G. F. Unger 2129 - G. F. Unger - E-Book

G. F. Unger 2129 E-Book

G. F. Unger

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Beschreibung

Es ritten damals immer wieder Männer durch den Westen, die ihren Namen nicht gern nannten, weil sie aus irgendwelchen Gründen ihre Heimat verlassen hatten und untergetaucht waren. Pecos war einer von ihnen. Seine Eltern hatten ihn auf den Namen Archibald getauft, und mit Nachnamen hieß er Sheepcheese, was nun einmal nichts anderes als Schafskäse heißt. Man kann also verstehen, warum er lieber nur Pecos hieß. Denn er bekam immer Streit, wenn er seinen Namen sagte. Er war nicht das, was man einen Raufbold oder gar Revolverhelden nannte. Doch er konnte sich in jeder rauen Mannschaft behaupten und wurde eines Tages in einer kleinen Stadt dazu gezwungen, über sich hinauszuwachsen und seinen wahren Kern zu zeigen. Und später dann konnte er überall seinen richtigen Namen nennen und sicher sein, dass niemand es wagte, auch nur in Gedanken zu grinsen. Es gab auch ein Mädchen, dem es nichts ausmachte, eine Mrs Schafskäse zu werden. Und so wird zum Schluss klar sein, dass es nicht auf den Namen ankommt, sondern auf den Mann ...

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Seitenzahl: 161

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Inhalt

Cover

Pecos

Vorschau

Impressum

Pecos

Es ritten damals immer wieder Männer durch den Westen, die ihren Namen nicht gern nannten, weil sie aus irgendwelchen Gründen ihre Heimat verlassen hatten und untergetaucht waren.

Pecos war einer von ihnen.

Seine Eltern hatten ihn auf den Namen Archibald getauft, und mit Nachnamen hieß er Sheepcheese, was nun einmal nichts anderes als Schafskäse heißt. Man kann also verstehen, warum er lieber nur Pecos hieß. Denn er bekam immer Streit, wenn er seinen Namen sagte.

Er war nicht das, was man einen Raufbold oder gar Revolverhelden nannte. Doch er konnte sich in jeder rauen Mannschaft behaupten und wurde eines Tages in einer kleinen Stadt dazu gezwungen, über sich hinauszuwachsen und seinen wahren Kern zu zeigen.

Und später dann konnte er überall seinen richtigen Namen nennen und sicher sein, dass niemand es wagte, auch nur in Gedanken zu grinsen.

Es gab auch ein Mädchen, dem es nichts ausmachte, eine Mrs Schafskäse zu werden.

Und so wird zum Schluss klar sein, dass es nicht auf den Namen ankommt, sondern auf den Mann ...

Zuerst findet Archibald Sheepcheese das tote Pferd. Es liegt am Rande der staubigen Wagenstraße, die eigentlich nur von den Radfurchen der Wagen und den Hufspuren von Zug- und Reittieren als Straße kenntlich gemacht wird.

Man darf sich über den Namen Archibald Sheepcheese nicht so sehr wundern. Sheepcheese heißt nichts anderes als Schafkäse, doch es hat auf unserer Welt und unter ihren Bewohnern schon immer Namen gegeben, die außergewöhnlich waren.

Es gibt Leute, die heißen Strohsack, Pfefferkorn, Eiertreter oder Grünpilz. Und weil das so ist, darf man sich nicht über Archibald Sheepcheeses Namen wundern.

Sein Name ist schuld daran, dass er schon als kleiner Junge lernen musste, anderen Jungen eins aufs Maul zu schlagen, und nicht selten versuchte er es bei größeren und stärkeren Jungen.

Aus diesem Jungen wird im Laufe der Jahre ein halbwüchsiger Bursche und schließlich ein erwachsener Mann.

Aber man kann nicht sagen, dass Archibald Sheepcheese ein Raufbold oder Revolverheld ist. Er liebt wirklich das friedliche Auskommen miteinander. Doch sein Beruf bringt es mit sich, dass er unter ziemlich rauen oder sogar sehr rauen Burschen leben muss. Er ist nämlich Cowboy und Zureiter von wilden Pferden. Doch zurzeit ist er eigentlich nichts, gar nichts. Er sieht sehr krank und heruntergekommen aus. Der Sattel, in dem er sitzt, ist keine zwei Dollar wert. Und er trägt keine Waffe und hat auch sonst nichts bei sich, was wertvoller als der Sattel wäre.

