G. F. Unger Sonder-Edition 3 - Western - G. F. Unger - E-Book

G. F. Unger Sonder-Edition 3 - Western E-Book

G. F. Unger

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Beschreibung

Mit letzter Kraft schafft US Marshal Lin Adams den Weg zur Ranch der schönen Fee Allison. Wieder hat er im Namen des Gesetzes getötet und blieb selbst nicht unverletzt. Es ist ein harter Job, den er macht, und oft verflucht er sich deswegen. Besonders, wenn er bei Fee ist, fragt er sich nach dem Sinn seines Tuns, wünscht er sich einen festen Platz auf der Welt. Bei Fee könnte er ihn finden, dennoch treibt es ihn immer wieder fort von ihr auf Verbrecherjagd. Er weiß, die schöne Frau möchte ihn festhalten, und sie fragt sich, warum ihre Liebe nicht stärker ist als sein Hass auf die Bösen. Aber kann er ihr sagen, was die Triebfeder seines Handelns ist, welch düsteres Geheimnis sein Leben überschattet?

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Texas Marshal

Es gab damals im Westen verschiedene Arten von Marshals.

Da war einmal der Town Marshal, der von der Stadt oder Gemeindeverwaltung angestellt wurde und dessen Befugnisse nur innerhalb der jeweiligen Ortsgrenzen Geltung hatten.

Ganz anders verhielt es sich beim US Marshal. Dieser wurde von der Bundesregierung als höchster Polizeibeamter eines Bundeslandes oder Bundes-Territoriums eingesetzt. Er war für Verletzungen von Bundesgesetzen zuständig, also z. B. bei Verbrechen gegen die US-Post gegen die Eisenbahnen, die Armee, die Indianer und die Heimstätter. Der US Marshal hatte mehrere Stellvertreter, die US Deputy Marshals. Letztere besaßen etwa den Rang eines Captains der Armee, also Hauptmanns. Sie gehörten der gleichen Besoldungsstufe an und erhielten Meilengeld, Spesen und andere Zuwendungen.

Neben diesen beiden häufigsten Gruppen gab es noch jenen Marshal-Typ, den man Texas Marshal nannte.

Dazu muss man wissen, dass es in Texas schon Marshals gab, als Texas noch nicht zu den Vereinigten Staaten gehörte, es also noch eine selbstständige Republik war.

Nachdem Texas dann als souveräner Staat den Vereinigten Staaten beitrat, blieb die Einrichtung des Texas Marshals noch lange Zeit bestehen.

Diese Männer kämpften für das Recht und die Sicherheit aller Texaner und kümmerten sich oft nur wenig um die Befugnisse der Town Marshals und Sheriffs. In oft rücksichtsloser Machtanmaßung gingen sie nicht nur gegen Banditen jeder Sorte vor, sondern auch gegen korrupte Town Marshals, geldgierige Sheriffs und verbrecherische Behörden.

In Texas war alles anders. Denn die Texaner wollten ein sicheres Land.

Deshalb durften diese Texas Marshals oftmals Gutes auf böse Weise tun.

Aber auch ihre Zeit ging vorbei.

Lin Adams war solch ein Texas Marshal, der oftmals seine Befugnisse übertrat, um die Guten vor den Bösen zu schützen – weil es sonst niemand tat …

G. F. Unger

1

Als er nach Hope kommt, weiß er, dass er nach den Marlow-Brüdern nicht suchen muss. Es gibt eigentlich nur einen Platz, an dem sie sich aufhalten werden, nämlich bei Molly Dollar und deren Süßen.

Inzwischen ist es Nacht geworden, der kleine Ort Hope ist von vielen Lichtern erhellt. Lichtbahnen fallen aus Fenstern und Türen.

Die Zeit des Abendessens ist schon vorbei. Da und dort in den Häusern bringt man wohl die Kinder zu Bett. Eine zärtliche Frauenstimme singt ein Abendlied. US Deputy Lin Adams hört es durch eines der offenen Fenster, als er sein müdes und staubiges Pferd anhält und seufzend ausatmet.

Was jetzt unweigerlich und unaufhaltsam kommen wird, hat er schon mehrmals erlebt. Er denkt mit Bitterkeit daran, und er verspürt einen Moment lang den Wunsch, umzukehren und wieder fortzureiten – irgendwohin in die Nacht.

Denn er hat das Ende einer langen Fährte erreicht. Nun braucht er nur noch zu warten, bis die Marlow-Brüder aus dem Freudenhaus kommen und zu ihren Pferden treten, um aus der Stadt zu verschwinden.

Sie glaubten wohl, ihr Vorsprung wäre groß genug. Und da sie die Taschen voller Geld hatten, sehnten sie sich nach etwas Vergnügen und riskierten zwei Stunden Aufenthalt in Molly Dollars Freudenhaus.

Lin Adams könnte hineingehen und sie drinnen erledigen. Doch das möchte er Molly nicht antun. Überdies bekäme er sie drinnen nicht beide gleichzeitig vor die Revolvermündung. Denn sie hielten sich mit Mollys Mädchen gewiss in zwei verschiedenen Zimmern und in verschiedenen Betten auf.

