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Die Regierung versucht seit Jahren die Pläne und Angriffe der AD`V`C zu vereiteln, doch diese scheinen der Regierung immer einen Schritt voraus zu sein. Viele Jahre sind vergangen seit Carly spurlos verschwunden ist, viel Zeit in der sich Tate immer wieder gefragt hat, was nur passiert war. Als er Carly völlig unverhofft begegnet, ausgerechnet im Pentagon, ist er hin und her gerissen zwischen Verwirrung, Freude und besonders Wut. Tate stellt schnell fest, dass sich im Laufe der Jahre viel verändert hat und es scheint, als habe es das Mädchen, in das er sich verliebt hatte, nie gegeben. Carly wird von düsteren Geheimnissen umwoben und er ahnt, dass sie in größeren Schwierigkeiten steckt, als er bei ihrem Verschwinden bereits befürchtet hatte.
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Seitenzahl: 539
Veröffentlichungsjahr: 2015
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Kim Mevo
Geschändete Seelen
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Inhaltsverzeichnis
Titel
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Impressum neobooks
Heute
Ein stetiges klick, klick, klick war leise zu hören, während sie in ihrem Büro saß und den Bericht des letzten Auftrags verfasst. Irgendwie hatte das Newton Pendel eine beruhigende Wirkung auf sie. Es half ihr dabei, sich besser zu konzentrieren. Besonders, wenn ihr so die Schläfen pochten wie heute. Es klopfte erneut an ihrer Bürotür, schon zum zwölften Mal, seit sie im Büro war, und dabei war es erst halb elf.
„Herein“, seufzte sie und lehnte sich in ihrem Stuhl zurück.
Ein junger Mann, kaum älter als sie selbst, hielt einen schmalen Ordner in der Hand. „Agent Clark, ich habe hier die Berichte der Forensik.“
„Ah super.“ Endlich mal eine erfreuliche Nachricht.
Sie streckte den Arm über den Bürotisch. Benjamin Boucher war noch blutjung, nicht etwa auf sein Alter bezogen, sondern eher seiner Berufserfahrung nach zu urteilen. Er arbeitete erst seit zwei Monaten beim NSA für den Nachrichtendienst und wurde von DC versetzt. Sein Vater führte dort eine gute Position, die es Benjamin ermöglicht hatte, nach Fort Meade versetzt zu werden. Dennoch ließ er es sich nicht entgehen, ihr hin und wieder über die Schulter zu sehen.
Sie öffnete die Mappe und überflog die Informationen, dann nickte sie.
„Wie war Russland?“ fragte Benjamin nun neugierig. „Sie waren in Moskau, richtig?“
Sie nickte. „Sie erwiesen sich als eher weniger kooperativ, als wir gehofft hatten. Unsere Möglichkeiten waren daher beschränkt.“
„Ist jemand dort geblieben?“
„Mein Mann“, erklärte sie knapp und hatte gleich bei der Erklärung einen bitteren Geschmack auf der Zunge. Es war immer noch seltsam für sie, das zu sagen und dass nach nun schon drei Jahren Ehe.
Benjamin nickte. „Wie lange wird er bleiben?“
„Ich schätze zehn Tage. Alles Weitere wäre zu riskant.“
Sie wusste, dass Benjamin neugierig war, doch manchmal erschien es ihr etwas seltsam. Vielleicht war sie auch einfach nur paranoid geworden. Denn wenn sie ihn so ansah, erblickte sie eher einen Welpen, als einen erwachsenen Mann. Benjamin deutete mit der Hand über die Schulter. „Also, ich will dann mal wieder... Bestimmt sieht man sich später mal.“
Sie nickte. „Ja bis später.“
Das Gebäude, dessen Gelände man auch Crypto City nannte, war riesig. Die Wahrscheinlichkeit, dass man sich zufällig über den Weg lief, war eher gering. Zumal sie meist außer Haus unterwegs war. Eigentlich stieg sie immer von einer Maschine in die nächste und reiste quer durch die Welt. Die meisten Reisen jedoch gingen im Moment eher nach Europa, da die NSA derzeit russischen Partisanen auf der Spur war, die sich in ganz Europa verteilten. Allerdings war schon deutlich geworden, dass die Hauptaktivisten aus Russland stammten. Dies war auch der Grund ihrer letzten Reise nach Moskau, von der sie erst am Tag zuvor zurückgekehrt war. So glaubte man zumindest.
Sie sah sich um und warf einen Blick zu dem Fenster, durch welches man in den größeren Büroraum sehen konnte. Die Rollos waren von innen herunter gelassen, so dass man von außen nicht herein sehen konnte. Sie fotografierte die Blätter der Forensik und schickte sie über einen geheimen Verteiler zu ihrer Kontaktperson. Während ihr Mann noch in Russland war, würde sie weiterhin die Informationen weiter leiten. Als ihr Telefon klingelte, zuckte sie erschrocken zusammen und ließ um ein Haar ihr Handy fallen. Rasch packte sie es weg und klappte die Akte zu. Dann widmete sie sich dem Telefon.
„Nationale Sicherheit, Agent Clark.“
„Clark“, bellte jemand durch den Hörer. „Ich möchte Sie in zehn Minuten in meinem Büro sehen.“
Damit war das Gespräch beendet. Sie legte den Hörer auf und schnaubte.
„Oh Hallo Agent Clark“, äffte sie übertrieben ihren Vorgesetzten nach. „Würden Sie bitte in zehn Minuten in mein Büro kommen? Ich möchte etwas mit Ihnen besprechen.“ Grimmig schob sie die Akte in eine der Ablagen. „Höflichkeit wird hier wohl als Überbewertet angesehen.“ Rasch stand sie auf, strich ihren Rock zurecht und machte sich auf den Weg zu den Fahrstühlen, am Ende des Bürokomplexes. Sicher wollte er wissen, wie ihre Arbeit voran ging. Aber das Ergebnis würde ihm nicht gefallen.
8 Jahre zuvor
Carlys Kopf dröhnte und ihr war speiübel. Über ihrem Kopf rasselte etwas, doch sie brauchte einige Momente um zu begreifen, dass sie fest gekettet war. Ihre Arme wurden über ihren Kopf gestreckt und schmerzten, da ihr ganzes Körpergewicht daran hing. Widerwärtiger Geruch von Erbrochenem drang ihr in die Nase. Dann fiel ihr wieder ein, was passiert war. Landon, etwas spitzes, das sie in den Nacken stach, Amber und der Lieferwagen. Carly schauderte und riss die Augen auf.
Um sie herum war es dunkel. Sie waren in einer Art Kellerraum. Ihre Ketten waren an massiven Deckenhaken mit Karabiner befestigt. Sie schaffte es, einen Blick durch den Raum zu werfen und entdeckte Amber, die ebenfalls an Ketten von der Decke hing. Sie war bewusstlos. Carly blinzelte. Hinter ihr öffnete sich eine Tür. Als jemand redete, war seine Stimme verzerrt.
„Genug geschlafen?“
Eine Gänsehaut kroch Carly durch die Glieder. Sie konnte ihn nicht sehen, doch sie hörte an seinen Schritten, dass er nicht weit von ihr entfernt stehen blieb. Plötzlich packte er sie am Arm und riss sie herum. Der Mann war mit einer schwarzen Ski Maske bedeckt. Über seinen Augen trug er eine getönte Brille. Er war sicher um die einen Meter neunzig groß und sehr breit und kräftig gebaut. Aus seiner Hosentasche holte er ein Tuch hervor und wischte Carly über ihr Kinn.
„Das Zeug verträgt nicht jeder. Fiese Mischung, was?“
„Was wollt ihr von uns?“ brüllte Carly ihn wütend an.
Er stieß ein Schnauben aus. „Erspare mir das, ja? Habt ihr wirklich geglaubt, ihr könntet euch einfach aus dem Staub machen? Das ihr euer Leben lang weg laufen könnt?“
„Nur weil sie das nicht mehr mitmachen wollte? Eure kranke... was auch immer Scheiße.“
Er packte sie hart am Kinn. „Nicht nur sie.“
Zwei weitere Männer traten ein. Carly musterte sie über die Schulter des ersten hinweg. Und sie erkannte an der Statur und dem Gang, dass der Linke von ihnen Landon sein musste. „Miese Ratte!“ brüllte sie ihn an. „Was soll das? Seit wann machst du mit solchen Bastarden gemeinsame Sache?“
Sie warfen sich einen Blick zu. Dann nickte der Rechte ihm zu. „Raus!“
„Aber...“
„Raus!“ herrschte der Rechte ihn an.
„Landon!“ brüllte Carly nun verzweifelt. „Warum? Was ...soll das alles?“
Der Linke hielt inne. Er hatte den Griff schon in der Hand. Der Rechte packte seinen Schlagstock und kam auf Carly zu. Er schlug ihn ihr so fest in den Magen, dass sie nach Luft schnappte. „Schnauze!“
Carly wurde schwarz vor Augen. Es dauerte eine Weile ehe sie sich wieder gefasst hatte. Als sie aufsah, war Landon verschwunden.
„Wollen wir mal anfangen“, knurrte der Mann, der neu dazu gekommen war. „Wie ist dein Name?“
„Fick dich“, keuchte sie und machte sich schon auf den nächsten Schlag gefasst.
Diesmal ging er in die Rippen. Carly schrie schmerzvoll auf. Er schlug sofort ein weiteres Mal zu. „Wie ist dein Name?“
Carly wimmerte. Bei allem, was sie in der Akademie gelernt hatte, gehörte das Gefangenen- Dasein nie dazu. Wozu auch? Sie hatte nie vor, in irgendwelche Krisengebiete zu reisen. So weit war sie nicht. Sie war doch erst siebzehn. Er schlug erneut zu. „Wie ist dein Name?“
„Carly“, brüllte sie wimmernd, ehe er erneut zuschlagen konnte.