Nur sein Pferd ist wertvoll, sehr wertvoll. Vielleicht hätte ein anderer Mann es längst verkauft.

Denn er hätte dafür auch in diesem Land, in dem fast alle Menschen besondere Pferdekenner sind, einen stolzen Preis erzielen können, der dem zehnfachen Preis eines Durchschnittsgaules entsprochen hätte.

Doch Archibald Sheepcheese ist nicht der Mann, der seinen besten Freund verkauft. Nie!

Und heute, an einem schönen Frühlingstag im Nordwesten des Arizona-Territoriums, da findet er am Straßenrand ein totes Pferd.

Es gibt eine Menge Spuren im Staub zwischen den harten Wagenfurchen. Archibald Sheepcheese kann fast jede Spur so gut lesen wie ein normaler Mensch die Zeitung. Dies lernt man als Wildpferdjäger.

Deshalb wird er sich ziemlich schnell darüber klar, dass dieses Pferd bis ins Mark erschöpft war, sehr unglücklich über eine dieser harträndrigen Radfurchen stolperte und sich das linke Vorderbein brach.

Es sind auch die Spuren von Verfolgern zu erkennen und die Fußspuren eines flüchtenden Mannes, wahrscheinlich des Reiters dieses verunglückten Pferdes, der nach dem Sturz zu Fuß weiter und zwischen die Felsen abseits der Straße geflüchtet war.

Archibald Sheepcheese sitzt eine Weile in einer vorgeneigten Haltung in seinem McClellan-Sattel und überlegt.

Alles hier deutet auf einen Verdruss hin, und er selbst bekam in seinem Leben schon eine solche Menge Verdruss, dass er ihm gerne aus dem Weg geht, sobald er nur einen einzigen Zipfel davon erspähen kann. Und hier handelt es sich nicht nur um einen winzigen Zipfel. Für Archibald Sheepcheese ist der Verdruss an der Größe dieses Pferdes abzulesen.

Soll er seinen Weg fortsetzen?

Oder soll er nachsehen gehen?

Denn die Fährten der Reiter, die den Fußspuren des Flüchtlings folgten, führen wieder zurück. Das heißt, dass die Reiter dort zwischen den Felsen ihre Arbeit verrichteten, wegen der sie hinter dem Flüchtling her waren, und dann wieder umkehrten.

Archibald Sheepcheese kratzt sich seinen Stoppelbart. Es sind dunkle Bartstoppeln, die so blauschwarz sind, dass seine Wangen gewiss auch noch nach einer Rasur bläulich schimmern.

Sein Gesicht ist ziemlich schmal und hohlwangig. Er hat zwei ruhige, fest und abwägend blickende Augen von grauer Farbe. Sie stehen weit auseinander und liegen tief in den Höhlen. Seine Nase ist nicht mehr besonders schön, denn sie war einmal gebrochen und bekam nie wieder völlig ihre alte Form. Sein Mund ist breit und männlich voll, und sein Kinn verrät eine gewisse Verwegenheit, die im Gegensatz zu dem ruhigen, abwägenden Blick seiner Augen steht.

Es fehlt ihm offensichtlich an Gewicht, wie man an seiner abgerissenen und viel zu weiten Kleidung erkennen kann. Er ist nicht ganz sechs Fuß groß und müsste um die hundertsiebzig Pfund gewogen haben. Aber die bringt er jetzt nicht auf die Waage.

Dort, wo einmal sein Revolverholster saß, ist die Hose sehr abgeschabt. Er hat die Hose in die Stiefel gesteckt, und es lugt der Griff eines Messers aus dem Stiefelschaft heraus. Das Messer ist offensichtlich seine einzige Waffe.

Die abgeschabte Stelle an der Hose ist links. Er trug seinen Revolver also links – damals, als er noch eine Waffe besaß.

Er zögert immer noch.

Und dann vernimmt Archibald Sheepcheese das schwache Stöhnen.

»Na gut«, murmelt er ziemlich bitter und reitet hinüber.

