Galaxy Kids 2 - Lars Burkart - E-Book

Galaxy Kids 2 E-Book

Lars Burkart

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Beschreibung

Galaxy Kids - Der Dimensionsspringer ist der zweite Teil der abenteuerlichen Weltraumgeschichte über Freundschaft, Verrat und dem Kampf um Freiheit. Kaum zurück, bleibt den Kids wenig Zeit zu verschnaufen. Nicht nur, dass sie um das Schicksal ihres Freundes Oxo bangen müssen, ein Verräter im Herrscherhaus falschspielt, sie in eine von Yxyndor gestellte Falle tappen. Er jagt sie auch durch eine andere Zeit und eine andere Dimension. Bis auf die Erde führt sie ihr verzweifelter Versuch den fast zerstörten Planeten zu retten. So kämpfen sie nicht nur gegen ihren Widersacher, sondern auch gegen die Prophezeiung, das nicht alle diesen Weg zu Ende gehen. Bedeutet es das Ende der Fünf Auserwählten? Können sie Yxus ein weiteres Mal retten?

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Seitenzahl: 512

Veröffentlichungsjahr: 2021

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Lars Burkart

Galaxy Kids 2

Der Dimensionsspringer

 

 

 

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Inhaltsverzeichnis

Titel

Vorgeschichte

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Kapitel 15

Kapitel 16

Kapitel 17

Kapitel 18

Kapitel 19

Kapitel 20

Kapitel 21

Kapitel 22

Kapitel 23

Kapitel 24

Kapitel 25

Kapitel 26

Kapitel 27

Kapitel 28

Kapitel 29

Kapitel 30

Kapitel 31

Kapitel 32

Kapitel 33

Kapitel 34

Kapitel 35

Kapitel 36

Kapitel 37

Kapitel 38

Kapitel 39

Kapitel 40

Kapitel 41

Kapitel 42

Kapitel 43

Kapitel 44

Kapitel 45

Kapitel 46

Kapitel 47

Kapitel 48

Kapitel 49

Kapitel 50

Kapitel 51

Kapitel 52

Kapitel 53

Kapitel 54

Kapitel 55

Kapitel 56

Kapitel 57

Kapitel 58

Kapitel 59

Kapitel 60

Kapitel 61

Kapitel 62

Kapitel 63

Kapitel 64

Kapitel 65

Kapitel 66

Kapitel 67

Kapitel 68

Kapitel 69

Kapitel 70

Kapitel 71

Kapitel 72

Kapitel 73

Kapitel 74

Kapitel 75

Kapitel 76

Kapitel 77

Kapitel 78

Kapitel 79

Kapitel 80

Kapitel 81

Kapitel 82

Kapitel 83

Kapitel 84

Kapitel 85

Kapitel 86

Kapitel 87

Kapitel 88

Kapitel 89

Kapitel 90

Kapitel 91

Kapitel 92

Kapitel 93

Kapitel 94

Impressum neobooks

Vorgeschichte

Vorgeschichte

Die Feierlichkeiten zu ihrer Rückkehr waren beendet. Im Herrscherschloss kehrte nach drei Tagen Ruhe ein. Drei Tage, an denen bis weit in die Nacht hinein ausgelassen gefeiert wurde, gesungen, gegessen, gelacht und getanzt. Am letzten Abend erleuchtete ein gigantisches Feuerwerk den Himmel über der Hauptstadt. Erst im darauffolgenden Morgengrauen endete die Party.

Die Kids schliefen. Nachdem sie von Urus 1 zurückgekehrt waren, hatten sie keine Zeit durchzuschnaufen, oder das erlebte wenigstens zu verdauen. Gefühlt hatte beinahe jeder Bewohner Yxus ihre Hände schütteln wollen.

Für sie war es schwer gewesen, da sie nicht wussten, was mit Oxo war. Ob er wieder gesundet? (Mittlerweile verwendeten alle das Wort gesund. Das er eigentlich eine Maschine ist, die nicht gesund, sondern nur repariert werden kann, interessierte sie dabei nicht). Nicht zu wissen was aus ihrem Freund wird machte ihnen Angst. Sobald sie etwas Luft hatten, waren sie zu ihm gegangen. Doch er stand immer nur da, in so einer Art Alkoven, war mit zahlreichen Gerätschaften verkabelt und rührte sich ansonsten nicht.

Jetzt lagen alle im tiefen Schlaf. Die Kids ebenso wie der Herrscher selbst. Die zahlreichen Gäste waren vor Stunden nach Hause gegangen. Nur die Androidendiener sausten emsig umher, räumten die Tische ab, transportierten das schmutzige Geschirr in die Küchen, bohnerten und wachsten die Böden. Alles still und leise, ohne klappern, ohne scheppern.

Aber ebenso still und leise huschte ein dunkler Schatten durch die Korridore, umging den Festsaal, schlich an der Überwachung vorbei, fuhr schließlich in die unteren Etagen. In die Technikräume, wo die gesamte Steuerung zusammenlief. Es interessierte ihn aber nicht die Palaststeuerung. Diese Person hatte es auf etwas Anderes abgesehen. Und dazu brauchte er noch nicht einmal die Sicherheitssysteme zu überwinden. Alles war wirklich so, wie es Yxyndor ihm in seinem Traum beschrieben hatte. Hier unten war es wärmer als in den oberen Räumen. Seine Schritte halten durch die Flure. Klack, klack, klack. Hier unten musste er nicht auf seine Geräusche achten, hier war er allein. Hier unten gab es noch nicht einmal Wachen. Und die Überwachungssysteme waren deaktiviert wurden. Auch das hatte Yxyndor ihm gesagt.

Der Gang zweigte nach links ab, er folgte seinem Verlauf bis zu einer Tür. Auch diese Tür ließ sich problemlos öffnen. Dann stand er in einem fast leeren Raum, hinter ihm fuhr die Tür leise wieder zu, schnitt dabei die Stille von außen ab. Hier drinnen existierten Unmengen von Geräuschen. Geräte, die Funktionen aufzeichneten. Monitore, die leise summten. In den Wänden knisterte Elektrizität. Der Raum war praktisch leer, nur an der gegenüberliegenden Wand standen all diese Gerätschaften. Sie waren um eine Vorrichtung angebracht, die ein bisschen wie ein Sarg anmutete. Ein aufrecht stehender Sarg. Zahllose Kabel führten zu ihm.

Mit langsamen Schritten näherte er sich. Beinahe am Ziel. Doch er durfte es nicht überstürzen. Yxyndor hatte ihm auch hierzu genaue Instruktionen gegeben, doch er hatte ihm auch geraten vorsichtig zu sein. Nicht das einer der Sensoren Alarm auslöste.

Er ging auf den Alkoven zu. Nach wenigen Schritten war er an den Gerätschaften vorbei. Sie summten leise vor sich hin. Er wusste, dass mit deren Hilfe sämtliche Systeme, die durch den Beschuss mit der Waffe, zerstört oder beschädigt wurden waren, wiederinstandgesetzt werden sollten. Diese Waffe hatte bei Oxo wirklich ganze Arbeit geleistet. Seitdem war er weit weniger als ein Toaster. Eine hochkomplexe Maschine, ohne jegliche Funktionen. In anderen Zeit wäre er ausgeschlachtet wurden und die Komponenten, die noch etwas taugten, einer anderen Androideneinheit zugeführt wurden.

Jetzt stand er vor dem Alkoven. Zwei Meter in der Höhe maß er und einen in der Breite. Dafür war er nicht besonders tief, es langte gerade so, das Oxo darinnen stehen konnte. Dessen Augen waren geöffnet, aber der Eindringling wusste, sie zeichneten nichts auf. Seine Systeme waren tot.

Ein letztes Mal sah er sich um. Sollte es wirklich so einfach sein? Schließlich griff er in eine seiner Taschen und beförderte etwas hervor das kaum so groß wie sein Fingernagel war. Es haftete an seiner Fingerspitze, sodass er es genau sehen konnte. Ein Chip. Er hatte Yxyndor nach dessen Inhalt gefragt. Das hat dich nicht zu interessieren war seine knappe Antwort gewesen. Dem Eindringling war es gleich. Ihm war aber nicht gleich, das er nicht der einzige war, der für Yxyndor arbeitete. Denn dieser Chip musste ja von irgendwem dort platziert wurden sein, an den Ort, den ihm Yxyndor erst vor wenigen Minuten gesagt hatte. Unter einem Wandteppich ganz in der Nähe des Herrschaftsthrones. Jeder konnte das gewesen sein!

Er betrachtete diesen Chip eingehend. Kein Unterschied zu den herkömmlichen seiner Art. Wenn er nur wüsste, was sich auf ihm befindet. Schließlich drehte er sich um, entfernte sich von dem Alkoven und schritt auf die Kommandoeinheit zu. Hier wurden alle Upgrades für Oxos Systeme eingegeben, sämtliche seiner Applikationen und Transaktionen mussten erst in diesem Terminal kontrolliert, dann in seine Speichersysteme geschrieben werden. Auch das war keine routinemäßige Vorgehensweise, wenn ein Androide außer Funktion war.

Vorsichtig legte er den Chip auf die Leseeinheit und wartete gespannt, was passierte.

Ein heikler Moment. Sollten Oxos interne Sicherheitssysteme noch halbwegs funktionieren, könnten diese feststellen, dass es sich um schadhafte Software handelte und den Input verweigern.

Zwei, drei Sekunden passierte nichts. Dann setzte die Übertragung ein. Die Fläche, auf die der Chip auflag, nahm ein gedämpftes blaues Licht ein. Die Monitore der umstehenden Computer schalteten sich summend ein. Zahlenreihen liefen ab. Viel zu schnell um sie zu lesen. Jetzt wurden die Daten in die Systemsprache der Androiden übersetzt, anschließend in seinen Speicher übertragen. Das konnte einige Augenblicke dauern.

