Gefunden – nicht gesucht - Emma Laddey - E-Book

Gefunden – nicht gesucht E-Book

Emma Laddey

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Beschreibung

In 'Gefunden – nicht gesucht' entführt die Autorin Emma Laddey die Leser auf eine fesselnde Reise der Selbstentdeckung. Die Protagonistin begegnet schicksalhaften Wendungen und unerwarteten Begegnungen, die ihre Sicht auf das Leben nachhaltig verändern. Laddeys stilistische Finesse zeigt sich in ihren lebendigen Beschreibungen und tiefgründigen Dialogen, die nicht nur zum Nachdenken anregen, sondern auch einen Gedankenstrom über die Themen Liebe, Identität und den Zufall im menschlichen Leben anstoßen. Der Kontext dieses Werkes reflektiert die zeitgenössische Auseinandersetzung mit dem Sinn des Lebens und der Rolle des Schicksals in einer zunehmenden Unsicherheitsgesellschaft. Emma Laddey, eine aufstrebende Stimme der modernen Literatur, bringt in 'Gefunden – nicht gesucht' ihre eigenen Erfahrungen und Beobachtungen aus ihrer Jugend und ihren Reisen ein. Ihr ausgeprägter Sinn für soziale Trends und persönliche Interaktionen prägt ihre Schreibweise. Laddey wurde durch diverse kulturelle Einflüsse und die Herausforderungen des Erwachsenwerdens inspiriert, die sie in diesem Werk meisterhaft verarbeitet, um ihre eigene Identität zu erkunden und zu reflektieren. Dieses Buch ist besonders empfehlenswert für Leser, die nach einer tiefgründigen Erzählung suchen, die sowohl emotional berührt als auch zum Nachdenken anregt. 'Gefunden – nicht gesucht' ist ein eindrucksvolles Zeugnis für die Kraft der Zufälle im Leben und ermutigt dazu, Begegnungen und Erfahrungen als gewinnbringend anzunehmen.

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Veröffentlichungsjahr: 2024

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Emma Laddey

Gefunden – nicht gesucht

Veröffentlicht im Good Press Verlag, 2024
EAN 8596547842033

Inhaltsverzeichnis

Cover
Titelblatt
Text

Gefunden – nicht gesucht

Inhaltsverzeichnis
Gefunden – nicht gesucht.
Novelle von E. Laddey.
1.

„Der Wagen ist da, Mimi, Mimi!“ rief ein halbes Dutzend frischer Mädchenstimmen, und ebenso viele Köpfe steckten sich aus dem großen Corridorfenster des adeligen Fräuleinstiftes zu M., um nach jenem zu schauen.

„Endlich!“ jubelte es zurück.

„Ist Mademoiselle fertig?“

„Freilich, sie steigt schon die Treppe hinab.“

„Also Adieu, Ihr Lieben! Auf Wiedersehen in acht Wochen!“

„Ach, jetzt geht’s in die Berge, in die goldene Freiheit!“ und damit sprang die elastische Gestalt, die man Mimi gerufen hatte, in ein paar Sätzen die Treppe hinab, daß das enge schwarze Pensionskleidchen kaum für die großen Sprünge ausreichte und die langen, braunen Zöpfe über das schlichte Strohhütchen emporschlugen. Mademoiselle unten an der Treppe murmelte einen Verweis, aber das glückliche Kind umfaßte die Lehrerin in stürmischer Zärtlichkeit und rief:

„Heute nicht schelten, liebe Mademoiselle! Bin zu glücklich heute!“

Die armen, jungen Dinger, die keinen Menschen hatten, bei dem sie die Ferien verbringen konnten, grüßten noch halb freundlich, halb wehmüthig auf die Scheidende herab, die so keck ihr weißes Tüchlein zum letzten Gruße schwang, daß selbst der guten Französin die Geduld riß und sie energisch die kleine Hand der Ausgelassenen festhielt.

Noch einige herzliche Zurufe des Abschiedes herüber und hinüber, und eilig fuhr der Wagen mit Mimi und der Mademoiselle davon.

