Der Schritt - Gloria von Felseneck - E-Book

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Gloria von Felseneck

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Beschreibung

In der völlig neuen Romanreihe "Fürstenkinder" kommt wirklich jeder auf seine Kosten, sowohl die Leserin der Adelsgeschichten als auch jene, die eigentlich die herzerwärmenden Mami-Storys bevorzugt. Ihre Lebensschicksale gehen zu Herzen, ihre erstaunliche Jugend, ihre erste Liebe – ein Leben in Reichtum, in Saus und Braus, aber oft auch in großer, verletzender Einsamkeit. Große Gefühle, zauberhafte Prinzessinnen, edle Prinzen begeistern die Leserinnen dieser einzigartigen Romane und ziehen sie in ihren Bann. Schon seit einer geschlagenen Stunde warteten die zahlreichen Fotoreporter auf das Erscheinen der fürstlichen Familie von Keuthen. Sie lungerten neben der Freitreppe des ehrwürdigen Jagdschlößchens herum, das aus hellem Sandstein erbaut war und eine bezaubernde Barockfassade hatte. Jetzt öffneten zwei livrierte Diener das reichgeschnitzte Hauptportal, über dem das Emblem der Fürsten Keuthen in Sandstein gehauen war, und das einen Adler mit ausgebreiteten Schwingen zeigte. Wie Wachtposten flankierten die Diener das Portal, und jetzt erschien das Fürstenpaar, gefolgt von seinen Töchtern, den Prinzessinnen Silvina und Josefine. Jetzt waren die Reporter nicht mehr zu halten. Die dreistesten stürmten die Freitreppe hoch und entfachten ein wahres Feuerwerk von Blitzlichtern. Die Kameras richteten sich hauptsächlich auf Silvina, die als die schönste Prinzessin Europas verehrt wurde. Lächelnd und selbstsicher blickte Silvina in die Kameras. Ihre großen tiefblauen Augen strahlten. Das silber­blonde Haar war zu einer attraktiven Abendfrisur hochgekämmt, ein kostbarer Rahmen für ihre ebenmäßigen Züge. Ihr Abendkleid war ein Traum aus champagnerfarbenem Organza, auf dem handgestickte Margeriten blühten. Eine Schärpe aus gelbem Samt betonte ihre schmale Taille und war mit einer großen künstlichen Margerite verziert. Silvina wurde pausenlos fotografiert und mit Fragen bestürmt. »Was ist der Anlaß zu diesem Fest, Durchlaucht? Werden Sie sich mit Ihrem Jugendfreund Graf Lodz verloben?« »Kein Kommentar!« entgegnete Silvina lächelnd. »Warten Sie es ab, meine Herren!« Schon fuhren die Wagen der Gäste vor. Die Diener drängten die Reporter zur Seite, die ihre Kameras jetzt auf die Gäste richteten, denn zum Frühlingsfest der Keuthens kamen hauptsächlich prominente Gäste, die herzlich von der Fürstenfamilie begrüßt und in der prachtvollen Halle von Lohnkellnern mit Champagnercocktails bewirtet wurden.

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Fürstenkinder – 278 –

Der Schritt

Gloria von Felseneck

Schon seit einer geschlagenen Stunde warteten die zahlreichen Fotoreporter auf das Erscheinen der fürstlichen Familie von Keuthen. Sie lungerten neben der Freitreppe des ehrwürdigen Jagdschlößchens herum, das aus hellem Sandstein erbaut war und eine bezaubernde Barockfassade hatte.

Jetzt öffneten zwei livrierte Diener das reichgeschnitzte Hauptportal, über dem das Emblem der Fürsten Keuthen in Sandstein gehauen war, und das einen Adler mit ausgebreiteten Schwingen zeigte.

Wie Wachtposten flankierten die Diener das Portal, und jetzt erschien das Fürstenpaar, gefolgt von seinen Töchtern, den Prinzessinnen Silvina und Josefine.

Jetzt waren die Reporter nicht mehr zu halten. Die dreistesten stürmten die Freitreppe hoch und entfachten ein wahres Feuerwerk von Blitzlichtern. Die Kameras richteten sich hauptsächlich auf Silvina, die als die schönste Prinzessin Europas verehrt wurde. Lächelnd und selbstsicher blickte Silvina in die Kameras. Ihre großen tiefblauen Augen strahlten. Das silber­blonde Haar war zu einer attraktiven Abendfrisur hochgekämmt, ein kostbarer Rahmen für ihre ebenmäßigen Züge.

