G. F. Unger Sonder-Edition 274 - G. F. Unger - E-Book

G. F. Unger Sonder-Edition 274 E-Book

G. F. Unger

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Beschreibung

Die schöne Caroline Dunn war entschlossen, den Goldschatz der Südstaaten zu heben, der mitten im Indianerland auf dem Grund eines reißenden Flusses ruhte. Jahrelang suchte sie den richtigen Mann für diesen Job - bis sie schließlich auf Wild Buck Flynn traf, den härtesten Floßkapitän am oberen Missouri...

Er und seine vier Freunde waren der Schrecken der Unionsarmee. Hätte der Süden den Krieg gewonnen, wären sie als Helden gefeiert worden, so aber wurden sie Outlaws, gehetzt von einer gnadenlosen Verfolgermeute.
Noch einmal ist das Glück auf ihrer Seite, als sie im Gewirr der San-Catalina-Berge ein Versteck finden: eine Höhle, in der sie auf eine riesige Goldader stoßen. Doch dann kommt der Tag, an dem ihre Vorräte aufgezehrt sind und ihr Werkzeug unbrauchbar geworden ist. Latimer verlässt den sicheren Schlupfwinkel, um nach Mesa zu reiten. Und er weiß, dass seine Überlebenschancen eins zu tausend stehen...

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Seitenzahl: 220

Veröffentlichungsjahr: 2023

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Inhalt

Cover

Der wilde Buck

Vorschau

Impressum

Der wilde Buck

Das Floß ist wohl sechshundert Fuß lang und breiter als eine Straße in Saint Louis. Doch jetzt, als es zwischen den himmelhohen Felsen des Jackson Hole Canyons hindurchschießt, wirkt es gar nicht mehr so mächtig in dem brausenden Strom.

Buck Flynn steht bei den sechs Rudermännern am Bug und sorgt dafür, dass sie die fast fünfzig Fuß langen Lärchenstangen, an deren Enden sich die mächtigen Ruderblätter befinden, im richtigen Moment und zu gleicher Zeit einsetzen. Und zweihundert Yard rückwärts, am Heck des Riesenfloßes, da sorgt Buck Flynns gelbhaariger Vormann Tate Pala dafür, dass die Rudermänner keinen Fehler machen und das Floß nicht zum Spielball des tosenden Flusses wird.

Sie schießen so schnell stromab, dass ihnen auf dem Landweg kaum ein Reiter folgen könnte.

Die gewaltigen Stämme ächzen und knarren in ihren Verbindungen, und obwohl sie bei ruhigem Wasser hoch aus dem Wasser ragen, werden sie jetzt manchmal bis hin zu den Koch- und Wohnhütten, die wie die Aufbauten eines Schiffes auf dem Floß stehen, fußhoch überflutet.

Buck Flynn ist wie seine Männer nass bis auf die Haut – ein junger, rothaariger und blauäugiger Riese, mit blitzenden Zähnen, verwegen, hart und zäh.

Als das Floß dann mit dem tosenden Fluss aus dem Jackson Hole Canyon schießt, tauchen die »Inseln« vor ihnen auf. Der Strom macht nun eine scharfe Biegung, und auf den Sandbänken haben sich schon die Reste einiger Flöße angesammelt, deren Kapitäne und Mannschaften nicht gut genug waren, um den Kampf gegen den Strom zu bestehen.

Denn der Big Muddy – wie der Missouri auch genannt wird – ist denkbar schlechter Laune. Eine lange Regenperiode hat ihn anschwellen lassen, und es ist ein großes Wagnis, jetzt schon mit Holzflößen abwärts zu sausen.

Doch die Sägemühlen in Saint Louis brauchen Holz und zahlen jetzt für die ersten Flöße besonders gute Preise. Diese Preise werden sinken mit jedem Floß, welches in Saint Louis eintrifft.

Buck Flynn hat die Absicht, alle anderen Floßkapitäne zu schlagen. Und sein Riesenfloß besteht aus Stämmen, aus denen man »Nummer-Eins-Bretter« schneiden kann, also aus auserlesenen Stämmen für die beste Sorte von Brettern.

Er weiß um die Gefahren der Sandbänke dort. Der Strom, der mit brüllender Wildheit aus dem Jackson Hole Canyon tobt, spuckt dort alle Dinge an Land, die er unterwegs nicht verschlingen konnte.

