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Joy to the world.
Es ist Winter und die Hart-Brüder und ihre Familien freuen sich auf ein lautes, verrücktes und wunderbares Weihnachtsfest. Als sie dann im Haus ihrer Mutter ankommen, erleben sie eine faustdicke Überraschung ...
Nachdem sie vor dreißig Jahren ihren Mann verloren hat, zog Joy Hart ihre vier Söhne alleine auf, promovierte und wurde eine erfolgreiche Therapeutin. Sie liebt es sehr Oma, Mutter und Schwiegermutter zu sein, doch sie will mehr von ihrem Leben. Und nach langer Zeit trifft sie endlich wieder auf einen Mann, der ihr Herz höherschlagen lässt. Ihre Söhne sind allerdings von Grant gar nicht begeistert und versuchen ihm gemeinsam das Leben schwer zu machen.
Werden Brock, Chase, Rex und Heath zu weit gehen und mit ihren Sturköpfen allen das Weihnachtsfest verderben?
Die Hart Familie - eine Familie, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnte. Nur eines haben sie gemeinsam: ihre Herzen sind schwer zu erobern.
Das Finale der neuen Romantic Suspense Serie von Bestseller-Autorin Whitley Cox. Wir empfehlen die Titel in der richtigen Reihenfolge zu lesen.
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Seitenzahl: 415
Veröffentlichungsjahr: 2023
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Joy to the world
Es ist Winter und die Hart-Brüder und ihre Familien freuen sich auf ein lautes, verrücktes und wunderbares Weihnachtsfest. Als sie dann im Haus ihrer Mutter ankommen, erleben sie eine faustdicke Überraschung ...
Nachdem sie vor dreißig Jahren ihren Mann verloren hat, zog Joy Hart ihre vier Söhne alleine auf, promovierte und wurde eine erfolgreiche Therapeutin. Sie liebt es sehr Oma, Mutter und Schwiegermutter zu sein, doch sie will mehr von ihrem Leben. Und nach langer Zeit trifft sie endlich wieder auf einen Mann, der ihr Herz höherschlagen lässt.
Natürlich sind ihre Söhne von Grant gar nicht begeistert und versuchen ihm gemeinsam das Leben schwer zu machen. Werden Brock, Chase, Rex und Heath zu weit gehen und mit ihren Sturköpfen allen das Weihnachtsfest verderben?
Die Hart Familie - eine Familie, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnte. Nur eines haben sie gemeinsam: ihre Herzen sind schwer zu erobern.
Das Finale der neuen Romantic Suspense Serie von Bestseller-Autorin Whitley Cox. Wir empfehlen die Titel in der richtigen Reihenfolge zu lesen.
Whitley Cox ist an der kanadischen Westküste geboren und aufgewachsen. Sie studierte Psychologie und unterrichtete zeitweise in Indonesien, bevor sie in ihre Heimat zurückkehrte. Heute ist sie mit ihrer Highschool-Liebe verheiratet und Mutter von zwei Töchtern.
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Whitley Cox
Full Hart
Aus dem Amerikanischen von Claudia Geng
Cover
Titel
Inhaltsverzeichnis
Impressum
Titelinformationen
Grußwort
Informationen zum Buch
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KAPITEL 1 — Brock & Krista
KAPITEL 2 — Grant & Joy
KAPITEL 3 — Grant & Joy
KAPITEL 4 — Chase & Stacey
KAPITEL 5 — Chase & Stacey
KAPITEL 6 — Rex & Lydia
KAPITEL 7 — Heath & Pasha
KAPITEL 8 — Heath & Pasha
KAPITEL 9 — Brock & Krista
KAPITEL 10 — Brock & Krista
KAPITEL 11 — Chase & Stacey
KAPITEL 12 — Rex & Lydia
KAPITEL 13 — Rex & Lydia
KAPITEL 14 — Grant & Joy
KAPITEL 15 — Grant & Joy
KAPITEL 16 — Brock & Krista
KAPITEL 17 — Brock & Krista
KAPITEL 18 — Grant & Joy
KAPITEL 19 — Chase & Stacey
KAPITEL 20 — Chase & Stacey
KAPITEL 21 — Heath & Pasha
KAPITEL 22 — Rex & Lydia
KAPITEL 23 — Heath & Pasha
KAPITEL 24 — Heath & Pasha
KAPITEL 25 — Grant & Joy
EPILOG — Zwei Jahre später …
Impressum
Lust auf more?
Brock & Krista
»Der am besten bestückte Bruder bekommt den größten Baum, richtig?«, fragte Heath mit einem Grinsen, als er seinen siebzehn Monate alten Sohn aus dem Kindersitz hob und auf seine Hüfte setzte.
Brock verzog das Gesicht, genervt von seinem jüngsten und übermütigsten Bruder. »Selbst von den Jungbäumen war keiner kurz genug, um deinem Wiener Würstchen zu ähneln, Kleiner.« Er öffnete die Heckklappe seines Pick-ups, während Krista, seine Frau, den Kindern auf dem Rücksitz beim Aussteigen half. Rex stieß nun auch zu ihnen, seine Frau und seine Tochter im Schlepptau, während sich Chase, der am weitesten entfernt vom Haus geparkt hatte, mit Stacey und seinen beiden Kindern auf dem Gehweg näherte.
»Ah«, sagte Heath lachend, »wir wissen doch alle, wer der größte Bruder ist. Er ist vielleicht nicht der Älteste, aber dafür der Größte.« Er stupste seine Frau mit seinem Ellenbogen in die Seite, dann Rex’ Frau Lydia. »Wenn ihr wisst, was ich meine?«
Als Antwort wurden Augen verdreht, während sie sich vor Joys Einfahrt versammelten und ihr Atem Wolken vor ihren Gesichtern bildete.
Heath ließ sich kein bisschen entmutigen. Er warf mit einer schnellen Kopfbewegung seine schulterlangen blonden Haare aus dem Gesicht. »Ich schlage vor, wir gehen nach der Größe. Der größte Bruder kriegt den größten Baum, der zweitgrößte den zweitgrößten und so weiter. Mum kriegt den kleinsten, weil —«
»Sie keinen Schwanz hat?«, fragte Lydia und rückte Maeve, ihre zehn Monate alte Tochter, auf ihrer Hüfte zurecht. »Hätte sie einen, würde sie den Vergleich mit euch wahrscheinlich gewinnen. Schließlich sind allein schon ihre cojones groß wie Grapefruits.«
Krista, Pasha und Stacey nickten und brummten zustimmend.
Die Letzte, die mit einem Baby auf dem Arm aus Heaths Pick-up glitt, war Pashas Schwester Rayma. Sie trug Heaths und Pashas sechs Wochen alte Tochter Eve an ihrer Schulter. »Was höre ich hier von cojones?«
»Wir reden gerade davon, dass Joy in der Familie die größten hat. Von uns allen«, erklärte Pasha ihrer Schwester.
Rayma nickte, und ihre goldbraunen Augen funkelten. »Das lässt sich nicht bestreiten. Oma Joy hat Eier wie Bowlingkugeln. Ich bin nicht sicher, wie diese zierliche Person damit laufen kann, aber —«
Brock stieß ein Räuspern aus. »Genug gequatscht. Hier draußen ist es kalt.« Er zog den kleinsten Baum — der immer noch mindestens eins achtzig hoch war — von der Ladefläche seines Pick-ups und wuchtete ihn auf seine Schulter. Rex wollte ihm zu Hilfe kommen, aber Brock knurrte ihn weg. »Das schaff ich allein.«
Mehr Augenrollen.
Seit Frauen zu ihrer Familie gestoßen waren und inzwischen die Männer zahlenmäßig übertrafen, schien ständig mit den Augen gerollt zu werden. Und gewöhnlich geschah es wegen Brock oder einem seiner Brüder.
