Forderungen, Umsatzsteuer an (Streck-)Bank - Allyson Snow - kostenlos E-Book

Forderungen, Umsatzsteuer an (Streck-)Bank E-Book

Allyson Snow

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Beschreibung

Laptop. Kaffeetasse. Sexmieze unter dem Schreibtisch. Das Leben als Buchhalter könnte so schön sein. Doch Jefferson, von Beruf verarmter Ex-Broker, weiß seinen neuen Job als Zahlenjongleur in einem Rotlichtschuppen nicht zu schätzen. Nicht nur, dass er sich vor den Trainings mit Vladimir, dem bärenstarken Türsteher, und den Umstylings mit Jacq, dem schillernden Paradiesvogel par excellence, drücken muss. Nein, der gnadenlose Gläubiger seiner Chefin, Dimitri Petrow, macht ihn auch noch persönlich für die Rückzahlung von 50.000 Pfund verantwortlich. Und plötzlich braucht Jefferson alle Hilfe, die er bekommen kann. Selbst die von Sarah, der frechen Domina des Hauses mit den faszinierenden Augen.Was die Altersfreigabe ab 18 Jahre betrifft:Diese Kurzgeschichte enthält keine expliziten Sexszenen, dafür den einen oder anderen Begriff, der den Jugendschutz nervös machen könnte.Der Kurzroman umfasst 16.250 Wörter.

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Seitenzahl: 83

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Allyson Snow

Forderungen, Umsatzsteuer an (Streck-)Bank

BookRix GmbH & Co. KG80331 München

Prolog

Putz rieselte auf seine Stirn und rollte in die Mulde seiner Augen. Hätte er nicht gerade andere Probleme, hätte ihn das Kribbeln in seiner Nase gewaltig gestört. So jedoch fand er sich im Moment lieber damit ab, dass schon bald nicht nur ein wenig Putz in seinem Gesicht landen würde, sondern die komplette Decke. Wohltuende Leere herrschte in seinen Gedanken während er mit den Augen die Risse verfolgte, die sich wie ein Spinnennetz über die komplette Fläche zogen. Er hatte doch gleich gesagt, dass bei dem Bau dieser Hütte ordentlich gepfuscht worden war. Selbst als Amateurhandwerker mit dem Hang zum Daumenbreitschlagen sah man das auf Anhieb. Aber wer sich fünfzigtausend Pfund von einem russischen Verbrecher leihen musste, durfte wohl nicht wählerisch sein. Was um ihn herum geschah, registrierte er nicht mehr. In Gedanken flehte er diese verfluchte Bausubstanz an, doch bitte zu halten. Und die Fesseln an seinen Händen und Füßen, sie mögen doch bitte endlich reißen. Sehr unwahrscheinlich, es handelte sich um stabiles Leder, aber die Hoffnung starb bekanntlich zuletzt. 

Wie hatte er es nur geschafft, in eine solche Scheiße zu geraten? 

Kapitel 1 – Berufliche Neuorientierung

 Hätte Jefferson bereits damals gewusst, was ihn erwarten würde, wäre er bei dem Anblick des schäbigen Flachbaus sofort wieder umgedreht, um mit seinen mageren Musiktalenten ein paar Pennys in der Einkaufsstraße zu verdienen. Die einstmals weiße Fassade war grau von den Abgasen der vielbefahrenen Hauptstraße. Die Tür war nachlässig rot angestrichen und wurde von dem Abbild einer spärlich bekleideten Dame geziert. Eine Lichterkette, bei der lediglich die Hälfte der Leuchten funktionierte, komplettierte das Bild. Wäre das Haus ein Mensch, wäre es der heruntergekommenste Penner aller Zeiten. Ja, es lief wahrlich nicht in Jeffersons Leben. Es war erbärmlich. ER war erbärmlich, aber noch erbärmlicher war sein Kontostand und die gähnende Leere seines Kühlschranks. Also straffte er sich, nahm die gewohnt arrogante Haltung ein, wie man sie in der Londoner City anzunehmen pflegte und marschierte zum ersten Mal in seinem Leben in einen Puff.

 

Und dort stand Jefferson erst einmal im Dunkeln.

„Hallo?“ rief er zaghaft gegen die gähnende Leere an. Vorsichtig versuchte er nach einem Lichtschalter zu tasten. Als er diesen nicht fand, drückte Jefferson die Klinke der Eingangstür herunter und ließ so einen schmalen Spalt Tageslicht herein. Plötzlich sprang surrend die Lampe über ihm an.

„Ah, da sind Sie ja endlich.“ Erschrocken über die unerwartete Stimme in seinem Rücken zuckte Jeff so heftig zusammen, dass er seine Unterlagen fallen ließ.

„Mrs. Miller?“, fragte er die Füße der Lady blinzelnd vom Boden aus und klaubte gleichzeitig seinen Lebenslauf mit seinen Referenzen zusammen. Mrs. Miller stellte sich als eine Frau in den Fünfzigern heraus, die mit ihrer schwarz eingefassten Brille und dem streng hochgesteckten Dutt eine unheimliche Ähnlichkeit zu seiner verhassten High-School-Englisch-Lehrerin aufwies.

