1,99 €
Der Wind, der über die wellige Prärie weht, spielt im dunklen Haar der Reiterin und zaust auch an der Mähne ihres Pferdes. Unwillig streicht sie das Haar aus dem Gesicht und zieht die Stirn in Falten. Ihre dunklen Augen blicken hasserfüllt auf die in der Sonne glitzernden Dächer der Ranch, die in der Senke liegt.
Eine ganze Weile steht die Reiterin wie ein erzenes Standbild auf dem Präriehügel. Plötzlich stößt sie einen Fluch aus und schüttelt die Faust drohend gegen die Ranch. Dann wendet sie den Schwarzfalben und reitet im langen Jagdgalopp den Weg zurück. Ihr Gesicht ist immer noch ärgerlich verzogen und heitert sich erst auf, als sie den blau schimmernden Bergen näherkommt, die in der Ferne gen Himmel ragen...
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Seitenzahl: 91
Veröffentlichungsjahr: 2018
Cover
Impressum
DIE HERRIN DER GITTER-RANCH
DER GROSSE RAUB - Teil 7
Vorschau
Wissenswertes
BASTEI ENTERTAINMENT
Vollständige eBook-Ausgabe der beim Bastei Verlag erschienenen Romanheftausgabe
Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG
© 2018 by Bastei Lübbe AG, Köln
Programmleiterin Romanhefte: Ute Müller
Verantwortlich für den Inhalt
Titelbild: Heinrich Berends
eBook-Produktion: César Satz & Grafik GmbH, Köln
ISBN 978-3-7325-6603-7
www.bastei-entertainment.de
www.lesejury.de
www.bastei.de
Liebe Western-Leser, liebe Unger-Freunde!
Das Werk von G.F. Unger, einem der größten und beliebtesten Wildwest-Autoren über die Grenzen Deutschlands hinaus, ist umfangreich. Dazu zählen auch seine Beiträge zu den Serien BILLY JENKINS, TOM PROX, JOHNNY WESTON und PETE in den 50er-Jahren.
Als »sein« Verlag wollen wir Ihnen – zusätzlich zur Sonder-Edition, in der wir Ungers Taschenbücher ungekürzt im Heftformat auflegen –, in einer Classic-Edition jetzt auch diese Romane präsentieren, die neben ihrem nostalgischen Reiz nichts von ihrer Dramatik verloren haben. Wir beginnen mit seinen Billy-Jenkins-Romanen – 71 Hefte und 8 Leihbücher. Die Serie wurde erstmals im Werner-Dietsch-Verlag in den Jahren 1934–1939 veröffentlicht und zwischen 1951 und 1958 vom Uta-Verlag neu aufgelegt und fortgeführt. G.F. Unger stieg bei Band 50, mit dem wir auch die Classic-Edition begonnen haben, in die Serie ein.
Wir wünschen allen Sammlern und Lesern viel Vergnügen und spannende Unterhaltung bei dieser Zeitreise!
Ihre G.F Unger-Redaktion
PS: Einige Bezeichnungen in den Romanen wie »Neger« gelten heutzutage als diskriminierend. Sie waren zur Zeit der Romanhandlung aber gebräuchlich und sollten im historischen Kontext verstanden werden, weshalb sie im Text belassen wurden.
Die Herrin der Gitter-Ranch
Nach Berichten des Westmannes Billy Jenkins
Erzählt von G.F. Unger
Der Wind, der über die wellige Prärie weht, spielt im dunklen Haar der Reiterin und zaust auch an der Mähne ihres Pferdes. Unwillig streicht sie das Haar aus dem Gesicht und zieht die Stirn in Falten. Ihre dunklen Augen blicken hasserfüllt auf die in der Sonne glitzernden Dächer der Ranch, die in der Präriesenke liegt.
Eine ganze Weile steht die Reiterin wie ein erzenes Standbild auf dem Präriehügel. Plötzlich stößt sie einen Fluch aus und schüttelt die Faust drohend gegen die Ranch. Dann wendet sie den Schwarzfalben und reitet im langen Jagdgalopp den Weg zurück. Ihr Gesicht ist noch ärgerlich verzogen und heitert sich erst auf, als sie den blau schimmernden Bergen näherkommt, die in der Ferne gen Himmel ragen.