Doch Buck Flynn ist bereit.

»Hoiii!« Er brüllt es scharf und gellend, und es ist gewissermaßen das Ankündigungssignal. Seine sechs Rudermänner sind gewaltig starke Burschen. Er hat sie sich ausgesucht unter hundert wilden Jungens, und sie sind stolz darauf, mit Wild Buck Flynn zu fahren.

Sie halten die langen Ruderstangen noch aus dem Wasser, schräg auf die Ostseite des Flusses gerichtet.

Sie sind halbnackt, piratenhaft, bärtig und braunrot gebrannt von der Sonne. Manche tragen rote Kopftücher nach Piratenart und goldene Ohrringe.

Buck Flynn brüllt nun: »Hoiii! Nach Steuerbord! Ziiieht!«

Die Ruderblätter klatschen vor dem Floß in den tobenden Fluss. Und dann kommt die starke Hebelwirkung der sechs langen Stangen zum Einsatz. Hinter diesen langen Hebeln sind Kerle mit Muskeln wie aus Stahl. Nun kämpfen sie wie die Löwen, ziehen die Ruderblätter von der Ostseite bis zur Westseite hinüber, hieven sie hoch, laufen auf dem Floß nach der anderen Seite und lassen die Blätter nochmals einfallen, um sie vor dem Floß abermals auf die andere Seite zu ziehen.

Zuerst sieht es so aus, als könnten sie nichts ausrichten, als würde der Strom das Floß mit aller Gewalt auf die Sandinsel werfen, wo es dann zerbrechen wird.

Doch Buck Flynn gibt so leicht nicht auf. Er beginnt furchtbar zu brüllen, und es sieht so aus, als würde er mit seinen Nagelschuhen, mit deren Hilfe sich die Flößer auf den Baumstämmen halten, jeden seiner Rudermänner in den Hintern treten wollen.

Die sechs eisenharten und bärenstarken Burschen beginnen nun erst richtig zu kämpfen. Sie reagieren auf Buck Flynns Gebrüll wie ein gutes Sechsergespann erstklassiger Missouri-Maultiere, wenn die Peitsche über ihren Ohrspitzen knallt und der Fahrer hinter ihnen sein Gebrüll wie eine schreckliche Explosion loslässt.

Sie hätten es wahrscheinlich trotzdem nicht geschafft, wenn die ganze Sache von Buck Flynn nicht so genau berechnet worden wäre bis auf den letzten Zoll.

Die wilde Kraft der sechs Rudermänner setzt genau dort richtig ein, wo der Fluss vom Land zurückprallt und sich um die Biegung stürzt.

Bevor das Floß auf Grund rammen kann, wird es herumgerissen.

Buck Flynn aber hat keinen Blick mehr dafür. Er blickt nun nach hinten, und sein Herz hüpft vor Freude, als er dort – zweihundert Yard von ihm entfernt – Tate Pala mit seinen Jungens kämpfen sieht. Obwohl sie gegen den Wind fahren, der heftig von der Prärie im Osten über den Fluss fegt, hört Buck Tate Palas Brüllen.

Aber wird er es schaffen? Wird das Ende des Floßes nicht auf die Insel rammen?

Einen Moment blickt Buck auf den Koch und dessen Gehilfen, die inmitten des Floßes bei der Kochhütte stehen und sich daran festhalten.

Der Wind jagt nun Schaum und Gischt über die Außenstämme, deren tonnenschwere Leiber zwei Männer gerade umspannen können.

Und dann ist das Heck des langen Floßes genau dort angelangt, wo der Strom vom Land zurückprallt. Und auch Tate Pala hatte den richtigen Moment erfasst. Er bringt es mit seinen Männern fertig, mit dem Floßheck an der Insel vorbeizukommen, ohne aufzurammen.

Und nun saust das Riesenfloß mitten auf dem hier sehr breit werdenden Strom flussabwärts.

Der schwarze Küchengehilfe kommt mit der Whiskykanne angelaufen. Und nachdem Buck Flynn einen Schluck genommen hat, kommen seine Rudermänner an die Reihe. Sie grinsen sich an, und eine wilde Freude leuchtet in ihren Augen.