Bald darauf saß man glücklich im Nichtrauchercoupé, die Französin seufzte, daß sich die süddeutschen Züge nicht einmal den Luxus eines Damencoupés gestatteten; sie hatte das eine der Sophas in Beschlag genommen, eine dicke Dame, mit einem Kinde auf dem Schooße, das zweite, auf dem dritten breitete sich in großer Behaglichkeit Mimi aus, und so blieb einem Passagier, der noch zu guter Letzt einstieg, nichts anderes übrig, als auf dem letzten leeren Sopha, das heiß von der Sonne beschienen ward, Platz zu nehmen.

Er that es seufzend, denn die Hitze war übergroß.

Der Zug setzte sich in Bewegung; Mimi nahm ihren Hut ab, warf ihn oben in das Netz, lehnte sich behaglich in die Kissen und fand das Reisen sehr hübsch und bequem. Um so mehr that ihr der junge Mann leid, der da förmlich in der Sonne briet.

„Sie haben einen abscheulichen Platz,“ sagte Mimi gutmüthig, „die kleinen Vorhänge schützen gar nicht. Setzen Sie sich hierher! Wir haben Beide Raum –“ und dabei rückte sie freundlich bei Seite.

Mademoiselle warf einen verweisenden Blick auf die unvorsichtige Pflegebefohlene, aber die Harmlosigkeit derselben verstand diesen gar nicht, sondern fühlte sich sehr zufrieden, einem Mitreisenden einen Gefallen erwiesen zu haben.

„Gelt, jetzt haben Sie’s besser?“ fragte sie in ihrem baierischen Dialect.

„Viel besser,“ entgegnete der junge Mann und verbeugte sich lächelnd, wobei sein gebräuntes Gesicht mit den klaren, blauen Augen und dem jovialen Zuge um den mit keckem Schnurrbärtchen geschmückte Mund sehr hübsch aussah. „Das Reisen in solcher Gluth ist eine wahre Tortur.“

„Ah, das Reisen ist immer ein ungeheures Vergnügen!“

„Da sind Sie gewiß noch nicht viel gereist?“

„Nein, gar nicht viel, oder doch nur von einer Stadt zur andern. Jetzt aber gehe ich zum ersten Mal in die Berge und an die Seen und werde die ganzen Ferien über ausbleiben.“

„Die Ferien? Gnädiges Fräulein sind also noch im Institute?“

„Natürlich,“ nickte Mimi, „vor dem achtzehnten Jahre kann ich nicht heraus; bis dahin sind es noch fünfzehn Monate.“

„Eine lange Gefangenschaft!“

„Na, es geht. Wir haben es gar gut in unserm Pensionate und sind sehr vergnügt mit einander. Nicht wahr, Mademoiselle?“

Jene nickte.

„Mimi,“ sagte sie, „nicht so viel sprechen, Sie werden den Errn belästigen.“

„Belästigt es Sie, wenn ich plauderee“ fragte das kleine Ungeheuer von Offenheit den Nachbar.

„Gewiß nicht,“ gab dieser lächelnd zurück, „ich sehe es vielmehr für eine Gunst des Schicksals an, eine so liebenswürdige Reisegefährtin gefunden zu haben. Ich hörte gern etwas von Ihrem Institute; ich möchte wohl wissen, ob das Leben in einem solchen etwas dem in einem Cadettenhause gleicht, in welchem ich meine Knabenzeit zugebracht habe.“

„Sie sind also Officier? Das hab’ ich im selben Augenblick gedacht, als Sie in den Wagen stiegen. Ihr Haar ist so geschnitten, auch der Schnurrbart ganz so gedreht.“

„Mimi!!“ mußte Mademoiselle einwerfen.

