgespräch herausstellt, sind Stephen und Greg die Söhne von Jillian, die etwas lernen sollen. Blu-Tec ist Milliardenschwer, und als Hersteller von Sportsachen aller Art, eine der führenden Firmen in den Vereinigten Staaten von Amerika. Die Kampagne, die wir für sie vorbereitet haben, hat Jillian mehr als überzeugt.

„Jillian, wir sind eine kleine Werbefirma und erhalten für gewöhnlich nicht derart renommierte Aufträge. Warum haben Sie sich gerade für uns entschieden?“, möchte ich gerne wissen. Meine Frage sorgt für lachende Gesichter. Selbst Haley, die neben mir sitzt, muss schmunzeln.

„Es ist so, Pam. Ich wollte etwas Neues ausprobieren. Sind wir ehrlich, die großen Werbefirmen verschlingen Unmengen an Honoraren und liefern nicht das, was ich mir vorstelle. Ich wollte etwas völlig Neues. Ein kleines, frisches und ideenreiches Team, das mit Herz an die Sache herangeht. Sie sind mir wärmstens empfohlen worden. Dass was ich bisher von Ihnen gesehen habe, hat nicht nur mich beeindruckt.“ Wow! Diese Frau gefällt mir.

„Danke, dass freut mich außerordentlich“, sage ich. Die kleine Verspätung meinerseits war und ist kein Thema, was mich sehr beruhigt.

Unser Gespräch vertieft sich sehr schnell. Haley erhält die Möglichkeit, unsere Kampagne im Detail vorzustellen und präsentiert dazu einen kleinen Film. Der Applaus von Jillian nimmt danach kein Ende. Diese clevere Geschäftsfrau ist einfach toll.

Zwei Stunden später haben wir vor lauter Lachen schon Bauchschmerzen. Der finale Vertrag ist unterschrieben, wir haben den Auftrag zu 100 Prozent sicher und das macht mich nach dem morgendlichen Chaos sehr sehr glücklich. Die kleine Pam Boomer und ihr Team haben es den ganz Großen gezeigt! Yes!

Nach einem Gläschen Sekt und einem wundervollen Toast auf unsere bevorstehende Zusammenarbeit, macht sich Jillian mit ihren Söhnen wieder auf den Weg. Ich verabschiede die drei am Aufzug.

„Pam, da ist ein Anruf für dich“, höre ich vom Empfang. Mit wenigen Schritten stehe ich am Tresen bei Lindsay, die mir ihren Telefonhörer reicht.

„Pam Boomer, Advertising, was kann ich für Sie tun?“, frage ich überglücklich.

„Pam, es ist ein Mädchen!“, schreit es aus dem Lautsprecher.

„Aaron! Herzlichen Glückwunsch! Ihr habt es endlich geschafft. Wie heißt denn die Maus?“

„Ja, endlich. Wir haben uns für Jamie entschieden. Die Kleine ist so süß, das kannst du dir nicht vorstellen.“

„Davon werde ich mich persönlich überzeugen, mein Lieber. Sind alle gesund?“

„Ja, alles bestens. Wie lief es mit Blu-Tec?“

„Die Sache ist safe, mach dir darum jetzt keine Gedanken. Kann ich morgen bei euch vorbeischauen und nach der kleinen Familie sehen?“

„Sehr gerne, Pam. Lindsay weiß, wo wir genau sind. Freut mich, dass alles geklappt hat.“

„Du schuldest mir einen Kaffee, Aaron.“

„Den bekommst du nächste Woche jeden Tag von mir. Sorry, für den Unfall heute morgen. Ich muss wieder, meine Tochter schreit nach mir.“

„Alles Gute, mein Lieber und grüß bitte deine Frau.“ Kaum ausgesprochen, hat er auch schon aufgelegt. Ich reiche Lindsay den Hörer und muss kurz in die Hände klatschen. Der Tag hat eine unerwartete Wendung genommen, jetzt geht es mir gut.

„Lindsay? Haben wir schon ein Geschenk für Aaron?“

„Nein, Pam. Soll ich mich darum kümmern?“

„Bitte. Versüßen wir der kleinen Jamie ihre Ankunft.“ Grinsend gehe ich in mein Büro, wo ich mich auf meinen Stuhl setze und aus dem Fenster schaue. Geschafft, denke ich mir. Der Montag ist gerettet, die Woche ist gerettet! Jetzt muss ich bloß noch meinen Wagen abholen. Es klopft an der Tür.

„Ja“, rufe ich.

„Miss Boomer?“, fragt Haley. Ich drehe mich nicht um, denn ich habe ihr vorhin zu unrecht eine Standpauke gehalten. Das tut mir leid. Ich sollte es wiedergutmachen. Sie hat sich viel Mühe gegeben und Jillian war sehr begeistert von meinem Team.

„Was gibt es, Haley?“

„Hier ist jemand, der Sie sprechen möchte“, sagt meine Assistentin. Dann höre ich diese Stimme, die sofort dafür sorgt, dass es zwischen meinen Beinen kribbelt.

„Pamela, warum bist du nicht erreichbar?“ So nennt man mich nur, wenn man mich ärgern will und Beth legt es wohl gerade darauf an. Ich drehe mich zu ihr um. Sie hat ihre Arme vor der Brust verschränkt, was ihre üppige Oberweite noch deutlicher zur Geltung bringt, als es eigentlich müsste. Grinsend schaut sie mich an.