Plötzlich ertönte schrillend ein Alarmsignal. „WARNUNG! WARNUNG!“, stand mit großen, roten Buchstaben auf allen Monitoren. Der Eindringling lächelte. Damit hatte er gerechnet und insgeheim sogar darauf gehofft. Denn nicht Oxos interne Sicherheitssysteme hatten Alarm geschlagen, sondern die der Übertragungsmedien. Und die ließen sich einfach übergehen. Es brauchte nur einen Code; den er hatte und die Übertragung wird fortgesetzt.

Nach nicht einmal zwei Sekunden herrschte wieder Ruhe. Der Alarm war verstummt, die Warnsignale von den Bildschirmen verschwunden. Sie hatten den Zahlenreihen Platz gemacht.

Unterdessen dauerte die Einspielung nur noch wenige Momente; die Datei war ja nicht besonders groß. Anschließend nahm er den Chip wieder an sich, steckte ihn in seine Hosentasche zurück und sah sich beim verlassen des Raumes noch einmal um. Es sah alles so aus wie vor seinem eindringen. Gut, denn niemand sollte wissen, dass jemand hier drinnen gewesen war. Dann schloss er die Tür und ging davon. Denselben Weg, den er gekommen war.

Kapitel 1

Kapitel 1

„Verflucht, ist das eine Hitze“, bellte Robin in die Comm. Sein Bike raste über den Boden, hinter sich herziehend eine riesige Fontäne aus Staub. Das Kraftfeld hatte er abgestellt, der Fahrtwind sollte ihm Abkühlung verschaffen. Es fühlte sich aber nicht so an als würde es etwas bringen. Er musste nur unglaublich laut in die Comm schreien. Und sein Schweiß trocknete auf der Stelle. Heiß war ihm trotzdem. Er drehte die Geschwindigkeit weiter auf. Unter ihm raste der Wüstenboden dahin.

„Was ist?“, schaltete sich Nicole ein, die eben mit ihrem Jäger tiefer ging und sich neben ihm positionierte. Es gelang ihr spielend leicht ihren Jäger nicht höher als einen Meter über den Boden fliegen zu lassen.

In den letzten Tagen hatten sie ihre Fahrzeuge noch besser kennen lernen dürfen. Darum waren sie hier, in diesem abgelegenen Teil Yxus. In dieser heißen Wüste, in dem die Sonne erbarmungslos brannte und es nie unter fünfzig Grad abkühlte. Dagegen wurde es in der Nacht frostig kalt. Weit unter Null. Zwei Extreme also. Und damit hervorragende Trainingsbedingungen.

Robin schnaufte verächtlich. Zum streiten war ihm viel zu heiß. Nein, lieber drehte er das Gas noch etwas mehr auf.

Unglaublich was in seinem Bike steckte. Sechshundert Sachen, und es beschleunigte immer noch. Er raste schnell wie ein Blitz über den Boden, die Maschine schnurrte wie ein Kätzchen.

Auch die anderen reizten ihre Maschinen aus. Die Mädchen flogen mit ihren Jägern, Mike flitzte mit dem Boliden irgendwo ein Stück hinten ihnen lang hin. Nur nicht Marcel. Er saß im Cockpit des Transporters, mit dem sie angekommen waren. Zumindest saß er da, als sie zu einer weiteren Probefahrt aufgebrochen waren. Er hatte seinen Panzerwagen auf Urus 1 verloren und bisher noch keine Möglichkeit gehabt, diesen zu ersetzen.

Von dieser Position aus überwachte er die anderen. So konnte er zumindest etwas an ihrem Spaß teilhaben. Die letzten Tage waren schwer für ihn gewesen. Er vermisste Oxo. Noch immer wusste niemand, ob er wieder instand zu setzen war, ob er bald wieder gesund ist, ob er wieder ganz der Alte wird?

Im Cockpit war es brütend heiß. Längst nicht so unerträglich wie draußen. Aber doch warm genug um richtig viel zu schwitzen. Sein Hemd und seine Hose waren klamm. Schweiß lief ihm ins Auge.

„Nehmt euch zusammen, Leute! Ihr wisst, warum wir hier sind.“

„Ja doch, du Spielverderber“, seufzte Nicole, riss das Steuer scharf nach links und raste davon. Sie hatte einen Heidenspaß dabei. Auch ihr lief der Schweiß in Strömen. Ihr Gesicht war klatschnass, doch ihre Augen strahlten vor Freude. Dann ging sie mit einer ebenso steilen Kurve in den Steigflug.

Marcel beobachtete ihr Manöver am Monitor. Er beobachtete alle ganz genau. Mike raste mit gleichbleibender Geschwindigkeit einfach nur geradeaus. Er hatte seinen Boliden auf zweifache Schallgeschwindigkeit gepusht und machte keine Anstalten langsamer zu werden. Robin dagegen fuhr wahre Schlangenlinien. Nicole und Jenni flogen derartige Kapriolen, dass es Marcel oft genug noch heißer wurde. Er verfolgte ihre Flugbahnen und hatte sie schon mehr als einmal bremsen müssen, keine unnötigen Risiken einzugehen. Er wünschte, er könne so ausgelassen sein.

Aber auch den anderen machte die Ungewissheit zu schaffen. Sie hatten nur die Möglichkeit, das zu kompensieren, ganz anders als Marcel. Sie waren froh, nicht pausenlos an Oxo denken zu müssen. Sie fuhren ihren Befürchtungen und Gedanken quasi davon.

Seit drei Tagen waren sie hier. Tagsüber erweiterten sie ihre Fertigkeiten hinter dem Steuer, in der Nacht wälzten sie sich unruhig in ihren Kojen herum. Am Tag, wenn sie beschäftigt waren, dachten sie nicht an Oxo. In der Nacht aber, wenn es ruhig ist und sie zu schlafen versuchten, konnten auch sie ihre Gedanken nicht von ihm ablenken. Dann überkam auch sie die Unruhe und die Ungewissheit nagte wie ein gefräßiges Tier an ihnen. Stunden lagen sie wach, ehe sie in einen flachen Schlaf fielen. Aus dem sie oft wieder gerissen wurden.

„Mike! Mike, melde dich!“, sprach Marcel in die Comm. Er hatte sich mittlerweile mehr als tausend Kilometer entfernt. Das war viel mehr als sie ausgemacht hatten.

Die Sekunden verstrichen, doch von Mike war nichts zu hören. Marcels Hände verkrampften sich zu kleinen Fäusten, die Knöchel weiß. Allmählich machte er sich Gedanken. Mike konnte unmöglich außer Reichweite sein. Nein, es musste einen anderen Grund haben. War das Gerät defekt? Unwahrscheinlich.

„Mike! Melde dich endlich!“

Doch von Mike kam kein Ton. Der Punkt auf dem Monitor, der sein Fahrzeug darstellte, bewegte sich derweil mit gleichbleibendem Tempo fort.

„Antwortet er nicht?“, fragte Jenni unnötigerweise. Sie konnte doch hören, dass er es nicht machte. Darauf ersparte sich Marcel eine Antwort.

„Ich fliege ihm nach“, dann schwenkte sie scharf nach rechts, beschleunigte ihren Jäger auf das vierfache ihrer bisherigen Geschwindigkeit. In wenigen Minuten wird sie ihn eingeholt haben. Und dann? Was, wenn Mike nicht reden wollte …

„Zentrale an Shuttle eins. Könnt ihr mich hören?“

Marcel hockte stocksteif vor den Armaturen des Shuttles, starrte auf die Monitore, das Herz schlug ihm bis zum Hals. Was wollte der andere? Sie wollten sechs Tage hierbleiben, die Hälfte davon war erst vorüber. Warum meldete er sich also? Mit zitternden Händen nahm er das Gespräch an.

„Hier Shuttle eins. Was gibt es?“ Seine Stimme brach fast. In ihm breitete sich ein sehr unangenehmes Gefühl aus. Was ist auf einmal los? Erfüllten sich jetzt ihre Befürchtungen? War es passiert?

Ein paar Augenblicke war nur ein leises fernes rauschen zu vernehmen. Dann war die Stimme wieder da. „Oxos Kaltstart ist vollzogen. Systeme werden soeben hochgefahren.“

Marcel wollte schreien, doch ihm blieb alles im Hals stecken.

„Shuttle eins? Haben sie verstanden?“

„Oh ja, laut und deutlich.“

„Wir können also mit eurer Rückkehr rechnen?“

„Sobald wie möglich“.

Damit unterbrach die Verbindung. Marcel zögerte keine Nanosekunde, den anderen die Nachricht zu übermitteln.

Natürlich brauchte Mike die längste Zeit für die Rückkehr; er hatte sich ja auch am weitesten entfernt.

Das verstauen ihrer Fahrzeuge ging dagegen schnell vonstatten. Binnen weniger Minuten waren die Jäger, das Bike und der Bolide im Bauch des Shuttles verschwunden. Die Mädchen hätten auch selber fliegen können, doch Marcel bestand darauf, dass sie alle gemeinsam ankämen.

Die Frachtraumschleusen waren kaum richtig verschlossen, da startete Marcel die Triebwerke. Es zu steuern war nicht weiter schwierig, das machte er schon fast mit links.

In einer schnellen Aufwärtskurve ging es auf die Hauptstadt zu.

