G. F. Unger Billy Jenkins 31 - Western - G. F. Unger - E-Book

G. F. Unger Billy Jenkins 31 - Western E-Book

G. F. Unger

0,0
1,49 €

Beschreibung

Dane Chris, der blonde Vormann der Krug-Ranch, hob sich im Sattel, stand einige Sekunden in den Steigbügeln und spähte scharf nach Osten. Dann stieß er einen wilden Fluch aus, räusperte sich den Staub aus der Kehle und spuckte in den Salbei. Wütend setzte er seinen Schecken in Galopp und fegte um die Flanken der Rinderherde. In den Staubwolken erkannte er hier und da einen seiner Cowboys. "Eeeh! Bringt die Tiere in Schwung, Boys!", brüllte er. "Zum Teufel! Treibt, was ihr könnt! Die Pfeil-Boys sind ebenfalls unterwegs! Wenn sie eher am Fluss sind als wir, dann können wir einpacken!" Heisere Stimmen brüllten Antwort. Bullpeitschen klatschten, Stiere röhrten und brachen immer wieder aus. Jetzt krachten einige Schüsse. Vierzigtausend Rinderbeine trommelten den Boden. Der Staub verdunkelte den Himmel. Es roch nach Rindern, Mist, Schweiß und Staub. Die Gesichter der Reiter glichen verschmierten Masken. Eine dicke Staubschicht bedeckte Tiere und Menschen.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 103

Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0



Inhalt

Cover

Impressum

WEIDEKRIEG

DIE RANCH DER VIEHDIEBE - Teil 4

Vorschau

Wissenswertes

BASTEI ENTERTAINMENT

Vollständige eBook-Ausgabe der beim Bastei Verlag erschienenen Romanheftausgabe

Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG

© 2019 by Bastei Lübbe AG, Köln

Programmleiterin Romanhefte: Ute Müller

Verantwortlich für den Inhalt

Titelbild: Heinrich Berends

Datenkonvertierung eBook: César Satz & Grafik GmbH, Köln

ISBN 978-3-7325-8081-1

www.bastei-entertainment.de

www.lesejury.de

www.bastei.de

Liebe Western-Leser, liebe Unger-Freunde!

Das Werk von G.F. Unger, einem der größten und beliebtesten Wildwest-Autoren über die Grenzen Deutschlands hinaus, ist umfangreich. Dazu zählen auch seine Beiträge zu den Serien BILLY JENKINS, TOM PROX, JOHNNY WESTON und PETE in den 50er-Jahren.

Als »sein« Verlag wollen wir Ihnen – zusätzlich zur Sonder-Edition, in der wir Ungers Taschenbücher ungekürzt im Heftformat auflegen –, in einer Classic-Edition jetzt auch diese Romane präsentieren, die neben ihrem nostalgischen Reiz nichts von ihrer Dramatik verloren haben. Wir beginnen mit seinen Billy-Jenkins-Romanen – 71 Hefte und 8 Leihbücher. Die Serie wurde erstmals im Werner-Dietsch-Verlag in den Jahren 1934–1939 veröffentlicht und zwischen 1951 und 1958 vom Uta-Verlag neu aufgelegt und fortgeführt. G.F. Unger stieg bei Band 50, mit dem wir auch die Classic-Edition begonnen haben, in die Serie ein.

Wir wünschen allen Sammlern und Lesern viel Vergnügen und spannende Unterhaltung bei dieser Zeitreise!

Ihre G.F Unger-Redaktion

PS: Einige Bezeichnungen in den Romanen wie »Neger« gelten heutzutage als diskriminierend. Sie waren zur Zeit der Romanhandlung aber gebräuchlich und sollten im historischen Kontext verstanden werden, weshalb sie im Text belassen wurden.

Weidekrieg

Nach Berichten des Westmannes Billy Jenkins

Erzählt von G.F. Unger

Dane Chris, der blonde Vormann der Krug-Ranch, hob sich im Sattel, stand einige Sekunden in den Steigbügeln und spähte scharf nach Osten. Dann stieß er einen wilden Fluch aus, räusperte sich den Staub aus der Kehle und spuckte in den Salbei. Wütend setzte er seinen Schecken in Galopp und fegte um die Flanken der Rinderherde. In den Staubwolken erkannte er hier und da einen seiner Cowboys.

