Gefährliches Spiel in Tanner Hollow - Lynette Eason - E-Book

Gefährliches Spiel in Tanner Hollow E-Book

Lynette Eason

0,0

Beschreibung

Lillys Leben hängt an einem seidenen Faden - das ist allerdings nur ihr selbst klar. Die Polizei glaubt ihr nicht, die Ärzte wollen, dass sie sich in psychatrische Behandlung begibt. Doch sie wird verfolgt. Und diese Verfolgungsjagd soll tödlich enden. Als der Feuerwehrmann Jason Tanner sie aus ihrem Auto rettet, das in einer brennenden Garage steht, spüren beide sofort eine enge Verbindung. Mit ihm an ihrer Seite gelingt es Lilly, ihren Verfolgern zu entkommen. Doch wird sie es auch schaffen, sie zu stellen?

Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:

Android
iOS
von Legimi
zertifizierten E-Readern
Kindle™-E-Readern
(für ausgewählte Pakete)

Seitenzahl: 142

Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:

Android
iOS
Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.

Beliebtheit




SCM Hänssler ist ein Imprint der SCM Verlagsgruppe,die zur Stiftung Christliche Medien gehört, einer gemeinnützigen Stiftung,die sich für die Förderung und Verbreitung christlicherBücher, Zeitschriften, Filme und Musik einsetzt.

ISBN 978-3-7751-7581-4 (E-Book)ISBN 978-3-7751-6177-0 (lieferbare Buchausgabe)

Datenkonvertierung E-Book: Satz & Medien Wieser, Aachen

© 2023 SCM Hänssler in der SCM Verlagsgruppe GmbHMax-Eyth-Straße 41 · 71088 HolzgerlingenInternet: www.scm-haenssler.de · E-Mail: [email protected]

Originally published in English under the title:Protecting Tanner Hollow – Lethal ConspiracyCopyright©2019 by Lynette EasonOriginally published by Revell, a division of Baker Publishing Group,Grand Rapids, Michigan, 49516, U.S.A.All rights reserved.

Übersetzung: Susanne NaumannLektorat: Anne-Julia Haupt, HauptLektorat.deUmschlaggestaltung: Jan Henkel, www.janhenkel.comTitelbild: Adobe Stock: Wald – David Fitzell; jdross75/Shutterstock.comAutorenfoto:©Mary DenmanSatz: Satz & Medien Wieser, Aachen

Für meine Familie,die hundertprozentig an mich glaubt.Ich liebe euch.

Für Jesus.Meine Liebe zu dir wächst von Tag zu Tag.

Inhalt

Über die Autorin

Eins

Zwei

Drei

Vier

Fünf

Sechs

Sieben

Acht

Neun

Zehn

Elf

Zwölf

Dreizehn

Vierzehn

Fünfzehn

Epilog

Leseprobe »Geheimnisse von Tanner Hollow«

Dank

[ Zum Inhaltsverzeichnis ]

Über die Autorin

LYNETTE EASON ist Bestsellerautorin und hat mit ihren Büchern schon zahlreiche Preise gewonnen. Sie lebt mit ihrem Mann in Simpsonville, South Carolina. Die beiden haben zwei erwachsene Kinder.www.lynetteeason.com

[ Zum Inhaltsverzeichnis ]

Eins

Die Flammen drohten das zweistöckige viktorianische Haus zu zerstören. Die hölzerne Garagentür barst mit einem lauten Knall und fiel in Stücken zu Boden. Ein Funkenregen stob auf.

Jason Tanner richtete den Wasserstrahl direkt auf das lodernde Feuer. Er gehörte zur Feuerwehr von Tanner Hollow, North Carolina. Seine Einheit war heute in das benachbarte Elk’s Corner gerufen worden, um bei der Bekämpfung dieses Brandes zu helfen.

Rauch quoll aus der Garage, doch plötzlich stutzte Jason. War da ein Licht?

»Hey, Mike!«, rief er.

