G. F. Unger Sonder-Edition 132 - G. F. Unger - E-Book

G. F. Unger Sonder-Edition 132 E-Book

G. F. Unger

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Beschreibung

Der schönen Maggy Coburne hat das Leben übel mitgespielt. Ihr Mann starb am Kartentisch und ließ sie mit einer riesigen Spielschuld in Vulture Town zurück. In einem heruntergekommenen Saloon nahm sie den Job eines Animier-Mädchens an, und seit wenigen Minuten weiß sie, dass sie auch noch den Rest ihrer Selbstachtung verlieren wird. Vier Banditen würfeln um sie. Der Gewinner wird sie aufs Zimmer schleifen und ihr Gewalt antun. Da betritt ein hünenhafter, ganz in Wildleder gekleideter Mann den Saloon. Plötzlich schöpft Maggy Hoffnung, denn sie ist sicher, dass dieser Fremde sie vor dem Höllenrudel retten wird...

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Seitenzahl: 181

Veröffentlichungsjahr: 2018

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Inhalt

Cover

Impressum

Montana-Mann

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Vorschau

BASTEI ENTERTAINMENT

Vollständige eBook-Ausgabe der beim Bastei Verlag erschienenen Romanheftausgabe

Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG

© 2018 by Bastei Lübbe AG, Köln

Programmleiterin Romanhefte: Ute Müller

Verantwortlich für den Inhalt

Titelbild: Manuel Prieto/Norma

eBook-Produktion: César Satz & Grafik GmbH, Köln

ISBN 978-3-7325-5954-1

www.bastei-entertainment.de

www.lesejury.de

www.bastei.de

Montana-Mann

1

Als die Kutsche mit einem Ruck anhält, stößt der Fahrer einen heftigen Fluch aus und ruft dann zur Seite nieder: »Aussteigen! In dieser schwarzen Nacht fahre ich nicht weiter. Es geht nicht. Denn wir würden mitsamt der Kutsche in den Abgrund stürzen. Die Kehren dieses verdammten Wagenwegs sind zu eng. Also, steigt aus, Leute! Bei Sonnenaufgang geht es weiter. Und passt hier in diesem Geiernest gut auf euch auf. Den Rat gebe ich euch.«

Nun beginnen die Passagiere in der Kutsche zu fluchen. Eine bitter klingende Männerstimme sagt böse: »Das hat uns noch gefehlt. Die meisten von uns haben von dieser Stadt schon gehört. Vielleicht wäre es besser, die Weiterfahrt zu wagen. Es könnte ja jemand von uns Männern vorausgehen und die beiden Führungspferde des Sechsergespanns um die Kehren …«

»Nein!« Der Fahrer unterbricht ihn und spricht dann schärfer weiter: »Raus mit euch! Wir halten hier vor dem einzigen Hotel von Vulture Town. Ich fahre jetzt gleich weiter zum Wagenhof der Post-Station. Bei Sonnenaufgang fahre ich wieder hier vor. Raus jetzt!«

Nun endlich gehorchen sie, wenn auch murrend, fluchend und auf die Post- und Frachtlinie schimpfend. Einige Frauenstimmen schimpfen besonders drastisch und verraten damit, dass ihre Besitzerinnen nicht zu den feinen Ladys gehören.

Im Schein der Wagenlaterne und der Hotelbeleuchtung erkennen sie einen Bau aus Bruchsteinen und Holzstämmen und lesen auf einem Schild, dass dies hier das Rocky-Hotel ist.

Sie gehen hinein, und auch Frank und Maggy Coburne tun es. Als sie in den Gastraum treten, kann man erkennen, dass sie ein stattliches Paar sind, wie es unter zehntausend Paaren gewiss kein zweites gibt.