Oha, sie haben dem Big Muddy wieder einmal eine Nase gedreht; sie gewannen wieder einmal mehr. Und es ist schon eine tolle Sache, mit Wild Buck Flynn bei diesem Hochwasser den Strom hinunter zu sausen wie auf einem »Fliegenden Teppich« über Gebirge und Meere.

Man wird sich erzählen, dass die Flynn-Mannschaft mit einem sechshundert Fuß langen Floß den Strom hinunterfuhr, als die Hochwassermarke am Rim Rock bei der roten Linie war.

Ja, das wird man sich erzählen!

Und keine der anderen Floßmannschaften wird ihnen das nachmachen. Keine!

Der Strom verläuft nun etwa drei Meilen schnurgerade, und er ist breit und schäumend wie ein See, schmutzig und schlammig vom Hochwasser. Heute machte er seinem Beinamen »Big Muddy«, Großer Schlammfluss, wahrhaftig Ehre, denn er ist genau so, wie er genannt wird.

Tate Pala kommt nun von hinten nach vorn. Er blickt nicht auf die Stämme, auf denen er mit seinen Nagelschuhen mit schlafwandlerischer Sicherheit läuft. Zwischen diesen Stämmen sind oft genug Spalten, in die man mit dem Fuß oder dem ganzen Bein rutschen kann. Und schon in der nächsten Sekunde können die tonnenschweren Stämme dann aneinandergedrückt werden und das Bein zerdrücken.

Aber für Tate Pala ist das keine gefährliche Sache. Er ist mit seinen Füßen auf diesen runden, glatten, nassen und sich im Floßverband ständig bewegenden Stämmen so sicher wie Tante Mabel mit den Stricknadeln, und es gibt eine ganze Reihe Tanten, die auch nicht hinsehen, wenn sie unentwegt die Stricknadeln klappern lassen und dabei die raffiniertesten Muster stricken.

Tate Pala ist kleiner als Buck Flynn. Er ist älter. Oh, er ist ein gelbmähniger Klotz aus Tennessee.

Er starrt den Fluss hinunter und ruft dann durch das Brausen des Windes zu Buck gewandt: »Da voraus ist Steamboat Bend! Du kannst darauf wetten, dass Dave Mackay dort auf uns wartet. Willst du anlegen?«

Buck Flynn antwortet nicht sogleich. Er blickt erst zurück auf sein schönes Floß. Dann blickt er zurück auf den Fluss, so als wollte er sich vergewissern, dass ihm kein anderes Floß folgt. Sein Blick schweift über die sechs Rudermänner hinten, über den Koch und den schwarzen Jungen und dann über die sechs Rudermänner vorn.

Als er sich wieder an seinen Vormann Tate Pala wendet, grinst er blitzend. Er hat ein kerngesundes, starkes und schneeweiß blitzendes Gebiss, und wenn er so grinst, dann sieht man ihm an, dass er nie einer wilden und verwegenen Sache aus dem Wege geht.

»Man muss einem Verlierer immer Revanche geben«, sagt er. »Wenn Dave Mackay dort im Riverbend-Saloon sitzt und auf uns wartet, dürfen wir ihn nicht enttäuschen. Es war doch ganz lustig, nicht wahr? Es war doch beim letzten Male dort recht lustig?«

»Dave Mackay hat dir geschworen, dass er dich das nächste Mal schlagen wird. Und er wird sich einige Jungens angeheuert haben...«

»Es ist sein gutes Recht, es immer wieder zu versuchen«, unterbricht ihn Buck. Und abschließend fügt er hinzu: »Wenn die Riverbee bei Steamboat Bend an der Landebrücke liegt, machen wir ebenfalls fest.«

Man sieht ihm an, dass dies sein letztes Wort ist.

Tate Pala knurrt einige unverständliche Wort. Er hebt dann seine Hand und befühlt sein plattgeschlagenes Ohr.

»Sein Steuermann ist aus Kentucky«, sagt er dann verständlicher. »Wenn ich es mir richtig überlege, so bin ich diesem haarigen Affen noch etwas schuldig.«

Er geht wieder nach hinten. Und wenig später schwimmt das lange Floß um die Biegung des Stroms.

