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Den drei Cowboys ist es sofort klar, dass sie jetzt mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit ihren letzten Kampf ausfechten. Trotz dieser Gewissheit kommt ihnen auch nicht einmal der Gedanke, sich zu ergeben. Wenn sie das täten, hätten sie eine Chance, mit dem Leben davonzukommen. Die Banditen würden ihnen natürlich die Waffen und Wertsachen abnehmen und sie mit Fußtritten davonjagen. Vielleicht würden sie auch ein Schützenfest veranstalten und hinter ihnen herschießen.
Schuld daran, dass sich die drei Boys nicht ergeben, ist die Tatsache, dass sie wirkliche Männer sind, Männer, wie sie die Wildnis braucht. Außerdem sind sie Cowboys von der Herz-Ranch. Die Herzass-Mannschaft ist in ganz Arizona und darüber hinaus rühmlichst bekannt, und es ist eigentlich seltsam, dass sich Männer finden, die mit ihr Stunk anfangen.
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Seitenzahl: 107
Veröffentlichungsjahr: 2018
Cover
Impressum
KAMPF UM DIE HERZ-RANCH
DER GROSSE RAUB - Teil 4
Vorschau
Wissenswertes
BASTEI ENTERTAINMENT
Vollständige eBook-Ausgabe der beim Bastei Verlag erschienenen Romanheftausgabe
Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG
© 2018 by Bastei Lübbe AG, Köln
Programmleiterin Romanhefte: Ute Müller
Verantwortlich für den Inhalt
Titelbild: Heinrich Berends
eBook-Produktion: César Satz & Grafik GmbH, Köln
ISBN 978-3-7325-6387-6
www.bastei-entertainment.de
www.lesejury.de
www.bastei.de
Liebe Western-Leser, liebe Unger-Freunde!
Das Werk von G.F. Unger, einem der größten und beliebtesten Wildwest-Autoren über die Grenzen Deutschlands hinaus, ist umfangreich. Dazu zählen auch seine Beiträge zu den Serien BILLY JENKINS, TOM PROX, JOHNNY WESTON und PETE in den 50er-Jahren.
Als »sein« Verlag wollen wir Ihnen in einer Classic-Edition diese Romane präsentieren, die neben ihrem nostalgischen Reiz auch nichts von ihrer Dramatik verloren haben. Wir beginnen mit seinen Billy-Jenkins-Romanen – 71 Hefte und 8 Leihbücher. Die Serie wurde erstmals im Werner-Dietsch-Verlag in den Jahren 1934–1939 veröffentlicht und zwischen 1951 und 1958 vom Uta-Verlag neu aufgelegt und fortgeführt. G.F. Unger stieg mit Band 50 in die Serie ein; dies war auch der erste seiner Romane in der Classic-Edition.
Wir wünschen allen Sammlern und Lesern viel Vergnügen und spannende Unterhaltung bei dieser Zeitreise!
Ihre G.F Unger-Redaktion
Kampf um die Herz-Ranch
Nach Berichten des Westmannes Billy Jenkins
Erzählt von G.F. Unger
Den drei Cowboys ist es sofort klar, dass sie jetzt mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit ihren letzten Kampf ausfechten. Trotz dieser Gewissheit kommt ihnen auch nicht einmal der Gedanke, sich zu ergeben. Wenn sie das täten, hätten sie eine Chance, mit dem Leben davonzukommen. Die Banditen würden ihnen natürlich die Waffen und Wertsachen abnehmen und sie mit Fußtritten davonjagen. Vielleicht würden sie auch ein Schützenfest veranstalten und hinter ihnen herschießen.
Schuld daran, dass sich die drei Boys nicht ergeben, ist die Tatsache, dass sie wirkliche Männer sind, Männer, wie sie die Wildnis braucht. Außerdem sind sie Cowboys von der Herz-Ranch. Die Herzass-Mannschaft ist in ganz Arizona und darüber hinaus rühmlichst bekannt, und es ist eigentlich seltsam, dass sich Männer finden, die mit ihr Stunk anfangen.
Der kleine, drahtige Shorty lässt nun seinen Winchester-Karabiner sprechen. Lange genug hat er auf eine Gelegenheit gelauert. Kaum ist der Schuss gefallen, so schreit jemand gellend, und Shorty weiß, dass er getroffen hat.
