G. F. Unger 2100 - Western - G. F. Unger - E-Book

G. F. Unger 2100 - Western E-Book

G. F. Unger

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Beschreibung

"Da sind wir, Adam! Wir sind daheim! Heiliger Rauch! Jewel ist größer geworden - schon fast eine Stadt! Und ich frage mich, ob Jewel eine gute Stadt geworden ist.Bruderherz, wir sehen nicht gerade prächtig aus. Wenn ich dich genau betrachte, fällt mir ein, dass ich sicherlich nicht besser aussehe. Ich hätte nie gedacht, dass wir mal wie Satteltramps aus dem Krieg heimkehren würden.Dieser verdammte Krieg!" Sie halten auf einem Hügel und spähen zur Ortschaft hinunter. Zwei Reiter, denen man auf zehn Meilen ansieht, dass sie entlassene Kriegsgefangene sind. ">Adam, es war gut, mit dir zu reiten. Wir haben eine Menge Spaß miteinander gehabt. Yeah, es war prächtig, mit dir zu reiten, Freund!" Er streckt die Hand hinüber. Adam Longfish nimmt sie und grinst zurück. ">Du warst immer in Ordnung, DickEs gehört zum Glück eines jeden Mannes, dass er einen Freund hat. Ich habe einen. Das ist gut." Und sie sehen sich an, zwei große, sehnige Burschen, nicht älter als fünfundzwanzig, aber hartgesichtig und erfahren. Die vergangenen Jahre haben ihnen viele Zeichen eingebrannt ...

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Seitenzahl: 160

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Inhalt

Cover

Sterne über der Weide

Vorschau

Impressum

Sterne über der Weide

»Da sind wir, Adam! Wir sind daheim! Heiliger Rauch! Jewel ist größer geworden – schon fast eine Stadt! Und ich frage mich, ob Jewel eine gute Stadt geworden ist.« Dick Wayne schiebt den alten Armeehut in den Nacken, wischt sich mit dem Hemdsärmel den Schweiß aus dem Gesicht und sieht Adam Longfish an. »Bruderherz, wir sehen nicht gerade prächtig aus. Wenn ich dich genau betrachte, fällt mir ein, dass ich sicherlich nicht besser aussehe. Ich hätte nie gedacht, dass wir mal wie Satteltramps aus dem Krieg heimkehren würden.« Er spuckt aus und fügt bitter hinzu: »Dieser verdammte Krieg!«

Sie halten auf einem Hügel und spähen zur Ortschaft hinunter. Zwei Reiter, denen man auf zehn Meilen ansieht, dass sie entlassene Kriegsgefangene sind.

»Adam, es war gut, mit dir zu reiten. Wir haben eine Menge Spaß miteinander gehabt. Yeah, es war prächtig, mit dir zu reiten, Freund!«

Er streckt die Hand hinüber. Adam Longfish nimmt sie und grinst zurück.

»Du warst immer in Ordnung, Dick«, sagt er dabei. »Es gehört zum Glück eines jeden Mannes, dass er einen Freund hat. Ich habe einen. Das ist gut.«

Und sie sehen sich an, zwei große, sehnige Burschen, nicht älter als fünfundzwanzig, aber hartgesichtig und erfahren. Die vergangenen Jahre haben ihnen viele Zeichen eingebrannt ...

Dick Wayne ist dunkelhaarig. Er ist ein dunkelhäutiger Typ und wirkt etwas wild und indianerhaft. Er ist manchmal unüberlegt in seiner Handlungsweise. Wenn er etwas tut, so tut er es schnell und denkt dann erst darüber nach. Das ist seine Schwäche. Und wegen dieser Schwäche liebt ihn Adam Longfish wie einen Bruder.

Adam Longfish ist vielleicht zwei Fingerbreit größer als Dick. Er ist blond, fast weißblond. Seine Augenbrauen heben sich deutlich von seinem bronzenen Gesicht ab. Adams Augen sind rauchgrau, klar, offen, fest und ruhig.

»Reiten wir!« Dick Wayne grinste und fährt sich über die Bartstoppeln.