Kapitel 2

Kapitel 2

Nicht einmal eine Stunde später setzte der Shuttle heftig auf. Dann öffnete sich die Schleuse zischend und die fünf sprangen nach draußen. Sie rannten über die Parkdecks, duckten sich unter anderen Shuttles hindurch, hüpften über Hindernisse drüber und verließen schließlich das Parkdeck über den Lift. Nur wenige Sekunden später hatten sie den Raum erreicht in dem sie in letzter Zeit so oft gewesen waren, seitdem Oxo hier war. Die Instrumente piepten leise, Monitore summten. Oxo hatte die Augen geöffnet. Er sah ihnen entgegen, bewegte sich aber nicht.

Ein Schrecken jagte in ihre Körper, sie sahen es gleich als erstes. Sie blieben stehen, starrten ihn an. In seinem Gesicht war kein Wiedererkennen.

Endlich kam einer der Techniker auf sie zu. Eine ganze Reihe von ihnen wuselte hier herum, aber bisher hatte keiner von ihrer Anwesenheit Notiz genommen. Bis jetzt. Sie alle trugen schneeweiße Laborkittel, schneeweiße Handschuhe und Hauben auf ihren Köpfen, die sogar noch weißer wirkten. Er lief hastig und bedeutete ihnen mit einem Fingerzeug zu schweigen.

„Wir befinden uns gerade in einer sehr kritischen Justierungsphase“, erklärte er flüsternd, als er endlich bei ihnen war. „Oxo kalibriert sämtliche Sensoren und Ortungssysteme. Aber wir sind vorsichtig optimistisch, das er wieder ganz der Alte wird.“

Das zu hören ging runter wie Öl. Am liebsten wäre Marcel zu ihm gerannt, doch er bremste sich. Das ernste Gesicht des Technikers stoppte ihn. War da vielleicht noch mehr?

„Wartet hier! Und verhaltet euch ruhig! Ich werde euch holen, wenn ich genaueres weiß“, damit drehte er sich um und strebte seinen piependen, summenden, pfeifenden Instrumenten entgegen. Die Kids konnten sich nicht erklären, für was die alles gut sein sollten. Es waren hunderte.

Die Minuten verstrichen. Die anderen Techniker wuselten wie die Ameisen herum, liefen hierhin und dorthin, stellten dort etwas ein, veränderten da etwas. Nur der eine Techniker näherte sich nicht. Er blickte einige Male zu ihnen rüber, doch er kam nicht näher. Und aus seinem Gesicht konnten sie nichts deuten. Ging es mit Oxo voran? Wurde es schlimmer? Wann ist er endlich wieder da? Wann ansprechbar? Oder verlieren sie ihn am Ende doch noch?

Oxo erweckte nicht den Anschein, als registriere er sein Umfeld. Seine Augen waren starr, sehr unwahrscheinlich, dass er überhaupt etwas sehen konnte. Bewegungslos stand er in seinem Alkoven, der Körper ganz steif, die Arme hingen zu Boden. Einmal hatte einer der Techniker seinen Arm gehoben; und Oxo ließ ihn so, minutenlang. Er veränderte dessen Position um keinen Millimeter.

Das wuseln der Techniker nahm zu. Sie liefen jetzt schneller und häufiger herum, oft genug bellten sie sich Kommandos entgegen, quer durch den ganzen Raum.

Der Techniker hatte sich seit einigen Minuten nicht mehr zu ihnen umgedreht. Dessen Stirn lag in tiefen Falten.

„Input beenden“, rief er einem der anderen Techniker entgegen. Prompt stürmte dieser an ein Pult und hämmerte mit flinken Fingern etwas ein. Um was es sich handelte, konnten sie nicht erkennen; sie sahen nur das rasche auf und ab der Finger. Dann ertönte ein Alarmsignal.

„Zurücktreten“, kommentierte der Techniker. Sofort wichen die, die Oxo am nächsten standen, eins, zwei Schritte zurück. Die Kids packten sich bei den Händen, hielten einander fest und beobachteten. Sie konnten nichts weiter tun als zu hoffen. Sämtliche Inputs waren abgeschlossen, der Energievorrat aufgefüllt, die Motorik funktioniert, die Signale von seinem Hauptrechner werden an den Bewegungsapparat übermittelt, aber ob es wirklich funktioniert wird sich erst zeigen, wenn er läuft. Wenn er das denn tut! Sein Rechner, seine Speichereinheit waren mit allen Funktionsweisen gefüttert, ob er sie beachtete zeigt sich, wenn er komplett hochgefahren ist. Wenn er denn komplett hochfährt! Und ob die bereits gespeicherten Ereignisse den Totalausfall seiner Systeme überstanden hatten, wird wohl am längsten eine Antwort schuldig bleiben.

„Aktivierung jetzt beendet“.

Der Alarm erstarb augenblicklich. Und Oxo trat aus seinem Alkoven.

Seine Augen blickten sich verwirrt um; sehr merkwürdig für einen Androiden. Aber er schien wirklich nicht zu wissen, wo er sich befand. Er fragte seine letzte Standorterinnerung ab und … und fand nichts. Nur Leere. Das verwirrte ihn nur noch mehr. Er hatte weder eine Ahnung, wie er hierherkam, noch wo dieses hier war. Auch dabei half ihm seine Speichereinheit nicht weiter. Dieser Raum, mit all seinen Apparaturen und Monitoren und Geräten war ihm völlig fremd. Diese vielen Techniker, in ihren weißen Laborkitteln, was trieben die? Endlich sah er die Kids. An die konnte er sich erinnern. Oh ja, an Nicole, Jenni, Robin, Mike und Marcel konnte er sich sehr wohl erinnern. Auch an die Vorfälle, die zu ihrem ersten Treffen geführt hatten. Der Absturz. Ihre Flucht durch die Höhle. Der Sprung in den Wasserfall, um endlich ihren Verfolgern zu entkommen. Der abstürzende Mond. Bis hin zu dem von Yxyndor künstlich geschaffenen Berg auf Urus 1 und dem Kampf mit ihm. Dann war da grelles Licht, wie die Explosion einer Sonne. Eine Überladung seiner Systeme, dann nichts mehr. Nur noch Schwärze.

Was war passiert?

Oxo fand ihre Blicke merkwürdig, befremdlich. Irgendwie auffordernd, gleichzeitig aber zurückhaltend, fast schon ängstlich. Was war denn nur passiert?

Als Marcel endlich auf ihn zulief, war es beinahe eine Erlösung für ihn.

„Hallo Oxo“, begann er ganz lapidar. „Wir haben uns Sorgen gemacht.“

Aber dann brach es aus ihm und nach wenigen Schritten war er durch den halben Raum und bei ihm. Seine Augen starrten direkt in seine. Dann ging er einen weiteren Schritt und umarmte ihn. Endlich stürmten auch die anderen durch den Raum. Zwei Sekunden später umringten sie ihn, bombardierten Oxo mit Fragen.

„Woran kannst du dich erinnern?“

„Was war das für eine Waffe?“

„Wie konntest du so ausgeknockt werden?“

„Wie konnte Yxyndor uns entkommen?“

„Wie geht’s dir?“

Und das war gleichzeitig auch die einzige Frage, die er halbwegs beantworten konnte. „Ich weiß es nicht. Und das ist sehr seltsam“, sagte er wahrheitsgemäß. Seine Augen suchten die Umgebung ab. Er wusste wirklich nicht, wo er hier ist. Oder wie er hierhergekommen ist.

Die ganzen Apparate verunsicherten ihn nur noch mehr.

Dann war es an ihm, Fragen zu stellen. Klar das er wissen wollte, was passiert war, wie sie hierhergekommen waren, wo dieses hier eigentlich ist und vor allem wie viel Zeit vergangen war, Schließlich fragte er sich das schon seit seiner Reaktivierung. Er staunte nicht schlecht, als Jenni ihm sagte, dass er insgesamt zehn Tage deaktiviert gewesen war. Sie erzählten ihm auch, dass sie die ganze Zeit nicht gewusst hatten, ob er jemals wieder funktionieren wird. Und sie erzählten ihm wie sie die Zeit verbracht hatten. Von der Begrüßungsfeier, den unkoordinierten Tagen danach, von Marcels Idee, sich mit ihren Maschinen zu befassen, bis zu dem Ausflug in die Wüste und schließlich dem erlösenden Anruf.

Oxo hörte schweigend zu. Er musste das ganze erst einmal sortieren.

Schließlich stellte Marcel die entscheidende Frage: „Wie geht es jetzt weiter?“

Jetzt verharrten selbst die Techniker in ihrer Bewegung und lauschten. Die Kids sahen Oxo erwartungsvoll an und er blickte scheinbar ins Leere. Er grübelte. Obwohl er solange inaktiv gewesen war, schien er jetzt wieder voll da zu sein.

Nach einer gefühlten Ewigkeit sagte er, „ich glaube, wir werden schon bald etwas von Yxyndor hören.“

Kapitel 3

Kapitel 3

Yxyndor war schwer gezeichnet. Mit diesem Ausgang hatte er nicht gerechnet. Noch immer war er enttäuscht, erbost und vor allem nervös. Die Kids hatten ihn übertölpelt, ihn eiskalt abserviert. Er hatte geglaubt, sie könnten ihm nichts anhaben. Nun, von dieser Vorstellung verabschiedete er sich soeben. Er wusste jetzt, dass sie ihm sehr wohl gefährlich werden konnten. Deswegen glaubte er aber noch lange nicht, sie wären die Auserwählten. Nein, da gehört schon mehr dazu. Mit den passenden Waffen konnte jeder gefährlich werden. Wenn er sie nur richtig einsetzte.

Schon seit Tagen war er in seinem Zweitversteck. Das andere war ja von den Kids überrannt und zerstört wurden. Es bot zwar längst nicht dieselben Möglichkeiten, war aber besser als nichts. Es musste genügen, bis er wieder zu Kräften gekommen war.