Sie waren nicht nur Brüder durch Blutsverwandtschaft, sie waren außerdem Partner in ihrem eigenen Wach- und Sicherheitsdienst für gehobene Ansprüche. Brocks Frau hatte sich damals den Namen für die Firma ausgedacht, und obwohl Brock anfangs selbst mit den Augen rollte, fand er ihn inzwischen ganz gut: Harty Boys Security. Der Name funktionierte, selbst wenn er ein bisschen kitschig klang.
»Warum ist Oma nicht mitgekommen und hat sich selbst einen Baum ausgesucht?«, fragte Zoe, Brocks siebenjährige Tochter, die neben ihm her hüpfte, sodass ihre zwei seitlichen Zöpfe, zu denen ihr lockiges rotes Haar gebunden war, mithüpften.
»Oma hatte einen Friseurtermin«, antwortete Krista, die Zane, ihren Dreijährigen, an der Hand hielt, als nun alle in Richtung Haustür gingen. »Aber jetzt ist sie wieder da. Ihr Wagen steht in der Einfahrt.«
»Und nicht nur ihrer«, murmelte Chase hinter Brock. »Kennt jemand diesen SUV?«
Allgemeines Kopfschütteln.
Es handelte sich um einen hellgrauen Ford Explorer, ein ziemlich neues Modell mit mächtigen Winterreifen. Ein Blick durch das Fahrerfenster lieferte keine weiteren Informationen darüber, wer ihre Mutter gerade besuchte.
»Zane will klingeln«, sagte Brocks Sohn, der sich seit Kurzem in der Phase seiner Sprachentwicklung befand, in der er von sich selbst in der dritten Person redete.
»Ich helfe ihm«, sagte Zoe, als die ganze Truppe im Gänsemarsch dem Weg zur Haustür folgte, der am Panoramafenster von Joys Wohnzimmer vorbeiführte. Zoe stürmte mit ihrem kleinen Bruder vor zur Tür und hievte ihn dann vom Boden hoch, ihre Arme von hinten um seine Taille geschlungen, seinen Rücken an ihrem Oberkörper.
»Das ist nicht nötig«, sagte Brock und schob sich an seinen Kindern vorbei. »Das ist Omas Haus. Wir können einfach reingehen.« Er drehte den Knauf, aber die Tür war abgeschlossen.
Er stieß ein verwirrtes Brummen aus.
»Ich hab einen Schlüssel«, sagte Krista und drängte sich an ihrem Mann und ihren Kindern vorbei, während sie aus ihrer Tasche ihr Schlüsselbund angelte. Ihre blauen Augen funkelten amüsiert, als sie den Schlüssel ins Schloss steckte und umdrehte. Ihre Wangen passten farblich zu ihren feuerroten Haaren, die unter ihrer Strickmütze hervorquollen. Sie drehte den Knauf und hielt dann die Tür auf, um den anderen den Vortritt zu lassen.
»Oma!«, rief Zoe.
»Oma!«, stimmte Zane mit ein.
Chase’ und Staceys achtjähriger Sohn Connor drängelte sich zwischen den Erwachsenen durch zu seinem Cousin und seiner Cousine und rief nun auch. »Oma!«
»Oma!«, krähte seine Schwester Thea im Chor und zappelte auf dem Arm ihrer Mutter, weil sie zu ihrem Bruder hinunterwollte.
»Wo ist sie?«, murmelte Chase in einem verwunderten und leicht beunruhigten Ton, der sich mit Brocks Bauchgefühl deckte.
Irgendetwas stimmte hier nicht.
Im Haus war es still.
Dunkel.
Kühl.
Das war sonst nie so, wenn seine Mutter da war. Selbst wenn die Heizung nicht lief, verbreitete Joys Anwesenheit immer Wärme im Haus. Und fast immer summte seine Mutter vor sich hin oder klapperte in der Küche. Und sie schloss tagsüber nie die Jalousien an ihrem Panoramafenster, und doch war das Wohnzimmer nun verdunkelt, was im Innern eine Atmosphäre erzeugte, als läge ein großer Schatten über dem Haus.
»Mum!«, rief Heath und schob sich im Flur an den anderen vorbei, den kleinen Raze noch immer auf seiner Hüfte. »Mum, wo bist du?«
Ein lautes Poltern und ein »Shit!« hallten aus dem hinteren Flur.
Sie verharrten alle still.
Dann hörte man Getuschel. Zwei Stimmen.
Was zum Teufel?
»Mum?«, rief Brock, lauter als die anderen.
»Hat jemand eine Waffe?«, fragte Rex.
Einer nach dem anderen verneinte mit einem Kopfschütteln. Alle bis auf Krista. »Meine Dienstpistole liegt im Handschuhfach«, sagte sie. »Soll ich sie schnell holen gehen?«
Brock nickte, ohne seine Frau anzusehen.
Sie wandte sich um und verschwand nach draußen.
»Schafft die Frauen und die Kinder raus«, sagte er.
Heath drehte sich zu seiner Frau und murmelte etwas, dann gab er ihr Raze.
Gegen den Willen der Kinder machten alle wieder kehrt, um im Gänsemarsch das Haus zu verlassen, als Krista zurückkam.
Ein Klicken an der Schlafzimmertür ließ die ganze Schar innehalten, selbst diejenigen auf der Türschwelle.
Brock beobachtete, wie der Knauf gedreht wurde und die Tür sich einen Spalt öffnete.
Sein Herz schlug schneller.
Er wedelte hektisch mit den Fingern, um nach der Dienstwaffe seiner Frau zu verlangen.
»Ich kann besser schießen als du«, murmelte sie leise und drängte sich mithilfe ihres Ellenbogens vor ihn.
Mit angehaltenem Atem und starrem Blick fixierte er wieder die Schlafzimmertür seiner Mutter, hinter der geflüstert wurde. Es waren zwei Personen. Das wusste er nun.
»Mum?«, rief er so laut, dass seine Frau vor ihm zusammenzuckte und ihm einen wütenden Blick über die Schulter zuwarf.
Joy streckte den Kopf aus dem Zimmer und starrte mit gerunzelter Stirn zu der versammelten Mannschaft.
Ein kollektives Aufseufzen ging durch den Flur.
»Was zum Teufel willst du mit der Knarre, Krista? Steck sie sofort weg«, befahl sie und kam nun aus ihrem Zimmer, mit ihren ganzen ein Meter fünfzig.
»Tut mir leid«, murmelte Krista und verstaute die Waffe in dem Holster, das sie am Gürtel trug.
Joy kam näher. »Was ist hier los?«
»Ich würde dir gern dieselbe Frage stellen«, sagte Brock, während ihm bewusst wurde, dass er noch immer den verdammten Baum über seiner Schulter trug. Er lehnte ihn aufrecht an die Wand. »Warum hast du auf unser Rufen nicht reagiert? Warum ist es im Haus so kalt und still? Warum sind die Fenster verdunkelt? Wem gehört der Geländewagen in der Einfahrt?«
Joys Wangen glühten.
Brock musterte für einen Moment die Aufmachung seiner Mutter.
Sie trug eine dunkle Jeans und darüber eine langärmelige Bluse in Blassrosa. Allerdings war diese schief zugeknöpft, und der Stoff war zerknittert. Die Haare seiner Mutter waren auch unordentlich.
Was absolut untypisch war für Joy Hart.
Die Frau war sonst immer picobello zurechtgemacht.
Solange Brock zurückdenken konnte, band seine Mutter ihre Haare zu einem straffen Knoten, und selten lag ein Haar nicht an seinem Platz. Aber nun sah der Knoten an ihrem Hinterkopf aus, als wäre er in großer Eile aufgewickelt worden.
Außerdem wirkten ihre Lippen leicht geschwollen.
Und auf ihren Wangen war ein roter Ausschlag oder so.
Hinter ihr im Flur erklang ein Räuspern, und Brock hob den Kopf.
Er konnte seine Mutter schlucken hören, während er beobachtete, wie ein Mann, der ungefähr Brocks Größe und Statur hatte, näher kam und im Gehen sein Hemd zuknöpfte.