Beide sind schwarzhaarig. Maggys grüne Augen leuchten im Lampenlicht wie die einer Katze. Franks Augen sind von einem hellen Grau, und wer in diese Augen sieht, der weiß sofort, dass er ein Mann ist, der für sich und seine Frau sorgen kann. Er trägt die Reisetasche mit ihrem Nachtzeug in der Rechten. Denn links hängt ein großer Colt unter seiner Hüfte. Er ist Linkshänder. Und sein jetzt staubiger Anzug ist von der Art, wie ihn die Spieler tragen.

Indes sie eintreten, hören sie den Hotelbesitzer laut und nicht gerade freundlich sagen: »Ich habe nur vier Zimmer im Hotel, und nur eins ist noch frei mit drei Schlafplätzen darin. Ich sehe drei Ladys – also ist die Sache wohl klar, nicht wahr, Gentlemen? Oder nicht?«

Der Hotelbesitzer ist ein Bursche, der keinen Widerspruch duldet. Sein linker Arm endet nicht an einer Hand, sondern an einem Stahlhaken, und er wirkt eher wie ein Pirat.

»Ich lasse den Ladys das Abendessen aufs Zimmer bringen«, spricht er weiter und deutet zur Treppe nach oben. »Gehen Sie nur, gehen Sie, Ladys. Wir haben drüben im Saloon ein Rudel betrunkener Burschen, denen meine beiden Mädchen nicht genug sind. Ich will keinen Ärger mit der Postlinie wegen deren Passagiere. Gehen Sie nur hinauf!«

Maggy wendet sich an ihren Mann, sieht fest zu ihm hoch.

»Geh nur«, spricht er leise auf sie nieder. »Mach dir keine Sorgen. Ich bin kein Spieler mehr. Ich rühre keine Karten mehr an. Geh nur und ruhe dich aus. Wir sind schon drei Tage und Nächte unterwegs. Dies wäre die vierte Nacht. Geh, mein Liebes, geh nur. Ich werde hier unten irgendwo auf einer Bank schlafen.«

Noch einmal blickt sie fest in seine rauchgrauen Augen. Dann nickt sie, stellt sich auf die Zehenspitzen, hält sich an ihm fest und küsst ihn auf den Mund.

»Bis morgen, Frank«, spricht sie ruhig. Ihre Stimme ist dunkel und kehlig. Sie folgt den beiden anderen Frauen die Treppe hinauf. Und alle Männer sehen ihr nach und bewundern ihre geschmeidigen Bewegungen.

***

Frank Coburne betritt bald darauf mit den anderen männlichen Passagieren der Postkutsche den großen Gastraum, der zugleich auch Saloon ist.

Auch hier führt eine Treppe nach oben, über die in diesem Moment ein Mann mit einem Mädchen verschwindet. Offenbar gehen die beiden Saloonmädchen, von denen der Wirt sprach, dort oben dem ältesten Gewerbe der Welt nach.

Frank Coburne kennt das alles. Er lebte jahrelang als Spieler in Saloons und Spielhallen, in noblen und üblen. Er kennt alle Sorten. Denn er war ein Spieler mit wechselndem Glück.

Sein wirkliches Glück begann erst, als er auf Maggy traf und sie seine Frau wurde, nachdem er ihr versprach, nie wieder eine Karte anzurühren.

Und nun sind sie unterwegs zu den Goldfundgebieten von Montana, um dort auf andere Weise ihr Glück zu suchen. Sie werden einen Claim abstecken und darauf nach Gold suchen.

Und wenn sie für vier- bis fünftausend Dollar Gold finden, werden sie sich irgendwo in einer jungen, hoffnungsvollen Stadt ein Hotel bauen.

Frank Coburne denkt wieder daran, indes er an den Freiimbisstisch neben der Bar tritt, sich daran bedient und dem Barmann zunickt, als dieser die Biergläser für die neuen Gäste zu füllen beginnt.

Er lehnt dann an der Bar, hält das mit Bratfleisch belegte Brot in der einen und das Bierglas in der anderen Hand, kaut und trinkt gemächlich und lässt seinen Blick schweifen.