Ihr Abendkleid war ein Traum aus champagnerfarbenem Organza, auf dem handgestickte Margeriten blühten. Eine Schärpe aus gelbem Samt betonte ihre schmale Taille und war mit einer großen künstlichen Margerite verziert.

Silvina wurde pausenlos fotografiert und mit Fragen bestürmt. »Was ist der Anlaß zu diesem Fest, Durchlaucht? Werden Sie sich mit Ihrem Jugendfreund Graf Lodz verloben?«

»Kein Kommentar!« entgegnete Silvina lächelnd. »Warten Sie es ab, meine Herren!«

Schon fuhren die Wagen der Gäste vor. Die Diener drängten die Reporter zur Seite, die ihre Kameras jetzt auf die Gäste richteten, denn zum Frühlingsfest der Keuthens kamen hauptsächlich prominente Gäste, die herzlich von der Fürstenfamilie begrüßt und in der prachtvollen Halle von Lohnkellnern mit Champagnercocktails bewirtet wurden.

Wie ein strahlender Stern zog Silvina wie immer die allgemeine Aufmerksamkeit auf sich. Kaum jemand schenkte der achtzehnjährigen Prinzessin Josefine Beachtung, die mit dunkelblonden Haaren und den ausdrucksvollen braunen Augen ihrem Vater ähnlich sah. Ihr mimosengelbes schmalgeschnittenes Kleid betonte ihren schönen schlanken Wuchs. Josy war es gewohnt, im Schatten ihrer schönen, drei Jahre älteren Schwester zu stehen. Im Grunde war sie heilfroh, von den Reportern in Ruhe gelassen zu werden, die sie insgeheim als regelrechte Landplage betrachtete.

Die Flügeltüren zum Saal waren weit geöffnet. Man konnte das ausgezeichnet, von Funk und Fernsehen bekannte, Showorchester muntere Operettenweisen spielen hören.

Josy hatte jetzt Graf Michael von Lodz entdeckt. Ihr Herz klopfte stürmisch. Wie attraktiv Michael in seinem eleganten Abendanzug aussah. Doch der Blick seiner schönen graublauen Augen suchte nur Silvina, die lächelnd auf ihn zuschwebte und ihm die Wange zum Kuß bot.

Inzwischen hatte sich die Halle mit Gästen gefüllt, als ein Raunen durch die Menge ging. Die Kameras der Fotoreporter richteten sich auf den berühmten amerikanischen Filmschauspieler Roy Addams, der zur Zeit in München filmte und von Regisseur Baader begleitet wurde, der ein guter Bekannter des Fürsten Arnulf von Keuthen war.

»Wie freue ich mich, Sie persönlich kennenzulernen!« Silvina reichte ihm strahlend die Hand. »Ich versäume keinen Ihrer Filme!«

»Charmant!« Roy neigte sich über ihre Hand. »Genau wie Sie habe ich mir eine Prinzessin immer vorgestellt, Durchlaucht!«

Obwohl Addams bereits weit über vierzig Jahre alt war, sah er fabelhaft aus. Seiner kräftigen, muskulösen Figur sah man das Bodybuilding-Training an. Seine hellen verwegenen Augen bildeten einen faszinierten Kontrast zu den schwarzen Haaren, die dank der Hilfe seines Friseurs noch keine einzige graue Strähne zeigten.

Angeführt von dem Fürstenpaar strömten die Gäste in den Saal. Die Band begann den Frühlingsstimmenwalzer zu spielen, und die Fürstin, in lavendelblauem Chiffon, eröffnete mit ihrem Gatten den Tanz.

Zu seinem Ärger mußte Graf Lodz sehen, wie seine vergötterte Silvina bereits in den Armen Roys davonschwebte. Es blieb ihm nichts anderes übrig, als Josy um den Tanz zu bitten, die gerade neben ihm stand. Er verstand sich gut mit Silvinas »kleiner« Schwester, die man äußerlich kaum als klein bezeichnen konnte, denn Josy maß inzwischen stolze ein Meter sechs­undsiebzig und überragte Silvina um fast sechs Zentimeter.

Unter dem gleißenden Licht der Kandelaber drehten sich die festlich gekleideten Paare, deren Bild sich in den hohen Wandspiegeln verdoppelte. Kostbares französisches Parfüm vereinigte sich mit dem Duft der Blumen zu einem erregenden Fluidum, und der Lichterglanz der Kandelaber brachte den kostbaren Schmuck der Damen zum Funkeln.

