G. F. Unger Tom Prox & Pete -77 - G. F. Unger - E-Book

G. F. Unger Tom Prox & Pete -77 E-Book

G. F. Unger

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Beschreibung

Durch die Bighorn Mountains keucht und schnauft eine Lokomotive, die eine Anzahl Güterwagen hinter sich herzieht. Es sind meist offene Waggons, nur der letzte Wagen ist völlig geschlossen. Im Innern hocken vier Männer um einen kleinen Tisch, und durch das Rattern der Räder vernimmt man ihre Stimmen. Es sind immer die gleichen Worte, wie sie bei einem Pokerspiel gesprochen werden, für einen stillen Beobachter nicht interessant.
Auf den schmalen Pritschen an den Wänden liegen drei schnarchende Männer, die das Rütteln des Wagens nicht stört.
An den Wänden hängen sieben Winchesterkarabiner. In der Mitte des Wagens stehen etwa zwölf versiegelte Holzkisten. Diese Kisten sind es, die immer wieder die Blicke der Kartenspieler auf sich ziehen.
"By Gosh! Ich wünschte, wir hätten diesen Transport schon hinter uns!", murmelt einer der Spieler. Die andern verstehen seine Worte zwar kaum, doch sie nicken ernst mit den Köpfen. Sie denken alle dasselbe.

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Seitenzahl: 101

Veröffentlichungsjahr: 2018

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Inhalt

Cover

Impressum

GANGSTER, GOLD UND G-MEN

DER GROSSE RAUB - Teil 6

Vorschau

Wissenswertes

BASTEI ENTERTAINMENT

Vollständige eBook-Ausgabe der beim Bastei Verlag erschienenen Romanheftausgabe

Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG

© 2018 by Bastei Lübbe AG, Köln

Programmleiterin Romanhefte: Ute Müller

Verantwortlich für den Inhalt

Titelbild: Heinrich Berends

eBook-Produktion: César Satz & Grafik GmbH, Köln

ISBN 978-3-7325-6542-9

www.bastei-entertainment.de

www.lesejury.de

www.bastei.de

Liebe Western-Leser, liebe Unger-Freunde!

Das Werk von G.F. Unger, einem der größten und beliebtesten Wildwest-Autoren über die Grenzen Deutschlands hinaus, ist umfangreich. Dazu zählen auch seine Beiträge zu den Serien BILLY JENKINS, TOM PROX, JOHNNY WESTON und PETE in den 50er-Jahren.

Als »sein« Verlag wollen wir Ihnen – zusätzlich zur Sonder-Edition, in der wir Ungers Taschenbücher ungekürzt im Heftformat auflegen –, in einer Classic-Edition jetzt auch diese Romane präsentieren, die neben ihrem nostalgischen Reiz nichts von ihrer Dramatik verloren haben. Wir beginnen mit seinen Billy-Jenkins-Romanen – 71 Hefte und 8 Leihbücher. Die Serie wurde erstmals im Werner-Dietsch-Verlag in den Jahren 1934–1939 veröffentlicht und zwischen 1951 und 1958 vom Uta-Verlag neu aufgelegt und fortgeführt. G.F. Unger stieg bei Band 50, mit dem wir auch die Classic-Edition begonnen haben, in die Serie ein.

Wir wünschen allen Sammlern und Lesern viel Vergnügen und spannende Unterhaltung bei dieser Zeitreise!

Ihre G.F. Unger-Redaktion

PS: Einige Bezeichnungen in den Romanen wie »Neger« gelten heutzutage als diskriminierend. Sie waren zur Zeit der Romanhandlung aber gebräuchlich und sollten im historischen Kontext verstanden werden, weshalb sie im Text belassen wurden.

Gangster, Gold und G-Men

Nach Berichten des Westmannes Billy Jenkins

Erzählt von G.F. Unger

Durch die Bighorn Mountains keucht und schnauft eine Lokomotive, die eine Anzahl Güterwagen hinter sich herzieht. Es sind meist offene Waggons, nur der letzte Wagen ist völlig geschlossen. Im Innern hocken vier Männer um einen kleinen Tisch, und durch das Rattern der Räder vernimmt man ihre Stimmen. Es sind immer die gleichen Worte, wie sie bei einem Pokerspiel gesprochen werden, für einen stillen Beobachter nicht interessant.

Auf den schmalen Pritschen an den Wänden liegen drei schnarchende Männer, die das Rütteln des Wagens nicht stört.

