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Das Lagerfeuer glimmt nur noch schwach in die Nacht hinein. Der letzte Schein des erlöschenden Feuers fällt auf drei längliche Bündel, von denen Schnarchtöne ausgehen. Es ist ein Bild der Ruhe und des Friedens. Die Strömung des nahen Flusses plätschert leise gegen die Steine, und aus der Ferne klingt das Geheul der Coyoten. Im Osten ist der Himmel leicht gerötet.
Plötzlich werden die struppigen kleinen Cowponys unruhig. Sie schnauben nervös, sind aber vom Lager zu weit entfernt, um von den Schläfern gehört zu werden. Ein sonderbarer Ton klingt auf, erst ein leises Rumpeln, das nach und nach anschwillt zu einem donnerartigen Getöse. Die Männer wachen auf, schälen sich aus ihren Decken.
"Was zum Teufel ist hier los?", flucht eine tiefe Bassstimme. "Ein verdammt unruhiges Hotel, muss ich sagen!" In diesem Augenblick springt ein Wolf dicht am Lagerfeuer vorbei. Das donnerartige Getöse nimmt zu. Es klingt, als seien hunderttausend Reiter in wilder Karriere. Der Himmel hat sich noch mehr gerötet. Es riecht nach Rauch.
"Die Prärie brennt!", gellt die sonore Stimme des einen Mannes. "Rinderstampede! Fort, Jungs! In den Fluss!"
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Seitenzahl: 105
Veröffentlichungsjahr: 2018
Cover
Impressum
DIE DREI VOM F.B.I
DER GROSSE RAUB - Teil 2
Vorschau
Wissenswertes
BASTEI ENTERTAINMENT
Vollständige eBook-Ausgabe der beim Bastei Verlag erschienenen Romanheftausgabe
Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG
© 2018 by Bastei Lübbe AG, Köln
Programmleiterin Romanhefte: Ute Müller
Verantwortlich für den Inhalt
Titelbild: Heinrich Berends
eBook-Produktion: César Satz & Grafik GmbH, Köln
ISBN 978-3-7325-6253-4
www.bastei-entertainment.de
www.lesejury.de
www.bastei.de
Liebe Western-Leser, liebe Unger-Freunde!
Das Werk von G.F. Unger, einem der größten und beliebtesten Wildwest-Autoren über die Grenzen Deutschlands hinaus, ist umfangreich. Dazu zählen auch seine Beiträge zu den Serien BILLY JENKINS, TOM PROX, JOHNNY WESTON und PETE in den 50er-Jahren.
Als »sein« Verlag wollen wir Ihnen in einer Classic-Edition diese Romane präsentieren, die neben ihrem nostalgischen Reiz auch nichts von ihrer Dramatik verloren haben. Wir beginnen mit seinen Billy-Jenkins-Romanen – 78 Hefte und 8 Leihbücher. Die Serie wurde erstmals im Werner-Dietsch-Verlag in den Jahren 1934–1939 veröffentlicht und zwischen 1951 und 1958 vom Uta-Verlag neu aufgelegt und fortgeführt. G.F. Unger stieg mit Band 50 in die Serie ein; dies war auch der erste seiner Romane, der vor 14 Tagen in der Classic-Edition erschienen (und noch bei www.Romantruhe.de nachbestellbar) ist.
Wir wünschen allen Sammlern und Lesern viel Vergnügen und spannende Unterhaltung bei dieser Zeitreise!
Ihre G.F. Unger-Redaktion
Drei vom F.B.I.
Nach Berichten des Westmannes Billy Jenkins
Erzählt von G.F. Unger
Das Lagerfeuer glimmt nur noch schwach in die Nacht hinein. In einiger Entfernung geistern die Schattenrisse dreier Pferde, die mit kleinen Schritten durch das Gras hoppeln; ihnen sind die Vorderbeine gebunden, damit sie nicht fortlaufen.
Der letzte Schein des erlöschenden Feuers fällt auf drei längliche Bündel, von denen Schnarchtöne ausgehen. Es ist ein Bild der Ruhe und des Friedens. Die Strömung des nahen Flusses plätschert leise gegen die Steine, und aus der Ferne klingt das Geheul der Coyoten. Im Osten ist der Himmel leicht gerötet.
Plötzlich werden die struppigen kleinen Cowponys unruhig. Sie schnauben nervös, sind aber vom Lager schon zu weit entfernt, um von den Schläfern gehört zu werden. Allerlei kleines Getier der Prärie huscht vorüber, eilt dem Flusse zu. Ein sonderbarer Ton klingt auf, erst ein leises Rumpeln, das nach und nach anschwillt zu einem donnerartigen Getöse.
