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Joe Kane kennt nur den Namen des Saloons, in dem sich die Banditen nach dem Überfall auf die Bank von Goldwater treffen wollen - und dort wartet ein tödliches Geheimnis auf ihn ...
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Seitenzahl: 153
Veröffentlichungsjahr: 2018
Cover
Impressum
Riverbee Saloon
Vorschau
BASTEI ENTERTAINMENT
Vollständige eBook-Ausgabe der beim Bastei Verlag erschienenen Romanheftausgabe
Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG
© 2018 by Bastei Lübbe AG, Köln
Programmleiterin Romanhefte: Ute Müller
Verantwortlich für den Inhalt
Titelbild: Salvador Faba/Norma
eBook-Produktion: César Satz & Grafik GmbH, Köln
ISBN 978-3-7325-6598-6
www.bastei-entertainment.de
www.lesejury.de
www.bastei.de
Riverbee Saloon
Auch an diesem Nachmittag sitzt Brian Donley auf der Hotelveranda. Sein Kopf befindet sich im Schatten, doch sein Körper und besonders seine ziemlich krummen Reiterbeine werden von der Sonne bestrahlt – und das tut ihm gut. Die Sonnenwärme dringt durch seine Kleidung und lässt ihn das Rheuma besser ertragen.
Brian Donley ist ein alter Jagdfalke, grau und zäh, mit vielen scharfen Linien im dunklen Gesicht. Und seit fast dreißig Jahren trägt er einen Stern. Irgendwo in einer wilden Stadt trug er immer einen Stern, und immer blieb er Sieger und am Leben. Brian Donley ist der Held vieler Legenden, und obwohl seine beste Zeit lange zurückliegt, hat man ihn noch nicht vergessen. Das alles wird ihm jetzt wieder einmal bewusst.
Wenn nur dieses Rheuma nicht wäre, denkt er bitter. Ich glaube nicht, dass man mir den Stern noch einmal geben wird, wenn man erst herausfindet, wie sehr mir das Rheuma zusetzt. Was würde ich zum Beispiel tun können, wenn jetzt eine Banditenbande in die Stadt käme, um die Bank zu berauben? Ja, was könnte ich da noch tun?
Er seufzt schwer. Dann holt er einen Zigarrenstummel hervor und setzt ihn umständlich in Brand. Ich habe selten eine ganze Zigarre geraucht, denkt er. Ich habe mein ganzes Leben lang für meine alten Tage gespart. Einige Jahre werde ich von meinen Ersparnissen leben können. Doch wenn ich älter als fünfundsechzig werden sollte – nun, so wird mein Geld aufgebraucht sein. Was dann?
Als er sich diese Frage stellt, denkt er an Joe Kane, den Jungen, den er einmal aufgriff und einige Jahre bei sich behielt wie einen Sohn. Dann kam der Krieg. Auch Joe Kane wurde Soldat – sogar ein Held, der Auszeichnungen erhielt und mehrmals wegen außergewöhnlicher Leistungen außer der Reihe befördert wurde.
Nach dem Krieg war auch Joe Kane ein armer Tramp. Doch jetzt hat er in den Hügeln eine Pferderanch in Gang gebracht.
Der Junge wird mich zu sich nehmen, denkt Brian Donley. Joe ist wie mein Sohn. Wenn er erst über den Berg ist und es sich leisten kann, wird er mich zu sich holen. Jawohl! Ich wollte ihm ja meine Ersparnisse geben, doch das wollte er nicht annehmen. Er ist ein braver Junge. Und dabei war sein Vater ein Bandit.
Als Brian Donley mit seinen Gedanken so weit ist, blickt er unwillkürlich wieder zur Bank hinüber.
Denn er muss daran denken, wie er damals vor vielen Jahren einen Bankraub verhindert hatte. Nur Joe Kanes Vater konnte entkommen. Doch sie fingen ihn zweihundert Meilen weiter und hängten ihn gleich auf.
Heute könnte er solch einen Bankraub wohl kaum verhindern.
Er blickt auf einen Reiter, der von Süden her in die Stadt geritten kommt. Es ist ein Fremder, der ganz so aussieht, als hätte er einen weiten Ritt hinter sich.
Die Stadt ist um diese Nachmittagszeit sehr ruhig und still. In den Silberminen wird noch gearbeitet. Auf den Ranches ist man beim Frühjahrs-Roundup, und die Farmer bestellen ihre Felder. Erst nach Anbruch der Dunkelheit wird diese Stadt lebendiger.