An den Wänden hängen sieben Winchesterkarabiner. In der Mitte des Wagens stehen etwa zwölf versiegelte Holzkisten. Diese Kisten sind es, die immer wieder die Blicke der Kartenspieler auf sich ziehen.

»By Gosh! Ich wünschte, wir hätten diesen Transport schon hinter uns!«, murmelt einer der Spieler. Die andern verstehen seine Worte zwar kaum, doch sie nicken ernst mit den Köpfen. Sie denken alle dasselbe.

Ja, sie hätten die nächsten sechs Stunden gern hinter sich. Nicht, weil es gefährlich wäre – wer soll von diesem Transport schon was wissen –, sondern weil es unerträglich heiß im Wagen ist. Die Tür darf nicht geöffnet werden. Vor langer Zeit sind bei einem solchen Transport schon mal Handgranaten durch die offene Tür geflogen, und seitdem ist es Vorschrift, dass Türen und Fenster bei einem Goldtransport geschlossen bleiben müssen.

Der Sergeant Collins wischt sich mit dem Taschentuch den Schweiß vom Nacken. »Bullenhitze!«, knurrt er, stemmt seine zwei Zentner Knochen und Muskeln in die Höhe und steht mit zwei Schritten am vergitterten Fenster. Es ist nur ein kleines Fenster, nicht größer als zwei Postkarten. Und trotzdem ist es vergittert.

Die Berge sind wild und zerklüftet. Eng an die Felswände gepresst, schiebt sich der Zug langsam, aber gleichmäßig aufwärts.

Sergeant Collins wendet sich mit einem Fluch ab, denn durch das Fensterchen sieht er nur grau und rötlich leuchtende Felswände im ständigen Wechsel vorüberhuschen.

»Nu komm schon! Du gibst!«, ruft einer der Spieler ihm zu.

Auf einem Felsplateau, von dem aus man eine weite Sicht hat, liegen zwei Männer, halb hinter Steinen versteckt, und beobachten den Schienenstrang, der sich durch die Berge windet. Die Gesichter der Männer sind hart, kantig und durch Witterungseinflüsse zerfurcht wie das Gestein ringsum. Sie tragen arg mitgenommene Lederhosen und karierte Hemden; ihre zerbeulten Hüte schimmern in allen Farben des Spektrums, aber die Läufe der Gewehre, die sie in den Händen halten, sind blitzblank.

Als hinter der nächsten Biegung des Schienenstranges, noch weit entfernt, gleichmäßige Rauchwolken auftauchen, stößt der eine Wächter einen schrillen Pfiff aus. Kurz darauf gellt der Antwortpfiff aus der Schlucht herauf, durch die sich der Schienenstrang zieht.

In der Felswand der Schlucht lauern zwölf Männer. Gespannt starren sie auf die Ecke, um die der Schienenstrang herumkommt. Jeder sucht sich möglichst in die Risse und Spalten der Wand hineinzuschmiegen, damit er vom Zug aus nicht gleich gesehen wird.

Nach einer Viertelstunde hören sie die Geräusche der Lokomotive, und dann keucht diese um die Ecke. Dampf zischt, sprüht gegen die Felswand, und das Rattern der Räder dröhnt laut. Der Zug kann hier nicht schnell fahren, denn es geht stetig bergauf. Die Männer, die jetzt aus der Felswand in die offenen Loren hineinspringen, begehen kein großes Wagnis. Doch dann wird es für sie gefährlich; denn auf dem Dach des letzten Wagens steht plötzlich ein Maschinengewehr und hämmert, das Rattern der Waggons übertönend, tödlichen Hagel aus dem Lauf.

Im Waggon mit der Goldladung sitzen die Männer nicht mehr beim Poker. Sergeant Collins hatte diesen Zeitvertreib schon vor zehn Minuten unterbrechen lassen und war »dienstlich geworden«. Er wusste, dass der Zug bald durch die schmale Schlucht musste, wo die Schienen dicht an der Felswand vorbeiführen. Es ist nicht das erste Mal, dass an dieser Stelle eine Bande Zugräuber ihr Glück versucht.