Und außerdem hatte er ja auch schon wieder einen Plan. Alles in allem sah es also gar nicht so schlecht aus. Die Barriere funktionierte noch immer; demnach war der Handel mit anderen Völkern und Planeten unterbunden, Yxus hatte immer noch mit den Folgen der Mondverschiebung zu kämpfen - so waren zahlreiche Küstenstädte weiterhin vom Wasser überspült, unzählige Beben ließen die Erde erzittern und Nahrung war noch immer nicht ausreichend vorhanden.

Begeistert klatschte er in die Hände. Es war also nicht alles schlecht.

Er beugte sich ein Stückchen auf seinem Thron nach vorn und starrte mit großen, neugierigen Augen seinen gegenüber an. Dieser zeigte Respekt, aber keine Angst, das imponierte ihm. Er hatte es viel zu oft mit denen zu tun, die sich bei seinem Anblick vor Angst fast in die Hosen machten. Die stotterten, sich verhaspelten und wie Blätter im Wind zitterten.

„Ich hoffe für dich“, begann Yxyndor, mit freundlicher, aber dringlicher Stimme, „das alles zu meiner Zufriedenheit erledigt wurde.“

„Das wurde es, mein Herr, das wurde es“, entgegnete der Gast. „Fortan werdet ihr immer genau im Bilde sein.“

„Ausgezeichnet. Du hast mir einen guten Dienst erwiesen. Ich werde das nicht vergessen. Jetzt kehre zurück! Sollte ich dich erneut brauchen, werde ich dich rufen.“

Damit drehte sich der andere um, eilte aus dem Raum, bestieg den parkenden Shuttle und kehrte in den Herrschaftspalast zurück. Niemand wird jemals erfahren, dass er weg gewesen war, auch nicht, wo er war. Tief in der Nacht hatte er den Palast verlassen und noch vor Tagesanbruch ist er wieder zurück.

Yxyndor sah ihm nach, wie sein Shuttle im dunklen Nachthimmel verschwand. Er lächelte.

Egal ob es sich bei den Kids um die Auserwählten handelte, oder auch nicht. Diesmal war er ihnen mehr als über. Diesmal hatten sie ihm nichts entgegen zu setzen. Das Glück, welches ihnen beim letzten Mal behilflich war, wird ihnen jetzt nichts mehr nützen. Ein weiteres Mal rieb er sich die Hände und sah dabei verträumt in den Himmel zu den Sternen hinauf.

Kapitel 4

Kapitel 4

Die letzten technischen Checks verliefen ohne Vorkommnisse. Oxos Systeme waren wieder vollständig hergestellt. Alles funktionierte so als hätte es den Crash nicht gegeben.

Jetzt ließen ihn die Kids gar nicht mehr allein. Selbst in der Nacht nicht. Sie schliefen in einem angrenzenden Raum, während Oxo wieder an Drähten und Kabeln hing, die seine ganzen zu verarbeitenden Informationen an einen externen Rechner übermittelten. So wurde überprüft, ob sein Informationsfluss den Standards entsprach, oder ob es an irgendeiner Schnittstelle zu Datenverlust kam.

Dann war auch das überstanden. Oxo funktionierte einwandfrei. Wäre er ein Lebewesen, wäre er kerngesund. So aber war er einsatzfähig. Nach Abschluss dieser Tests wurde er aus der Obhut der Techniker entlassen.

Kapitel 5

Kapitel 5

„Was liegt an?“, wollte Robin von Oxo wissen, als sie mit dem Shuttle soeben in einen Steilflug gegangen waren. Die Hauptstadt verschwand unter einer dicken Wolkendecke.

„Ich weiß nicht. Was denkt ihr?“

„Die Barriere …?“, kam es von Nicole, doch dann stockte sie, ohne länger darauf einzugehen.

„Was ist mit ihr?“, wollte Oxo wissen und blickte ihr auffordernd in die Augen.

„Sie muss weg! Die Barriere muss weg!“, antwortete Nicole nach einigen Sekunden.

„Und wie? Wir wissen ja noch nicht einmal wie sie aufgebaut ist?“

„Aber Oxo weiß es!“ Und dann verschränkte Nicole die Arme vor der Brust zusammen. Sie blickte auffordernd zu ihm rüber. Auch die anderen sahen eine Sekunde später zu ihm. In ihren Blicken stand dasselbe. Aber auch Neugier.

„Ich …“

Was sollte er darauf entgegnen? Schon vor Runden hatten sie versucht, die Barriere zu durchdringen, sie zu zerstören. Doch bisher waren sie immer gescheitert. Schiffe, die ihr zu nahekamen, wurden abgeschossen. Oder beim Versuch sie zu durchdringen vernichtet. Kurzfristig war es zwar auch schon gelungen sie zu durchdringen, aber der Riss, das Loch in der Barriere schloss sich schnell wieder. Sie war sich selbst reparierend konzipiert. Selbst wenn es ihnen gelingen sollte einen Durchgang zu schaffen, nur wenig später verschloss er sich wieder. Bestenfalls stand er einige Minuten offen. Das war aber keine Dauerlösung. Wenn sie jedoch gleichzeitig …?

Oxo zuckte wie vom Blitz getroffen zusammen. Gleichzeitig? Es musste gleichzeitig passieren. Bisher scheiterte es immer daran, dass sie sich auf einen kleinen Abschnitt konzentriert hatten. Was passierte wohl, wenn sie sich auf die gesamte Barriere einschossen? Zum selben Zeitpunkt?

„Vielleicht haben wir eine Chance. Möglicherweise.“

Hastig lief er an den Shuttlecomputer. Und ließ sich eine dreidimensionale Projektion aufzeigen. Nur Sekunden später erschien inmitten des Frachtraums ein Abbild Yxus, das wie von einem rot strahlenden Ball ummantelt ist. Die Ausmaße wirkten erschreckend. Yxus war total abgekapselt. Nur seine beiden Monde und Yxus selbst inmitten dieser Kugel. Der ganze Rest außerhalb.

„Was denkst du?“, fragte Nicole und ging einen Schritt auf ihn zu.

„Ihr habt mich da auf etwas gebracht. Allein haben wir keine Chance. Aber wenn es uns gelingt unsere Jäger zu aktivieren …“ Er hielt einen Moment inne. „Computer, zeige mir die Energiegeneratoren der Barriere auf! Deren Abstände zueinander und die relative Höhe über Yxus!“

Augenblicke später erschienen dutzende, ja hunderte blaue Punkte in der Projektion. Eine ganze Menge. Auf jeden Fall zu viele für sie sechs! Jetzt zeigte sich auch, dass sie in einem perfekten Kreis von sechshundert Millionen Kilometern Abstand zu Yxus standen. Freilich wusste das Oxo schon, aber er hatte es bildhaft vor Augen haben wollen. Er trat einen Schritt darauf zu, studierte das Bild eingehend. Nickte oder schüttelte abwechselnd den Kopf und war dabei ganz in Gedanken. Die Kids ließen ihn gewähren, sahen ihm aufmerksam dabei zu.

„Computer, mit wie vielen dieser Energiegeneratoren haben wir es genau zu tun?“

„Achtzigtausendneunhundertsiebenundvierzig.“

„Was?“

„Wie viele?“

„Das ist doch wohl ein Scherz, oder?“

„Nein, ganz und gar nicht“, bemerkte Oxo mit ruhiger Stimme, sein Blick visierte die Projektion der Barriere an. „Das könnte wirklich klappen.“

„Wie denn? Wie sollen wir das anstellen? Fast neunzigtausend dieser Generatoren? Und wir sind nur sechs?“

„Oh, das spielt keine Rolle.“ Endlich drehte er sich zu ihnen um, doch sein Blick schien immer noch abwesend zu sein. „Warum ist mir das nicht früher eingefallen?“, sagte er mehr zu sich selbst als zu den anderen. Dann begann er mit ausladenden Schritten durch den Frachtraum zu laufen. Sein nachdenklicher Blick sauste an ihnen vorbei, registrierte sie aber nicht, keinen von ihnen. Fast wie weggetreten. Und er murmelte immer wieder diesen Satz. „Warum ist mir das denn nicht früher eingefallen?“

Die Kids beobachteten ihn, sagten aber kein Wort.

Oxo lief immer schneller, machte nach ein paar Dutzend Schritten an der Wand kehrt und lief denselben Weg bis zur nächsten Wand zurück. Zigmal wiederholte er das, bis Robin einschritt, sich vor ihm hinstellte und fragte, was ihm nicht schon früher eingefallen war.

Verwirrt sah Oxo ihn an. Robin hatte seine Arme auf seine Schultern gelegt, sein Gesicht war direkt vor seinem. Fast wie in einem Schwitzkasten.

„Die hohe Anzahl der Generatoren ist irrelevant. Selbst wenn es eine Million wären. Es spielt keine Rolle.“

„Warum?“ fragte Robin, sein Blick wurde noch bohrender.

Die anderen vier traten neben die beiden und sahen Oxo an, der so aufgeregt wie ein kleines Kind war. Dessen Blick raste von einem zum nächsten.

„Wir müssen in ihr internes Kommunikationssystem eindringen!“

Die Kids sahen ihn weiter eindringlich an, warteten ab, ob da noch etwas mehr kam. Denn das war bisher nicht die Offenbarung, die sie erwartet hatten.

