Film School - Klaus Weller - E-Book

Film School E-Book

Klaus Weller

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Beschreibung

'Beklagen Sie sich nie über zu wenig Zeit oder Geld. Für einen originellen Film benötigen Sie kein Geld, und mehr Zeit haben andere meistens auch nicht. Betrachten Sie alle Unwägbarkeiten, alle Hindernisse als Chance, die Dinge neu anzuordnen, als Gewinn. Betrachten Sie eine Filmproduktion als Abenteuerreise, auf die man sich natürlich gut vorbereitet, aber auf der man trotzdem jede Menge Überraschungen erleben wird.' Klaus Weller Ein praktischer Ratgeber für alle, die ohne großes Budget und technischen Aufwand Filme drehen wollen: Unsere Empfehlung für alle Pädagogen. Denn Filmen ist cool, macht Spaß und fördert die Kreativität. Einfach reinlesen und loslegen: Klaus Weller zeigt, wie es geht – von der Idee bis zur Premiere. Bescheren Sie sich und Ihren jungen Stars ein Erfolgserlebnis: Film ab!

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Seitenzahl: 142

Veröffentlichungsjahr: 2015

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INHALT

VORWORT

A DREHVORBEREITUNGEN

A1 Was ist Film?

A2 Ideenfindung

» Thematische Vorgabe

» Schülerwettbewerbe

» Freie Ideenfindung

A3 Ideenentwicklung

A4 Bausteine der Filmgestaltung

» Inhalt

» Form

» Dramaturgie

» Charaktere

» Emotionen

» Erzählmotive

A5 Drehbuch

A6 Budget

A7 Organisation

A8 Drehorte

A9 Teamfindung/Teamwork

A10 Casting

A11 Schauspieler

B FILMEQUIPMENT

B1 Videokameras

» DSLR oder Videokamera?

» Kamera mit Speicherkarte oder Kassettenlaufwerk?

» Autofokus

» Blendenautomatik

» Farbtemperatur

» Objektivreinigung

» Kaufen oder mieten?

» Verleih eigener Geräte?

» Kamerastativ

» Second Unit

» Setfotos

B2 Licht

» LED-Lichttechnik

» Weiches Licht!

» Reflektor

» Reflexionen

B3 Tonequipment

» Richtmikrofone

» Windschutz

» Mikrofonkabel

» Tonangel

» Kopfhörer

» Digitale Audiorekorder

» Filmklappe

B4 Sonstiges Equipment

B5 Geräteversicherung

B6 Praktische Übungen

» Bildkomposition

» Einstellungsgrößen

» Perspektiven

C DREHARBEITEN

C1 Dokumentarfilme

C2 Spielfilme

C3 Animationsfilme

» Klassische Animationstechniken

» Computeranimation

» Vertonung

C4 Improvisation

C5 Nachdreh

C6 Praktische Tipps beim Drehen

D VIDEOSCHNITT

D1 Hardware

D2 Software

D3 Einführung in den Videoschnitt

D4 Montage

D5 Layoutschnitt

D6 Filmmusik / Musikrechte

D7 Geräusche

» Soundarchive

» Wieso eigentlich Originalton?

D8 Filmtitel

D9 Endfertigung

» Vorbereitung

» Endschnitt

» Effekte

» Vor- und Nachspann

» Licht- und Farbausgleich

» Sounddesign und Tonmischung

D10 Abnahme

D11 Exporte

D12 Datensicherung

E VERTRIEB

E1 Premiere

E2 Festivals

» Liste von Kinder- und Jugendfilmfestivals

E3 Fernsehen

E4 Internet

E5 Sonstige Vertriebsmöglichkeiten

F SCHLUSSWORT

X ANHANG

X1 Glossar

X2 Register

X3 Bildnachweise

X4 Endnoten

VORWORT

Es gibt nur eine Regel:

keine Langeweile!

DREHVORBEREITUNGEN

A1

Was ist Film?

A2

Ideenfindung

A3

Ideenentwicklung

A4

Bausteine der Filmgestaltung

A5

Drehbuch

A6

Budget

A7

Organisation

A8

Drehorte

A9

Teamfindung/Teamwork

A10

Casting

A11

Schauspieler

A1 WAS IST FILM?

ZITAT

 

VORAUSSETZUNG FÜR EINE FUNKTIONIERENDE KOMMUNIKATION IST DAS VERSTÄNDNIS.