»Was treibst du denn so?« fragte Michael sie mit kränkender Gleichgültigkeit, während sein Blick beständig Silvina suchte.

»Ich studiere Design.« Josy lächelte ihn an. »Vielleicht werden wir später einmal in Papas Geschenkartikelfabrik zusammenarbeiten.«

»Tüchtige junge Leute mit neuen Ideen sind mir immer willkommen«, entgegnete Michael mit einem leisen Anflug von Arroganz.

Er hielt Josys Begeisterung fürs Design für eine Laune. Als Tochter des wohlhabenden Fürsten Keuthen würde sie es nie nötig haben, sich ihre Brötchen selbst zu verdienen. Er konnte ihr Interesse beim besten Willen nicht ernst nehmen.

Nachdem die drei Tänze vorbei waren, führte er Josy auf ihren Platz zurück und hielt Ausschau nach Silvina. Doch sie steuerte an Roy Addams Arm auf die Sektbar zu. Verärgert blickte er den beiden nach. Seiner Meinung nach schenkte Silvina dem alternden Filmschauspieler zuviel Beachtung. Sie hatte es doch wirklich nicht nötig, sich im Glanz eines anderen zu sonnen. Stand sie nicht immer im Mittelpunkt, wohin sie auch kam?

Prinzessin Silvina fühlte sich wie verzaubert. Wie gebannt hing sie an den Lippen des faszinierenden Mannes, dessen männliche Ausstrahlung ihr Herz rascher klopfen ließ. Schon seit Jahren rankten sich all ihre heimlichen Mädchenträume um Roy Addams. War es nicht unfaßbar, daß er jetzt neben ihr stand, so nah, daß sie ihn berühren konnte?

Ihre Sektkelche klangen aneinander. Sie tranken Blick in Blick, und das Funkeln in seinen Augen machte sie ganz benommen.

»Ich habe schon viel von Ihnen gehört, Prinzessin Silvina«, sagte er mit seiner geschulten, wohlklingenden Schauspielerstimme. »Ich habe auch Fotos von Ihnen gesehen, doch kein Foto wird Ihrer Schönheit gerecht.«

»Nennen Sie mich doch Silvina«, bat sie atemlos.

»Nur, wenn Sie mich Roy nennen.« Durch Lautsprecher wurde die Musik aus dem Saal übertragen. Sie waren allein in der kleinen Kellerbar, die in altdeutschem Stil rustikal eingerichtet war. Nur der Barmixer stand hinter der Theke und polierte Gläser, während er diskret an den Gästen vorbeischaute. Über der Holzvertäfelung waren Gemälde angebracht, die farbenfrohe Jagdszenen zeigten. Punktstrahler richteten sich auf die Theke. Der übrige Teil der Bar lag in schummrigem Licht.

»Tanzen wir?« Er streckte die Arme nach ihr aus, und sie glitt hinein. Sehr eng tanzten sie zu den weichen, zärtlichen Klängen eines langsamen Walzers.

Silvina hatte das Gefühl zu schweben. Ihr schöngeschwungener Mund zeigte ein entrücktes Lächeln, und dieses Lächeln rührte den verwöhnten Frauenliebling tief an. Für ihn verkörperte Silvina hinreißende Jugend. Mußten nicht alle schönen Frauen, die er kannte, neben ihr verblassen? Sie schien ihm wie ein kostbarer Edelstein, und er sehnte sich danach, dieses Kleinod zu besitzen.

»Schon seit einer Stunde ist Silvina mit diesem Playboy verschwunden«, beklagte sich Michael bei Josy, als er lustlos mit ihr einen Rumba tanzte. »Was denkt sie sich dabei? Hat sie vergessen daß wir uns um Mitternacht verloben wollen? Alle Gäste rechnen mit unserer Verlobung. Josy, ich habe bereits das ungute Gefühl, daß man mich mit spöttischen Blicken betrachtet. Bestimmt wissen alle, daß Silvina mit diesem Schauspieler zusammen ist und bemitleiden mich.«

»Das bildest du dir nur ein.« Josy war nahe daran, die Geduld zu verlieren. Sie nahm es Michael übel, daß er nur von Silvina sprach. Zählte sie in seinen Augen denn überhaupt nicht? Auch wenn sie nicht Silvinas blendende Schönheit besaß, konnte man sie doch nicht als häßliches Entlein bezeichnen. Warum, zum Teufel, merkte Michael nicht endlich, daß sie auch noch da war?