Mike Justus, der ebenfalls einen Wasserstrahl auf die Garage gerichtet hielt, drehte sich zu ihm um.

»Sind das Lichter?«

Mike kniff die Augen zusammen und trat zwei Schritte näher. Seine Augen weiteten sich in Entsetzen: »Das sind Scheinwerfer!«

Jason winkte seinem Vorgesetzen, der sogleich herbeieilte. »Halt mal, Chef. Ich glaube, da ist noch jemand drin!«

»Sei vorsichtig! Cookie! Geh mit Jason rein!«

Jason setzte seine Atemschutzmaske auf. Zusammen mit Cookie ging er zur Garage, während Wasser und Asche auf sie herabregneten. Die Flammen hatten die Garagentür zerstört, nicht aber das Innere der Garage. Noch nicht.

Jason legte eine behandschuhte Hand auf die Motorhaube des Fahrzeugs und sah Cookie an. »Der Motor läuft!«

Der Rauch behinderte seine Sicht. Er konnte nicht sehen, ob noch jemand im Auto war. Aber warum sollte der Motor laufen, wenn keiner drin war?

Jason hob die Axt, die er in der linken Hand trug, und trat an die Beifahrertür. Cookie ging zur Fahrertür. Jason beugte sich vor und sah, dass auf der Rückbank jemand lag. Es war eine Frau. Ihr dunkles Haar lag fächerartig um ihren Kopf ausgebreitet. Die Fenster auf der Fahrer- und Beifahrerseite waren gesprungen. Die Öffnungen waren nicht groß genug, um hineinzugreifen und die Tür zu öffnen, aber der Rauch drang bereits in den Fahrgastraum ein.

»Da ist jemand drin«, rief Jason. »Wir müssen sie rausholen!«

Er rüttelte an der Beifahrertür. Verschlossen. Er hob die Axt und zertrümmerte das Fenster vollständig, dann griff er ins Wageninnere und entriegelte die Türen.

Die Frau regte sich nicht.

Cookie öffnete die Fahrertür und klappte den Fahrersitz weg. Dann beugte er sich in das Auto, hob die schmale Gestalt vom Rücksitz und trug sie rasch aus der Garage. Jason eilte hinterher.

Etwas abseits legte Cookie die Frau vorsichtig ab und beugte sich über sie. Er sah Jason an. »Sie hat noch Puls, aber sie atmet nicht. Fang an, sie zu beatmen. Ich hole die Ausrüstung.«

Sie hatten alle eine Ausbildung als Notfall- oder als Rettungssanitäter, doch Jason hatte mehr Erfahrung als Cookie auf diesem Gebiet. Er nahm seine Atemschutzmaske ab und legte sie beiseite.

Routiniert bereitete er die Beatmung vor. Er legte eine Hand auf den Scheitel der bewusstlosen Frau, mit der anderen schob er ihr Kinn von der Brust weg. Dann öffnete er ihren Mund, prüfte den Innenraum und legte die Notfallbeatmungsmaske über Nase und Lippen. Als er ihr wieder Leben einblies, fing ihre Brust an, sich zu heben und zu senken.

»Komm schon, Süße, atme«, bat er sie zwischen den einzelnen Atemstößen.

So arbeitete er eine, höchstens zwei Minuten. Sein Herzschlag beschleunigte sich, als ihm bewusst wurde, dass sie möglicherweise nicht wieder zu sich kommen würde. Hoffentlich hatten sie sie nicht zu spät gefunden.

Doch dann schnappte sie nach Luft. Sie keuchte und würgte. Ein Krampf schüttelte sie. Jason rollte sie rasch auf die Seite, als sie begann, sich zu erbrechen. Ihr Körper reagierte auf das Kohlenmonoxid, das sie eingeatmet hatte.

Als die Krämpfe nachließen, nahm er das feuchte Tuch, das Cookie ihm reichte, und säuberte ihr Gesicht. Sie blinzelte. Ihr Blick war verschwommen, aber immerhin waren ihre Augen offen und sie atmete.