Er findet einen Mann, der so schlimm verprügelt wurde, wie man einen Mann nur verprügeln kann. Und selbst wenn dieser Mann sein Freund wäre, könnte er ihn gewiss nicht am Gesicht erkennen, eher schon an den hellblonden Haaren oder an der zerrissenen Kleidung, die einmal recht prächtig war, und an den Maßstiefeln und den teuren Silbersporen.

Archibald Sheepcheese hat kein Wasser mehr in seiner Flasche, die am alten Sattel hängt. Er kann deshalb für diesen stöhnenden Burschen gar nichts tun – jedenfalls an Ort und Stelle nicht.

»Nun, mein Freund«, murmelt er, »wie wollen Sie es haben? Soll ich Sie vor mich auf das Pferd nehmen und versuchen, Sie irgendwohin zu bringen – oder soll ich jemanden holen, der mit einem Wagen kommt?«

Der stöhnende Mann kann ihn nicht sehen, weil seine Augen zugeschlagen wurden. Doch er kann ihn hören.

Es muss ein ziemlich harter Bursche sein, denn er flüstert nun stöhnend und gepresst: »Ich – halte – schon auf – einem Pferd durch bis in die Stadt.«

Archibald Sheepcheese nickt dazu. Er weiß, dass es nicht mehr sehr weit bis nach King's Lodge sein kann.

Er bückt sich, um den so schlimm verprügelten Mann aufzuheben, und er erwartet, dass der Bursche schlimm stöhnen oder gar brüllen wird, weil ihm doch sicherlich einige Rippen gebrochen wurden.

Doch der Mann brüllt nicht. Er stöhnt nur zwischen den Zähnen.

Er muss ein harter Bursche sein, denkt Archibald Sheepcheese, als er ihn zu einem Stein trägt, von dem aus er sich mit ihm auf das Pferd setzen kann, ohne ihn aus den Armen zu lassen.

Es ist bemerkenswert, wie Archibald Sheepcheese mit der schweren Last umgeht, obwohl er doch selbst so wirkt, als wäre auch er vor nicht langer Zeit krank gewesen und hätte nachher nicht genug essen können. Auf seinem linken Bein hinkt Archibald Sheepcheese leicht.

Als er dann mit dem stöhnenden Mann auf dem Pferd sitzt, wird dieser bewusstlos.

Archibald Sheepcheese fragt sich, was es mit diesem Burschen wohl für eine Bewandtnis haben mag. Warum wurde er verfolgt und dann so schlimm verprügelt? Handelt es sich um einen anständigen Burschen, der gejagt, überfallen und wegen irgendeiner Feindschaft verprügelt wurde – oder ...

Oh, es gibt so viele Möglichkeiten.

Und Archibald Sheepcheese denkt nicht mehr darüber nach. Er weiß, dass er es bald erfahren wird.

King's Lodge ist eine kleine Stadt.

Archibald Sheepcheese reitet an der Schmiede, dem Wagenhof der Post- und Frachtlinie, dem Mietstall und der Saat- und Futtermittelhandlung vorbei.

Er erreicht das Innere der Stadt und stellt staunend fest, dass es eine für diese kleine Stadt viel zu große Anzahl von Saloons, Restaurants und Hotels gibt.

Aber er erinnert sich wieder daran, davon gehört zu haben, dass es in der Umgebung der Stadt nicht nur die große King Ranch und die King-Mine gibt, sondern auch noch andere Silberminen, kleinere Ranches und Farmen.

Als er die Höhe des Phoenix Saloons erreicht, entdeckt er dort einige träge Gestalten in den Schaukelstühlen, die im Schatten auf der Veranda stehen.

»Hallo, Gentlemen«, sagt er höflich. »Dürfte ich um eine Auskunft bitten?«

Es sind drei Männer, die wie Weidereiter gekleidet sind. Sie öffneten nur wenig ihre Augen und rührten sich nicht. Doch er wird sich nun darüber klar, dass sie ihn und seinen bewusstlosen »Reitgefährten« genau betrachtet haben.

Denn sie erheben sich plötzlich schnell und geschmeidig. Alle Müdigkeit und Trägheit sind weg. Sie sind jetzt drei wachsame, scharfe und hartgesottene Burschen.

»He, dies ist doch wohl nicht Blinky Ketchum?«, fragt einer scharf.