„Die Generatoren kommunizieren untereinander“, begann er, als er ihre Blicke richtig deutete. „Vielfach verschlüsselt zwar. Doch auf jeden Fall vorhanden.“

„Auf jeden Fall?“

„Ich vermute es.“ Oxo machte sofort weiter, noch bevor einer nachhaken konnte. „Dass sie das tun steht außer Frage. Das zeigt schon der Umstand, dass sie sofort eigenständige Maßnahmen einleiten, wenn einer von ihnen ausfällt. Und was sagt uns das? Wenn es gelingt uns in ihr System zu hacken, können wir einen beliebigen Befehl einschleusen.“

„Aha“, entgegnete Marcel. „Schön und gut, aber wenn das so einfach ist, warum seid ihr dann nicht schon früher darauf gekommen? Die Barriere hätte längst vernichtet sein können, gleich nachdem Yxyndor sie errichtet hatte, hättet ihr sie vernichten können. Warum geschah das nicht?“

„Ich … ich weiß es nicht“, stotterte Oxo und das entsprach absolut der Wahrheit. Er hatte keine Erklärung dafür. Ihre Wissenschaftler zerbrachen sich die Köpfe darüber, und dabei schien es so einfach zu sein. Warum ist er nicht schon viel früher darauf gekommen?

„So einfach ist es dann aber doch nicht. Wir müssen die genaue Frequenz finden, dann unseren Befehl einspeisen. Und …“

„Und wir müssen auf einen dieser Generatoren gelangen, nicht wahr?“

„Richtig. Aber genau das ist uns bisher noch nicht gelungen.“

Dann herrschte einige Sekunden Ruhe. Die Kids starrten Oxo an und dieser starrte ebenso unschlüssig zurück. Was jetzt folgte, wollte er lieber für sich behalten, doch die Kids mussten natürlich alles erfahren.

„Wir versuchten es mit kleinen, wendigen Jägern und mit unseren riesigen Kreuzern. Aber auf einen der Generatoren schafften wir es niemals. Es ist schon schwer genug die Barriere zu durchstoßen.“

„Das sind ja rosige Aussichten“, bemerkte Mike, sein Blick wirkte zweifelnd, als er fortfuhr. „Wie kommst du darauf, dass es diesmal gelingt?“

„Nun, ihr habt bewiesen, ihr seid die Auserwählten. Es klappt mit eurer Hilfe, daran glaube ich ganz fest.“ Oxo ignorierte ihre zweifelnden Blicke. „Jenni und Nicole haben bewiesen was sie für hervorragende Pilotinnen sind. Auf ihre Fähigkeiten wird es ankommen.“

„Ich wiederhole meine Frage noch einmal! Wie kommst du darauf, dass es diesmal klappt? Und komm mir bitte nicht damit, wir sind die Auserwählten! Etwas Handfesteres darf es schon sein.“

„Na schön. Als wir auf dem Weg zur Erde waren, flogen wir mit der Yvixi durch die Barriere. Sie war ein spezielles Schiff. Sie sammelte Daten der Barriere, während sie sie durchbrach. Es war das modernste, das wir hatten. Wir konnten sogar einen Virus platzieren.“

„Einen Virus?“, fragte Marcel.

„Wozu braucht ihr uns dann noch?“, wollte Nicole wissen.

„Der Virus ist im Moment noch inaktiv. Er ist in das System eingespeist, aber noch nicht aktiv. Er ist auch getarnt, sonst hätten wir ihn niemals dorthin bringen können.“

„Wie das?“, unterbrach ihn Marcel, der von alldem Feuer und Flamme war. Wissenschaft war von jeher sein Ding; hier war er gerade richtig mitgerissen.

„Das Sicherheitssystem der Generatoren ist derart hoch entwickelt. Yxyndor hat damals wirklich ganze Arbeit geleistet. Als er beauftragt wurde …“

„Moment“, unterbrach ihn Marcel ein zweites Mal. Er ging einen Schritt auf Oxo zu. Hatte er sich verhört? Was hatte Oxo da eben gesagt?

„Na schön“, seufzte Oxo, und ließ die Arme in einer ach zu menschlichen Geste zu Boden sinken. „Vor vielen Runden, noch vor der Zerrüttung mit Yxyndor, konstruierte er die Barriere als eine Art Schutz für Yxus. Nicht alle Rassen meinen es gut mit uns“, gab Oxo fast kleinlaut von sich. „Hin und wieder kam es zu Komplikationen. Und da fertigte Yxyndor die Barriere an. Sie war anfänglich so konstruiert das sie nur bei einer möglichen Gefahr, also einem direkten Angriff hochfuhr. Geschah das nicht, war sie inaktiv. Dann schwebten die Generatoren auf ihren Bahnen, umkreisten Yxus und waren inaktiv. Im Falle einer Gefahr musste nur der Befehl eingegeben werden und binnen weniger Augenblicke hatte die Barriere ihren undurchdringlichen Gürtel errichtet.“ Diese Tatsache zu offenbaren hatte ihm einige Kraft gekostet. Schließlich hatten sie ihrem eigenen Feind, Yxus größter Bedrohung einen derartigen Trumpf in die Hände gegeben …

„Wie sollte der Befehl eingegeben werden? Und an welcher Stelle?“

„Der Plan war gewesen, dass es nur einen Code gibt, der sich immer in den Händen des jeweiligen Herrschers befindet. Natürlich war auch der nicht allein befähigt, die Barriere zu aktivieren. In einer Krisensitzung, an der alle anderen Ratsmitglieder teilnehmen, wurde deren Einsatz beschlossen.“

„Aber etwas ist schiefgegangen, nicht wahr?“, warf Marcel ein. Er ahnte bereits, wohin das lief.

Oxo schluckte. „Ja, so könnte man es nennen. Es kam zur Verwerfung mit Yxyndor. Für seine Arbeit an der Barriere bekam er einen Ratssitz zugesprochen, der ihm aber nicht genügte. Er wollte der nächste Herrscher Yxus werden. Das konnten wir aber nicht zulassen.“

„Doch auch das war noch nicht alles, oder?“

„Nein, war es nicht. Yxyndor hatte sich ein Hintertürchen offengelassen. Nachdem wir ihm diese Bitte abschlagen mussten, zeigte er sein wahres, herrschsüchtiges, gefährliches Gesicht. Er hatte einen weiteren Code hinterlegt. Und mit diesem nahm er uns die Macht über die Barriere. Er riss die Gewalt über sie an sich, setzte sie fortan gegen uns ein. Was uns eigentlich schützen sollte, wurde eine Gefahr für uns.“

Dann schwieg Oxo. Und dieses Schweigen sagte viel mehr aus als es auch nur ein weiteres Wort von ihm gekonnt hätte.

Auch die Kids schwiegen. Dafür sprachen ihre Blicke eine deutliche Sprache. In ihren Augen stand Unglaube. Es war unbegreiflich was sie da eben erfuhren. Das mussten sie erst einmal verdauen.

Endlich beendete Marcel das Schweigen.

„Okay, okay, vergessen wir wie die Barriere entstanden ist. Letztlich zählt ja nur das sie Yxus sterben lässt.“ Er sah seine Freunde der Reihe nach an. Über Nicole zu Jenni, von Mike zu Robin wanderte sein Blick. Oxo ließ er außen vor. „Jetzt müssen wir sie zerstören. Nur darauf kommt es noch an.“ Und dann blickte er endlich auch Oxo an.

„Okay“, fuhr er fort. „Zurück zu unserem Problem. Dieser Virus ist also im Moment noch inaktiv. Und wie bekommen wir ihn aktiv? Was müssen wir tun, damit er die Barriere kollabieren lässt?“

Die nächsten Minuten gehörten Oxo. Er redete allein, die Kids hingen ihm an den Lippen und lauschten seinem Plan. Er beschönigte oder verheimlichte nichts. Er zeigte ihnen auf, welche Versuche bisher fehlgeschlagen waren und was sie gekostet hatten. Seine Stimme war ruhig und selbstbewusst. Und er erklärte jedem von ihnen, was er zu tun hatte.

Kapitel 6

Kapitel 6

Der Jäger raste auf einen der vielen tausend Generatoren zu. Oxo meinte, es wäre egal auf welchen sie ihren Angriff lenkten. Hatten sie erst einmal Zugang, war einer so gut wie der andere.

Nur brauchten sie ihn erst.

Nicole saß im Cockpit, beobachtete die Anzeigen und atmete kaum. Vor Aufregung war ihr ganz schlecht. Dieses Cockpit und das Fluggerät, mit dem sie in den letzten Tagen so viel geübt hatte, dass ihr immer vertrauter erschien, wirkte beängstigend. Das Cockpit war viel zu eng, der Jäger viel zu unsicher. Er kam ihr auch nicht mehr behände und flott vor, sondern plump und träge. Wie sollte sie auch nur einen Augenblick gegen das Verteidigungssystem des Generators bestehen?

Doch sie behielt ihren Kurs bei und flog.

Noch konnte sie kehrtmachen, noch war sie nicht in seiner Sensorenreichweite, noch hatte er sie nicht als potenzielles Ziel ausgemacht. In wenigen Sekunden schon wird das anders sein.

Nicole nahm einen tiefen Atemzug. Die Luft wirkte trocken, verbraucht, ohne Sauerstoff. Sie glaubte durch Staubflusen zu atmen. Heftige Kopfschmerzen breiteten sich aus, das Herz schlug ihr bis zum Hals hinauf.

Ein weiteres Mal korrigierte sie ihre Flugbahn, auf die von Oxo berechneten Parameter. Sie flog keinen direkten Kurs, sondern steuerte den Jäger in eine Flugroute, die immer haarscharf an ihrem Ziel vorbeiführte. Aber auch diesen Kurs musste sie nach wenigen Augenblicken ändern. So einfach ließ sich das Verteidigungssystem nun auch wieder nicht überlisten …

Eben streifte ihr Blick den Entfernungsmesser. Noch mehr als dreihundert Millionen Kilometer lagen zwischen ihnen, als plötzlich der Ortungsalarm losging. Sie wusste, was das hieß. Der Generator hatte sie soeben als Ziel identifiziert, jetzt peilte er sie an. Der nächst logische Schritt war das abschießen der Laser.