»Was zur Hölle —«
»Vorsicht«, sagte seine Mutter.
»Heilige Scheiße«, murmelte Rayma hinter Brock. »Zieht ihn aus, badet ihn und bringt ihn dann direkt in mein Zelt.«
Herrgott noch mal.
»Der ist alt genug, um dein Vater zu sein«, spottete Heath.
»Dann kann er mir mit meinem Vaterkomplex bestimmt helfen«, konterte Rayma. »Und fürs Protokoll, auch ihr vier knackigen Harty Boys seid alle alt genug, um mein Vater zu sein. Was meine Fantasie nicht gebremst hat in den Trockenphasen.«
»Rayma!«, sagte Pasha entsetzt und ließ fast ihren Sohn fallen, während sie ihre jüngere Schwester mit offenem Mund anstarrte. »Du redest hier von meinem Mann.«
Rayma zuckte gleichgültig mit den Achseln. »Ich weiß, und das respektiere ich auch. Es ist ja nicht so, als würde ich dich in meiner Fantasie betrügen. Ich stelle mir vielmehr vor, dass du bereits tot bist und ich mich um Heath kümmere und ihm als alleinerziehenden Vater beistehe.«
»Du bringst mich um?«, keuchte Pasha laut.
»Das wird ja immer besser«, bemerkte Lydia mit einem leisen Lachen.
Der fremde Mann im Flur mit den dunklen, kurz geschnittenen Haaren, einem Dreitagebart und hellgrauen Augen stellte sich verdächtig nah hinter Joy und legte seine Hand auf ihre Schulter.
Brock spürte eine rasende Hitze in sich hochsteigen.
Er hörte, wie seine Brüder hinter ihm ächzten und nach Luft schnappten.
Joy drehte den Kopf zu dem Fremden, lächelte ihn an und richtete ihren Blick dann wieder nach vorn. »Hört mal alle her, ich möchte euch jemanden vorstellen. Kinder, das ist Grant.«
Sosehr Krista sich darüber freute, dass ihre Schwiegermutter offenbar einen Lover hatte, sosehr sorgte sie sich um ihren Mann und die beängstigend angeschwollene Ader, die seitlich an seinem Hals hervortrat, während er pausenlos den Fremden anstierte, dessen Hand auf Joys Schulter ruhte.
»Oma Joy ist wieder im Spiel«, murmelte Rayma. »Und das mit keinem Geringeren als einem Halbgott.«
»Sch«, zischte Pasha. »Am liebsten würde ich dir Hausarrest geben. Bringst mich in deiner Fantasie einfach um die Ecke. Was für ein kranker Scheiß.«
»Ich bringe dich nicht um die Ecke. In meiner Fantasie bist du bereits tot, und erst dann lege ich deinen Mann flach, wenn wir uns in unserer gemeinsamen Trauer näherkommen.«
Lieber Gott, das Drama, das sich gerade hinter Krista abspielte, war fast so spannend wie das potenzielle Drama vor ihr. Sie wollte keins von beiden verpassen.
Aber leider war im Moment ihre oberste Priorität, dafür zu sorgen, dass ihrem Mann kein Blutgefäß im Auge platzte. Sie ließ ihre Hand in seine gleiten, umschloss sie mit den Fingern. »Willst du nichts sagen, Schatz?«
Schließlich blinzelte er und stieß ein Räuspern aus.
Der Mann, den Joy ihnen als Grant vorgestellt hatte, streckte seine freie Hand vor. »Hab schon viel von euch gehört, Leute. Freut mich, dass wir uns endlich kennenlernen.«
Oh Shit.
Brock kehrte nun seine ganze Dominanz heraus.
Wenn Krista nicht sofort etwas unternahm, um die Situation zu entschärfen, würde er womöglich seinen Hosenstall öffnen und anfangen, sein Revier zu markieren.
Es kostete sie schon genug Mühe, ihren Sohn trocken zu bekommen; da konnte sie es nicht gebrauchen, dass er sich von seinem Vater irgendein Neandertaler-Verhalten abschaute.
Brock starrte auf Grants Hand, ohne sie zu ergreifen.
Grundgütiger.
Krista hielt sich nicht damit auf, ihrem Mann einen kräftigen Stoß in die Rippen zu geben, weil sie von vornherein wusste, dass es nichts nutzen würde, und ergriff stattdessen Grants Hand, um sie kräftig zu schütteln. »Freut mich, dass wir uns kennenlernen, Grant. Ich bin —«
»Krista«, sagte er mit einem Lächeln. »Joy hat mir schon viel von dir erzählt. Schön, dass ich die furchtlose Polizistin und Bärenmutter endlich persönlich treffe.«
Tja, das brachte sie zum Erröten. Ein warmes Gefühl durchrieselte sie, und sie unterdrückte ein mädchenhaftes Kichern, das aus den Tiefen ihrer Kehle hochzublubbern drohte. Sie ließ Grants Hand wieder los und sah zu ihrem Mann.
Brock starrte sie finster an.
Mist.
»Ich bin Stacey, die Frau von Chase«, sagte Stacey und drängelte sich nach vorn, um Grant die Hand zu geben. »Freut mich sehr.«
Kristas andere beiden Schwägerinnen traten nacheinander vor und schüttelten Grants Hand, und zum Schluss folgte die junge, männerhungrige und freimütige Rayma.
Das Mädchen war eine großartige Babysitterin und ein kluger Kopf, aber sie stand außerdem voll im Saft und machte keinen Hehl aus ihrer Wertschätzung für hübsche Wangengrübchen oder ein hübsches Sixpack.
Krista hörte sie definitiv seufzen, als sie Grant die Hand gab und sich vorstellte.
Kusch, Mädchen.
»Wie lange kennt ihr euch schon?«, fragte Krista, frustriert von ihrem Mann und seinen Brüdern, die sich alle in Statuen verwandelt hatten. Sie standen einfach da wie vier große, muskulöse Idioten, die den Mann hinter ihrer Mutter anglotzten.
Joys blaue Augen funkelten, als sie sich wieder zu Grant umdrehte und ihn anlächelte. »Ungefähr sechs Monate.«
»Sechs Monate!«, krächzte Chase.
Joys Blick flackerte, und sie richtete ihre Augen auf ihren Zweitältesten. »Ja, wir haben uns im Sommer beim Schwimmen kennengelernt. Wir hatten beide dieselbe Bahn reserviert und —«
»Beschlossen, sie uns zu teilen«, ergänzte Grant und drückte Joys Schulter. »Und nach dem Schwimmen hab ich sie auf einen Kaffee eingeladen.«
»Und aus dem Kaffee wurde ein Lunch, dann ein Spaziergang am Strand und schließlich ein Abendessen …«, fuhr Joy fort, sichtlich hin und weg, als sie Grant wieder ansah.
»Und seitdem sind wir zusammen«, sagte er mit einem Lächeln, das Höschen zum Schmelzen bringen konnte.
Krista schätzte den Mann um die sechzig. Obwohl es auch gut sein konnte, dass er jünger war, denn unter seinem weißen Hemd zeichnete sich ein durchtrainierter Oberkörper ab. Er achtete auf sich. Aber die Fältchen in seinem Gesicht und der weise Ausdruck in den hellgrauen Augen zeugten von einer langen Lebenserfahrung, und von … Tragödien. Dieser Mann hatte schon einiges hinter sich.
War er ein ehemaliger Polizist?
Ein pensionierter Berufssoldat vielleicht?
Krista kannte so einen Ausdruck nur in den Augen von Menschen, die in ihrem Leben mehr traumatische Erfahrungen und schwere Zeiten durchgemacht hatten als der Durchschnittsbürger. Sie selbst hatte solche Menschen in ihrer Familie und war mit einem davon verheiratet. Aber der überwiegende Teil der Menschheit hatte nicht diesen Blick, in dem so viel Trauer lag.