Im Schutze dieser Biegung, die den Strom hinüber auf die andere Seite lenkt, ist ein Holzplatz für die Flussdampfer entstanden. Zu diesem Holzplatz mit seinen Landebrücken gehört eine kleine Stadt. Die Schiffe laden hier stets irgendwelche Güter für das Hinterland aus, welche von der Überland-Frachtlinie irgendwohin transportiert werden.

An einer der drei Landebrücken liegt ein Dampfboot, einer dieser typischen Flussdampfer mit zwei nebeneinanderstehenden Schornsteinen, einem riesigen Schaufelrad am Heck und drei Decks.

Die Dampfpfeife beginnt plötzlich ein schrilles Signal zu pfeifen. Auf der Steuerbordseite des Schiffes erscheint auf dem Hurricandeck ein großer Mann und späht zum Floß herüber. Und vorn auf dem Hauptdeck springt ein anderer Mann auf die erhöhte Ladeluke.

Es sind natürlich noch andere Männer zu sehen, Männer, die dabei sind, irgendwelche Dinge auszuladen. Doch für Buck Flynn sind diese anderen Männer nicht so wichtig.

Er späht nun über sein Floß hinweg nach hinten und gibt Tate Pala das Zeichen. Die Rudermänner des Floßes beginnen nun wieder zu arbeiten. Sie bringen das Floß aus der Strömung heraus in das ruhigere Wasser hinter der Biegung. Und sie gleiten dann langsam und immer behäbiger mit dem Floß keine dreißig Yard am Dampfschiff vorbei, auf dem mit goldenen und kunstvoll verschnörkelten Buchstaben zu lesen steht, dass es sich um die »Riverbee«, also die Flussbiene, handelt.

Der Mann oben auf dem Hurricandeck hebt nun den Arm und ruft herüber: »Hoiii, ihr Holzaffen! Wollt ihr kneifen?«

»Nicht vor euch Fischessern, Mr. Mackay!« Buck Flynn ruft es sofort zurück, und seine Worte werden vom Beifallgemurmel seiner arbeitenden Rudermänner begleitet.

Der Mann auf dem Hurricandeck aber schüttelt nun seine Faust.

Er ist ein großer und ebenfalls noch ziemlich junger Mann. Es ist eigentlich das genaue Gegenstück zu Buck Flynn. Er ist schwarzhaarig.

»Diesmal schafft ihr es nicht!« So ruft er. Dann ist die Floßspitze mit Buck Flynn außer Hörweite. Doch das Floßende ist nun nahe genug gekommen, dass sich Tate Pala und der Mann, der unten auf die Ladeluke der Riverbee gestiegen ist, unterhalten können.

Der Mann auf der Ladeluke ist an der Mütze unschwer erkennbar als der Steuermann des Schiffes. Und er brüllt zum Ende des Floßes hinüber: »Hoi, wo ist jemand aus Tennessee, den ich verprügeln kann?«

»Oh, ich werde dir was auf dein großes Maul geben, dass du rückwärts Purzelbäume bis nach Kentucky schlägst!«, brüllt Tate Pala zurück. Auch seine Worte werden vom Beifall seiner Rudermänner begleitet.

Das Floß gleitet nun am Schiff vorbei und nähert sich dann immer mehr dem Ufer. Es gerät in die Rückströmung, und es ist für Buck Flynns erfahrene Männer leicht, Taue ans Ufer zu bringen und diese um einige Bäume zu schlingen. Stangen werden vom Floß gegen das Ufer gestemmt und halten es nun in einigem Abstand. Es geht alles recht schnell und glatt. Man könnte meinen, es wäre eine leichte Sache. Und dennoch wird hier gekonnte Maßarbeit geleistet. Strömung und Rückströmung wurden genau berechnet und berücksichtigt.

Im Westen sinkt nun die Sonne, und Buck Flynns Männer versammeln sich um den Floßkapitän.

Er betrachtet sie sorgfältig und sagt dann: »Hat jemand keine Lust? Fühlt sich jemand nicht in Form oder will er sich seine Schönheit erhalten?«

Sie grinsen zu seinen Worten, und sie sind eine haarige Bande wilder Flößer. Keiner von ihnen ist auch nur annähernd hübsch. Dazu leben sie zu hart, und dieses harte Leben hinterließ an ihnen eine Menge Zeichen.

Nein, sie haben keinerlei Schönheit zu verlieren.