KLAUS WELLER

Film ist Kommunikation. Mittels bewegter Bilder und Töne soll ein Dialog mit dem Zuschauer hergestellt, sollen Emotionen erzeugt werden. Voraussetzung für eine funktionierende Kommunikation ist das Verständnis. Genauso wie in der Sprache erst die richtige Anordnung von Worten zur Verständigung führen kann, hat der Film seine eigene Syntax. Das Erlernen und Beherrschen dieser Syntax, das filmsprachliche Handwerk, ermöglicht die visuelle Kommunikation. Ihr Fundament sind die Filmidee und deren Dramatisierung.

A2 IDEENFINDUNG

Thematische Vorgabe

 

Schülerwettbewerbe

 

Freie Ideenfindung

 

Nehmen Sie sich – wenn möglich – etwas Zeit für das Finden und Entwickeln von Filmideen. Verschenken Sie nicht das, was Sie in die Waagschale werfen können. Geld oder Perfektion wird es nicht sein. Beides interessiert den Zuschauer auch nicht, im Gegensatz zu einer originellen Idee und einer lebendigen, spannenden Umsetzung.

Wie finden Sie eine taugliche Idee? Sie fällt nicht vom Himmel und ist auch nicht das Resultat kreativer Eingebungen. Sie ist das Ergebnis eines Arbeitsprozesses. Ideenfindung ist zu 90 bis 95 Prozent Handwerk. Den Rest macht die Individualität, die Persönlichkeit aus – der nicht vermittelbare Bereich. Grob betrachtet gibt es in der Ideenfindung zwei Spielfelder:

Thematische Vorgabe

In vielen Fällen haben Filmprojekte mit Kindern und Jugendlichen inhaltliche Vorgaben. Die resultieren aus Themen in Projektwochen, aus der Arbeit von Einrichtungen, aus der Teilnahme an Wettbewerben usw. Diese inhaltlichen Vorgaben klingen meist nicht sehr spannend.

Einige Beispiele:

»

Warum sollten Schüler in der heutigen Zeit alte Sprachen lernen?

»

Wie funktioniert die Welt? Und wie können wir sie schützen?

Aber von diesen gut gemeinten Leitmotiven sollte man sich nicht abschrecken lassen. Man sollte sie vielmehr als kreative Herausforderung betrachten: Kann man aus einem vagen, sperrigen Thema eine originelle Idee entwickeln? Man kann, vorausgesetzt man beherrscht die Techniken, das Handwerkszeug zur Ideenentwicklung.

Thematische Rahmenbedingungen bieten eine Reihe von Vorteilen:

»

Sie können Zeit sparen im Vergleich zur „freien“ Ideenentwicklung.

»

Sie können mit Ihrem Team das Ausloten von Spielräumen innerhalb eines gedanklichen Korsetts trainieren, also Lernprozesse für das spätere Leben.

»

Sie können das kreative Potenzial Ihres Filmteams stimulieren.

Ein typischer Anfängerfehler in der Ideenfindung ist es, alle Probleme dieser Welt (und noch ein bisschen mehr) zu thematisieren. Tauglicher wäre allerdings das Gegenteil.

TIPP

 

Vier Tipps, falls Sie Einfluss auf die Themenfindung haben:

»

Wählen Sie „einfache“ Themen, z.B. XY baut ein Möbelstück zusammen, kocht sich ein Ei usw. Es ist viel ergiebiger, diesen scheinbar banalen Ausgangssituationen eine (philosophische) Bedeutung abzugewinnen, statt an den großen Themen zu scheitern.

»

Lassen Sie sich bei der Ideenfindung von klassischen Erzählmotiven inspirieren (siehe Kapitel „Bausteine der Filmgestaltung“ auf Seite

).

»

Wählen Sie politisch unkorrekte Themen statt korrekte. Warum? Denken Sie an das Vorwort.

»

Nehmen Sie an Schülerwettbewerben teil, auch wenn Sie dort mit thematischer Tristesse konfrontiert werden. Sie können mit Ihrem Team das Einhalten von Abgabeterminen trainieren. Und mit der Teilnahme haben Sie schon eine vertriebliche Plattform, ein wie auch immer geartetes Event, bei dem die Filme präsentiert werden können.

