Verlag: Bastei Entertainment Kategorie: Abenteuer, Thriller, Horror Sprache: Deutsch Ausgabejahr: 2018

G. F. Unger 1974 - Western E-Book

G. F. Unger  

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E-Book-Beschreibung G. F. Unger 1974 - Western - G. F. Unger

Simson Wayne wusste, dass sein Freund John Dallas schuldig war. Dennoch konnte er nicht zulassen, dass er von den Hardin-Brüdern gelyncht wurde ... *** G. F. Unger wird zu Recht als der beliebteste und erfolgreichste deutschsprachige Western-Autor gefeiert. Mit einer Rekordauflage von über 250 Millionen Exemplaren gehört er zur internationalen Spitzenklasse der Spannungsliteratur. Seine Epoche ist das späte 19. Jahrhundert, seine Schauplätze sind die unermesslichen Weiten des amerikanischen Westens, deren Grenzen von unerschrockenen Frauen und Männern immer weiter nach Westen verschoben werden, bis sie schließlich die Küste des Pazifiks erreichen. Erleben Sie den amerikanischen "Wilden Westen", wie nur G.F. Unger ihn schildern kann: hart, authentisch, leidenschaftlich. Jede Woche erscheint ein neues Abenteuer von G. F. Unger. Alle Folgen sind in sich abgeschlossen und können unabhängig von den anderen Folgen der Serie gelesen werden.

Meinungen über das E-Book G. F. Unger 1974 - Western - G. F. Unger

E-Book-Leseprobe G. F. Unger 1974 - Western - G. F. Unger

Inhalt

Cover

Impressum

Der Vormann

Vorschau

BASTEI ENTERTAINMENT

Vollständige eBook-Ausgabe der beim Bastei Verlag erschienenen Romanheftausgabe

Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG

© 2018 by Bastei Lübbe AG, Köln

Programmleiterin Romanhefte: Ute Müller

Verantwortlich für den Inhalt

Titelbild: Salvador Faba/Norma

eBook-Produktion: César Satz & Grafik GmbH, Köln

ISBN 978-3-7325-6838-3

www.bastei-entertainment.de

www.lesejury.de

www.bastei.de

Der Vormann

Simson Wayne zügelt sein Pferd und verhält auf der staubigen Poststraße, die dicht am Friedhof von Best Tip vorbei zwischen den ersten Holzbauten der kleinen Rinderstadt verschwindet und dort zur Hauptstraße wird.

Best Tip ist eine kleine Stadt. Aber der Friedhof ist ziemlich groß.

Simson Wayne schiebt seinen Hut zurück und späht über die auf dem Friedhof versammelte Menge hinweg. Er ist ein großer Mann auf einem großen Pferd. Er übersieht vom Sattel aus die ganze Trauerversammlung und er kann Joe Hardins drei Söhne gut erkennen. Er sieht den großen, schweren Dave Hardin, den untersetzten, klotzigen Wyatt Hardin und dann den kleinen, verwachsenen Pete Hardin.

Einige Minuten lang beobachtet er die Trauerzeremonie und hört auch die Worte des Predigers. Dann reitet er langsam weiter in die Stadt hinein …

Auf der Veranda des Steigbügel-Saloons hockt Waco Holliday in der warmen Mittagssonne und spuckt nach den Fliegen.

Simson Wayne reitet an den Haltebalken, bleibt jedoch noch im Sattel und blickt auf Waco Holliday nieder, der zu ihm aufsieht und ihn seltsam angrinst.

»Die Menschen sind wie diese Schmeißfliegen«, sagt Waco Holliday trocken. »Wenn sie etwas haben wollen, so versuchen sie es immer wieder. Man kann sie für einige Zeit verjagen, aber schließlich gibt man es auf und lässt ihnen den Willen. Du hast dich etwas verändert, Simson. Vor drei Wochen hattest du zehn Pfund mehr auf den Rippen. Aaah, ich sehe einen richtigen Indianer! Und ich wette, die Sonne hat dich bis ins Mark der Knochen ausgedörrt. Mach nur so weiter, und du kannst im Lauf einer Schrotflinte baden! Kannst du dich eigentlich noch daran erinnern, wie gut ein Whisky schmeckt?«

»Was ist das, Whisky?«, fragt Simson Wayne verwundert und rutscht aus dem Sattel.