Die zwei Dutzend Banditen, von denen die Cowboys auf den kleinen Hügel hinaufgetrieben wurden, liegen im hohen Gras. Weit hinten treibt eine andere Gruppe der Bande das Vieh der Herz-Ranch nach Süden.
»Zum Teufel!«, flucht Shorty wütend. »Müssen zusehen, wie die blutigen Scheiche unser Vieh wegtreiben!«
Shortys beide Kameraden – der »alte Joe« und der »rote Frank« – geben keine Antwort. Verbissen spähen sie durch das Gestrüpp, beobachten die verdorrten Grasspitzen und lassen ihre Karabiner krachen, sobald sie eine Bewegung im Gras wahrnehmen.
Rechts vom Hügel, außerhalb des Schussbereichs, stehen die Pferde der Bande. Die Tiere der Herzass-Boys liegen nicht weit davon gleich dunklen Flecken im Gras; sie liegen bewegungslos, denn sie sind tot.
Wieder flucht der kleine Cowboy, denn er denkt daran, wie sein braver Falbe stöhnend unter ihm zusammenbrach.
Frank, der lässige, schlaksige Boy mit dem brandroten Haar, meint: »Eeeeh! Wenn wir uns bis zum Abend hier halten, haben wir vielleicht ’ne Chance! Unsere Ablösung muss ja auch bald antanzen! Was sagt ihr?«
Der alte magere Joe mit dem Baumrindengesicht, der aussieht, als bestände er nur noch aus Haut und Knochen, lacht meckernd: »Hähähähähähä … bis zum Abend sind’s nur noch lausige zehn Stunden! ’s ist ja nun leider noch früher Morgen, Red-Frank! Bis die Ablösung kommt, ist die Geschichte längst vergessen. Morgen um diese Zeit stoßen wir schon Gänseblümchen hoch! Passt auf! Die Langreiter werden bald das dürre Gras anbrennen … dann müssen wir springen, und sie werden uns abknallen wie Karnickel …«
»Das möcht ich ihnen liebend gern versalzen!«, brummt Frank.
»Eeeh! Meinst du, ich nicht? Hört zu! Hab ’nen Plan!«
»Schieß los!«
»Wenn sie Feuer legen, warten wir, bis genug Qualm ihnen die Sicht versperrt. Die denken ja nun, wir türmen nach hinten, wo noch kein Feuer ist. Wenn wir aufspringen und weglaufen, können sie uns natürlich sehen. Was aber machen wir? Leise weinend kriechen wir auf das Feuer zu. Kurz vor den Flammen sausen wir hoch und mit Caracho drauf auf die Hunde! Das gibt ’ne prima Überraschung für die blutigen Scheiche! Kapiert?«
»Okay!«, stimmen Shorty und Red-Frank zu.
»Seht, Boys«, fährt der alte Joe fort, »wenn wir vor dem Feuer weglaufen, kommen wir doch nicht weit. Ihr wisst, wie schnell die Flammen in dem ausgetrockneten Gras sind. Sie holen uns ein. Wir sind so und so verloren … und da woll’n wir wenigstens so viele wie möglich von diesen Hunden mitnehmen!«
»Die sind recht ruhig geworden. Schätze, du hast recht, Joe. Die haben was vor!«, knurrt Shorty.
Bald zeigt sich, dass der alte Cowboy mit seiner Voraussage recht hat. Im weiten Halbkreis steigen Rauchwolken schräg gegen den Himmel. Die ersten Flammen werden sichtbar. Erst langsam, dann immer schneller treibt der Wind das Feuer auf die Belagerten zu. Hinter ihnen ist der Weg offen zur Flucht. Sie achten es nicht.
»Los!«, ruft der alte Joe wild. So schnell sie können, kriechen die Herzass-Boys nun auf das näherkommende Feuer zu.
Die lauernden Banditen sind einige Sekunden lang vollkommen gelähmt, als plötzlich aus Qualm und Feuer drei wie Fackeln brennende Männer auftauchen, mitten unter sie springen und wie rasende Teufel um sich schießen.
Sieben Verbrecherseelen fahren zur Hölle, ehe die tapferen Herzass-Boys im Kugelhagel zusammenbrechen.
Zur gleichen Stunde, als die drei Herzass-Boys ihren letzten Kampf liefern, krachen einige hundert Meilen weiter südlich sechs Schüsse.