Ja, es ist eine üble Bande hier versammelt. Es sind Reiter, Bergläufer, aber auch Bürger der Stadt. Die Stadt selbst ist ein Bergnest auf der Wasserscheide eines Passes, den man den Vulture-Pass, also den Geier-Pass, nennt.

Und dies hier ist Vulture Town.

Frank Coburne macht sich keine Illusionen. Hier sind Geächtete versammelt, Deserteure, Renegaten, Burschen mit Schatten auf der Fährte und mit einem unauslöschlichen Hass gegen alles im Herzen, was nicht zu ihnen gehört.

Dies hier ist einer der wenigen Versorgungswege durch die Berge zum Goldland. Und auf diesem Weg müssen alle zurück, die fündig wurden und mit ihrem Gold ein neues Leben beginnen wollen.

Frank Coburne beginnt zu begreifen, wie schwer es sein wird, sollten er und Maggy Glück haben im Goldland.

Doch bisher war er ein Mann, der sich überall behaupten konnte.

Warum nicht auch diesmal?

Es tut gut, an der Bar zu stehen und nicht sitzen zu müssen. Drei Tage und drei Nächte saß er in der Kutsche und wusste nicht wohin mit seinen langen Beinen. Er versorgt sich nochmals mit einem belegten Brot, lässt sich zum zweiten Bier noch einen Brandy geben und sieht sich dann nach einer Gelegenheit um, wo er sich in ganzer Länge ausstrecken kann.

An den beiden Billardtischen wird gespielt. Auch die runden Pokertische sind besetzt. An einem dieser Tische spielt man um das zweite Mädchen, um den Vorzug also, mit der kichernden »Schönen« hinaufgehen zu dürfen.

Vielleicht war sie früher einmal hübsch.

Jetzt ist sie nur noch dick geschminkt, und vielleicht müsste sie einem leidtun. Denn sicherlich ist sie hier bei ihrer letzten Station angelangt und hat ihre Hoffnung längst begraben.

Sie ist ziemlich betrunken und kichert deshalb so dumm.

Ja, sie kann einem leidtun.

Frank Coburne schüttelt den Kopf, als einer der anderen Fahrgäste ihn fragt, ob er nicht Lust zu einem Spiel hätte, weil die Nacht ja noch so jung sei.

Er leert die Gläser, schiebt den letzten Bissen in den Mund und geht hinüber zu einer langen Bank an der Wand, streckt sich der Länge nach auf ihr aus und legt den Hut auf sein Gesicht, tut dies jedoch so, dass er darunter hinweg noch beobachten kann.

Die Geräusche im Raum sind für ihn bald wie das ständige Rauschen eines Wasserfalls bei einem Camp unter freiem Himmel. Seine Gedanken beschäftigen sich wieder mit Maggy und ihrer beider gemeinsamer Zukunft.

Werden sie im Goldland Glück haben?

Oder hätte er nicht noch einmal sein Kartenglück ausprobieren sollen?

Noch hat er fast tausend Dollar – nicht genug für ein Hotel in einer jungen Stadt, doch genug für ein letztes Spiel.

Aber er verwirft den Gedanken. Denn Maggy hat sein Wort.

Er will es halten.

Wieder einmal mehr denkt er daran, wie sie sich kennenlernten.

Sie war Lehrerin in einer kleinen Stadt.

Als er sie dort während des Aufenthalts der Postkutsche nach Kansas City sah, traf es ihn wie ein Blitz.

Er blieb in der kleinen Stadt, bis er Maggy endlich bekam. Länger als ein Vierteljahr dauerte es.

Er wurde Deputy Marshal. Sein Entlassungsschein aus der Armee der Nordstaaten, der ihm bescheinigte, dass er zuletzt als Captain auf Kriegszeit seinen Dienst verrichtet hatte, verhalf ihm zu dem Job.

Doch Maggy und er wollten mehr.

Und so sind sie nun unterwegs zum Goldland.