Waco Holliday erhebt sich langsam von der obersten Treppenstufe der Veranda. Er setzt eine ernste Miene auf.

»Whisky ist ein Getränk aus Gerste, Roggen oder Mais«, sagt er feierlich. »Es ist Branntwein. Der beste Whisky der Welt kommt aus Schottland. Und den schlechtesten Whisky der Welt gibt es hier in Best Tip. Wollen wir uns vergiften, Simson?«

»Yeah«, sagt dieser grinsend und nimmt den Hut ab, um sich den Staub des langen Weges aus der Kleidung zu klopfen.

Waco Holliday stößt die Schwingtürflügel des Saloons auf und geht hinein. Er nickt dem Barmann hinter dem Schanktisch zu.

»Eine Flasche Whisky und zwei Gläser, mein lieber Sammy!«

Sammy Thrasher sieht aus wie eine menschliche Bulldogge. Er war früher Preiskämpfer, und da man noch keine Boxhandschuhe kennt und Preiskämpfe mit der bloßen Faust ausgetragen werden, ist sein Gesicht von hundert Ringschlachten gezeichnet.

Er verzieht das Gesicht zu einer Fratze, die bei ihm jedoch nichts als ein freundliches Grinsen sein soll, und sagt sanft: »Waco, ich bin erst wieder dein lieber Sammy, wenn du bei mir deine Schulden beglichen hast. Und wenn du unbedingt etwas Flüssigkeit für deinen Körper benötigst, so trink Wasser! Das bekommst du bei mir umsonst.«

Kaum hat er ausgesprochen, als Simson Wayne durch die Schwingtür kommt. Er hat sich inzwischen draußen einigermaßen vom Staub befreit. Als Sammy Thrasher den Vormann der Flying F Ranch erkennt, wendet er sich wortlos um. Als er einschenkt, sieht er Simson Wayne an, nickt ihm zu und fragt: »Na, habt ihr das Round-up auf eurer Winterweide beendet?«

»Yeah«, nickt Simson und nimmt das Glas. Bevor er Waco Holliday zuprosten und trinken kann, fragt der Saloonbesitzer wieder: »Und habt ihr herausgefunden, dass ihr viel Vieh verloren habt?«

»Wir haben nicht mehr Vieh verloren, als es nach einem Winter normal ist«, murmelt Simson Wayne, und dann trinkt er das Glas leer. Er schüttelt sich nach dem scharfen Zeug, keucht etwas nach Luft und sagt, halb bitter und halb befriedigt: »Das ist ja eine neue Sorte. Wie ist die Mischung?«

»Wolfsspucke, Petroleum, Kautabak, roter Pfeffer und etwas Sirup«, sagt Waco Holliday ernsthaft und sieht den Saloonwirt herausfordernd an.

»Ihr braucht es nicht zu trinken. Es gibt kein Gesetz, das euch dazu zwingt«, knurrt Sammy Thrasher beleidigt und geht davon.

»Du sollst ihn nicht ständig ärgern, Waco! Er ist ein prächtiger Bursche, und er gibt dir arbeitsscheuem Satteltramp immer wieder Kredit«, murmelte Simson und sieht den Freund aufmerksam an.

Waco schenkt wieder ein. Simson betrachtet ihn besorgt. Er will schon sagen, dass zu viel Whisky einen Mann erledigen kann, aber Wacos Stimme lässt ihn nicht zu Wort kommen.

»Sim, der alte Joe Hardin ist tot. Und was werden seine Söhne tun? Du weißt, ich reite viel herum, ich habe immer ein Ohr am Boden dieses Landes und lausche. Und ich habe etwas gehört, was mir Sorgen macht. Du wirst jetzt bald deine Freunde brauchen, Sim. Deshalb bin ich hier.«

Er hat kaum ausgesprochen, als die Schwingtür des Saloons aufgestoßen wird und zwei Männer eintreten. Sie beginnen sofort zu grinsen und kommen schnell den Gang herunter.