Nun, Collins und seine Männer waren auf der Wacht. Durch die Dachklappe ragt jetzt Collins’ breiter Oberkörper, und sein Daumen drückt kräftig auf den Feuerknopf der Maschinenwaffe. Die Geschosse streichen dicht über die Wagen hin. Zwei Gangster, die nicht rasch genug in den Schutz der Waggonwände kamen, werden getroffen. Hier und da tauchen für kurze Momente Köpfe auf, und dann krachen die dumpfen Schläge der Colt-Revolver, aber diese flüchtig hingeworfenen Kugeln treffen nicht. Collins passt höllisch auf, und sobald er irgendetwas von den Gangstern sieht, rattert das Maschinengewehr.

Lange bleibt es still. Plötzlich merkt der Sergeant, wie sich der Abstand zu dem vorderen Waggon vergrößert. Dann erblickt er auch den Banditen, der den Wagen losgekoppelt hat; er will gerade wieder in der Lore verschwinden. Der Kerl muss vom Zug abgesprungen sein und an der Felswand auf den letzten Waggon gelauert haben, anders kann Collins sich den Streich nicht erklären. Im nächsten Moment wird der Bandit durch eine Maschinengewehrgarbe weggefegt.

»Sie haben uns abgehängt!«, brüllt der Sergeant. Seine Leute beginnen sofort die Türen aufzuriegeln. Immer langsamer rollen die Räder des Waggons, kommen zum Stillstand und setzen sich dann nach der anderen Seite in Bewegung, den Berg hinab.

Nervige Fäuste drehen an der Handbremse. Knirschend fassen die Bremsbacken auf den Rädern. An der Biegung kommt der Waggon schließlich zum Stillstand.

Die Männer im Wagen lauern mit schussbereiten Waffen. Ein einzelner Schuss fällt draußen und Sergeant Collins strampelt plötzlich mit den Beinen. Seine Leute sehen nämlich nur die Beine, da der Oberkörper aus der Dachluke ragt. Sie hören wütendes Fluchen, dann rattert sein MG. Doch plötzlich wird es still. Der Körper des Sergeanten wird schlaff; seine leicht gekrümmten, muskulösen Beine, die einem wilden Gaul mit Leichtigkeit die Luft aus dem Leib pressen konnten, versagen nun. Die zupackenden Männer ziehen den schweren Körper mühsam von der Leiter herunter.

»Streifschuss am Kopf und Schuss durch die Schulter!«, stellt einer fest. Dann haben die Männer keine Zeit mehr, sich um ihren Sergeanten zu kümmern, denn der Waggon wird plötzlich von einer Explosion hochgehoben und fällt zur Seite. In die Trümmer hinein pfeifen die Kugeln der Gangster.

Als sich nichts mehr in dem zertrümmerten Waggon regt, tauchen langsam die Zugräuber auf.

Die Zeitungen bringen einige Tage später die Meldung von dem Goldraub. Nach zwei Tagen sind andere Dinge schon aktueller. Eine Woche später aber wird wieder ein Goldtransport überfallen, diesmal im Staate Idaho.

Die Landespolizei von Wyoming und Idaho steht vor einem Rätsel. Da stets nur ein kleiner Kreis von den Goldtransporten wusste, ist nicht zu verstehen, wie die Gangster davon Kenntnis erhalten haben konnten.

Es bleibt nicht bei diesen beiden Überfällen. Eine rücksichtslose Bande scheint durch die Staaten zu ziehen und sich auf Zugüberfälle spezialisiert zu haben. Unbegreiflich ist es aber immer wieder, dass die Gangster stets wissen, in welchem Zug besonders wertvolle Beute zu machen ist.

Da die Gangster von einem Staat zum andern wechseln, greift die überstaatliche Organisation der Bundespolizei ein, das F.B.I. Und die G-Abteilung beauftragt drei ihrer besten Western-Spezialisten damit, die Bande zu stellen und wenn möglich zu vernichten.

Holetown besteht aus einigen Häusern und einer Kaschemme. Man kann dieses »Lokal« nicht anders bezeichnen. Da der Wirt früher mal zur See gefahren ist, hängt über dem Eingang ein Schild mit der Aufschrift »Zum durstigen Walfisch«. Von der Decke des verräucherten Raumes hängt tatsächlich ein ausgestopftes, fischähnliches Ding herab und sperrt den schnabelförmigen Rachen auf, aber es ist kein Wal, sondern ein Delfin1).

In der Mitte des Gastraumes steht auf einem Tisch ein großes Aquarium, in dem ein paar kleine Süßwasserfische ein erbärmliches Dasein führen.