Rettungssanitäter trafen ein und Cookie winkte sie heran. Innerhalb von Sekunden hatten sie die Frau auf eine Bahre gelegt und an den Sauerstoff angeschlossen. Wie lange hatte sie nicht geatmet? Hatte ihr Gehirn Schaden genommen?

»Wie heißen Sie?«, fragte einer der Sanitäter.

Sie antwortete nicht.

Jason beobachtete sie. Er wurde von ihrer zerbrechlichen Schönheit angezogen – und noch von etwas anderem. Sie wirkte so hilflos. Er wollte ihr helfen, sie beschützen.

Er schüttelte den Kopf. Was war plötzlich los mit ihm? Er hatte geglaubt, wenn es um Feuer und Menschen in Not ging, wirklich schon alles gesehen zu haben. Dieses Opfer hier sollte keine solche Wirkung auf ihn haben. Und doch war es so.

Ihre Augen flackerten, sie stöhnte leise.

Jason trat neben einen der Sanitäter und nahm ihre Hand. »Es ist alles in Ordnung. Sie bringen Sie ins Krankenhaus.«

Ihre Blicke begegneten sich. Die Verzweiflung in ihren Augen rührte sein Herz an. Er konnte ihre Hand nicht loslassen.

»Jason. Jason!« Cookie zog ihn von ihr fort und schüttelte ihn leicht. »Was ist los mit dir, Mann?«

Jason räusperte sich. »Keine Ahnung.«

Er griff nach dem Feuerwehrschlauch und richtete den Wasserstrahl wieder auf das Feuer. Sein Herz hämmerte nach der seltsamen Begegnung, doch er musste diese sonderbare Reaktion ignorieren und helfen, die Flammen zu löschen, die noch immer das Haus bedrohten. Und er musste das Bild der schönen, dunkelhaarigen Frau auf der Bahre loswerden, das sich in sein Herz gestohlen hatte.

Lilly kämpfte sich aus der Dunkelheit heraus. Eine entsetzliche Angst quälte sie, doch sie wusste nicht, warum. Sie wusste nur, dass sie weglaufen musste. Aber wovor?

Vor ihm. Er wollte ihr wehtun. Aber warum? War er hier?

Sie musste die Augen öffnen. Seine verschwommenen Gesichtszüge lauerten in ihrem Kopf. Sie wollte ihn sehen. Nicht den unheimlichen Typen, sondern den netten. Den, dessen Gesicht sie einen kurzen Augenblick gesehen hatte, bevor man sie ins Krankenhaus gebracht hatte.

Sie hatte sein Gesicht vor Augen, träumte, er wäre hier und passte auf sie auf. Doch das war unmöglich. Oder etwa nicht? Sie wusste ja nicht einmal, wer er war. Wo war sie überhaupt? Warum konnte sie nicht aufwachen? Warum war sie in einem Krankenwagen gewesen?

Eine Hand nahm ihre. Sie war wieder am Rand der Bewusstlosigkeit. Lilly hob eine Hand an ihr Gesicht und spürte den feinen Plastikschlauch in ihrer Nase. Dann wurde sie sich der Luft bewusst, die in ihre Nase gezwungen wurde, und der feinen Kanüle an ihrem Handgelenk.

Sie blinzelte. Langsam gewann ihre Umgebung an Kontur. Ein Krankenhauszimmer. Mühselig drehte sie den Kopf, um zu schauen, wer ihre Hand hielt, und zuckte zurück. Der Mann aus ihren Träumen. Sein blondes Haar war zerwühlt, als sei er zahllose Male mit den Fingern hindurchgefahren. Lange, dunkle Wimpern umrahmten seine Augen, seine Brust hob und senkte sich sanft.

Doch wer war er? Und warum stillte seine Gegenwart die Angst, die sie quälte? Lilly schloss ermattet die Augen, als eine tiefe Schwäche sie erneut überkam. Was war geschehen? Offenbar war sie verletzt worden. Aber wie?

