G. F. Unger Western-Bestseller 2479 - Western - G. F. Unger - E-Book

G. F. Unger Western-Bestseller 2479 - Western E-Book

G. F. Unger

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Beschreibung

Ich hatte ein Rudel zugerittener Wildpferde bei der Agentur der Post- und Frachtlinie abgeliefert und genau vierhundert Dollar dafür kassiert. Damit begab ich mich in den Lonestar Saloon und ließ mir Bier und ein Steak bringen. Als ich den ersten Bissen kaute, kamen sie herein. Es war ein Schwarm fluchender Männer, die außer sich waren vor wilder Erregung. Aber dann kamen noch zwei Männer, die bald schon die ganze Sache unter Kontrolle bekamen. Einer dieser Männer wirkte würdig, weise und ganz so, als wäre ihm auf dieser Erde nichts mehr fremd. Der andere Mann trug einen Stern, doch er hinkte, ging an einer Krücke. Entweder hatte er sich vor einiger Zeit das Bein gebrochen oder eine Kugel eingefangen. Und dieser Mann sagte laut: "Seid ruhig, Leute! Fluchen und Toben hilft nichts. Nur Taten helfen. Allerdings dürfte das im Augenblick ziemlich schwierig sein. Ihr seht ja, dass ich nicht reiten kann. Deshalb kann ich auch kein Aufgebot über den Pecos führen, selbst wenn wir imstande wären, ein Aufgebot zu bilden, das gewillt wäre, sich mit der wilden Horde dort drüben anzulegen. Also, klären wir das jetzt mal, Leute. Wer würde mitreiten? Wer wäre bereit?" So war das also. Ich kaute bedächtig an meinem Steak, beobachtete die Männer scharf und wartete ab. Denn jetzt war ich verdammt neugierig geworden ...

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Seitenzahl: 151

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Inhalt

Cover

Impressum

Ironman

Vorschau

BASTEI ENTERTAINMENT

Vollständige eBook-Ausgabeder beim Bastei Verlag erschienenen Romanheftausgabe

Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG

© 2020 by Bastei Lübbe AG, Köln

Programmleiterin Romanhefte: Ute Müller

Verantwortlich für den Inhalt

Titelbild: Salvador Faba / Norma

eBook-Produktion:3w+p GmbH, Rimpar (www.3wplusp.de)

ISBN 9-783-7517-0119-8

www.bastei-entertainment.de

www.lesejury.de

www.bastei.de

Ironman

Ich hatte ein Rudel zugerittener Wildpferde bei der Agentur der Post- und Frachtlinie abgeliefert und genau vierhundert Dollar dafür kassiert. Damit begab ich mich in den Lonestar Saloon und ließ mir Bier und ein Steak bringen. Als ich den ersten Bissen kaute, kamen sie herein. Es war ein Schwarm fluchender Männer, die außer sich waren vor wilder Erregung. Aber dann kamen noch zwei Männer, die bald schon die ganze Sache unter Kontrolle bekamen. Einer dieser Männer wirkte würdig, weise und ganz so, als wäre ihm auf dieser Erde nichts mehr fremd. Der andere Mann trug einen Stern, doch er hinkte, ging an einer Krücke. Entweder hatte er sich vor einiger Zeit das Bein gebrochen oder eine Kugel eingefangen.

Und dieser Mann sagte laut: »Seid ruhig, Leute! Fluchen und Toben hilft nichts. Nur Taten helfen. Allerdings dürfte das im Augenblick ziemlich schwierig sein. Ihr seht ja, dass ich nicht reiten kann. Deshalb kann ich auch kein Aufgebot über den Pecos führen, selbst wenn wir imstande wären, ein Aufgebot zu bilden, das gewillt wäre, sich mit der wilden Horde dort drüben anzulegen. Also, klären wir das jetzt mal, Leute. Wer würde mitreiten? Wer wäre bereit?«

So war das also.