John Dallas, der eine kleine Ranch am Mule Creek besitzt, sagt mit einer lässigen Stimme: »Ich habe es doch gewusst, dass er nach Best Tip kommen wird. Sim, bist du das, oder ist das nur ein verkleideter Indianer?«

Mike Falls, der als Zureiter von Ranch zu Ranch reitet und dort die schlimmsten Biester einbricht, sagt trocken: »Ein Indianer trägt keinen Vollbart. Das muss Simson Wayne sein, denn kein anderer Narr spendiert diesem saufenden Satteltramp noch einen Whisky. Waco, wo sind die Pferde, die du fangen wolltest?«

»Ihr alle hackt ständig auf mir herum«, mault Waco Holliday und langt zwei Gläser herüber. Er schenkt ein, und als die vier Männer dann ihre Gläser in der Hand halten, sehen sie sich an und lächeln sich zu.

Es sind vier äußerlich sehr verschiedene Männer.

Aber sie sind Freunde. Im tiefsten Kern ihres Wesens haben sie etwas Gemeinsames, und immer dann, wenn es in diesem Land kritische Zeiten oder Kämpfe gibt, fand man sie vereint.

Und jetzt sind sie wieder beisammen.

»Auf die Zukunft«, sagt John Dallas, und dann trinken sie.

Simson Wayne überragt sie alle. Er ist sechs Fuß groß und wiegt bei aller sehnigen Hagerkeit mehr als hundertachtzig Pfund.

Waco Holliday ist nicht viel kleiner. Simson ist dunkel. Sein Haar ist dicht gekräuselt und lässt sich nicht bändigen. Waco ist weißblond und hübsch. Wenn ein Maler das Bild eines Cowboys malen wollte, so würde er sich gewiss Waco Holliday als Modell wählen.

John Dallas ist mittelgroß, aber untersetzt und muskulös. Er strömt Zuversicht, Zuverlässigkeit, Ruhe und Beharrlichkeit aus. Seine braunen Augen haben die Farbe des Haares.

Der lederne, falkengesichtige Mike Falls wirkt klein und schief gegen die drei anderen Männer. Er hat sich als Zureiter oft die Knochen gebrochen, und seine Körperhaltung ist deshalb schlecht. Aber er ist hart, zäh und schnell. Er liebt den Kampf auf eine besondere Art.

Das sind die vier Männer, und im ganzen Land weiß man, dass man mit allen vieren rechnen muss, wenn man einem von ihnen zu sehr auf die Zehen tritt.

Als sie die Gläser auf den Schanktisch stellen, fragt Simson Wayne sanft: »Warum seid ihr gekommen?«

»Warum bist du gekommen?«, beantwortet John Dallas die Frage mit einer Gegenfrage.

Simson schüttelt unwillig den Kopf. »Ich bin Jim Fairburys Vormann. Aber ihr reitet nicht für diese Ranch. Ihr habt nichts mit der Flying F Ranch zu tun, nicht wahr? Man muss die privaten Dinge von den anderen trennen.«

Sie grinsen sich an. Dann sagt Waco trocken: »Und wenn ich es nie mehr wieder tue, heute bitte ich um Arbeit. Sim, ich möchte Arbeit auf der Flying F Ranch. Ich verspreche dir, dass ich für dreißig Dollar im Monat und freier Station ziemlich gut arbeiten will. Bin ich eingestellt?«

Simson schaut den Freund unschlüssig an. Aber dann schüttelt er den Kopf.

»Nein, Waco, vorläufig nicht. Ich wollte dich die ganzen Jahre in meiner Mannschaft haben. Aber jetzt nicht.«

Er sieht die Männer der Reihe nach an.

»Wir sind Freunde, und wir standen uns immer bei, wenn einer von uns in Not kam. Jetzt komme ich in Not. Aber wenn es sein sollte, dass die Flying F Ranch kämpfen muss, so habt ihr damit nichts zu tun, gar nichts!«

»Lasst ihn nur plaudern.« Waco grinst und schenkt wieder die Gläser voll. »Lasst ihn nur erzählen, nicht wahr? Er hat in den letzten Wochen mit den Rindern im Busch gelebt und ist mit keinem vernünftigen Menschen zusammengekommen!«

Er trinkt wieder, und in seinem Gesicht zeigt sich eine Röte, die bei ihm immer das erste Anzeichen einer beginnenden Trunkenheit ist.