„Beth. Was machst du denn hier?“, frage ich sie. Wie soll ich mich verhalten, was sollte ich jetzt tun? Gott, es kribbelt immer mehr.

„Du bist stundenlang nicht erreichbar, da habe ich mir Sorgen gemacht. Bekomme ich heute keine Umarmung?“ Ich stehe auf und gehe zu ihr.

„Danke, Haley“, sage ich zu meiner Assistentin, die schnell die Tür schließt. Beth hält mir ihre Arme entgegen und schlingt sie dann um mich.

„Tut mir leid, Süße. Der Tag war bis jetzt einfach nur chaotisch. Ich wollte dich anrufen, aber mein Wagen wurde abgeschleppt und meine Handtasche liegt noch auf dem Beifahrersitz.“

„Hm, klingt so, als hätte dir letzte Nacht jemand das Hirn rausgevögelt“, sagt meine beste Freundin amüsiert. Als sie mir durch meine langen Haare streichelt bekomme ich eine Gänsehaut. Ich werde das Gefühl nicht los, dass sie es genauso genossen hat. Am liebsten würde ich sie jetzt gleich küssen.

„Kann sein. Wir sollten darüber reden, wäre das für dich okay?“, frage ich.

„Deswegen bin ich hier, Pam. Mittagsessen?“ Ich nicke und löse mich von Beth.

„Mist, ich habe kein Geld dabei.“

„Entspann dich und lass uns gehen. Ich lade dich ein.“ Wir verlassen das Büro und betreten den Fahrstuhl. Ohne meine Tasche fühle ich mich völlig nackt. Würde das Beth gefallen?

„Hübsches Kleid“, sagt sie mit einem Lächeln.

„Danke.“

„Anstrengender Tag?“

„Ja, aber jetzt wird alles gut“, antworte ich. Auf dem Weg zum Italiener, erzähle ich ihr von meinem Chaos Montag. Aus irgendeinem Grund erwähnt meine beste Freundin nichts von der letzten Nacht, nur, dass Montage die schlimmsten Tage sind.

Im Restaurant wird uns ein ruhiger Platz zugeteilt, was mir für unser Gespräch sehr gelegen kommt. Ich will wissen, wie Beth über die letzte Nacht denkt.

„Schon was gefunden?“, fragt sie mich.

„Bruschetta und die Pasta con Scampi.“ Und dich zum Nachtisch, denke ich mir. Wir sind schon so lange befreundet. Warum ist mir das vorher noch nie in den Sinn gekommen? Ich bin sexuell sehr offen und probiere gerne Neues aus, aber mit meiner besten Freundin eine Nacht zu verbringen war das beste Erlebnis, das ich in den letzten Jahren hatte.

Der Kellner nimmt unsere Bestellung auf. Nachdem er verschwunden ist, schaue ich Beth an und grinse. Ihre langen, braunen Haare wirken wie eine Mähne. Diese vollen Lippen und die glasklaren blauen Augen, lassen mich schon wieder träumen.

„Hey, wo bist du mit deinen Gedanken?“, fragt sie mich.

„Ehrlich, Beth?“

„Immer, dass weißt du.“

„Bei letzter Nacht. Ich fand es einfach wunderschön und konnte heute früh noch deine Lippen zwischen meinen Beinen spüren.“ Jetzt ist es raus! Ich stehe auf meine beste Freundin, die mich gerade völlig entsetzt anschaut.

„Was? Habe ich etwas Falsches gesagt?“, frage ich verunsichert.

„Ich muss zugeben, es war sehr lustig und hat auch Spaß gemacht. Aber Pam, sei mir nicht böse, das war ein einmaliges Erlebnis. Ich war voll bis obenhin und hatte mich nicht unter Kontrolle.“ Diese Worte treffen mich wie ein Schlag. Einmaliges Erlebnis? Das Grinsen weicht mir aus dem Gesicht. Wie konnte ich nur denken, dass sie es genossen hat?

„Hey, schau nicht so traurig“, meint Beth. „Es war wirklich toll und ich wollte das immer mal mit dir machen, aber es war ein Fehler. Tut mir leid, Süße.“ Scheiße! Der Tag war doch gerade besser geworden. Warum geht er jetzt schon wieder den Bach runter?

„Okay, verstanden. Mir tut es leid“, sage ich und lege eine Hand auf meine Stirn. Ich bin so blöd! Dafür könnte ich mich gerade selbst ohrfeigen.

„Pam, sag mir jetzt nicht, dass du neuerdings auf Frauen stehst.“

„Nein, tue ich nicht. Du warst meine Erste und mir hat es einfach gefallen. Es war nicht gewollt, dass weißt du selbst.“ Sie ahnt es. Ich hatte mir heimlich so sehr gewünscht, den heutigen Abend mit ihr zu verbringen und vielleicht noch so eine Nacht zu erleben, nur eben ohne den Kokser.

„Dann bin ich ja beruhigt. Ich wollte eigentlich mit dir über Brian sprechen.“

„Beth, da gibt es nichts zu besprechen. Er war heute früh in meinem Büro. Ich habe ihn zur Sau gemacht und rausgeworfen.“

„Ich weiß“, sagt sie.

„Er hat schon mit dir gesprochen?“

„Ja. Er hat sich entschuldigt und mich darum gebeten, mit dir zu reden. Es tut ihm leid, du warst völlig im Recht. Er hätte nicht mit den Drogen bei dir auftauchen dürfen.“ Ich werde das Gefühl nicht los, dass es hier um etwas anderes geht. Der Kellner unterbricht unser kleines Gespräch, denn er stellt unser Essen auf den Tisch.