»Freund«, murmelt Adam, »du weißt, dass wir beide für die Nordarmee ganz besonders schlimme Rebellen sind. Wir haben den Yankees ein paar Streiche gespielt, die sie bis heute noch nicht vergessen haben. Und ganz Texas ist von den Nordstaatlern besetzt. Da unten regiert bestimmt auch eine Besatzungstruppe. Wenn du unten dein Maul zu weit aufreißt, wird es Krach mit den Yankees geben. Sie werden uns wieder einsperren. Reiz die Leute also nicht. Sei friedlich, Junge! Wir haben den Krieg verloren. Wir kehren aus der Gefangenschaft heim. Die Besatzer werden uns ganz genau auf die Finger sehen. Das wollte ich dir nur sagen.«

Er grinst noch einmal freundschaftlich und bringt dann sein müdes Pferd in Bewegung. Dick folgt sofort und stößt ein grimmiges Lachen aus.

»Zu viel werde ich aber nicht schlucken«, grollt er. »Ich bin wieder ein freier Mann und ...«

»Die Nordstaaten haben den Krieg gewonnen«, unterbricht Adam ihn lässig.

Sie reiten zwischen den ersten Häusern in den Ort.

Es ist später Nachmittag.

Als sie am Barbiersalon vorbeikommen, reiben sie sich nachdenklich über ihre Stoppelbärte. Sie brauchen aber nur einen kurzen Blick auszutauschen, um einig zu werden, dass sie sich erst einmal einen Drink genehmigen.

»Die alte Wolfshöhle hat ein zweites Stockwerk bekommen«, stellt Dick Wayne fest und zeigt auf den Lonestar Saloon.

»Die ganze Burg ist neu – nur das alte Schild haben sie aus alter Tradition aufgehängt«, sagt Adam.

Ohne ein weiteres Wort zu verlieren, lenken sie die Pferde an die Haltestange und rutschen müde aus den Sätteln. Es ist noch etwas Wasser im Tränketrog. Die Tiere schnauben dankbar und tauchen ihre Mäuler hinein.

Die beiden Männer ducken sich unter dem Geländer hindurch. Als sie sich auf dem hölzernen Gehsteig aufrichten, steht ein kleiner Mann vor ihnen, der sie durch einen alten Kneifer aufmerksam mustert.

»Hallo, Doc!«, rufen Adam und Dick wie ein Mann und strecken die Hände aus. Sie stehen vor dem Mann, der ihren Müttern Über die schwerste Stunde half.

Doktor James Maine sieht sie ernst an, nimmt dann ihre Hände und schüttelt sie. Aber er lächelt dabei nicht, sondern prüft nur mit seinen kurzsichtigen Augen ihre Gesichter.

»Ich freue mich, Jungs, dass ihr wieder da seid. Ihr kommt wohl auch als Freunde wieder heim.«

»Ha, wir sind Brüder geworden«, ruft Dick Wayne. »Aber warum sind Sie so ernst, Doc? He, ist was mit meinen Leuten passiert oder ist Adams Eltern etwas zuge...«

Der Doc winkt ab.

»Jungs«, beginnt er und holt tief Luft. »Es ist natürlich in all den Jahren eurer Abwesenheit eine Menge geschehen. Aber darüber kann man nicht hier auf der Straße sprechen. Ich will ...«

Er unterbricht sich, denn ein aufgeregter Mann stürzt herbei.

»Doc, Doc! Ich suche schon die ganze Stadt nach Ihnen ab! Mein Wagen wartet drüben vor der Bank! Wir müssen uns höllisch beeilen! Meine Frau liegt ganz allein in der Hütte und bekommt ...«

Doc Maine zuckt zusammen. Er wehrt sich gegen den Mann, der ihn am Arm fortziehen will.

»Moment, Bill! Moment! Es wird schon noch eine Weile dauern. Ich muss erst ...«

»Zur Hölle, Doc! Es ist wirklich eilig! Ich kam von der Weide, und meine Frau lag schon ...«

»Ja doch! Gleich, Bill! Also, ihr beiden, lasst euch durch keinen Menschen verrückt machen! Bleibt Brüder! Lasst euch nicht verrückt machen. Bald wird sich eure Freundschaft bewähren müssen. Dick, du warst immer ein wilder Büffel, der schnell tollwütig wurde. Bleib heute ganz ruhig und ...«

Mehr verstehen die beiden Freunde nicht, denn der Mann zieht den kleinen Doktor nun mit aller Gewalt davon.

Dick Wayne sieht Adam an. »Was wollte er uns sagen?«, fragt er besorgt.