Beispiele für Kurzfilme mit einfachen Ausgangsideen:

»

In „Do pivnice“ (Ins Kellergewölbe) von Jan Švankmajer* geht ein kleines Mädchen in den Keller eines Mietshauses, um Kartoffeln zu holen.

»

Das Zweipersonenstück „Goliath“ von Ozan Mermer handelt von einem Jungen, der von einer Prostituierten wissen will, ob sie nicht nur auf dem Kopf rote Haare hat.

»

Im preisgekrönten Jugendfilm „Papa schmeißt den Grill an“ versucht ein Vater, mit seinen beiden Töchtern zu grillen (

www.jugendfilm-ev.de

→ Filme → 2008) usw.

Zum reduzierten Ansatz dieser Auswahl gehört auch folgende Gemeinsamkeit: Die Helden haben ein klares Ziel. Der Weg dorthin ist mit Hindernissen, Überraschungen und Gefahren gespickt.

Schülerwettbewerbe

Filmwettbewerbe für Kinder und Jugendliche, die jedes Jahr stattfinden:

»

Deutscher Jugendvideopreis:

www.jugendvideopreis.de; www.video-der-generationen.de

»

Mo & Friese KinderKurzFilmFestival (Gib-Mir-Fünf-Wettbewerb):

http://moundfriese.shortfilm.com/index.php?id=1892

»

jugend creativ, Internationaler Jugendwettbewerb der Volks- und Raiffeisenbanken:

www.jugendcreativ.de

»

BERTINI-PREIS für junge Menschen mit Zivilcourage:

www.bertini-preis.de/index.php

»

KINDER ZUM OLYMP! Schülerwettbewerbe:

www.kinderzumolymp.de

»

ECHT KUHL! Bundesweiter Schülerwettbewerb:

www.echtkuh-l.de

»

Go Ahead Schulwettbewerb der Hannelore Kohl Stiftung Helm + Kopfschutz):

www.go-ahead-wettbewerb.de/

Sammelportale von Schüler-Wettbewerben:

»

www.bundeswettbewerbe.de

»

www.schule-bw.de/aktuelles/wettbewerbe

»

www.buergergesellschaft.de

»

www.jugendstiftung.org

(Infopool → Linksammlung → Wettbewerbe)

»

www.hamburger-bildungsserver.de

»

www.bildungsserver.de/wettbew.html

Freie Ideenfindung

Hört sich gut an, ist aber mit Vorsicht zu genießen.

Die Vorteile:

»

Wenn Sie eine Idee Ihrer Teilnehmer als Vorlage nehmen, geben Sie ihnen das Gefühl, Gestalter und Entscheider und nicht bloß Ausführende zu sein. Sie nehmen so Ihr Team ernst, und das wird es honorieren.

»

Die Ideenwelt der Kinder unterscheidet sich elementar von der der Erwachsenen. Wenn Sie sich darauf einlassen, sind sie näher an ihnen dran und können selbst originelle Welten betreten bzw. stofflich dramatisieren. So kamen zwei Jungs mit folgender Idee in unser Vorbereitungsseminar: Machtwechsel, also Kinder haben das Sagen, Erwachsene müssen gehorchen. Auf so eine Idee würde wohl kaum ein Erwachsener kommen (siehe

Abb. 2

).

Die Nachteile:

»

Die freie Ideenentwicklung benötigt mehr Zeit, wie überhaupt das Finden tauglicher Ideen mit Zeit verknüpft ist. Diesen Nachteil können Sie möglicherweise ausgleichen, indem Sie schon Wochen vor den Dreharbeiten einen regelmäßigen Termin für die Entwicklungsarbeit finden, vorausgesetzt natürlich Sie haben schon Zugriff auf Ihr Team.

»

Zur Steuerung einer freien Ideenentwicklung sind fundierte dramaturgische Kenntnisse nötig (siehe Kapitel

„Bausteine der Filmgestaltung“

auf Seite

).

»

Sonst laufen Sie Gefahr, Opfer gut gemeinter Freiräume zu werden. Sie können mit der ganzen Bandbreite infantiler Fantasien konfrontiert werden, z.B. „mein Handy wurde gestohlen – die Welt geht unter“. Wenn Sie sich jetzt auf demokratische Entscheidungsfindungen einlassen, geraten Sie in Schwierigkeiten. Die sollte aber nicht der Projektleiter haben, sondern die Hauptfigur des Films.