Ich kaute bedächtig an meinem Steak, beobachtete die Männer scharf und wartete ab. Denn jetzt war ich verdammt neugierig geworden …

Ich hatte eines begriffen: Etwas war geschehen, und es musste etwas Schlimmes sein. Wenn die Leute dieser Stadt keine Pfeifen waren, mussten sie ein Aufgebot in die Sättel bringen und durch den Pecos ins Land der Banditen reiten, in das sich nicht einmal die Texas Rangers wagten, es sei denn, sie ritten mit hundert Mann.

Der Pecos war die Grenze zwischen Ordnung auf der einen und dem Gesetz der Banditen auf der anderen Seite. Alle Geächteten, Banditen, Deserteure und sonstige Gesetzlosen waren in Sicherheit vor dem Gesetz, sobald sie den Pecos überquert und sich dem Gesetz der wilden Horde unterworfen hatten.

So einfach war das.

Manchmal kamen solche Gesetzlosen durch die kleine Stadt hier und stellten irgendetwas an.

Und auch diesmal musste es so gewesen sein.

Die Frage des Sheriffs stand noch immer im Raum.

Ja, wer war bereit, hinüberzureiten?

Ich zählte die Anwesenden. Es waren mehr als drei Dutzend, und es kamen immer noch mehr herein. Die Nachricht sprach sich offenbar immer noch herum und breitete sich außerhalb der kleinen Stadt aus.

Aber es meldete sich niemand. Keiner wollte das große Wagnis eingehen.

Einer sagte schließlich: »Verdammt, wenn wir da hinüberreiten, um den verdammten Frauenschänder zu erwischen, dann kommt wahrscheinlich nur die Hälfte von uns wieder zurück. Und viele von uns haben Frauen und Kinder. Wir müssen die Armee um Hilfe bitten. Der Gouverneur …«

Nun ging seine Stimme unter im aufbrausenden Stimmengewirr. Sie riefen und brüllten durcheinander, fluchten und schimpften. Und dennoch war es nichts anderes als Hilflosigkeit, so drohend es sich auch anhörte.

Sie taten mir leid. Nein, ich verachtete sie nicht, denn ihre Feigheit war begründet. Sie waren Bewohner dieser Stadt, Handwerker und Geschäftsleute. Sie waren redliche Leute, und einige von ihnen hatten sogar während des Krieges als Soldaten gegen die Nordstaaten gekämpft.

Sie alle wollten Frieden und Sicherheit. Ihre Frauen würden sie nicht reiten lassen.

Nach einer Weile wurde es still.

Nun sprach der andere Mann, der mit den weißen Haaren und klugen Augen so weise und erfahren wirkte. Ich wusste, dass er hier der Richter war. Sein Name war John Field. Er sagte: »Bürger von Jacinto, was ist geschehen? Es kam ein steckbrieflich gesuchter Verbrecher durch unsere Stadt. Er ging in den Store und traf dort auf die junge Witwe Sarah Gates, deren Mann aus dem Krieg so krank heimkehrte, dass er ein Jahr später starb. Dieser Verbrecher schändete Sarah Gates und schlug sie fast tot, weil sie sich mit aller Kraft wehrte. Danach raubte er ihr ganzes Geld und ihren ganzen Schmuck und ritt aus der Stadt, bevor jemand von uns etwas von der schrecklichen Tat bemerken konnte, denn es war um die Mittagszeit. Nur wenige von uns sahen ihn kommen und dann wieder fortreiten. Doch einer erkannte ihn. Es handelt sich um den steckbrieflich gesuchten Jesse McLowry, der vor einiger Zeit aus dem Zuchthaus Yuma entkommen konnte, was allein schon für die Härte und Gefährlichkeit des Mannes spricht. Nun ist er jenseits des Pecos. Wenn wir ihn nicht wieder auf diese Seite des Pecos holen können, bleibt sein Verbrechen ungestraft. Dann können wir ihn nicht hängen. Denkt mal darüber nach, was aus dieser Stadt werden soll, wenn die Bösen hier ungestraft ihre Untaten verüben können. Dann wird unsere Stadt bald einem Wurm gleichen, der sich am Boden krümmt und den jeder zertreten kann. Ich will euch sagen, was wir tun müssen.«

Nach diesen Worten machte der Richter eine Pause.