In Adam Longfishs Augen glimmt Sorge.

»Es muss etwas geschehen sein, Dick. Ich denke, wir gehen in den Saloon. Vielleicht treffen wir jemanden, der es uns erzählt. Hast du ihn gehört? Wir sollen Brüder bleiben und uns nicht verrückt machen lassen. Dick, ich bin in großer Sorge. Aber wenn es der Doc weiß, so wissen es auch andere Leute. Komm, Dick!«

Seite an Seite stoßen sie die Flügel der Pendeltür auf und betreten den Saloon.

Sie entdecken unter den Gästen einige bekannte Gesichter. Die beiden Barmänner hinter dem Schanktisch sind ihnen unbekannt.

»Freunde aus alten Zeiten sehe ich nicht«, murmelt Dick Wayne und setzt sich wieder in Bewegung. Adam bleibt an seiner Seite. Sie erreichen den langen Mahagonitisch, nicken kurz und bekommen je ein volles Whiskyglas hingeschoben.

»Und zwei Zigarren«, verlangt Dick.

Dann trinken und rauchen sie und sehen sich um. Jemand ruft drüben in der Ecke: »He, seht euch das an! Das sind doch Dick Wayne und Adam Longfish! Oha, sie trinken gemeinsam Whisky! Jetzt brat mir doch jemand einen Storch!«

Die Stimme ist laut genug, um fast überall im Lokal verstanden zu werden. Fast alle Köpfe wenden sich den beiden Freunden zu.

Irgendwo ruft ein anderer: »Tatsächlich! Dick Wayne und Adam Longfish sind heimgekehrt. Und ich habe sie nicht erkannt. Höllisch abgerissen sehen die beiden ehemaligen Kriegshelden aus. He, Wayne! Longfish! Willkommen daheim. Ihr könnt auf meine Kosten einen Whisky trinken!«

Adam und Dick bleiben ganz ruhig, obwohl sie den Spott aus den Worten hören.

»Adam«, murmelt Dick, »es scheinen ein paar Burschen anwesend zu sein, die wir früher mal von unseren Weiden gejagt haben. Dies hier ist nicht mehr das alte Lokal, in dem wir Freunde treffen konnten. Wie sich die Zeiten doch verändern.«

Nach diesen Worten dreht er den Kopf in die Richtung der letzten Stimme.

»He, Lefty!«, ruft er zurück. »Immer noch lebendig? Ich dachte nicht, dein Gesicht noch einmal zu sehen. Und ich wette, dass du immer noch derselbe wie früher bist. He, Lefty, ich habe dir schon vor Jahren einmal gesagt, dass ich mit dir keinen Whisky trinke. Das hat dir nicht gepasst, und ich musste dich verprügeln. Jetzt sage ich dir's wieder!«

Lefty Bag ist ein muskulöser, fast viereckiger Bursche. Er sitzt mit drei anderen Männern am Tisch – und er bleibt auch noch sitzen, nachdem Dick Waynes Worte gefallen sind. Er grinst nur spöttisch und schüttelt dann den runden Kopf, auf dem rote Haarborsten stehen.

»Spar deine Kräfte für einen anderen Mann auf, Dick!«, ruft er und bricht in ein kehliges Lachen aus.

Dick und Adam achten aber schon nicht mehr auf Lefty Bag. Sie blicken in eine ganz andere Richtung. Am Ecktisch hat sich nämlich die dichte Gruppe aufgelöst. Man kann jetzt auch die Männer erkennen, die bisher von den stehenden Leuten verdeckt wurden.

Dick und Adam sehen scharf hinüber, denn dort drüben am Tisch, inmitten eines rauen Rudels, da sitzen die Yates-Brüder. Die beiden Yates grinsen erst eine Weile herüber, dann beginnen sie heiser und voll wilder Freude zu lachen.

Es sind große, massige Burschen, nicht älter als Dick und Adam. Ihr Blick erinnert irgendwie an zwei böse Bulldoggen.

Mac Yates trägt einen Schnurrbart.

Lesly Yates' linkes Ohr ist verstümmelt.

Nur daran kann man sie unterscheiden.

Nun erheben sie sich und kommen hintereinander zur Theke geschlendert.