Grant schon.
»Und du stellst ihn uns erst jetzt vor?«, sagte Brock in einem angespannten Ton und mit Lippen, die sich kaum bewegten.
Joys Blick nahm einen harten Ausdruck an, als sie ihn auf ihren ältesten und stursten Sohn heftete. »Ich hatte nicht geplant, euch heute miteinander bekannt zu machen. Ihr seid einfach in mein Haus gekommen.«
»Weil du gesagt hast, du hättest einen Friseurtermin und kannst uns nicht auf die Baumfarm begleiten«, wandte Rex ein, der sich bis jetzt am stärksten zurückgehalten hatte. »Wir wollten eigentlich nur deinen Baum abladen, aber als wir deinen Wagen in der Einfahrt gesehen haben, sind wir davon ausgegangen, dass du zu Hause bist und deine Enkel sehen möchtest.« Sein Blick wanderte zu Grant. »Wir haben nicht damit gerechnet, dass du jemanden zu Gast hast. Hattest du überhaupt einen Friseurtermin?«
Die Wangen seiner Mutter glühten noch ein wenig stärker.
Grants Oberlippe zuckte.
»Versuch nicht, mir ein schlechtes Gewissen zu machen, Rex Barry. Ich sehe jedes meiner Enkelkinder und meine Söhne und auch ihre Frauen regelmäßig mehrmals in der Woche. Ob ich einen Termin hatte oder nicht, geht dich einen feuchten Kehricht an.«
Oh, Krista war sicher, Joy hatte einen »Termin«, ganz bestimmt. Einen Termin für Orgasmen mit dem scharfen Prachtexemplar hinter ihr. Krista wettete, dass Joy dafür multiple Termine in ihrem Wochenkalender eintrug. Wahrscheinlich malte sie einfach um das ganze Kalenderblatt ein dickes, verheißungsvolles O.
Rex stieß ein Räuspern aus, was seine drei Brüder veranlasste, sich auch zu räuspern. Krista rollte mit den Augen.
»Wir lassen euch jetzt in Ruhe, Joy«, sagte sie und drehte sich zu ihrem Mann, übte von der Seite Druck auf seinen Arm aus, damit sich Brock in Richtung Tür bewegte. »Tut uns leid, dass wir euch gestört haben. Dein Baum steht hier. Wir sprechen uns morgen oder übermorgen wegen der Ausstellung im Empress, die wir uns mit den Kindern anschauen wollten.«
»Aber wir sind doch gerade erst gekommen«, protestierte Zoe. »Oma, hast du heute Kekse gebacken?«
»Nein, Schätzchen«, antwortete Joy. »Oma war beschäftigt.«
»Das glaub ich gern«, knurrte Brock.
Krista stieß ihn mit ihrem Ellenbogen hart in die Seite.
In Joys blaue Augen trat ein Feuer.
Der jüngste Neuzugang in ihrer ständig wachsenden Familie stieß unvermittelt ein gurgelndes Quietschen aus, das ganze Arbeit leistete, um die dicke Luft und die Anspannung im Flur zu brechen.
»Eve hat Hunger«, sagte Rayma. »Meine Brüste geben keine Milch.«
Pasha rollte mit den Augen. »Ich gehe und stille sie im Wagen. Da sind wir ungestörter.« Sie reichte Raze zurück an Heath und nahm ihrer Schwester das Baby ab, dann legte sie ihre Hand auf Heaths Schulter. »Wir sollten uns verabschieden.«
Genau wie die Gesichter seiner Brüder war auch Heaths Miene wie versteinert, aber als Raze seinen Finger in das Ohr seines Vaters steckte, war der gezwungen, sich aus seiner Starre zu lösen. Er schüttelte den Kopf, und seine blonden Haare schwangen hin und her, dann schob er die Hand seines Sohns sanft weg. Er zwinkerte, nickte kurz zum Abschied und folgte seiner Frau, die das Baby trug, nach draußen.
Stacey trieb Chase und ihre Kinder aus dem Haus, Lydia tat es ihr gleich mit Rex und Maeve, und Zoe und Zane schienen zu begreifen, dass sie heute nicht Omas Keksdose plündern konnten — das hatte nämlich Grant bereits getan —, und stürmten ihren Cousins und Cousinen hinterher.
Blieben nur noch Krista und ihr stinkiger Mann übrig.
»Eine Vorwarnung wäre nett gewesen«, sagte Brock, und sein angespannter Körper erinnerte an ein straff gezogenes Seil, auf dem man eine Münze hüpfen lassen konnte.
Joy zuckte mit den Achseln. »Dann geb ich dir jetzt eine. Grant und ich sind ein Paar. Es ist ernst zwischen uns, und ich habe ihn an Weihnachten eingeladen. Wie wäre es damit als Vorwarnung?«
Würde Krista ihren Mann nicht in- und auswendig kennen, würde sie jetzt erwarten, dass weißer Dampf aus seinen Ohren blies. Seine Nasenflügel blähten sich, und der Kaumuskel an seinem kantigen Kiefer zuckte und pulsierte. Diese dicke Ader an seinem Hals und die Art, wie sie hervorstand, machten ihr jedoch allmählich Angst. Brock musste sich dringend abregen, bevor er noch tot umfiel, bedingt durch Bluthochdruck oder ein Aneurysma oder so.
Joy wandte sich an Krista. »Ich freu mich schon auf die Ausstellung, Schatz. Ich habe gehört, sie soll dieses Jahr besonders sehenswert sein.« Sie lächelte ihre Schwiegertochter an und mied den glühenden Blick ihres Ältesten.
Krista gab Brocks Schulter einen kräftigen Schubs, das Zeichen, dass er sich in Bewegung setzen sollte. »Wir lassen euch jetzt wieder allein. Hat mich sehr gefreut, Grant.«
Grant nickte. »Mich auch, Krista. Ich hoffe, wir sehen uns bald wieder.«
Brock wog fast das Doppelte seiner Frau, und wenn er sich nicht rühren wollte, konnte sie noch so sehr schieben oder stoßen, er würde sich keinen Zentimeter bewegen. Aber er wusste, dass sie es ernst meinte, und dass seine Mutter kein Stück nachgeben würde — nicht im Moment.
Glücklicherweise zeigte er Anstand und wandte sich schließlich zum Gehen, und Krista folgte ihm und zog die Haustür hinter sich zu.
Draußen auf der Straße feierte die restliche Sippe eine kleine Heckklappenparty.
Krista rieb ihre kalten Hände aneinander und blies hinein, beobachtete, wie ihr warmer Atem hochstieg und in den grauen Himmel verschwand.
»Tja, das war mal eine echte Weihnachtsüberraschung«, bemerkte Rayma. »Oma Joy ist in diesem Jahr ein bisschen früh dran, um sich ihren Strumpf so richtig vollstopfen zu lassen.«
Alle vier Brüder brummten missmutig.
»Das kann nicht euer Ernst sein, Jungs«, sagte Lydia und wackelte Maeve sanft auf ihrer Hüfte. »Seid ihr etwa alle am Schmollen?«
»Wir schmollen nicht«, antwortete Rex seiner Frau und verschränkte seine Arme vor der Brust. Er trug eine schwarze Strickmütze, um seinen kahlen Schädel vor der Kälte zu schützen. Der andere kahle Bruder, Chase, trug eine ähnliche Mütze in Grau, und sein Sohn Connor das passende Gegenstück.
»Für mich sieht das wie Schmollen aus«, sagte Stacey und zog zwei Paar Handschuhe aus ihren Jackentaschen, die sie Thea und Connor anzog.
»Möchtest du dir vorstellen, wie deine Mutter gerade durchgepflügt wird?«, fragte Rex seine Frau, und Frust schien aus seinen Augen. Seine charakteristischen tiefen Grübchen könnten nicht weiter von seinen Wangen entfernt sein.