»

Die Gefahr der inhaltlichen Überfrachtung. Völlig unterschiedliche Filmideen sollten auch als solche behandelt werden und nicht zu einem demokratischen Gesamtwerk gebündelt werden. Es geht um die Konzentration auf eine Geschichte, ein Thema.

TIPP

 

In jedem Fall empfiehlt es sich, ein eigenes Thema in petto zu haben, d.h. gewappnet zu sein. Ziel sollte es sein, die Idee mit dem dramatischsten Potenzial zu realisieren.

Aber wie sollen Ihre Jugendlichen ohne dramaturgische Grundkenntnisse diese Idee erkennen? Eine wirklich gute Idee ist immer einfach und verständlich. Sie deutet darauf hin, dass die Autoren ihre Arbeit gemacht, alles durchdacht haben und kommunizieren wollen. Andersherum: Komplizierte Ideen und Umsetzungen, expansiver Aufwand sind meist Ablenkungsmanöver. Eigentlich beherrschen diese Filmemacher ihre Arbeit nicht bzw. sie haben sie nicht richtig gemacht, oder sie haben nichts zu erzählen.

Abb. 2: Szenenfoto aus der Actionkomödie „Kinder an die Macht“. Die Kinder haben den Tagesschausprecher verjagt und die Macht übernommen.

A3 IDEENENTWICKLUNG

Abb. 3: Szenenfoto aus dem Psychothriller „Achterbahn“. Der Hamburger Sommerdom ist die einzige Location.

Bei der Weiterentwicklung Ihrer Ideen sollten Sie vier Punkte im Auge behalten:

1.

Die Machbarkeit.

Ist das angedachte Projekt im verfügbaren Zeitraum umsetzbar? Haben Sie Dreharbeiten in allen fünf Kontinenten geplant oder beschränken Sie sich wohlweislich auf eine oder wenige Locations? Wie kann der Aufwand in allen Produktionsbereichen reduziert werden? Gibt es Alternativen? Vielleicht sind die ja viel tauglicher (siehe z.B.

Punkt 4

auf Seite

)?

Ein Beispiel:

Ihr Team will eine wilde Verfolgungsjagd drehen mit Gangstern, Bankraub, Schießerei, Rennwagen, 20 Polizeiautos, Hubschrauber – also das volle Programm. Abgesehen davon, dass die Realisierung unter eingeschränkten Produktionsbedingungen kaum machbar ist, haben alle so ein Szenario schon zur Genüge gesehen. Aber was wäre, wenn der Räuber z.B. ein Skateboard entwendet und er vom Besitzer und dessen Freunden verfolgt wird? Diese Spielanordnung ist machbar, was die Jugendlichen auch sofort verstehen, und sie hat größeres Potenzial an Originalität. Außerdem fühlt Ihr Team sich ernst genommen. Ihre scheinbar abstrusen Ideen werden nicht sofort vom Tisch gewischt, sondern variiert.

Abb. 4: Szenenfoto aus dem Spot „Wir werden angegriffen“.

Der Protagonist in Schwierigkeiten.

2.

Das Produkt.

Ein in sich geschlossener Kurzfilm, der möglichst zielstrebig auf einen finalen Höhepunkt zusteuert. Gerade Jugendlichen ist es wichtig, dass sie nach Abschluss des Projekts etwas in den Händen halten, das sie maßgeblich mitgestaltet haben. Wer hingegen einen beschäftigungstherapeutischen Ansatz verfolgt, nach dem Motto „wir schwenken ein bisschen in der Gegend rum und sind gut drauf“, könnte sich fragen, warum er mit seinem Team an einem schönen Sommertag nicht alternativ ins Freibad geht. Eine nicht unwesentliche Aufgabe eines Projektleiters ist es, das Endprodukt und das dafür erforderliche Zeitbudget ständig im Auge zu behalten. Das können Jugendliche (noch) nicht. Ihre Qualitäten liegen auf anderem Gebiet.

3.

Die Dramaturgie.