»Hallo, ihr beiden Helden«, sagt Lesly Yates und stellt sich herausfordernd hin. »Willkommen in der Heimat. Ganz Jewel war stolz auf euch! Ihr habt eine Menge Wunderdinge vollbracht und seid Lieutenants geworden. Aber jetzt sieht es anders aus. Jetzt seid ihr entlassene Rebellen, auf die die Staatspolizei achtet. Und für mich und meinen Bruder wart ihr ja schon immer Dreck! Jetzt macht, dass ihr hinauskommt! Es ist unser Lokal! Es gehört mir und Mac. Die Zeiten haben sich geändert, was? Das werdet ihr bald erkennen. Und wenn ihr es erkannt habt, dann werdet ihr beide euch sicherlich gegenseitig umbringen! Hahaha!«

Dick Wayne will sich vom Schanktisch abstoßen und auf Lesly stürzen, aber Adam tritt ihm schnell in den Weg.

»Lass das sein«, zischt er ihm über die Schulter zu und wendet seinen Blick wieder zu Lesly Yates, der dicht dabei steht, und erkennt auch in dessen Augen das böse Funkeln.

»Yeah«, sagt Adam, »wir haben uns in der Tür geirrt. Ihr beide seid ja ganz groß hier. Ein Verrat lohnt sich also manchmal, was? Man muss nur die richtige Nase haben. Jetzt habt ihr es gewiss nicht mehr nötig, Vieh zu stehlen, was? Oder betreibt ihr das Geschäft jetzt im großen Stil? Es soll ja einige Hunderttausend ungebrannte Rinder im Land geben. Ihr beide werdet bestimmt noch achtbare Leute.«

Er sagt es spöttisch, wendet sich dann halb zur Seite und ergreift Dicks Arm.

»Komm, Freund. Wenn man sich in der Tür irrt, so soll ...«

Weiter kann er nicht sprechen, denn Lesly Yates wirft sich mit einem heiseren Schrei gegen ihn.

Adam bekommt eine harte Faust in die Seite und einen Schlag ins Gesicht. Er taumelt gegen Dick.

Mac Yates greift ebenfalls an. Es sieht so aus, als hätten die beiden Brüder all die Jahre auf diesen Tag gewartet. Und es ist auch so, dass zwischen den Männern viele Dinge sind, die zwar aufgeschoben wurden, als Adam und Dick freiwillig zur Armee gingen, die aber jetzt aus Gründen, die bald zu Tage treten werden, noch schwerwiegender wurden.

Dick und Adam behindern sich gegenseitig. Sie haben zu wenig Raum. Die Yates sind besser dran. Und sie nützen die Chance, schlagen mächtig und wuchtig zu und legen all ihre wilde Wut in die Schläge.

Adam geht zu Boden, aber als Lesly Yates nach seinem Kopf tritt, kann er ihn zur Seite nehmen. Lesly Yates trifft nur den Schanktisch. Adam hängt sich an das Bein, wälzt sich mit einem wilden Ruck herum und bringt Lesly Yates zu Fall. Es kracht mächtig, als der schwere Mann auf die Bretter wuchtet.

Adam Longfish wirft sich über ihn. Sie rollen umeinander und kommen aus der Nähe der beiden anderen Kämpfer.

Dick Wayne hat schon viel einstecken müssen. Mac Yates hatte ihn am Schanktisch festgenagelt.

Nun hat er aber genügend Raum, kann ausweichen, sich abducken und zur Seite gleiten. Er tut es mit einem zufriedenen Knurren. Mac Yates schlägt ins Leere und taumelt, von der Wucht des Fehlschlages getragen, gegen ihn. Sofort klammert Dick ab und hängt sich an den schweren Mann.

Als Mac Yates sich losreißt, trifft Dicks Rechte sein Kinn, und die Linke stößt so zu, dass ihm die Luft ausgeht.

Er taumelt rücklings bis zu einem Tisch, fliegt der Länge nach auf die Platte, rollt dann zur Seite und kracht auf den Boden. Ein Stuhl bricht auseinander. Mac Yates richtet sich auf und schnappt nach seiner Waffe.

Dick Wayne greift blitzschnell hinter sich, holt die Whiskyflasche vom Schanktisch und wirft. Sie trifft Mac Yates' Kopf in dem Moment, als er abdrücken will.

Der Schuss löst sich noch. Die Kugel fährt dicht vor Dicks Füßen in die Bretter und nimmt ein Stück von der Schuhspitze mit.