»Wenn sie Spaß daran hat, ja«, erwiderte Lydia. »Mein Vater ist seit über zwanzig Jahren tot. Ich hoffe doch, dass meine Mum noch mal zum Zug kommt. Möchte ich davon hören? Nein. Aber ich wünsche ihr, dass ihre Glocken von einem Mann geläutet werden, der sie gut behandelt.«
Krista, Pasha, Rayma und Stacey nickten alle.
»Dieser Wichser ist im Haus unseres Vaters, liegt im Bett unseres Vaters. Er sollte niemandes Glocken läuten. Jedenfalls nicht hier«, brummte Brock.
Krista holte tief Luft, bis die Kälte ihre Lunge kitzelte, und klopfte auf die harte Brust ihres Mannes. »Nun, diese Entscheidung liegt nicht bei dir. Es ist nicht dein Haus, nicht dein Bett und nicht dein Körper. Deine Mutter bestimmt allein darüber, und ich habe den Eindruck, sie macht das ganz gut.«
Mehr missmutiges Brummen von der Testosteron-Fraktion.
Mehr Augenrollen von den Frauen.
»Mir ist kalt, Mama«, sagte Zoe und schob ihre Finger in Kristas Hand. »Können wir nach Hause fahren?«
»Zane auch kalt. Zane will nach Hause und einen Kakao mit siebenhundertneunzehnfünfzehnundfünf Marshmallows.« Kristas Sohn zitterte ein wenig, und er drückte sich an seinen Vater und schob seine Hände unter Brocks T-Shirt.
»Meine Güte, kleiner Mann«, sagte Brock. »Deine Finger sind ja wie Eiszapfen. Okay, alle einsteigen. Fahren wir nach Hause.« Er hob Zane hoch und trug ihn zum Wagen.
Krista wechselte Blicke mit ihren Schwägerinnen.
»Später auf einen Drink bei Mickey?«, fragte Pasha.
»Ich bin dabei!«, rief Rayma begeistert.
Stacey, Lydia und Krista nickten.
»Ich fahre euch natürlich«, sagte Lydia mit einem kleinen Lächeln.
»Und ich trinke natürlich«, erwiderte Stacey.
»Ich auch«, sagte Pasha zustimmend.
»Das macht dann schon drei«, schloss Rayma sich an.
Sie hatten nicht nur jede Menge zu besprechen, auch war es sehr wahrscheinlich, dass ihre Männer nach dem ersten Schock darüber, ihre Mutter mit einem anderen Mann zu sehen, stinksauer sein würden und ihre Frauen sich die Schimpftiraden anhören durften.
Nach Kristas Ansicht genügte kein Wein der Welt, um das Pochen in ihrem Kopf zu betäuben, das sie immer bekam, wenn Brock sich in einen seiner kleinen Anfälle hineinsteigerte.
Gut, dass Mickey seinen Tequila-Vorrat immer auffüllte, denn Wein würde heute einfach nicht ausreichen.
Grant & Joy
Grant stieß laut die Luft aus und streifte mit den Fingern durch sein grau meliertes Haar, während er beobachtete, wie Joy die Tür hinter ihrer Großfamilie verriegelte.
»Tja, das war …«
Joy fuhr herum, und ihre blauen Augen wirkten plötzlich sehr müde. »Wirklich anstrengend.«
Er grinste und forderte sie auf, in seine Arme zu kommen. Sie zögerte keinen Augenblick, und er gab ihr einen Kuss auf den Kopf, als sie ihren Körper an seinen presste und die Arme eng um seine Taille schlang. »Ich wollte eigentlich sagen, nicht so, wie du dir diesen ersten Kontakt vorgestellt hast.«
»Ja, das auch.« Sie ließ sich gegen ihn sacken, dann hob sie den Kopf zu ihm. »Entschuldige.«
»Was soll ich entschuldigen?«
Ihr Blick flackerte für einen Moment wild umher, dann zogen sich ihre Augenbrauen zusammen, und sie deutete auf die Haustür. »Diesen Auftritt eben. Ich liebe meine Jungs, aber manchmal können sie richtige Blödmänner sein. Ist keiner von ihnen mal auf die Idee gekommen, zu klingeln?«
Seine Lippen zuckten. »Doch, ich glaub schon. Wir haben es nur nicht gehört.«
Auf ihren Wangen erschien eine zauberhafte sanfte Röte, und ein kleines Lächeln zupfte an den Winkeln ihrer unwiderstehlichen Lippen, die zum Küssen gemacht waren. »Oh, nun ja …«
»Die Frauen und die Kinder machen einen tollen Eindruck, genau wie deine Jungs.«
Sie lachte, sodass ihr zierlicher Körper bebte. »Oh, sie sind toll. Und man müsste sie alle heiligsprechen — also die Frauen und die Kinder —, weil sie es mit meinen Jungs aushalten und sie unerschütterlich lieben, so wie sie sind. Ich meine, wir alle bringen Opfer. Meine Söhne können sehr anstrengend sein, und der Umgang mit ihnen erfordert manchmal eine Engelsgeduld und viel Wein.«
Er lachte. »Sie passen auf ihre Mutter auf. Das ist doch süß.«
»Es ist nervig. Ich bin sechsundsechzig, verdammt. Ich kann auf mich selbst aufpassen.«
»Aber gute Kinder betrachten das anders, und irgendwas sagt mir, dass du sie zu guten Kindern erzogen hast, selbst wenn sie ein bisschen —«
»Dickköpfig sind? Verbohrt?«
»Ich wollte überfürsorglich sagen, aber du kennst sie besser als ich.« Seine Finger glitten sanft über ihre Wirbelsäule abwärts und umfassten ihren Po. Es war nicht die bequemste Position, für keinen von beiden, weil Joy so viel kleiner war als er und er ein Zwicken in seinem alten Rücken spürte, wenn er sich zu ihr hinunterbeugte und sie packte. Aber für eine Handvoll von diesem Po, den Joy, wie er wusste, eifrig trainierte, um ihn stramm zu halten, nahm er das Risiko in Kauf, sich einen Wirbel auszurenken.
»Sie sind jenseits von überfürsorglich«, erwiderte sie frustriert, und sie löste sich aus der Umarmung und wandte sich in Richtung Küche. Er folgte ihr.
Er würde dieser Frau überallhin folgen.
Sie füllte den Wasserkocher und schaltete ihn ein. »Ich hatte mir schon einen perfekten Plan ausgedacht, weißt du. Ich wollte die Jungs zum Lunch einladen, ohne ihren Anhang, und euch miteinander bekannt machen. Ich wollte ihnen schonend beibringen, wie sehr wir uns mögen, wie sich das zwischen uns entwickelt hat und dass ich dich an Weihnachten eingeladen habe.«
»Und stattdessen sind sie mit Kind und Kegel in dein Haus gestürmt, haben eine Waffe gezogen und uns praktisch im Bett überrascht.« Er lehnte sich gegen die Anrichte, während sie direkt gegenüber am Herd lehnte, die Arme vor ihrer Brust verschränkt, ihr Kinn leicht eingezogen.