Er schläft ein wenig ein, aber stets nur für wenige Minuten.

Es ist ein ständiges Versinken in bodenlose Tiefen und wieder Hochsteigen zur Wirklichkeit.

Dann hört er wieder all die Geräusche, Worte, Laute.

Es ist dann schon nach Mitternacht, als es stiller wird.

Viele der Gäste sind betrunken. Sie liegen über den Tischen oder auch wie er auf den Bänken an den Wänden. Niemand will in dieser schwarzen Nacht hinaus. Draußen heult der Sturm.

Nur an einem der runden Tische wird noch gespielt.

Von den beiden Mädchen ist nichts mehr zu sehen oder zu hören.

Vielleicht schliefen sie oben mit ihren letzten Freiern vor Trunkenheit ein.

Frank Coburne hört die Gespräche am Pokertisch nun deutlicher. Denn sie sind die einzigen Wortfetzen in dem nun stillen Saloon des Rocky-Hotels auf der Wasserscheide des Vulture-Passes.

Frank Coburne setzt sich langsam auf. Die harte Bank ist kein bequemes Lager. Er möchte sich einmal erheben und seine steif gewordenen Glieder etwas bewegen. Und so tut er es und steht bald ziemlich nahe bei der Pokerrunde, dreht sich eine Zigarette. Einer der gewiss hartgesottenen Männer wendet sich an ihn.

»Sie können mitspielen«, sagte er, »aber stehen Sie da nicht herum. Das stört uns. Da ist noch ein freier Stuhl.«

Frank Coburne will den Kopf schütteln und sich abwenden. Er denkt auch an sein Versprechen, das er Maggy gab.

Aber er will ja gar nicht richtig spielen. Er möchte nur die Nacht hinter sich bringen und nicht wieder auf der harten Bank liegen. Und irgendwie juckte es ihn schon die ganze Zeit so dicht in der Nähe des Pokertisches und der Pokerrunde.

Ja, selbst als er schlief und die Worte der Spieler nur im Unterbewusstsein hörte, da arbeitete es bereits in ihm.

Auch die anderen Spieler am Tisch sehen ihn nun an. O ja, sie alle sind gefährliche Burschen, wahrscheinlich Reiter, die ständig unterwegs sind wie nach Beute streifende Wölfe und nirgendwo lange bleiben. Sie alle kennen sich schon zu gut, und deshalb macht ihnen auch das Pokerspiel untereinander kaum noch Spaß. Deshalb sind sie geradezu gierig nach frischem Blut in ihrer Runde. Denn das würde die Sache wieder spannender machen.

Einer sagt nun: »Wir spielen nur zum Zeitvertreib, bis die schwarze Nacht vorbei ist und wir den Pass abwärts reiten können. Es ist nur ein harmloses Spiel, um die Zeit totzuschlagen. Kommen Sie, Mister.«

Oha, er macht sich keine Illusionen. Er weiß, dass aus einem scheinbar harmlosen Spielchen schnell ein Kampf werden kann, ein Krieg mit Karten, bei dem es um alles oder nichts geht.

Er denkt: Ich will wirklich nur zum Zeitvertreib spielen und nichts riskieren.

Dann fällt ihm ein, dass er Maggy versprach, nie wieder die Karten anzurühren.

Bisher war es leicht, dieses Versprechen zu halten. Denn sie sind seit ihrer Hochzeit Tag und Nacht zusammen. Er bekam keine Gelegenheit, der Versuchung nachzugeben.

Doch jetzt …

Ach, ich will ja gar nicht richtig spielen, denkt er wieder. Ich will mir nur ein wenig die Zeit vertreiben.

Und so bewegt er sich und nimmt auf dem noch freien Stuhl am runden Pokertisch Platz. Dass er sich nun in einer Runde hartgesottener Burschen befindet, macht ihm keine Sorge. Er ist selbst ein gefährlicher Mann, schnell mit dem Colt. Er strömt Härte und Gefährlichkeit aus. Nur Dummköpfe würden mit ihm einen Verdruss anfangen. Und die vier Burschen da am Tisch sind gewiss in dieser Hinsicht keine Dummköpfe.