Mac Yates ist vorläufig erledigt. Er bricht zusammen und rührt sich nicht mehr.

Dick Wayne geht zu ihm und dreht ihn mit dem Fuß auf den Rücken. Als er erkennt, dass der Mann nicht so schnell auf die Beine kommen wird, sieht er nach Adam und Lesly Yates.

Die rollen immer noch über den Boden. Sie haben sich so sehr aneinandergekrallt, dass auch ein halbes Dutzend Männer sie nicht auseinander bringen würde.

Plötzlich erkennt Dick, wie die Gäste zur Seite spritzen und Deckung längs der Wände suchen. Er wirbelt herum und schnappt nun auch nach der Waffe.

Es ist zu spät.

Einer der beiden Barmänner zeigt ihm den abgesägten Lauf einer Schrotflinte.

Dick Wayne kennt die gefährlichen Dinger. Die groben Sauposten würden ihn zerhacken.

Im Spiegel, der hinter der Bar hängt, sieht er Sheriff Ben Maker und zwei Sergeants der Nordarmee hereinkommen. Sie halten schussbereite Colts in den Händen.

»Mach jetzt keinen Blödsinn«, knurrt der Barmann. »Ich gebe dir sonst die Ladung, bevor sie dich einsperren.«

Dick Wayne starrt immer noch in die Mündungen des Doppellaufes. Er hat mal einige Männer gesehen, die eine Saupostenladung abbekamen. Und die Augen des Barmannes haben einen besonderen Ausdruck. Dick weiß plötzlich, dass der Kerl bestimmt abdrücken wird. Er behält deshalb einen letzten Rest von Verstand und hebt langsam die Hände.

Einer der beiden Sergeants tritt hinter ihn und nimmt ihm die Waffe weg. Dick kann im Spiegel den Mann genau beobachten und sieht auch dessen zufriedenes Grinsen. Er fühlt die Mündung seines eigenen Colts im Rücken. Der Sergeant ist ein massiger Bursche mit einem Knebelbart. Auf der Wange ist eine rote Narbe zu sehen.

»Schlagt dem anderen Schurken was auf den Schädel!«, ruft jemand.

Dick Wayne hört es, kann aber den Sprecher nicht feststellen. Der andere Sergeant geht an die Kämpfer heran. Adam Longfish liegt gerade auf Lesly Yates und drückt den Kopf des Mannes auf die Bretter.

Der Sergeant schlägt kurz und schnell zu. Es ist ein gemeiner Schlag mit dem Coltkolben. Adams Bewegungen erschlaffen jäh. Er stößt einen zitternden Seufzer aus und bewegt sich nicht mehr. Lesly Yates wirft ihn von sich und stemmt sich auf. Er stößt ein zufriedenes Knurren aus. Taumelnd kommt er auf die Füße.

Er tritt nach Adam, obwohl dieser bewusstlos ist.

Dick Wayne verliert nun doch den Rest seines Verstandes. Er denkt nicht mehr an die Coltmündung, die sich in seinen Rücken bohrt. Er springt auf den Sergeant zu, der zwischen ihm und Lesly Yates steht, und wischt ihn einfach zur Seite. Dann knallt er Lesly Yates die Faust unters Kinn. Doch als er nachdrängen will, fallen sie auch über ihn her und schlagen ihn mit dem Coltkolben nieder.

Die beiden Blauröcke mit den großen goldenen Winkeln auf den Ärmeln verstehen diese Arbeit.

Und der Sheriff steht mit undurchdringlichem Gesichtsausdruck dabei. Nun wendet sich Sheriff Ben Maker an Lesly Yates, der keuchend am Schanktisch lehnt.

»He, Yates! Das sind doch Adam Longfish und Dick Wayne? Warum ...?«

»Sie kamen in unser Haus. Und sie begannen Streit, als wir ihnen sagten, sie sollten ihren Whisky an einem anderen Ort trinken«, keucht Lesly Yates tückisch. »Mein Bruder und ich, wir erstatten Anzeige wegen Hausfriedensbruch«, fügt er hinzu.

Der Sheriff kratzt sich mit dem Coltlauf das kantige Kinn. Seine scharfen Falkenaugen bleiben einen Moment auf Mac Yates hängen, der sich stöhnend aufrichtet, und wenden sich wieder Lesly Yates zu.