Michael liebt eben Silvina und nicht mich, dachte sie niedergeschlagen. In seinen Augen bin ich wohl immer noch ein Kind. Wenn er wüßte, was ich für ihn empfinde, würde er mich höchstens auslachen.

Sie suchten wieder ihre Plätze auf, denn jetzt gab das Wiener Opernballett eine Einlage. In feenhaften weißen Gewändern tanzten die Balletteusen den Kaiserwalzer, der rauschenden Beifall bekam.

Prinzessin Silvina interessierte sich heute herzlich wenig für das großartige Rahmenprogramm. Namhafte Künstler, aus Funk und Fernsehen bekannt, hatten ihren Auftritt. Eine große Tombola wurde zu Gunsten einer wohltätigen Vereinigung, in deren Vorstand die Fürstin war, veranstaltet.

Niemand bemerkte, wie die Prinzessin am Arm Roys den Saal verließ, dessen Flügeltüren weit geöffnet waren, um Frühlingsluft hereinzulassen. Mondlicht glitzerte über dem in italienischem Muster angelegten Park. Es gab plätschernde Springbrunnen und verschwiegene Laubengänge, aus denen immer wieder unvermittelt eine angestrahlte Marmorstatue heraustrat. Die Luft trug den süßen Duft blühender Frühlingsblumen, und selbst in der Tiefe des Parks hörte man noch die verwehten Klänge der Tanzmusik.

Roy Addams zog die Prinzessin auf eine steinerne Bank, die schützend von einer Taxushecke halb umschlossen wurde.

Silvina erschauerte vor Entzücken, als er sie an sich zog und mit heißen Lippen ihre Wange streifte.

»So weiche Haut«, murmelte er benommen. »Silvina, weißt du überhaupt, wie bezaubernd du bist? Nur ein Dichter könnte deinen Liebreiz mit Worten beschreiben. Verzeih, aber ich bin außer mir. Ich fühle mich wie ein Schwimmer, der in einen Strudel geraten ist und nicht mehr herausfindet.«

»Laß uns zusammen untergehen«, flüsterte sie und hob ihm das Gesicht entgegen.

Einen Moment verharrten sie so, regungslos, bis die Spannung in ihnen unerträglich wurde und sich ihre Lippenpaare vereinten.

Sie küßten sich mit verzehrender Leidenschaft, mitgerissen von dem Frühlingstraum ringsum, als plötzlich grelles Licht sie blendete.

Ein findiger Fotoreporter war ihnen nachgeschlichen und schoß jetzt skrupellos seine Aufnahmen. Als Roy wütend aufsprang und auf ihn losgehen wollte, verschwand er wie ein Schatten im Dunkeln.

»Man hat einfach keine Sekunde Ruhe vor diesen Quälgeistern«, stöhnte Silvina. »Es wird einen Eklat geben, wenn das Foto morgen in den Zeitungen erscheint. Was werden nur meine Eltern sagen? Ich bin kompromittiert. Dabei wollte ich mich doch um Mitternacht mit Michael verloben!«

»Wer ist Michael?« fragte er mit so erkennbarer Eifersucht, daß Silvina Triumph verspürte.

»Michael ist mein Jugendfreund.« Sie streichelte ihm die Wange. »Du schlimmer Mann hast ihn mich ganz vergessen lassen.«

»Bin ich wirklich so schlimm?« Er haschte nach ihrer Hand und bedeckte sie mit Küssen. »Ich werde es nicht zulassen, daß du dich mit einem anderen verlobst«, murmelte er. »Das kannst du mir nicht antun. Ich liebe dich, Silvina! Ich bin verrückt nach dir! Am liebsten würde ich dich niemals wieder loslassen.«

»Du warst schon immer der Mann meiner Träume!« Sie sank ihm erneut willenlos in die Arme und erwiderte aufgewühlt seine Küsse. Noch niemals vorher hatte sie bei einem Mann dieses leidenschaftliche Verlangen gespürt wie in diesen glücklichen Augenblicken. Wenn sie doch niemals enden würden.