Der Reiter ist nun vor dem Hotel. Er blickt auf den Sheriff und erkennt auch dessen Stern auf der Weste. Er hält an und sagt: »Hallo Sheriff! Wo kann man hier anständig unterkommen?«
Brian Donley betrachtet den Reiter. Dieser ist noch recht jung, kaum älter als zwanzig Jahre. Er wirkt verwegen, ist recht gut gekleidet und trägt zwei Revolver. In seinen Augen ist etwas zu erkennen, was einem alten Falken wie Brian Donley wohl bekannt ist.
Diesen Ausdruck hat er während seines langen Lebens schon oft genug in den Augen von jungen, verwegenen Burschen gesehen.
Brian Donley deutet mit dem Daumen über seine Schulter auf den Hoteleingang und sagt: »Hier in diesem Hotel kommen Sie gut unter, mein Junge – wenn Sie bezahlen können.«
»Oh, keine Sorge, das kann ich«, grinst der Bursche und sitzt ab. Er stellt sein staubiges Pferd an die Haltestange, aber er löst ihm nicht den Bauchgurt. Er kommt die drei Stufen herauf und bleibt oben stehen. Der Sheriff sitzt fünf Schritte von ihm entfernt.
Jetzt spürt Brian Donley zum ersten Mal mit dem feinen Instinkt eines erfahrenen Falken, dass etwas nicht stimmt. Denn der junge Fremde späht scharf die Hauptstraße entlang nach Norden.
Auch der Sheriff tut es. Sie können beide zwei Reiter sehen, die in die Stadt kommen. Es sind ebenfalls Fremde.
Drei Fremde an einem Tag und fast zur selben Minute, denkt der alte Sheriff bitter. Das sieht nach einer Verabredung aus.
Er wartet schweigend und beobachtet.
Die beiden Fremden sind älter und größer als der junge Revolverschwinger, der bei ihm auf der Hotelveranda steht.
Sie schwenken vor der Bank ein, reiten dort vor die Haltestange, sitzen ab und gehen hinein.
Und aus der Seitengasse kommt nun ein vierter Reiter hervor. Auch er reitet vor die Bank, sitzt ab, doch er macht sich an seinem Pferd und am Tränktrog zu schaffen, der bei der Haltestange ist. Er hat seine Hände in das Wasser getaucht, wie um sie zu waschen oder die Handgelenke zu kühlen.
Dabei blickt er aber mit gesenktem Kopfe unter der Hutkrempe hervor ständig umher.
Der alte Sheriff will sich erheben.
Doch der junge Revolverschwinger, der auf der Hotelveranda steht, sagt sanft und nicht unfreundlich: »Bleib, wo du bist, Opa! Ich tue dir nichts, doch du musst dort sitzen bleiben.«
Nun ist alles völlig klar.
Brian Donley seufzt wieder. »Junge«, sagt er, »das kann nicht gut gehen. Selbst, wenn ihr hier mit dem Geld aus der Stadt kommt, so wird es keine Stunde dauern, bis die besten Reiter dieses Landes und zugleich auch die hartbeinigsten Jungs von den Ranches auf eurer Fährte sitzen. Ihr könnt ihnen gar nicht entkommen, in welche Richtung ihr auch reiten werdet. Es ist verrückt, Junge. Ihr seid erledigt, bevor zwei Tage vergangen sind.«
»Oh, wir haben uns eine Chance ausgerechnet«, sagt der Bursche.
Er und der Sheriff spähen dann zu einem Mann hinüber, der aus dem Barbierladen kommt und drüben im Store verschwindet. Beim Store steht auch ein Wagen. Der Storehalter und jener Mann, der zuvor beim Barbier war, beginnen nun Kisten, Säcke und Fässchen aufzuladen. Sie blicken einmal zum Sheriff hinüber. Aber weil dieser so ruhig auf der Hotelveranda sitzt und sich offenbar mit dem Fremden unterhält, schöpfen sie nicht den geringsten Verdacht.
Brian Donleys Gedanken jagen sich. Er weiß jetzt, dass seine Angewohnheit, hier jeden Tag eine Weile in der Nachmittagssonne zu sitzen, den Banditen bekannt ist. Sie haben dies mit eingeplant. Brian Donley ist sich nun darüber klar, dass er etwas unternehmen muss.
Aber was er auch tun wird, dieser junge Revolverschwinger wird ihn daran hindern. Dies bedeutet nichts anderes, als dass er versuchen muss, mit diesem Burschen fertig zu werden.
Vor wenigen Jahren noch wäre dies überhaupt kein Problem für ihn gewesen, denn er war einer der schnellsten Schützen des Westens.
Jetzt ist er langsam.