Doch er schlug trotzdem ein weiteres Mal. „Nein! Wie ist dein Name?“
Carly ächzte vor Schmerzen. Tränen rannen über ihr Gesicht. Hätte ihr Vater doch nie von ihr verlangt, auf diese Akademie zu gehen. Sie würde ihre Abschlussprüfung machen und zu einem College gehen. Sie würde Sport an einer Hochschule machen und den Beruf ausüben, den sie sich immer erträumt hatte. Sie hätte nicht weg laufen müssen. Nein, vielleicht hätte sie sich auch mit der Akademie abgefunden, hätten sie Tate nicht weg geschickt. Und sie wäre niemals in solche Schwierigkeiten gekommen.
Und obwohl sie immer noch wütend war, bereute sie es nun, damals weg gelaufen zu sein. Vielleicht hätte sie auch auf Tate hören sollen, die Akademie über sich ergehen lassen und warten sollen. Der Mann schlug wieder mehrere Male auf sie ein. Carlys ganzer Körper schmerzte.
„Wie ist dein Name?“ brüllte er sie wieder an.
„Carly.“ wimmerte sie auf. „Carly Havering.“
„Nein!“ Er schlug erneut zu. „Wie ist dein Name?“
„Oh Gott...“, keuchte sie und kämpfte gegen starke Übelkeit an. Carly schüttelte den Kopf. „Was wollt ihr von mir?“
„Deinen Namen!“ „Carly Hav...“
„Nein.“ Er schlug erneut zu.
Wieder und wieder traf sie sein Schlagstock. So oft sie ihm ihren Namen nannte, er wollte ihn nicht hören, obwohl er immer und immer wieder danach fragte. Verzweiflung machte sich in Carly breit. Als sie sein Stock am Kopf traf, gingen ihr die Lichter aus. Und Carly beschlich eine grausame Gewissheit. Sie würde diesen Kellerraum nicht mehr lebend verlassen.
Heute
Erneut rückte sie ihren Blazer zurecht ehe sie klopfte. Trotz Schmerztablette pochten ihre Schläfen, ihre Augen fühlten sich schwer an. Doch sie hatte keine Zeit, ihrem Jetlag nachzugeben. Zu viel Arbeit wartete auf sie. „Herein“, rief eine tiefe Stimme.
Sie betrat sein großes Büro, das mit modernen Möbeln ausgestattet war und einen Blick über den Parkplatz der Anlage bot. Die Fensterfront zog sich über die gesamte Wand, während ihr Büro gerade mal zwei kleine Fenster hatte. Im Hintergrund sah sie, wie gerade ein Jet den Flugplatz anvisierte.
„Also, Agent Clark.“ Er klappte eine Akte zu und sah zu ihr auf. Sein grau meliertes Haar, das mal ganz braun gewesen war, lag ordentlich nach hinten frisiert. Sie lächelte müde. „Sie waren beim Frisör?“
Würden sie sich nicht so nahe stehen, könnte sie sich eine solche Frotzelei nicht erlauben. Er zog eine Braue hoch. „Was gibt es Neues aus Russland?“
„Das weiß ich erst, wenn mein Mann zurückkehrt.“
Er nickte. „Er ermittelt dort weiter?“
Sie verzog das Gesicht. „Kann man so sagen. Russland stellt sich quer.“
Er deutete auf den Stuhl, gegenüber von seinem Schreibtisch. „Setzt dich.“
Sie kam seiner Bitte nach, wenn man es so nennen konnte. Doch sie wusste, dass er sich in netten Floskeln nicht auskannte. Sie schlug die Beine übereinander und lehnte sich in den Stuhl zurück. „Wie sieht es in Bahrain aus?“
„Agent Yarbrough ermittelt. Derzeit gibt es keine Spuren.“
„Eventuelle Flucht nach Ägypten?“
„Möglich. Er hat bereits ein Team dort abgesandt.“ Nun beugte er sich vor. „Es ist nicht einfach, dich für ein vertrautes Gespräch zu bekommen.“
„In den nächsten zehn Tagen dürfte das anders aussehen.“
„Würde ich so nicht sagen. Lavoie kehrt morgen aus seinem Urlaub zurück.“
„Mach dir um ihn keine Sorgen.“
„Bist du sicher, dass du weiterhin ausreichend vertrauenswürdig bist?“
„Ich tue, was ich kann.“
„Dein Mann?“
„Hat keine Ahnung“ Sie lächelte kühl.
„Halt mich auf dem Laufenden, insoweit das möglich ist.“
Sie nickte. „Natürlich.“
„Hast du die Informationen übersandt?“
Sie nickte wieder und erhob sich. „Alles läuft nach Plan.“ „Gut.“
Gerade als sie zur Tür gehen wollte, setzte er erneut zu sprechen an. „Bist du wirklich bereit, diesen Schritt zu machen?“
Sie hielt inne. Dann warf sie einen Blick über die Schulter, ihr Ausdruck grimmig und entschlossen. „Ich habe seit Jahren auf diesen Moment gewartet.“
Er nickte mit einem etwas mitleidigen Gesicht. „Es wird ein herber Schlag für ihn sein. Er wird wissen, dass du es warst.“
„Das spielt keine Rolle.“
„Du glaubst nicht, wie hoch ich dir deine Tapferkeit anrechne.“
„Es ist nicht tapfer, Rache zu nehmen.“ Mit diesen Worten verließ sie sein Büro.
8 Jahre zuvor
Als Carly wieder zu Bewusstsein kam, hörte sie ein leises Geräusch. Doch es fiel ihr schwer, den Kopf zu heben, oder überhaupt die Augen zu öffnen. Ihr rechtes Lid war geschwollen und ihre Braue schien zu pochen. Als sie ihr Gesicht verzog, spürte sie etwas Klebriges im Gesicht, das getrocknet war.
„Psst, Carly“, flüsterte Amber nun.
Carly hustete. Langsam nur schaffte sie es, die Augen zu öffnen und nahm einen roten Schleier im rechten Auge wahr. Langsam dämmerte ihr, dass sie geblutet haben musste, wo er sie ins Gesicht geschlagen hatte. Amber sah entsetzlich aus, sicher schlimmer noch, als Carly selbst. Ihr Gesicht war an der rechten Seite blau und grün, auf der anderen Seite hatte sie eine böse Schürfwunde am Kinn. Amber sah Carly besorgt an. „Wie geht es dir?“
Carly schnaubte. „Wie es mir geht? Du bist... sie haben dich umgefahren.“
Carly spürte, dass ein Schluchzen ihre Kehle hinauf drang. Amber schüttelte den Kopf. „Nicht weinen... beruhige dich.“ Sie riss an ihren Ketten. „Hast du mitbekommen, wo sie uns hingebracht haben?“
Carly schüttelte den Kopf. Amber fluchte.
„Amber, was wollen die von uns?“ flüsterte Carly, mit einem Anflug von Panik in der Stimme.
„Ich hätte damit gerechnet, dass sie mich töten wollen. Aber warum sie auch dich mit geschleppt haben... da bin ich mir nicht sicher.“
„Sie haben mich nach meinem Namen gefragt?“
Amber riss die Augen auf. „Bitte nicht...deswegen.“
„Er hat mich geschlagen und...“
„Ist dir klar, dass sie deine Familie finden werden? Sie werden alle Druckmittel nutzen, um aus dir heraus zu bekommen, was ich dir erzählt habe. Und dann werden sie alle töten. Dich, mich, deine Familie, Freunde. Einfach alle.“
„Aber warum?“
„Sie haben vielleicht Sorge, dass meine Informationen zu weit verbreitet wurden. Und wenn sie herausgefunden haben, wo du her kommst, Carly...“ Amber hielt inne. „Hast du ihm davon erzählt?“
„Nein! Natürlich nicht.“
Amber atmete auf. „Gut so.“
Carly bekam erneut Panik. Was, wenn sie von dem Telefonat wussten und Tate mit rein gezogen wurde? Dann kam Carly ein anderer Gedanke. „Aber Landon...“
„Was.. wer?“
„Der Typ, der bei mir stand.“
Amber stieß den Atem aus. „Warte, du hast ihn gekannt?“
„Sonst wäre ich nicht mit ihm stehen geblieben und hätte mit ihm geredet. Für wie blöd hältst du mich?“
„Ja.“ Amber nickte. „Das macht Sinn. Ich habe dich schon für völlig bescheuert gehalten.“
„Wie nett von dir“, zischte Carly.
„Woher kennst du ihn?“ „Von der Akademie.“
Amber hielt inne. Als sie eine Weile nichts mehr sagte, sah Carly sie schief an. „Warum? Gehört er zu ihnen? Was hat er mit den Leuten zu schaffen? Oder arbeiten sie doch für die Regierung?“
Amber schnaubte höhnisch. „Glaub mir, mit der amerikanischen Regierung, hat das hier nichts zu tun.“
„Aber warum ist er dann bei ihnen?“
„Weil...“ Amber holte tief Luft. „Er ist einer wie ich.“
Carly runzelte die Stirn. „Was soll das heißen? Wie du?“
„Er wurde als Kind entführt, Carly.“
„Das ist unmöglich. Sein Vater arbeitet für die Regierung.“ „Richtig. Er hatte die nötigen Mittel, die Wanze einzuschleusen.“
„Die Wanze? Was redest du da?“
„Die unterlaufen die Regierung!“ fauchte Amber. „Verstehst du es wirklich nicht? Wir wurden ausgebildet, um zu töten. Und die, die uns ausgebildet haben, haben es auf das Ministerium der Vereinigten Staaten abgesehen.“
„Und was zu tun?“
„Was weiß ich denn? Um sie zu stürzen? Um sich zu rächen? Man hat uns bloß gesagt, wie beschissen die USA sind, womit sie Recht haben. Aber das rechtfertigt ihre Mittel nicht.“
„Warte...“ Carly schüttelte den Kopf. „Das heißt, Landon hat darauf hingearbeitet...“
„Er ist ein Doppelagent, Carly. Dazu wurde er ausgebildet. Es gibt zweierlei von uns. Es gibt die Rekruten und es gibt die Wanzen.“
„Re... das ist bescheuert!“
„Sag das mal denen.“ Amber rollte mit den Augen.