„Ganz recht. Sie sind fünf Minuten zu spät.“

Dieser gefühlskalte Blick, die zusammen gekniffenen Lippen - sie WAR seine alte Englisch-Lehrerin! Nein, nein, das konnte nicht sein. ‚Reiß dich zusammen, Jeff!’, mahnte er sich selbst.

„Sollte man nicht von einem peniblen Buchhalter Pünktlichkeit erwarten können?“, schob sie noch spitz hinterher.

„Nun, in erster Linie sollte man korrekte Buchungen von ihm erwarten können“, erwiderte Jefferson schneller als er es sich verbieten konnte. Wenn das nicht mal ein Spitzeneinstieg in ein Vorstellungsgespräch war. Doch: Selbst am Hungertuch nagend musste man sich nicht alles gefallen lassen. Auch wenn Mrs. Millers Erscheinung doch beeindruckend war. Ein Eindruck, der sich ein wenig abmilderte als ein feines, kleines Lächeln ihre Züge erhellte.

„Kommen Sie“, forderte sie ihn freundlicher auf und marschierte über den schmalen Flur.

Ihr grauer, gestreifter Hosenanzug (von der Stange, aber nicht schäbig) wollte nicht im Geringsten zu der vergilbten Tapete und dem abgelaufenen Teppich passen. Dafür passte die Inneneinrichtung sehr viel mehr zu der abgebröckelten Fassade draußen. Möbel mit angestoßenen Kanten, zerschlissene und geflickte Vorhänge und zu guter Letzt einsame Glühbirnen, die an einem Kabel von der Decke baumelten. Ein Anblick, bei dem man sich bereits nach einer Tetanus-Impfung sehnte.

 

„Kennen Sie sich mit Sextoys aus?“

Fassungslos musterte Jeff sein Gegenüber. Diese Frage stand gewiss nicht auf der Liste der am häufigsten gestellten Fragen in einem Vorstellungsgespräch. Allerdings bewarben sich die meisten auch nicht um einen Job als Buchhalter in einem Bordell. Ja, Sie haben richtig gelesen, Jefferson bewarb sich um einen Job in einem Puff, als Buchhalter. Und ja, es war ihm peinlich. Die ideale Arbeitsumgebung (Laptop, Kaffeetasse, Nutte unter dem Schreibtisch) wusste er nicht im Geringsten zu schätzen. Er war anderes gewohnt.

Noch vor einem Jahr war Jefferson Edward Greenwood ein aufstrebender Stern seiner Branche gewesen. Als Broker in der Londoner City wusste man das Leben zu feiern. Viel Arbeit, viele Leute, die es zu windigen Geschäften zu überreden galt (die seriösen waren schließlich Mangelware und allein denen vorbehalten, die wirklich Geld hatten) und Partys in allen möglichen Variationen. Man puschte sich in diesem fiesen Job gegenseitig. Jeder beteuerte dem Anderen wie geil er doch drauf war. Man traf sich zu Cricket-Meisterschaften oder geschäftlichen Events mit einer Menge Alkohol, anspruchsvollen Gesprächen über die letzte Kreuzfahrt und wenn man wollte, einer Menge Ladys, die schön, charmant und nicht die eigene Ehefrau oder Freundin waren. Vielleicht trieb man es nicht mehr so hart wie in den Achtzigern, lumpen ließ man sich jedoch bei keiner einzigen Gelegenheit.

Und dann kam der Untergang der Titanic oder besser gesagt: Die Banken- und Finanzkrise. 

Nicht nur bei Lehmann Brothers knickte die Stimmung ein, auch wenn man außerhalb die armen Trottel dieser Bank erst einmal bedauerte und sich trotzdem sicher wähnte. Wie trügerisch. Der harte Wind der Umbrüche hatte in der Londoner City viele Arbeitsplätze davon geweht. Statt sich zu überlegen, welches Ziel der nächste Urlaubsflieger hatte (In ein 5-Sterne-Hotel? In eine Almhütte? Aber dann bitte mit vergoldeten Armaturen!), saß er nun in einem zweifelhaften Vorstellungsgespräch und starrte noch immer wortlos seine hoffentlich zukünftige Chefin an.

„Haben Sie einen Schlaganfall?“, erkundigte diese sich besorgt. Jefferson räusperte sich und suchte Zuflucht in seinem Wasserglas. Leider war es zu klein, um sich darin zu ertränken und dieser infamen Frage zu entgehen.

„Nicht persönlich“, versuchte er nun so ungenau wie möglich zu antworten. Bei einer näheren Betrachtung stellte Jefferson fest, dass es sich bei Mrs. Miller um eine durchaus attraktive Frau handelte, wenn sie die Augenbrauen nicht bis zum Anschlag hochzog (so wie gerade eben).