»Dies ist ein Saloon. Warum wolltet ihr sie hinausschicken?«

»Wir haben was gegen heimkehrende Rebellen. Als der Krieg losging, hatte man hier ja auch eine Menge gegen uns, weil wir mit dem Norden hielten. Es gab Zeiten, da wurden wir auch aus jedem Lokal gewiesen – und sogar für längere Zeit eingesperrt. Nun ist es anders! Nehmen Sie die beiden Schufte mit. Wir wollen hier wieder saubere Luft haben. Und wir erstatten Anzeige! Verstanden, Sheriff?«

Sheriff Maker kratzt sich immer noch mit dem Coltlauf am Kinn. Dann nickt er, steckt die Waffe weg und zuckt mit den Schultern. Ihm entgehen auch die Blicke nicht, die die beiden Sergeants und Lesly Yates austauschen.

Hölle, denkt Maker bitter, ich sollte den Yankees meinen Stern vor die Füße schmeißen. Ich weiß nicht, ob ich das noch lange mitmache.

Inzwischen geben Adam und Dick wieder Lebenszeichen von sich. Mit gezogenen Colts bringen die Sergeants die beiden noch halb benommenen Männer auf die Beine.

»Los, vorwärts mit euch! Auf so wilde Burschen wie euch warten wir gerade noch! Vorwärts!«

Adam und Dick schwanken vor den Colts der beiden Blauröcke auf die Tür zu. Der Sheriff geht vorneweg. Er sieht nicht nach rechts und nach links. Einmal spuckt er grimmig auf die mit Sägemehl bestreuten Bretter. Aber er hört genau das schadenfrohe und spöttische Gemurmel der Gäste.

Diese Burg hier, denkt er. Wenn eines Tages die Besatzung abzieht und Texas wieder ein gleichberechtigter Staat der Union ist, dann wird man diese Rattenburg auseinandernehmen.

Er verhält plötzlich seinen Schritt, als wäre er gegen eine unsichtbare Mauer gerannt.

Die Pendeltür wird nämlich aufgestoßen, und einige Männer drängen heran, allen voran ein Riese, dessen viereckiger Schädel ohne Hut ist.

Die beiden Sergeants fluchen, und die Gäste im Raum rotten sich um die Yates-Brüder zusammen und bilden somit eine geschlossene Gruppe, die lauernd wartet.

Ben Maker sieht das alles mit einem raschen Rundblick. Dann wendet er sich ruhig an den Riesen, hinter dem sich nun sieben oder acht scharfäugige Weidereiter aufgebaut haben.

»Rocky«, sagt der Sheriff, »du bist ein Narr, wenn du dich hier einmischen willst.«

Rocky Dickwater, der Vormann der W-im-Kreis-Ranch, schnaubt nur grimmig. Er sieht an dem Sheriff vorbei Dick Wayne an.

»He, Dick! Willkommen daheim. Wir warten schon lange auf dich. Leider hörten wir zu spät, dass du in dieser Coyotenhöhle bist und Streit bekommen hast. Aber das ist nicht besonders schlimm. Wir werden dieses verdammte Haus einreißen und die Ratten endlich in Fetzen schlagen. He, Dick! Wollen dich die beiden Generäle vielleicht einsperren? Oha, jetzt werden wir mal sehen ...«

Ben Maker unterbricht Dickwaters höhnende, drohende Worte. Er wendet sich an Dick Wayne: »Dick«, sagt er scharf und warnend, »auf dich wird dieser wilde Büffelbulle hören. Bring ihn zur Vernunft! Er macht es nur noch schlimmer. Auf diese Art geht es nicht. Dick, du und Adam, ihr seid verhaftet. Wenn Rocky Dickwater wegen euch Ärger macht, gilt das als offene Rebellion gegen die Besatzungspolizei. Und dann steht ihr alle außerhalb des Gesetzes. Bring ihn zur Vernunft, Dick! Rocky Dickwater ist dein Vormann, denn dein Vater ist tot!«

Es trifft Dick Wayne wie ein wuchtiger Schlag. Nun ahnt er irgendwie, was der kleine Doktor ihm und Adam sagen wollte. Es müssen eine Menge schlimme Dinge geschehen sein. Dicks Vater, der alte Sam Wayne, den sie im Land Big Sam nannten, ist tot.