Draußen auf der Straße wird es laut. Menschen kommen vom Friedhof her die Gehsteige entlang. Wagen fahren, und Reiter galoppieren. Die eben noch so stille Stadt wird nun lebendiger.

Und es sind auch die Menschen des ganzen Countys gekommen, um zuzusehen, wie Joe Hardin unter die Erde kam. Aber vielleicht kamen die Menschen vor allen Dingen deshalb, um zu erfahren, was Hardins drei wilden Söhne nun beginnen werden.

Die Tür geht auf, und zwei Männer treten ein. Ihre Gesichter sind undurchdringlich und verraten nichts. Diese Männer tragen dunkle Weidetracht und Revolverholster, die tief an die Oberschenkel gebunden sind. Sie nehmen an einem Tisch dicht neben der Tür Platz, und Sammy Thrasher bringt ihnen Whisky.

Die vier Freunde am Schanktisch haben schweigend auf die Ankömmlinge geblickt. Es kam für einen Moment der Hauch von Gefahr in den Raum.

Aber Mitch Fisher und Reece Lorney sind augenscheinlich nur hereingekommen, um als Beobachter alle zu studieren. Sie sind nicht auf einen Streit aus.

Nun kommen auch andere Männer herein, Bürger der Stadt, Geschäftsleute und Handwerker. Dann kommen Cowboys und Farmer.

Und alle die eintretenden Männer blicken sofort auf Simson Wayne. Er ist inmitten seiner Freunde nicht zu übersehen. Alle sehen ihn an. Viele grüßen ihn. Er ist ein Mann, der beachtet wird und auf den man sieht.

Endlich kommt Jim Fairbury, Simson Waynes Reitboss, herein. Er geht an einem Stock. Er ist groß und hager, alt und grau. Seine Zeit ist längst vorbei, und er ist ein Mann, der das auch begriffen hat.

Auch er sieht Simson am Schanktisch und nähert sich ihm. Simsons drei Freunde weichen zur Seite und bilden bald am äußeren Ende des langen Schanktisches eine abgesonderte Gruppe.

Der Rancher stellt sich neben seinen Vormann und hängt die Krücke seines Stocks an den Tisch. Sammy Thrasher bringt ihm ein Glas Rotwein und bedient dann am anderen Ende weiter.

Jim Fairbury und Simson Wayne sehen sich an, und sie brauchen nicht viel zu sagen, denn es war schon von Anfang an ein sonderbares und wunderbares Verstehen zwischen ihnen. Sie sind wie Vater und Sohn.

Fairbury trinkt und wischt sich dann den grauen Schnurrbart ab.

»Sim«, sagt er ruhig, »haben wir den Winter über viele Kälber verloren?«

»Nicht mehr als sonst«, murmelt Simson und blickt kurz und scharf zu Mitch Fisher und Reece Lorney hinüber, die scheinbar uninteressiert und von allen anderen Gästen gemieden an ihrem Tisch sitzen.

»Das ist schlimm«, sagt Jim Fairbury bitter. »Wir sind die einzige Ranch im Land, die keine Rinder verliert. Und ich werde daraus nicht schlau.«

Er hat kaum ausgesprochen, da kommen die Hardins mit ihrer Mannschaft herein. Zuerst kommt Dave Hardin. Er wirkt wie ein wütender Löwe. Ihm folgen die Brüder Wyatt und Pete, und hinter ihnen quetscht und drängt sich die Henkeltopf-Mannschaft herein.

Dave Hardin bleibt kurz stehen, erblickt Fairbury und Wayne am Schanktisch und setzt sich sofort in Bewegung.

Vor Fairbury hält er an, holt eine Zigarre aus der Rocktasche, beißt die Spitze ab und spuckt sie Fairbury vor die Füße.

»Joe Hardin ist tot«, sagt er. »Wir haben ihn begraben, und jetzt leite ich die Henkeltopf-Ranch.«

Er grinst breit, stemmt die Hände in die Hüften und wippt auf den Sohlen. Er richtet seinen Blick auf Simson Wayne und starrt diesen kalt an. »Ich leite jetzt die Henkeltopf-Ranch«, wiederholt er härter.