„Nicht persönlich?“, wiederholte sie und Belustigung schwang in ihrer Stimme mit. „Aber Sie wissen mit Internet und Suchmaschinen umzugehen?“

Ergeben nickte Jefferson zur Antwort. Solange er keines dieser Teile benutzen sollte, würde er alles suchen, was man ihm auftrug. Die Brille haarscharf auf der schmalen Nasenspitze balancierend studierte Mrs. Miller ausführlich seinen Lebenslauf.

„Was möchten Sie in fünf Jahren erreicht haben?“, fragte sie nun und hob den Blick, um ihn über den Rahmen des Gestells zu mustern. Unweigerlich straffte sich Jeffersons Gestalt. Diese Frage war so einfallslos wie standardmäßig. Diese Fragen waren sein vertrautes Gebiet und ihm tausend Mal lieber als ein weiteres Verhör über Sextoys.

„Ich möchte an den vielfältigen Herausforderungen, die dieser Job mit sich bringt, zu einer versierten Fachkraft gewachsen sein, um für dieses Unternehmen die besten Ergebnisse erzielen zu können“, spulte Jefferson herunter, auf den angemessenen, jovialen Tonfall achtend, den es anzuschlagen galt, um seinem Gegenüber einen kompetenten, seriösen Eindruck zu vermitteln. Die beste Strategie, um darüber hinweg zu täuschen, dass er sich lieber vierteilen lassen würde anstatt als Buchhalter zu arbeiten. Hatte er aber eine Wahl? Das Arbeitsamt sagte ‚Nein‘ und würde nach den üblichen sechs Monaten die Zahlung des Arbeitslosengeldes einstellen - also morgen.

„Warum möchten Sie diesen Job?“, fragte Mrs. Miller weiter ohne auf seine vorherigen Worte einzugehen.

„Allein bei der Stellenbeschreibung werde ich ganz kribbelig. Es klingt spannend, aufregend, wer will so einen Job nicht?“

Okay, das war eine dreiste Lüge. Das Einzige, was ihm kribbelte, waren die Flöhe, die sich aus der Sitzfläche des Stuhles an seiner Hose hinauf arbeiteten, um dann unter sein Hemd zu kriechen. Jefferson fühlte sich völlig fehl am Platze. Wie eine reinrassige Rennmaus in einem Rattenloch. Mrs. Miller lehnte sich, begleitet von einem Quietschen, auf dem altersschwachen Stuhl zurück und musterte ihn scharf.

„Und jetzt möchte ich zu den beiden Fragen die Wahrheit hören und nicht dieses Gewäsch, das zwar ganz nett klingt, aber nicht im Mindesten aussagt, wer Sie wirklich sind“, verlangte Mrs. Miller mit einem Blick, der nichts Gutes für den verhieß, der es wagte, sich zu widersetzen. Pikiert starrte Jefferson sein Gegenüber an. Er war es durchaus gewohnt, dass Bewerber als Bittsteller gehandelt wurden, denen man nach Gutdünken die Brocken der zu vergebenden Jobs zuwerfen konnte wie räudigen Kötern. Jedoch war er diese Behandlung von einflussreichen Managern gewohnt und nicht von einer Puffmutter und Zuhälterin!

„Was wollen Sie hören?“, verlangte Jefferson empört zu wissen.

„Was Sie sich von dem Job hier versprechen“, erwiderte Mrs. Miller gelassen. Mit der Spitze ihres Mittelfingers schob sie ihre Brille wieder zurück auf ihre Nasenwurzel.

„Den Rückgewinn meiner Würde. Und einen vollen Kühlschrank am Monatsende“, platzte Jefferson genervt heraus. Was sollte es, der Job war ohnehin dahin. Ab morgen würde er mit seiner letzten Packung Scheibenkäse unter der Brücke schlafen dürfen.

„Und warum wollen Sie diesen Job?“, fragte Mrs. Miller geduldig erneut.

„Weil ich heute früh beinahe der Versuchung erlegen bin, einem Obdachlosen das Frühstück zu klauen.“

Seufzend testete Jeff die Haltbarkeit des ihm zugewiesenen Stuhles aus, indem er sich zurück lehnte. Okay, er hielt. Aber jetzt nicht bewegen. Und nicht atmen. Und er brauchte nach dem Gespräch dringend die Tetanus-Spritze! Und wenn er dafür zwei Tage lang auf eine Mahlzeit verzichten musste.

„Es freut mich, dass ich Sie amüsiere“, fügte Jefferson mit deutlich sinkender Laune hinzu.

„Nein, nein“, wehrte Mrs. Miller ab, die sich vergeblich bemühte, ihre Lachtränen unauffällig wegzuwischen. „Das erklärt aber, warum Sie sich gerade für diesen Job bewerben. Ich dachte erst, Ihre Zeugnisse und Referenzen wären gefälscht.“

„Äh, was!?!“, entfuhr es Jeff, als er wie vom Blitz getroffen aufsprang.