Fürsten-Roman 2749 - Marlene von Mainau - E-Book

Fürsten-Roman 2749 E-Book

Marlene von Mainau

0,0
1,99 €

-100%
Sammeln Sie Punkte in unserem Gutscheinprogramm und kaufen Sie E-Books und Hörbücher mit bis zu 100% Rabatt.

Mehr erfahren.
Beschreibung

Levian, Prinz von Schönau, hat genug vom Dating. Nach einem Reinfall nach dem anderen hat er die Suche nach der großen Liebe fast aufgegeben. Dabei wünscht sich der junge Adelige nichts sehnlicher, als endlich ein normales Leben zu führen - mit einer Frau an seiner Seite, die ihn nicht wegen seines Titels liebt, sondern wegen des Menschen, der er ist. Als sein bester Freund ihm eine neue Dating-App empfiehlt, schrillen bei Levian sofort die Alarmglocken. Denn ausgerechnet seine kleine Schwester Alexandra hat mit dieser App bittere Erfahrungen gemacht: Die vermeintlich große Liebe entpuppte sich als großer Betrug, und seitdem ist das Thema Online-Dating im Schloss streng tabu. Doch als der Druck von Familie und Presse wächst und die Einsamkeit ihn mehr denn je plagt, wagt Levian heimlich den Schritt - und trifft auf Katharina, eine warmherzige Cafébesitzerin mit einem geheimnisvollen Blick und einer bewegten Vergangenheit. Zwischen den beiden sprühen sofort die Funken, doch Katharina hütet ein Geheimnis, das alles verändern könnte - und Levians Leben gehörig durcheinanderwirbelt ...

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 146

Veröffentlichungsjahr: 2026

Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Inhalt

Cover

Inhalt

Ein Prinz im Dating-Dschungel

Leseprobe

Vorschau

Hat Ihnen diese Ausgabe gefallen?

Impressum

Cover

Inhaltsverzeichnis

Inhaltsbeginn

Impressum

Ein Prinz im Dating-Dschungel

Royal Romance mit Herzklopfen

Von Marlene von Mainau

Levian Prinz von Schönau hat genug vom Dating. Nach einem Reinfall nach dem anderen hat er die Suche nach der großen Liebe fast aufgegeben. Dabei wünscht sich der junge Adelige nichts sehnlicher, als endlich ein normales Leben zu führen – mit einer Frau an seiner Seite, die ihn nicht wegen seines Titels liebt, sondern wegen des Menschen, der er ist.

Als sein bester Freund ihm eine neue Dating-App empfiehlt, schrillen bei Levian sofort die Alarmglocken. Denn ausgerechnet seine Schwester Alexandra hat mit dieser App bittere Erfahrungen gemacht: Die vermeintlich große Liebe entpuppte sich als gemeiner Betrug, und seitdem ist das Thema Online-Dating im Schloss streng tabu.

Doch als der Druck von Familie und Presse wächst und die Einsamkeit ihn mehr denn je plagt, wagt Levian heimlich den Schritt – und trifft auf Katharina, eine warmherzige Cafébesitzerin mit einem geheimnisvollen Blick und einer bewegten Vergangenheit. Zwischen den beiden sprühen sofort die Funken, doch Katharina hütet ein Geheimnis, das alles verändern könnte – und Levians Leben gehörig durcheinanderwirbelt ...

»Sechs zu vier für mich!«, rief Levian Prinz von Schönau seinem Freund über das Netz zu und fing den zurückspringenden Ball elegant mit einer Hand auf. »Wir machen Schluss für heute.«

In der anderen hielt er schwenkend seinen Schläger, um das Gelenk zu lockern, das von der erbitterten Tennispartie noch ein wenig verspannt war.

Marcus schenkte ihm ein grimmiges Lächeln.

»Das sagst du nur, weil du führst.«

»Wir haben die Anzahl der Sätze vorher festgelegt, falls du dich erinnerst.«

Marcus war bloß ein schlechter Verlierer, musste sich mit seinem Schicksal jedoch abfinden, da Levian immer schon der bessere Tennisspieler gewesen war und niemanden freiwillig gewinnen ließ.