Dann schauderte Carly. „Ich war mal mit ihm zusammen... nein, ich hätte das mitbekommen, wenn er... nein, unmöglich. Außerdem ist er noch fast ein Kind. “
Amber schnaubte. „Was glaubst du, wie alt ich war, als sie mich ausgebildet haben? Du bist wirklich naiv.“
„Ja und du allwissend, oder wie?“
„Ok, ich erkläre dir, wie das läuft. Die Wanzen wurden in Familien der Aktivisten aufgenommen. Davon hast du doch sicher gehört?“
„Die Kinder, die aus Heimen verschwunden waren. Klar, wir haben schon Mal drüber gesprochen.“
„Ja, genau. Also, manche kamen in ein Lager, so wie ich. Man nennt uns Viper, wir sind so was, wie Schattenkrieger.“
Bei dem Wort Viper, wird Carly schwindelig. Es brannte sich in ihr Gedächtnis und hallte in ihrem Kopf wieder. Was für ein bescheuerter Begriff. Aber gleichermaßen auch erschreckend.
„Schattenkrieger, wie... Ninja?“
„Nenn es wie du willst. Jedenfalls“, Amber sah sich um, „gab es auch jene, die in diese Familien aufgenommen wurden. Sie wurden intern beschult und ausgebildet. Man hat eng mit Ärzten gearbeitet und sie wurden hypnotisiert.“
„Wozu?“
„Sie haben eine Art... Schizophrenie erschaffen.“
Carly blinzelte sie ungläubig an. „Eine gespaltene Persönlichkeit?“
„Es gab die Personen, die ein normales Familienleben führten, sie gingen zur Schule, hatten Freunde und wirkten völlig normal. Und die anderen Personen, die Viper in ihnen, wurden unter Hypnose zum Kampf ausgebildet, ebenso um zu töten. Loyale Maschinen, die den Aktivisten gehorsam leisten und sich irgendwann in die Regierung einschleichen. Doppelagenten, verstehst du? So wie dieser...dieser...“
„Landon.“
„Ja genau.“
„Aber er war völlig normal.“
„Richtig und das ist die Krux der Geschichte. Er wurde aktiviert.“
„Was? Oh bitte, Amber...“
„Das war Teil der Hypnose. Nur so, konnten sie ihre Wanzen authentisch einschleusen. Und er wusste es selbst nicht, bis das Codewort gesagt wird und zack“, Ambers Augen leuchteten, als sie Carly davon erzählte, „dann sind sie nicht mehr die lieben und netten Menschen, die man vorher gekannt hat. Es sind Killermaschinen. Und dieser Typ, den du als Landon gekannt hast, vergesse ihn. Er existiert nicht mehr.“
„Blödsinn...“
„Landon ist tot, Carly. Sein Geist ist gestorben, als sie das Codewort in sein Ohr geflüstert haben.“
Carly sah Amber fassungslos an und spürte kaum, wie sie unaufhörlich den Kopf schüttelte. Tat sie das schon die ganze Zeit? Das was Amber ihr da erzählte, klang eher wie eine Story aus einem Actionroman. Oder einem Krimi. Es klang völlig unlogisch, und doch irgendwie auch beängstigend real. Was, wenn Amber recht hatte? Was, wenn es wirklich so eine Art psychotische, schizophrene Art Killermaschinen gab? Was, wenn sie recht hatte und Landon einer davon war? War das möglich?
Heute
Das Jod brannte auf seiner Haut. Aber klang es seltsam, dass er das Gefühl hatte, sich daran zu gewöhnen?
„Brewster.“ Dale kam mit einem breiten Grinsen durch den Vorhang, der die Behandlungskabine abschirmte, herein gestampft. Er musterte Tate amüsiert.
„Du hast echt ein Faible für scharfe Geschosse, was?“ „Leck mich.“
„Ja, ja.“ Dale reckte seine Arme und setzte sich auf einen Stuhl, der neben der Liege stand. „Ich habe vergessen dir Blümchen mitzubringen. Sei mir nicht böse, ja?“
Tate schnaubte. „Bist du gekommen, um mich aufzuziehen? Schenk dir das.“
„Hey.“ Dale lachte. „Wer will denn gleich so grimmig sein? Du hast Blanche echt den Arsch gerettet.“ Er hustete. „Auch wenn sie es nicht zugeben würde.“
„Wie geht es ihr?“
„Sie ist etwas... nun ja.“ Dale verzog das Gesicht. „Angepisst.“
„Angepisst?“
„Sie ist der Überzeugung, sie hätte das alleine hinbekommen.“
Tate schüttelte den Kopf. Das sah Blanche ähnlich. Sie hatte sich nie gerne etwas sagen lassen, geschweige denn, dass sie je um Hilfe bitten würde. Stures Frauenzimmer. Seit sie vor einem Jahr beim FBI angefangen hatte, trieb sie Tate regelmäßig zur Verzweiflung. Dale grinste. „Sie ist immer noch sauer, was?“
Tate schnaubte. „Ich habe ihr nie versprochen, der Mann für den Rest ihres Lebens zu sein.“
„Ja, aber weißt du, so sind Frauen eben.“ Dale zuckte die Schultern. „Ich hab dir ja gesagt, es ist eine miese Idee sich mit jemandem einzulassen, mit dem man arbeitet. Egal welche Regeln man vorher fest steckt. Und ganz besonders, wenn man, nun ja, nicht gewillt ist, sich auf eine Beziehung einzulassen.“
„Und dieser Ratschlag, von einem alten Hasen wie dir.“ Tate sah ihn schnaubend an und musste doch schmunzeln.
Dale arbeitete mit seinen fünfunddreißig Jahren schon eine ganze Weile beim FBI. Er hatte wirklich reichlich Erfahrungen. Nicht nur beruflich, sondern auch mit Frauen.
„Tja, das lässt sich eben nicht leicht trennen. Deswegen hat mein Partner damals gewechselt.“
Dale hatte Tate schon oft von seinem Fehltritt erzählt, welcher der Gleiche war, wie der, den auch Tate mit Blanche gemacht hatte. Er hätte sich nie darauf einlassen dürfen.
„Naja, zumindest sind wir dem Kartell einen Schritt näher gekommen.“
„Hat man sie schon verhört?“
Dale rümpfte die Nase. „Ja. War aber bisher weniger informativ als gehofft.“
Tate schnaubte und rutschte von der Liege. Vorsichtig zog er ein frisches T-Shirt an. „Ist sie auch noch hier?“
Dale sagte einen Moment nichts. Dann zuckte er die Schultern. „Wie gesagt, sie war etwas angepisst.“
„Versteh“, grunzte Tate und nickte seinem Kollegen und Freund zu. „Lass uns verschwinden.“
Dale fuhr Tate nach Hause. Als sie seine idyllisch wirkende Wohnung, in einem Zweifamilienhaus erreichten, begleitete Dale Tate noch hinein. Er ließ sich im Wohnzimmer auf die Couch sinken und sah sich in dem leicht chaotischen Raum um. Auf dem Schreibtisch, der gleich am Fenster stand, lagen Stapelweise Akten, Ordner und andere Papiere. Über dem Bürostuhl hingen Jacken und ein Pullover und auch auf der Couch hatten sich ein paar Kleidungsteile verirrt.
„Sag mal, hast du mal über eine Haushälterin nachgedacht?“ Dale sah Tate grinsend an.
Dieser schnaubte. „Damit sie in meinen Unterlagen herum wühlen kann?“
„Du brauchst ein Arbeitszimmer.“
„Nein, ich brauche ein Zimmer zum Pokern und Billard spielen.“
„Typisch Junggeselle.“ Dale grunzte. „Dann schaff dir eine Frau an, die das für dich erledigt.“
Tate schüttelte den Kopf. „Nein, danke.“
„Lass dich jetzt von dem Theater mit Blanche nicht unter kriegen. Die bekommt sich schon wieder ein.“
„Glaubst du allen Ernstes, sie wäre die typische Hausfrau, die einem die Sachen hinterher räumt?“ Tate warf ihm einen ironischen Blick zu.
Dale begann zu lachen. „Nein, stimmt. Sie würde sie dir nach werfen und schimpfen, bis du es selbst tust. Aber vielleicht brauchst du das ja auch.“
„Sicher“, grunzte Tate und holte Getränke aus der Küche, ehe er sich dazu setzte. „Wie dem auch sei. Das ist vorbei.“
Dale nickte. Als er Tate nun wieder ansah, hatte er einen seltsamen Ausdruck im Gesicht. „Hör mal, ich weiß, wie das ist. Bei mir ist das damals auch schief gegangen. Aber ich war ein Idiot, weißt du? Sie war eine tolle Frau.“
„Willst du mir grade eine Beziehung mit Blanche schmackhaft machen?“ Tate sah ihn schief an.