Verdammt, schoss es ihr durch den Kopf, ich bin entdeckt. Nach nicht einmal die Hälfte der Strecke.

Sie flog eine lange Rechtskurve. In der Hoffnung, ihr Kurswechsel veranlasste den Generator, seine Verteidigungsmaßnahmen abzustellen. Der weiterhin laut dröhnende Alarm zeigte ihr, dass es nicht so war. Nicole neigte die Nase ihres Jägers nach vorn und beschleunigte. Aber auch das half nichts. Der Alarm gellte schrill in ihren Ohren.

Reflexartig riss sie das Steuer nach links; in den Cockpitfenstern kippten die Sterne von links nach rechts. Als ganz kleinen winzigen Punkt meinte sie den Generator im schwarzen All zu erkennen. Irgendwo hinter ihr befand sich Yxus. Er war ungefähr so weit entfernt, wie der Generator vor ihr lag. Aber momentan schien er noch sehr viel weiter weg zu sein. Er machte ihr gewaltig Feuer unter dem Hintern, und sie hatte erst die Hälfte der Strecke hinter sich. Sie musste immer noch knappe dreihundert Millionen Kilometer absolvieren. Und auch dann war sie nur unmittelbar in seiner Nähe. Zutritt hatte sie da noch keinen erlangt.

Dass das alles nicht allzu rosig wirkte, war ihr selbst klar.

Sofort schwenkte sie wieder nach rechts, in die Anfangsausrichtung. Sämtliche Sterne, die eben erst nach rechts gekippt waren, schwappten wie die Flüssigkeit in einem Eimer Wasser wieder zurück. Der pfeifende Alarm verkündete unaufhörlich, dass sie weiterhin ins Visier genommen war. Es gelang ihr einfach nicht die Sensoren des Generators auf etwas Anderes anzusetzen. Wie eine Moräne hatten sich diese in ihr Ziel festgebissen.

Geschwindigkeit?

Vielleicht mit etwas mehr Geschwindigkeit?

Sie ließ ihren Jäger schneller werden, hatte nach wenigen Augenblicken das Tempo fast verdoppelt, doch der verdammte Alarm wollte nicht nachlassen. Er setzte sogar noch einen drauf. Er beschränkte sich nicht mehr länger nur darauf, sie mit diesem schrillen pfeifen zu nerven, nein, der Shuttlecomputer drückte das jetzt auch noch verbal aus. „Beschuss steht unmittelbar bevor!“

Großartig, dachte Nicole, genau das hat mir noch gefehlt. Der Schweiß floss in Strömen. Im Cockpit musste es wärmer geworden sein, sie schwitzte wie im Hochsommer. Ihr Fluganzug klebte ihr auf der Haut. Doch es war nicht wärmer geworden. Sie war einfach nur aufgeregt und hatte Angst.

„Beschuss steht unmittelbar bevor!“

„Ja, Mann, weiß ich doch.

Nicole starrte aus dem Fenster, auf den Punkt, von dem sie annahm, es handele sich um den Generator. Noch so weit entfernt. Die letzte Beschleunigung hatte ihn näher gerückt, aber immer noch war er so weit weg. Verdammt, das wird nichts …

„Beschuss erfolgt!“

Dann explodierte ihr Jäger in einem Feuerball.

Kapitel 7

Kapitel 7

Die Simulation war beendet. Nicole saß in ihrem klammen Fluganzug im Simulator und war völlig außer Atem. Ihr Rücken war so krumm wie der Buckel einer Katze. Der Blick leer. Aber das Gesicht sprach Bände. Sie war enttäuscht, weniger, weil sie diesen verdammten Generator diesmal nicht erreicht hatte, sondern vielmehr, weil sie schon wieder versagt hatte. Wie oft nun schon? Sie hatte nicht mitgezählt. Es war auch so frustrierend genug. Dutzende Male versuchte sie es schon, immer wurde sie abgeschossen.

Wütend schlug sie sich auf die Schenkel, dass es trotz des Stoffes laut klatschte und ihr sogar die Haut etwas schmerzte. Verdammt, warum kam sie nicht durch? Sie war auf sich selbst wütend, nur auf sich selbst, auf niemanden sonst. Sie war überzeugt gewesen es zu schaffen. „Es ist doch nur eine Simulation“, hatte sie noch vor dem ersten Versuch getönt. Ganz selbstbewusst, fast schon verächtlich war sie in das Cockpit geklettert. Und nun saß sie hier drinnen, war total niedergeschlagen und enttäuscht.

Dieser verdammte Generator …

„Bist du okay“, wollte eben Marcel über die Comm wissen. Seine Stimme riss sie wieder in die Gegenwart zurück.

„Geht so“, gab sie kleinlaut zu. Was wirklich schmerzte war der verletzte Stolz, ansonsten ging es ihr gut.

In den Cockpitscheiben war die Schwärze des Alls verschwunden, jetzt leuchteten hunderte Lampen und grelle Strahler ins Cockpit. Sie musste blinzeln, die Helligkeit tat in den Augen weh.

„Ich komme jetzt raus“, sagte sie mehr zu sich selbst. Und als sie aufstand, fuhren die Simulatorsysteme selbstständig herunter.

„Na, das war ja nicht so toll.“

„Klappe!“

„Mach dir nichts draus!“

„Klappe!“

„Das nächste Mal wird es besser.“

„Ich sagte, Klappe halten!“

Das nächste Mal? So ein Blödsinn. Dutzende Male hatte sie es versucht, jedes Mal gescheitert. Warum sollte es beim nächsten Mal anders sein? Sie mussten sich der Tatsache stellen; so kommen sie niemals an einen der Generatoren heran. Schon gar nicht hinein.

Nicole lief mit schlaksigen Schritten auf Oxo zu, der immer noch genau dasaß, wo er auch schon gesessen hatte, als sie vor Stunden mit der Simulation begannen. Selbst die Körperhaltung war noch dieselbe. Leicht vornübergebeugt, den Blick auf die Monitore vor sich.

Endlich drehte er sich zu ihr um. Seine Augen strahlten sie an. Er lächelte, als hätte es die letzten Stunden nicht gegeben. „Hallo Nicole“, sagte er mit fröhlicher Stimme.

Und Nicole bremste ihren Schritt. Warum lächelte er so? Dafür gab es keinen Grund. Sie hatte versagt, sogar mehr als einmal. Sie starrte ihn erwartungsvoll an und setzte jetzt nur noch langsam einen Fuß vor den anderen. Dann stand er auf, stürmte ihr regelrecht entgegen, wie ein Verliebter seiner Angebeteten. Erst direkt vor ihr bremste er und kam schließlich zum stehen.

„Ich habe versagt“, begann sie mit weinerlicher Stimme. „Bist du sehr enttäuscht?“

„Nein, keineswegs“, und seine Augen strahlten sie weiterhin so enthusiastisch an. „Du hast auch nicht versagt.“

„Aber ich …“

„Kein aber, Nicole. Es war ein Testlauf. Wir haben viele Versuche gemacht. Weißt du, die Simulation war jedes Mal ein wenig anders justiert. Eine Veränderung hier, eine Veränderung da. So konnten wir Informationen sammeln. Wir haben unser gesamtes Wissen über die Generatoren in jede Simulation gelegt. Eigentlich müsste ich mich bei dir entschuldigen. Du warst unser Versuchskaninchen.“

Nicole starrte ihn nur an, sagte aber nichts. Das verlief gar nicht so wie sie es erwartet hatte.

„Dank dir wissen wir jetzt viel mehr als vorher.“

„Ja? Was wissen wir denn?“, fragte sie trotzig. Sie konnte sich beim besten Willen nicht vorstellen, dass er es ernst meinte. Sie glaubte, er wolle sie auf den Arm nehmen.

„Wir wissen jetzt, wie wir auf gar keinen Fall hineinkommen. Aber wir wissen auch, welche Möglichkeiten eine weitere Betrachtung verdienen. Du hast so viel getan, sodass wir jetzt eine ganze Reihe an Vorgehen abhaken können, andere sind dagegen sehr viel interessanter geworden.“

„Aha“, war ihre knappe Antwort. Mehr brachte sie nicht raus.

Oxo schien es tatsächlich so zu meinen wie er es sagte. Er stand vor ihr, sah ihr direkt in die Augen, zwinkerte ihr sogar aufmunternd zu. Ein schwaches Lächeln kam ihr dabei über die Lippen.

„Und du bist mir echt nicht böse?“

„Wo denkst du hin? Ich bin dir dankbar.“

Dankbar?

Allmählich besserte sich ihre Stimmung. Sie hatte also nicht versagt. Erst jetzt, da ihr das bewusst wurde, merkte sie, wie ihr das gefuchst hatte. Auch ihr Selbstvertrauen kehrte zurück.

„Und wie geht es jetzt weiter?“, wollte Marcel wissen, der eben an die beiden herangetreten war. Die drei anderen schlossen jetzt auch zu Nicole und Oxo auf. Oxo drehte seinen Kopf unnatürlich weit nach rechts, denn aus dieser Richtung kamen die restlichen drei. Ihm machte dass nichts aus, einem Menschen oder einem Yxianer wäre es dabei aber schlecht ergangen.

„Nun werden wir die Versuche auswerten. Wir speisen sämtliche gesammelten Daten in unseren Rechner und gucken mal ob er uns nicht eine viel versprechende Taktik vorschlägt.“

Jetzt schwiegen alle. Sie starrten Oxo an, warteten, ob da noch etwas kommt. Um sie herum summten leise die Monitore, Instrumente klickten schwach. Kühle Luft wehte von den Deckenbelüftungen herunter. Sie bereitete ihnen eine Gänsehaut, aber machte sie dank der frischen Luft munter.