Er bekommt nun seine Karten, und von diesem Moment an ist er wieder ein Spieler. Nein, er denkt nicht mehr an Maggy, die oben mit den beiden anderen Frauen ausruht von der langen, schüttelnden Fahrt.

Sie wird nichts erfahren.

Denn wenn es Tag wird, werden sie das Spiel beenden.

Es macht ihm Spaß, wieder einmal zu bluffen und die Karten der Gegner zu erraten, seine Chancen zu wittern und all den psychologischen Krieg zu führen, der nun mal zum Poker dazugehört, ja, der eigentlich erst den Poker ausmacht.

Sie spielen nur um kleine Beträge, und alles bleibt nur ein harmloses Geplänkel. Aber er gewinnt fast ständig.

Ist sein Instinkt durch die leichte Abstinenz besonders scharf geworden?

2

Es ist dann etwa drei Stunden später und kurz vor Morgengrauen, als das Spiel plötzlich doch zum Kampf wird, zum Krieg, und zwar zum Krieg zwischen Frank Coburne und einem der vier Kerle, den sie Vance nennen.

Offenbar hat er ein zu gutes Blatt, um sich mit ein paar Dollars zufriedenzugeben. Oder er versucht den großen Bluff. Denn er grinst und sagt: »Dies ist unsere letzte Runde, nicht wahr? Und da wollen wir mal ohne Limit spielen, ja? Wer traut sich? Ich erhöhe um hundert Dollar. Wer geht mit?«

Frank Coburne hat nur vier Achten, doch er weiß mit einem Mal, dass der Mann blufft. Er weiß es ganz einfach. Sein großspuriges Erhöhen soll den Gegner zum Aussteigen veranlassen. Gewiss hat er ein ganz mieses Blatt und will ihn nur aus dem Spiel bluffen.

Die drei anderen Spieler – es sind seine Partner oder Freunde – steigen auch wirklich aus. Einer sagt: »Wir sind doch nicht verrückt, deine hundert Dollar zu halten und vielleicht sogar noch zu erhöhen, Vance. Nicht mit uns.«

Nun ist die Reihe an Frank Coburne.

Und er weiß, dass er am Scheideweg steht.

Bisher war es nur Zeitvertreib. Sie hätten ebenso gut Schach, Mühle oder Halma spielen können.

Doch jetzt ist die Herausforderung da.

Soll er? Oder soll er nicht?

Er weiß, dass ihn der Bursche aus dem Spiel bluffen will. Sein Instinkt sagt es ihm. Der Kerl will ein paar Dollars gewinnen und droht mit hundert Dollar, um die er erhöht.

Einen kurzen Moment lang denkt Frank Coburne an sein Versprechen, das er Maggy gab, bevor sie seine Frau wurde. Das war ihre Bedingung. Sie wollte ihren Lebensweg nicht mit einem Spieler gehen.

Doch nur einen kurzen Moment denkt er an das Versprechen und an Maggy.

Dann nimmt er die Herausforderung an.

Mit vier Achten lässt er sich nicht aus dem Spiel bluffen, nicht mit vier Achten in der Hand, also einem Vierling, verdammt.

Er grinst, holt mehr Geld aus seiner Jacke und sagt: »Hier sind die hundert Dollar, und weil’s so spannend wird, noch mal hundert Dollar obendrauf.«

Sie starren ihn an.

Und sie wissen, dass ihr Partner Vance nur geblufft hat und die hundert Dollar verlieren wird, wenn er diesen Mann da nicht aus dem Spiel bluffen kann.

Also hängt es davon ab, wer das meiste Geld hat.

So hart ist es nun mal beim Poker, wenn ohne Limit gespielt wird.

Aber auch jener Vance ist bereit, seinen Bluff weiter durchzuziehen.