Bilder stiegen in ihr auf.

Der Mann, der die Tür eingetreten hatte.

Die Waffe.

Das Entsetzen.

Er hatte auf sie geschossen.

Sie zuckte zusammen und riss gewaltsam die Augen auf.

Der Mann, der neben ihr saß, drückte ihre Finger. Dann stand er auf und rieb sich mit der freien Hand das Gesicht. »Sie sind wach«, stellte er erleichtert fest.

»Wer sind Sie?«

Er lächelte. Es war ein wundervolles Aufwärtskräuseln der Lippen, das in jeder Wange ein tiefes Grübchen zum Vorschein brachte. »Ich bin Jason. Wie heißen Sie?«

»Lilly … Peterson.«

»Gut.«

Sie blinzelte. »Aber Sie wussten es schon.«

»Auf dem Rücksitz Ihres Autos lag Ihre Geldbörse. Ich habe sie herausgeholt und Ihren Führerschein darin gefunden.«

»Und warum haben Sie dann gefragt?«

»Sie waren einer großen Menge Kohlenmonoxid ausgesetzt.«

Plötzlich stürmte die Erinnerung auf sie ein. Ihre Hände fuhren nach oben und tasteten ihren Körper oberhalb des Nachthemds ab, doch sie spürte keine Bandagen. »Er … er hat auf mich geschossen.«

Jason runzelte die Stirn. »Wer? Wo?«

»Ich weiß nicht.«

»Was soll das heißen, er hat auf sie geschossen?«

»Er kam zur Tür, ich habe geöffnet und er hatte eine Waffe in der Hand. Er hat auf mich geschossen.« Diesmal schob sie das Nachthemd von ihrer linken Schulter. »Hier.«

Er sah sie an. »Eine kleine Rötung. Sieht aus wie eine leichte Hautreizung oder so etwas, aber es ist ganz bestimmt keine Schusswunde.« Jason sah ihr tief in die Augen. »Haben Sie versucht, sich umzubringen, Lilly?«, fragte er leise.

Das reine Mitgefühl, das in seiner Stimme lag, trieb ihr beinahe Tränen in die Augen, doch zugleich spürte sie, wie ohnmächtiger Zorn in ihr aufstieg. »Nein«, flüsterte sie. »Niemals.«

»Es deutet aber alles darauf hin.«

»Weil es so aussehen sollte. Genau wie bei Jennys Tod.«

»Wer ist Jenny?«

Lilly presste die Handballen auf die Augen und versuchte, die Tränen zurückzuhalten. »Meine beste Freundin … die letzte Woche in ihr Auto stieg, den Motor anließ und an einer Kohlenmonoxidvergiftung starb. Ich habe nicht geglaubt, dass sie so etwas getan hat. Ich konnte es nicht glauben. Und jetzt weiß ich genau, was mit ihr passiert ist. Sie wurde ermordet – und ich sollte auf dieselbe Weise sterben wie sie.«

Jason sah sie stirnrunzelnd an.

Lilly verzog das Gesicht. Er glaubte ihr nicht. »Ich weiß. Es ist schon in Ordnung, wenn Sie mir nicht glauben. Ich würde es ja auch nicht glauben, wenn ich es nicht selbst erlebt hätte.«

»Man geht davon aus, dass Sie selbst versucht haben, sich umzubringen.«

»Wer? Die Ärzte?«

»Ja.«

»Das glaube ich gern. Das sollen sie ja auch glauben.« Sie blinzelte und biss sich auf die Lippe bei dem Versuch, ihre wirren Gedanken zu ordnen.

»Sie möchten Sie noch ein Weilchen zur Beobachtung hierbehalten, bis sie sicher sein können, dass Sie keine Gefahr für sich selbst sind.«

Sie schwieg. Dann fragte sie: »Die wollen mich einschließen?«

»Nur so lange, bis sie sich ein Urteil gebildet haben.«

Schiere Panik packte sie. Sie schluckte und sah zur Tür.