Die drei Reiter, die über den Pass kamen, zügeln ihre Pferde und blicken in das Tal hinab, das, von hohen zerklüfteten Bergen fast völlig eingeschlossen, zu ihren Füßen liegt. Ein Bach, dessen Wasser silbern heraufschimmert, teilt es in zwei Hälften. Im Grün des Grundes sind unzählige weißbraune Farbtupfen verstreut.
»Rinder … viele. Ein herrliches Tal, wie geschaffen für das Viehgeschäft!«
Der Sprecher ist ein schlanker geschmeidiger Mann mit einem rassigen Spaniergesicht, schwarzem Haar und dunklen Augen. Er tätschelt seinem unruhigen Fuchs den Hals: »Ruhig, Sunnyboy, wir kommen noch zeitig genug hinunter!«
»Dort hinten ist die Ranch!«, ruft der zweite Reiter, ein herkulisch gebauter Kerl, dessen rundes verschwitztes Gesicht einen gutmütigen Ausdruck hat. »Schätze, dass wir noch vor Mittag unten sind … ’s wird auch Zeit … mir hängt der Magen schon bis auf die Zehen! – Eeeh, Billy!«, wendet er sich an den dritten Reiter, der kerzengerade im Sattel seines Rappen sitzt und durch ein Fernglas blickt. »Kannst du erkennen, was der Koch da unten in der Pfanne hat?«
»Der Bach fließt durch den Talausgang in die Prärie hinaus«, murmelt der Blonde. »Dort taucht ein Reiter auf …«
»Ist nicht zu glauben … ein Reiter … sieh mal guck!«, höhnt der Schwarzhaarige.
»Was ich mir dafür kaufe … Ist’s vielleicht der Koch?«, frotzelt der Athlet. »Jetzt seh ich ihn auch … ’n weißer Punkt.«
»Es ist ein Mädchen, schwarzhaarig, mit ’ner weißen Bluse«, sagt der Blonde.
»Ist sie hübsch?«, fährt der Schwarzhaarige auf, will dem Blonden das Fernglas wegnehmen. »Lass mich doch mal gucken, Billy!« Als er das Glas endlich hat, blickt er interessiert hindurch. »Hmm, rassige Figur … schneidig … Gesichtchen kann ich nicht deutlich genug erkennen … scheint hübsch zu sein, das Girl. Sie reitet nach der Ranch hinüber …«
»Ach, du hattest wohl erwartet, sie käme hier ’rauf, um sich in die Arme des schönen Jim Chester zu stürzen, he?«, ulkt der Breitschultrige.
»No, das hatte ich nicht erwartet. Die hat doch dein Vollmondgesicht schon lange geseh’n und alarmiert nun die Ranch mit dem Ruf, dass der berüchtigte verfressene Dick Hanson im Anzug ist! Die verschließen jetzt da unten die Speisekammer!«
»Wenn du denkst, dass du mich ärgern kannst, hast du dich verkalkuliert, Boy«, brummt Dick verächtlich und treibt seinen hässlichen Grauschimmel vorwärts.
Lachend folgen ihm die Freunde.
Die drei Männer sind zum ersten Mal in dieser Gegend. Nach wochenlanger Gangsterjagd, die sie durch halb Arizona, durch Wüste und Bergwildnis führte, kehren sie nun nach erledigtem Auftrag wieder in bewohnte Gebiete zurück.
Ja, Gangsterjäger sind die drei, Mitglieder der Special-Police. Und nun wollen sie auf der nächsten Farm endlich mal wieder ihre Beine unter einen Tisch stecken und eine ordentliche Mahlzeit zu sich nehmen. Auch ihre Pferde bedürfen einiger Ruhe.