Erst mal so viel: Es gibt eine Fülle von Regeln und Modellen (vom 3-Akt-Modell bis zum 12-Akt-Modell), die in der praktischen Anwendung niemand so recht glücklich machen. Der Extrakt all dieser Versuche, einen Dschungel durchdringlicher zu machen, ist folgender: Kreieren Sie eine (oder mehrere) originelle Figur(en) und treiben Sie diese in maximale Schwierigkeiten! Dabei muss es nicht um die Rettung der Welt gehen. Im Gegenteil. Es könnte zum Beispiel das Kind eines alleinerziehenden Elternteils sein, welches in finanzielle Schwierigkeiten geraten ist. Was für Probleme resultieren daraus für das Kind? Oder es könnte ein kleiner Junge sein, der sich verlaufen hat? Es könnte ein Mädchen sein, das von Mitschülerinnen ausgegrenzt wird usw. Wichtig ist – neben den Schwierigkeiten – vor allem die Originalität, die Authentizität und die Prägnanz einer Figur, weniger eine sympathische Ausstrahlung. Dann hat der Zuschauer die Chance auf eine emotionale Anteilnahme.

4.

Techniken der Stoffentwicklung.

Man kann alles trainieren, auch das Dramatisieren einer Idee. Folgende Techniken lohnen auch eine Anwendung bei Jugendfilmprojekten:

»

Die erste Idee wird naturgemäß eine banale sein, weil sie einem als Erstes einfällt. Das Naheliegendste ist aber auch meist langweilig, was bekanntlich zu vermeiden ist. Die erste Idee ist also nicht mehr und nicht weniger als ein elementarer Ausgangspunkt. Deshalb ist es wichtig, sie zu benennen. Versuchen Sie, Ihrem Team die Scheu zu nehmen, Banalitäten zu äußern. Sie sind wichtig, damit man weiß, wie man sich von ihnen befreien kann.

»

Versuchen Sie, alle Spielanordnungen auf den Kopf zu stellen. Wenn beispielsweise ein Mädchen die Hauptrolle spielen soll, überlegen Sie, wie sich die Geschichte ändert, wenn die Rolle ein Junge ausfüllen würde. Welche Anordnung bietet das größte dramatische Potenzial? Was ist, wenn das geplante Happy End ersetzt wird durch ein dramatisches Ende und umgekehrt? Versuchen Sie, sich und Ihr Team im produktiven Hinterfragen sämtlicher Planungen zu trainieren: Könnte unsere Geschichte, unser Film optimiert werden, wenn wir es an dieser oder jener Stelle ganz anders machen als zunächst gedacht? Üben Sie den Perspektivwechsel, die Umkehrung von Verhältnissen.

A4 BAUSTEINE DER FILMGESTALTUNG

Inhalt

 

Form

 

Dramaturgie

 

Charaktere

 

Emotionen

 

Erzählmotive

 

Sinnvoll ist ein kleines Archiv an beispielhaften Kurzfilmen. Wo bekommt man die?

»

In Videobibliotheken öffentlicher Büchereien.

»

Bei der Hamburger Kurzfilmagentur (

www.shortfilm.com

).

»

Im Katalog der AG Kurzfilm (

www.ag-kurzfilm.de

).

»

In der Mediathek von arte und 3sat.

»

In der Videothek der Oberhausener Kurzfilmtage oder anderer Kurzfilmfestivals (

www.kurzfilmtage.de

).

»

Auf den einschlägigen Internetportalen wie YouTube, Vimeo, Clipfish usw.

»

DVDs mit Werbespots für Unterrichtszwecke erbitten Sie bei großen Werbefilmproduktions- oder -vertriebsfirmen.

»

Im Archiv der Homepage von Jugendfilm e.V.

(www.jugendfilm-ev.de).

Ich verwende vorzugsweise einfach gestaltete Werbespots, um nicht unnötig Zeit bei der Analyse zu verlieren. Am meisten lernen Jugendliche, wenn sie die einzelnen, nachfolgend aufgelisteten dramaturgischen Bausteine anhand von Kurzfilmen selbst herausfinden (Stichwort „Osterhasenpädagogik“).

Fertigen Sie eine Matrix auf einer Tafel, einem Whiteboard oder Flipchart an. Tragen Sie die einzelnen Bausteine, die die Kinder und Jugendlichen herausfinden, in diese Tabelle ein. Je mehr Bausteine die Teilnehmer in ihren Entwürfen zusammentragen, umso größer das handwerkliche Bewusstsein und die Chance auf einen gelungenen Film.