»Roy, wir müssen zurück«, flüsterte sie seufzend. »Man wird uns schon vermissen. Sicher haben meine Eltern längst gemerkt, daß ich mit dir verschwunden bin. Sie werden mir die Hölle heiß machen. Die Etikette ist ihnen wichtig.«

Roy warf einen Blick auf das Leuchtzifferblatt seiner Digitaluhr. Bis Mitternacht war noch eine halbe Stunde Zeit. »Du wirst dich um Mitternacht verloben, Prinzessin! Aber mit mir. Ich werde mit deinem Vater sprechen.«

»Meinst du das ernst?« Sie umarmte ihn stürmisch und küßte ihn auf den Mund. »Ich liebe dich, Roy! Ich wünsche mir nichts anderes, als immer mit dir zu leben.«

»Du bist entzückend«, raunte er verliebt. »Glaube ja nicht, daß ich dich jemals wieder freigeben werde. Ich nehme dich mit nach Hollywood, sobald der Film hier im Kasten ist.« Lachend drückte er sie an sich. Roy fühlte sich jung und verliebt wie ein Jüngling, der seine erste Liebe erlebt. Er nahm zärtlich ihre Hand. »Gehen wir und bescheren wir den neugierigen Reportern ihre Sensation. Morgen soll es in allen Zeitungen stehen, daß Roy Addams sich mit der bezauberndsten Prinzessin Europas verlobt hat.«

*

Fürstin Franziskas scharfe Augen entging nicht, wie ihre älteste Tochter mit dem Filmschauspieler wieder in den Saal schlich und sich die beiden in die Walzertanzenden einreihten. Die Art, in der Silvina tanzte, den Kopf zurückgelegt und Blick in Blick mit dem Star, sagte ihr alles. Ihr verstörter Blick flog zu Michael, der nur wenige Schritte von ihnen entfernt neben Josy saß und auf sie einsprach. Michael tat ihr leid. Er hatte es nicht verdient, daß Silvina ihn so links liegen ließ.

Wie konnte sich Sivina so gehenlassen? Hatte der Star ihr den Verstand verwirrt? Am liebsten hätte die Fürstin sie zur Seite genommen und ordentlich die Leviten gelesen. Aber das war unmöglich. Sie hatten Gäste. Es würde besser sein, sich nichts anmerken zu lassen. Vielleicht hatte der kleine Flirt auch weiter nichts zu bedeuten.

Der Walzer endete, und sie bemerkte, wie Silvina am Arm des Stars zu ihrem Tisch kam. So strahlend hatte die Fürstin ihre Tochter noch nie gesehen.

Silvina ging direkt auf den Fürsten zu. »Es ist gleich Mitternacht, Papa«, sagte sie lächelnd. »Ich bitte dich, meine Verlobung mit Roy Addams bekanntzugeben.«

»Soll das ein Scherz sein?« rief Fürst Keuthen entgeistert.

»Es ist uns ernst, wir lieben uns!« Roy verneigte sich leicht vor dem Fürsten. »Durchlaucht, ich bitte um die Hand Ihrer Tochter!«

»Das ist doch… Ich weiß wirklich nicht, was ich dazu sagen soll!« Fürst Arnulf warf einen hilfesuchenden Blick auf seine Gattin, die nüchtern bemerkte:

»Kommt das nicht ein wenig rasch, Silvina? Hast du Michael vergessen?«

»Mama, versteh doch, wir lieben uns! Ich kann Michael nicht lieben, wie ich Roy liebe«, beteuerte die Prinzessin leidenschaftlich. »Ich will mich nur mit Roy verloben.«

»Darf man wissen, was hier gespielt wird?« Michael war aufgestanden und zu ihnen getreten. In seinen Augen flackerte Unruhe. »Silvina, ich wünsche auf der Stelle eine Erklärung für dein unglaubliches Verhalten. Den ganzen Abend über bist du mir aus dem Weg gegangen. Willst du mich zum Gespött der Leute machen?«

»Nein, Micha, ich möchte dich gewiß nicht kränken. Aber ich habe mich in Roy verliebt.« Sie blickte ihn abbittend an. »Verzeih mir, aber aus unserer Verlobung kann nichts werden. Ich werde mich gleich mit Roy verloben!«

»Silvina, das darfst du nicht!« sagte er erstickt. »Es ist… Du kannst doch nicht so einfach…«

»Ich liebe Roy!« Sie blickte ihn fest an. »Wie Liebe sein kann, weiß ich erst, seit ich ihn kenne.«

Wie betäubt taumelte Graf Michael zu seinem Platz zurück. In seinem Kopf drehte sich alles. Es kann nicht wahr sein, dachte er unablässig. Es ist nur ein Alptraum, aus dem ich gleich erwachen werde. Es darf nicht wahr sein, daß meine Silvina sich in einen anderen verliebt hat, praktisch Hals über Kopf.