Er muss hier warten.

Ihre Pferde stehen dort am Wassertrog. Es ist also ganz einfach.

Die Bitterkeit in ihm wächst. Er kann nichts dagegen tun. Die Marlow-Brüder werden sich nicht von ihm verhaften lassen. Sie wissen zu gut, dass der Henker schon auf sie wartet. Auf ihren Steckbriefen steht »Tot oder lebend«. Deshalb werden sie sich den Weg freizuschießen versuchen.

Lin Adams weiß, dass er sie töten wird. Und deshalb würgt die Bitterkeit in seinem Hals. Ja, er könnte wieder aus der Stadt reiten, erst später kommen, wenn die Marlow-Brüder aufgebrochen sind. Er könnte sie über den Rio Grande nach Mexiko entkommen lassen und brauchte sie nicht zu töten.

Es wäre einfach, sich vor der Pflicht zu drücken.

Pflicht?

Ist es seine Pflicht, Verbrecher zu töten?

Wieder einmal denkt er darüber nach, indem er noch regungslos, erschöpft und staubig im Sattel hockt.

Und wieder einmal mehr sagt er sich am Ende einer Fährte: Wenn ich sie entkommen lasse, werden sie weiter Menschen töten, um sie zu berauben. Ich würde schuldig am Tod dieser Menschen sein. Und ich trage den Stern. Ich habe geschworen, die Guten vor den Bösen zu schützen. Und es ist nicht nur ein Job; es ist meine Pflicht. Ich bin ein Texas Marshal.

Langsam sitzt er gegenüber von Molly Dollars Etablissement ab, wirft die Zügelenden über einen Haltebalken, tritt auf den Plankengehsteig und verschwindet im Schatten der Arkaden. Denn die Gehsteige sind zumeist von den oberen Stockwerken der Adobehäuser überdacht.

Er nimmt den schwarzen Hut ab und klopft damit den Staub aus seiner Kleidung. Ein Mann nähert sich ihm auf dem Plankengehsteig. Auch dieser Mann trägt einen Stern. Man sieht ihn im Lichtschein blinken, der aus den Häusern fällt und den Staub, den Lin Adams Pferd aufwirbelte, zu Goldpuder verwandelt.

Als der Mann mit dem Stern bei Lin Adams ist, hält er an und sagt: »Mach keinen Ärger hier, Lin Adams! Hier in dieser Stadt liegt nichts gegen sie vor. Die Stadt ist neutral. Warte draußen auf sie – an der Rio-Grande-Furt. Nicht hier. Hau ab!«

Es sind die deutlichen und harten Worte eines Mannes, der gewohnt ist, kein Blatt vor den Mund zu nehmen.

Lin Adams hebt die Rechte und tippt mit dem Zeigefinger gegen die Stirn des Town Marshals.

»Pass auf, Nigel Laffitter. Ich sage es dir nur einmal. Wenn du dich nicht sofort schleichst, lasse ich dich deinen Blechstern fressen, sodass du daran krepierst. Hast du verstanden?«

Seine Stimme ist von trügerischer Sanftheit. Nur die Worte bedeuten eine brutale Drohung.

Town Marshal Nigel Laffitter saugt hörbar die Luft ein und verharrt zwei oder drei Herzschläge lang. Dann geht ein Zittern durch seinen bulligen Körper. Er ist ein selbstbewusster Bursche, gewissermaßen hier in dieser kleinen Stadt der Bulle im Corral. Es ist seine Stadt.

Jetzt steht er vor der Entscheidung, entweder zu kneifen oder es mit dem US Deputy aufzunehmen. Er weiß genau, dass der US Marshal nicht blufft. Er kennt Lin Adams gut genug. Aber Lin Adams hätte ihn hier innerhalb der Stadtgrenzen um Hilfe bitten müssen. Doch Lin Adams dachte gar nicht daran.

Laffitter hört den anderen nun verächtlich sagen: »«h, ich weiß ja, dass diese Stadt nicht zuletzt von den Banditen lebt, die hier durchkommen aus beiden Richtungen. Ihr seid eine regelrechte Piratenstation. Habt die Hosen voll ihretwegen und gleichzeitig seid ihr scharf auf das Geld, das sie bei euch ausgeben. Hau ab, Nigel!«

Der Marshal zittert wie unter einem Fieberschauer.

Dann wendet er sich wortlos ab und geht davon – ein gedemütigter Mann, der sich von nun an hassen und verachten wird, weil er soeben gekniffen hat.

Lin Adams atmet langsam aus und entspannt sich wieder.

Er ist hart geritten und musste in den vergangenen Tagen viele Stunden aufholen. Jetzt spürt er, dass die Müdigkeit wie Blei durch seine Glieder kriecht. Er lehnt sich gegen die Hauswand, holt einen Zigarrenstummel aus der Westentasche und zündet ihn an. Der Lichtschein des Zündholzflämmchens beleuchtet sekundenlang sein hageres, stoppelbärtiges Gesicht, in dem zwei dunkle Augen brennen.