»Ich weiß nicht, wie dieser Mann heißt«, erwidert Archibald Sheepcheese. »Ich fand zuerst sein totes Pferd. Es hatte sich das Bein gebrochen und war dann erschossen worden. Dann fand ich ihn. Er war bei Besinnung und wollte, dass ich ihn zur Stadt bringe. Können Sie mir sagen, wo ich ihn abliefern ...«

»Sie sind richtig, Fremder – wir gehören zu seinen Freunden!« Einer der drei Männer spricht es auf eine grimmige Art. Und dann nehmen sie Archibald Sheepcheese den Bewusstlosen ab.

»Reiten Sie nur nicht weiter, Fremder, bevor wir nicht noch einmal über diese Sache gesprochen haben«, sagt einer der drei Männer befehlend.

Er blickt über die Schulter auf Archibald Sheepcheese zurück und erkennt wohl den Hunger in dessen Gesicht. »Lassen Sie sich etwas zu essen geben, Fremder!«

»Wo?«

»Das ist völlig gleich in dieser Stadt! Sie bekommen es überall, wenn Sie sagen, dass Sie Gast der King-Mannschaft sind.«

Danach folgt er den beiden anderen Männern, die mit dem Bewusstlosen im benachbarten Mogollon Hotel verschwinden. Doch er geht weiter, wahrscheinlich, um den Arzt zu holen.

Archibald Sheepcheese sieht sich um.

Der Vorfall ist auch von einigen anderen Leuten beobachtet worden, von Menschen, die offensichtlich Bürger der Stadt sind. Doch sie alle bleiben in einiger Entfernung stehen, und sie wirken auch jetzt noch sehr zurückhaltend, ganz so, als wollten sie mit dieser Sache nichts zu tun haben.

Archibald Sheepcheeses Instinkt ist gut, und er spürt deshalb deutlich, dass diese Stadt gewissermaßen den Atem anhält, dass sie irgendwie starr verharrt und auf irgendwelche Dinge wartet.

Er entdeckt etwas weiter die Straße hinauf ein kleines Restaurant und davor einen schattigen Platz an einem Wassertrog. Er lenkt sein braunes Pferd hinüber, sitzt ab und betritt das Restaurant, nachdem er dem Pferd den Sattelgurt lockerte und einige Sekunden lang zusah, wie es zu saufen begann.

Drinnen im Restaurant ist es angenehm kühl. Es gibt nur einen einzigen rechteckigen Raum mit etwa zehn Tischen, an denen je vier Gäste sitzen können.

Eine Tür führt in die Küche. Neben der Tür gibt es eine Anrichte und ein Regal für Geschirr.

Aber an den Fenstern sind richtige Vorhänge. Auf den Tischen sind karierte Tischdecken. Es sieht alles sauber und freundlich aus.

Archibald Sheepcheese ist plötzlich davon überzeugt, dass hier eine Frau tätig ist.

Wenig später erblickt er sie.

Nun glaubt er, dass sie vielleicht noch ein Mädchen oder die Tochter der Wirtin ist. Sie kann nicht viel älter als zwanzig sein, und sie ist blond und blauäugig. Sie ist nur mittelgroß für eine Frau und recht schlank. Sie wirkt zart und ganz so, als würde sie nur die Gäste bedienen.

Er nahm seinen alten Hut ab und staunte vom ersten Augenblick an. Denn er findet sie so erfreulich wie einen jungen Frühlingsmorgen.

»Wollen Sie noch etwas speisen?«, fragt sie. »Da haben Sie aber ziemliches Glück. Die Küche ist noch nicht geschlossen.«

»Jemand sagte mir«, murmelt er, »dass ich überall in der Stadt etwas zu essen bekommen könne, wenn ich nur sagen würde, dass ich Gast der King-Mannschaft wäre.«

Ihr freundlicher Blick und ihr Lächeln sind plötzlich fort. Sie wirkt nun zornig und stolz. Sie richtet sich noch gerader auf und hebt ihr energisches Kinn. Ihre Nasenflügel vibrieren.

Archibald Sheepcheese ahnt nun, dass sie sehr energisch und mutig ist.

»Hier nicht«, sagt sie herb. »Hier bekommen die Reiter der King-Mannschaft und deren Gäste nichts ohne Bezahlung. Das mag in der ganzen Stadt anders sein. Doch hier nicht. Also, Mister ...« Sie macht eine unmissverständliche Handbewegung, die ihm deutlich zu verstehen gibt, dass er entweder für sein Essen zahlen oder wieder verschwinden soll.