»Diese Dampfmühlenkutscher können uns gar nicht schlagen, und wenn sie es tausend Jahre versuchen«, sagt einer der Männer selbstbewusst. Und ein anderer fügt zufrieden hinzu: »Buck, wir sind sehr froh, dass wir nicht vorbeigefahren sind. Diese Flusskrebse hätten sonst womöglich noch gedacht, wir hätten vom letzten Mal noch genug und würden diesmal kneifen.«

Sie grinsen wieder und wirken sehr erwartungsvoll.

»Dabei habe ich Gold-Nelly versprochen«, erklärt ein Bursche, der einen goldenen Ohrring trägt, »dass ich sie wieder besuchen werde und an diesen Tagen kein anderer Wicht an sie herankommen wird, haha!«

»Es wird nicht leicht sein«, murmelt Tate Pala nun. »Diese Flusskutscher haben auch ihren Ehrgeiz. Sie wollen sich nicht immer wieder von uns schlagen lassen. Diesmal werden sie sicherlich mit einigen Überraschungen aufwarten. Passt nur auf und denkt immer daran, dass die Welt für einen haarigen Mann nicht mehr so gut ist wie für einen kleinen Daumenlutscher.«

Nach dieser väterlichen Ermahnung aus dem Munde des Vormannes wird es wieder still.

Alle blicken auf Buck Flynn, dessen Haar nun mit der flammendroten Abendsonne um die Wette leuchtet.

Buck nickt dem Koch und dem schwarzen Jungen zu. »Ihr bleibt auf dem Floß und passt auf!«

Nachdem er dies gesagt hat, tritt er an den Rand des Floßes und springt mit einem gewaltigen Satz an Land hinüber.

Seine dreizehn Männer folgen ihm.

Nun, man schreibt das Jahr 1868, und sie sind eine wilde und raue Flößermannschaft, für die eine tüchtige Prügelei zu den guten Späßen des Lebens gehört.

Man darf sie nicht mit den Maßstäben der Zivilisation messen.

Zu dieser Zeit und in diesem Land finden sich keine zivilisierten Burschen, die auf dem Big Muddy Holz flößen und dabei ständig ihr Leben riskieren. Denn sie holen Holz aus dem Indianerland, und es ist ein härteres Geschäft als die Büffeljagd.

Buck Flynn führt sie am Ufer entlang, und sie kommen an den Landebrücken, dem großen Holzplatz und dann an dem Schiff vorbei.

Doch beim Schiff sind keine Männer mehr. Nur eine Wache mit einer gewiss mit Indianerschrot geladenen Flinte steht auf der Landebrücke. Und dieser Wächter sagt zu ihnen nieder: »Sie erwarten euch schon! Ihr habt es wohl gar nicht so eilig, zu eurer Prügel zu kommen?«

Sie gehen schweigend weiter, wenden sich dann landeinwärts und erreichen den Platz, um den herum sich einige Häuser und Schuppen gruppieren. Eines dieser Häuser ist ein Saloon, in dem schon die Lampen brennen. Aus den oberen Stockwerken des Saloons blicken einige Frauen, und als die Flößer näher herangekommen sind, ruft eine schrille Frauenstimme in den Abend: »Jungens, schlagt euch nur nicht zu sehr in Stücke. Denn dann habt ihr nichts mehr von dem Spaß danach!«

Die anderen Saloonmädchen lachen nun schrill dazu.

Aber dann wird es still.

Vor dem Saloon steht Dave Mackay, der Kapitän der Riverbee, mit seinem Steuermann Art Banner aus Kentucky und einem guten Dutzend Flussmännern. Dave Mackays Stimme klingt etwas kehlig, als er sagt: »Wir sind genau vierzehn Mann – ist das zu viel für euch?«

»Wir werden in den Saloon gehen und keinen von euch reinlassen«, erwidert Buck Flynn.

Und das ist auch schon das Signal.

Damit ist auch das ganze raue Spiel klar, das diese beiden Mannschaften immer dann spielen, wenn sich die Riverbee- und die Floßmannschaft hier in Steamboat Bend treffen.

Man spricht schon am ganzen Fluss bis nach Saint Louis hinunter über dieses wilde und sicherlich auch verrückte Spiel.

Aber es ist ein Männerspiel, was die Härte betrifft. Und es ist ein Dumme-Jungen-Spiel, was den Nutzen angeht.