Das kleine Einmaleins der Filmgestaltung in sechs Kapiteln:

InhaltFormDramaturgieCharaktereEmotionenErzählmotiveEinfachheitKamerastilKonflikteOriginalitätLachenRachePolitical UncorrectnessFarb-/LichtgestaltungBedrohung (Deadline)PrägnanzSchwarzer HumorUnmögliche LiebeWettbewerbTonstilIrritationSchwächenAngstVerdacht GeräuscheKontrastierungHandicapsSchadenfreudePanne ErzählerÜberraschungTrickreichtumLakonieTäuschung MontagestilWendepunkteHinterhältigkeitTrauerVerwechslung EllipsenEskalationWagemutEnttäuschung2 Hunde, 1 Kn. ChronologiePointeClevernessEntrüstungVerrat FilmmusikVerdichtungIdentifikationSchockIdentitätusw.usw.usw.usw.usw.usw.

Inhalt

(siehe Kapitel „Ideenfindung“ auf Seite →)

Form

Zum Inhalt gehört die formale Gestaltung. Vorteilhaft ist ein Überblick über die zur Verfügung stehenden Möglichkeiten. Alle Entscheidungen sollten mit dem Inhalt korrespondieren. Es geht nicht um eine Wertung, sondern um ein Bewusstsein dieser Möglichkeiten und um eine zum Inhalt, zur Stimmung passende filmgestalterische Konzeption.

»

Rhythmus.

Jeder Film benötigt einen eigenen Rhythmus, eine eigene Stimmung. Die kann mal temporeich, mal ruhig sein – mal unbeschwert, mal ernst. In jedem Fall sollte der Rhythmus definiert werden und zum Inhalt passen.

»

Filmgattung.

Ihr Kurzfilm kann ein Spielfilm, eine Dokumentation, ein Experimentalfilm oder ein Animationsfilm sein. So können Kurzspielfilme z.B. im Stile einer Dokumentation gedreht werden, um den Eindruck der Authentizität zu erhöhen.

»

Filmgenre.

Ihr Kurzfilm kann eine Komödie, eine Tragödie, ein Melodrama, ein Krimi, ein Thriller, ein Actionfilm, ein Fantasyfilm, ein Science-Fiction-Film oder eine Mischung sein (neudeutsch: Genre-Crossover).

»

Stil.

Die Grundstimmung kann realistisch oder stilisiert sein. Ihr Kurzfilm kann eine Parodie, eine Satire, ein Fake, eine Metapher, eine Anklage, voller Realismus, Lakonie, Selbstironie, Fantasie, Poesie, Übertreibungen oder schwarzem Humor sein.

»

Perspektive.

Aus welcher Perspektive wird Ihr Film erzählt? Gibt es eine Redaktion, einen neutralen Erzähler oder einen Ich-Erzähler? Gibt es eine Mehrfach-Perspektive (z.B. in „Rashomon“ von Akira Kurosawa* erzählen drei Personen völlig unterschiedliche Versionen eines Gewaltverbrechens)?

»

Bild.

Die Kamera kann statisch oder in Bewegung sein, aus der Hand oder auf der Schulter gehalten, auf ein Stativ, Schulterstativ oder Kran montiert werden. Die Kameraperspektive kann objektiv oder subjektiv (aus dem Blickwinkel des Protagonisten) sein.

»

Bildmanipulationen.

Sie können die Kamerageschwindigkeit verringern (Zeitraffer) oder erhöhen (Zeitlupe), ob bei den Aufnahmen oder beim Videoschnitt. Sie gestalten den Look, die Farbstimmung (siehe Kapitel

„Licht- und Farbausgleich“

auf Seite

).

»

Ton.

Sie können ausschließlich Originaltöne verwenden oder zusätzlich Off-Töne. Sie können ausschließlich mit Synchronton arbeiten oder Dialoge und Geräusche kontrapunktisch und asynchron gestalten (s. auch Manifest zum Tonfilm im Kapitel „Geräusche“). Sie können einen Erzähler, einen Off-Sprecher oder eine Innere Stimme ins Spiel bringen.

»

Filmmusik

spricht die Sinne an.

»

Montage.

Sie können Ihren Film chronologisch schneiden oder nichtchronologisch (z.B. mit Rückblenden). Mit Fragmentierungen und Ellipsen (Zeitsprüngen) sorgen Sie für Tempo und Überraschungen.

Dramaturgie

Hier das kleine Einmaleins der Lehre von der strukturellen Gestaltung einer dramatischen Erzählung:

»

Konflikte.

Was sonst? Eine Aneinanderreihung friedlicher, harmonischer Situationen hätte nur als Schlafmittel ihre Berechtigung.

»