1,99 €
Der "Schwarze Phil" ist nach dem Vormann Charly der beste Mann der Herzass-Boys; wenn es gegen Viehdiebe geht, ist er sogar noch erfahrener als der "Lange Charly". Dafür versteht der Vormann der Herz-Ranch mehr von der Viehzucht. Er kann auch die wildverwegene Bande seiner prächtigen Cowboys besser führen.
Phil hat heute den Auftrag gehabt, die Post und verschiedene andere Dinge aus Bluetown zu holen.
Der Postholer wird von seinen Kameraden immer beneidet. Während die anderen arbeiten müssen, darf er spazieren reiten und wieder mal die "Stadt" genießen. Dass diese Stadt nur ein armseliges Kuhdorf ist, kommt keinem der Boys zum Bewusstsein. Es gibt dort immerhin Sammy Woods Lokal "Stiller Frieden", und dort kann sich der Postholer einige Whiskys genehmigen, mit einem Geldstück den Musikautomaten spielen lassen oder im Spielsaal Unterhaltung finden...
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Seitenzahl: 95
Veröffentlichungsjahr: 2018
Cover
Impressum
SCHIEBER, ÖL UND HERZASS-BOYS
DER GROSSE RAUB - Teil 9
Vorschau
Wissenswertes
BASTEI ENTERTAINMENT
Vollständige eBook-Ausgabe der beim Bastei Verlag erschienenen Romanheftausgabe
Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG
© 2018 by Bastei Lübbe AG, Köln
Programmleiterin Romanhefte: Ute Müller
Verantwortlich für den Inhalt
Titelbild: Heinrich Berends
eBook-Produktion: César Satz & Grafik GmbH, Köln
ISBN 978-3-7325-6605-1
www.bastei-entertainment.de
www.lesejury.de
www.bastei.de
Liebe Western-Leser, liebe Unger-Freunde!
Das Werk von G.F. Unger, einem der größten und beliebtesten Wildwest-Autoren über die Grenzen Deutschlands hinaus, ist umfangreich. Dazu zählen auch seine Beiträge zu den Serien BILLY JENKINS, TOM PROX, JOHNNY WESTON und PETE in den 50er-Jahren.
Als »sein« Verlag wollen wir Ihnen – zusätzlich zur Sonder-Edition, in der wir Ungers Taschenbücher ungekürzt im Heftformat auflegen –, in einer Classic-Edition jetzt auch diese Romane präsentieren, die neben ihrem nostalgischen Reiz nichts von ihrer Dramatik verloren haben. Wir beginnen mit seinen Billy-Jenkins-Romanen – 71 Hefte und 8 Leihbücher. Die Serie wurde erstmals im Werner-Dietsch-Verlag in den Jahren 1934–1939 veröffentlicht und zwischen 1951 und 1958 vom Uta-Verlag neu aufgelegt und fortgeführt. G.F. Unger stieg bei Band 50, mit dem wir auch die Classic-Edition begonnen haben, in die Serie ein.
Wir wünschen allen Sammlern und Lesern viel Vergnügen und spannende Unterhaltung bei dieser Zeitreise!
Ihre G.F Unger-Redaktion
PS: Einige Bezeichnungen in den Romanen wie »Neger« gelten heutzutage als diskriminierend. Sie waren zur Zeit der Romanhandlung aber gebräuchlich und sollten im historischen Kontext verstanden werden, weshalb sie im Text belassen wurden.
Schieber, Öl und Herzass-Boys
Nach Berichten des Westmannes Billy Jenkins
Erzählt von G.F. Unger
Der »Schwarze Phil« ist nach dem Vormann Charly der beste Mann der Herzass-Boys; wenn es gegen Viehdiebe geht, ist er sogar noch erfahrener als der »Lange Charly«. Dafür versteht der Vormann der Herz-Ranch mehr von der Viehzucht. Er kann auch die wildverwegene Bande seiner prächtigen Cowboys besser führen.
Phil hat heute den Auftrag gehabt, die Post und verschiedene andere Dinge aus Bluetown zu holen.