Sie alle hatten sich ihm zugewandt, und sie drehten mir dabei den Rücken zu. Die meisten dieser Männer hatten mich in der Ecke hinter dem Tisch noch gar nicht wahrgenommen. Auch der Agent der Post- und Frachtlinie, dem ich meine Pferde verkauft hatte, war unter ihnen. Er sah einmal über seine Schulter zu mir herüber. Offenbar staunte er missbilligend, weil er mich essen sah. Aber er hatte ja auch nicht meinen Hunger.

»Richter, dann sagen Sie uns endlich, was wir tun müssen, verdammt!« Eine heisere Stimme rief es aus dem Hintergrund der Versammelten.

Wieder wurde es still.

Dann aber sprach die Stimme des Richters trocken: »Wir müssen eine hohe Belohnung aussetzen, eine sehr hohe. Und wir müssen einen richtigen Ironman finden, einen Burschen wie aus Eisen, der hinüberreitet und Jesse McLowry herbringt. Dann werden wir ihn hängen. Und dann wird jeder Verbrecher begreifen, dass unsere Stadt nicht wehrlos ist wie ein Wurm. So einfach ist das.«

Wieder redeten sie durcheinander.

Dann hob einer der Männer die Hand. Es war der Bürgermeister. Und er sagte laut genug: »In der Stadtkasse sind zurzeit eintausendfünfhundertsiebzig Dollar. Die könnten wir als Kopfgeld aussetzen.«

»Und zweitausend Dollar sind von der Regierung ausgesetzt, seit McLowry aus Yuma ausgebrochen ist. Er erschlug einen Wärter. Das ergibt zusammen eine hübsche Summe als Prämie, für die sich ein Ironman interessieren könnte.«

Der Richter sprach die letzten Sätze, nachdem der Bürgermeister endete.

Die Versammlung verharrte einige Sekunden schweigend.

Dann rief eine Stimme erleichtert: »Nun, dann ist ja alles geklärt, nicht wahr, Richter? Sie und der Sheriff werden für diese hohe Kopfgeldprämie gewiss einen Ironman finden. Dann läuft ja alles in unserem Sinne, nicht wahr?«

Nach diesen Worten ging der Mann. Er trug die Lederschürze eines Schmiedes. Auch ihn kannte ich. Er hatte schon mal mein Pferd beschlagen.

Ihm schlossen sich andere Männer an. So schnell wie sie in den Saloon kamen, so schnell strebten sie wieder hinaus – und alle waren sie erleichtert über die Lösung. Denn nun fühlten sie sich nicht mehr verpflichtet, über den Pecos ins Land der Banditen zu reiten.

Sie glaubten, dass mit Geld alles zu regeln wäre.

Es blieben der Richter, der Sheriff und der Wirt zurück – und plötzlich sahen sie zu mir her.

Ich kaute die letzten Bissen und spülte mit Bier alles hinunter.

Dann begann ich mir eine Zigarette zu drehen.

Dabei dachte ich an Sarah Gates, die junge Witwe.

Ich hatte stets bei ihr eingekauft, wenn ich in dieser Stadt war, mich auch in ihrem Store für jede Wildpferdjagd ausgerüstet. Zumeist ritt ich mit zwei Helfern und drei Packtieren ins Wildpferdgebiet.

Ja, ich kannte sie, und nur weil sie noch zu sehr um ihren Mann trauerte, hatte ich noch nicht versucht, sie für mich zu gewinnen. Denn sie gefiel mir sehr. Sie sah so aus wie die Frau meiner Träume. Ich hätte sie jetzt gleich nach dem Essen aufgesucht im Store, um sie wiederzusehen und mit ihr zu reden. Da ich vier Monate weg war, hätte es sein können, dass sie nicht mehr so sehr um ihren verstorbenen Mann trauerte und ich eine Chance bei ihr bekommen hätte.

Aber nun war alles anders.