»Eeeh! Bringt die Tiere in Schwung, Boys!«, brüllte er. »Zum Teufel! Treibt, was ihr könnt! Die Pfeil-Boys sind ebenfalls unterwegs! Wenn sie eher am Fluss sind als wir, dann können wir einpacken!«

Heisere Stimmen brüllten Antwort. Bullpeitschen klatschten, Stiere röhrten und brachen immer wieder aus. Jetzt krachten einige Schüsse. Vierzigtausend Rinderbeine trommelten den Boden. Der Staub verdunkelte den Himmel. Es roch nach Rindern, Mist, Schweiß und Staub. Die Gesichter der Reiter glichen verschmierten Masken. Eine dicke Staubschicht bedeckte Tiere und Menschen.

Dane Chris ritt mit zwei Cowboys an der Spitze der Herde. Ihnen folgten die Leitstiere, denen wiederum das Gros der Herde nachstrebte. Der blonde Vormann, dessen kühnem Wikingergesicht man die nordische Abstammung ansah, biss die Lippen zusammen. Es war ihm klar, dass es jetzt um den Bestand der zehntausendköpfigen Herde ging. Die so lange anhaltende Trockenheit hatte das Wasser der meisten Flüsse und Bäche versiegen lassen. Der Creek, dem man jetzt zutrieb, führte nur noch wenig der kostbaren Flüssigkeit. Sie würde vielleicht für diese Herde ausreichen, keinesfalls aber noch für die Herde der Pfeil-Ranch, deren Bestand ebenfalls zehntausend Rinder betrug. Die beiden großen Ranches waren immer gute Nachbarn gewesen, und die beiden Mannschaften waren miteinander befreundet. Doch jetzt handelte es sich um die Existenzgrundlage, also ums Leben, und da konnte von Freundschaft keine Rede mehr sein. Eine der beiden Mannschaften würde mit ihren Rindern weichen müssen, und wenn das nicht gutwillig geschah, würden die Waffen das letzte Wort sprechen.

Der Vormann stieß plötzlich einen heiseren Schrei aus. Weit vor ihnen, bestimmt noch acht Meilen voraus, bewegten sich Reiter am Creek. »Sie sind schon dort! Höllenpest! Wir müssen sie vertreiben!«

»Sie haben einen Teil der Mannschaft vorausgeschickt, die Schlauberger!«

Plötzlich erkannten die Cowboys kleine Rauchwolken, die aus der Prärie, die zwischen ihnen und dem Fluss lag, aufstiegen. Da brüllte Dane Chris zornig: »Sie haben die Prärie angebrannt, diese Verbrecher! Der Wind steht auf uns zu! O Hölle und Verdammnis! Wir müssen zurück, Boys!« Er riss seinen Revolver aus dem Futteral, feuerte drei Signalschüsse in die Luft ab und wendete seinen Schecken. Auch seine beiden Begleiter ritten zur Herde zurück. Hinter ihnen vergrößerte sich die Rauchwolke auf breiter Front und wälzte sich, vom leichten Wind getrieben, auf die Herde der Krug-Ranch zu.

Die große Herde war bereits zum Stehen gekommen. Die Leitstiere spürten den Brandgeruch und drängten zurück. Nun brüllte die Herde vielstimmig auf. Seitlich brachen einige Bullen aus, senkten die Köpfe und hoben die Schwänze steil hoch. Dann fegten sie in wildem Galopp davon. Besinnungslos folgte ihnen die plötzlich toll gewordene Herde. Immer schneller rasten die Rinder nach Süden, und die Cowboys hatten Mühe, rechtzeitig aus dem Bereich der verrückt gewordenen Herde zu kommen, die alles zermalmte, was ihr in den Weg kam. Alle Kälbchen und schwächeren Tiere, die das Tempo nicht einhalten konnten, gerieten unter die trommelnden Hufe der anderen und wurden niedergetrampelt. Eine breite Spur bezeichnete den Weg, den die Herde genommen hatte. Ächzend und stöhnend, höllische Wut im Herzen, folgten die Männer ihrer Herde.

In den nächsten Tagen verlor die Krug-Ranch dreitausend Rinder. Sie blieben auf der Strecke zurück, erschöpft und verdurstet. Überall lagen die Kadaver herum und stanken zum Himmel. Aasgeier, Bussarde, Coyoten und Wölfe hatten einen reichlich gedeckten Tisch.

Das Feuer hatte die Herde nicht mehr erreichen können, da sie rechtzeitig über eine sandige Ebene kam, aber es war nicht möglich gewesen, die erregten Tiere zum Creek zurückzutreiben. Man musste die nächsten Wasserlöcher aufsuchen, und die lagen im Süden. Es wurde ein tagelanger Treck. Abgenagte Rinderskelette bezeichneten den Höllenweg.

