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Kaum eine Geschichte ist spannender, als die, die ganz gewöhnlich anfängt, aber solche Wendungen nimmt, mit denen kaum jemand rechnet. Das Ziel einer guten Geschichte ist es, seine LeserInnen von Anfang bis zu seinem Ende so zu fesseln, dass man es unbedingt zu Ende lesen möchte. Und wenn seine LeserInnen nach der Lektüre das Buch zur Seite legen und sich einige Gedanke über die Geschichte und dessen Story machen, dann denke ich, hat der Autor mehr erreicht, als er zu erreichen wagte.
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Seitenzahl: 101
Veröffentlichungsjahr: 2017
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Ünal Ejder
Für Jakob
Dieses ebook wurde erstellt bei
Inhaltsverzeichnis
Titel
Inhaltsverzeichis
Impressum neobooks
Für Jakob
Ein Roman von
Ünal Ejder
R) Ünal Ejder
Seite 001 – Titel
Seite 002 – Inhaltsangabe
Seite 003 – Akt 1
Seite 030 – Akt 2
Seite 052 – Akt 3
Seite 086 – Akt 4
Seite 127 – Akt 5
Es war eines dieser Tage, an denen Frank am liebsten garnicht erst aufgestanden wäre.
Es war kalt, es war regnerisch, richtig dunkel gar. Es war also ein sehr unschöner Morgen an diesem 13. Oktober des Jahres 2018.
Doch Frank hatte seinen Platz im System, das man gemeinhin Leben nannte, gefunden.
Er war ein angesehener Hauptkommissar und hatte nur noch einige wenige Monate bis zu seiner Pensionierung.
Nur noch einige wenige Monate, und Frank hätte es geschafft.
Er stand auf und ging ins Bad und schaute sich einen Moment lang im Spiegel an.
Er war mit dem Gedanken aufgestanden, dass er es bald geschafft hätte und es nicht mehr lange dauern sollte.
Was aber, fragte er sich selbst, in den Spiegel schauend, hätte er denn geschafft.
Eine Ehe, die schon lange kaputt war. Zwei Kinder, von denen er sich längst entfremdet hatte.
Sein Haus, ja. Das war es. Das hätte er dann mit seiner Pensionierung auch endlich abbezahlt.
Ein schönes, wirklich schönes, jedoch für eine einzige Person viel zu großes Haus. Das würde ihm dann bleiben. Vom Leben. Am Ende seines Lebens.
Das hatte ihn also das ach so geliebte Leben für ihn vorgesehen.
Ein wohlverdienter Ruhestand bar jeglicher finanzieller Sorgen, doch so sehr von seinen nächsten Freunden und Familienmitgliedern entfernt, als würde er ein einsames Nomadenleben mitten in einer großen Stadt führen.
Einsam und allein, inmitten zig tausender Menschen.
Es war seine Entscheidung gewesen, zur Polizei zu gehen. Es war sein freier Wille.
Und das war schon immer sein Wunsch.
Er hätte es viel weiter bringen können, als nach etlichen Jahrzehnten zum Hauptkommissar. Aber er wollte nicht. Er hasste gar die viele Zeit, die er im Büro verbringen musste, während er seine vielen Fälle bearbeitete. Er konnte einfach nicht schnell genug wieder auf die Straße. Zu den Menschen, zum eigentlichen Geschehen.
Er war zufrieden mit seiner Stellung und hatte vielen anderen den Vortritt gelassen, wenn es um Beförderungen ging.
Denn er war zufrieden und glücklich mit seinem Job.
Doch gebracht hatte es ihm weniger, als erwartet.
Geldsorgen, gar Angst vor Altersarmut musste er sich nicht machen. Auch, wenn er als Hauptkommissar nicht gerade in Geld schwamm. Aber er hatte auch keine allzu großen Erwartungen vom Leben und somit war das, was er verdiente, mehr als genug für ihn.
Doch so sehr er von seinen Kolleginnen und Kollegen auch geschätzt wurde, für seine Persönlichkeit, für sein Wesen, so erfolglos war sein privates Leben.
Manchmal hasste er seine Frau, weil sie ihn für einen anderen verlassen hatte.
Und manchmal, wenn ihm klar wurde, dass sie ihn nicht verlassen hatte, weil sie ihn nicht mehr liebte, oder sich in jemand anderen verliebt hatte, sondern, weil er viel zu selten Ehemann und Vater sein konnte, wurde ihm auch immer wieder klar, wie sehr er sie noch immer liebte.
Mit das Erste und gleichzeitig auch das Grausamste, was uns das Leben lehrte, war es, uns klar zu machen, wie machtlos wir doch eigentlich sind.
Und das Leben schien immer in größter Eile zu sein, es einem beizubringen.
Dabei schien das Leben gar äußerst bemüht zu sein, auch ja keine Gelegenheit auszulassen, uns diese Tatsache immer wieder aufs brutalste klarzumachen.
Und so hatte auch Frank in seinem Leben des Öfteren die Erfahrung machen müssen, wie machtlos wir manchmal doch sein konnten.
