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Im Hinterzimmer des Gasthofs "Zum alten Geier" hecken drei Männer einen Plan aus, für dessen Kenntnis die Landespolizei von Arizona wohl eine namhafte Summe ausgesetzt hätte, ahnte sie etwas davon. Aber niemand ist da, der dieses Gespräch belauschen und den Behörden davon Mitteilung machen könnte.
"Das wird das größte Geschäft unseres Lebens!", sagt Sammy Brown, und ein Schmunzeln erscheint auf seinem rosigen Gesicht, in dessen Fettpolstern die Schweinsäuglein fast verschwinden. Er schreibt vielstellige Zahlen in sein Notizbuch, zieht einen Strich und rechnet dann zusammen "Eine glatte Sache!", brummt er, schiebt die Melone ins Genick und steckt das Buch in die Innentasche seines großstädtischen Anzugs. "Es kommt jetzt nur auf euch beide an, dass der Coup gelingt! Mein Kapital reicht jedenfalls aus!" Er zündet sich eine dicke Zigarre an und blickt erwartungsvoll auf die beiden Männer, die seine Worte schweigend angehört haben.
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Seitenzahl: 106
Veröffentlichungsjahr: 2018
Cover
Impressum
DAS GROSSE STERBEN
DER GROSSE RAUB - Teil 5
Vorschau
Wissenswertes
BASTEI ENTERTAINMENT
Vollständige eBook-Ausgabe der beim Bastei Verlag erschienenen Romanheftausgabe
Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG
© 2018 by Bastei Lübbe AG, Köln
Programmleiterin Romanhefte: Ute Müller
Verantwortlich für den Inhalt
Titelbild: Heinrich Berends
eBook-Produktion: César Satz & Grafik GmbH, Köln
ISBN 978-3-7325-6401-9
www.bastei-entertainment.de
www.lesejury.de
www.bastei.de
Liebe Western-Leser, liebe Unger-Freunde!
Das Werk von G.F. Unger, einem der größten und beliebtesten Wildwest-Autoren über die Grenzen Deutschlands hinaus, ist umfangreich. Dazu zählen auch seine Beiträge zu den Serien BILLY JENKINS, TOM PROX, JOHNNY WESTON und PETE in den 50er-Jahren.
Als »sein« Verlag wollen wir Ihnen – zusätzlich zur Sonder-Edition, in der wir Ungers Taschenbücher ungekürzt im Heftformat auflegen –, in einer Classic-Edition jetzt auch diese Romane präsentieren, die neben ihrem nostalgischen Reiz nichts von ihrer Dramatik verloren haben. Wir beginnen mit seinen Billy-Jenkins-Romanen – 71 Hefte und 8 Leihbücher. Die Serie wurde erstmals im Werner-Dietsch-Verlag in den Jahren 1934–1939 veröffentlicht und zwischen 1951 und 1958 vom Uta-Verlag neu aufgelegt und fortgeführt. G.F. Unger stieg bei Band 50, mit dem wir auch die Classic-Edition begonnen haben, in die Serie ein.
Wir wünschen allen Sammlern und Lesern viel Vergnügen und spannende Unterhaltung bei dieser Zeitreise!
Ihre G.F. Unger-Redaktion
PS: Einige Bezeichnungen in den Romanen wie »Neger« gelten heutzutage als diskriminierend. Sie waren zur Zeit der Romanhandlung aber gebräuchlich und sollten im historischen Kontext verstanden werden, weshalb sie im Text belassen wurden.
Das große Sterben
Nach Berichten des Westmannes Billy Jenkins
Erzählt von G.F. Unger
Im Hinterzimmer des Gasthofs »Zum alten Geier« hecken drei Männer einen Plan aus, für dessen Kenntnis die Landespolizei von Arizona wohl eine namhafte Summe ausgesetzt hätte, ahnte sie etwas davon. Aber niemand ist da, der dieses Gespräch belauschen und den Behörden davon Mitteilung machen könnte.
»Das wird das größte Geschäft unseres Lebens!«, sagt Sammy Brown, und ein Schmunzeln erscheint auf seinem rosigen Gesicht, in dessen Fettpolstern die Schweinsäuglein fast verschwinden. Er schreibt vielstellige Zahlen in sein Notizbuch, zieht einen Strich und rechnet dann zusammen. »Eine glatte Sache!«, brummt er, schiebt die Melone ins Genick und steckt das Buch in die Innentasche seines großstädtischen Anzugs. »Es kommt jetzt nur auf euch beide an, dass der Coup gelingt! Mein Kapital reicht jedenfalls aus!«
Er zündet sich eine dicke Zigarre an und blickt erwartungsvoll auf die beiden Männer, die seine Worte schweigend angehört haben.