Der Schütze lädt seinen Karabiner wieder nach und steckt ihn dann befriedigt in den Scabbard am Sattel. Sein rundes Gesicht mit der Knollennase verzieht sich zu einem Grinsen. »Habt ihr geseh’n, wie sie runterpurzelten? Ich habe meine Arbeit getan. Sechs Enten liegen im San-Pedro-River! Ihr könnt sie rausholen, rupfen und braten!«
Billy Jenkins, der sich gerade eine Zigarette dreht, blickt nur kurz auf und überlässt dem redegewandten Jim Chester das Wort.
Der schlanke, geschmeidige Jim zieht erst einmal seine Beine hoch und verschränkt sie unter sich, sodass er im Schneidersitz auf dem Sattel hockt. Dann beginnt er mit traurig klingender Stimme: »Mein herzinnigst geliebter Dick! Du willst doch ohne Groll im Herzen von deinen lieben alten Freunden scheiden, nicht wahr? Es wäre doch furchtbar, wenn du da oben im Himmel unter den vielen Englein sitzt, auf uns heruntersiehst und einen Zorn auf uns hast, weil wir es zuließen, dass du vor stinkender Faulheit sanft und leise eingeschlafen bist und weil du ja am Ende sogar zum Atemholen zu faul bist – nicht mehr aufwachtest!« Jim hebt beschwörend seine Hände: »Dick, alter guter Bully! Tu uns das nicht an! Hol dir deine sechs Entlein selbst aus dem Wasser raus! Rupf sie recht sauber und genau und brägele sie dir, mein Junge! Sie reichen gerade für dich Vielfraß … Außerdem haben wir heute Dienstag, und da essen wir nur Karnickel!«
Schweigend hat Dick den traurigen und beschwörenden Worten seines Freundes gelauscht. Nun reißt er seinen hässlichen Gaul herum und treibt ihn gegen Jims »Prinz« in der Hoffnung, der Spötter würde von seinem wackligen Sitz herunterkippen. Doch Jim lacht ihn nur aus, und da reitet Dick wütend zum Fluss hinunter, um die Enten aus dem flachen Wasser herauszufischen. Das Gelächter seiner beiden Freunde klingt ihm nach.
Eine halbe Stunde später brennt ein Feuer, an dem drei Männer einträchtig beieinandersitzen und Wildenten rupfen.
»Wann wollen wir zu Hause sein?«, fragt Jim einmal.
»Na, ich denke«, sagt Billy Jenkins, »wir können in fünf Tagen in der Town sein, wenn wir langsam reiten. In Bluetown könnten wir die Beine erst einmal untern Tisch stecken und wieder mal in ’nem Bett schlafen. Am nächsten Nachmittag können wir dann auf der Ranch sein.«
»Bin mal neugierig, was die Rasselbande inzwischen alles angestellt hat!«, meint Jim und grinst. »Das Hengstfohlen, das ich mir beim letzten Round-up reserviert habe, muss ja inzwischen auch ganz schön herangewachsen sein.«
»Und ich bin neugierig, ob Chink, der Koch, immer noch nicht reiten kann«, brummt der athletische Dick.
»Wenn du schon nicht ans Fressen denkst, dann wenigstens an einen Koch!«, stichelt Jim, da klatscht ihm schon ein Klumpen nasser Federn ins Gesicht.
Zwei Stunden später reiten die drei Männer weiter. Ihr Ziel ist die Herz-Ranch, die Billy Jenkins und John West zu gleichen Teilen gehört. Die drei Reiter sind überzeugt, dass auf der Ranch alles in schönster Ordnung ist. Sie freuen sich auf die Heimkehr, wie sich nur Männer freuen können, die sich längere Zeit in der Fremde herumgetrieben haben.
Der lange Charly ist der Vormann der Herzass-Mannschaft. Er hält bei der großen Herde, die am Fuße des Adlerberges weidet. Kritisch blickt er auf das wenige Wasser des Schlangenbachs, der sich durch das kleine Tal windet.
»Wir werden raufsteigen müssen zur Quelle und von da aus das ganze Bachbett absuchen! Vielleicht ist oben in den Felsen ’ne Steinlawine reingerollt, und das Wasser sucht sich jetzt einen anderen Weg!«
Die sechs Cowboys nicken schweigend zu den Worten ihres Vormannes. Plötzlich wird die Aufmerksamkeit der Männer auf einen Reiter gerichtet, der in voller Karriere auf sie zuprescht.