Er legt die hundert Dollar hin – und dann holt er ebenfalls Geld aus seinen Taschen, legt es auf den Haufen.

»Und fünfhundert Dollar, mein Freund«, sagt er und grinst.

Sie starren Frank Coburne nun neugierig an, strömen die Gnadenlosigkeit eines Wolfsrudels aus, das ein Wild eingekreist hat und noch einmal verharrt, bevor es losspringt, um zu töten.

Frank Coburne weiß Bescheid.

Aber ihm wird nicht heiß – nein, er wird nur noch kühler, kälter.

Jetzt kann er nicht mehr aussteigen. Nun muss er weitermachen. Und es hilft ihm nun kein Bedauern, keine Reue.

Er holt den Rest des Geldes heraus. Da er im Verlauf des Spiels gewann, also insgesamt mehr als tausend Dollar besitzt, kann er nochmals mithalten, doch nicht mehr erhöhen.

Sie begreifen, dass er am Ende ist und nicht mehr mithalten kann, wenn jener Vance noch ein paar Dollar bringen kann.

Aber kann er es? Oder ist auch er am Ende?

Auf jeden Fall ist er mit dem Fordern an der Reihe. Nur er kann das Aufdecken verlangen.

Vance wendet sich an seine Partner und Kumpane.

»Borgt mir Geld«, sagt er rau. »Borgt mir, was ihr in den Taschen habt. Los!«

Es klingt wie ein Befehl. Er ist ein rücksichtsloser Bursche, der seine Chance erkannt hat. Seine Karten sind schlecht. Er kann diesen Mann da nur aus dem Spiel bieten durch ständiges Erhöhen. Und wenn Coburne nicht mithalten kann, sondern aufgeben muss, braucht jener Vance nicht einmal seine Karten aufzudecken und sein mieses Blatt zu zeigen.

So gnadenlos ist Poker.

Frank Coburne weiß, dass er verloren hat.

Er wird für Maggy und sich nicht einmal die Hotelrechnung bezahlen können, es sei denn, Maggy hat noch ein paar Dollars in ihrer Handtasche.

All die bittere Erkenntnis steigt in ihm auf, dass er versagt hat. Maggy hat ihm vertraut – und schon bei der ersten Gelegenheit gab er der Versuchung nach. Er ist immer noch ein spielsüchtiger Bursche.

Nach seiner Entlassung aus der Armee wurde er ein Spieler. Das ist er immer noch. Selbst Maggy konnte das nicht ändern.

Einen Moment will Zorn ihn erfassen, und er denkt daran, den Colt zu ziehen und sich sein Geld zurückzunehmen.

Doch dann gibt er auf und will sich erheben.

Doch da sagt die Stimme des Wirtes aus dem Hintergrund des Raumes herüber: »He, Mister, würden Sie immer noch im Spiel bleiben wollen, wenn Sie das könnten?«

»Sicher«, erwidert Frank Coburne, ohne den Kopf zu wenden. »Mein Blatt ist nicht zu schlagen. Dieser Mister blufft nur. Bis in die Hölle und zurück würde ich im Spiel bleiben.«

»Dann wollen wir mal sehen«, spricht die Stimme des Wirtes. »Schreiben Sie mir einen Schuldschein über fünfzehnhundert Dollar, dann leihe ich Ihnen tausend. Wollen Sie?«

»Ein Menschenfreund sind Sie gerade nicht«, sagt Coburne bitter.

»Warum auch?« Der Wirt fragt es hart, während er nähertritt und ein Blatt Papier und einen Tintenstift mitbringt. »Warum sollte ich ein Menschenfreund sein?«

Frank Coburne hat keine andere Wahl.

Er braucht Geld, um im Spiel bleiben zu können.

Und so schreibt er eine Quittung über fünfzehnhundert Dollar.

Der Wirt nimmt sie und wirft ein Bündel Geldscheine auf den Tisch.