Ungeduld will von ihm Besitz ergreifen, denn er will nun das Unvermeidliche hinter sich bringen – obwohl er sich vor den Stunden danach fürchtet, wenn die Gesichter der Toten ihm in seinen Träumen erscheinen.

Aber er drängt die aufsteigende Ungeduld zurück. Er weiß zu gut, dass es nicht mehr lange dauern kann. Die Marlow-Brüder sind zwar leichtsinnig und verwegen, doch nicht dumm. Sie wollten hier gewiss nur einen kurzen Spaß – zuerst einen Drink, dann ein Essen und schließlich ein Mädchen. Das alles konnte sie kaum länger als zwei Stunden aufhalten.

Und zuletzt ist ihr Vorsprung kaum größer gewesen.

Also müssen sie jede Minute herauskommen, um aufzusitzen und hinunter zur Furt des Rio Grande zu reiten.

Adams kann den Zigarrenstummel nicht aufrauchen, da sieht er sie schon – zwei geschmeidige, verwegene Burschen, lauernd, wachsam wie zwei Wölfe die aus ihrer Höhle kommen und witternd prüfen, ob die Luft rein ist und keine Gefahr lauert.

Er nimmt mit der Rechten den Zigarrenstummel aus dem Mund und schnippt ihn zur Mitte der staubigen Fahrbahn, wo er Funken sprühend niederfällt.

Dann tritt er unter den Arkaden hervor und geht vom Plankengehsteig hinunter in den Staub der Fahrbahn. Seine Sporen klingeln.

Nach drei Schritten verharrt er wortlos.

Er spricht dabei kein Wort. Doch das ist auch gar nicht nötig. Die Marlows sehen das Blinken seines Sterns – und überdies kennen sie ihn gut genug.

Sie wissen, dass er sie nun endgültig gestellt hat.

Rechts neben ihnen stehen ihre Pferde.

Wenn sie aufsitzen und wegreiten wollen, müssen sie ihn erst von den Beinen schießen.

Einige Atemzüge lang verharren sie, leicht geduckt lauernd und witternd.

Dann fragt Chuck Marlow: »He, bist du allein, Adams, ganz allein?«

»So allein wie ihr«, erwidert er.

»Aber wir sind zwei, du nur einer«, kichert Chat Marlow, Chucks Zwillingsbruder. »Und überdies könnte uns nur ein Sheriff nach Recht und Gesetz festzunehmen versuchen – kein verdammter US Deputy. Wir verletzten keine Bundesgesetze. Leg dich nur nicht mit uns an!«

Die letzten Worte klingen heiser, sind ganz und gar eine ungeschminkte Warnung.

Doch Lin Adams erwidert: »Falsch. Als ihr vor einigen Tagen die kleine Farm überfallen habt, den Mann halb totschlugt, damit man euch das Geldversteck verriet, da verletztet ihr das Heimstättengesetz. Denn die Familie besitzt noch keinen Besitztitel. Sie lebt noch nicht fünf Jahre auf der Heimstätte. Sie sind noch keine Farmer, sondern immer noch Heimstätter auf Regierungsland, das ihnen erst nach fünf Jahren Bewirtschaftung gehört. Ich bin als US Deputy für die Sicherheit der Heimstätter auf Regierungsland verantwortlich. Deshalb verhafte ich euch jetzt. Hebt die Hände über die Köpfe!«

Sie lachen wild.

Und dann tun sie, was von Anfang an zu erwarten war.

Sie ziehen, und sie ziehen schnell, zauberhaft schnell. Sie vertrauen auf ihr Glück und versuchen es wieder einmal mehr mit tollkühner Verwegenheit.

Die schwarze Sekunde ist da. Die Gewalt explodiert. Feuerzungen zucken aus den krachenden Revolvern.

Dann wird es still, und in die Stille hört man das Seufzen – das bittere Seufzen und letzte Ausatmen – der Marlows. Denn sie liegen nun im Staub.

Und US Marshal Lin Adams steht.

Die soeben noch so stille und friedlich wirkende Stadt wird nun lebendig. Auch aus Molly Dollars Etablissement laufen Leute heraus. Stimmen rufen, kreischen. Männer kommen näher. Auch der bullige Marshal taucht wieder auf.

Sie alle sehen, wie US Deputy Lin Adams leicht hinkend zu seinem Pferd tritt und aufsitzt. Er scheint ziemlich mühsam in den Sattel zu kommen. Liegt das an seiner Müdigkeit nach tage- und nächtelangem Reiten auf dieser Fährte, die dort endete, wo die beiden Marlows liegen? Oder wurde auch er getroffen von einer heißen Bleikugel?

Sie werden es wahrscheinlich nie erfahren.

Lin Adams reitet wortlos aus der Stadt Hope in die Nacht hinaus.

2

Es ist gegen Mitternacht, als Fee Allisons Hund draußen vor dem Ranchhaus zu knurren beginnt. Doch dann verwandelt sich das warnende Knurren in ein freundliches Winseln.

Noch im Bett liegend hört Fee das Schnauben eines Pferdes und dann die Stimme eines Mannes. Und diese Stimme kennt sie gut. Sie weiß nun, warum Jo, so heißt der Hund, sich plötzlich so anders benimmt.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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