»Sicher, das war vorauszusehen«, sagt Simson kühl, und er weiß, wie sehr ihn Dave Hardin hasst. »Dein Vater war in den letzten Jahren ein vernünftiger Mann, Dave«, fährt er kühl und ruhig fort. »Er hatte eingesehen, dass eine ständige Fehde nichts einbringt und es im Grunde genommen keinen Sieger gibt. Deshalb hatte er mit Jim Fairbury Frieden geschlossen und dir und deinen Brüdern Zügel angelegt, sodass dieser Frieden auch nie gebrochen wurde. Aber jetzt ist er tot. Er war zu alt, um noch einen Winter überstehen zu können. Jetzt ist niemand mehr da, der euch Befehle gibt und euch fest in den Zügeln hält, damit ihr nicht ausbrechen könnt. Du bist an seine Stelle getreten. Du führst jetzt die Hardin-Sippe an. Und ich bin schnell geritten, um rechtzeitig in die Stadt zu kommen, als ich die Nachricht von Joe Hardins Tod bekam. Ich will es selbst hören, Dave, wenn du jetzt zu meinem Rancher sprichst!«

Rechts und links von Dave Hardin stellen sich dessen Brüder auf. Hinter ihnen bildet ihre Mannschaft einen stummen Halbkreis. Im Saloon ist es eine Weile still.

Alle Anwesenden lauschen, und alle sind interessiert. Denn wenn die Hardins sich entschlossen haben sollten, die alte Fehde wieder aufzunehmen, dann wird das ganze County und auch diese kleine Stadt in Mitleidenschaft gezogen werden. So war es vor einigen Jahren, bevor Joe Hardin und Jim Fairbury Frieden schlossen. Und so wird es wieder sein, wenn die alte Fehde neu aufleben sollte.

Es liegt eine Spannung im Raum. Alle warten auf Dave Hardins Worte. Sie werden entscheiden, was die nächsten Zeiten bringen.

Jim Fairbury räuspert sich. Er nimmt den Stock in die Hand und stemmt ihn gegen die mit Sägespänen bestreuten Dielenbretter des Saloons, damit er sich gerade halten kann.

Er sagt: »Dave, dein Vater ist friedlich gestorben. Auch ich habe nicht mehr lange zu leben. Dein Vater und ich, wir waren Feinde, aber wir schlossen Frieden, damit das Blutvergießen aufhören und es unseren Sippen bessergehen sollte. Lass es sein, Dave! Es war eine ruhige, friedliche Zeit. Lass uns beide auch weiterhin Frieden halten auf der Weide!«

Die Worte klingen ruhig und fest durch den Raum. In Jim Fairburys alten rauchgrauen Augen erscheint noch einmal das zwingende Leuchten aus jener Zeit, da er noch ein großer Mann war, den niemand besiegen konnte.

Er blickt Dave Hardin beschwörend an, aber dessen Augen werden schmal und ausdruckslos. Jim Fairburys Energie ist schnell aufgebraucht. Er atmet langsam und lehnt sich mit dem Rücken gegen den Schanktisch. Nun ist nichts Zwingendes mehr an ihm. Er ist ein alter Mann, der eine Rede gehalten hat und nun auf die Entgegnung des anderen Mannes wartet. Aber neben diesem alten Rancher, der nur noch ein morscher und hohler Baum ist, steht sein Vormann Sim Wayne.

Die alten Männer hier im Raum, die Jim Fairbury noch zu seiner besten Zeit gekannt haben, vergleichen unwillkürlich die Ähnlichkeit des Vormanns mit dem damaligen Jim Fairbury. Und jedem Menschen im Raum ist klar, dass es nicht Jim Fairbury, sondern Simson Wayne ist, mit dem die große Flying F Ranch stehen und fallen wird, wenn es rauchig und schlimm werden sollte.

Dave Hardin weiß das. Deshalb wendet er sich an Simson Wayne.