Ich hatte ja gehört, was mit ihr geschehen war. Sie tat mir so leid. Aber was geschehen war, konnte nicht mehr rückgängig gemacht werden. Sie musste da irgendwie hindurch.

Gewiss konnte ich ihr dabei nicht helfen. Wir waren ja nur sehr oberflächlich miteinander bekannt, obwohl sie gewiss stets gespürt hatte, dass ich sie mochte und nur nicht aufdringlich sein wollte.

Als ich meine Zigarette anzündete, traten der Sheriff und der Richter zu mir an den Tisch und sahen auf mich nieder. Ich stieß einige Qualmwolken aus und sah dann durch den Rauch zu ihnen hoch.

»Was wollt ihr?« So fragte ich, obwohl ich wusste, was sie von mir wollten.

»Jake Ringold, Sie sind ein Ironman«, sprach der Richter. »Sie sind ein Mann wie aus Eisen, Stahl und zähem Leder. Sie sind ein Ironman. Wollen Sie uns den Kerl herholen?«

Als er verstummte, sprach Sheriff Abe Scott, indes er sich auf die Krücke stützte und so sein linkes Bein entlastete: »Dreitausendfünfhundertsiebzig Dollar Prämie insgesamt. Wie viele Wildpferde müssen Sie dafür fangen und zureiten, Jake Ringold?«

Ich grinste und erwiderte: »Dreihundertsiebenundfünfzig, wenn die Preise nicht besser werden, Abe.«

Sie schwiegen und sahen mich nur an.

Dann murmelte der Sheriff: »Sarah Gates wird vielleicht sterben. Sie mochten Sarah, nicht wahr, Jake Ringold?«

Ich stieß wieder einige Rauchwolken aus. Dann sagte ich. »Also gut, ich hole ihn. Es darf nicht sein, dass er davonkommt. Es darf nicht sein.«

Sie nickten grimmig.

Dann sprach der Richter: »Sie reiten als Sheriff. Ich nehme Sie unter Eid. Und dieser Eid gilt auch dann, wenn Sie den Stern in der Hosentasche tragen müssen, um nicht erkannt zu werden als Gesetzesmann.«

Ich nickte. »Und wie erkenne ich den Mistkerl?«

»An zwei Dingen«, erwiderte der Sheriff. »Er ist auf besondere Art tätowiert. Und überdies nahm er die kostbare Uhr von Sarahs Mann mit. Diese Uhr spielt jede Stunde eine kleine Melodie – auch wenn er sie in der Tasche trägt, hört man es genau.«

»Und die Tätowierungen?« So fragte ich neugierig.

»Auf jeder seiner Arschbacken ist ein Pumakopf zu bewundern, fast so gut wie von einem Künstler auf Leinwand gemalt.« Wieder war es der Sheriff, der dies sagte.

»Aber er läuft nicht jenseits des Pecos mit nacktem Hintern herum«, knurrte ich und begann zu ahnen, dass es noch eine Menge Schwierigkeiten geben würde, bevor ich den Kerl hierher nach Jacinto brachte.

Aber dass ich ihn herschaffen würde, nun, daran zweifelte ich nicht. In jedem Fall würde es leichter sein, ihn zu fangen, als dreihundertsiebenundfünfzig Wildpferde.

☆☆☆

Eine gute Stunde später ritt ich auf meinem grauen, narbigen Wallach durch den Pecos, dessen Wasser hier bei der Furt meinem Pferd nur bis zum Bauch reichte. Ich sah ziemlich abgerissen aus, denn ich hatte mich ja in Jacinto nach der langen Pferdejagd noch nicht wieder mit sauberem Zeug eingekleidet, auch nicht gebadet. Mein Hunger war größer gewesen.

Nun war es mir recht, dass ich so abgerissen aussah, ganz wie ein Bursche, der schon viele Tage und Nächte im Sattel saß, weil er es eilig gehabt hatte, von irgendwo möglichst schnell zu verschwinden und seine Fährte zu verwischen.