Dale seufzte schwer. „Blanche hat wirklich viel für dich übrig und ich weiß, dass sie dir auch nicht gänzlich egal ist. Du magst die Kleine, aber du hast Angst davor.“
„Dale, nicht wieder diese Leier.“ Tate winkte genervt ab.
„Tate.“ Dale stützte sich mit den Ellenbogen auf seine Knie. „Ich weiß, du willst nicht drüber reden, aber meinst du nicht, du müsstest die Vergangenheit mal ruhen lassen und dem Ganzen eine neue Chance geben?“
„Mit Blanche? Schlechte Idee.“
„Ich sehe doch, wie mies du drauf bist, wenn sie mit anderen Männern ausgeht. Und ich sehe, dass es dir nicht gefällt, wenn sie mit Siljan Quatsch macht.“
Tate brummte. Da hatte Dale leider recht. Tate würde es nie offen zugeben und hatte sich immer bemüht, sich genau das nicht anmerken zu lassen. Doch Dale war ein guter Beobachter, er konnte es vor ihm nicht verheimlichen. Tate schüttelte den Kopf. „Ich würde ihr bloß das Herz brechen.“
So wie er es schon Mal getan hatte. Nicht nur ihr, sondern auch sich selbst. Es war acht Jahre her, seit Carly verschwunden war. Tate hatte seit dem nie wieder etwas von ihr gehört. Er wusste, dass Avery überall nach ihr suchte, diese Suche jedoch erfolglos war. Und das hatte ihn zur Verzweiflung getrieben. Ebenso wie Tate.
Tate war viele Jahre wütend auf sich selbst gewesen. Als sie ihn damals anrief, während sie auf der Flucht war, war das für Tate völlig unerwartet gewesen. Und er wünschte sich, das Gespräch wäre anders verlaufen. Hätte er ihr bloß nicht gesagt, dass sie warten sollte. Dass sie zurückgehen sollte. Nun war sie seit acht Jahren verschwunden. Und Tate war das Gefühl nie losgeworden, mit Schuld daran zu sein. Er hatte sie im Stich gelassen, so wie er es schon mal getan hatte. Alles was er mitbekommen hatte war, dass Carly mit einer Frau unterwegs war, die als Gefährlich eingestuft wurde, weil man sie eines Mordes verdächtigte.
Carly musste ordentlich in der Scheiße gesteckt haben. Er fluchte innerlich. Hätte er doch damals seine verfluchte Klappe gehalten. Avery hatte sich danach zurückgezogen, selbst von seinem Vater Conleth, der viele Jahre sein bester Freund war. Auch dafür gab sich Tate die Schuld. Dale sah Tate seufzend an. „Tate, du musst das los lassen. Ich weiß, du willst auch nicht drüber reden...“
„Dann lassen wir das auch, ja?“ Tate stand auf.
Dale sah ihm eine Weile dabei zu, wie er begann seinen Schreibtisch zu sortieren. „Du musst sie echt gerne gehabt haben.“
„Dale.“ „Tate, es bringt nichts, sich daran fest zu klammern.“
„Ich will dir jetzt mal was sagen.“ Tate fuhr zu ihm herum, er haderte mit sich, dann schnaubte er. „Vielleicht verteilst du deine neunmalklugen Ratschläge erst dann, wenn du dein eigenes Liebesleben auf die Reihe bekommst.“
Dale schnaubte. Dann stand er nickend auf. „Ja, da hast du vielleicht recht.“
Tate fuhr mit einer Hand über seine Stirn, dann seufzte er. „Mann... scheiße, so hab ich...“
„Doch, genauso hast du das gemeint.“ Dale klopfte ihm auf die gesunde Schulter. „Ruh dich aus, Junge. Übermorgen musst du wieder fit sein.“
Tate grunzte. Nun hatte er ein schlechtes Gewissen. „Tut mir leid“, stieß er schließlich hervor.
Dale nickte. „Schon in Ordnung. Du hast recht.“ Dale zuckte die Schultern und grinste.
Tate kannte ihn lange genug, um zu wissen, dass Dale irgendetwas vorhatte. Dale verabschiedete sich. Doch ehe er ganz zur Tür hinaus war, sah er Tate noch mal an. „Steht der Pokerabend noch?“
„Klar.“
„Dann bis heute Abend.“
Tate nickte und sah Dale dabei zu, wie er zu seinem Wagen ging. Wieder schämte er sich dafür, dass er Dale so angefahren hatte. Es war nicht fair, ihm sein eigenes Unglück, in Sachen Liebe, vorzuhalten. Dale hatte bereits eine Scheidung hinter sich, und seine Ex Frau ließ ihn seine Kinder nur ein Wochenende im Monat sehen, da Dale einen zu gefährlichen Job ausübte, was totaler Quatsch war. Tate hatte Dale mit seinen Kindern gesehen. Er war ein großartiger Vater.
Seine spätere Freundin hatte ihn völlig über den Tisch gezogen. Und fortan führte Dale nur lockere Beziehungen, was Tate gut nachvollziehen konnte. Und genau so hatte Tate ihn kennen gelernt, als er vor drei Jahren zum FBI gekommen war. Wenn sie am Abend Poker spielten, würde er noch mal in Ruhe das Gespräch zu ihm suchen und hoffen, dass er seine aufrichtige Entschuldigung annahm.
8 Jahre zuvor
Als sich die Tür zu dem dunklen Kellerraum öffnete, bekam Carly einen trockenen Mund. Sie würden mit der Folter weiter machen, da war sie sich sicher. Es sei denn, sie hatten ihre Familie bereits ausfindig gemacht. Hoffentlich war ihr Vater im Ausland unterwegs. Hoffentlich würden sie ihn nicht finden. Carly stieß ein Gebet zum Himmel, obwohl sie zuvor nie gläubig gewesen war.
Drei maskierte Männer traten ein. Einer von ihnen, er trug eine blaue Ski Maske, ging auf Amber zu und riss ihren Kopf an den Haaren zurück. „War eine ziemlich schlechte Idee von dir, dich abzusetzen.“
„Lasst sie gehen“, keuchte Amber und kämpfte sichtlich gegen den Schmerz an.
Er schlug ihr ins Gesicht und lachte. „Ich finde deine Freundin ziemlich amüsant. Außerdem scheinen die Bosse noch was mit ihr vorzuhaben.“
Nun nickte er einem der anderen beiden zu, der bedeutend breiter war, als der andere. Dieser ging nun auf Carly zu und schlug ihr heftig in den Bauch. Amber rotze dem Mann mit der blauen Maske ins Gesicht. „Lasst sie gehen!“
„Du stellst hier nicht die Forderungen.“ Er schlug ihr mit der Faust ins Gesicht.
Dann holte er etwas aus seiner Tasche, ein Tuch, und stopfte es Amber in den Mund.
„Wie ist dein Name?“ fragte der Breitere Carly nun wieder. Calry runzelte keuchend die Stirn. „Das habe ich euch schon gesagt.“
„Es war aber falsch.“
„Nein! Mein Name ist Carly Havering...“
Er schlug ihr wieder ins Gesicht. Amber brüllte wütend, doch durch den Stoff, der in ihrem Mund war, konnte man sie nicht verstehen. Sie versuchte gegen ihre Ketten anzukämpfen und kassierte ebenfalls wieder einen Schlag. „Wie ist dein Name?“
„Carly!“ Carly trat ihm gegen die Brust.
Diesmal schlug er ihr so feste ins Gesicht, dass ihr Kiefer knackte. Amber stieß einen Schrei aus. Dann schlug er erneut zu. Plötzlich hob der Dritte die Hand.
„Das reicht.“
„Der Boss...“
„Es reicht, habe ich gesagt.“ Langsam kam er auf Carly zu. Carly konnte seine Augen nicht sehen, auch er trug eine getönte Brille.
„Wie ist dein Name? Und ich meine, dein richtiger Name?“ fragte er Carly ruhig.
Carly schüttelte den Kopf und spürte, wie Blut aus ihrer Nase und ihrem Mund tropfte. „Ich habe es doch schon gesagt.“
„Nein. Erinnere dich, Carly.“ Er trat näher an sie heran. Die Art wie er ihren Namen aussprach, ließ sie schaudern. Es klang viel zu vertraut. Er hatte nicht das Recht dazu. Carly wurde wütend und riss an ihren Ketten, doch ihre Schultern schmerzten. Langsam beugte er sich zu ihr vor. „Nenn mir deinen Namen, Viper.“
Carly hielt ganz still. Dann drang ihr etwas ins Gedächtnis, wie eine Erinnerung durch Nebelschwaden. Das hatte auch Landon zu ihr gesagt. Kurz bevor sie ohnmächtig wurde. Du hättest deinen Job machen sollen, 28. Der Mann atmete schwer, seine Stimme war leise.
„Nenn mir deinen Namen.“
„28?“ flüsterte Carly.
Das ergab keinen Sinn. War Amber mit jemanden zusammen geflohen und sie verwechselten sie nun? Er legte langsam den Kopf schräg. „Dvadtsat´ vosem´.“
Ihre Schläfen pochten heftig. Carly schüttelte den Kopf, wieder und wieder. Seltsame Worte, die sie nie zuvor gehört hatte. Oder doch? Es war, als würde die Sonne durch dicke Nebelschwaden scheinen. Ihr Kopf summte laut. Ihre Ohren schmerzten.