Wie gut, denkt er, dass ich mich in der Sonne etwas wärmen konnte. So bin ich nicht ganz so langsam wie sonst.
Er erhebt sich, denn er ist nun entschlossen. Er weiß, dass es ihn mit ziemlicher Sicherheit das Leben kosten wird. Doch er trägt den Stern. Er muss etwas tun. Denn er ist Brian Donley, der Sheriff. Er kann nicht zusehen, wie diese Banditen die Bank ausrauben.
Der junge Revolvermann blickt ihn nun fest an. »Du wirst doch keine Dummheiten machen, Opa?« So fragt er und setzt schnell hinzu: »Wir kennen deinen großen Namen ganz genau, doch wir wissen auch, dass du jetzt ein von Rheuma und Gicht geplagter Mann bist. Es täte mir leid, Alter, wenn ich dich erschießen müsste.«
»Das würdest du tun, mein Junge?«
Der Bursche betrachtet ihn starr. »Warum nicht?«, fragt er zurück. »Wenn Sie nicht vernünftig sind, alter Mann, bleibt mir doch gar nichts anderes übrig. Denn so langsam Sie auch sein mögen, so könnte ich die Entfernung von mir zu Ihnen doch nicht so schnell zu Fuß machen, um Sie niederzuschlagen, bevor Sie die Waffe gezogen haben. Ich werde schießen müssen.«
»Du tust mir leid, Junge«, murmelt Brian Donley. »Dein Denken und Fühlen ist schon so verzerrt, dass du schon verloren bist. Willst du mir deinen Namen sagen?«
»Wozu?«, fragte der Bursche.
»Nimm die Hände hoch!«, sagt da der Sheriff. »Nimm sie hoch, ich will dich entwaffnen!«
Da zieht der Bursche schnell den Colt.
»Setz dich wieder hin, Opa«, sagt er frech zum Sheriff.
Dieser verschwendet kein Wort mehr. Überdies wurde schon sehr viel Zeit verschwendet. Die Banditen in der Bank müssen bald fertig sein und herauskommen.
Brian Donley zieht den Revolver. Er gibt sich alle Mühe, schnell zu sein. Doch dies kann ein Mann, der von Rheuma und Gicht geplagt wird, nun mal nicht.
Und der junge Revolverschwinger, der den Revolver auf ihn gerichtet hält, staunt.
»Nein!« So ruft er fast erschrocken. Denn er begreift, dass der alte Sheriff dazu entschlossen ist, sich zu opfern.
Er sieht, wie Brian Donley nach dem Revolver fasst und ihn aus dem Holster zieht. Als er dann die Waffe hochnimmt, geschieht dies äußerst mühsam.
Dann bekommt Brian Donley die erste Kugel.
Doch er steht fest. Dies hat er immer gekonnt, fest auf dem Boden stehen und die Kugeln auffangen. Er hat sieben Narben von Kugeln. Heute bekommt er die achte Narbe, aber sie wird nicht mehr heilen. Bevor er stirbt, drückt er ab und tötet den jungen Revolverschwinger. Ja, dies bringt er noch zustande.
In der Stadt aber wird es lebendig. Die Leute von Goldwater sind wehrhaft, und sie sind sehr daran interessiert, ihre Bank vor Verlusten zu bewahren.
Aber die Banditen sind schneller.
Drinnen in der Bank krachen nun ebenfalls Schüsse.
Und der Mann beim Wassertrog und den Pferden hat ein Gewehr aus dem Sattelschuh gerissen und schießt jetzt die Straße hinunter, sodass einige Leute, die aus Häusern und Läden wollten, wieder in Deckung gehen.
Dann kommen die Bankräuber mit gefüllten Beuteln heraus. Sie schwingen sich in die Sättel.
Einer von ihnen ruft scharf: »Bill – he, Bill!« Er reitet über die Fahrbahn und blickt auf den jungen Revolvermann nieder, der von der Kugel des Sheriffs ins Herz getroffen wurde und die Verandastufen herunter in den Staub der Fahrbahn rollte.
Der Reiter erkennt, dass Bill nicht mehr zu helfen ist. Er reißt sein Pferd herum und folgt den anderen durch die Gasse. Sie kommen auf diese Art schnell in Deckung und seitlich aus der Stadt.
Die Bürger laufen nun zu der Gasse, durch die die Banditen die Stadt verlassen. Man schießt hinter ihnen her, doch keine Kugel trifft.
Einige Leute sind in die Bank gelaufen.
Bald weiß man in der ganzen Stadt, dass die Banditen den Kassierer erschossen, als dieser zuletzt doch noch eine Waffe aus einer Schublade nehmen wollte, und mit etwa vierzigtausend Dollar entkamen.