Der Postholer wird von seinen Kameraden immer beneidet. Während die anderen arbeiten müssen, darf er spazieren reiten und wieder mal die »Stadt« genießen. Dass diese Stadt nur ein armseliges Kuhdorf ist, kommt keinem der Boys zum Bewusstsein. Es gibt dort immerhin Sammy Woods Lokal »Stiller Frieden«, und dort kann sich der Postholer einige Whiskys genehmigen, mit einem Geldstück den Musikautomaten spielen lassen oder im Spielsaal Unterhaltung finden …
Vor allem kann er mal andere Gesichter sehen, und das bedeutet bei dem arbeitsreichen Leben in der einsamen Wildnis schon etwas. Und wenn er auf dem Rückweg am General Store vorbeireitet und das Glück hat, mit der jungen hübschen Verkäuferin ein paar Worte wechseln zu dürfen, dann hat er für lange Zeit genug zum Nachdenken.
Wie gesagt, der Postholer ist der Glückspilz der Woche, und dass er insgesamt fast neun Stunden reiten muss, ist kaum der Rede wert. Stets kommen die Postholer in gehobener Stimmung von Bluetown zurück. Sie sind dann gefeit gegen die Ulkereien der Kameraden, die um diese Zeit meist beim Abendessen sitzen.
Als der »Schwarze Phil« auf den Ranchhof einreitet, befindet er sich durchaus nicht in gehobener Stimmung. Langsam rutscht er aus dem Sattel, lauscht auf die Stimmen der Boys, die im großen Speiseraum um den Tisch sitzen. Er überlegt sekundenlang, dann macht er sich daran, sein abgetriebenes Pferd zu versorgen.
Ja, der struppige Bronco ist abgetrieben. Phil muss scharf geritten sein oder einen Umweg gemacht haben. Während er den Rotscheck mit Strohwischen trocken reibt, schwingen die beiden Kolben seiner schweren Revolver in den tiefhängenden Futteralen.
Nachdem Phil das Pferd in den Korral gelassen und sich selbst am Brunnen ausgiebig gesäubert hat, tritt er langsam in die Tür des Speiseraumes.
Die ganze Bande, die um den Tisch herumsitzt, beginnt sofort zu grinsen und zu sticheln. »Eeeeh! Hat Sammy keinen Whisky gehabt, oder ist das Fräulein patzig gewesen?«, ruft der drahtige kleine Shorty.
Phil hängt mit müden Bewegungen seinen Hut und den Waffengürtel an einen Wandhaken und lässt sich schweigend auf seinem Platz nieder.
Die Kameraden werden nun neugierig. Sie vergessen sogar die Bohnen mit Speck, die Rehkeulen mit zweierlei Soßen, die verlockenden Salate und die süßen Nachspeisen. Die Männer stellen das Kauen ein und starren Phil an. Um ihre Mundwinkel zuckt es.
»Well … spuck’s schon aus!«, fordert Charly, der am Kopfende des Tisches sitzt.
Phil trinkt erst den großen Becher leer, der mit schwarzem Kaffee gefüllt ist, dann wischt er sich mit dem Handrücken über den Mund. Er hat ein hartes Lächeln im Gesicht. »Well, Boys … es wird Kummer geben!«
Die Herzass-Boys haben plötzlich wachsame Augen. Ihre Gesichter werden hart. Keiner sagt etwas, niemand drängt den Kameraden; nervöse Hast ist ihnen ein unbekannter Begriff.
»Well … es wird großen Kummer geben, sag ich!«, fährt Phil fort. »Mächtigen Stunk wird’s aufwirbeln! Habe vor drei Stunden auf der Unterweide ’n paar komische Gestalten angetroffen … Was glaubt ihr wohl, was die Scheiche auf unserer Weide machen wollten, he? Ihr ratet es nicht …«
»Wollten sie Blümchen pflücken, Phil?«, fragt der stets zu Scherzen aufgelegte Blinky. Charly aber sieht ihn verweisend an, und da wird auch er still.