Doch er hat kein Geld in der Tasche. Und er bekam schon seit zwei Tagen keine Mahlzeit mehr.

Er begreift auch, dass er nur aus diesem Restaurant hinaus und in ein anderes zu gehen braucht, um zu einer Mahlzeit zu kommen.

Er betrachtet das bemerkenswerte Mädchen seltsam ernst, und er kann sich nicht helfen, doch er ahnt, dass sie gewichtige Gründe für ihr Verhalten hat. Sie gefällt ihm nun noch besser.

Und er sagt: »Ich bin fremd hier – völlig fremd. Und ich kenne nichts von den Dingen hier. Ich fand unterwegs einen Mann, den man schlimm verprügelt hat, und brachte ihn zur Stadt. Er gehört offensichtlich zur King-Mannschaft. Deshalb wollten sie mir wohl auch ein Essen spendieren. Aber ich wusste nicht, dass Sie etwas gegen die King-Mannschaft haben. Ich muss gestehen, dass ich mir nicht gerne etwas schenken lasse. Haben Sie vielleicht eine Arbeit zu verrichten, die ein reichliches Essen wert wäre?«

Sie tritt nun schweigend einen Schritt zurück und mustert ihn von oben bis unten.

»Warum machen Sie sich solche Mühe?«, fragt sie etwas spöttisch. »Ich sagte Ihnen doch schon, dass Sie in jedem anderen Lokal dieser Stadt alles bekommen können, ohne dafür etwas geben zu müssen. Die King-Mannschaft bekommt oder nimmt sich alles in dieser Stadt.«

Er schüttelt langsam den Kopf.

»Es wäre mir lieb, wenn ich mein Essen ehrlich verdienen könnte«, murmelt er.

Sie entschließt sich plötzlich.

»Die Tür dort führt in den Hof«, sagt sie. »Es gibt Holz zu spalten. Woher kommen Sie? Wie heißen Sie?«

»Ach«, sagt er, indes er auf die bezeichnete Tür zugeht. Als er sie öffnet, blickt er über die Schulter zurück. »Mein Name ist völlig unwichtig. Ich möchte ihn nicht nennen, Miss.«

Er tritt hinaus und schließt die Tür hinter sich.

Das Mädchen steht noch eine Minute still da und denkt nach.

Sie hört dann die spaltenden Axtschläge draußen erklingen. Es ist ein leichtes Staunen in ihren Augen.

Später dann bekommt er ein Essen, und er hat ziemlich hart dafür gearbeitet, mehr sogar, als das Essen wert ist. Aber irgendwie ahnt er, dass dieses Mädchen ihn auf die Probe stellen wollte, wie ernst es ihm mit seiner Behauptung ist, dass er sich nicht gerne etwas schenken lässt.

Er ist der einzige Gast, denn es ist Nachmittag. Erst zum Abend wird die kleine Speisewirtschaft wieder Gäste bekommen.

Das Mädchen hat ihm reichlich aufgetischt und schenkt ihm auch immer wieder Kaffee ein.

Obwohl der Hunger ihn zuletzt nach der schweren Arbeit des Holzspaltens fast ohnmächtig werden ließ, isst er jetzt langsam und zerkaut jeden Bissen sorgfältig.

»Wie lange bekamen Sie nichts zu essen?«, fragt das Mädchen plötzlich von der Anrichte her, wo sie sich zu schaffen macht.

»Zwei Tage«, erwidert er ruhig. »Und davor hatte ich eine Fischmahlzeit an einem Creek. Aber es war nur eine Forelle von dieser Größe. Ich hätte drei oder vier davon verspeisen können.«

Er zeigt die Größe mit den Zeigefingern. Dann isst er ruhig weiter.

»Und warum wollen Sie Ihren Namen nicht nennen? Sind Sie ein Mann, der vom Gesetz gesucht wird?«

»Es hat mir bisher stets nur Kummer eingebracht, wenn ich meinen Namen nannte«, sagt er. »Ich bin es jetzt leid. Wissen Sie, ich hätte Sie anlügen können. Ich hätte mich Jim Miller oder Bill Smith nennen können, nicht wahr? Aber ich wollte Sie nicht anlügen.«

Sie nickt unmerklich.