Die Männer wachen auf, schälen sich aus ihren Decken.
»Was zum Teufel ist hier los?«, flucht eine tiefe Bassstimme. »Ein verdammt unruhiges Hotel, muss ich sagen!«
In diesem Augenblick springt ein Wolf dicht am Lagerfeuer vorbei. Das donnerartige Getöse nimmt zu. Es klingt, als seien hunderttausend Reiter in wilder Karriere. Der Himmel hat sich noch mehr gerötet. Es riecht nach Rauch.
»Die Prärie brennt!«, gellt die sonore Stimme des einen Mannes. »Rinderstampede! Fort, Jungs! In den Fluss!«
Da tauchen auch schon über dem Rand der Bodensenke auf, sich deutlich gegen den roten Himmel abhebend: die gehörnten Köpfe der anstürmenden Rinder. Tausende von Rinderbeinen trommeln den Boden.
»Die Pferde!«, schreit einer der Männer.
»Die sind hin! Fort, Idiot!«, wettert der Bass. »Nimm die Beine in die Hand!«
Die drei Männer rasen zum Fluss, springen kopfüber hinein und schwimmen mit aller Kraft stromabwärts. Hinter einem Felsen im Fluss sind sie in Sicherheit.
Über das Lager trampeln die Hufe der in wilder Panik dahinrasenden Herde. Wie eine riesige Walze stampfen sie alles in Grund und Boden. Das schauerliche Schreien der zertrampelten Pferde geht im Gedröhn der donnernden Hufe unter. Hochauf spritzt das Wasser. Die Herde setzt über den Fluss. An dem Felsen, hinter dem die Männer im Wasser hängen, teilt sich die Flut der Tierleiber.
Der Wind treibt Rauch und Qualm in dicken Schwaden heran. Dann wird die Feuerwalze sichtbar. Die Landschaft ist jetzt hell erleuchtet. Das frische Gras längs des Flusses lässt das Feuer schwächer werden, bis es kurz vor dem zertrampelten Lager qualmend verlöscht.
Auf der anderen Flussseite verklingt das Donnern der Herde in der Ferne. Nach und nach werden die Sterne am Himmel blasser. Ein fahler Streifen zeigt sich am Horizont. Es beginnt zu tagen.
Vom Fluss her kommen drei nasse, fröstelnde Gestalten. Mit finsteren Gesichtern betrachten sie ihr völlig zerstörtes Eigentum und die zertrampelten Pferdekadaver. Auch tote Rinder liegen da.
»Ist man bloß gut, dass wir unsere eigenen Pferde nicht mitnehmen konnten!«, brummt der athletische Dick Hanson. »Da seht ihr’s, was man uns für Böcke aufgehängt hat. Zu dumme Viecher!«
»Meinen ›Prinz‹ hätte ich nicht koppeln brauchen«, gibt der schwarzhaarige Jim Chester zu. »Außerdem hätte er uns beizeiten gewarnt.« Er stößt zornig gegen die Überreste seines Sattels. Mit einem Freudenschrei stürzt er sich auf eine Blechdose, die wie durch ein Wunder unversehrt geblieben ist. »Mein Tabak!« Er öffnet die Dose und dreht mit unwahrscheinlicher Geschwindigkeit drei Zigaretten. »Hier, Jungs! Eine Trostpille!«
Der blonde Billy Jenkins hat inzwischen ein neues Lagerfeuer angefacht. Nun hocken drei nackte, rauchende Männer an den Flammen und trocknen ihre Kleider. Dick besieht sich trübselig seine zertrampelten Stiefel und versucht sie anzuziehen. Die Sohle klafft am rechten Schuh und die große Zehe schaut heraus.
»Warum hast du auch deine Stiefel ausgezogen, du Heupferd!«, spottet Jim, der nur Mokassins trägt. Er mustert seinen zerbeulten Karabiner, nimmt die Patronen heraus und wirft die Waffe in die Flammen. »Und unsere Revolver sind auch weg. Spurlos verschwunden. Wie ist das möglich, Jungs?«
»Du kannst sie ja in dem zertrampelten Boden suchen«, sagt Billy. »Die sind so fest irgendwo eingestampft, dass du sie nie finden wirst. Habe ich nicht immer geredet, ihr sollt den Waffengürtel nie abbinden? Ich habe meinen noch.« Er reinigt seinen Colt sorgfältig, denn es ist die einzige Waffe, die noch brauchbar ist.