»Das Gesicht, das Brock gemacht hat …« Sie schüttelte den Kopf. »Es war, als hätte er mich dabei erwischt, dass ich seinen Vater betrüge oder so. Dieser Vorwurf von Verrat in seinen Augen. Augen, die denen seines Vaters sehr ähneln. Es war … niederschmetternd.«
»Aber du betrügst niemanden. Keiner von uns. Es gibt keinen Verrat.«
Sie hob langsam den Blick von den Bodenfliesen, auf die sie gestarrt hatte. »Ich weiß das. Du weißt das. Und im Grunde seines Herzens weiß mein idiotischer Sohn das auch. Aber sein Blick sagte was anderes. Und es ist wirklich überhaupt nicht hilfreich, dass er seinem Vater fast wie aus dem Gesicht geschnitten ist. Ich musste eben für einen Moment in mich gehen und mir vor Augen halten, wie die Rollen verteilt sind. Dass ich seine Mutter bin, und nicht seine Frau oder sein Kind. Weil sein Verhalten mir ein Gefühl verursacht hat, für das kein Grund besteht.«
»Als würdest du Zane betrügen?«
Sie nickte. »Aber ich betrüge hier niemanden. Weder Zane noch meine Kinder. Keinen.«
Er machte einen Schritt zu ihr und kesselte sie mit seinen Armen am Herd ein. »Das ist richtig. Und du darfst dir auch nichts anderes einreden lassen. Wahrscheinlich wird es ein bisschen dauern, bis deine Jungs sich an die Vorstellung gewöhnt haben, dass wir zusammen sind. Im Moment reagieren sie noch ein bisschen impulsiv, aber du bist ihre Mutter und kannst mit deiner Besonnenheit gegensteuern. Wir müssen ihnen einfach etwas Zeit geben.«
Der Wasserkocher klickte, Dampf stieg aus der Ausgussöffnung.
Grant wandte sich von Joy ab, um zwei Tassen aus dem Schrank zu nehmen und eine Packung Kamillentee. Er gab einen Beutel in jede Tasse und goss heißes Wasser darüber. Er war seit sechs Monaten mit Joy zusammen, und inzwischen kannte er sich in ihrer Küche ziemlich gut aus. Nicht dass Joy oft gestresst sein würde, denn sie besaß eine große Gelassenheit, aber wenn sie sich ein bisschen überfordert fühlte, wusste er, dass sie gern zu ihrem Kamillentee griff.
Er gab ihr eine Tasse, und sie bedankte sich leise, umfasste sie mit ihren zierlichen Händen und hielt sie vor ihrer Brust.
»Ich muss nicht zwingend an Weihnachten dabei sein, wenn es zu kompliziert ist oder zu früh«, sagte er. »Deine Familie steht an erster Stelle. Außerdem hab ich Übung darin, Weihnachten allein zu verbringen. Ich komm schon klar.«
Ihre blauen Augen blitzten auf, und Protest wirbelte darin. »Nein. Kommt gar nicht infrage. Du feierst mit uns, und damit basta.«
Er bemühte sich, ein Lächeln zu unterdrücken, weil sie hart blieb. Er war außerdem wirklich froh, dass sie seinem Vorschlag nicht zustimmte.
Sein Angebot war hundertprozentig ernst gemeint, aber es wäre ein ziemlicher Dämpfer gewesen, wenn sie es angenommen hätte. Schließlich würde das ihr erstes gemeinsames Weihnachten sein, und er wollte, dass sich Joys Wunsch erfüllte und er im Kreis ihrer Familie mitfeierte.
Ihr Gesicht drückte Bitterkeit aus. »Und was ist mit mir? Ich bin auch ein Teil dieser lauten, nervigen, durchgeknallten Familie. Warum dürfen meine Söhne eine Partnerschaft haben und ihr Glück genießen, aber von mir wird erwartet, dass ich allein bleibe und den anderen zuschaue, nur weil mein Mann zu früh gestorben ist? Ich soll mir einfach selbst genügen. Inwiefern ist das fair? Inwiefern ist das richtig? Was ist daran richtig, dass du an Weihnachten allein zu Hause hockst und es uns beiden mies geht ohne den anderen, nur damit sich meine bescheuerten Söhne wohler fühlen?«
Daran war gar nichts richtig. Aber das wollte er nicht sagen.
Er wusste bereits viel über Joy, darunter auch, welchen Stellenwert ihre Familie für sie hatte, darum war er nicht sicher, ob er so einen Gedanken bereits aussprechen durfte. Allerdings schien ihr langsam zu dämmern, dass sie hin und wieder zuerst an sich selbst denken musste. Dass sie tun musste, was sie glücklich machte.
Sie nippte vorsichtig an ihrem Tee, dann stieß sie ein tiefes Seufzen aus. »Vielleicht haben wir zu lange gewartet? Vielleicht hätte ich dich meinen Jungs früher vorstellen sollen, dann hätten sie mehr Zeit gehabt, sich an die neue Situation zu gewöhnen und daran, dass du Weihnachten mit uns feierst.«
Dazu hatte er nichts zu sagen.
Er selbst hatte keine Kinder, darum wusste er nicht, wie man mit Joys Söhnen am besten umging. In dieser Hinsicht überließ er Joy das Kommando.
»Ich dachte halt, wenn ich bis kurz vor Weihnachten warte, sind sie mit ihren Kindern vielleicht in festlicher Stimmung und offener für einen zusätzlichen Gast.« Sie blies über ihren heißen Tee. »Der Schuss ging nach hinten los.«
Er lehnte sich rücklings gegen die Anrichte und blies auch über seine dampfende Tasse, bevor er vorsichtig daran nippte. Der Tee war noch immer verdammt heiß, aber genau so mochte er ihn. Bevor er Joy kennenlernte, war er nie ein großer Teetrinker gewesen, sondern bevorzugte schwarzen Kaffee, aber Joy hatte in den letzten paar Monaten seine Begeisterung für ihr Lieblingsgetränk geweckt.
Sie wirkte in Gedanken versunken, während sie mit zusammengezogenen Augenbrauen in ihre Tasse starrte.
Also nutzte er einfach die Gelegenheit und betrachtete sie.
Teufel noch mal, sie war wirklich eine Augenweide.
In den letzten paar Jahren hatte er ein oder zwei Flirts gehabt, aus denen sich aber nichts Ernstes entwickelte, bis er schließlich eines Morgens auf die Bahn im Pool zusteuerte, die er reserviert hatte, und Joy vor ihm stand. Sie trug ihre knallgelbe Badekappe, ihre blaue Schwimmbrille und einen schwarzen Badeanzug mit Racerback-Ausschnitt, der ihre sportliche Figur betonte. Sie hatte ihre Wasserflasche am Poolrand abgestellt, neben ihrem ordentlich gefalteten Handtuch, und schickte sich gerade an, ins Becken zu steigen.
Er überlegte, ob er einfach kehrtmachen und in den Kraftraum ausweichen sollte, statt sie zu stören und ihr zu erklären, dass sie im Begriff war, seine Bahn zu benutzen, die für ihn reserviert war.
Aber als sie sich zu ihm umdrehte, lächelte und »Guten Morgen« sagte, war es um ihn geschehen.
Dann musste er etwas erwidern.
Bloß dass seine Antwort selten dämlich war. »Äh, das ist meine Bahn.«
Er würde sich bis in alle Ewigkeit über diesen derart blöden ersten Satz an diese unglaubliche, intelligente, schöne Frau ärgern.
Sie zog ihre Schwimmbrille hoch, und ihre Augen strahlten blau wie der Pool, sodass er beinahe darin ertrank — in ersteren natürlich.
»Wie bitte?«, fragte sie. Ihr Ton war nicht gerade schroff, aber sie klang auch nicht wie ein schüchternes Reh.
»Diese Bahn ist von sieben bis acht für mich reserviert.«
Sie schüttelte den Kopf. »Nein, für mich.«
In einem öffentlichen Schwimmbad wäre ihnen nichts anderes übrig geblieben, als es grinsend hinzunehmen und sich die Bahn zu teilen. Aber einer der Vorzüge eines privaten Clubpools war, dass man, wenn man eine Bahn reservierte, das ganze Ding für sich allein hatte.
Sie warf einen Blick auf den kleinen Klappaufsteller, der die Nummer der Bahn bezeichnete. »Nummer vier.«
Er nickte. »Ja, ich habe die vier für die nächste Stunde reserviert.«
Ihre Badekappe hinderte ihre Augenbraue daran, noch höher zu wandern.
»Gut, dann lassen Sie uns zur Rezeption gehen und das klären.« Und bevor er widersprechen konnte, nicht dass er das beabsichtigte, ging sie an ihm vorbei in Richtung Empfangstheke, hinter der Marjorie saß.