»Alte Männer sind immer für Frieden, nicht wahr, Simson? Bist du auch dafür? Oder wartest du nur darauf, dass ich anfange, einige Dinge in diesem Land zu verändern?«

»Alte Männer sind weiser als wir, Dave«, erwidert Simson sanft und tritt einen halben Schritt vom Schanktisch weg. »Frieden ist etwas Kostbares, das man nicht wegwerfen sollte. Dave, du brauchst keinen Krieg anzufangen, wenn du einen Kampf mit mir bekommen möchtest. Ich habe dir das schon einige Male gesagt.«

»Darauf kommen wir gleich zurück«, sagt Dave Hardin und wendet sich wieder an Fairbury.

»Ich will keinen Weidekrieg, alter Mann«, sagt er trocken, »aber ich unternehme jetzt etwas gegen die Viehdiebe. Wir haben zu viele Nachtfalken in unserem Land. Wir verlieren Rinder und Herdenwächter. Jim, ich bringe jetzt eine Jagd in Gang, und ich weiß auch schon, was ich dabei herausfinden werde. Dann wird es höllisch, auch für dich und deinen Vormann!«

Er grinst, wirft einen Blick in die Runde und streift dabei auch Simson Waynes drei Freunde.

»Was willst du herausfinden, Dave?«, fragt Simson Waynes Stimme sanft durch die Stille des Raumes.

Dave Hardin starrt ihn an. Dann sagt er angriffslustig: »Die Nachtreiter in unserem Land haben Freunde. Und, Simson Wayne, vielleicht stellt es sich bald heraus, dass die Freunde dieser Nachtreiter auch zu deinen Freunden gehören oder zu den Freunden der Flying F Ranch! Nun, dann werde ich euch zerschmettern. Und nun zu dir, Simson!«

»Yeah, komm nun endlich auf das richtige Thema«, murmelt dieser langsam. »Deine Worte gefallen mir nämlich nicht besonders. Ich bin nicht mit Viehdieben befreundet und werde es auch niemals sein. Du hast einen hässlichen Verdacht offen ausgesprochen, Dave. Sag mir schnell einige klare Beweise oder …«

»Oder?«

»Oder ich stoße dir deine Worte jetzt gleich ins Maul zurück! Jetzt gleich, obwohl ihr soeben Joe Hardin beerdigt habt.«

Dave Hardin tritt langsam einen Schritt zurück. Er holt seinen Colt aus dem Hosenbund seines Anzuges und reicht die Waffe seinem Bruder Pete. Er tut es langsam, damit kein falscher Eindruck entstehen kann. Dann zieht er sich den dunklen Rock aus und reicht ihn seinem Bruder Wyatt.

Und dabei sagt er: »Mit den Beweisen hat es noch etwas Zeit, Simson. Aber mit den Prügeln, die ich dir aus jener Zeit schulde, kann ich nicht länger warten. Ich bin dir aus der Zeit noch etwas schuldig, als die Fehde noch lebte. Und mein Vater, der mir verboten hat, mit dir zu kämpfen, liegt jetzt unter der Erde. Jetzt brauche ich nicht mehr zu fürchten, dass er mich enterbt. Jetzt kann ich dich endlich in Stücke schlagen.«

Er verstummt und saugt tief die Luft ein.

Gierig starrt er auf Simson Wayne, der seinen Waffengurt ablegt.

Und dann senkt er den Kopf und stürmt gegen ihn an.

Der Zusammenprall der beiden Männer ist mächtig. Diesen Kampf wollte Dave Hardin schon immer haben, und nur das Verbot des Vaters und die Drohung, enterbt zu werden, hielten ihn bisher davon ab, gegen den Vormann der Flying F Ranch zu kämpfen.

Dave Hardin hat es nie vergessen können, dass Simson Wayne ihm damals, vor Jahren, als die Fehde noch bestand, das Pferd unter dem Sattel zusammengeschossen hatte.

Als Dave Hardin nach einem schweren Aufprall zur Besinnung kam, sah er in Simson Waynes Colt, und er musste sich Stiefel und Hosen ausziehen und auf Socken und in Unterhosen heimwärts marschieren.

Das hat er nie vergessen, und auch einige andere Dinge nicht, die zwischen ihnen sind.

Deshalb ist sein Ansturm so mächtig. Der Hass in ihm explodiert nun und beherrscht den Mann so vollständig, dass er bei dem Wunsch, Simson Wayne endlich zerschmettern zu können, alles andere vollkommen vergisst.