Er schaute sein Spiegelbild weiterhin an und sprach mit lauter Stimme zu sich.
„Herzlichen Glückwunsch, Frank. Du hast zwar nichts, aber kannst dich trotzdem glücklich schätzen.“
Versunken in sein Selbstmitleid, klingelte es an der Tür und er ging hin und öffnete diesen. Ein Paket wurde ihm überbracht. Ein kleines Päckchen, auf dem kein Absender, nur sein Name und seine Anschrift standen.
Nachdem er die Tür geschlossen hatte, begutachtete er das Paket lange und intensiv. Konnte sich aber nicht erklären, von wem es sein konnte.
Nach einigem Zögern öffnete er es langsam und schaute in den Inhalt.
Es lag ein Brief in dem Päckchen. Er nahm es auf und sah dabei eine kleine Kiste. Oder so ein kleines und hölzernes Etwas, was wie eine kleine Schatulle aussah. Nur, dass es ganz aus Holz war.
Er öffnete erst den Brief und sah sich die Bilder darin an. Es war ein junger Mann zu sehen. Ende 20, vielleicht Anfang 30. Aber er kannte den jungen Mann auf den Bildern nicht.
Dann schaute er sich nach und nach auch die übrigen Bilder an.
Es waren alles Bilder mit diesem jungen Mann.
Eines davon, das ihn in einer großen Nahaufnahme zeigte, schaute er sich nochmals und nochmals an. Er begutachte es sehr genau und achtete dabei auf jede Kleinigkeit. Aber weder die Person auf den Bildern, noch das drumherum sagten ihm irgendetwas. Er kannte den jungen Mann nicht und erkannte auch die Orte auf den Hintergründen der Bilder nicht.
Keines der Orte auf den vielen Bildern kam ihm bekannt vor.
Nach einiger Zeit legte er die Bilder auf den Tisch und schaute sich die Holzschatulle genauer an.
Er drehte und wendete es in seinen Händen, und auch dies kam ihm weder bekannt vor, noch konnte er verstehen, weshalb ihm jemand so etwas schicken sollte.
Dann machte er die Schatulle auf und darin war ein Ring.
Er nahm den goldenen Ring aus der Schatulle und las in seinem inneren Ring: „Für den wertvollsten Menschen auf dieser Welt. Für Jakob.“ stand da darauf.
Er kannte niemanden mit dem Namen Jakob.
Nun kam ihm die Gewissheit, dass sich irgendjemand schwer vertan und ihm fälschlicherweise das Päckchen geschickt hatte.
Er tat alles wieder ins Päckchen und wollte es nachher mit ins Büro nehmen. Auf dem Weg zum Büro könnte er es wieder zur Post bringen und dort zurückgeben.
Sie würden wohl eher wissen, wer das Päckchen ohne Angabe des Absenders geschickt hatte.
Er legte es einfach beiseite. Auf den Stuhl neben seinem.
Doch als Frank später zur Arbeit fuhr, vergaß er das Päckchen auf dem Küchenstuhl.
Zu allem Übel hatte er beim Aufstehen auch noch den Stuhl ganz unter den Küchentisch geschoben, sodass er es auch nicht mehr ohne Weiteres im Blick hatte.
Da er meist draußen aß und in der Küche nur Kaffee kochte oder sich ein Bier nahm, übersah er tagelang das Päckchen in der Küche.
Nach gut einer Woche stand er morgens wieder auf und wollte gerade ins Bad, als sein Mobiltelefon zu Klingeln anfing.
Er sah schon von Weitem auf dem Display das Bild seines Freundes und Vorgesetzten Matthias und hastete zu seinem Telefon.
Er nahm ab und vernahm die Stimme von Matthias.
„Mensch, Frank, wieso bist du noch nicht im Büro? Wir warten hier auf dich. Du musst sofort herkommen!“
„Ich bin gleich da, Matthias. Hast du schon vergessen, dass ich heute etwas später anfange, weil ich gestern Abend noch einen Einsatz hatte?“
„Frank, scheiß drauf und komm bitte sofort her! Es ist dringend. Alles Weitere erfährst du hier, aber beeil dich bitte, wir warten hier alle auf dich und das ganze Gebäude gleicht einem Pulverfass.“
Da Matthias, sein Chef aufgelegt hatte, konnte Frank sich auch nicht einmal anständig verabschieden und das Gespräch normal beenden.
Er hasste sowas.
Er hasste es, wenn die Leute einfach am Ende ihres Satzes den Anruf beendeten. Doch wenn Matthias so etwas machte, musste wirklich etwas sehr wichtiges geschehen sein.
Also wurde es nichts mehr mit der morgendlichen Dusche und so zog er sich hastig an und fuhr so schnell es möglich war, zu seiner Dienststelle.
Dort angekommen, fiel ihm auf, dass kaum jemand an seinem Arbeitsplatz saß und fast alle im Büro von Matthias waren.
Er quetschte sich höflich und grüßend durch all die anderen Beamten und als ihn sein Chef erblickte, rief er ihn hastig zu sich.