Wie sich herausstellte, hatte Marjorie versehentlich die Bahn doppelt vergeben, und sie waren beide dafür eingetragen.
Grant schickte Marjorie zwei Wochen später einen Blumenstrauß für ihren wundervollen Fehler.
»Na gut, wir können die Bahn auch zu zweit nutzen«, lenkte Joy am Ende ein und ließ den Blick genüsslich über seinen Körper wandern, ohne sich Mühe zu geben, ihre Anerkennung zu verbergen. Er trug eine hautenge Schwimmhose, die ihm bis zu den Knien reichte — ein Badeslip war für ihn einfach nicht mehr drin —, und dennoch ließ sie der Fantasie sehr wenig Spielraum. Außerdem achtete er auf seine Figur. Er trieb täglich Sport, ernährte sich vernünftig, schlief ausreichend.
Im Laufe der letzten Jahre hatte er ein neues Gesundheitsbewusstsein entwickelt. Nicht dass er zuvor ungesund gelebt hätte, aber er wusste, er war kein junger Hüpfer mehr und musste mehr auf seinen Körper achten.
»Ich bin Joy«, sagte sie schließlich und streckte ihre Hand vor, nachdem sie ihn ausgiebig betrachtet hatte.
Er grinste und schüttelte ihre zarte Hand. »Grant.«
»Ich schwimme nicht in Turbogeschwindigkeit, aber ich bin auch keine lahme Schnecke. Nehmen Sie bitte Rücksicht auf der Bahn.«
Er grinste wieder. Mann, sie war ihm direkt sympathisch. »Ich werde absolute Rücksicht nehmen.«
Sie nickte und machte auf ihren nackten Füßen kehrt, um zum Becken zurückzugehen. Ohne auf ihn zu warten, stieg sie hinein, zog ihre Schwimmbrille wieder über ihre Augen und kraulte los.
Er ließ sich einen Moment Zeit, um ihr einfach nur zuzuschauen. Sie hatte einen eleganten Stil, und die Art, wie sie ihre Hüften im Wasser drehte und mit den Beinen paddelte, zwang ihn, ein Stöhnen zu unterdrücken. Diese Frau war eine absolute Erscheinung.
Als sie beide ihre Bahnen gezogen hatten, waren sie außer Atem und hatten Abdrücke von den Schwimmbrillen um ihre Augen und einen knurrenden Magen.
Sie hievte sich zuerst aus dem Wasser, was ihm erlaubte, ihren Po zu begutachten, dann nahm sie ihre Badekappe ab und wickelte sich in ihr Handtuch.
»Nun, vielen Dank, dass Sie mir kein Wasser ins Gesicht gespritzt haben«, sagte sie mit einem Lachen. »Machen Sie’s gut.«
Aber er konnte sie nicht gehen lassen. Noch nicht.
Wie Aquaman (oder zumindest wollte er es in seiner Erinnerung so abspeichern) sprang er aus dem Wasser und lief ihr eilig hinterher. Er hielt sie an ihrem Ellenbogen fest, und sie drehte sich um, mit Neugier in diesen strahlend blauen Augen.
»Hätten Sie Lust, mit mir einen Kaffee zu trinken und vielleicht eine Kleinigkeit zu frühstücken?«, fragte er und spürte, wie seine Hand, die noch immer auf ihrem Ellenbogen lag, feucht wurde. Er zog sie sofort weg.
Ihre Augen wurden für einen Moment schmal, aber das Lächeln, das sich auf ihren schönen Lippen ausbreitete, ließ sein Herz höherschlagen. »Gern.«
Zurück in der Gegenwart lächelte er, während er beobachtete, wie sie an ihrem Tee nippte. Seit jenem Tag hatte er diesen Moment eine Million Mal in seinem Kopf abgespielt, froh darüber, dass sie ihn nicht als einen linkischen Blödmann abgeschrieben hatte. Seit fast fünfzig Jahren hatte ihn keine Frau mehr so verunsichert.
»Worüber lächelst du?«, fragte sie und zog ihre Augenbraue hoch.
Er stellte seinen Tee auf der Anrichte ab und keilte sie wieder am Herd ein. Sie stellte ebenfalls ihre Tasse ab. »Ich musste nur gerade an was denken.«
»Wie wir uns kennengelernt haben?«
Er nickte.
Ihr Blick wurde weich, und ein wunderbares Lächeln hob ihre Mundwinkel. »Du denkst oft daran, nicht wahr?«
Er nickte wieder, und seine Daumen fanden ihre Wirbelsäule. Sie stöhnte, als er begann, ihren Rücken zu massieren, und ihre Augenlider flatterten.
»Seit gut einem halben Jahrhundert hat mich keine Frau mehr so nervös gemacht. Du machst mich heute noch manchmal nervös.«
Sie öffnete die Augen und sah ihn an. »Soll ich ehrlich sein?«
Er legte den Kopf schief. Worauf wollte sie hinaus? »Okay …«
Sie knabberte für einen Moment an ihrer Unterlippe und wandte den Blick ab.
Ein unbehaglicher Schauer rann über seinen Rücken.
Schließlich sah sie ihn wieder an und seufzte, bevor sie fortfuhr. »Ich hatte vorher schon ein Auge auf dich geworfen. Also habe ich Marjorie gebeten, uns dieselbe Bahn zu geben. Ich brauchte einen Vorwand, um dich kennenzulernen. Ich fand dich ziemlich heiß, und ich wollte mit dir ins Gespräch kommen.« Sie klemmte ihre Unterlippe zwischen ihre Zähne. Ihre Augen waren nun wie zwei glatt geschliffene Saphire, die ihn übermütig anfunkelten. »Normalerweise bin ich gegenüber Männern nicht schüchtern. Aber dein Anblick, als ich dich zum ersten Mal aus dem Pool steigen sah, hat mir total die Sprache verschlagen.«
Er warf den Kopf zurück und stieß ein helles Lachen aus. »Das glaub ich nicht! Du hast die ganze Sache inszeniert?«
Sie nickte verlegen, lächelte aber weiter.
»Du bist ein raffiniertes kleines Luder. Deine schauspielerische Leistung war wirklich oscarreif. Darauf wäre ich nie gekommen, nachdem du am Anfang so zurückhaltend warst.«
»Ich durfte nicht zu interessiert wirken.«
Er schnaubte. »Und das erzählst du mir jetzt erst? Sechs Monate später?«
Sie hob die linke Schulter. »Du hast meine Kinder kennengelernt. Wir zwei meinen es ernst. Es ist Zeit, dass du die Wahrheit erfährst.«
Er schüttelte den Kopf, aber grinste von einem Ohr zum anderen, und mit einem Knurren ging er in die Knie und schaufelte sie in seine Arme.
Sie quietschte, lächelte und schlang die Arme um seinen Hals.
»Und es ist Zeit, dass du die Wahrheit darüber erfährst, wie verrückt ich nach dir bin«, erwiderte er und trug sie hinaus in den Flur und zu ihrem Schlafzimmer, während sie seinen Hals mit Küssen bedeckte.
Grant & Joy
»Ich melde mich später«, sagte Grant und küsste Joy ein letztes Mal, bevor er zu seinem Wagen hinausging.
Sie hatten die letzte Stunde zusammen im Bett verbracht, nachdem Joy ihm offenbart hatte, dass ihr erstes Kennenlernen arrangiert war.
Das schien ihn nicht im Geringsten zu stören. Er war sogar so weit gegangen, ihr zu sagen, dass er sich geschmeichelt fühle und dass sich noch nie eine Frau so viel Mühe gegeben habe, um ihn kennenzulernen.
Das brachte sie zum Lächeln, und sie schmiegte sich noch enger in seine Arme.
Sie ging zu dem großen Panoramafenster in ihrem Wohnzimmer und öffnete die Jalousien. Sie beobachtete, wie Grant rückwärts aus der Einfahrt rollte. Sie winkten sich ein letztes Mal zu, dann war er fort.