»Sie hatten ein Gerüst aufgestellt!«, sagt Phil hart. »Ihr habt doch sicher schon mal ’n Bohrturm geseh’n, Jungs! So ’n Ding haben die Kerle gemacht, bloß ’n bisschen kleiner als die Türme sonst sind. Wollen nach Öl bohren! Habt ihr’s gehört? Nach Öl!«
Totenstille herrscht in dem Speiseraum.
»Wie kommen die Scheiche auf die Idee, dass auf unserem Ranchland Öl sein könnte?«, fragt Charly langsam.
»Well, ich sehe, dass ich die ganze Story von Anfang an erzählen muss«, sagt Phil. »Als ich heut morgen um die Ecke der Adlerberge ’rumkomme, denke ich, mich laust der Affe! Auf der Ebene stehen Bohrtürme. Sieben Stück hab ich gezählt! Ihr wisst doch, dass dieses Land zur ›Liegende-drei-Striche-Ranch‹ gehört. Well, den Rancher Frank Salton sehe ich an einem Bohrturm steh’n. Ich frage ihn, ob er Honigkuchen gefressen hätte, weil er so grinst. Er aber lacht mich aus und meint: ›In achtzig Metern Tiefe bin ich schon auf Öl gestoßen! Hohoho, was sagst du nun, alter Kuhschwanz?‹ – Ich frage den aufgeblasenen Rollmops, ob er das Öl seinen Rindern zu saufen geben will. Der Kerl aber feixt nur und sagt: ›Rinder? Hab ich alle verkloppt! Bei mir gibt’s nur noch Bohrtürme, und wenn der Saft erst richtig läuft, baue ich ’ne Raffinerie hin. Bluetown wird ’ne große Stadt und wir alle schwimmen in Geld!‹ – Well, das hat dieser Idiot zu mir gesagt! Das Öl ist ihm ins Gehirn gestiegen!«
Phil macht eine Pause und zündet sich eine Zigarette an. Die Herzass-Boys sagen kein Wort. Alle starren sie auf den Erzähler.
»Well, ich bin gleich weitergeritten. Wie ich näher nach Bluetown komme, sehe ich schon von weitem, dass da noch mehr Türme steh’n. Und es werden nicht die einzigen bleiben. Als ich in die Town komme, sehe ich erst so richtig, was gespielt wird. Die Straße vollgestopft mit ›fahrbaren Untersätzen‹ aller Art: Pferdewagen, Fords, große Lastautos! Und ’ne Menge Menschen, alles Fremde! Ja, unser stinklangweiliges Bluetown ist ein idiotisches Tollhaus geworden. Ein Öl-Run ist ausgebrochen. Alles strömt nach Bluetown. Die Leute kaufen Land, wo sie’s kriegen können, und alle quatschen nur von Öl, Öl, Öl!«
»Ist’s die Möglichkeit?«, knurrt Charly mit verbissenem Gesicht. Er brennt sich eine Zigarette an. Auch die anderen Boys denken nicht mehr ans Essen. Sie rauchen, denn da können sie besser über das eben Gehörte nachdenken. »Und was war mit der Unterweide?«, fragt der Vormann.
»Richtig«, fährt Phil fort. »Ich habe mich nicht lange in dem Tollhaus aufgehalten. Unterwegs fällt mir ein, dass unsre Unterweide an Frank Saltons Land grenzt. In Bluetown hatte ich gehört, dass der Rancher große Teile seines Weidelandes verkauft hat; hat nur das behalten, was er am ölreichsten einschätzte. Ich denke: ›Wenn da mal nur nicht so ’n paar Käufer mit auf unser Weideland geraten!‹ Wir haben ja im Augenblick keine Rinder dort steh’n, und ich fand auch nur ’n paar entlaufene Kühe mit zwei, drei Kälbern. Aber dafür fand ich zwischen den Zwillingshügeln vier wilde Ölsucher, die einen kleinen Bohrturm aufgestellt hatten und gerade loslegen wollten. Na, ich redete mit den Scheichen ’n paar freundliche Worte, aber die Idioten waren so dumm, nach ihren Kanonen zu greifen. Hahaha … ich weiß ja nun einigermaßen, wie ’n Colt aussieht, und als ich den Brüdern zwei Hüte und ein Ohrläppchen durchlöchert hatte, wurden sie überaus friedlich. Well, ich ließ sie zieh’n und brannte nur das Gerüst an. Hoho, sie zogen Leine mit freundlichen Versprechungen, unter denen ein Ast mit ’ner Schlinge die harmloseste war. Ich habe dann Dampf aufgemacht, um beizeiten hier zu sein.«
Die Augen der Herzass-Boys richten sich nun auf den Vormann. Sie alle sind zwar am Ertrag der Ranch beteiligt, aber der lange Charly ist nach Billy Jenkins für sie der Boss.