„Zmija“, knurrte der andere nun. „Sag es!“
In ihren Ohren summten Worte, in Sprachen, die sie nie wirklich gesprochen hatte. Worte, Bilder, Erinnerungen. Carly schüttelte den Kopf. „Poshel na khuy!“
Der breitere trat an sie heran. „Sag das noch Mal, du Schlampe!“
Carly sah ihm ausdruckslos entgegen, es war als hätte man einen Schalter umgelegt. Dann lächelte sie ihm kalt entgegen. „Fick dich!“
Sie hob ihr Gewicht an die Ketten hoch und schlang rasend schnell ihre Beine um seinen Hals. Doch ehe sie ihm das Genick brechen konnte, riss sie der andere zurück. Er drückte etwas in ihre Flanke und sie jaulte zuckend auf. Strom stieß durch ihren Körper. Noch als er von ihr ab ließ, zuckte ihr Körper heftig. Sie keuchte atemlos, Schweiß bildete sich auf ihrer Stirn. Als sie sich wieder gefangen hatte, spuckte sie ihnen entgegen. „Otvali!“
Der größere der beiden Männer, dem Carly gerade gesagt hatte, dass er sich verpissen solle, wurde rot vor Wut. „Khuker, du Nutte! Ich bring dich...“
„Halt!“ Der andere Mann hielt ihn zurück, als der Größere auf Carly einprügeln wollte. Dann sah er zu Carly und zog seine Maske und die Brille ab.
Carly kämpfte gegen Kopfschmerzen und die Nachwehen des Stromschockers an. Dann schüttelte sie wieder den Kopf. Sie musste sich irren. Das musste ein Alptraum sein. Oder halluzinierte sie? Das hier konnte nicht wahr sein. Es war viel zu surreal. Es passte nicht in ihren Kopf, das was gerade passierte und das was war. Ambers Worte hallten in ihrem Kopf wieder. Das, was sie ihr zuvor über die vermissten Kinder erzählt hatte. Über die zweierlei Sorten Soldaten, die von Kindesbeinen an ausgebildet wurden. Die Rekruten und die Wanzen, jene, die unter Hypnose in Familien aufgezogen und ausgebildet wurden, um sich in das Militär und die Regierung einzuschleichen. Sie keuchte heftig, kämpfte gegen Tränen an. „Du mieser Bastard! Du mieses Stück Dreck! Lügner!“
Avery ging langsam auf sie zu, sein Gesicht eine Mischung aus Mitleid und Schuldgefühlen. Er verzog die Lippen und konnte Carly kaum ansehen, als er zu seinen Verbündeten sprach. „Viper 28 ist aktiviert.“
Heute
Es klingelte erneut. Gage riss die Tür auf und lachte, als Tate ein Sixpack Bier in seiner Hand hoch hielt. „Ist das alles, was du tragen kannst, du fauler Sack?“
„Ach weißt du.“ Tate verzog gespielt leidend das Gesicht. „Meine Schulter tut ganz schön weh.“
„Ja, ja.“ Gage gab ihm den Weg frei und klopfte Tate leicht auf den Rücken, als er eingetreten war. „Wie geht’s dir?“ „Morgen bin ich wieder fit.“
„Morgen schon? Mann, willst du dich nicht mal schonen?“
Tate lachte schnaubend. „Schonen, na klar.“
Gage schüttelte den Kopf. „Jetzt mal im Ernst, Tate.“
„Gage, spar dir das. Wie lange kennst du den sturen Köter jetzt schon?“ hörte Tate Amaury sagen, als er aus dem Bad in den Flur kam. „Das weiß ich sogar schon nach drei Jahren. Dem kann man sagen, was man will.“
Tate deutete mit dem Daumen auf Amaury. „Hör auf ihn.“
Gage grunzte entnervt. Amaury gab Tate die Hand. „Wie geht’s deiner Schulter?“
„Wird schon.“
Gemeinsam gingen sie in die Küche, wo bereits alles vorbereitet auf dem Tisch stand. Die anderen, die sich bereits eingefunden hatten, standen auf der Terrasse. Tate warf einen Blick durch die Tür. Dann schüttelte er den Kopf. „Ist das euer Ernst? Ihr habt wirklich noch den Grill angeworfen?“
Siljan lachte, als er herein kam. Er hatte eine Schürze umgebunden. „Als würdest du kein Steak wollen.“
„Ihr seid doch völlig bescheuert.“ Tate räumte das Sixpack in den Kühlschrank ein und nahm sich eine bereits gekühlte Flasche heraus. Dabei entdeckte er eine Flasche Rum. „Gareth, du alter Säufer.“ rief Tate zur Terrasse hinaus.
„Nur weil ihr morgen Dienst habt“, rief Gareth von der Terrasse aus zurück. Siljan holte sich eine Porzellanplatte aus dem Schrank. „Die Steaks sind ganz frisch.“
„Wenn du mir jetzt noch sagst, ihr hättet das Vieh im Garten geschlachtet...“
„Ja, wir haben Schussübungen gemacht.“ Siljan boxte ihm auf die Schulter und schien ganz vergessen zu haben, dass Tate gerade erst im Krankenhaus war.
Tate verzog das Gesicht. „Ah... scheiße!“
„Oh f.. sorry.“
„Verzieh dich, ehe ich dich ebenfalls zu Frischfleisch verarbeite“, brummte Tate.
Siljan lachte und machte sich schnell aus dem Staub. Gage räumte einige leere Kartons und Verpackungen in den Mülleimer. Tate grinste. „Was ist, hängt der Haussegen schief?“
Gage rollte mit den Augen. „Hör mir bloß auf. Ich sag dir, schaff dir ne Frau an und du...“
„Na, na“, tadelte Gareth, als er herein kam. „Sei froh, dass du so eine tolle Frau hast, Junge. Viele Männer würden sich um das reißen, was du hast.“
Gage stöhnte. „Ich weiß ja. Und, Gott ich liebe sie, aber im Moment ist es echt nicht einfach.“
„Ich hab dir gesagt, pack dich warm ein, wenn die Hormonbombe explodiert.“ Gareth, der selbst dreifacher Vater und Ehemann war, musste lachen.
„Pssstt“, machte Gage schnell, als er im Flur die Treppen knarzen hörte.
Aleah lächelte und streckte den Arm aus, als sie Tate beim Hereinkommen sah. „Tate.“
„Hi, wow.“ Tate grinste und bewunderte Aleah staunend. „Du siehst umwerfend aus.“
Sie schnaubte und stieß ein sarkastisches Lachen aus, als sie ihre Hand auf ihre riesige Kugel legte. „Danke. Aber weißt du, wenn dein Bauch schon so groß ist, dass du dir die Schuhe nicht mehr selbst zu machen kannst, fühlst du dich nicht mehr so umwerfend. Eher umgeworfen oder... fast fallend, vornüber.“
Tate lachte. „Doch, du siehst wunderschön aus.“
Er gab ihr einen Kuss auf die Wange. Dann warf Aleah Gage einen Blick zu. „Wärst du so lieb, mir die Tasche ins Auto zu bringen?“
„Natürlich.“ Im Vorbeigehen gab er seiner Frau einen liebevollen Kuss auf die Stirn und streichelte behutsam über ihren Bauch.
„Ups.“ Aleah lachte.
„Wow.“ Gage legte seine Hand erneut auf ihren Bauch und seufzte lachend. „Warum wundert es mich nicht, dass unsere Zwerge schon jetzt wilde Karate Moves machen?“
„Vielleicht, weil ihr Papa genauso ein wilder Wirbelwind war, wie sie?“
„Jetzt bin ich es also wieder Schuld, ja?“
Tate beobachtete, wie sie sich wieder neckten. Doch es war genauso, wie das Sprichwort sagte: Was sich neckte, das liebte sich. Und das konnte man bei Aleah und Gage nun schon seit fast neun Jahren immer wieder beobachten. Tate beneidete seinen besten Freund etwas um sein Glück. Er und Aleah hatten alles richtig gemacht. Sie machten die Akademie, eine Ausbildung bei der Polizei, zogen zusammen, machten weitere Ausbildungen, arbeiteten sich hoch und kauften ein Haus. Letzteres war erst ein Jahr her. Nur kurz darauf wurde Aleah schwanger. Tate fragte sich, ob es bei ihm ähnlich aussähe, wären er und Carly...
„Tate?“ Aleah sah ihn stirnrunzelnd an.
Tate schüttelte den Kopf. Er war scheinbar völlig in seine Gedanken abgedriftet. Sie schürzte besorgt die Lippen. „Dale hat mir erzählt, dass du angeschossen wurdest.“
„Ja.“ Tate rümpfte die Nase. „Ja, aber das geht schon.“
„Und wie geht es Blanche?“
Gareth hustete um sein Lachen zu kaschieren.
„Sie ist scheinbar etwas beleidigt.“ Tate lehnte sich seufzend an die Küchenablage. „Du kennst sie ja. Sie hätte das alles alleine hinbekommen.“
„Ich hoffe dir ist klar, woran das liegt.“ Aleah lüpfte eine Braue.
Sie und Blanche verstanden sich sofort super, seit Blanche ebenfalls im FBI angefangen hatten. Sie hatten sich bei der Einweihung vom Haus kennen gelernt, wozu Gage beinahe das ganze Revier eingeladen hatte. Aleah hatte im Gegensatz zu Gage bei der Gerichtsmedizin angefangen, worüber Gage, besonders jetzt, ziemlich erleichtert war.
Tate zuckte die Schultern. „Möglich.“
Er trank an seinem Bier. Dann sah er zur Tür auf, als Dale von der Terrasse aus dazu stieß.
„Das Essen ist fast fertig. Wow, Aleah.“
„Hi, Dale.“ Aleah begrüßte ihn ebenfalls mit einer Umarmung. Dale lächelte.