„Wie lange wird das dauern?“, unterbrach Jenni endlich das Schweigen.

„Nicht sehr lange. Vielleicht wissen wir morgen schon mehr.“

Oxo trug noch immer dieses grinsen im Gesicht. Seine Augen strahlten wie zwei Lampen. Konnten Androiden so etwas wie Spaß empfinden? Falls ja, dann hatte er jetzt welchen.

„Wie geht es dann weiter?“

„Das entscheidet sich, wenn es soweit ist. Momentan können wir nur abwarten!“

Kapitel 8

Kapitel 8

Schon früh am Morgen kehrten die Kids in die Steuereinheit zurück. Sie hatten nicht gut geschlafen und waren schon beizeiten wach. Ihre Gesichter wirkten zerknittert und verschlafen. Oxo nicht, er sah noch genauso aus wie sie ihn am Abend zuvor verlassen hatten. Er hatte die ganze Nacht am Rechner gesessen, Zahlen ausgewertet, Informationen eingegeben, Daten verändert. Er war immer noch bei den Simulationsauswertungen, als sie mit müden Gesichtern hinter ihm traten und über seine Schultern auf den Bildschirm starrten. Außer ewig lang erscheinenden Zahlenreihen und Messungen konnten sie nichts erkennen. Aber für Oxo schien es enorm aufschlussreich zu sein. Er war völlig hin und weg, hatte bei ihrer Ankunft nur kurz aufgesehen, dann aber seinen Blick wieder auf die Datenmengen geworfen.

„Das ist sehr interessant, ja wirklich. Aus der Vielzahl an Daten erkennen wir, dass ein Direktflug von Yxus zu einem Generator völlig ausgeschlossen ist. Wir wären vernichtet, noch bevor wir nah genug dran sind. Vom betreten ganz zu schweigen. Nein, ein Direktflug fällt völlig aus.“ Dann verstummte er für einige Sekunden, wobei er unentwegt auf die Datenmengen starrte, die in einer unglaublichen Geschwindigkeit über den Bildschirm rasten.

„Aber es gibt eine Möglichkeit …“

Die Kids starrten ihn erwartungsvoll an, allen voran Nicole. Doch Oxo war erneut in Schweigen verfallen. Diesmal hielt es sogar noch länger vor. Er starrte auch wieder nur die Monitore an.

„Und die wäre“, wollte Nicole ungeduldig wissen, nachdem sie fast eine Minute gewartet hatte.

„Wir nutzen den Hyperraum“, sagte er endlich, ohne aufzusehen.

Den Hyperraum? Marcel zog hörbar Luft ein. Die Blicke der anderen waren sofort auf ihn gerichtet.

„Den Hyperraum“, wiederholte Marcel flüsternd.

„Was ist damit?“

„Den Hyperraum nutzt man theoretisch um gigantische Entfernungen in einer gigantischen Geschwindigkeit zurückzulegen. Auf der Erde haben wir keine Ahnung davon.“

„Aber auf Yxus sind wir weiter“, fuhr Oxo an seiner Stelle fort. Marcel dankte ihm mit einem flüchtigen Blick. „Wir experimentieren seit vielen Runden damit, allerdings aus ganz anderen Beweggründen. Wir benötigen es nämlich nicht für die Überwindung riesiger Distanzen. Wir ihr wisst erreichen unsere Raumschiffe mehr als nur Lichtgeschwindigkeit. Sie fliegen mit Hyperlicht. Das ist das Tausendfache der normalen Lichtgeschwindigkeit. Wir forschen am Hyperraum aus ganz anderen Interessen. Wir benötigen ihn für relativ kurze Distanzen.“

„Moment bitte. Das verstehe ich nicht“, warf Robin ein. „Wenn ihr doch bereits eine effiziente Möglichkeit für große Distanzen habt, warum braucht ihr dann etwas für kurze Strecken?“

„Weil das völlig verschiedene Dinge sind. Wenn wir mit Hyperlicht fliegen, brauchen wir eine gewisse Anlaufzeit um überhaupt auf diese Geschwindigkeit zu kommen. Erinnert euch, als wir euch zu uns holten! Es dauerte sehr lange bis wir dieses Tempo erreichten. Ebenso verhält es sich, wenn der Bremsvorgang eingeleitet wird. Schon Stunden vorher beginnen wir damit. Manchmal sogar schon Tage vorher, wenn wir besonders schnell und lange im Hyperlicht waren.

Aber genau das ist bei kurzen Etappen das Problem. Da nützt uns die Hyperlichtgeschwindigkeit gar nichts. Da brauchen wir etwas völlig anderes. Und das ist der Flug durch den Hyperraum. Jedoch ist unsere Forschung auf diesem Gebiet noch nicht so weit wie beispielsweise die auf dem Hyperlichtreisen. Die genauen Berechnungen bereiten uns Schwierigkeiten. Vielmehr ist die korrekte Navigation unser Sorgenkind. Wir müssten einen Hyperraumflug auf eine Entfernung von vergleichsweise wenigen Kilometern programmieren. Der kleinste Fehler käme einer Katastrophe gleich. Wir verlassen den Hyperraum und materialisieren uns inmitten eines Planeten oder einer Sonne, oder wo auch immer. Alles kann passieren.“

„Durch diesen Hyperraum wollen wir zu einem dieser Generatoren fliegen, habe ich das richtig verstanden“, Marcels Stimme schwankte.

„Ja, es scheint mir die einzige Möglichkeit zu sein.“

„Welche einzige Möglichkeit? Etwa uns umzubringen?“ Jenni schlug die Hände über den Kopf zusammen. Sie wollte das nicht sagen, aber ihre Zunge war schneller gewesen.

Oxo starrte sie mit großen Augen an. Sein Blick war fassungslos. „Nein, nein, wir wollen euch nicht umbringen.“ Mit Ironie schien er nicht recht klar zu kommen. „Wir müssen natürlich ganz genaue Berechnungen anstellen. Anschließend die Ergebnisse hunderte Male überprüfen. Und erst dann werdet ihr den Hypersprung wagen.“

Diesmal sagte sie nichts. Stattdessen war es an ihr mit großen erschrockenen Augen aus der Wäsche zu gucken. Gegen einen Gegner zu kämpfen, war das eine. Aber als Versuchskaninchen zu dienen und sich dabei auf andere zu verlassen, etwas völlig anderes. Sie wusste nicht, ob sie das konnte. Auch die anderen dachten so. Ihre Leben in die Hände Fremder zu legen, war eine ganz andere Kiste als Yxyndor mutig entgegen zu treten.

Die Belüftung summte leise vor sich hin und blies kühle Luft in ihre erhitzten Gesichter. In den großen Schweißperlen spiegelten sich die Beleuchtung und die vielen Dutzenden Monitore.

Die Kids schwiegen, wagten nicht laut zu atmen und starrten weiterhin zu Oxo.

Toll, dachten sie, wir haben also die Möglichkeit entweder auf dem Weg zu einem der Generatoren abgeschossen zu werden, oder während des Austritts aus dem Hyperraum uns in einer Sonne zu materialisieren. Oder auf hundert anderen Wegen zu sterben.

Oxo bemerkte davon nichts. Er hatte ihnen den Rücken zugedreht, steuerte zielstrebig der Schleuse entgegen, war schon fast aus der Simulationszentrale heraus, als er sich doch noch einmal umdrehte. Erst da registrierte er, dass sie ihm nicht folgten. Ihm nur sprachlos hinterher sahen.

Er drehte sich um, kam ihnen wieder ein Stück entgegen. Aber sie blieben wo sie waren.

„Was ist mit euch? Stimmt etwas nicht?“

Allerlei Sachen gingen ihnen durch den Kopf. Darüber sprechen konnten sie aber nicht. Jeder jagte für sich seinen eigenen Gedanken nach. Allen voran beschäftigte sie die Frage, warum Oxo sie so hetzte. Es bestand doch keine akute Gefahr, oder? Beim letzten Mal drohte der Mond auf Yxus zu stürzen. Das war diesmal nicht der Fall. Seit dem Gefecht in Yxyndors Bergfestung hatten sie nichts mehr von ihm gehört. Warum also hetzte er sie so?

„Eigentlich wollen wir das auch von dir wissen!“, beendete Marcel endlich das Schweigen.

„Wie?“ Oxo verstand nicht.

„Was ist mit dir los?“, fragte Nicole und trat auf ihn zu. Abrupt blieb er stehen.

„Ja, was ist mit dir? Du jagst uns hierhin, dahin, dorthin. Und gibst uns nicht einmal die leiseste Erklärung. Warum? Was soll das?“

„Ich …“

„Wir folgen dir überall hin. Du bist unser Freund, unser Vertrauter. Aber du musst uns auch vertrauen und uns sagen was du machen willst!“

Er starrte ihnen entgegen. Diesmal war es an ihm still zu stehen, die anderen auf sich zukommen zu lassen. Zwei Sekunden dauerte es, dann waren sie bei ihm. Jetzt nahmen sie ihn in ihre Mitte.

„Du glaubst, wir sind die Auserwählten …“

„Davon bin ich überzeugt“, fiel er Mike ins Wort.

„… dann behandele uns auch so! Sag uns, was dir durch den Kopf geht! Sag, was du planst! Dann werden wir dir auch helfen.“

„Dann werden wir Yxus helfen“, schlossen Nicole und Jenni an.

Endlich erkannte Oxo was sie wollten. Sie wollten nicht im dunklen tappen. Er hatte sie von der Erde geholt. Ganz Yxus setzte seine Hoffnung in diese fünf Kids. Darum wollten sie wissen, was er plante, was er als nächstes machen wollte.