Seit diesem Tage herrscht Feindschaft zwischen der Krug-Ranch und der Pfeil-Ranch. Der Herbst kam mit Regen. Der Winter ging vorüber. Er brachte wenig Schnee in den Bergen. Als der Frühling kam, leuchtete die Weide in herrlichen Farben. Die Hügel und Vorberge grünten. Doch in wenigen Wochen wird es wieder Sommer sein. Dann wird die Durstzeit wieder beginnen, der Kampf um Weide und Wasser. Wie wird er dieses Jahr ausgehen? Es ist sicher, dass es ein erbitterter Kampf werden wird. Beide Ranches haben ihre Mannschaften mit gefährlichen Scharfschützen verstärkt. Die Luft wird sehr bleihaltig werden, und ein Menschenleben wird nicht viel wert sein.

In West-Arizona ging in diesem Frühjahr der große Krieg zwischen Rinderleuten und Viehdieben zu Ende. Einige Dutzend Rinderzüchter kämpften viele Monate mit ihren Cowboys gegen Hunderte von Banditen. Es war eine wilde Zeit, die noch einmal die Erinnerung an die Zeiten des alten Westens heraufbeschwor. In den Harquar Hala Mountains und am Gila-River, in der Wüste und am Colorado starben in den letzten Wochen viele Weidereiter und Viehdiebe. Es war ein regelrechter Krieg gewesen. Die Rustler hatten ihn verloren. Viele von diesen erbarmungslosen Banditen wurden gehenkt, erschossen oder eingesperrt. Aber einige, und das waren die gefährlichsten, entkamen. Sie wechselten ihr Jagdrevier. Auch die Skalpmesser-Bande konnte sich aus der Schlinge ziehen, die von Cowboys, Polizeireitern und Soldaten gelegt worden war. Die Banditen trennten sich, verschwanden spurlos und entkamen ihren Verfolgern.

Der Anführer der Skalpmesser-Bande ist Bloody Jack. Ihm und seinen Mördern sitzen drei Männer der Special-Police auf der Fährte. Es sind die besten und härtesten Scharfschützen, die jemals über die Arizona-Weide geritten sind: Captain Billy Jenkins, Jim Chester und Dick Hanson.

Da sich die Skalpmesser-Bande teilte, mussten sich auch die Polizeireiter vorübergehend trennen. Sie waren sich darüber klar, dass sie eines Tages irgendwo zusammentreffen würden, denn auch die Bande würde sich wieder sammeln.

Die Reiter der Gerechtigkeit ritten viele Tage und Wochen durch das Land, horchten, erkundeten, saßen am Lagerfeuer der Cowboys und in den Kneipen der kleinen Ortschaften und erfuhren so manche Dinge.

Dick Hanson glaubt in Red Hills am Ende seiner Fährte zu sein. Er hörte schon vor ein paar Tagen, dass im Tal des Sunshine-Creeks diesen Sommer ein neuer Weidekrieg ausbrechen wird. Solch ein Krieg zwischen zwei Ranches ist für Viehdiebe stets ein gefundenes Fressen; denn wenn zwei sich streiten, freut sich der dritte. Dick Hanson »riecht« es gewissermaßen, dass die Skalpmesser-Bande ihre Arbeit in diesem Tal aufnehmen wird. Die Verhältnisse sind äußerst günstig für Banditen. Es gibt keine Bahn- und keine Telegrafenverbindung, und es gibt keinen Sheriff.

Auf seinem hässlichen Grauschimmel »Zwiebel« reitet Dick Hanson in Red Hills ein. Der athletische Polizeireiter ist wie ein Cowboy gekleidet und erregt deshalb nur das Interesse, das man hier jedem fremden Reiter entgegenbringt.

Red Hills ist nur ein kleiner Ort. Er lebt von den beiden Groß-Ranches, einigen »Zehn-Kühe-Ranches«, die in den Seitentälern versteckt liegen, und von mehreren Farmern. Das größte Haus ist der General-Store, ein Warenhaus, in dem alles zu kaufen ist, was die Leute in dieser Gegend brauchen. Mit ihm verbunden ist das Gasthaus, vor dem auch eine kleine Tankstelle steht.