Buck Flynn und Tate Pala rücken nun mit ihren Männern gegen die Burschen vom Dampfschiff vor. Jeder Bursche sucht sich schon jetzt seinen Gegner, und fast alle kennen sich schon und haben immer wieder mit wechselndem Erfolg hier miteinander gekämpft.

Die Sonne ist nun im Westen verschwunden, doch ihr purpurner Widerschein ist noch am Himmel. Der scharfe Wind hat sich gelegt. Und die wenigen Einwohner von Steamboat Bend stehen in sicherer Entfernung da und sehen sich die verrückte Sache wieder einmal an.

Sie sehen auch diesmal wieder, wie Wild Buck Flynn und Black Dave Mackay aufeinander losspringen und sich gegenseitig von den Beinen zu schlagen versuchen. Sie sehen, wie ihre Mannschaften ein Geheul ausstoßen und dem Beispiel ihrer beiden Bosse folgen.

Und dann gibt es eine Riesenkeilerei vor dem Saloon. Die Schiffsmannschaft und die Floßmannschaft sind dabei, eine Art Wettkampf auszutragen.

Es gibt in Steamboat Bend auch ein recht primitives Hotel, zu welchem der Store und das Büro der Postlinie gehören – und natürlich auch der Frachtwagenhof mit der Pferdewechselstation.

Aus dem oberen Stockwerk blicken zwei Menschen auf die sich prügelnden Männer nieder.

Da das Zimmer hinter ihnen dunkel ist, kann man sie nicht mehr so deutlich erkennen. Doch es handelt sich um eine junge Frau und einen nicht viel älteren Mann; einen großen, hageren und gelassen wirkenden Mann. Und dieser Mann sagt nun mit der lässigen und schleppend klingenden Stimme eines Texaners: »Das sind sie also, Caroline! Das sind die beiden härtesten und wildesten Mannschaften auf dem Oberen Missouri. Und ihren Anführern, die sich Floßkapitän und Schiffskapitän nennen, ist kein Wagnis zu viel. Man spricht überall am Fluss bis nach Saint Louis über sie. Und die Geschichte ihrer Kämpfe hier bei Steamboat Bend ist schon fast Legende. Dabei sind sie nicht böse, und sie hassen sich auch bestimmt nicht wie Feinde. Was sie hier machen, ist für sie nichts anderes als ein wilder und harter Wettkampf, ein Spaß. Doch du wirst dies nicht so recht verstehen können, da du ja nicht weißt, wie hart und primitiv diese Männer sind. Für diese Burschen ist eine wilde Prügelei ein Spaß.«

Er verstummt mit einem Unterton, der eine verborgene Ironie ahnen lässt, einen leichten Spott, der nur der Primitivität dieser sich prügelnden Mannschaften gelten kann.

Die junge Frau erwidert nicht sogleich. Sie blickt hinüber auf den Platz vor dem Saloon, und sie kann trotz der schlechten Sicht in der zunehmenden Abenddämmerung erkennen, dass die zuletzt gekommene Mannschaft langsam die Oberhand zu bekommen scheint. Diese Flößer und Holzfäller sind vielleicht doch etwas härter als die Flussschiffer von der Riverbee. Einige von diesen Flößern schaffen es, durch die Reihe der Flussschiffer bis auf die Saloon-Veranda zu gelangen. Und nun stoßen sie ein schrilles Triumphgeheul aus und sind auf der überhöhten Veranda im Vorteil. Sie schlagen immer wieder jeden Angriff ab, wobei sich besonders ein großer Bursche hervortut.

»Das ist Wild Buck Flynn«, sagt der Mann zu dem Mädchen, so als wüsste er genau, dass sich ihr Interesse auf diesen Riesen richtet. »Das ist Red Wild Buck Flynn, der wildeste Holzfäller und Floßkapitän auf dem ganzen Oberen Missouri. Caroline, wenn der es nicht schafft, dann schafft es keiner. Wenn wir unseren Plan durchführen wollen, müssen wir ihn und seine Mannschaft gewinnen. Ohne ihn geht es nicht.«

Sie schweigen nun eine Weile und sehen, wie Buck Flynn von einem anderen Manne angegriffen wird, der zuvor in einiger Entfernung am Boden kniete, weil er niedergeschlagen worden war. Dieser Mann ist so groß wie Buck Flynn, und er greift nun mit einer explosiven Schnelligkeit und Wucht an. Er stößt Buck Flynn über die ganze Saloonveranda und gegen die Wand, dass der ganze Saloon zu erzittern scheint, so als wäre ein schwerer Frachtwagen dagegen gerammt.