Normalerweise schloss sie die Jalousien nie, außer wenn Grant zu ihr kam. Manchmal hatte sie einfach keine Lust auf Sex im Schlafzimmer. Nur weil sie nicht mehr die Jüngste war, bedeutete das nicht, dass sie Sex nicht auch an anderen Orten genießen konnte als in einem Bett oder Schlafzimmer.
Mit einem tiefen Seufzen ließ sie die Schultern sinken und starrte hinaus in den grauen Himmel.
Es war schon verdammt lange her, dass sie so glücklich gewesen war.
Beziehungsweise so glücklich, wie sie in Grants Gegenwart war.
Dafür machten ihre Söhne sie gerade weniger glücklich. Sie hatte eine Stinkwut auf sie, besonders auf den Dickköpfigsten von allen — Brock.
Die Art, wie die vier sie angesehen hatten, wie Brock sie angesehen hatte, als Grant hinter ihr aus dem Schlafzimmer kam und seine Hand auf ihre Schulter legte — sie konnte dieses Bild nicht mehr aus ihrem Kopf verdrängen, selbst wenn sie sich noch so sehr anstrengte. Es hatte sich fest eingebrannt, und der sengende Geruch hing noch immer in der Luft.
Sie betrog Zane nicht.
Das würde sie niemals tun.
Zane war die Liebe ihres Lebens gewesen.
Sie hatten sich auf Anhieb ineinander verliebt, und alles war in Warpgeschwindigkeit passiert.
Joy bewegte sich langsam durchs Wohnzimmer und knipste die Lampen an. Sie schlenderte in die Küche und schaute nach, ob der Wasserkocher noch ausreichend gefüllt war, dann schaltete sie ihn wieder ein.
Ein altes, verblasstes Foto von Zane und den vier Jungs, auf dem sie alle lächelnd vor dem Thetis Lake posierten, hing am Kühlschrank, fixiert mit einem penisförmigen Magneten. Der Magnet war ein Geschenk von ihrer sehr witzigen Freundin und Kollegin Ingrid, mit der sie diese gemeinsame Sache am Laufen hatte. Zu Weihnachten und zum Geburtstag schickten sie sich immer Dinge, die mit Genitalien zu tun hatten. Joy hatte Ingrid dieses Jahr einen Übertopf geschickt, verziert mit vielen verschiedenen Frauen, die mit weit gespreizten Beinen auf dem Rücken lagen. Man konnte ungefähr fünfzig verschiedene Schamlippenpaare, Kitzler und Löcher betrachten. Jede Vulva war für sich genommen einzigartig und wundervoll. Manche waren behaart, andere nicht. Manche waren schlaff, andere straff. Joy war schon sehr gespannt darauf, was Ingrid ihr dieses Jahr schenken würde.
Aber sosehr der Penis-Magnet sie zum Schmunzeln brachte, das Foto darunter schnürte ihr die Kehle zu.
Zane.
Sie hatten nur dreizehn gemeinsame Jahre gehabt, aber es waren die besten dreizehn Jahre in Joys Leben gewesen.
Davor hatte sie in einer schrecklichen Beziehung gelebt, die von Gewalt geprägt war.
Sie war mit Anders damals von Vancouver nach Victoria gegangen, wo sie beide an der Universität studierten. Aber sie wohnten noch nicht lange in einem kleinen Apartment zusammen, als er anfing, ihr gegenüber beleidigend und handgreiflich zu werden.
Und sie konnte nirgendwohin.
Weder zu Freunden noch zu Verwandten, weil alle, die sie kannte und liebte, auf dem Festland lebten, und sie konnte auch nicht mitten im Semester die Uni wechseln.
Aber eines Abends war Anders aggressiver und gewalttätiger als sonst geworden. Hatte er sie bisher nur gegen die Wand geschubst, sie angebrüllt und ihre Handgelenke so fest umklammert, dass sie blaue Flecke davontrug, eskalierte es dieses Mal rasch zu Schlägen und Tritten, mit denen er sie traktierte.
Sie hatte wirklich gedacht, dass sie an jenem Abend sterben würde.
Bilder von ihrer Mutter und ihrem Vater, von ihren Schwestern und dem Leben, das sie sich wünschte, aber wahrscheinlich niemals haben würde, spulten sich blitzartig vor ihrem geistigen Auge ab. Nur unterbrochen von den Sternen, die sie nach jedem Hieb von Anders sah.
Sie hatte geschrien und laut um Hilfe gerufen, aber entweder hörte es niemand, oder es war den anderen im Haus egal.
Immerhin war das in den frühen Achtzigern gewesen, als Frauen noch sehr wenige Rechte hatten und die Männer über sie bestimmten.
Sie kauerte sich in einer Ecke zusammen, um sich bestmöglich zu schützen, und wappnete sich gegen den nächsten Schlag — aber der blieb aus.
Ihre Augen waren zugeschwollen, darum konnte sie nicht sehen, was passierte, und das Klingeln in ihren Ohren übertönte alles andere, aber als zwei starke Arme sie vom Boden hoben und an eine muskulöse Brust drückten, konnte sie nichts anderes tun, als sich gegen ihren Retter sacken zu lassen.
Sie wurde auf ein weiches Bett gelegt, und als sie ihre Augen öffnen wollte, leisteten sie Widerstand. Durch einen winzigen Schlitz konnte sie einen Mann erkennen, der sie so besorgt ansah, dass sie sich in seine Arme warf und ihren Tränen freien Lauf ließ.
Dieser Mann war natürlich Zane gewesen.
Er war ganz frisch neben ihnen eingezogen, ein junger Polizist, der vorher in der Marine gedient hatte. Als er den Radau hörte, war er der Sache auf den Grund gegangen.
Er nahm Anders fest und ließ ihn abführen, und nachdem Joy aufgehört hatte, seine Schulter nass zu weinen, brachte er sie ins Krankenhaus.
Am nächsten Tag zog sie bei ihm ein, und einen Monat später stellte sich heraus, dass sie mit Brock schwanger war.
Sie führten eine stürmische, wilde und wunderbare Beziehung, und abgesehen davon, dass Anders sie beinahe totgeschlagen hätte, würde sie nichts daran ändern, wie sie mit Zane zusammenkam.
Der Wasserkocher schaltete sich mit einem Klicken aus, und sie füllte die Tasse auf, die Grant ihr vorhin gegeben hatte. Es ergab keinen Sinn, Tee zu verschwenden, der perfekt durchgezogen war. Sie konnte einfach heißes Wasser nachgießen.
Sie hielt die Tasse mit beiden Händen und erlaubte der Wärme, in sie einzusickern und das Frösteln zu vertreiben, während sie auf das Foto am Kühlschrank starrte.
Zanes Lächeln war elektrisierend. Er war in seinem Element.
Er verbrachte Zeit mit seinen Jungs.
Dieser Mann war ein großartiger Vater gewesen.
Es war seine Bestimmung, erstaunliche Dinge zu tun, und eins davon war, ein leidenschaftlicher Vater zu sein.
Und seine Söhne hatten alle diese Eigenschaft von ihm geerbt.
Jeder von ihnen war als Vater phänomenal. Sobald ihre Kinder in der Nähe waren, fiel die raue Schale von ihnen ab, und sie wurden weich wie Marshmallows.
Zane war genauso gewesen.
Und er hatte Joy bei ihrer Ausbildung und Karriere immer unterstützt.
Als sie erfuhr, dass sie mit Brock schwanger war, hatte sie das laufende Semester abgeschlossen, aber danach nahm sie sich ein Jahr Auszeit von ihrem Studium. Dann wurde sie wieder mitten im Semester mit Chase schwanger und pausierte nach seiner Geburt ein weiteres Jahr.
Als sie schließlich die Bühne betrat, um ihr Psychologie-Diplom in Empfang zu nehmen, war sie hochschwanger mit Rex.