Marcus stand wenig später keuchend neben dem Prinzen an der Bank, das weiße Handtuch im Nacken, die Wasserflasche an seinen Lippen. Gierig trank er daraus. »Das tut gut!«

Levian wischte sich unterdessen das Gesicht trocken und tat es ihm gleich. Auch seine Zunge klebte am Gaumen.

Die Halle war zwar temperiert, doch trotzdem wurde es unter der Kuppel mehr als heiß, seit sie sich in den Sommermonaten befanden.

»Ich sage Johann, er soll die Klimaanlage stärker stellen. Dann könnten wir noch eine Partie spielen. Du hast Aufschlag«, schlug er entgegenkommend vor.

Marcus winkte ab und warf die geleerte Flasche zurück in seine Sporttasche.

»Nicht nötig, ich habe sowieso noch Termine. Man erwartet mich in der Bank.« Stirnrunzelnd wandte er sich an seinen Freund. »Hattest du nicht etwas von einem Date heute erzählt?«

Der Prinz winkte ab. »Das ist erst abends, also habe ich jede Menge Zeit.«

Marcus' helle Brauen wanderten aufwärts bis unter seinen fransigen Pony.

»Wie ich dich kenne, bereitest du dich stundenlang darauf vor. Wer ist denn die Glückliche? Kenne ich sie? Eine Dame aus euren hohen Kreisen?«

Levian boxte ihm gegen die breite Schulter und erntete ein freches Lachen.

Marcus wusste genau, wie sehr er es hasste, wenn sein Freund ihn auf seinen Adelstitel und das Vermögen beschränkte. Marcus tat mitunter, als wäre Levian ein abgehobener Snob oder Sohn des britischen Königs höchstpersönlich, dabei stammten seine Eltern von einer Ahnenreihe ab, die heutzutage kaum noch etwas zu sagen hatte und mehr auf Spendengalas und Dinnerpartys glänzte als in der Politik oder Wirtschaft.

Der Name Schönau war überall willkommen, manch einer riss sich sogar um ein Treffen mit dem Fürstenpaar, doch letztendlich waren sie eine ganz normale Familie – Titel, Schloss und Reichtum hin oder her.

»Spaß beiseite, Levi.« Marcus legte den massigen Arm um seine deutlich schmaleren Schultern und verließ mit dem Prinzen zusammen die Tennishalle auf dem Schlossgelände. »Wer ist es? Hast du sie schon einmal getroffen?«

Levian nickte vorsichtig. Er war sich nicht sicher, wie viel er seinem Freund verraten sollte. Nervös fuhr er sich durch das dichte Haar und setzte sich die Sonnenbrille auf, kaum dass sie draußen waren.

»Es ist Thabita. Ich habe dir schon von ihr erzählt.« Mehr musste er nicht sagen, schon begann Marcus mit dem Rätseln.

»Lass mal überlegen«, murmelte er, wobei seine Bassstimme noch tiefer wurde. »Thabita ... Thabita ...« Endlich löste er den Arm von Levians Schultern, der lautlos aufatmete. »Na klar, das ist die Kleine, die nicht von ihren Hunden wegkommt, richtig?«

Der Prinz rollte mit den Augen.

»Du meinst Saskia. Nein, danke, ich hatte nach der dritten Ladung Hundehaar im Mund genug. Außerdem war sie für mich Geschichte, als sie mir erzählt hat, dass sie mit ihren Tieren, vier an der Zahl, nicht nur ihr Bett, sondern auch ihr gesamtes Essen teilt.«

Marcus gluckste. »Hat sie nicht vor deinen Augen ihren Hund vom Eis schlecken lassen, ehe sie dann wieder selbst ...«

Levian hob schnell die Hand. »Danke. Das Bild hat sich bei mir eingebrannt, du musst es nicht extra erwähnen.«

Mittlerweile waren sie im Schlossgarten angekommen, der von den Bediensteten und Levians Mutter gehegt und gepflegt wurde. Insbesondere die blühenden Rosen waren ein absoluter Hingucker. Es war ein herrlicher Morgen, der Gutes versprach. Ob das auch für Levians Date galt, würde sich noch zeigen.