„Die hätten ihn wegen dem Scheiß fast eingesperrt! Warum nimmt er das Zeug wieder in die Finger?“, frage ich genervt.

„Du weißt, dass Brian nicht nachdenkt, aber in Wahrheit ist er ein lieber Kerl. Er hat einfach nur seine Macken.“

„Worum geht es wirklich, Beth? Du willst mir doch nicht ernsthaft sagen, dass er sich einfach entschuldigt und über dich mit mir reden will.“ Sie schaut auf ihren Teller und füllt ihre Gabel.

„Scheiße, warum ist das so kompliziert?“, flucht sie plötzlich. Ich weiß längst, worauf sie hinaus will.

„Wie lange sind wir schon befreundet, Beth?“

„Sehr lange. Wie kommst du jetzt darauf, Pam?“

„Ich dachte immer, wir teilen fast alles miteinander. Aber dass du und Brian ... also die Sache, die da zwischen euch läuft. Wieso hast du nichts gesagt? Wir reden doch sonst über alles.“ Genervt lasse ich meine Gabel fallen. Meine beste Freundin starrt mich einfach nur an. Scheint so, als hätte sie geglaubt, dass ich nichts mitbekommen würde.

„Komm schon, Beth! Ich wusste es längst. Du kannst beruhigt sein, ich liebe ihn nicht. Ich war einfach mal wieder für ein paar Wochen nicht allein.“ Sie hätte einfach nur etwas sagen müssen.

„Tut mir leid, Pam. Ich wollte das nicht.“

„Schon okay. Du bist mir wichtiger als ein koksender Kerl. Rede nächstes Mal einfach vorher mit mir. Ich versuche es mal mit einer Frau, vielleicht läuft das besser“, scherze ich lachend. Meine beste Freundin grinst. Sie scheint erleichtert zu sein.

„Ist es dir recht, wenn ich heute Abend vorbeikomme und seine Sachen abhole?“

„Klar, kannst du machen.“

„Und du bist mir wirklich nicht böse, Pam?“

„Nein, Süße. Alles in Ordnung. Nimm ihn und werde glücklich, aber denk daran, er ist ein notorischer Fremdgänger. Tu mir nur ein Gefallen und pass auf dich auf. Okay?“ Sie nickt und wir können das Thema abhaken. Meine Enttäuschung darüber, dass unser einmaliges Erlebnis einmalig bleiben wird, versuche ich so gut wie möglich zu überspielen. Wie gerne hätte ich sie noch einmal in meinem Bett gehabt und mit klarem Kopf das wiederholt, was wir letzte Nacht zusammen hatten. Ich habe in solchen Sachen einfach kein Glück. Wo wir wieder beim Thema Glauben wären. Die restliche Zeit des Essens verbringen wir damit, über die guten alten Zeiten zu plaudern. Früher war alles einfacher und besser.

„Danke, für das leckere Essen“, sage ich zu meiner besten Freundin. Sie hat sich noch einmal entschuldigt. Ich soll die Hoffnung nicht aufgeben. Welche Hoffnung? Die gibt es genauso wenig, wie die wahre Liebe, machen wir uns doch nichts vor. Das Einzige, was mich momentan am Leben hält, ist mein Job und genau dahin gehe ich jetzt zurück.

Im Aufzug schaue ich in den großen Spiegel. Was stimmt mit mir nicht? Sind es meine langen, blonden Haare, die grün-braunen Augen? Bin ich zu klein oder zu schlank? Ich verstehe es einfach nicht. Immer noch enttäuscht, laufe ich in mein Büro und kümmere mich um unseren neuen Geldgeber. Dieser Termin war verdammt gut. Bei dem Gedanken an Jillian kann ich mir ein Lachen nicht verkneifen, bevor mich der Ernst des Lebens wieder einholt.

Für die nächsten Stunden kann ich in Ruhe arbeiten, bis Haley wieder an meine Tür klopft.

„Miss Boomer, ich würde gerne Feierabend machen. Soll ich Sie noch zu Ihrem Wagen fahren?“, fragt sie mich. Den hatte ich fast vergessen. Wo ist der Zettel von diesem Bauarbeiter? Ah, da ist er.

„Das wäre sehr lieb von Dir. Danke, Haley. Gib mir noch zwei Minuten, dann komme ich.“ Wie das klingt, ‚komme ich’! Ich würde gerne mal wieder richtig kommen. Erneut erwische ich mich dabei, wie ich meine süße Assistentin gedanklich in mein Bett zerre.

„Ich warte am Aufzug auf Sie.“ Ich muss, nein, ich sollte noch mit ihr reden, dass können wir sicher auf der Fahrt zu diesem Abschleppunternehmen machen. In der Stimmung dazu bin ich zwar nicht, aber sie hat ja nichts falsch gemacht. Mühsam versuche ich mich mit dem wasserdichten Blu-Tec Deal zu motivieren. Schnell noch die letzte Kalkulation abschließen und dann ist Feierabend für heute. Was freue ich mich auf einen Abend, allein zuhause auf der Couch. War das jetzt ironisch?

„Schönen Feierabend, Lindsay.“

„Danke, Pam. Den wünsche ich dir auch.“ Zusammen mit Haley betrete ich den Fahrstuhl. Ganz ruhig steht sie neben mir und wirkt dabei total verschüchtert. Erst jetzt fällt mir auf, wie gut die Kleine riecht.