„Und? Wie geht es euch?“
„Tja, ich glaube, die zwei werden ungeduldig. Ich schätze, sie kommen vor dem errechnetem Termin.“
„Wie lange wäre das?“
„Acht Wochen.“
Dale grinste. „Wenn sie was von ihrem Dad haben, gebe ich ihnen noch vier.“
„Ja, sehr witzig“, brummte Gage, als er zurück in die Küche schlenderte. „Ich bin nicht ungeduldig. Ich bin voller Tatendrang, das ist alles.“
Aleah kicherte. „Genau.“ Sie gab Gage einen liebevollen Kuss. „Viel Spaß euch.“
„Ja, danke. Grüß mir deine Mom. Ruf an, wenn du da bist. Nein, vielleicht meldest du dich schon, wenn du aus DC raus bist und dann vor King George noch mal...“
„Gage.“ Aleah sah ihn genervt an. „Ich fahre bloß Auto.“
Gage schnaubte und legte seine beiden Hände auf ihren Bauch. „Pass auf euch auf.“
„Mach ich.“
Noch mal küssten sie sich, dann verabschiedete sich Aleah von dem Rest der Gäste. Gareth gluckste, kaum dass sie weg war und begann Gage aufzuziehen. „Was ist eigentlich, wenn sie die Zwillinge kurz hinter Virginia bekommt?“
„Halt die Klappe“, murrte ihn Gage an.
Gareth lachte. „Gut, dass sie nicht nach Mexiko reist. Wie würdest du die zwei dann nennen wollen? Juanita und Gael? Oh, oder warte...“
Gage schlug ihm auf die Brust. „Du sollst die Klappe halten!“
„Bringst du deinem Sohn auch bei, zu boxen wie ein Mädchen?“ „Arsch...“
„Hey, jetzt hört auf ihr zwei.“ Dale lachte und schob Gareth nach draußen. „Geh und sieh nach dem Fleisch.“
Tate schüttelte amüsiert den Kopf. Gage folgte Gareth auf die Terrasse, so dass Dale und Tate alleine in der Küche zurück blieben. Dale lehnte sich an die andere Seite, der L- geformten Küchenzeile und sah Tate musternd an. „Geht´s dir besser?“
„Mir ging es nie schlecht.“ Tate zuckte die Schultern. Dabei verspürte er ein unangenehmes Ziepen in der verletzten Schulter. Langsam ließ die Wirkung der Betäubung nach. Tate rümpfte die Nase.
„Naja, außer...“ Er sah Dale entgegen. „Es tut mir leid, was ich dir heute Mittag an den Kopf geworfen habe.“
„Nein. Du hattest recht.“ Dale nickte entschieden. „Ich sollte dir mit meinem Lebensstil keine Beziehungsratschläge erteilen. Ich bin nicht der richtige Ansprechpartner für solche Dinge. Aber ich bin ein guter Beobachter. Und ich sehe, wie du sie beobachtest.“ Er nickte über die Schulter. „Gage und Aleah. Und ich sehe, dass es dich oft sehr nachdenklich macht. Sag mir, wenn ich falsch liege, aber ich glaube du hast eigentlich die Schnauze voll davon, alleine zu sein. Du hast nur nicht den Mut, dich drauf einzulassen.“
Tate schürzte die Lippen. „Ich will sie nicht... noch mehr verletzen.“
„Und dafür nimmst du in Kauf, alleine zu bleiben? Weil du jemanden verletzen könntest?“ Dale schüttelte den Kopf. „Das ist Unfug, Junge. Du und auch Blanche, könntet umso glücklicher sein, wenn du euch nur eine Chance gibst.“
„Ich habe sogar jemanden verletzt, den ich wirklich viele Jahre geliebt habe, Dale. Aber ich habe sie enttäuscht und das nicht nur ein Mal. Ich habe sie im Stich gelassen.“
Dale nickte nachdenklich. Es war das erste Mal, das Tate überhaupt darüber redete. Selbst Siljan, Gage und Aleah, hatten es längst aufgegeben. Weder Gage, noch Siljan redeten über sie, und das schon seit Jahren nicht mehr. Nur Aleah schwelgte hin und wieder in Erinnerungen und überlegte, was wäre wenn. Doch Fragen wie, was wäre, wenn Tate und Carly noch zusammen wären, verkniff sie sich. Überlegungen, ob sie zu dieser Zeit vielleicht gemeinsam Babysachen suchten, oder eine Babyparty machten.
Carly würde sich für ihre Freundin freuen, wenn sie wüsste, was sich in ihrem Leben schon alles ereignet hatte. Dass sie und Gage geheiratet hatten, ein Haus kauften und nun Zwillinge erwarteten.
„Alles was du tun kannst, ist, nach vorne zu blicken“, murmelte Dale nun. „Mach dich nicht dein Leben lang unglücklich, wegen eines Fehlers, den du viel zu früh gemacht hast.“
Tate nickte und verzog dabei den Mund. „Ich hätte für sie da sein müssen.“
Siljan räusperte sich, als er langsam eintrat. „Ich... wollte bloß Besteck holen.“
Tate nickte. Siljan ging an die Schublade. Als er alles hatte, verharrte er einen Moment. Seine Finger schlossen sich fester um das Besteck in seiner Hand, ehe er zu Tate aufsah und den Kopf schüttelte. „Es ist nicht deine Schuld, dass sie verschwunden ist, Tate.“
Tate schnaubte. Früher hatte er an genau dieser Stelle der Gespräche die Flucht ergriffen. War wütend geworden und hatte die anderen zum Teufel gejagt. Doch diesmal kratzte er sich bloß am Kopf und atmete tief durch. „Sie hat mich angerufen, Siljan.“
Siljan sah ihn schief an. „Was... wann?“
„Einige Tage nachdem sie verschwunden war. Sie hat herausgefunden, wo ich bin und dort angerufen.“ Tate schüttelte den Kopf. „Wir haben uns gestritten. Und dann hat sie Lebewohl gesagt.“
Tates Stimme wurde heißer. Siljan atmete tief durch. „Sie ist wegen ihrem Vater weg gelaufen.“
„Sie wollte zu mir kommen“, murmelte Tate nun und sah Siljan in die Augen. „Sie war auf dem Weg nach Quantico.“ Siljan sah ihn entrüstet an. „Aber?“
„Ich habe ihr gesagt, sie solle zurückgehen und die Akademie vernünftig beenden. Dann würde alles gut und...sie weigerte sich. Sie hat sich verabschiedet und aufgelegt.“
„Uff.“ Siljan stieß den Atem aus. „Das ist kacke.“
„Ist es“, mischte sich Dale wieder ein. „Aber deswegen ist es nicht deine Schuld. Tate, das ist viele Jahre her. Außerdem hast du richtig gehandelt. Und du musst damit jetzt abschließen. Lass dir so eine Chance, wie die mit Blanche, nicht entgehen.“ Er stieß sich von der Küchenablage ab. „Wir sind Idioten. Blinde Hornochsen.“ Nun musste er lachen. „Ergreife die Chance, endlich wieder glücklich zu werden.“
Tate runzelte nicht als einziger die Stirn.
„Alter, was stimmt im Moment eigentlich nicht mit dir?“ Siljan musterte Dale.
Dann fiel es Tate wie Schuppen von den Augen. „Du hast jemanden kennen gelernt.“
Dale grinste. „Eigentlich kenne ich sie schon seit dem Collage. Aber wir haben uns lange aus den Augen verloren, bis sie vor drei Monaten in die Stadt zog und mich kontaktierte.“
„Und?“ hakte Siljan nach.
Dale grinste breiter. „Tja, jetzt sehen wir uns öfter. Und ich ahnte damals schon, dass ich mich für sie, statt für meine Ehefrau hätte entscheiden sollen.“ Er zwinkerte Tate zu. „Aber seit heute Mittag bin ich mir sicher.“
Tate nickte zufrieden und hob sein Bier. „Ein Hoch auf die Erleuchtungen des Lebens.“
Dale lachte als er anstieß. „Wahre Worte, Junge.“
8 Jahre zuvor
Sie kauerte in einer Ecke, mit nichts, als einer Hose und einem Top, das sie ihr gelassen hatten. Ihre Arme waren bleiern schwer und schmerzten. Sie konnte sie kaum bewegen, selbst zum Essen und Trinken nicht. Ihre Schultern fühlten sich an wie ausgekugelt. Ihre Lippen waren trocken und rau. Sie konnte nur durch den Mund atmen, ihre Nase war gebrochen. Carly hatte ihren Kopf an die kühle Wand gelehnt, stumme Tränen rannen über ihr Gesicht. Ihr Innerstes fühlte sich leer und hohl an. Seltsam kalt und dumpf. Ihr Kopf versuchte sich noch durch den Nebel der Bilder und Erinnerungen zu kämpfen.
Es war, als hätte sie im Koma gelegen und wäre jetzt aufgewacht. Und sie konnte Traum von Realität nicht unterscheiden. Was war wahr, was nicht? Carly. Sie wusste nichts. Wer war sie überhaupt in Wirklichkeit? Ihre Schläfen pochten. Carly. Sie schloss die Augen. Hatte sie je eine Kindheit? Hatte sie je einen richtigen Namen? Carly? Hatte sie ein hübsches Kinderzimmer mit einem Hochbett? Hatte sie eine Wand, an der sich ein Bild, gemalt von ihr und ihrer Mutter, befand? In einem hübschen Haus mit Garten?