»Jetzt aber raus mit der Sprache. Wer ist Thabita?«, wollte Marcus wissen.

Nun musste Levian notgedrungen mehr erzählen.

»Sie ist die Tochter eines Kollegen meiner Eltern. Du weißt ja, dass sie in der Immobilienbranche tätig sind und eben auch Kontakte ins deutschsprachige Ausland pflegen.«

»Und Österreichs Adel hat eben nicht nur passende Geschäftspartner, sondern auch schöne Töchter zu bieten, was?« Marcus' Augenbrauen wanderten vielsagend auf und ab.

Levian schüttelte den Kopf.

»Erstens kommen die Bubenbergs aus der Schweiz, und zweitens geht es mir nicht darum, eine gute Partie zu machen. Ich suche wirklich nach meinem passenden Gegenstück. Mir ist ganz gleich, ob sie adelig ist oder nicht, solange die Chemie stimmt.«

Marcus wurde wieder ernst. »Du wirkst dennoch nicht überzeugt von dieser Thabita.«

»Wundert dich das nach all meinen Versuchen? Ich habe das Gefühl, dass ich mich entweder wie der erste Mensch anstelle, oder die Frauen wirklich nicht zu mir passen und ich immer die Falsche erwische. Bei Thabita hatte ich zumindest das Gefühl, dass ich mich mit ihr gut unterhalten kann. Sie ist wunderschön und ...« Levian wollte keine weitere positive Eigenschaft einfallen, weil er sie genau genommen gar nicht kannte. Aber das würde sich heute Abend ändern.

Marcus' Hand drückte aufmunternd seine Schulter.

»Kopf hoch, irgendwann kommt die Eine, ob es nun Thabita Bubenberg ist oder nicht. Ich kann es spüren.«

»Bist du jetzt auch noch unter die Hellseher gegangen?«, scherzte Levian und wand sich aus seinem Griff.

Er lächelte, aber dem Prinzen war nicht wohl dabei, über seine vielen verpfuschten Dates zu sprechen, auch mit dem besten Freund nicht. Er schämte sich sogar dafür, immer noch nach der passenden Frau zu suchen, während andere mit Mitte dreißig längst unter der Haube oder wenigstens verlobt waren.

Marcus' Blick aus seinen blauen Augen wurde verständnisvoll.

»Hey, ich habe doch auch keine Freundin, und ein Leben als Singlemann ist nicht das Schlechteste. Du hast alle Freiheiten dieser Welt, ohne dass dich jemand aufhält oder dir ein schlechtes Gewissen einredet, mit dir meckert oder seinen eigenen Kopf durchsetzen möchte. Lebe dein Leben einfach, und das andere wird sich ergeben.«

»Du hast es dir aber selbst ausgesucht, allein zu sein, während ich gern eine Familie mit meiner Traumfrau gründen würde.«

»Sei dir da mal nicht so sicher«, raunte der Hüne.

Levian bildete sich ein, dass sein Blick kurz zum ersten Stock huschte.

Der Prinz brachte seinen Freund zur Vorderseite des Anwesens. Dort stand sein Sportwagen gleich neben einem steinernen Brunnen, der zwei springende Fische und einen großen Schwan zeigte.

»Wie geht es ihr inzwischen?«

Der Prinz hielt inne. »Wen meinst du?«

»Alexandra.« Wieder glitt sein Blick nach oben. »Traut sie sich inzwischen aus ihrem Zimmer und unter Menschen?«

»Seit einem Jahr nicht. Sie lässt nur uns an sich heran, aber vor allem vor Männern hat sie Angst.« Der Prinz spürte, wie die Wut seinen Hals hinauf kroch. »Hätte sie uns früher eingeweiht und mir einen Namen genannt, hätte ich diesen Mann, der ihr das Herz gebrochen hat, längst ...«

Marcus hob besänftigend die Hände.