„Was ist das für ein Parfum?“, frage ich sie. Ohne ihren Blick vom Boden zu nehmen sagt sie: „Intense.“

„Mhm, Dolce & Gabbana. Riecht sehr gut.“

„Danke, Miss Boomer.“ In der Tiefgarage steigen wir in ein rotes Cabriolet. Der Wagen passt wirklich gut zu ihr. Sie tippt die Adresse des Abschleppunternehmens in das Navigationssystem ein und startet den Motor.

„Wenn ich Ihnen zu schnell fahre, dann sagen Sie es bitte, Miss Boomer.“

„Keine Sorge, Haley, ich fahre selbst sehr schnell“, antworte ich gelassen. Als ich höre, dass das Ziel 45 Minuten Fahrzeit entfernt ist, kann ich nicht mehr so locker sein. Ich werde daran erinnert, wie beschissen der Tag anfing und bis auf das Blu-Tec Highlight gab es heute nur Ärger. Vielleicht heitert mich die Sonne etwas auf. Auf dem Weg nach Huntington Beach bin ich schnell genervt. Meine Sonnenbrille liegt in meinem Wagen und ich kann kaum etwas sehen. Haley öffnet das Handschuhfach, aus dem sie eine herausholt und mir hinhält.

„Danke, sehr aufmerksam“, sage ich. „Übrigens, es tut mir leid, dass ich heute Vormittag nicht so nett zu dir war.“ Haley schaut mich schmunzelnd an.

„Ist schon vergessen. Ich hätte diese Auskunft nicht geben dürfen, Sie hatten Recht. Mir tut es leid.“

„Nein! Es war alles in Ordnung und Misses Hartley hat dich außerordentlich gelobt. Du machst einen wirklich guten Job. Dafür möchte ich dir danken.“ Sie errötet leicht. Kommentarlos nimmt sie meine Worte hin. Ich überlege, wie alt meine Assistentin ist. Sie arbeitet seit einem Jahr in meiner Agentur und für gewöhnlich kenne ich mein Personal sehr gut. Gedanklich gehe ich ihre Bewerbung durch.

„Geht es Ihnen gut, Miss Boomer?“, fragt sie mich an der nächsten roten Ampel.

„Ja. Ich frage mich gerade wie alt du bist.“

„27.“

„Ich wusste es. Heute ist einfach nicht mein Tag“, entschuldige ich mich.

„Das macht nichts, Miss Boomer. Wir haben alle hin und wieder einen schlechten Tag.“ Mag sein, nur ich habe davon in letzter Zeit zu viele.

„Haley, warum siezt du mich eigentlich immer noch? Jeder bei uns duzt mich und das darfst du auch.“

„Sie sind älter als ich und es gehört sich einfach so“, antwortet sie mit einem zarten Lächeln. Sie will mir damit jetzt nicht wirklich sagen, dass ich alt bin?

„Ich bin 33, das ist nur unwesentlich älter. Ich biete dir noch einmal das ‚du’ an, wenigstens nach Feierabend.“ Da wir schon wieder stehen, reiche ich ihr meine Hand. Sie zögert einen Augenblick, doch dann ergreift sie sie.

„In Ordnung, Miss Boomer.“

„Pam.“

„Ja, Pam. Das hat sich einfach so in meinem Kopf festgesetzt.“

„Das macht überhaupt nichts, Haley.“ Mit all meinen Mitarbeiter pflege ich ein sehr freundschaftliches Verhältnis, nur meine Assistentin tut sich damit schwer. Vielleicht wird es jetzt besser, ich habe nämlich das Gefühl, dass die anderen sie für ihre Förmlichkeit immer belächeln.

Auf dem Rest der Fahrt wird sie etwas lockerer und redet mit mir über alle möglichen Dinge. Im Büro ist sie zwar sehr fleißig und aufmerksam, sonst aber relativ ruhig und zurückhaltend. Gerade deshalb ist es besonders schön, sie ein wenig von ihrer privaten Seite kennenzulernen.

„Wir sind da“, sagt Haley.

„Endlich, der Verkehr ist heute grauenhaft.“

„Ich warte hier auf Sie, falls etwas schief geht.“ Ich grinse, weil ich erkenne, wie schwer es ihr fällt.

„Bis gleich, Haley und danke.“ Ich laufe auf ein kleines Gebäude am Eingang zu. Dort werde ich von einer Frau mit skeptischem Blick empfangen. Mürrisch hockt sie hinter einer Glasscheibe.

„Sie wünschen?“, grummelt sie vor sich hin.

„Hallo. Mein Wagen wurde heute Morgen abgeschleppt, den möchte ich gerne abholen“, sage ich. Die Dame wirkt genervt.

„Wir schließen in zwei Minuten.“

„Tut mir leid, aber ich habe es erst jetzt hierher geschafft. Ich möchte nur meinen Wagen und dann bin ich auch schon wieder weg.“

„Ihr Kennzeichen?“ Warum ist die so zickig? Ich bin doch freundlich. Montag! Ich hatte es schon wieder vergessen.

„California 7PBA082“, sage ich so ruhig wie möglich. Die gute Frau will auch in den Feierabend, dafür habe ich Verständnis.