»Micha, nimm es nicht so schwer!« Josy hatte alles mitbekommen. Er tat ihr entsetzlich leid. Tröstend legte sie ihm die Hand in den Nacken. »Sicher ist es nur ein Strohfeuer, das vorübergeht. Silvina ist wie geblendet von dem Star. Weißt du, daß sie schon immer für ihn geschwärmt hat? Sie hat ein ganzes Album mit Fotos von Roy Addams. Ihn plötzlich persönlich zu sehen, hat ihr den Verstand verwirrt.«

»Wenn sie mir das antun kann, hat sie mich nie geliebt«, sagte er dumpf. »Und ich? Vergöttert habe ich sie, angebetet. Wie kann ein einziger Tag für sie genügen, all das zu vergessen?«

Aus den Augenwinkeln sah Josy, daß Silvina am Arm des Stars in Richtung Bühne ging. Die beiden schienen es tatsächlich ernst zu meinen.

»Alle Gäste erwarten, daß Silvina sich heute nacht mit mir verlobt.« Michael stöhnte. »Ich ertrage es nicht. Sie macht mich zum Gespött der Leute. Wie werden sie heimlich über mich lachen.«

»Du solltest dich um das Gerede der Leute nicht kümmern.«

»Wie kannst du das sagen, Josy? Kannst du denn nicht nachfühlen, daß ich bis auf die Knochen blamiert bin? Stand nicht bereits in sämtlichen Boulevardzeitungen die Andeutung über unsere geplante Verlobung?«

»Papier ist geduldig, Micha. Es wird bald Gras über die Sache gewachsen sein.«

»Josy!« Er griff nach ihrer Hand und drückte sie so schmerzhaft, daß sie fast aufgeschrien hätte. »Du mußt mir aus der Klemme helfen. Sind wir nicht Freunde?«

»Wie kann ich dir helfen? Ich kann meine Schwester ja nicht mit Gewalt von diesem Filmfritzen losreißen. So sanft Silvina auch scheinen mag. Wenn sie sich etwas in den Kopf gesetzt hat, kann keine Macht der Welt sie wieder davon abbringen. Und ich fürchte, heute hat sie sich nun mal Roy Addams in den Kopf gesetzt.«

»Josy, wer hat dir das Tennisspielen beigebracht und dein Fahrrad geflickt, wenn der Reifen platt war?« erinnerte er sie.

»Du, Michael!« Sie lachte erstaunt. »Was soll das jetzt?«

»Heute ist die Gelegenheit für dich gekommen, dich für all meine Wohltaten zu revanchieren, Josy! Verlob dich mit mir!«

»Ich soll…« Sie starrte ihn sprachlos an. »Bist du verrückt geworden?«

»Josy!« drängte er. »Du bist die einzige, die meinen verletzten Stolz retten kann. Wir haben nur noch wenige Minuten Zeit. Gleich wird der Zeremonienmeister Silvinas Verlobung bekanntgeben. Sieh doch nur, wie die Fotoreporter sich bereits am Halleneingang drängen. Sie wittern eine Sensation. Wenn wir gleich nach Silvina und Addams unsere Verlobung bekanntgeben, wird die Sensation perfekt sein. Die Prinzessinnen Keuthen verloben sich an einem Tag. Und niemand wird es wagen, mich zu bedauern oder über mich zu lachen.«

Wie hätte Josy dem Blick seiner flehenden Augen widerstehen können? Sie reichte ihm schicksalsergeben die Hand.

»Bringen wir es hinter uns.«

Die Band begann bereits einen Tusch zu spielen, als sie an Michaels Arm auf die Bühne schritt. Schon stürmten die Fotoreporter durch den Saal, als auch schon der Zeremonienmeister die Verlobung Prinzessin Silvinas mit Roy Addams bekanntgab.

Gleich darauf gab er das zweite Verlobungspaar des Abends bekannt.

Josy hörte, wie er ihren Namen rief und lächelte krampfhaft in das Feuerwerk der Blitzlichter, während sie fest Michaels Arm umklammerte.

Anscheinend schien niemand zu vermuten, daß ihre Verlobung weiter nichts war als eine Farce.

Ich tue es nur für Michael, dachte Prinzessin Josy. Für ihn würde ich alles tun. Aber wahrscheinlich wird er das nie erfahren.

*