Der Vormann überlegt nicht lange. »Wir treiben heute Nacht noch die große Herde nach der Unterweide! Wenn sich die ölgierige Meute zu einem großen Klumpen sammelt und mit Gewalt in unser Gebiet vordringen will, so sind wir und die Herde dazwischen. Sie müssten erst uns und die fünfzehntausend Rinder verjagen, bis sie weiter vorstoßen könnten. Well, ich glaube aber, dass die Sache zu wichtig für uns ist! Deshalb wird Ned sofort nach Bluetown reiten und ’n Telegramm aufgeben! Ned, du kennst ja die Anschrift. Als Text schreibst du nur: ›Herz-Ranch in Gefahr!‹ – Das wird für Billy Grund genug sein, mit Shatter-Dick und Panther-Jim zu kommen!«
Charly schweigt und blickt Phil fragend an, denn er gibt viel auf dessen Meinung. Phil nickt zufrieden und macht sich jetzt über sein Essen her.
Die Herzass-Boys knurren wie gereizte Hunde. Lange war die Gegend von Viehdieben und Gangstern verschont geblieben. Langreiter machen einen weiten Bogen um diesen Distrikt. Die Herzass-Mannschaft wirkt auf solches Gesindel wie Nitroglyzerin. Aber nun ist es anders. Die vielen Ölsucher, die zu spät kommen, um sich Land in der Nähe der ersten Quelle kaufen zu können, werden sich in ihrer Gier nach Öl da niederlassen, wo sie sich Erfolg versprechen. Sie werden keine Grenzen beachten.
Wenn ihnen das gewünschte Land nicht zu annehmbaren Preisen überlassen wird, werden sie es sich mit Gewalt nehmen. Große Gebiete sind ja freies Regierungsland und gehören dem, der Rinder darauf stehen hat. Wenn die Rinder aber nicht da sind, so kann es als freies Land gekauft werden.
Die Herzass-Boys fühlen, dass Phil recht hat. Es wird großen Kummer geben!
An der Grenze zwischen Arizona und Mexiko steht ein einsames Gasthaus an der Wegkreuzung. Es gibt keine Farm und auch keine Ortschaft im Umkreis von dreißig Meilen, aber im Gasthaus »Weiter Blick« ist immer Betrieb.
Von dem Hügel aus, auf dem die aus Lehmziegeln errichtete Schänke steht, kann man weit ins Land blicken. Die meisten Gäste machen von dieser Tatsache ausgiebigen Gebrauch. Es sind scheinbar alles Naturschwärmer, die sich den schönen Anblick nicht entgehen lassen wollen.
Es kommt manchmal vor, dass ein wütender Sheriff mit seiner Reiterposse auf das weiß gekalkte Gebäude zugerast kommt. In solchen Fällen schwingen sich dann stets einige Gäste in den Sättel und galoppieren auf der anderen Hügelseite der Grenze zu.
Nachts sind die primitiven Betten des Gasthauses meistens leer; es schnarchen höchstens mal Männer darin, die im Augenblick nichts zu befürchten haben, doch das ist eigentlich selten der Fall. Die meisten Gäste verschwinden bei Anbruch der Dunkelheit und tauchen erst am anderen Tage wieder auf.