»Mach dich nicht unglücklich. Immer vorsichtig mit deinen Formulierungen.«

Er lächelte zwar, aber man sah auch ihm an, dass er sich Gedanken um Levians sechs Jahre jüngere Schwester machte.

Alexandra war Ende zwanzig und wieder so eingeschüchtert wie ein kleines, fremdelndes Kind.

Er atmete tief durch. »Schon gut, ich weiß. Als Adeliger, der in der Öffentlichkeit steht und online tausende Suchergebnisse vorzuweisen hat, sollte ich nicht solche Gedanken haben. Aber es macht mich fuchsteufelswild, dass irgendein Kerl aus dem Internet eine junge Frau brechen kann und damit davonkommt.«

»Mich auch, aber eines Tages wird Alexandra reden. Lasst ihr etwas Zeit. Ein Jahr ist eine kurze Zeitspanne für jemanden, der ein Trauma erlitten hat. Das kann dauern.« Marcus hatte wieder einmal recht. Er sah aus wie ein Schrank, war aber weise wie ein Mönch.

Levian wusste, wieso er Marcus als seinen besten Freund auserkoren hatte. Es hatte gleich zwischen ihnen gestimmt. Dass er sich um Alexandra sorgte, zeigte, wie groß sein Herz war und dass ihm etwas an der Familie Schönau lag.

»Danke«, sagte Levian.

Marcus lächelte. »Dafür bin ich da. Aber nun konzentrier dich lieber auf dein Date. Du solltest auch etwas mehr auf dich achten, statt es deiner Familie recht zu machen und dich um Alexandra zu sorgen. Sie ist in guten Händen, auch wenn du nicht da bist und dir endlich eine eigene Wohnung suchst.«

Levian zeigte ihm den Vogel und brachte seinen Freund nur noch mehr zum Lachen.

»Warum sollte ich ausziehen, wenn ich hier im Schlaraffenland lebe?«

Marcus zuckte mit den Schultern.

»Meintest du nicht mal, dass du unbedingt ein normales Leben führen möchtest? Es wäre möglich, wenn du dich etwas lösen würdest.« Er deutete mit einem breiten Armschwenk auf das mehrgeschossige Schloss mit den hohen Türmen und Mauern. »Normal ist das hier jedenfalls nicht.«

Ihre Schritte knirschten im Kies. Rings um die breite Auffahrt herum waren Rosenbüsche in den tollsten Farben gepflanzt, und eine steinerne Freitreppe führte zum Haupteingang hinauf.

Butler Johann stand in Frack und weißen Handschuhen an der Tür, als hätte er gewusst, dass sie kommen würden. Er war immer da, um eventuelle Wünsche aufzunehmen und auszuführen, doch im Augenblick schickte Levian ihn lieber weg. Er wollte nicht, dass Johann, selbst wenn er der Familie seit Jahrzehnten treu war, etwas von ihrem Gespräch belauschte.

Die meisten beneideten Levian um das Schloss mit seinem großen Garten und dem aufmerksamen Personal, aber das alles war nichtig, wenn er es nicht mit jemandem teilen konnte. Seine Eltern und seine Schwester reichten ihm nun einmal nicht. Levian suchte das große Glück, doch hier in der Abgeschiedenheit würde er es nicht finden.

Marcus warf seine Sporttasche in den Kofferraum und verabschiedete sich mit einer kurzen Umarmung.

»Mach's gut, Großer. Und lass von dir hören, sobald du wieder zu Hause bist. Ich will alles bis ins kleinste Detail wissen.«

»Du bist so neugierig wie ein Klatschweib.«

»Schlimmer.« Marcus lachte laut und setzte sich erstaunlich geschmeidig hinters Steuer.