Drei Tote gab es: den Sheriff, jenen jungen Bill und den Kassierer.
Reiter jagen aus der Stadt zu den umliegenden Ranches und in die Weidelager bei den Herden.
☆
Es ist schon Abend, als Yuma den Hufschlag eines Reiters im Canyon hört. Der Apache ist sicher, dass dieser Reiter sein Boss Joe Kane ist, der nun heimkehrt nach einem langen Arbeitstag. Joe Kane ist schon seit Tagen dabei, in einem fünf Meilen entfernten Waldstück Bäume zu fällen, um weiteres Bauholz für Corrals, eine feste Scheune und einen halb offenen Schuppen zu bekommen. Er will die kleine Pferderanch dieses Jahr vergrößern. Denn alles ist hier noch recht primitiv.
Nur die Pferde sind gut, herrliche, schnelle und ausdauernde Pferde, die vor einigen Wochen ihre Fohlen bekamen. Diese Pferde sind gewiss die besten auf fünfhundert Meilen in der Runde.
Und Red General, der Hengst, ist auf tausend oder noch mehr Meilen das herrlichste Tier. Mit diesem Stammvater und den erstklassigen Stuten muss Joe Kanes Pferdezucht eines Tages berühmt werden.
Yuma, der zum Christentum bekehrte Apache, ist zufrieden, bei Joe Kane arbeiten zu dürfen. Denn solch einen anständigen Boss findet man nicht leicht.
Als Yuma im Canyon den Hufschlag hört, geht er in die noch primitive Blockhütte, um Wasser aufzusetzen für das Abendbrot.
Es ist inzwischen dunkel geworden. Hier drinnen brennt eine Lampe. Yuma lauscht auf den Hufschlag, und er ist sicher, dass es Joe Kane ist. Denn er kennt den Hufschlag von Kanes Wallach genau.
Yuma schneidet nun Kartoffeln in eine Pfanne und wendet sich um, als jemand durch die offene Tür eintritt.
Jetzt erst hat Yuma das instinktive Gefühl, als würde etwas nicht stimmen und befände er sich in einer Gefahr.
Als er den Mann sieht, der gekommen ist, da erkennt er die Gefahr sehr schnell.
Yuma sieht einen Fremden, einen hageren, rotköpfigen Mann, der seinen Hut am Sturmband hinten im Nacken hängen hat und seinen Revolver schussbereit in der Hand hält.
Dieser Mann ist auf Joe Kanes Wallach gekommen.
Aber Joe Kane hat sich bestimmt nicht freiwillig von seinem zuverlässigen Reitpferd getrennt. Und dass dieser Mann dort feindliche Absichten hat, beweist sein schussbereiter Revolver, der auf Yuma gerichtet ist.
»Mach nur keine Dummheiten, Rothaut«, sagt er hart.
Aber Yuma macht welche. Seine Treue zu seinem Boss und die Befürchtung, dass Kane etwas geschehen sein könnte, sind zu stark.
Yuma hat leider nur das Küchenmesser in der Hand, mit dem er die Kartoffeln zerschnitt. Es ist kein richtiges Wurfmesser.
Aber er wirft es trotzdem, blitzschnell und gefährlich, wie es nur ein Apache werfen kann. Doch er hat noch nie mit so einem Messer geworfen. Auch konnte er es nicht mehr vorn an der Spitze fassen. So verwundet er den Mann nur an der Schulter. Das Messer trifft mit der ganzen Schneide, nicht mit der Spitze. Es dringt deshalb nicht tief ein, sondern zerschneidet nur Stoff und Haut.
Zuvor noch trifft die Kugel des Fremden Yuma.
Dieser löscht die Lampe, tritt wieder hinaus und wartet.
Doch er braucht nicht lange zu warten.
Drei Reiter kommen durch den Canyon. Sie können ihre restlos erschöpften Tiere kaum noch bis zu den Corrals beim Blockhaus bringen. Zuvor schon stößt einer der Reiter einen Ruf aus, den der Mann bei der Hütte erwidert.
Sie halten dann an, fluchen heiser und rutschen von den Tieren. Eines der Pferde bricht auf die Knie und stöhnt wie ein kranker Mensch.
»Wo ist Bill?« Dies fragt der Mann, der den Apachen erschoss.