»Vor der Tür steht eine Wache«, sagte Jason. »Nur für den Fall der Fälle.«

»Falls ich mir selbst etwas antue?«

»Falls Sie zu gehen versuchen, bevor man Ihnen geholfen hat.«

Das konnte nur ein schlechter Scherz sein! Je länger sie mit ihm sprach, desto besser arbeitete ihr Verstand wieder. Sie musterte den gut aussehenden Mann an ihrem Bett. »Und warum sind Sie hier?«

Sein Blick ließ sie nicht los. »Das weiß ich selbst nicht so recht. Ich wusste nur, dass ich Sie nicht alleinlassen wollte.«

Der Ausdruck, mit dem er sie ansah, verursachte ihr Herzklopfen. Teils vor Verwirrung, teils vor Angst. »Sie haben Mitleid mit mir.«

»Ja, auch. Jedenfalls, als sie bewusstlos waren und beinahe gestorben wären, aber dann, als man Sie in den Krankenwagen schob …«

Sie erinnerte sich an den Blick, an die plötzliche Verbindung, die zwischen ihnen aufgekommen war. »Ich erinnere mich«, flüsterte sie.

»Wirklich?«

»Ja.«

Einen Moment lang schwiegen sie beide. Dann räusperte er sich. »Ihr Haus ist abgebrannt. Das Feuer hat es praktisch ganz zerstört.«

»Es war nicht mein Haus.«

»Was erklärt, warum die Adresse auf Ihrem Führerschein eine andere als die des abgebrannten Hauses ist.«

»Stimmt.«

»Genau genommen ist die Adresse auf Ihrem Führerschein die eines unbebauten Grundstücks ganz in der Nähe von hier.«

Sie schlug die Augen nieder, dann sah sie ihn wieder an. Und seufzte. »Ich weiß.«

Er wirkte überrascht, dass sie es nicht abstritt. Doch warum sollte sie sich die Mühe machen? Sie hatten sie ja schon aufgespürt.

Und sie musste weglaufen, wenn sie den morgigen Tag noch erleben wollte.

[ Zum Inhaltsverzeichnis ]

Zwei

Jason kratzte sich am Kinn, während er die geheimnisvolle Frau vor sich anschaute. »Na gut … Sind Sie in einem Zeugenschutzprogramm oder so was Ähnlichem?«

Sie schürzte die Lippen. »Eigentlich nicht.«

»Sagen Sie mir, was los ist?« Er sah die Angst in ihrem Gesicht.

»Ich würde gern«, antwortete sie leise.

»Aber Sie trauen mir nicht.«

»Das ist es nicht. Es ist nur … nun ja, zum Teil vielleicht.« Wieder traten ihr Tränen in die Augen.

Jason schwieg kurz, dann fragte er: »Sie sind sich nicht sicher, wem Sie vertrauen können, nicht wahr?«

Sie sah ihn unverwandt an, dann nickte sie langsam, seine Vermutung bestätigend.

»Vor wem laufen Sie weg?«, fragte er.

Lilly blinzelte und errötete. Die Angst in ihren Augen verstärkte sich. Sie griff nach dem Laken, das über ihren Beinen lag, knüllte es zusammen, glättete es wieder. Dann fuhr sie sich mit der Hand durch das dunkle Haar und schüttelte den Kopf. »Vor dem, der mich schließlich doch erwischt hat.«

Als es an der Tür klopfte, zuckte sie zusammen, doch es war nur ein Arzt, ein großer, schlanker Mittfünfziger mit grau meliertem Haar. Hellblaue Augen ruhten kurz auf Jason, dann wandte er sich an Lilly. »Freut mich zu sehen, dass Sie die Augen offen haben.«

Lilly schwieg.

Er zog eine Stiftlampe aus der Tasche. »Ich bin Dr. Fields. Darf ich Sie kurz untersuchen?«

Ohne ihre Antwort abzuwarten, prüfte er ihre Reaktionen und stellte ihr dabei mehrere Fragen. Jason merkte sich die Antworten.