Die Straße ist staubig. Hühner und Hunde laufen umher. Dick lenkt seinen Grauen an den Tränktrog des Gasthauses, wirft die Zügel über die Stange und bindet sie fest. Dann zieht er seinen Karabiner aus dem Scabbard, nimmt ihn unter den Arm und stapft die Stufen zur Veranda hinauf. Oben lümmeln einige Reiter. Es sind sehnige, braungebrannte Boys mit kühlen, harten Blicken und unbewegten Gesichtern. Als Dick sich den Staub von den Kleidern klopft und auf die Pendeltür zustampft, sagt einer der Cowboys: »Das is’n Elefant, Jungs! He, Buddy! Mach nicht solchen Krach um die Mittagszeit! Oder haste am Ende ’n Holzbein? Damned! Ich kann solche großspurigen Knackwürste nicht aussteh’n!«

Dick, dessen einziges Sinnen und Trachten ein kühler Schluck und eine kräftige Mahlzeit sind, bleibt stehen und knurrt unwillig: »Kannst dich in ’ner halben Stunde bei mir melden, mein Sohn, dann werd ich dir die Hosen strammzieh’n! Hab jetzt keine Zeit für Rotzjungs!« Dick stößt noch ein tiefes Brummen aus und stampft durch die Pendeltür ins Lokal hinein.

Wenn man sich den Cowboy ansieht, den Dick so kurz abgefertigt hat, weiß man sofort, dass der Zwischenfall noch nicht erledigt ist. Gross Andy ist ein Berg von einem Mannsbild, und wenn man auch seinem kantigen Kopf mit der niedrigen Stirn nicht viel Intelligenz zutrauen mag, so muss doch gesagt werden, dass er an seinem Körper und an den Gliedmaßen allerhand Muskelpakete sitzen hat.

Jolly Sam, ein kleiner, drahtiger Kerl, der seine beiden Colts sehr tief trägt, krächzt: »Habe mal ’nen großen Hund geseh’n, Andy! Well, ein kleiner Pinscher kläffte ihn an. Was soll ich dir sagen: Der Bernhardiner störte sich nicht daran und tappte weiter!«

Gross Andy springt auf: »Soll ich vielleicht der Pinscher sein? Mensch! Der Buddy is’n halben Kopf kleiner als ich …«

»… und zieht dir nachher die Hosen stramm!«, hetzt Jolly Sam.

»Ho, so ’n blöden Witz habe ich lange nicht gehört, Sam! Komm, ich will dir mal zeigen, wie ich dem großmäuligen Bello das Genick breche!«

»Lass es sein!«, sagt Sam beschwichtigend. »In ’ner halben Stunde kommt das Postauto. Well, du weißt, dass wir die Tochter vom Boss abholen sollen! Jetzt keine Keilerei! – Ob Esther noch schöner geworden ist, Andy? Als sie ins College ging, war sie schon ein netter Käfer und …«

»Jetzt werd ich dem Bello erst mal die Flöhe aus dem Fell klopfen!«, faucht Gross Andy und geht auf die Pendeltür zu. Er wiegt sicherlich seine zwei Zentner, dieser Mann, aber er wirkt trotzdem nicht fett, sondern wie ein athletischer Preisringer. Sein Schritt ist leicht und geschmeidig. Der schwere Colt klatscht beim Gehen an den Oberschenkel.

Auch die anderen Boys erheben sich. »Na schön!«, grinst Sam. »Wenn das Postauto keine Verspätung hat, bleibt uns noch ’ne halbe Stunde …«

Dick Hanson hat Glück gehabt. Obwohl die Tischzeit überschritten ist, hatte der Wirt noch genügend vorbereitete Speisen da, und der Gast braucht gar nicht lange zu warten. Dick setzt gerade sein Glas ab und grinst dem Wirt entgegen, der ihm hochgefüllte Schüsseln und Teller aus der Küche bringt. »Well, das is gerade die richtige Portion für mich!«, brummt Dick.

»Wo sind denn die anderen Gents?«, fragt der Wirt.

»Welche Gents?« Dick hebt die Brauen.

»Sie haben doch drei Portionen bestellt, Stranger!«

»Ach so. Ho, für mich … nur für mich! Ein starker Mann muss gut und viel essen, wissen Sie … well!«

Der Wirt grinst.

In diesem Augenblick schieben sich die Cowboys herein. Sie haben Dicks letzte Worte gehört, denn dessen Bassstimme ist sehr laut.

»Da sitzt ja der verfressene Elefant! Eeeh, Buddy, du sagtest doch vorhin was von Hosenstrammziehen!« Gross Andy saugt die Luft ein, so dass sich das Hemd über dem mächtigen Brustkasten dehnt.

»Dich juckt wohl schon das Fell?«, knurrt Dick und kaut. Er hat seinen Hut im Nacken hängen, sitzt bequem und breit am Tisch und löffelt unentwegt. Seine mächtige Kinnlade mahlt ohne Pause.