Jim Fuller, ein langer knochiger Geselle mit einem hageren Raubvogelgesicht und stechenden dunklen Augen, die im Schatten des breitrandigen Sombreros lauern, lacht jetzt hart auf und sagt. »An uns soll es wohl nicht scheitern! Auf meine Jungs kann ich mich verlassen. Was sagst du, Ray?« Er wendet den Kopf nach dem Fenster hin.
Ray Tailor drückt sich von der Fensterbank ab und steuert mit gleitenden Schritten auf den Tisch zu, an dem die anderen beiden Männer sitzen. Ray ist ein mittelgroßer, breitschultriger Mann in Cowboykleidung. Sein braungebranntes, hartes Gesicht, dessen graue Augen kalt und mitleidlos blicken, strafft sich. Unbewusst hat er die Hände an den blauschwarzen Kolben seiner Revolver, als er sagt. »Möchte den sehn, der uns dieses Geschäft vermasseln will! Meine Leute sind allererste Nummern, das wisst ihr!«
»Okay!«, nickt Sammy Brown eifrig, dass die Hängebacken wabbeln. »Wir sind uns also über alle Einzelheiten klar. Jeder kennt seine Aufgaben. Well … wir starten die Sache in genau vier Wochen, Jungs!«
Jeder Einheimische und jeder Grenzreiter hätte an der Sache sofort einen Haken gefunden. Genauer gesagt sind es sieben Haken. Sieben Rinder, die von zwei schweigsamen Reitern über die Grenze getrieben werden.
Es wird viel Vieh über die Grenze von Arizona getrieben. Das ist durchaus nicht außergewöhnlich, wenn die Nasen der Rinder nach Mexiko zeigen. Hier in diesem Falle zeigen die Nasen der Tiere nach Arizona, und das ist eben der Haken. Nun, außer den beiden schweigsamen Reitern gibt es keinen Menschen, der sich darüber den Kopf zerbrechen kann. Es ist nämlich dunkle Nacht, und die beiden Reiter haben kein Interesse daran, von jemandem gesehen zu werden.
Es ist schwer, eine Rinderherde durch völlige Dunkelheit zu treiben, und wenn es auch nur sieben Stück sind. Umso verwunderlicher ist es, dass die beiden Reiter auch nicht einen Ton von sich geben. Schweigend hocken sie im Sattel. Nur das Klatschen der Bullpeitschen und das Geräusch, das die Hufe verursachen, unterbricht die Stille.
Plötzlich fängt ein Rind an zu muhen. Aus der Ferne kommt Antwort.
»Da vorn muss Walkers große Herde stehen!«, sagt der vorderste Reiter zu seinem Kameraden. »Hm!«, knurrt der nur, und dann klatschen wieder die Bullpeitschen. Die Rinder schlagen eine raschere Gangart ein, wissen sie doch, dass bei der großen Herde die nächtliche Wanderung ein Ende haben wird. Die Reiter aber zügeln ihre Pferde, lassen die Rinder allein weiterlaufen. –
Der W-Ranch-Cowboy, der die große Herde auf der Südseite bewacht, bemerkt plötzlich, dass einige Rinder aus der Dunkelheit herantrotten und inmitten seiner Herde verschwinden. »Hoho! Sollte Raubzeug in der Nähe sein?«, brummt er und beschließt, aufmerksame Wache zu halten. Er weiß nicht, dass das Unglück schon geschehen ist.
Die beiden heimlichen Reiter aber, die mit den sieben Rindern über die Grenze kamen, schlagen einen großen Bogen um die Herde. »Wann werden die Jungs von der W-Ranch den Salat wohl merken?«, fragt der eine Reiter.
Der andere gibt lange keine Antwort. »Hmmm, vier bis fünf Tage wird es wohl dauern, bis es losgeht!«, brummt er schließlich. Er gibt seinem Pferd die Sporen. »Los! Müssen diese Nacht noch Gilberts-City erreichen! Ray wartet nicht gern, und ich habe einen mächtigen Brand in der Kehle!«
Nach genau vier Tagen entdecken die Boys der W-Ranch »den Salat«.
Jack Boltin, der Vormann, fegt im Galopp in den Ranchhof und zügelt sein Pferd vor dem Büro. Mit einem Satz springt er ab und eilt ins Haus. Dann steht er vor dem Rancher: »Hallo, Boss! Das ist ja eine schöne Schweinerei!« Er atmet keuchend.