„Ihren Führerschein, die Zulassung und 475 Dollar.“ Was? 475 Dollar? Für das erste Mal Abschleppen ist das ziemlich viel. Heute kann es wirklich nicht mehr schlimmer werden. Bauarbeiter Matt hätte mich doch hierherfahren sollen. Dafür, dass es ihm leid tat, hätte er die Hälfte davon bezahlen müssen.

„Ma’am, meine Papiere und meine Geldbörse sind in meiner Handtasche, und die liegt in meinem Wagen.“

„Nicht mein Problem“, knurrt sie.

„Tut mir leid, aber ich hatte einen schrecklichen Tag und möchte nur meinen Wagen.“

„Schön für Sie. Wir schließen jetzt.“ Das kann nicht ihr ernst sein.

„Ma’am, ich habe Ihnen nichts getan. Wir haben uns durch den Berufsverkehr hierher gequält. Glauben Sie, mir macht das Spaß?“ Ich könnte gerade schon wieder platzen, doch damit erreiche ich vermutlich auch nichts. Die lässt mich garantiert eiskalt stehen und macht den Laden dicht. Auch wenn es mir schwerfällt, reiße ich mich zusammen.

„Sie sehen so aus, als wenn Sie eine Menge Spaß hätten“, wirft sie mir durch ihr kleines Loch in der Scheibe zu.

„Im Moment nicht. Bitte lassen Sie mich zu meinem Wagen, dass wir das Thema schnellstens klären können. Ich möchte Ihren Feierabend nicht hinauszögern“, flehe ich schon beinahe auf Knien.

„Luigi!“, brüllt die Dame plötzlich los. Ich erschrecke und zucke zusammen. Die hat vielleicht ein Organ. Aus dem hinteren Bereich kommt ein kleiner Mann angelaufen.

„Misses Blondi will noch ihren Wagen abholen. Hat ihre Papiere im Wagen. Kümmerst du dich darum?“ Luigi nickt und zeigt nach links.

„Ich mache die Papiere fertig“, blökt die Dame mich an. Blondi? Was hat die für ein Problem? Soll das eine Erziehungsmaßnahme sein oder haben die hier keine Lust zu arbeiten? Ich meine, sie verdienen damit wahnsinnig viel Geld und gehen so mit ihren Kunden um? Ich bin lieber still, denn Aufregen bringt hier ganz offensichtlich nichts. Nachdem Luigi mir das Tor geöffnet hat, laufe ich ihm nach. Ganz gemütlich trottet er über den Hof, bis zu meinem Wagen.

„Bitte sehr“, sagt Luigi. „Sie dürfen bis zum Tor vorfahren, meine Frau gibt Ihnen dann die Papiere. Schönen Abend, Miss.“ Seine Frau? Wenn die immer so drauf ist, hat der Arme zuhause bestimmt nichts zu Lachen. Kann ich mir bei dem Drachen zumindest nicht vorstellen. Schnell steige ich ein, starte den Motor und fahre bis zum Tor. Luigis Frau steht provokant davor. Ich könnte ja einfach rausfahren und abhauen, Lächerlich! Bloß schnell alles erledigen und dann weg hier. Ich greife in meine Tasche, ziehe meine Geldbörse heraus und gehe wieder zur Scheibe. Die Lady begutachtet argwöhnisch meinen Führerschein und die Fahrzeugpapiere.

„Dann fehlen bloß noch 500 Dollar“, sagt sie.

„Moment! Eben waren es noch 475 Dollar.“

„Das ist richtig, Miss. Wenn Sie Ihren Wagen nach Schließung abholen, kostet das Feierabendaufschlag.“ Jetzt reicht es aber langsam!

„Ich war aber vor Schließung hier, Ma’am.“

„Sie fahren den Wagen nach Feierabend vom Hof, somit ist der Aufschlag fällig. Zahlen Sie jetzt oder wollen Sie Ihr Wägelchen morgen abholen?“ Diese Dreistigkeit ist nicht mehr zu überbieten. Ich schaue in meine Geldbörse und bekomme genau 480,73 Dollar zusammen.

„Tja, sieht so aus, als müssten Sie morgen wiederkommen“, höre ich die schadenfrohe Lady glucksen.

„Und dann soll ich vielleicht einen anderen Aufschlag zahlen, weil er noch einen weiteren Tag bei Ihnen auf dem Hof gestanden hat?“ Das Nicken kann sie sich sparen.

„Dann zahle ich mit Kreditkarte“, sage ich.

„Nur Barzahlung! Haben Sie das Schild nicht gesehen?“ Sie klopft an ihre Scheibe, wo tatsächlich dieses dämliche Plakat hängt. Nervös schaue ich zu Haley herüber und winke. Augenblicke später ist sie bei mir.

„Kannst du mir mit 20 Dollar aushelfen?“, flüstere ich. Ohne zu zögern greift sie in ihre Tasche.

„Natürlich, Pam.“ Das ist heute das zweite Mal, dass sie mich rettet und dass sie Pam gesagt hat, lässt mich schmunzeln.

„500 Dollar, bitte schön. Und eine Quittung dazu!“ Ohne Worte füllt Luigis Frau die Papiere aus. Als ich diese, samt Quittung in den Händen halte, schaue ich ihr in die Augen.

„Gut, dass ich jetzt Ihre Daten habe. Ich werde morgen ein Werbeschild für Sie in Auftrag geben, mit der Aufschrift ‚Der unfreundlichste Fahrzeug Dienstleister in Huntington Beach’. Und für Sie lasse ich dieses Schild sogar kostenlos anfertigen. Danke für Nichts und einen angenehmen Abend.“ Boah! Diesen Kommentar konnte ich mir nicht verkneifen. Kunden so frech über den Tisch zu ziehen geht einfach nicht. Haley schaut mich überrascht an.