„Aber mein Himmel, es ist doch keine Sünde, das zu sagen. Bin ich doch selbst ein Soldatenkind, muß mich daher auf soldatische Physiognomien verstehen.“

„Der Herr Papa sind also Camerad von mir?“

„War es,“ entgegnete das junge Mädchen nun mit einem Male traurig. „Er kränkelte seit dem Krieg und starb dann sehr bald. Seitdem hasse ich den Krieg und alle Soldaten.“

„Aber das ist nicht patriotisch. Die Tochter eines Vaterlandsvertheidigers sollte so nicht sprechen.“

„Ich weiß es wohl, aber ich kann mich nicht zu der Höhe solcher Auffassung aufschwingen. Ich bin ja keine Spartanerin oder Römerin, ich werde es nie begreifen lernen, daß der liebe Gott die Menschen geschaffen haben soll – damit sie sich einander todtschießen. – Ach, mein Herr, Sie wissen nicht, wie schrecklich der Krieg ist, mir nahm er Vater und Mutter, denn Mama starb über den Gram um Papas Verlust. – Nun haben Sie gewiß nimmer das Herz, von mir zu verlangen, daß ich für einen so gefährlichen Beruf schwärme?!“

„Mindestens aber, daß Sie ihm Gerechtigkeit widerfahren lassen und seinen hohen Standpunkt anerkennen. – Aber ein so ernstes Gespräch paßt nicht für eine kurze Unterhaltung im Eisenbahnwagen. Mit der Zeit werden Sie schon von selbst den Werth unseres Berufes schätzen lernen.“

„Nein, ich weiß gewiß, daß ich den Krieg immer für eine große Sünde halten werde und eher in’s Wasser springen, als eine Soldatenfrau werden würde.“

Das kleine Köpfchen nickte so energisch, die braunen Augen blickten den Nachbar so fest an, und die Worte gingen so bestimmt über die rothen Lippen, daß der Fremde bei sich selber sagte:

„Sie ist doch ein echtes Soldatenkind, die frische, muthige Kleine; sie weiß, was sie will.“

Ein Weilchen stand das Plappermäulchen still.

„Die Berge, o die himmelhohen Berge!“ rief es dann.

Ja, da tauchten sie auf, noch nebelhaft, wie mit duftigen Schleiern überzogen. Der Fremde kannte die Namen jeder Bergspitze, jedes Grates des immer deutlicher hervortretenden Höhenzuges, und Mimi hörte aus seine Erklärungen mit strahlenden Augen und grüßte mit jubelnder Erwartung die winkende Ferne.

Dann wieder deckte dunkler Wald das vielversprechende Bild; die Bahn umzog nun einen der vielen kleinen Seen, die dem baierischen Hochlande so viel Frische und Abwechselung verleihen, darnach schlängelte sie sich ein gutes Stück durch den Forst dahin.

Zu sehen gab es jetzt nichts, die kleine Unruhige suchte sich andern Zeitvertreib, sie begann mit dem ganzen Appetit der sechszehn Jahre Bonbons zu naschen, die sie in mehreren Düten aus der Tasche zog. Sie präsentirte sie zuerst ihrer Lehrerin, dann der dritten Dame mit dem Kinde und zuletzt auch dem Nachbar. Ungenirt griff dieser zu und wollte nun auch die Spender dieser Gaben kennen lernen.

„Meine Freundinnen,“ entgegnete Mimi stolz. „Wir halten in der Pension treue Freundschaft und sind nicht halb so schlimm, wie es in Erzählungen, die in Instituten spielen, geschildert wird. Wir sind sehr lieb mit einander – nicht wahr, Mademoiselle?“

Die arme gefolterte Französin, die in jedem Augenblicke über die Ungenirtheit ihrer Pflegebefohlenen erröthete und doch kein Mittel wußte, das harmlose Kind vor den Augen des jungen Mannes zu hüten, lächelte eine unbestimmte Antwort, der Fremde aber sagte:

„Wenn es erlaubt ist, von Ihnen, kleines gnädiges Fräulein, auf die Andern zu schließen, so verdienen Alle Nummer Eins!“

„O, wenn Sie ein Lehrer wären, dann würden Sie nicht so liebenswürdig urtheilen, auch nicht mit mir lachen und scherzen, sondern so aussehen.“

Dabei zog Mimi ihr Gesicht in grämliche Falten und hob den Finger warnend gegen den Nachbar empor.

Jetzt riß denn endlich der letzte Geduldsfaden der guten Mademoiselle.