»Mich stören die Dinger beim Schlafen«, brummt Dick, und es soll eine Entschuldigung sein.
»Hört, Jungs!«, sagt Billy in seiner lässigen Art. »Bis Texton sind es vier Reitstunden. Schätze, dass wir zu Fuß heute noch hinkommen. Ich habe noch einige Dollars, damit fahren wir mit ’m Postauto nach Prytby. Dort kann ich Geld auftreiben. Wir rüsten uns neu aus und nehmen die Spur wieder auf. Möchte nur wissen, ob der Präriebrand mit Davis und seiner Bande zusammenhängt …«
Es ist ein langer Weg von Texton bis Prytby. Weg ist eigentlich zuviel gesagt, denn nur die ausgefahrenen Radspuren, welche das wöchentlich einmal verkehrende Postauto hinterlässt, deuten seine Bestimmung an. Vor langer Zeit gehörte das Gebiet den Navajos. Es war damals eine wilde Zeit. Jetzt sitzen die einst so kriegerischen Rothäute in ihren Reservationen und sind überaus friedlich.
Dafür hat sich in letzter Zeit ein viel schlimmeres Gesindel an diesem Kulturrand eingefunden. Diese sogenannten »Hochhalter«, die in dem unübersichtlichen Gewirr von Bergen und Tälern ihrem Gewerbe nachgehen, sind für harmlose Reisende eine weit größere Gefahr als damals die Navajos.
Durch diese Wildnis schwankt ein vorsintflutliches Gefährt, das von sechs schweißtriefenden Pferden gezogen wird. Es ist eine Postkutsche von der Art, wie sie noch vor fünfzig Jahren in der Wildnis verkehrten. Auf dem Bock sitzt »Whisky-Sam«, ein weißhaariger Mann mit zerknittertem Gesicht, aus dem eine rote Nase leuchtet. Sam ist ganz in seinem Element. Sonst als Faktotum auf der Poststation das Gnadenbrot genießend, ist er durch die Panne zweier Autos wieder zu Ehren gekommen, denn es blieb dem Posthalter nichts weiter übrig, als die alte Kutsche wieder aus dem Schuppen zu ziehen, wo sie Schimmel ansetzte.
»Lauft, ihr müden Schnecken, ihr traurigen Meerschweinchen! Ja, so ist’s besser, ihr seid doch Prachtpferdchen!« So treibt Whisky-Sam fluchend und schmeichelnd die Tiere an und lässt die Peitsche knallen. Von Zeit zu Zeit holt er eine Flasche hervor, nimmt einen tüchtigen Schluck und bietet sie seinem Nebenmann an, einem alten Saufkumpan, den er als Begleiter mitgenommen hat.
Von den Sitzen im Innern der Kutsche beansprucht ein dicker Mann drei für sich. Er kaut und schluckt fast pausenlos. Ihm gegenüber sitzen zwei hübsche junge Mädchen, die ihre schwächliche Mutter in die Mitte genommen haben. Sie stützen die alte Dame, wenn das Geschüttel und Gerüttel zu stark ist.
Auf der dritten Bank sitzen drei Männer, die wie schäbige Tramps gekleidet sind. Ein Blick in ihre Gesichter lässt jedoch erkennen, dass sie keineswegs verkommene Subjekte sind. Besonders der große Blonde sieht beachtlich aus. Sein Nebenmann, der Mühe hat, die breiten Schultern unterzubringen, knüpft aus seinem Halstuch allerlei Tiergestalten. Der dritte, ein hübscher Bursche mit schwarzem Haar und dunklen Augen, liebäugelt mit den Mädchen, die verschämt kichern.
Die ermüdende Fahrt versetzt alle Reisenden bald in einen Zustand des Dösens. Selbst die beiden netten Mädchen werden still. Als die ersten Schnarchtöne aus der Kehle des Dicken kommen, fährt der Wagen durch eine enge Schlucht, die sich durch das Gebirge windet. Immer noch halten die Pferde ein beachtliches Tempo.