Carly! Hatte sie überhaupt eine Mutter? Sie erinnerte sich an das Gefühl von Dreck unter ihren Fingernägeln. An den Geruch von alten Pappkartons, die sie einigermaßen warm hielten. An den Geschmack von alten, harten Brötchen auf ihrer Zunge.
„28!“ Carly öffnete müde die Augen.
Amber kniete sich vor sie. „Wie geht es deinen Armen?“
Carly sah sie ausdruckslos an. Amber schnaubte. „Du musst essen.“
Essen. Bei dem Gedanken wurde sie wütend. Sie wusste nicht mal warum. Sie war auf alles und jeden wütend. Sogar auf Amber, obwohl diese nichts dafür konnte, dass man Carly damals in eine solche Familie gegeben hatte, die ihr ein heiles Familienleben vorgegaukelt hatten. Doch für Carly hatte sich einiges erklärt. Warum sie so unbedingt in die Akademie sollte. Warum sie sich von Tate fern halten sollte. Sie hätte ihren Job nicht ausführen können. Carly schüttelte den Kopf. All diese Erinnerungen hämmerten auf ihren Kopf ein wie eine Migräne. Amber riss ein Stück von dem Brot ab und führte es Carly an den Mund. Doch Carly drehte bloß den Kopf weg.
„Du musst essen!“ flüsterte Amber eindringlich. „Komm schon, Carly, bitte.“
Nun sah Carly Amber böse an. „Ich bin nicht Carly!“
Amber hielt inne und schüttelte den Kopf. „Du darfst dich von ihnen nicht so zerstören lassen. Lass dich nicht zerreißen. Das bist du nicht.“
„Ich bin Viper 28“, flüsterte Carly nun und lehnte den Kopf mit leerem Blick an die kalte Wand. „Ich bin Viper 28.“
Amber warf wütend das Brot durch den kahlen Raum, der nur aus rohem Putz bestand.
„Weg da!“ schnauzte sie jemand durch ein schmales Fenster in der Tür an.
Sie zeigte ihm den Mittelfinger. „Poshel ty mudak.“
Er öffnete die Tür. Amber stand auf und wappnete sich innerlich. Grinsens klopfte er mit einem Schlagstock in seine Handinnenfläche und trat auf Amber zu. Im Hintergrund standen zwei weitere Männer und beobachteten das Spiel.
„Sag das noch mal, Deserteur Schlampe.“ Er stieß sie mit dem Schlagstock gegen die Schulter, die ihr ohne hin noch schmerzte. Doch Amber hatte schon längst gelernt mit Schmerz umzugehen. Sie rotzte ihm ins Gesicht. „Verpiss dich, Arschloch.“
Der Schlagstock sauste in ihr Gesicht, zwei Mal, drei Mal, vier Mal. Es war, als hätte sie einen Stein im Mund gehabt. Amber nahm vage wahr, wie sie einen ihrer Zähne ausspuckte. Dann fiel sie zu Boden und verlor das Bewusstsein. Doch ehe sie am Boden aufschlug, sah sie Carly in der Ecke sitzen. Sie beobachtete das Ganze teilnahmslos, desinteressiert, ungerührt. Das war nicht die Carly, die Amber vor einigen Wochen kennen gelernt hatte. Denn diese würde wütend aufspringen.
Amber hatte Carly kaum gekannt und doch hatte sie das Gefühl, ihr vertrauen zu können. Ein Gefühl dem sie selbst kaum getraut hatte. Nun hatten sie Carly zerbrochen.
Viper 28 saß an einem Stuhl gefesselt an einem Tisch aus Metall. Der Mann, den sie Jahre lang als Vater gekannt hatte, saß ihr gegenüber. Wie er ihr so gegenüber saß und sie musterte, erinnerte sie sich daran, wie er ihr das Schießen beibrachte. Sie waren tief in den Wald gefahren, um zu jagen und zu üben. Ein Campingwochenende, hatte sie es genannt, als ihre Tante Rachel nachfragte. Das war die offizielle Version ihrer Ausflüge.
Tante Rachel, die keine Ahnung hatte, welche Lügen ihr unterbreitet wurden, von ihrer eigenen Schwester und deren Mann. Ihren ersten Hirsch legte sie mit neun Jahren. Am selben Wochenende brachte ihr Avery bei, wie man das Tier auseinander nahm, wenn man es erlegt hatte. Avery reckte das Kinn. „Erinnerst du dich daran, wie du fast die Katze von unserem Nachbarn ertränkt hast?“
Viper 28 schüttelte den Kopf, dabei fiel es ihr wieder ein, als er es erwähnte. Sie hatten es eine Störung der Züge genannt. Obwohl sie nicht aktiviert wurde, neigte sie hin und wieder dazu, Dinge zu tun, die normale Kinder nicht taten. Wie eine Art Kurzschluss, wenn die Persönlichkeiten ineinander griffen und sich vermischten.
Sie hatte den Kopf des Tieres in den Teich gehalten und seelenruhig dabei zugesehen, wie er sich wehrte und versuchte sich aus seiner hilflosen Situation zu befreien. Avery hatte sie schließlich noch aufhalten können und ihr erklärt, dass sie so etwas in ihrer Umgebung nicht tun durfte.
Etwas in ihr wehrte sich gegen diese Erinnerung. Ihr Magen fühlte sich seltsam an und ihre Wangen wurden feucht. Etwas tropfte auf ihr Top. Avery schüttelte den Kopf. „Wehre dich nicht dagegen. Das ist deine Natur.“
Sie nickte hölzern. „Wir töten.“
„Richtig.“ Avery schluckte beklommen. Es fiel ihm schwer, ihr gegenüber zu sitzen und das tun zu müssen. Er räusperte sich. „Du hast einen Schalter in dir. Knips die Emotionen einfach aus, Viper.“
„Werde auch ich meine Eltern töten müssen?“ Ein kaltes Lächeln huschte über ihre Lippen, während sie Avery nüchtern anblickte.
Avery zuckte innerlich zusammen. Es würde ihn nicht wundern, schließlich hatte er seine Arbeit erledigt. Sie war fertig. Es war, als habe ein Künstler seine Lebensaufgabe vollendet. Doch erst in den nächsten zwei Wochen würde sich herausstellen, wie effektiv und gut seine Arbeit war.
Sie mussten Viper 28 gut beobachten, sie durchleuchten und ihre Absichten hinterfragen. War sie so weit in ihrem Kopf befreit, dass sie der AD´V´C ihre Loyalität schwören konnte? Über viele Jahre hatte man sie hypnotisiert, analysiert, operiert, an ihr experimentiert. Würde sich all das auszahlen? Hatte sie sich von ihrer zweiten Persönlichkeit völlig losgelöst?
Nur dann war sie sinnvoll und verlässlich einzusetzen. Avery nickte. „Meine Zeit wird kommen, zu der ich, zu Willen der AD`V`C, abtrete.“
„Gut.“ Sie lächelte, fast amüsiert, doch es erreichte ihre Augen nicht.
Sie wirkten wie Milchglas, ihr Blick weit entfernt und trübe. Es war gut, dass seine Frau das nicht mehr miterleben musste. Es hätte sie zerbrochen. Carol wäre daran zugrunde gegangen, Carly nun so zu sehen. Sie hatte all das nie gewollt. Und genau das war ihr zum Verhängnis geworden. Gegen jede Regel, hatte sie dieses Mädchen mehr in ihr Herz gelassen, als sie durfte und sollte.
Schon als sie Lynn damals aus dem Heim holten, als sie das Büro betraten und Carol dieses kleine rothaarige Mädchen sah, wusste Avery, dass etwas anders war, als bei ihren vorigen Aufträgen. Er hatte ihr Lächeln gesehen, als sich Lynn auf Carols Schoß setzte. Manchmal war es auch für ihn zu surreal, viel zu verzerrt und verwirrend.
Dieses Mädchen, das herrlich lachte und mit dem Sohn der eigenen Freunde, spielte und andererseits das Kind, das töten konnte, ohne mit der Wimper zu zucken. Vielleicht, auch wenn Avery dies nie laut zugeben würde, fiel es ihm aus gleichen Gründen schwer, aus denen es Carol so schlecht damit ging.
Aber sie hatten Lynn dazu gemacht. Und es hatte Carol schon damals nie gefallen. Sie hatte immer versucht, sich dagegen zu wehren, hatte versucht sie zu beschützen. Avery war machtlos dagegen gewesen. Und dafür zahlte er einen hohen Preis.
Heute
Blanche hielt den Luftballon und einen Hasen aus Stoff in der Hand. Um ihre roten Lippen spielte sich ein Lächeln, während sie am Pier entlang schlenderten, wo sich gerade ein Jahrmarkt befand. Tate rümpfte die Nase. „Hätte ich meine Dienstwaffe dabei, hätte ich die Dinger locker alle weg gepustet.“
Blanche lachte, dabei verirrten sich dunkelblonde Strähnen in ihrem Gesicht. „Weißt du denn nicht, was man über Jahrmärkte sagt?“
„Man darf gerne seine eigenen Waffen mitbringen?“
„Tate.“ Sie stieß ihn lachend an. „Nein. Das allesamt Betrüger sind.“
Sie sah sich um, als wolle sie sicher gehen, dass sie keiner der nahe liegenden Stände gehört hatte.
Tate lachte auf. „Siehst du. Und du hast schon an meiner Zielsicherheit gezweifelt.“
Blanche schüttelte den Kopf. „Was das betrifft... also vorgestern, das war wirklich keine Glanzleistung.“
„Bitte?“ Tate sah sie entrüstet an. „Ich hätte dich treffen können.“
„Du hättest ihm ins Bein schießen können. Den Rest hätte ich dann gemacht.“
„Was denn? Damit du die Lorbeeren einsammeln kannst?“
„Oh.“ Blanche rollte mit den Augen. „Du hast ein ziemlich großes, ziemlich männliches – also, krankhaftes, Ego. Das weißt du, oder?“
„Na, ich bin eben der Größte“, sagte er scherzhaft großspurig.