„Sorry“, kam es da von ihm, „mein Gefühlschip ist wohl noch nicht auf hundert Prozent, was?“

„Schwamm drüber. Nun sag uns was Sache ist!“

„Wir gehen ins Raumfahrtzentrum und stellen weitere Berechnungen an.“

Kapitel 9

Kapitel 9

Was die Komplexität dieser Aufgabe angeht hatte Oxo wahrlich nicht gelogen. Schon seit Tagen waren sie hier, warteten in dieser Zeit geduldig bis Oxo seine Berechnungen fertig hatte, spielten sie anschließend in den Hyperflugsimulator ein und mussten dann dabei zusehen wie der Jäger crashte. Ein ums andere Mal.

Die Laune sank allmählich in den Keller. Bei allen. Selbst die Techniker stellten trübsinnige Gesichter zur Schau. Anfangs waren sie noch hellauf begeistert. Die Aussicht mit den Auserwählten zusammen zu arbeiten, ließ sie zuversichtlich und optimistisch ans Werk gehen. Aber mit den Tagen wurde es weniger, seit heute stand es ihnen überdeutlich in den Blicken. Sie hatten die Hoffnung aufgegeben. Die Barriere war einfach nicht klein zu kriegen.

Eben sauste einer vorbei. Er rannte so schnell, dass sein Kittel hinter seinem Rücken wie eine Fahne im Wind wehte. Sein Kopf war hochrot und seine Augen den Tränen nahe.

Oh nein, sie zweifelten nicht an den Auserwählten, von denen waren sie überzeugt. Sie glaubten, wenn sie scheiterten, musste es an ihnen liegen, nur an ihnen. Die Auserwählten tragen keine Schuld. Das waren ausnahmslos sie selbst.

Nicole und Jenni sahen ihm nach, wie er eben aus einer Schleuse trat, scharf nach rechts schwenkte und aus ihrem Sichtfeld verschwand.

„Was sollen wir machen?“, fragte Jenni aufs Geratewohl. Niemand antwortete ihr. Nicht einmal Oxo, der zum gefühlt tausendsten Male Zahlen in den Rechner hämmerte.

Ihr Blick verharrte noch einige Momente auf der Schleuse, erst dann wendete sie ihn ab und sah wieder zu Oxo runter.

Er saß immer noch an der Computerkonsole; seit Tagen schon, starrte den Zahlenreihen nach, die er eigenhändig eingegeben hatte, hoffte darauf, dass die Berechnungen erfolgsversprechender waren als die letzten, die Kids eine Chance hätten, während diese ihn wie Geier das Aas umkreisten und abwarteten.

„Wir können nichts machen“, sagte Marcel nach einer gefühlten Ewigkeit. „Uns sind die Hände gebunden. Wir müssen noch warten!“

„Worauf denn“, bellte Mike los. Ihn machte diese Situation am meisten zu schaffen. „Das Oxo durch Zufall einen Weg findet? Da können wir warten bis zum Sankt Nimmerleinstag.“

„Mike hat recht. Wir vertrödeln hier nur Zeit. So kriegen wir die Barriere nicht klein. Es muss einen anderen Weg geben.“

„Nein, Robin“, sagte Nicole mit ernstem Blick, „den gibt es nicht. Ihr habt gesehen, wie oft ich scheiterte. Es muss dieser Weg sein! Anders kommen wir nicht ran.“

„Wir kommen hier aber auch nicht weiter“, Robins Stimme war ungeduldig. Er verschränkte die Arme vor der Brust, den Blick finster vor sich ins Nichts gerichtet.

„Und ein Schuss ins Blaue ist unser Todesurteil“, entgegnete Nicole mit fester Stimme.

Darauf konnte Robin nichts entgegen. Sein Blick sank zu Boden, die Schultern hingen durch. Sie hatte ja recht, aber Geduld war nun mal nicht seine Stärke

„Das ist es“, brüllte auf einmal Oxo unvermittelt los. Er sprang von seinem Hocker hoch, auf dem er die letzten Tage gesessen hatte, selbst mitten in der Nacht, wenn die Kids und die anderen Techniker schliefen, saß er da. Bis eben. Jetzt stand er kerzengerade da und wiederholte noch einmal, „das ist es.“ Das hätte es nicht gebraucht. Jeder im Raum war sofort hellhörig, angefangene Arbeiten wurden unterbrochen, jeder näherte sich Oxo und den Kids.

„Was ist?“, schallte dutzende Male durch die Luft.

Nach nur wenigen Sekunden hatten sich alle um ihn versammelt. Die vielen hundert Schritte dahin waren gegangen, es herrschte wieder Stille. Alles hatte sich eingefunden, bildete einen Kreis, in dessen Mitte Oxo stand, der wie ein Verrückter auf seinen Monitor starrte. Er ließ sich sogar zu einem Händeklatschen mitreißen. Alle Blicke waren auf ihn gerichtet. Doch davon hatte er noch nichts mitgekriegt; sein Blick war einzig auf die Zahlenreihen vor sich gerichtet.

„Was ist“, wiederholte Marcel. Aus den vielen Stimmen war jetzt eine geworden.

Endlich sah er ihn an, sein Blick war irgendwie verhangen.

„Ich habe es“, antwortete dieser nur, sein Blick immer noch so seltsam verschleiert, wurde aber allmählich schärfer. Als erwache er langsam aus einem tiefen Schlaf. „Jetzt weiß ich wie wir es machen.“ Dann war sein Blick gänzlich klar, er wurde sich der Massen, die ihn belagerten gewahr und blickte sich verdattert um. Drehte sich einmal im Kreis, sah jeden der Umstehenden an. „Wir nehmen einen Raumfluganzug“, fuhr er endlich fort.

„Einen Raumanzug?“, fragten Nicole und Jenni wie aus einem Mund.

„Nein“, korrigierte sie Oxo, „einen Raumfluganzug.“

Ein leises Stöhnen ging durch die Reihen der Techniker. Auch flüsterndes tuscheln war darunter. Jedoch zu leise, als das die Kids es hätten verstehen können. Dafür redete Oxo laut und deutlich. Ist es möglich, dass er die anderen Stimmen damit übertönen wollte?

„Ein Raumfluganzug ist sehr viel fortschrittlicher als ein Raumanzug. Eigentlich ist es gar kein richtiger Anzug, sondern vielmehr ein Ein-Mann-Raumshuttle.“

Die Kids blickten ihn fragend an. Vergessen war die Frage, ob er die anderen übertönen wollte. Das hier klang viel zu phantastisch, um ihm nicht gebannt an den Lippen hängen zu können.

Wieder kam tuscheln aus den Reihen der Techniker, diesmal überhörten sie es jedoch völlig.

„Allerdings ist es auch kein Shuttle, zumindest nicht im weitesten Sinne.“

Was? Was denn nun? War es eins, oder war es das nicht?

„Es ist ein Raumanzug, mit einem Triebwerk.“

„Du meinst, man hat so etwas wie ein Triebwerk auf den Rücken geschnallt?“

„Etwa wie einen Rucksack?“

„Ja und nein.“

Jetzt schwiegen die Kids, ließen Oxo Zeit, sich zu erklären. Die Techniker in ihrem Rücken gingen allmählich wieder ihren Tätigkeiten nach. Sie begannen damit die gesammelten Daten auf den Raumfluganzug zu übertragen.

Oxo war mit seinen Erklärungsversuchen noch immer nicht weiter. Er druckste noch etwas herum, aber dann sagte er endlich, „folgt mir bitte! Ich möchte euch etwas zeigen.“

Sie verließen den Raum, ließen die Techniker zurück und schritten einen langen Korridor entlang.

Mit leisem zischen öffnete sich eine Schleuse und offenbarte eine tiefschwarze Finsternis vor ihnen. Oxo trat zuerst hindurch und hinein in die Schwärze, die Kids hinterher. Mit einem weiteren zischen fuhr sie wieder zu. Erst dann schaltete sich das Licht ein; flackernd erhellten sich die Wände, der Boden, die Decke. Wie mit einem Dimm Schalter geregelt, wurde es merklich heller, steigerte sich sogar bis ins grelle hinein.

Die Kids blinzelten ins Licht. Sie brauchten einige Sekunden, sich daran zu gewöhnen. Dann fanden sie sich in einem schneeweißen Raum wieder. Der Boden, die Wände, die Decke, alles war schneeweiß und strahlte in diesem grellen Licht.

„Wo sind wir hier?“

„Oh, das ist nur ein weiterer Raum in unserem Raumfahrtzentrum. Das wirklich interessante, der Grund unserer Anwesenheit befindet sich hinter einer der Wände. Computer, öffne bitte die Fächer eins bis vier!“

An der Wand ihnen direkt gegenüber bildeten sich tiefe Spalten. Zuerst waren es nur minimale Helligkeitsunterschiede, die wie flache Schattierungen anmuteten, dann erlosch das Licht dort völlig und offenbarte dunkle Flächen. Die sofort in die Wand eingefahren wurden, sodass sich den verblüfften Kids jetzt so etwas wie Schränke darboten. Schränke, in denen besagte Raumfluganzüge standen. Wie in einem Modegeschäft aufgereiht präsentierten sie sich der kaufbereiten Kundschaft.

Marcel trat einen Schritt darauf zu, dann einen weiteren. Schließlich entwich ihm ein beeindrucktes pfeifen. Er hatte mit plumpen, schwerfälligen, riesigen Anzügen gerechnet. Tatsächlich waren sie jedoch ganz anders. Sie wirkten so dünn und leicht, als könnten sie in ihnen joggen. Der Stoff hauchdünn, wirkte federleicht. Sollten sie etwa mit diesen dünnen Dingern durchs All fliegen?

Mit diesem Gedanken im Hinterkopf drehte er sich zu Oxo um und sah ihn ernst an. Und wo befindet sich an diesen Dingern überhaupt der Antrieb?