»Ich heiße Opal McInnes«, spricht sie dann, und es klingt herausfordernd, so als ob sie ihn durch das Nennen ihres Namens veranlassen könnte, auch seinen Namen zu nennen.

Doch er lächelt nur bitter. »Man nannte mich da und dort, wo ich meinen Namen nicht nannte, einfach Pecos«, spricht er. »Vielleicht genügt Ihnen das?«

Sie gibt keine Antwort darauf, sondern verschwindet in der Küche. Als er dann mit dem Essen fertig ist und laut in die Küche ruft, dass er fertig sei und sich bedanke, da bekommt er keine Antwort.

Und so tritt er durch die Vordertür auf die Straße hinaus. Sein braunes Pferd steht ruhig an der Haltestange. Der Wallach hat gesoffen und döst nun vor sich hin. Er ist staubig und müde.

Archibald Sheepcheese denkt daran, dass Brown neue Eisen bekommen müsste. Er wird seine alten Eisen bald verlieren.

Oha, was bin ich doch für ein armer Hund geworden, denkt Archibald Sheepcheese. Wenn ich doch wenigstens für einige Wochen einen Job bekommen und an einem festen Platz bleiben könnte. Dann ginge es mir bald wieder etwas besser.

Er blickt sich um.

Die Stadt ist sehr still. Es zeigen sich nur wenige Menschen auf der einzigen Hauptstraße. Aber es ist eine sehr beängstigende Stille – etwa so wie die Stille vor einem Unwetter. Archibald Sheepcheese kann das deutlich spüren.

Drüben auf der Saloonveranda sitzen wieder jene drei Männer in den Schaukelstühlen, die ihm bei seiner Ankunft den Bewusstlosen abnahmen.

Er geht hinüber.

Sie betrachten ihn eine Weile wortlos und sehr abschätzend. Jeder für sich ist ein gefährlicher und hartgesottener Bursche. Sie sind Revolvermänner, dies kann Archibald Sheepcheese erkennen. Und er sah noch niemals drei Burschen von dieser Sorte zusammen. Bisher traf er sie stets nur als Einzelgänger.

Einer von ihnen sagt jetzt: »Abgebrannt, nicht wahr? Und vorher warst du krank, Fremder. War es eine Revolverkugel, die dich so krank gemacht hatte?«

Archibald Sheepcheese nickt. »So ist es«, murmelt er. »Und als ich wieder gesund war, besaß ich nur noch mein Pferd. Alles andere ging für die Arzt- und Pflegekosten drauf. Denn es geschah in einer fremden Stadt, wo ich niemanden kannte und keine Freunde besaß. Jetzt suche ich einen Job. Könnt ihr mir einen Tipp geben?«

Sie betrachten ihn immer noch. Der Mann, der gesprochen hat, wirkt fast wie ein Indianer, wie ein Yaqui-Apache. Aber er ist ein Weißer, dies kann man an verschiedenen Merkmalen erkennen.

Sein Nachbar ist ein grobknochiger und sehniger Riese, braunhaarig und braunäugig. Er wirkt besonders hart. Und er sagt nun: »Der trug seinen Revolver links und ziemlich tief, wenn es seine Hose ist. He, Hombre, wie ist dein Name? Woher kommst du?«

»Oh, ich reite überall herum, und ich glaube, dass ich meinen Namen einfach vergessen habe.«

Sie schnaufen nun durch die Nasen, aber sonst reagieren sie nicht auf seine Weigerung, seinen Namen zu nennen.

»Er muss aus dem Pecos-Land bei Langtry sein«, spricht der dritte Mann. Er ist sehr hager und nur mittelgroß, weißblond mit einem gelben Chinesenbart.

Und er trägt zwei Revolver. Seine glasklaren Augen verraten nichts. Archibald Sheepcheese glaubt, dass dieser Mann der gefährlichste Bursche des Kleeblattes ist, und er hört ihn nun gedehnt sagen: »Sein Pferd trägt den Chishum-Brand, und den gibt es ebenfalls im Pecos-Land. Er spricht wie die Leute dort und hat ein Pferd von der großen Chishum Ranch, die dreitausend Pferde besitzen soll. Nun gut, wie war das mit Blinky Ketchum, den du am Wege gefunden und in die Stadt gebracht hast, Pecos?«