Er wollte gerade fragen, was denn los war, dass kaum jemand an seinem Arbeitsplatz saß und sich alle hier im Büro aufhielten, sprach Matthias auch schon drauf los:
„Frank, sag mal, schaust du denn überhaupt keine Nachrichten? Hörst du nicht einmal Radio? Wieso musste ich dich erst anrufen? Oder habe ich dich gar geweckt?“
Frank realisierte, dass etwas wirklich Schlimmes passiert sein musste. Es war also nicht eine vor ihm verheimlichte Überraschungsparty zu seinem am nächsten Tag anstehenden Geburtstag.
Seine heimliche Hoffnung darauf konnte er nun begraben.
Stattdessen erfuhr er mit Schrecken von einem Mord an einem örtlichen Geschäftsmann.
Nun wurde ihm die Tragweite des Falles klar.
Er wurde in den großen Konferenzraum geschickt und erfuhr dort, dass er die Leitung dieses Falles übernehmen sollte.
Dort wurde ihm von verschiedenen Personen alles erzählt, was sie bereits wussten und sollte auch schon wieder los zum Einsatzort.
Die Kollegen von der Spurensicherung wären ebenfalls schon am Tatort.
Der Fall war deshalb so brisant, weil der Geschäftsmann der Besitzer eines lokalen, namhaften mittelständischen Unternehmens war.
Dieser galt in dem Ort als eine sehr hoch angesehene Person. Er hatte sich vielen gemeinnützigen Einrichtungen gewidmet, denen er stets half. Er war sozial ein sehr engagierter und ebenso hoch angesehener Mensch.
Doch das, was ihn bei diesem Fall so stutzig machte, war der Umstand, dass es offensichtlich kein Raubmord war.
Er erfuhr von seinen Kollegen der Spurensicherung, dass niemand in das Anwesen eingebrochen sei und wohl auch nichts entwendet wurde.
Es gab nirgends Anzeichen für ein gewaltsames Eindringen und ebenso auch keine Anzeichen für einen Raub.
Doch die Tatsache, dass die Leiche dieses äußerst angesehenen Mannes eine sehr unnatürliche Haltung aufwies, sah zum Teil sogar verstörend aus.
Aber das waren nicht die einzigen, seltsamen Umstände an diesem Tatort.
Der Mann saß auf einem großen Sessel, jedoch seltsam hingekniet. Sein Körper war nackt und auf seine Stirn war ein großes Kreuz eingebrannt.
Er erfuhr von einer Kollegin der Spurensicherung, dass er gelebt haben musste, während man ihm diesen Kreuz in seine Stirn brannte.
Doch seltsam war daran, dass er es augenscheinlich selbst getan hatte.
Denn das passende Metall dazu befand sich noch in seiner rechten Hand.
Seine linke Hand schien auf die Wand links von ihm zu zeigen und Frank schaute darauf und sah dort ein altes, eigentlich sehr langweilig ausschauendes Gemälde an der Wand.
Er ging auf diesen zu und zog es etwas von der Wand weg und sah einen Zettel dahinter.
Er nahm vorsichtig das Bild von der Wand und schaute sich diese DIN-A4 Seite genauer an.
Dort stand in Druckschrift: „Wir hatten alles, doch nichts war uns genug. Wir wollten mehr. Noch viel mehr! Nun ist die Zeit gekommen und so zahlen wir für unsere Gier. Für Jakob.“
Er konnte sich keinen Reim aus diesem Satz machen und bat seine Kollegen, die Seite ebenfalls im Labor genauer zu untersuchen.
Die Kleider des Mannes waren fein säuberlich zusammen gefaltet und neben den Sessel gelegt. Außer seine Stirn, in der das große Kreuz eingebrannt war, schien der Mann keinerlei Verletzungen zu haben.
Er schien weder geschlagen, noch sonst wie misshandelt worden zu sein. Und da das Kreuz auf seiner Stirn, so groß es auch war, nicht die eigentliche Todesursache sein konnte, musste die Obduktion Antworten liefern.
Frank war noch mehrere Stunden am Tatort und inspizierte alles.
Den ganzen Tag gab es Tumult auf der Wache.
Ständig riefen irgendwelche Journalisten an, wollten alles erfahren. Doch Frank hatte zu diesem Zeitpunkt selbst nichts, was er der Presse hätte mitteilen können.
Nur diese Seite, auf der dieser seltsame Satz geschrieben stand, beschäftigte ihn doch sehr.
Weshalb sollte jemand solch einen Satz hinter einem Gemälde verstecken, fragte er sich. Und wieso zeigte der Zeigefinger des Toten auf diese Wand, an der das Gemälde angebracht und hinter dem diese Seite verborgen war. Erst später erfuhr er, dass die Seite nicht aus dem Drucker stand, das sich wiederum im Arbeitszimmer des Getöteten befand.
Wieso aber versteckt man solch einen Satz, der eigentlich nichts besonderes aussagt, hinter einem Gemälde, fragte er sich.
Weshalb sollte der Killer diese Seite mitbringen und es hinter diesem Gemälde verstecken. Um dann auch noch auf dieses Versteck hinzuweisen.
Irgendetwas passte ganz und gar nicht in dieses Durcheinander.