Paddy Iversen, der dicke Wirt, liegt bewusstlos in einer Ecke. Die alte Negerköchin traut sich nicht aus ihrer Küche heraus. Die zwölf Männer, die das Lokal mit Beschlag belegt haben, hausen ganz so, als wären sie hier zu Hause. Sie trinken den Whisky wie klares Wasser.

Red Stone, der Anführer der Bande, ist ein stämmiger, etwa dreißigjähriger Kerl. Die grauen Augen in dem brutalen Gesicht blicken kalt und berechnend. Das rote Haar ist kurz geschnitten wie eine Bürste. Er hat einen hämischen Zug um den Mund, als er jetzt zu dem kleinen, mickrigen Mann an seinem Tisch sagt: »Was meinst du, Sid? Ob sie zusammen hier antanzen oder einzeln angekleckert kommen?«

Sids dunkle Mäuseaugen blicken verschlagen. »Bist du auch sicher, Red, dass sich die Hunde hier treffen wollen?«

Red nickt und brummt: »Bisher hat doch jede Meldung gestimmt, die wir von der Zentrale erhielten! Die G-Men wollen sich hier treffen. Drei Mann sind’s: Billy Jenkins, ’n großer Blonder … Jim Chester, ’n schlanker Schwarzhaariger … und Dick Hanson … der soll ausseh’n wie ’n Preisringer. Ho, die werden sich aber wundern!«

Es ist Mittagszeit. Flimmernd steht die Hitze zwischen den Häusern Holetowns, und nur ein kümmerliches Huhn hackt im Staub der Straße. Die wenigen Einwohner des Ortes haben sich unsichtbar gemacht. Der Sheriff wohnt weit weg und die Leute im »Durstigen Walfisch« tragen ihre Schießeisen sehr locker.

Dort, wo der staubige Weg von den Bergen herunterkommt und sich dann in den Ort schlängelt, taucht ein Reiter auf. Er reitet ein sehr hässliches Pferd, einen Grauschimmel, dem nur der Fachmann ansieht, dass es ein zähes, ausdauerndes Tier sein muss. Der Reiter sitzt lässig im Sattel. Stramm spannt sich das bunt gewürfelte Hemd um den gewaltigen Brustkasten des Mannes, und die mächtigen Arme verraten außergewöhnliche Kraft. Das rote runde Gesicht ist schweißnass, und immer wieder fährt er mit den Zipfeln seines Halstuches darüber.

»Lauf, meine Zwiebel, lauf!«, brummt der Reiter und patscht seinem Gaul auf den Hals. »Ho, bald werden wir was Essbares zwischen die Zähne kriegen! Wir werden zuerst da sein, denn Jim und Billy haben es weiter als wir!«

Dumpf stampfen die Pferdehufe in dem tiefer werdenden Staub der Straße, und dann taucht das große Schild am letzten Haus auf.

»Hahaha!«, lacht der Reiter. »Zum durstigen Walfisch! Sehr gut! Hier kommt der hungrige Dick mit seiner Zwiebel, und wenn der Wal nur ’n paar fette Speckseiten hat, soll mich sein Durst kalt lassen!«

Es kommt Dick irgendwie komisch vor, dass keine Menschenseele auf der Straße zu sehen ist. Nur das schmutzige Huhn steht abwartend hinter seinem hässlichen Pferd. Dick schüttelt darüber den Kopf. »Zwiebel hat lange nichts gefressen!«, sagt er zu dem Huhn, doch das macht nur »Gaag, gaag, gaaag!« und kratzt ungeduldig im Staub.

Dick bindet die Zügel an die Haltestange und steigt die Stufen zur Veranda hinauf. Plötzlich hört er Pferdestampfen von der Rückseite des Hauses. Aha! Dort sind die Ställe!, denkt er und stößt die Pendeltür auf.

Zu Dicks Verwunderung ist die Schänke gut besetzt. Mehrere Männer spielen Poker. Einige stehen trinkend am Schanktisch, hinter dem ein kleines schmächtiges Männchen hantiert.

Als Dick herangeschlendert ist und dem vermeintlichen Wirt in die Augen sieht, ist er unangenehm berührt. Teufel! Der glotzt wie ’ne Klapperschlange!, denkt er und schiebt sich den Stetson ins Genick. »Möchte ’nen doppelten Whisky und ’n anständiges Essen!«, sagt er zu dem Kleinen.