Meinen Stern trug ich in der Tasche, eingewickelt in ein schmutziges Taschentuch. Ich wusste zu gut, dass es schlimm für mich sein würde, wenn man im Land westlich des Pecos erfahren sollte, dass ich ein Bursche war, der mit einem Stern in der Tasche ritt.

Nun, ich hielt dann am Westufer des Pecos noch einmal an und blickte zum Ostufer hinüber, so wie es wahrscheinlich jeder Reiter getan hätte, der sich nach Verfolgern umsah, denen er auf dieser Seite des Pecos entkommen zu sein glaubte.

Nach einer Weile ritt ich weiter und erreichte den bewaldeten Kamm der Hügel des Pecos Valley.

Oben saßen zwei Reiter im Schatten der Bäume. Ihre Pferde standen hinter ihnen mit hängenden Zügeln. Es waren erstklassige Rinderpferde, die gelernt hatten, sich nicht von der Stelle zu bewegen, wenn die Zügelenden am Boden lagen.

Einer der Männer war ein Mexikaner, der andere ein gelbhaariger und sommersprossiger Bursche, den man auf den ersten Blick für einen noch nicht erwachsenen Jungen hielt.

Aber ich kannte ihn. Wir hatten in El Paso schon mal zusammen gewürfelt und gepokert und uns auch schon mal in Dolly Mollys Etablissement getroffen, wo es die schönsten Mädchen weit und breit gab. Er war älter, als er aussah.

Ich nickte ihm zu und sagte: »He, Lefty, so sieht man sich wieder. Wie war denn die Chinesin damals?«

Er grinste und klatschte in die Hände.

»Das war eine Japanerin«, sagte er, »und sie konnte alles, einfach alles, Pferdejäger. Was suchst du hier diesseits des Pecos? Doch wohl keine Wildpferde?«

Ich schüttelte den Kopf und blickte über die Schulter zurück zum Pecos hinunter. Dann sah ich jenen Lefty und den Mexikaner wieder an und grinste.

»Ach, ich wollte schon immer über den Pecos«, erwiderte ich. »Vielleicht ist die Luft hier für mich gesünder. Wohin führt dieser Weg?«

Sie grinsten mich an. Ja, sie glaubten, dass ich auf der Flucht war, und sie hatten volles Verständnis dafür, dass ich nicht mit ihnen darüber reden wollte. Das wollte gewiss niemand in solch einer von ihnen vermuteten Situation. Und dies wurde von allen Menschen in diesem Land respektiert.

Lefty sagte: »Dieser Weg führt nach San Pablo. Es ist ganz hübsch dort, wenn du ein paar Dollars ausgeben kannst.«

»Ich kann«, sagte ich und ritt weiter.

»Amüsier dich gut«, rief Lefty mir nach. »Kommt noch jemand hinter dir?«

»Ich hoffe nicht«, rief ich über die Schulter zurück.

Dass sie mich reiten ließen, war mir eine Beruhigung. Denn ich wusste, sie saßen hier als Wächter bei der Furt. Ich war für sie nur einer der Reiter, die über den Pecos kamen, um unterzutauchen.

Und Lefty kannte mich als Wildpferdjäger.

Ich fragte mich, wie weit es bis nach San Pablo sein würde. Ich hatte vergessen zu fragen. Aber es war ja wohl egal, wie weit es war. Irgendwann würde ich hinkommen und dann nach diesem Burschen suchen, der eine Uhr in der Tasche hatte, die jede Stunde eine kleine Melodie spielte – und auf dessen Hinterbacken je ein Pumakopf tätowiert war.

Natürlich hätte ich jenen Lefty und den Mexikaner fragen können, wer in den vergangenen acht Stunden vor mir durch die Pecos-Furt geritten war. Ich hätte nach einem braunhaarigen, gelbäugigen und bullig wirkenden Burschen fragen können.

Aber damit hätte ich schon den Verdacht erweckt, dass ich hinter ihm her war. Hier in diesem Land schützten sie sich alle gegenseitig und lebten nach bestimmten Regeln. Es war zwar ein Land der Gesetzlosen, Geächteten und vom Gesetz Verfolgten, aber auch sie lebten nach einer gewissen Ordnung. Ich wusste es, denn ich hatte viel davon gehört.

