Geschichten aus dem Murkelland - Detlef Lindemann - E-Book

Geschichten aus dem Murkelland E-Book

Detlef Lindemann

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Beschreibung

Murkel und Karlchen und ihre Freunde bestehen Abenteuer mit der Bande der Schwarzen Faust, Fussel erzählt die Geschichte einer Schatzsuche, Rudi beschreibt die Rettung des Bären Bruno aus schlechter Haltung und erzählt von Weihnachten auf dem Schrumpelhof und Sandy erklärt, wie der Sieg über Egon Kowalsky zu teuer bezahlt wurde. Es geht auch darum, wie eine Behinderung zu einer Kompetenz werden kann und wie Menschen sich hinter Masken verstecken und plötzlich ihr wahres Gesicht zeigen.

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Seitenzahl: 268

Veröffentlichungsjahr: 2015

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Detlef Lindemann

Geschichten aus dem Murkelland

Ein Kindermärchen für jugendliche Erwachsene und erwachsene Jugendliche

 

 

 

Dieses eBook wurde erstellt bei

Inhaltsverzeichnis

Titel

Vorwort eines ehemaligen Junkies

Erster Teil: Die Abenteuer von Karlchen und Murkel mit der „Schwarzen Faust“

Karlchen: „Das Schicksal eines Weihnachtsgeschenks.“

Murkel: „Meine Freunde und ich.“

Murkel: „Wer ist Julia?“

Karlchen: „Heini, Mario und ich finden etwas im Wald.“

Murkel: „Die Spur der schwarzen Faust.“

Karlchen: „Wir erleben die Grenzen des Tierschutzes.“

Murkel: „Meine Flucht, das seltsame Messer und der Drohbrief.“

Karlchen: „Heini, Mario und ich müssen flüchten, was für Mario schreckliche Folgen hat.“

Karlchen: „Das Vorleben des Pastors und die nächste Drohung der Schwarzen Faust.“

Murkel: „Die Ruhe vor dem Sturm“

Karlchen: „Else und Emily tauschen sich am Telefon über ihre Erlebnisse aus.“

Karlchen: „Heini und ich bekommen ein richtiges Problem.“

Murkel: „Hein Mück macht eine schreckliche Entdeckung.“

Karlchen: „Heini wird noch mehr gequält und erfährt dabei, wer die Schwarze Faust ist.“

Karlchen: „Uns wird von unerwarteter Seite geholfen.“

Murkel: „Der Suchtrupp vom Hof.“

Karlchen: „Die böse Überraschung bei der Ankunft am Hof.“

Murkel: „Die Gemeinschaft auf dem Hof bekommt neue Mitglieder, hört dem Bericht von Heini fassungslos zu und übersteht einen Angriff.“

Karlchen: „Der erste Kontakt mit Rechtsanwalt Dr. Sorgenlos.“

Karlchen: „Der Bericht von Dr. Sorgenlos.“

Karlchen: „Else und die Freundin vom Häkelclub.“

Murkel: „Wir trudeln vom ersten in das nächste Abenteuer.“

Vorwort von einem ehemaligen Journalisten

Zweiter Teil: Fussels Bericht von der Schatzsuche an der Königseiche

Wilhelm erzählt eine Geschichte

Murkel macht einen Vorschlag

Es zeigt sich, wie klug Joschis Planänderung war

Der Kampf der Maulwürfe

Der Schutz für Ferdinand und der Abschied von einem Freund

Der Spion

Lilly überlistet Griesegrimm

Lillys Friedensplan

Wir finden eine merkwürdige Karte

Lilly und Griesegrimm verlieben sich und Adolf kommt ins Team

Der erste Teil des Schatzes wird gefunden

Der Besuch im Museum, der mit einer Enttäuschung endet

Die Schatzsuche kommt voran

Karlchen und ich helfen bei der Bergung des Geheimschlüssels und finden Kunststoffbeutel im Wald