»Am besten ist, du spuckst sie aus!«, knurrt Walker beunruhigt, denn noch nie hat er seinen bewährten Vormann so aufgeregt gesehen.
»Wir ha’m die Rinderpest in der großen Herde, Boss!«, flüstert der Vormann erregt.
Der Rancher zuckt zurück. »Pest? Mensch! Bist du verrückt geworden? Weißt du, was du da sagst?«
Der Vormann lacht jetzt verzweifelt auf. »Kein Irrtum, Boss! Sie fallen um wie die Fliegen! Hohes Fieber! Ausfluss aus Nase und Maul, Durchfall …«
»Vielleicht ist’s nur die Maul- und Klauenseuche?«, sagt der Rancher leise. »Wäre auch noch schlimm genug!« Er schnallt seinen Waffengürtel um und zieht den Vormann am Ärmel mit sich. Fünf Minuten später galoppieren sie schon beide zum Tor hinaus. Als sie bei der Herde ankommen, bricht des Vormanns Pferd tot zusammen. Es ist das erste Mal, dass Jack Boltin ein Tier geschunden hat. Jetzt schenkt er dem Pferd keinen Blick mehr, sondern schwingt sich auf ein anderes Tier, das ihm die Boys bringen.
Walker sieht mit einem Blick, was mit der Herde los ist. Rinderpest! Tatsächlich! Er weiß, dass mit jeder Stunde immer mehr Tiere angesteckt werden. Schon liegen viele kranke Rinder am Boden.
Die Cowboys arbeiten wie die Besessenen. Ständig bekommen sie Zuwachs. Alle Männer der W-Ranch finden sich nach und nach bei der großen Herde ein.
Es ist eine harte Arbeit, aus fünfzehntausend Rindern viertausend kranke Tiere herauszufinden und wegzutreiben, damit sie von den gesunden getrennt sind.
Stunde um Stunde vergeht. Peitschen knallen, Lassos schwirren, Revolver krachen, und die heiseren Stimmen der Cowboys gellen durch das ängstliche Brüllen der Rinder. Über allem liegt eine dichte Staubwolke, und oben in der Luft kreisen die Geier, die überreichlich den Tisch gedeckt finden.
Wieder ist es der Vormann, der mit einer Meldung zu Walker kommt. Der Rancher ist gerade dabei, einen toll gewordenen Leitstier aus der Herde herauszufangen, da er die typischen Merkmale der Seuche aufweist. Nur schwer lässt sich der Stier von der Herde trennen. Endlich ist Walker so weit, dass er sich dem Vormann zuwenden kann.
»Ehh, Boss! Kommen Sie mal mit auf die Südseite!«, krächzt Jack Boltin und wendet auch schon sein Pferd. Wortlos folgt ihm der Rancher. Bald springen die Männer vor einigen Kadavern aus den Sätteln. Vier Kühe sind es, die hier im vertrockneten, zerstampften Grase liegen. Drei sind schon verendet. Die vierte versucht immer wieder auf die Beine zu kommen, denn in der Runde sitzen einige Dutzend Aasgeier, die vor den Reitern keinerlei Scheu zeigen. Erst als einige Kugeln dicht über ihre Köpfe pfeifen, hüpfen sie mit schlagenden Flügeln einige Meter davon, um dann wieder gierig auf ihre Beute zu starren.
»Da!«, zeigt der Vormann auf die Kadaver. »Sehen Sie sich mal die Brandzeichen an! Alles fremde Rinder. Sie haben die Seuche schon länger als unsere! Es gibt weit und breit keine Ranch, die dieses Zeichen führt. Die kranken Kühe sind über die Grenze gekommen, Boss!«
Der Rancher erkennt sofort, dass sein Vormann recht hat. »Mach hier weiter, Jack!«, knurrt er. »Wir treiben die verseuchten und verdächtigen Tiere in die Schlangenschlucht! Schießt sie dort zusammen! Spätestens übermorgen werden die ersten Wagenladungen mit Kalk eintreffen! Ich reite jetzt zum Sheriff und veranlasse alles Nötige!«
Rancher Walker von der W-Ranch war nicht der einzige Mann, der in diesen Tagen zum Sheriff ging. Sheriff Smith war auch nicht der einzige Sheriff, der fluchend durch das Telefon Meldung machte oder mittels Telegrafen seine vorgesetzte Dienststelle alarmierte. In ganz Südarizona, dort, wo die größten Rinderherden auf gutem Weideland standen, brach innerhalb weniger Tage die gefürchtete Rinderpest aus und wanderte langsam nach Norden. Das große Sterben unter den Rinderherden hatte begonnen.