Schließlich richtete Dr. Fields sich auf. »Sie können nicht sehr lange in dem Auto gewesen sein. Gerade lang genug, um das Bewusstsein zu verlieren. Ich glaube nicht, dass Sie bleibende Schäden von dem Kohlenmonoxid davongetragen haben. Sie haben großes Glück gehabt.«

»Ja, das hatte ich wohl … Vielen Dank.«

Der Arzt blinzelte, als hätte ihre Antwort ihn verwirrt. »Ich werde noch den diensthabenden Psychiater verständigen«, sagte er. »Das ist bei einem Selbstmordversuch vorgeschrieben. Das verstehen Sie doch, oder?«

Lillys Antwort kam wie aus der Pistole geschossen: »Ich habe nicht versucht, mich umzubringen.«

Dr. Fields warf Jason einen überraschten Blick zu.

Der zuckte die Achseln und runzelte die Stirn. »Ich schätze, sie sagt die Wahrheit, Doktor«, hörte er sich sagen.

»Nein? Was sollte es dann gewesen sein?« Dr. Fields blickte fragend von einem zum anderen.

Jason sagte nichts.

Der Arzt sog scharf die Luft ein und sein Blick ruhte auf Lilly. »Ein Unfall?«

Sie schüttelte den Kopf.

»Aber wenn es kein Selbstmordversuch und kein Unfall war …«, er hielt kurz inne. »Wollen Sie damit sagen, dass jemand versucht hat, Sie umzubringen?«

Sie erwiderte tapfer seinen Blick. »Ja. Genau das wollte ich sagen.«

»Ich … äh … ich verstehe«, stammelte der Arzt. »Nun, laut Polizei war es ein Selbstmordversuch, deshalb benötigen wir die Aussage des Psychiaters. Es wird jemand kommen, der Sie zu ihm bringt.«

Lilly wurde blass, nickte aber. »In Ordnung.«

Jason war überrascht, dass sie nicht weiter protestierte.

Als der Arzt das Zimmer verlassen hatte, sah Lilly Jason direkt an. »Ich habe nicht versucht, mich umzubringen.«

Die Bestimmtheit, mit der sie die Worte aussprach, traf ihn. Plötzlich wurde ihm bewusst, dass er ihr glaubte. Absolut. Vollkommen. Und er würde ihr helfen.

»Warten Sie kurz.« Mit einem Satz war er bei der Tür und riss sie auf. Die Wache stand am Ende des Gangs und schäkerte mit einer der Schwestern. In ihrer Nähe war der Arzt mit zwei anderen Weißkitteln in eine Krankenakte vertieft. »Dr. Fields?«

Der Arzt drehte sich um. »Ja?«

Jason lief zu ihm. »Miss Peterson braucht keine Prüfung durch einen Psychiater. Ich werde mich um sie kümmern.«

Lilly blinzelte verwirrt, als Jason so plötzlich verschwunden war, doch sie nutzte die Gunst der Stunde, schlug die Decke zurück, schwang die Beine aus dem Bett und stellte sie auf den Boden. Prompt wurde ihr schwindelig. Sie schloss die Augen und stützte die Arme fest auf die Matratze, bis das Zimmer aufhörte, sich zu drehen. Dann durchquerte sie auf zittrigen Beinen den Raum und öffnete die Schranktür. Da hingen ihre Kleider. Sie rochen nach Rauch, doch fürs Erste mussten sie genügen.

So schnell sie konnte, zog sie sich an, musste allerdings alle paar Sekunden innehalten und warten, bis ihr Husten aufhörte und ihre Kräfte zurückkehrten. Ihr Arm pochte, doch das ignorierte sie. Fertig angezogen, stellte sie ihre Tennisschuhe aufs Bett und sank auf den Stuhl daneben. Völlig erschöpft schloss sie die Augen und legte ihren Kopf einen Moment gegen die Lehne.