Es gab hier sogar Sheriffs, Town Marshals und sogar Richter.

Nur amtierten diese Männer nicht nach den Rechten der Verfassung, sondern nach den Regeln und der Ordnung der Gesetzlosen, die sich westlich des Pecos eine Zuflucht schufen.

Der große Trick war, dass sie allen Aufgeboten oder Gesetzesmännern aus diesem Grund verbieten konnten, in ihrem Gebiet tätig zu werden, weil ja hier schon Behörden etabliert waren, die man nur um Amtshilfe zu bitten brauchte. Allerdings brachte diese Amtshilfe niemals Erfolge. Sie wurden stets nur zum Schein tätig.

So also lagen die Dinge.

Ich war deshalb nicht überrascht, dass ich nach etwa zwölf Meilen, als mich die von Osten kommende Nacht eingeholt hatte und am Himmel im Westen das letzte Violett verschwand, die Lichter einer Stadt erkannte.

Es war eine zwar kleine, doch sehr lebendige Stadt, zur Hälfte mexikanisch, denn es gab hier eine alte Mission mit einem Glockenturm, die gewiss noch von den Spaniern damals errichtet wurde, als sie hier überall nach Gold suchten und ihre Padres die Heiden bekehren wollten.

Es gab Lokale verschiedenster Art.

Ich hielt vor einem Saloon an und drängte die Sattelpferde an einem Haltebalken auseinander, um Platz für meinen Wallach zu schaffen.

Dabei dachte ich: Vielleicht ist er hier in diesem Saloon. Er ist angloamerikanischer Abstammung, also wird er nicht in einer Fonda oder Bodega sein, höchstens in einem Putahaus. Aber wenn er keinen Wein und keinen Tequila und Mescal säuft, sondern lieber Brandy oder Whisky, dann werde ich ihn in solch einem Saloon finden. Mit den Gedanken im Kopf ging ich hinein.

Es war voll. Eine Drei-Mann-Kapelle spielte. Es gab Tanzmädchen. Drei Barmänner bedienten die durstigen Kehlen. Auch die Tische waren besetzt. Man spielte da und dort Karten.

Ich drängte mich zwischen die durstigen Kehlen an die Bar und bestellte einen Brandy und ein Bier. Mein Nebenmann zur Rechten sah mich prüfend an und witterte dann mit vibrierenden Nasenflügeln. Ich wusste, er roch den Staub und den frischen Pferdeschweiß an mir trotz der schlechten Luft hier im Raum.

»Gerade erst angekommen, Bruder?« So fragte er, nachdem ich das Bier in mich hineingegossen hatte.

Ich nickte.

»Es ist ganz hübsch hier«, sagte er und grinste. »Nur wenn man pleite ist, muss man stets sehr weit reiten, um sich Bucks zu besorgen. Denn hier sind die Regeln zu beachten.«

Seine letzten Worte waren eine Warnung, die man wahrscheinlich jedem Neuankömmling zukommen ließ.

Wir würfelten dann um die nächsten Drinks. Er gab mir noch einige Tipps und Verhaltensmaßregeln.

Und die ganze Zeit überlegte ich, wie ich diesen Jesse McLowry finden konnte, diesen Mistkerl, der eine Uhr in der Tasche haben musste, die jede Stunde eine kleine und zarte Melodie spielte, und auf dessen Hinterbacken Pumaköpfe tätowiert waren.

Selbst wenn er in dieser kleinen Stadt war, musste mir schon ein kleines Wunder zu Hilfe kommen. Denn Fragen stellen, dies durfte ich nicht. Wer hier nach einem Mann fragte, der musste schon sein Freund, sein Partner oder guter Bekannter sein. Denn sonst war das gejagte Wild bald gewarnt und wurde selbst zum Jäger.

Ich war müde und ausgebrannt und begriff, dass ich mir Zeit nehmen musste. Also sollte ich mir ein Quartier für mich und meinen Wallach suchen.