»Dies ist der Schiffskapitän Dave Mackay«, erklärt der Texaner nun wieder auf seine lässige Art. »Black Dave Mackay ist das genaue Gegenstück zu Buck Flynn. Doch er ist nicht ganz so hart und stark, weil ihm die harte Arbeit eines Holzfällers fehlt. Das ist es genau. Würde auch Dave Mackay jedes Jahr einige Monate lang in den Wäldern Baumriesen fällen und zu den Flüssen transportieren, dann bekäme auch er diese letzte Härte und Ausdauer, die ihm fehlt, um Buck Flynn schlagen zu können. Sieh, Caroline!«

Sie sieht nun, wie einer der beiden großen Männer vom anderen ausgehoben und von der Saloonveranda geworfen wird, wie er schwer auf den Boden kracht, sich erhebt, wieder auf die Veranda will und mit einem mächtigen Aufwärtshaken empfangen wird, der ihn abermals von der Veranda und auf den Rücken wirft, wo er liegenbleibt. Es ist Dave Mackay.

Der Kampf ist nun fast beendet. Denn viele der rauen Burschen liegen oder kauern am Boden und befinden sich in körperlicher Not, sind kampfunfähig und verdauen schmerzvoll, was sie einstecken mussten.

Es zeigt sich nun, dass von der Flößermannschaft die Überzahl auf den Beinen blieb. Die Schiffsmannschaft zieht sich nun langsam zurück. Und die Flößer stoßen ein schrilles Siegesgeheul aus und holen ihre Niedergeschlagenen. Sie helfen ihnen auf die Beine, und dann drängen sie sich jubelnd und sicherlich nun durstig nach Whisky und Vergnügen in den Saloon hinein.

Die Frau wendet sich vom Fenster ab, und der Mann war inzwischen zum Tisch getreten und hatte die Lampe angezündet.

Nun betrachten sie sich im Lampenschein.

Die Frau ist vielleicht noch ein Mädchen, ein gelbhaariges, blauäugiges und auf eine eigenwillige Art hübsches Mädchen. Sie ist etwas mehr als mittelgroß und trägt auf eine selbstbewusste und stolze Art ihren Kopf. Ihre dunkelblauen Augen stehen weit auseinander. Ihre Nase ist etwas zu klein, und ihr Mund ist etwas zu breit. Aber alles zusammen wirkt an ihr sehr erfreulich. Sie ist gewiss sehr mutig, sehr selbstständig, und die Art, wie ihre Nasenflügel vibrieren, wie sie das Kinn hebt und das Feuer in ihren Augen – nun, dies alles deutet auf ein verwegenes Mädel hin.

Sie trägt ein grünes Reisekostüm, welches knapp geschneidert ist und die Vorzüge ihrer Figur zur Geltung bringt.

Sie betrachtet den Mann auf der anderen Seite des Tisches auf eine sorgfältige Art. Oh, sie kennt Chip Hesseydy lange genug. Sie waren immer Nachbarskinder, und ihre Väter waren Freunde und Partner. Caroline Dunn und Chip Hesseydy kennen sich so gut wie Geschwister, obwohl sie sich dann einige Jahre nicht mehr sahen, weil der Krieg sie auseinanderriss.

Chip Hesseydy erwidert Carolines Blick ruhig und fest. Er ist ein typischer Texaner, lang, hager, fast dürr, mit hellen, fast farblosen Haaren, hellhäutig und mit einigen Sommersprossen. In seinem Gesicht kann man nichts Besonderes erkennen – bis man in seine Augen blickt. Und dann hat man plötzlich das Gefühl, als stünde man unerwartet vor einem Wolf. Wenn man dann einigermaßen erfahren ist, sieht man nach, wie dieser Chip Hesseydy seinen Revolver trägt.

Und wenn man das sieht, dann weiß man schon fast alles über ihn.