Blanche schmunzelte. Sie erreichten einen Steg und spazierten gemütlich bis ans Ende. Dann lehnte sich Blanche über die Holzbalustrade der Brücke und blickte über das Wasser. Tate lehnte sich neben sie, mit dem Rücken an das Holz und legte den Kopf in den Nacken. Über ihnen kreisten einige Möwen. Blanche stieß ihn mit der Schulter an. Sie warfen sich einen Blick zu, dann lächelte sie. „Danke. Der Tag war wirklich schön.“
„Ich habe ihn auch sehr genossen.“
Blanche nickte. Dann wurde ihr Gesichtsausdruck nachdenklich. „Tate, versteh mich nicht falsch. Aber ich... ich weiß nicht, wie ich damit umgehen soll. Du bist so“, sie schien nach den richtigen Worten zu suchen, „sprunghaft? Woher kam dieser Sinneswandel?“
Tate drehte sich herum und kratzte sich am Hals. „Ich weiß nicht. Schätze, ich habe eingesehen, dass ich mich benommen habe, wie ein Idiot.“
„Und jetzt?“
„Sag du es mir?“ Tate zuckte die Schultern.
Blanche schmunzelte und streckte die Hand nach seinem Hemdkragen aus. „Ich glaube, ich hätte nicht minder Lust auf einen Nachtisch, bei dir zu Hause.“
„Warum bei mir?“
Blanche sah ihn schief an und schien schon wieder ein ungutes Gefühl zu bekommen. „Wieso nicht?“
Tate wurde rot und kratzte sich am Kopf. „Chaos.“
Sie lachte laut auf. „Gut, also zu mir.“
Blanche und Tate verbrachten die nächsten zwei Wochen gemeinsam. Mal waren sie bei ihr und wenn Tate aufgeräumt hatte, auch mal in seiner Wohnung. Hin und wieder kochte sie sogar für ihn, wenn er nach seinem Dienst noch zu Besuch zu ihr kam. Immer noch beschlich Tate immer wieder das schreckliche Gefühl, alles zu vermasseln. Er wollte es nicht kaputt machen, denn er mochte Blanche wirklich gerne. Sie war eine tolle Frau. Eigentlich genau der Typ, auf den er so stand und das nicht zuletzt, weil sie wirklich unglaublich gut aussah.
Aber sie war auch taff, stark, selbstständig und entschlossen. Letzteres führte hin und wieder zu kleinen Auseinandersetzungen, doch Tate gab sich Mühe, es daran nicht scheitern zu lassen. Als er sich mit den anderen zum monatlichen Pokerabend traf, war auch Gage aufgefallen, dass Tate in letzter Zeit auffällig häufig auf Achse war. Während alle anderen bereits in dieser Runde ausgestiegen waren, lugte Gage grinsend über seine Karten. „Du bist ziemlich schlecht im bluffen, weißt du?“
Tate schnaubte. „Du kannst von Glück reden, dass die letzte Karte kein Pick war.“
„Tatsächlich? Denn, wenn ich richtig rechne...“
Gareth schlug die Hände über dem Kopf zusammen. „Lass das mit dem rechnen lieber.“
Dale begann zu lachen. Gage lüpfte eine Braue. „Weißt du“, er erhöhte seinen Einsatz, „Aleah hat in letzter Zeit ziemlich häufig mit Blanche telefoniert.“
„Ehrlich?“ fragte Tate unverfänglich und ging mit. Dann nickte er Gage zu. „Zeigen.“
Gage kräuselte die Lippen und legte nicht mehr als einen Drilling auf den Tisch. Tate grunzte. „Flush.“
„Ah.“ Amaury lachte auf. „Wusste ich es doch.“
Gareth sah Gage kopfschüttelnd an. „So viel zum Thema bluffen, Junge. Was war das denn für ne Nullnummer?“
Gage schüttelte den Kopf und schob seine Karten zu dem restlichen Stapel. Dann beugte er sich vor und sah Tate wissend an. „Ihr datet euch wieder, stimmt´s?“
Tate zog eine Braue hoch. „Und das will sie Aleah erzählt haben?“
„Nein. Aber, dass sie verdächtig häufig nicht kann und am gleichen Tag im Kino war, wie du. Sonst nichts.“
Tate schmunzelte.
„Ehrlich?“ Dale sah ihn lachend an. „Also doch.“
„Abwarten. Es ist... locker. Wir wollen nichts überstürzen.“
„Ihr oder du?“ Dale mischte die Karten.
Aleah steckte den Kopf zur Tür herein. „Ist das wahr?“
Tate grunzte. „Aleah.“
„Ich wusste, da ist was im Busch“, trällerte sie. „Als ich sie zum Lunch getroffen habe, hat sie richtig gestrahlt.“
Tate holte tief Luft. „Mach keinen großen Wirbel darum.“
Aleah seufzte. „Keine Bange. Aber lass dir eines gesagt sein.“ Sie hob den Zeigefinger. „Spiel nicht mit ihr, oder dich trifft eine volle Wallung Hormone.“
Gage lachte. „Oh Mann, glaub mir, das willst du nicht.“
Er ging rasch in Deckung als eine Zeitung durch die Luft sauste. Amaury und Siljan lachten laut los. Es klingelte an der Tür. Dale sah auf die Uhr. „Das ist sicher Buck.“
„Ich gehe schon!“ rief Aleah, als sie bereits den Flur durchquerte. „Oh, Hi“, hörte man sie aufrufen.
Gleich darauf ertönten zwei weitere weibliche Stimmen und dazwischen Buck.
„Oh, mein Gott, Aleah. Sieh dich an“, ertönte Morgans Stimme. „Wow.“ Sie kicherte. „Du siehst aus, als würdest du fast platzen.“
Gage rollte mit den Augen und flüsterte. „Wisst ihr, was mir blühen würde, wenn ich so was sagen würde? Selbst nur im Spaß!“
„Ich bitte dich, Morgan hat das Feingefühl eines Ochsen. Das kannst du kaum vergleichen“, bemerkte Tate trocken. Siljan kicherte. Dann kamen Aleah, Buck, Morgan und Blanche in die Küche dazu. Blanche schmunzelte. Gage sah die Neuankömmlinge schief an. „Buck, deine Großzügigkeit in allen Ehren, aber diese hübschen Damen müssen dich doch ein Vermögen gek...Ah!“
Dale kniff ihn in den Arm. „So begrüßt man keine Damen.“
„Ach, war doch nur ein Witz.“ Gage rieb über die Stelle, an der er gekniffen wurde.
Morgan winkte ab. „Mach dir nicht die Mühe, Dale. Der Wurm wird es beim nächsten Training spüren.“
„Mal im Ernst, was treibt euch her?“ wollte Gage nun wissen.
Blanche zuckte die Schultern. „Wir waren in der Gegend und haben Buck am Shop getroffen. Der steckte uns dann, dass es hier gratis Bier gäbe.“
„Gratis Bier?“ Siljan schnaubte. „Nicht nur das.“
„Zufällig, ja?“ Gage sah Blanche misstrauisch an. Dann sah er zu Tate. Tate ahnte schon, was Gage dachte. Aleah bot den beiden Mädels Getränke an. Während sich Morgan zum Pokern dazu setzte, zogen sich Blanche und Aleah ins Wohnzimmer zurück. Erst einige Zeit später, als die Spieler eine Pause machten, gesellten sich auch die beiden anderen Damen mit nach draußen. Siljan war verrückt genug, den Grill noch mal anzuwerfen und Würstchen zu machen. Der Rest der Runde saß um den Gartentisch versammelt.
Blanche hatte sich gleich neben Tate gesetzt, doch es erleichterte ihn, dass sie keine offenen Anwandlungen andeutete. Wieder bekam er dieses seltsame Gefühl in der Brust, welches Beklemmungen in ihm auslöste. Als er aufstand und in die Küche ging, um sich was zu Trinken zu holen, folgte ihm Blanche. Tate holte eine Flasche Bier aus dem Kühlfach, dann nickte er Blanche zu. „Auch?“
„Nein, Danke.“ Sie lächelte und ging auf ihn zu. Gerade als sie die Arme um ihn legen wollte, wich er zurück und griff nach dem Flaschenöffner.
„Was hatten Morgan und du geplant?“ fragte er unverbindlich.
Blanche räusperte sich. „Eigentlich wollten wir in ne Bar. Football.“ Sie zuckte lächelnd die Schultern.
„Du und Football?“ Tate grinste. „Könnte mir gefallen.“
„Ja?“ Grinsend ging sie auf ihn zu.
Doch Tate zog sich erneut zurück und sah zu Tür. Blanche runzelte die Stirn. „Was ist?“
„Nichts, ich... finde es nur etwas unpassend.“
Blanche sah ihn mit hoch gezogener Braue an. „So, wie Gage mich eben schon angesehen hat, weiß er es bereits. Und Dale und Siljan haben ziemlich breit gegrinst, bei seinem Kommentar.“ „Ja, nur... trotzdem.“
Blanche reckte das Kinn. „Schämst du dich dafür?“
„Nein.“ Tate schnaubte. „So ist das nicht.“
„Wie dann?“ Sie verschränkte die Arme vor der Brust.
Tate atmete schwer. „Mach jetzt bitte keine Szene deswegen?“