Als Garry Black die Tür des Ranchbüros hinter sich geschlossen hat, starrt er mit brennendem Blick auf die junge Frau, die am Fenster steht und nach den Pferdekorrals hinüberblickt. Da sie sich plötzlich umdreht, wird die Haltung des Mannes unterwürfig und ergeben. Seine lange Gestalt steht gebeugt, und der Kopf mit der Raubvogel-Nase ist gesenkt.
»Na, Vormann, was gibt’s?«, fragt die Herrin der Gitter-Ranch. Ihre dunklen Augen blicken den Mann durchdringend an. Um ihre Mundwinkel spielt ein herrischer Zug. Jetzt lehnt sie sich ans Fenster, kreuzt die Arme über der Brust und schlägt die langen schlanken, in Reithosen und hohen Schaftstiefeln steckenden Beine übereinander, dass die Silbersporen leise klingeln.
»Auf der Viereck-Ranch sind ’n paar Zweihandschützen eingetroffen, Ma’am!«, sagt der Vormann eifrig.
»Woher weißt du denn das?«, fragt sie und zieht die Augenbrauen hoch. »Ich war doch eben drüben und habe die Ranch beobachtet.« Aufmerksam verfolgt sie das Minenspiel in seinem braunen Ledergesicht.
»Aber sicher waren Sie nicht auf der Ostseite, Ma’am. Dort haben wir sehen können, wie der Viereck-Rancher drei Boys empfing. Er reitet doch neuen Cowboys nicht entgegen, wenn’s nicht besondere Nummern sind. Er hatte sie erwartet.«
»Wahrscheinlich bin im schon weg gewesen, als sie kamen. Na, und? Haben wir nicht auch genügend Boys, die zwei Colts tragen?« Die Frau lächelt spöttisch.
»Das schon, Ma’am, aber die Brüder, die wir heute dort gesehen haben, sind besondere Klasse. Für so was habe ich ’n Blick!«
Die Frau will etwas sagen, als im Ranchhof Hufschläge aufklingen und eine laute Stimme ruft: »Halt! Streckt sie hoch!« Ein Schuss kracht, und dann knallt es in pausenloser Folge.
Garry Black reißt mit einem Fluch den Colt aus dem Futteral und eilt seiner Herrin voraus. Als sie auf die Veranda treten, sehen sie drei fremde Reiter, und vor diesen Reitern tanzen drei Cowboys der Gitter-Ranch mit grotesken Sprüngen herum.
Beim Anblick der Frau stellen die Fremden ihr Schießen ein. Die drei Cowboys aber fluchen in den höchsten Tönen, haben sie doch tanzen müssen, um den Kugeln auszuweichen, die dicht vor ihren Fußspitzen in die Erde fuhren. Aber obgleich die Männer Revolver an den Waffengürteln hängen haben, wagen sie nicht danach zu greifen.
Die drei Reiter schwingen ihre Hüte galant.
»Oh, meine Dame! Wir haben Sie doch nicht erschreckt?«, fragt der Fremde auf dem Rappen.
Die Frau mustert ihn aufmerksam. Sie spürt sofort, dass dieser Mann anders ist als alle Männer, mit denen sie bisher in Berührung kam. Seltsam sticht sein helles Haar von dem braunen Gesicht ab. Die Frau kann Männer nicht ausstehen, deren Gesicht von der Sonne höchstens rot, aber niemals braun wird. Interessiert mustert sie auch die anderen beiden, blickt in die dunklen Augen Jim Chesters und lächelt über die eindeutig bewundernden Blicke des athletischen Dick Hanson.
»Machen Sie immer solche Scherze, wenn Sie irgendwo zu Besuch kommen?«, fragt sie. »Ihr Auftreten hier ist etwas sonderbar, oder finden Sie nicht?«
Der Blonde verbeugt sich leicht. »Oh, der Empfang war noch sonderbarer! Da kommen drei halbverhungerte, müde Reiter ahnungslos daher, und plötzlich tauchen Ihre smarten Boys auf und verlangen, dass wir die Arme heben sollen …«
»Das haben Sie wohl noch nie getan?«, lächelt die Frau.