Der Leiter des »Bureau of Animal Industry U.S. Departement of Agriculture«1) ist schon ein älterer Herr mit grauem Haar. Er hält sich aber sehr straff und gerade. Mit einer Handbewegung lädt er seine Besucher zum Sitzen ein. »Es freut mich, meine Herren, dass das F.B.I. so rasch meinem Wunsche entsprochen und mir drei seiner besten Spezialisten gesandt hat. – Captain Jenkins!«, wendet er sich an den blonden großen Mann, dessen stahlgraue Augen ihn aufmerksam ansehen. »Sie sind mir ja kein Unbekannter mehr. Und Ihre beiden Kollegen …«, er nickt dem schwarzhaarigen, schlanken Jim Chester und dem athletischen Dick Hanson zu, »… haben von vornherein meine Sympathie. Sie werden inzwischen schon erfahren haben, um was es geht. Also Rinderpest!«
»Ich habe mich schon ziemlich informiert«, sagte Billy Jenkins. »Die Seuche brach im Süden von Arizona aus, nicht wahr?«
»Ja, bitte sehen Sie hier!« Der Leiter erhebt sich und tritt vor eine große Landkarte hin, die an der Wand hängt und mit bunten Nadeln abgesteckt ist. Die drei Besucher treten interessiert näher. »Sie sehen hier: Die Viehseuche brach an verschiedenen Stellen unmittelbar in der Nähe der mexikanischen Grenze aus und wandert nun langsam nach Norden. Das Auffällige ist, dass die Seuchengebiete stets in der Nähe von Viehverladebahnhöfen oder wenigstens in der Nähe der Bahnlinie liegen.«
Er macht eine Pause, blickt Captain Jenkins nachdenklich an und fährt fort: »Die Bekämpfung von Tierseuchen ist ja nun nicht Sache der Polizei und des F.B.I., sondern allein unsere Angelegenheit. Es ist auch klar, dass von unserer Seite alles getan wird, um der Seuche Einhalt zu gebieten. Wir haben Eisenbahnzüge mit Kalk und gewaltige Bagger zum Ausheben der Massengräber für die Herden, die von unseren Männern zusammengeschossen werden, in die bedrohten Gebiete gesandt. Unsere Spezialagenten patrouillieren die Grenze ab, um den Übertritt verseuchter Tiere zu verhüten. Es wird also alles getan, was in unserer Macht steht.«
Er seufzt schwer. »Natürlich geht es da unten etwas drunter und drüber! Viehdiebe benutzen die Gelegenheit, um ihr Schäfchen ins Trockene zu bringen. Hier und da revoltieren einige Rancher gegen das Abschlachten ihrer Herden. Aber in dieser Beziehung haben wir ja die Unterstützung der örtlichen Sheriffs und der Gendarmerie. Es ist etwas anderes, was mich veranlasste, Ihre Hilfe in Anspruch zu nehmen. Aus unseren Beobachtungen geht nämlich hervor, dass der Ausbruch der Seuche zur gleichen Zeit an mehreren Stellen erfolgte …«
»Sie meinen, dass die Seuche wissentlich und mit Vorbedacht von irgendwelchen Dunkelmännern eingeschleppt wurde?«, fragt Billy Jenkins.
»Ich staune über Ihre rasche Auffassungsgabe, Captain!«, ruft der Organisationsleiter erfreut aus. »Genau das wollte ich sagen …«
»Und was soll der Zweck der Übung sein?«, fragt Billy Jenkins.
»Können Sie sich vorstellen, Captain, was ein Rancher empfindet, wenn er die Seuche in seinen Herden hat … wenn er zusehen muss, wie sich seine Bestände von Stunde zu Stunde vermindern?«
»Habe selbst ’ne Ranch!«, sagt Billy Jenkins ruhig.
»Well … Stellen Sie sich vor, es kommt dann plötzlich ein Viehaufkäufer und bietet einen Spottpreis für die restliche Herde. Glauben Sie nicht, dass der Rancher darauf eingeht? Auch dann, wenn er mit Verlust verkauft? Er muss ja damit rechnen, dass ihm kein einziges Stück am Leben bleibt.«
»By Gosh! Das ist ’n Bombengeschäft!«, wirft Dick Hanson ein.