„Danke für deine Hilfe. Zeit und Lust auf Pizza? Ich lade dich ein.“

„Ich will Ihren … sorry, ich will deinen Feierabend nicht noch weiter hinauszögern.“

„Hast du noch etwas vor?“

„Nein, außer vielleicht an den Strand zu gehen.“

„Wunderbar, der ist direkt hinter meinem Haus. Fahr mir einfach nach. Wenn ich zu schnell bin, gib mir ein Zeichen.“ Ich zwinkere ihr zu und steige in meinen Wagen. Bloß weg hier.

Vor dem Tor beobachte ich, wie Haley in ihr Cabrio steigt, um mir dann zu folgen. Mir ist klar, dass ich ihr eben keine Wahl gelassen habe. Nur gut, dass sie geblieben ist, sonst wäre dieser Tag noch fataler ausgegangen, als er begonnen hat. In meinem Wagen zu sitzen und diesen fantastischen Motorensound zu hören, beruhigt mich schnell. Der Berufsverkehr stört mich überhaupt nicht mehr. Ich weiß, dass ich gleich zuhause bin.

Eine gute halbe Stunde später fahre ich in die Surfside Avenue. Die Pylonen und Bauzäune von heute morgen sind verschwunden. Aufmerksam sehe ich mich um. Keine Parkverbotsschilder mehr, dann kann ich jetzt beruhigt den Wagen vor meinem Haus abstellen. Haley parkt hinter mir ein. Ich schnappe mir meine Handtasche und steige aus.

„Schon darüber nachgedacht, welche Pizza du magst?“, frage ich meine Assistentin.

„Natürlich, unterwegs war ja genug Zeit“, sagt sie grinsend. Wir gehen ins Haus, wo ich mein Handy aus der Tasche hole und den Pizzalieferdienst anrufe. Margherita und Scampi Pizza, zusammen mit einer Flasche Wein ist unsere Bestellung. Den haben wir uns nach diesem Tag verdient. Während sich Haley umsieht, stecke ich mein Handy ans Ladekabel. Die Dusche schreit förmlich nach mir, ich fühle mich unwohl und sollte dringend ins Bad gehen.“Ich bin gleich wieder da, mach es dir bequem. Die Pizza sollte in einer halben Stunde da sein“, sage ich zu ihr. Bevor ich hinauflaufe, gehe ich in die Küche, um Geld zu holen.

„Danke, fürs Ausleihen.“

„Aber Pam, dass sind 50 Dollar, nicht 20.“

„Sorry, Haley. Ich habe es nicht kleiner. Und du hast mich schließlich auch hingefahren.“ Ihr zartes Lächeln zeigt mir wieder einmal, wie zurückhaltend und bescheiden sie ist.

„Kann ich mich kurz frisch machen?“, fragt sie, nachdem sie den Dollarschein eingesteckt hat.

„Du darfst auch gerne im Gästebad duschen. Zweite Tür im Flur rechts. Handtücher sind im Regal neben der Dusche.“

Surfside | Pams Haus | HaleyDieses Haus ist einfach wunderschön. Die Kollegen haben schon öfter davon geschwärmt, aber dass es so toll eingerichtet ist, hatte ich mir nicht vorstellen können. Überhaupt hätte ich nie daran gedacht, mal im Haus von Pam zu stehen. Sie war heute ziemlich sauer auf mich. Erst dachte ich, sie würde mich feuern, dabei habe ich es nur gut gemeint. Ich bin froh, dass Misses Hartley so nett war. Und nach diesem chaotischen Tag stehe ich jetzt hier, bei meinem Boss im Badezimmer, um mich frisch zu machen.

Ich öffne den Reißverschluss meines Kleides, lasse es fallen und streife meine Unterwäsche ab. Vorsicht drehe ich den Wasserhahn auf. Als das lauwarme Wasser über mich strömt, versinke ich in meinen Gedanken. Pam hatte einen harten Tag, ich habe sie selten so schwankend erlebt wie heute. Dass dieser Typ am Morgen bei uns aufgekreuzt ist, hat ihr zu schaffen gemacht. Hoffentlich ist sie morgen wieder besser gelaunt, so, wie wir sie kennen. Ich mag sie, die Arbeit mit ihr macht Spaß. Aber die Art und Weise, wie sie mit mir geredet hat, als wir ihren Wagen abholten, hat mich überrascht. So dominant kannte ich sie nicht. Wenn sie wüsste, wie sehr ich sie verehre. Eines Tages möchte ich so sein wie sie. Erfolgreich, ein schönes Haus haben, diesen tollen Wagen fahren und wissen, wofür ich morgens aufstehe. Trotz alledem habe ich das Gefühl, dass sie sehr einsam ist. Hat sie mich deshalb zu sich eingeladen oder will sie sich wirklich nur bedanken?

Gott! Ich habe die Zeit vergessen. Meine Haut ist schon ganz schrumpelig. Schnell stelle ich das Wasser ab und verlasse die Dusche. Jetzt fühle ich mich schon viel besser. Aus dem Regal nehme ich mir, so wie Pam es gesagt hat, ein Handtuch um mich abzutrocknen. Vor dem Spiegel liegt eine Haarbürste, die ganz neu aussieht. Ob ich sie benutzen darf? Ich gehe zur Tür und öffne sie einen Spalt. Pam ist oben zu hören.