Hinter einer scharfen Kurve gibt es urplötzlich eine Überraschung. Die Pferde sind gegen ein Hindernis gerast, liegen eine Sekunde später, wild auskeilend, durcheinander. Die Kutsche hat zwei Räder gebrochen und liegt halb auf der Seite. Frauen kreischen, Männer fluchen, und in das Spektakel hinein knallen einige Schüsse. Dann tönt eine scharfe Stimme: »Alles rauskommen! Wer sich wehrt, wird erschossen!«
Billy bindet rasch den Gürtel ab, steckt den Colt in die Hosentasche.
Zwei Banditen treiben die aus dem Wagen kletternden Reisenden und die beiden Kutscher an die Felswand. »Hände hoch! Du auch, Dicker! Nimm die Flossen hoch! Wollen mal sehen, was die Herrschaften uns alles mitgebracht haben!«
Aus einer Felsspalte, den Überfallenen gegenüber, lugt ein bärtiges Banditengesicht. Ein Gewehrlauf ist drohend auf die Überfallenen gerichtet.
Der Dicke beginnt zu jammern. »Nicht schießen! Will Ihnen ja alles geben, was ich habe, Gents! Lassen Sie mich am Leben!«
»Keine Angst, Fetter, wir zieh’n dir nicht die Haut ab! Wollen nur ein kleines Geschenk. Du schenkst doch so netten Leuten wie uns gern deine Brieftasche, nicht wahr?«
»Nehmen Sie, Herr, nehmen Sie nur!«, ruft der Dicke, zieht seine Brieftasche und reicht sie hin mit säuerlicher Miene.
Zufrieden brummend blättert der Bandit in der Brieftasche, wiegt die dicke goldene Uhr in der Hand und steckt beides lässig ein. Er wirft einen Blick auf die ärmlich aussehenden Männer und wendet sich an sein nächstes Opfer. Es ist Betty, das jüngere der beiden Mädchen. »Darf ich um das hübsche Halsband bitten, Baby?«, sagt er und greift nach ihrem Hals.
»Rühren Sie mich nicht an, Sie Dreckschwein!«, zischt Betty und weicht zurück.
»Oho! Du bist aber kratzbürstig, kleine Katze! So was liebe ich. Gib mir schnell einen Kuss, Darling, sonst reiß ich dir den Kopf ab!«
Der Bandit nähert sich dem Mädchen, will sie am Kopf packen, da klatscht Betty ihm – eins, zwei, hast du nicht gesehen – rechts und links ein paar Ohrfeigen ins Gesicht, dass es nur so knallt. Die Mutter kreischt auf. Mit zornrotem Gesicht fährt der Bandit zurück, doch in derselben Sekunde haut ihm Betty wieder ein paar herunter.
Mary, das ältere Mädchen, wird von Bettys Kampfeslust angesteckt. Sie springt hinzu und will den Kerl von hinten packen. Was keiner für möglich hielt, geschieht: Die beiden Mädels zerzausen den Banditen nach allen Regeln der Kunst, während die anderen Räuber schadenfroh grinsend dabeistehen.
Schließlich aber wird es dem einen zu bunt. Er wirft sich zwischen die Raufenden, wilde Flüche ausstoßend. Dabei gerät er in die Schusslinie des Mannes, der oben im Felsen mit seiner Schrotflinte lauert. Es dauert nur zwei Sekunden lang, doch Billy Jenkins nützt die Chance sofort aus. Seine rechte Hand fährt herunter zur Hosentasche. Der schwere Revolver kracht dumpf.
Oben der Kerl im Felsen hat plötzlich ein kleines hässliches Loch zwischen den Augen, und ehe die anderen Banditen reagieren können, ist das Unheil über sie gekommen. Einen schießt Billy noch nieder. Dem zweiten springt Jim wie ein Panther an die Gurgel und hat den Mann am Boden, ehe jemand bis drei zählen kann.
Der letzte Bandit hat das Pech, mit Dicks Eisenfaust Bekanntschaft zu machen. Da er im Kampf mit den Mädels seinen Hut verloren hat, wuchtet Dicks Faust von oben auf seinen ungeschützten Kopf. Wie ein nasser Sack fällt er in sich zusammen, und Dick ist nachher höchlichst verwundert, als er feststellen muss, dass er dem Banditen den Schädel eingeschlagen hat.
»War ein guter Schuss! Kam zur rechten Zeit!«, lacht Jim, als er seinen Mann kunstgerecht gefesselt hat. »Der Kerl hätte seine Schrotspritze nur abdrücken brauchen, und wir alle hätten was abgekriegt!« Er wendet sich an die Mädels: »Das haben Sie großartig gemacht, meine Damen! Man sieht wieder mal, was echte Westlermädels sind!«