Er trug noch immer seinen Sportdress und würde erst zu Hause duschen. Seit Alexandra aus Versehen dem splitterfasernackten Marcus im Bad ihres Bruders begegnet war, hielt er lieber davon Abstand, ihr noch einmal einen Schock zu versetzen. Sie hatte genug durchgemacht.

»Bis zur nächsten Partie. Kampflos lasse ich dich nicht gewinnen, mein Freund.«

Levian klopfte mit der flachen Hand einmal aufs Autodach.

»Das habe ich auch nicht erwartet.«

Marcus brauste über den breiten Kiesweg davon in Richtung Tor. Es war die meiste Zeit verschlossen, weil sie ständig einen Ansturm von Touristen oder der Presse erwarteten. Kein Wunder, das märchenhafte Schloss aus dem 16. Jahrhundert und dessen Bewohner lockten doch jede Menge Besucher an. Levian holte die kleine Fernbedienung aus seiner Tasche und öffnete seinem Freund damit das Schlosstor.

Kaum war Marcus fort, fiel seine gute Laune in sich zusammen und machte den üblichen Sorgen Platz. Levians Blick wanderte hinauf zum ersten Stock, wo der Balkon seiner Schwester lag, doch diesen hatte die einst fröhliche, lebensbejahende Frau seit einem Jahr nicht mehr betreten.

Ob ich deshalb kein Glück bei den Damen habe?, fragte er sich. Weil meine Gedanken ständig bei einer anderen sind?

»Ein Cappuccino, ein Latte Macchiato und zweimal das kalifornische Frühstück mit extra Butter und Croissant. Noch frisch gepressten Orangensaft dazu?«, fragte Katharina Drechsler ihre Kunden, die direkt am Tresen bestellten, ehe sie sich einen Platz in dem kleinen Café am Marktplatz suchen würden.

Das Ehepaar wechselte einen kurzen Blick und nickte dann lächelnd. »Ja, sehr gern.«

Katharina schenkte dem Ehepaar ein herzliches Lächeln.

»Wunderbar. Wir bringen Ihnen alles an Ihren Tisch. Falls Sie noch Wünsche haben, können Sie uns jederzeit Bescheid geben. Mein Kollege Silvio kommt regelmäßig vorbei und sieht nach dem Rechten.«

Sie deutete auf den Mitarbeiter, der bereits jetzt durch das Café eilte und Bestellungen servierte.

Dank seines schlanken Körpers war Silvio ideal für diese Arbeit. Geschmeidig drehte und wendete er sich, passierte jede Kurve mühelos und reckte den Hals, ohne sich zu verrenken.

Elegant kam er neben Katharina zum Stehen. »Wird heute noch voll. Ich hab's dir gesagt.« Er lächelte breit.

»Ohne dich wäre ich hier aufgeschmissen. Du hattest absolut recht, dass wir auch am Montag öffnen sollten. Ich hätte es nicht für möglich gehalten, dass so viele am Anfang der Woche frühstücken wollen.«

Er tippte ihr an die Nasenspitze.

»Eben weil die anderen schon am Wochenende hier waren. Die Gäste erhoffen sich jetzt, dass niemand herkommt und sie das Café für sich haben. Pustekuchen! Aber wenn sie schon einmal da sind, können sie auch gleich frühstücken.«

Er rieb sich die Hände, als hätte er diese Leute persönlich hereingetragen.

Katharina musste lachen. »Stimmt. Ich sollte häufiger auf meinen besten Freund hören.«

Silvios Augen begannen zu leuchten. »Du weißt, dass du weiter bei mir wohnen darfst, wenn du magst.«

Sie runzelte die Stirn und ging nach hinten, um das Frühstück für die neuen Gäste vorzubereiten.

»Was meinst du? Wieso fängst du ausgerechnet jetzt damit an?«

Er fuhr sich durch die braune Lockenpracht.

»Na ja, dein Laptop stand offen auf dem Bett herum. Ich wollte eigentlich nicht draufschauen, aber du weißt, wie es mit Bildschirmen ist.«

Katharina stemmte die Fäuste in die Seiten und funkelte ihren Freund an.