„Pam?“

„Ja?“, antwortet sie.

„Darf ich die Haarbürste benutzen, die vor dem Spiegel liegt?“

„Natürlich, Haley. Du darfst alles benutzen, was da ist. Ich bin gleich fertig.“ Leise schließe ich die Tür. Sehr nett von ihr. Sie scheint nicht oft Gäste zu haben, wenn dass alles neu ist.

Augenblicke später bin ich fertig und angezogen. Gerade als ich das Bad verlasse, klingelt es.

„Ich gehe schon“, rufe ich. Das muss der Pizzalieferdienst sein. Ich öffne die Tür, vor der ein rot gekleideter junger Mann steht. In seinen Händen hält er zwei Pizzakartons und eine Flasche Wein.

„Hallo“, sagt er freundlich. „Das macht genau 37 Dollar.“ Ich hole den 50 Dollarschein, den Pam mir gegeben hat, aus meiner Tasche.

„40, bitte“, sage ich. „Geben Sie mir das, sonst kommen Sie ja schlecht an Ihre Geldbörse.“ Er übergibt mir die Kartons und die Flasche Wein. Das Wechselgeld legt er oben drauf.

„Vielen Dank, Miss und einen schönen Abend.“ Grinsend steigt er auf einen kleinen Roller. Hm, die riecht aber lecker. Auf dem Weg zur Küche kommt Pam angelaufen.

„Oh, du hast schon alles angenommen?“

„Ja, ich war fertig und hatte nach dir gerufen.“

„Du hast das aber nicht von deinem Geld bezahlt, oder?“

„Nein, von deinem Geld, das du mir gegeben hast.“

„Haley, warum bist du so nett zu mir? Womit habe ich das verdient?“

„Ich bin einfach so“, sage ich lächelnd. Pam quetscht sich vor mir in die Küche und kommt schon wieder mit einem 50 Dollarschein zurück.

„Miss Boomer, Sie haben mir zu viel Geld gegeben. Ich habe einfach bezahlt, das passt so“, sage ich gespielt ernst. Überrascht schaut sie mich an. Erst, als ich lachen muss merkt sie, dass ich scherze.

„Alles gut, Pam. Die Pizza riecht köstlich und ich habe großen Hunger.“

„Okay. Veranda oder Esstisch?“, fragt sie mich.

„Geht auch die Couch?“ Wieder muss sie lachen.

„Ich hole schnell noch Weingläser, mach du es dir bequem.“ Sie nimmt mir die Weinflasche ab und ich gehe zur Couch.

Surfside | Pams Haus | PamHaley macht mich nervös. Sie ist so nett zu mir, als wäre es selbstverständlich. Ich hoffe, sie tut das nicht nur, weil sie meine Mitarbeiterin ist.

Mein Magen knurrt, und jetzt freue ich mich auf die Pizza. Mit den Gläsern und der geöffneten Flasche Wein in der Hand, laufe ich ins Wohnzimmer.

„Ich habe das Besteck vergessen. Ich wusste, da war noch was.“

„Brauchen wir denn Besteck?“, fragt mich Haley. Gott, ihre braunen Augen machen mich noch nervöser, als ich es ohnehin schon bin. Sie klopft auf die Sitzfläche neben sich. Ich nehme Platz, dann reicht sie mir den offenen Karton mit meiner Scampi Pizza.

„Lass es dir schmecken, Pam.“ Im nächsten Moment will sie die Weingläser füllen.

„Warte, Haley, der muss noch etwas atmen.“

„Wie, atmen?“

„Der Wein hat einen besseren Geschmack, wenn er eine Weile Luft bekommt. Du trinkst nicht oft Wein, oder?“

„Eigentlich nicht.“

„Oh, sorry. Möchtest du etwas anderes?“

„Nein, Pam. Guten Appetit!“ Wir sitzen dicht nebeneinander und lassen uns unsere Pizza schmecken. Ich biete ihr ein Stück an, dafür darf ich ihre Margherita probieren.

„Was war eigentlich heute früh mit diesem Typen?“, will sie von mir wissen. Ich höre auf zu kauen und schaue sie an.

„Er wollte einen Termin, den ich ihm nicht geben konnte“, sage ich, denn ich will nicht über Brian reden.

„Sorry“, sagt sie. „Wenn ich schneller gewesen wäre, dann hätte ich ihn gar nicht erst in dein Büro gelassen.“

„Keine Sorge, Haley. Ana hat sich darum gekümmert, alles bestens.“ Das ist zwar gelogen, aber das muss sie nicht wissen. Ich versuche, das Thema zu wechseln und biete ihr, nachdem wir mit dem Essen fertig sind, einen Rundgang durchs Haus an. Das Schlafzimmer habe ich nach dem duschen schnell aufgeräumt, jetzt kann es sich wieder sehen lassen. Grinsend stimmt die Kleine zu. Jedes Mal wenn sie mich anschaut, kribbelt es in mir und das macht mir Sorgen. Was ist nur mit mir los? Die Nacht mit Beth hängt mir noch nach, das muss es sein. Ich hielt Haley immer schon für eine hübsche und attraktive Frau, aber seit gestern Nacht ist es anders. Nachdem Beth mir gesagt hat, dass sich unser gemeinsames Erlebnis nicht wiederholen wird, erwische ich mich erneut dabei, wie ich meine Assistentin anstarre.