»Bill hat den alten Sheriff unterschätzt«, sagt eine heisere Stimme. »Bill kommt nicht mehr. Aber sonst hat alles geklappt. Und mit diesen frischen und erstklassigen Pferden hier hängen wir das Aufgebot ab, zumal diese Nacht fast ohne Mond sein wird und man deshalb unsere Fährten nicht verfolgen kann, bevor es Tag wird. Nehmen wir uns die besten Pferde. Alle anderen Tiere müssen wir töten. Sonst rüstet sich das Aufgebot mit frischen Tieren aus. Dieses Tal hat mehrere Ausgänge. Wir trennen uns, nehmen jeder einen anderen Ausgang und treffen uns in etwa acht Tagen wieder im Riverbee Saloon. Also los!«
☆
Zuerst hatte Joe Kane geglaubt, sein Wallach wäre ihm fortgelaufen, weil ein Wolf oder ein Puma ihn erschreckte. Doch er findet bald heraus, dass jemand ihm den Wallach stahl, während er ein Stück weiter entfernt im Hügelwald einige Bäume fällte.
Seine Besorgnis nimmt zu, als er im letzten Licht des Tages feststellen kann, dass sich die Fährten zweier Pferde zu seiner Ranch ziehen. Er setzt sich in Trab, und er ist so gut zu Fuß wie ein Wüstenapache. Die Dunkelheit fällt über das Land. Als er den Canyon erreicht, ist es schon Nacht. Vor dem Canyon findet er das müde und abgetriebene Pferd des Pferdediebes. Er schwingt sich hinauf und legt die letzte Strecke noch etwas schneller zurück. Aber das Pferd schwankt, als er sich vor der Hütte von seinem Rücken schwingt.
Zuerst glaubt er dann, dass Yuma tot sei. Doch plötzlich schlägt der Apache die Augen auf. Er bringt beim zweiten Versuch einige Worte heraus. Diese Worte lauten: »Sie – treffen sich – in acht Tagen – im Riverbee Saloon.« Es sind jene Worte, die der Bandit zu den anderen sagte.
Yuma war wieder zur Besinnung gekommen und hatte sie durch die offene Tür gehört.
Und dann hat er ausgehalten und mit dem Sterben gewartet, bis sein Boss gekommen ist. Nachdem er gesagt hat, was er hörte, atmet er langsam für immer aus.
Mehr konnte er für Joe Kane, dem er treu war und für den er gerne arbeitete, nicht mehr tun.
Joe Kane hockt eine Weile bei ihm am Boden. Er hat ja zuvor die Lampe angezündet, und das gelbe Licht beleuchtet sein hageres, dunkles und indianerhaftes Gesicht. Seine grauen Augen leuchten etwas grünlich im Lampenlicht.
Als er sich nun langsam erhebt, da sieht man, dass er etwa sechs Fuß groß ist und bei aller zäh wirkenden Hagerkeit gewiss nicht weniger als hundertneunzig Pfund wiegt. Bei aller Geschmeidigkeit, mit der er sich bewegt, ist sein Knochenbau außergewöhnlich fest und stark.
Sein etwas hohlwangig wirkendes Gesicht ist ausdruckslos, und auch in dieser Hinsicht ist er einem Indianer ähnlich, der seinen Schmerz tief in seinem innersten Kern verbergen kann.
Er hatte Yuma gern. Sie waren fast so etwas wie Freunde.
Langsam geht er hinaus und zu den Corrals. Die kleinen Fohlen gebärden sich wie verrückt. Denn die Stuten, die zurückblieben, und auch der kostbare Hengst sind tot. Die vier Banditen nahmen acht Stuten mit. Den Hengst wollte wohl keiner von ihnen reiten. Also töteten sie ihn und sieben Stuten.
Joe Kane stößt einen seltsamen Laut aus, als er dies festgestellt hat. Er verlor nicht nur Yuma – nein, er ist auch sonst um viele Jahre zurückgeworfen und hat sogar noch Schulden. Bis er seine Schulden abgetragen hat und sich eine neue Pferdezucht beschaffen kann, werden Jahre vergehen. Solch einen Hengst wird er vielleicht nie wieder bekommen. Er fing ihn vor zwei Jahren drüben in Mexiko aus einer Wildpferdherde. Und von Anfang an war es klar, dass dieser Hengst gewiss ganz berühmte Vorfahren aus Spanien hatte.
Nun ist alles aus.
Er denkt über die Banditen nach, die ihm dies antaten.
Dann hört er den Hufschlag des starken Aufgebots aus Goldwater. Bald darauf spricht er mit den Männern, die von dem erfahrenen Vormann einer großen Ranch geführt werden, der schon seit Jahren ehrenamtlicher Deputy Sheriff ist und in dieser Eigenschaft schon mehr als ein Aufgebot führte.
Von den Männern des Aufgebotes hört Joe Kane, was noch geschah. Nun erst begreift er richtig.