»Du hast was?!«

Er zuckte verlegen mit den Schultern.

»Die Wohnungsannoncen waren nicht zu übersehen«, verteidigte er sich. »Es tut mir leid.« Silvio sah sie traurig an. »Willst du wirklich weg? Aber du hast dich doch gerade erst eingelebt. Lass dir Zeit, Liebes.«

Er kam näher und streichelte liebevoll über ihre Wange.

Katharina seufzte. »Ich muss weiterziehen und mir wieder mein eigenes Reich schaffen, so schön es bei dir auch ist. Aber wenn ich nicht gehe, bekomme ich mein Leben wahrscheinlich niemals auf die Reihe.«

Sie lächelte traurig und hatte sofort das Bild ihres verstorbenen Mannes vor Augen.

Silvio schien es ähnlich zu gehen.

»Matteo weilt gerade einmal zwei Jahre nicht mehr unter uns. Bist du dir sicher?«

Entschlossen nickte Katharina, während sie frische Brötchen in einen Korb legte und mit dem Beilagensalat weitermachte.

»Ganz sicher.« Sie deutete hinaus zum Tresen. »Kümmerst du dich um die Kasse und die Getränke? Einen Cappuccino, einen Latte Macchiato und zweimal frisch gepressten Orangensaft für das Ehepaar an Tisch sieben.«

Sie war froh, ablenken zu können, doch Silvio kannte seine Freundin gut genug, um sie zu durchschauen.

»Du hast bei mir immer einen Platz.«

Katharina sah ihn gerührt an.

»Für den ich dir auf ewig dankbar sein werde. Ohne dich hätte ich mich wohl selbst verloren oder mir etwas angetan, aber ich bin inzwischen stark genug, das Leben wieder zu meistern.« Sie deutete um sich. »Sieh dir an, was ich für uns aufgebaut habe.«

»Das Café war Matteos und dein Traum. Ihr wolltet es als Paar fertigstellen«, erinnerte er sie leise.

Katharina sog scharf die Luft ein. Natürlich war es einmal so gewesen, aber nun schwebte höchstens Matteos Geist im Café herum. Er hatte das fertige Geschäft nie sehen können, doch Katharina hätte alles dafür getan, dass es ein Erfolg wird.

Sie hatte aus diesem Grund ihre Trauerbewältigung lange Zeit weggeschoben und sich in die Renovierung gestürzt. Danach war eine einjährige Phase der absoluten Elegie gefolgt, weil ihr Liebster das schöne Ergebnis nicht mehr sehen konnte, doch inzwischen ging es ihr endlich besser. Katharina hatte zum ersten Mal Freude an ihrem Café und liebte es, morgens zur Arbeit zu fahren.

»Die Lösung bezüglich meiner Unterkunft sollte aber nicht dauerhaft sein«, erinnerte sie, »falls du das vergessen hast. Wir hatten verabredet, dass ich ausziehe, sobald es mir mental und körperlich besser geht, und das tut es.«

Sie schluckte einen großen Kloß herunter, der sich wie ein harter Pfropfen in ihrem schlanken Hals festgesetzt hatte.

Die aufgesetzte Fröhlichkeit war Katharina selbst zuwider, aber ihr Therapeut hatte geraten, positiv in die Zukunft zu blicken und auch in den kleinsten Dingen etwas Schönes zu sehen. Auf diese Weise könnte sie ihr Gehirn austricksen und auf Dauer wieder glücklicher sein. Ob es funktionierte, würde sie sehen.

Aber was ist mit meinem gebrochenen Herzen? Kann ich das auch täuschen? Sie bezweifelte es, wollte vor Silvio aber die Entspannte spielen. Er hatte sich lang genug um sie gekümmert.

Über Matteo hatte sie in der Therapie genug gesprochen. Seinen plötzlichen Tod vor zwei Jahren hatte sie aufgearbeitet – so gut es eben ging. Sie konnte inzwischen darüber reden, ohne sofort in Tränen auszubrechen. Zumindest nicht, wenn jemand zusah.