Frank Coburne richtet seinen Blick auf jenen Vance.

»Das ist es wohl?« So fragt er.

Die vier Kerle starren ihn an.

Und der Wirt beginnt sich plötzlich rückwärts zu entfernen. Er strebt dem Schanktisch zu.

Ganz plötzlich weht der Atem von bevorstehender Gewalttat, von Gefahr – von Tod.

Frank Coburne kennt diesen Atem.

Er erhebt sich gleitend. Der Stuhl kippt hinter ihm um, und er zaubert seinen Colt heraus. Aber es ist zu spät. Jener Vance schießt unter dem Tisch, trifft ihn in den Unterleib, und so kann Frank Coburne nur noch kämpfend sterben. Er schießt noch dreimal, bevor er tot am Boden liegt, getroffen von vier Kugeln.

Und der Wirt gab es auf, noch hinter den Schanktisch gelangen zu wollen. Er steht still da und hebt die Arme, von denen einer ja mit einem Stahlhaken endet, der ihm die Hand ersetzt.

Zwei der vier Kerle – einer davon ist Vance – liegen hinter dem Pokertisch ebenfalls am Boden und sterben wie Frank Coburne.

Doch die beiden anderen halten ihre rauchenden Colts schussbereit und bedrohen den Wirt und die Gäste, die da und dort auf den harten Bänken hochschreckten oder die Oberkörper von den Tischen aufrichten, wo sie, den Kopf auf den Armen, lagen und schliefen.

»Schon gut, schon gut. Ihr habt gewonnen!« Der Wirt ruft es heiser, denn er weiß, dass er die nächste Kugel bekommen würde.

Einer der beiden noch übrigen Pokerspieler bewegt sich nun. Er beugt sich nieder und untersucht die beiden Partner am Boden. Als er sich aufrichtet, sagt er bitter und böse in die Stille: »Die haben ihre Löffel schon abgegeben. Reiten wir, Charly. Dieser verdammte Hurensohn hat es Vance und Josh böse besorgt. Das war ein hoher Preis. Ich stecke das Geld ein. Pass gut auf, Charly!«

»Sicher«, knurrt dieser. »Wenn sich was bewegt, knalle ich los!«

***

Die drei Frauen werden von dem Krachen der Schüsse wach in dem Zimmer, in dem sie angekleidet auf den primitiven Betten liegen.

Maggy erhebt sich sofort, fährt in ihre Schuhe und läuft aus dem Zimmer, dann die Treppe abwärts und vom Hotel zum Saloonanbau hinüber.

Draußen im Morgengrauen klingt der Hufschlag der abreitenden Banditen, die auch die Pferde der beiden zurückgelassenen Toten mitnehmen.

Maggy sieht Frank am Boden liegen. Sie kniet bald darauf bei ihm und beginnt zu begreifen, dass er tot und sie allein ist.

Ein Mann tritt zu ihr und dem Toten. Sie blickt empor aus ihrer hockenden Haltung. Es ist der Wirt, dessen Namen sie noch nicht einmal kennt.

»Sie sind seine Frau, nicht wahr?« So fragt er auf sie nieder.

Langsam erhebt sie sich. »Ja, ich bin seine Frau«, erwidert sie und blickt in seine erbarmungslosen Augen, die kalt und böse funkeln vor Wut.

»Na gut«, sagt er, »dann werden Sie sicherlich für seine Beerdigung sorgen und auch seine Schulden bezahlen.«

»Schulden?« Sie fragt es ungläubig, begreift noch gar nichts richtig und ist noch völlig durcheinander.

»Nun«, sagt der Wirt, »ich werde Ihnen das schon noch alles genau erklären. Mein Name ist Pruitt, Mike Pruitt. Wir werden uns gewiss einig, ganz gewiss.«

***

Es kommt Maggy Coburne, geborene McLane, alles wie ein böser Traum vor, aus dem sie gewiss bald erwachen wird, um zu begreifen, dass alles nur ein Traum war.