»Selten!«, brummt der Breitschultrige. »Mir wollte Ihr Boy mit dem Ding da …«, Dick deutet auf die Winchesterbüchse, die vor den Cowboys im Sand liegt, »ein Loch in den Bauch knallen!«
Billy Jenkins, der die Frau aufmerksam beobachtet, spürt förmlich, wie es hinter der schönen glatten Stirn arbeitet.
»Sie sind fremd hier? Oder kommen Sie von der Viereck-Ranch?«, fragt die Frau und deutet mit einer Kopfbewegung nach Südosten.
»Wir kommen über die Berge und wollen nach der nächsten Bahnstation!«, sagt Billy Jenkins ruhig. »Für Essen und Nachtlager wären wir sehr dankbar.«
»Oh, nach der nächsten Bahnstation haben Sie noch ein paar Tage zu reiten, Gents!«, ruft die Frau aus. »Selbstverständlich biete ich Ihnen Gastfreundschaft und heiße Sie auf der Gitter-Ranch herzlich willkommen, meine Herren! Kommen Sie bitte ins Haus, wenn Sie Ihre Pferde versorgt haben! Es gibt heute Entenbraten, und Sie essen bei mir am Tisch!«
Als die drei Freunde ihre Pferde abreiben, schnauft Dick: »Jim, hast du geseh’n, wie sie mich angelächelt hat? Keinen Blick hatte sie für dich!«
Jim dreht sich halb zurück. »Ich habe sogar geseh’n, dass sie sich das Lachen verbiss! Scheint gut erzogen zu sein, das Mädchen, sonst hätte es sich beim Anblick deines Vollmondgesichts totgelacht!«
Dick lässt den Strohwisch fallen, tritt drohend auf den Freund zu und knurrt: »Sag das noch mal von dem Gesicht, du dürrer Hering!«
»Das Mädchen …«, beginnt Jim wieder, aber Billys Stimme schallt dazwischen: »Ho, wollt ihr euch zanken, ihr Casanovas? Ich bin fertig und habe keine Lust, euretwegen zu verhungern.«
»Hunger« ist das Stichwort für Dick. Eifrig wendet er sich wieder seinem hässlichen Gaul zu, beginnt weiter zu reiben.
Nachher beeilen sie sich beim Waschen dermaßen, dass sie noch eher fertig sind als Billy.
Zusammen treten die drei Männer ins Wohnhaus ein.
»Nehmen Sie Platz!«, sagt die junge Frau freundlich. Sie sitzt am Kopfende des Tisches.
»Billy Johnson!«, stellt sich Billy Jenkins vor.
»Jim Chance!«, lächelt Jim Chester.
»Dick Keine!«, orgelt Dick Hanson und versucht sich ebenso elegant zu verbeugen wie Jim.
Die Frau kichert. »Merkwürdige Namen! Sie heißen ›Chance‹ und Sie ›Keine‹?«
»Yeah … wenn ich da bin, hat er keine Chance!«, sagt Dick mit dröhnender Bassstimme selbstbewusst.
Jim grinst. »Leider ist es so, Miss …«
»Kathleen Barrimoore! Seit dem Tode meines Mannes führe ich die Ranchgeschäfte!«, sagt die Frau.
»Oooh!«, machen alle drei Männer bedauernd.
»So eine schöne Frau … und so ein hartes Geschäft!«, sagt Jim.
Ein chinesischer Diener kommt mit einem riesigen Tablett herein. Dicks Gesicht strahlt.
»Bitte langen Sie zu, meine Herren!«, fordert die schöne junge Frau auf. Sie lächelt, als sie sieht, wie Dick sich den Teller vollpackt. »Guten Appetit!«, sagt sie.
»Danke, danke!«, knurrt Dick kauend.
Schweigend essen sie. Plötzlich unterbricht die Frau die eingetretene Stille: »Ich bin zwar nur eine schwache Frau …«
»Eine bewundernswerte Frau!«, unterbricht Jim, und Dick bekommt einen Hustenanfall, weil ihm ein Stück Fleisch im Halse stecken blieb, als er auch etwas sagen wollte.