Er ist nicht nur ein typischer Texaner, er ist auch gewiss ein Revolvermann. Seine kühlen, harten Augen, sein ausdrucksloses Gesicht, in dem sich nie etwas regt, und der tief unter der Hüfte hängende Revolver sagen genug.

Er trägt schwarze, glänzende und ziemlich enge Stiefel, in deren Schäfte die enge Hose gesteckt ist. Unter einer schwarzen Lederjacke erkennt man ein graues Reithemd, welches nach Maß angefertigt ist. Sein schwarzer Hut liegt neben der Lampe auf dem Tisch. Und dieser Hut hat ein goldenes Band.

»Hast du Bedenken, Caroline?«, fragt er ruhig.

Sie hebt leicht die geraden Schultern. »Wir sind wie Geschwister«, sagt sie. »Aber es geht um eine halbe Million Dollar in Gold. Und du bist ein Revolvermann geworden, dessen Ruf auf eine bittere Art legendär ist...«

»Dass ich ein Revolvermann bin, kann uns nur nutzen«, unterbricht er sie sanft. »Denn wie sonst wohl wäre diese wilde Bande zu bändigen, mit deren Hilfe wir unseren Schatz zu heben gedenken? Wir könnten es nicht wagen, wäre ich nur ein durchschnittlicher Bursche. Deine weiblichen Reize, Caroline, die dich für jeden Mann begehrenswert machen, meine Revolverschnelligkeit und unser Verstand dazu – dies alles wird uns befähigen, den Schatz zu heben. Eine halbe Million Dollar in Gold!«

In seinen harten Augen glüht es einen Moment heiß auf. Caroline erkennt es. Doch auch sie selbst verspürt in diesem Moment ein wildes Verlangen, und sie denkt jetzt einige Sekunden lang an die Armut, in der sie aufwuchs und in die sie dann während des Krieges geriet, als ihr Vater fort war und die Mutter starb. Sie denkt an all die erbärmlichen Jahre.

Und eine halbe Million in Gold...! Oh, man wäre nie wieder arm! Man hätte ein neues Leben vor sich, ein Leben in Wohlstand. Man könnte reisen, und man könnte in den großen Städten leben. Oh, man würde...!

Sie bricht ihre eilenden Gedanken ab.

Denn erst würden sie den Schatz heben müssen.

Und dann wird man teilen müssen.

Doch es handelt sich um eine gewaltige Summe. Ein Cowboy verdient zurzeit dreißig Dollar im Monat. Ein Sheriff bekommt zwischen sechzig und hundert Dollar. Ein Holzfäller und Flößer kann es im Jahr auf knapp zweitausend Dollar bringen. Und eine Schneiderin, die sich selbstständig gemacht hat und gute Kundschaft hat, verdient nicht mehr. Auch ein Mädchen, welches in den Saloons singt und tanzt, hat zum Schluss, wenn sie ihre Unkosten rechnet, nicht viel mehr verdient.

Also ist eine halbe Million, selbst wenn sie geteilt wird, eine unheimliche Summe Geld.

Jawohl!

Doch man muss etwas wagen, muss etwas riskieren.

Caroline Dunn schluckt hart. Dann sagt sie: »Zuerst müssen wir diesen Buck Flynn für uns gewinnen, denke ich, nicht wahr?«

Chip Hesseydy nickt. »Und das, bevor er zu sehr betrunken ist und nicht mehr begreifen kann, was wir von ihm wollen«, sagt er auf seine schleppende Art.

Seine Augen werden schmal, und in seinem asketischen Gesicht erscheint ein Ausdruck, der eiskalt und gefährlich wirkt.

»Ich habe lange genug Erkundigungen eingezogen über die Männer, die wir brauchen«, sagt er. »Wir haben den Plan gut genug überdacht. Ja, wir müssen diesen Wild Buck auf unserer Seite haben. Und deshalb muss er dich sehen. Er muss sich vom ersten Augenblick an für dich interessieren – oder er säuft erst einmal die ganze Nacht, vergnügt sich mit den anderen Saloonflittchen und ist am anderen Morgen nicht zu sprechen, weil er in denkbar schlechtester Stimmung ist. – Hast du Angst, mit mir in diesen Saloon zu gehen?«

Er fragt es auf eine fast lauernde Art. Caroline Dunn betrachtet ihn mit einem Anflug von Spott.