Bevor wir nach oben gehen, fülle ich unsere Weingläser.

„Atmen lassen?“, fragt Haley mit einem frechen Grinsen. Ich nicke und muss lachen. Sie ist so, wie soll ich es beschreiben? Gott, ich würde sie am liebsten in mein Bett zerren. Wie würde sie reagieren? Würde sie es mögen?

Reiß dich zusammen, Pam, sie arbeitet für dich, das kannst du nicht tun, sagt mir meine innere Stimme. Kopfschüttelnd stelle ich das Glas auf den Tisch.

„Was ist?“, fragt Haley.

„Ach nichts, blöder Gedanke“, gebe ich salopp zurück.

„Erzähl mir davon“, sagt sie zu meiner Überraschung. Ich würde so gerne, doch ich kann nicht. Heute Morgen habe ich mich noch darüber beschwert, dass mein Ex-Freund in meinem Haus gekokst hat. Was würde passieren, wenn die Menschen in meiner Umgebung erfahren, dass ich ein großes Bedürfnis danach habe, mit einer Frau zu schlafen?

Die Türklingel rettet mich aus dieser verzwickten Situation. Ich weiß nicht wer um diese Zeit noch etwas von mir will, aber ich gehe schnell nach vorne und öffne die Tür.

„Hi Pam. Du siehst aber hübsch aus. Störe ich?“, fragt Beth. Sie umarmt mich und flüstert mir dann ins Ohr: „Wem gehört denn das sportliche Cabrio vor deinem Haus?“ Jetzt erst fällt mir wieder ein, dass sie Brians Sachen Abholen wollte.

„Hey Beth. Nein, du störst nicht. Ich hatte einen anstrengenden Tag und vergessen, dass du vorbeikommen wolltest.“ Auf ihre Frage nach Haleys Wagen gehe ich nicht näher ein, weil es sie nichts angeht.

„Darf ich kurz reinkommen oder bringst du mir die Sachen?“, fragt sie.

„Im Schlafzimmer steht eine kleine Tasche, da sind all seine Sachen drin. Hol sie dir einfach, du kennst ja den Weg.“ Beth läuft an mir vorbei, Richtung Treppe. Hätte ich geahnt, dass sie neugierig ins Wohnzimmer schaut, wäre ich selbst gegangen, um die Tasche zu holen. Augenblicke später ist sie wieder da.

„Ist das nicht deine Assistentin?“, fragt sie mich grinsend.

„Ja. Sie hat mir heute sehr geholfen. Die wollten mir meinen Wagen nicht geben, weil ich nicht genügend Geld dabei hatte.“

„Lass mich raten: Deine Assistentin hat dir ausgeholfen?“

„Ja. Was ist daran so schlimm?“, will ich wissen und verdrehe die Augen.

„Hey, entspann dich. Sie sieht echt heiß aus. Wenig Titten, aber mit der kannst du bestimmt deinen Spaß haben.“ Hatte ich erwähnt, dass mir die sehr direkte Art meiner besten Freundin manchmal echt auf die Nerven geht? Gerade jetzt, weil sie anscheinend mit großer Freude ihren Finger in diese unsichtbare Wunde drückt.

„Was soll das, Beth?“

„Was denn? Du wirkst im Moment leicht frustriert und untervögelt. Schnapp sie dir und tob dich aus, ist doch nichts dabei. Sie macht auf mich den Eindruck, als würde sie auf Pussys stehen. Jung und unschuldig, die kannst du gut erziehen.“ Ich schüttele nur den Kopf.

„Du solltest jetzt gehen“, fordere ich meine beste Freundin auf. Bevor ich sie am Arm packen kann, läuft sie ins Wohnzimmer. Oh nein! Was soll das jetzt?

„Hey. Ich bin Beth, Pams beste Freundin“, sagt sie zu Haley. Die steht überrascht von der Couch auf und wirkt, nachdem sie gerade etwas aufgetaut war, völlig schüchtern. Beth kann es nicht lassen. Sie geht auf Haley zu und schüttelt ihr die Hand.

„Wir haben uns heute Mittag im Büro von Pam gesehen.“

„Oh ja, stimmt. Ich bin Haley“, antwortet die Kleine sehr zurückhaltend.

„Beth! Du hast die Sachen und solltest jetzt gehen. Wir haben noch geschäftlich zu tun.“ Auf meine eindringliche Bitte hin ist ihre Antwort nur ein dämliches Grinsen.

„Geschäftlich mit Pizza und Wein?“

„Beth!“, fauche ich sie in harschem Tonfall an.

„Komm runter, Pam! Ich wollte nur hallo sagen. Was ist bloß mit dir los?“ Plötzlich flüstert sie Haley etwas zu, das ich nicht verstehen kann. Meine Assistentin schaut mich mit großen Augen an, was Beth sehr amüsiert.

„Soll ich Brian von dir grüßen?“, fragt sie mit provokantem Blick.

„Nein, danke!“, gebe ich angefressen zurück. Ich bin am verzweifeln. Hätte ich sie doch bloß nicht ins Haus gelassen. Langsamen Schrittes kommt Beth auf mich zu.

„Fick sie, sie will es auch! Ich kann es in ihren Augen sehen“, flüstert sie mir ins Ohr. Ich funkele sie wütend an. Wäre Haley nicht da, würde ich ihr eine verbale Klatsche verpassen, die sich gewaschen hätte.