»Das ist doch Ned!«, brummt Charly. »Der sollte doch mit den Brüdern und mit Fred die Jungens der kleinen Herde ablösen! Damned! Da stimmt was nicht!« Bei den letzten Worten treibt Charly auch schon sein Pferd dem Ankommenden entgegen. Eilig folgen die anderen. Selbst auf der anderen Seite der großen Herde sind einige Boys aufmerksam geworden.
Als Ned sieht, dass man ihm entgegenkommt, reißt er sein Pferd herum und galoppiert den Weg zurück. Die Kavalkade der Cowboys folgt ihm. Ned winkt heftig und reitet langsamer. Nach einer halben Stunde haben die Kameraden ihn eingeholt.
»Mensch! Was ist passiert?«, brüllt Charly durch das Trommeln der Hufe. In diesem Moment rasen die Pferde durch den Talausgang und Charly hat freien Ausblick über die weite Ebene. Ned braucht ihm nun keine Erklärung mehr zu geben, denn er sieht den Rauch der brennenden Prärie. Der Wind treibt das Feuer nach links hinüber, wo in der Ferne blauschwarze Berge ihre Felsenmassen gegen den Himmel recken.
Auch die anderen Boys, die in langer Kette aus dem Tal herausreiten, sehen den Brand nun und treiben ihre Tiere zu neuer Kraftanstrengung an.
Die Cowboys müssen noch gut zwei Stunden reiten, bis sie die Windhügel erreichen, zwischen denen die kleine Herde – fast zweitausend Rinder – der Herz-Ranch weiden soll. Aber die Boys sehen kein Vieh, sondern nur drei Gestalten, die sich am Boden zu schaffen machen.
»Das sind die Brüder und Fred!«, erklärt Ned. »Sie ritten gleich weiter, während ich euch holte!«
»Wo mag denn der alte Joe mit seinen Boys sein? Von der Herde ist auch nichts zu sehn! Sicher hat’s ’ne Stampede gegeben!« Charly richtet sich in den Steigbügeln hoch. Er muss etwas Besonderes gesehen haben, denn er treibt sein Tier mit einem Fluch auf die Männergruppe zu.
»Der alte Joe ist tot!« Mit diesen Worten empfängt Fred den Vormann. Die Brüder Lin und Len machen finstere Gesichter.
»Und die anderen?«, fragt Charly atemlos.
Fred hebt ratlos die Hände. »Leben noch, aber ohne richtige Behandlung haben sie keine Chance! Brandwunden und ’ne Menge Blei …«
Charly unterbricht ihn: »Reite mit den Brüdern zum Doc! Wenn er sagt, ’s wäre ihm zu weit, dann packt ihn auf ’nen Gaul und bindet ihn fest! Der Doc muss her auf Biegen und Brechen! Er sitzt wahrscheinlich in der Kneipe von Bluetown und lässt sich volllaufen!«
»Okay, Charly!«, rufen die drei Cowboys und schwingen sich auf ihre Broncos. Dann trommeln die Hufe den Boden.
Charly gibt noch mehr Befehle, die klug und überlegt sind. »Ihr drei da reitet wieder zur großen Herde zurück! Ihr bekommt bald Verstärkung von der Ranch!«, bestimmt er. Wieder schwingen sich drei Männer auf ihre Pferde und rasen davon. »Blinky! Du reitest zur Ranch, erstattest dem Boss Bericht und sorgst auch dafür, dass ein großes Zelt und zwei Feldbetten hierherkommen! Wenn wir die Verwundeten transportieren würden, gingen sie drauf! Ist das klar?«
Blinky, der schon im Sattel sitzt, ruft: »Okay!« und galoppiert davon.
Einige Minuten lang beobachtet Charly, wie seine Kameraden sich um die Verwundeten bemühen. Red-Frank und Shorty sind noch ohne Bewusstsein. Charly sieht, dass an dieser Stelle ein verzweifelter Kampf stattgefunden hat. Überall sind Blutflecke im Gras. Da die Banditen ihre Toten und Verwundeten mitgenommen haben, ist nicht festzustellen, wie hoch ihre Verluste sind. Aber Charly muss nicht erst lange kombinieren, um sich den Kampf bildlich vorstellen zu können. Sinnend blickt er in die Ferne. Wie ein dunkler Streifen zieht sich die Spur der abgetriebenen Herde durch das unverbrannte Gras.
Der schwarzhaarige Phil tritt neben den Vormann. »Was hältst du von der ganzen Sache, Charly?«, fragt er.