Der Schlüssel wird entschlüsselt

Der Schatz wird gefunden

Ein weiterer enttäuschender Besuch im Museum

Moritz macht eine Entdeckung und Emily will mit der Presse zusammenarbeiten

Das traurige Ende einer großen Liebe

Das Gespräch mit Jonny Feature und journalistische Vorbereitungsarbeiten

Die wirkliche Geschichte zum Schatz

Der Zeitungsbericht erscheint und wir werden berühmt

Vorwort von einem ehemaligen Polizisten

Dritter Teil: Rudi erzählt von Bruno und Flöckchen und Weihnachten auf dem Schrumpelhof

Wir finden Bruno, den Zirkusbären

Der erste Rettungsversuch scheitert

Ich lerne Sandy kennen und Willy und Luca werden krank

Sandy und ich verfolgen den Zirkus

Die Verfolgung des Zirkus wird fortgesetzt

Das Gespräch mit dem Pastor und unsere Rückkehr auf den Hof

Die Gespräche mit dem Wirt und dem Zirkusdirektor

Rauschgifthandel und der Hinweis von Clown Charlie

Dr. Sorgenlos zeigt sein wahres Gesicht

Der nächste Versuch, Bruno zu befreien

Brunos Einzug ins betreute Wohnen für Bären und der Tod von Ernst Müller

Die Wahrheit über den Tod von Clown Charlie und ein neues Zuhause für Flöckchen

Vermutungen der Polizei zu Dr. Sorgenlos

Lucky und Flöckchen finden wieder zusammen und die Polizei sucht einen Maulwurf

Wir lernen Maria kennen und helfen bei der Arbeit mit krebskranken Kindern

Eine Weihnachtsidee entsteht

Weihnachten auf dem Schrumpelhof

Dr. Sorgenlos und seine Kumpane melden sich zurück

Vorwort eines ehemaligen Pastors

Vierter Teil: Sandy erzählt die Geschichte des Endes von Egon Kowalski

Die Verbrecher tauchen wieder auf und können trotzdem nicht gefasst werden

Trügerische Ruhe

Die Hochzeit von Heini und Mario

Die plötzlichen Schwierigkeiten bei der Arbeit mit Jugendlichen

Der Besuch des Pastors bei der Polizei

Käthe findet eine Spur zu Dr. Sorgenlos

Spekulationen

Der Anschlag auf Käthe

Der kleine, dicke Mann bekommt einen Namen

Emilys Plan

Die Polizei lässt uns im Stich

Die Schlacht im Murkelland

Nach der Schlacht

Schlusswort von einem ehemaligen Rechtsanwalt

Impressum

Vorwort eines ehemaligen Junkies

Mein Name ist Maximilian. Meine Freunde nennen mich Max. Den Schaden, den ich angerichtet habe, werde ich nie wieder gutmachen können. Alles was mir vor meiner Sucht etwas bedeutet hat, habe ich mit Dreck beworfen. Ich kannte zum Schluss in meiner Sucht nur ein einziges Ziel, ich musste meine Sucht befriedigen. Ich habe dabei auf nichts Rücksicht genommen. Ich habe das Leben meiner Eltern zerstört. Meiner kleinen Schwester habe ich sehr viel Leid zugefügt. Auch wenn sie heute ihre Krankheit wahrscheinlich überstanden hat und wir uns auch wieder treffen und reden und meine Eltern versuchen, wieder ein normales Leben zu führen, ist das, was ich zerstört habe, nicht wieder zu heilen. Ich kann und werde auch niemanden für meine Sucht verantwortlich machen können. Ich bin dafür ganz allein verantwortlich. Ich muss mit dem, was ich angerichtet habe, leben.

Nach meinem Absturz und dem anschließenden Aufenthalt in der Entzugsklinik und der Unterstützung der Polizei bei der Verfolgung einer Verbrecherbande, ist es mir gelungen, den Weg in ein geordnetes Leben zurückzufinden. Meine Jugendstrafe, zu der ich verurteilt wurde, wurde zur Bewährung ausgesetzt, d.h. ich musste nicht ins Gefängnis. Ich habe eine Ausbildung zum Möbeltischler abgeschlossen und bin dabei, neben meiner täglichen Arbeit in einer Werkstatt, die alten Möbeln wieder zu neuem Leben verhilft, die Fortbildung zum Tischlermeister abzuschließen. Ich lebe mit meiner Frau Maria in einem Dorf, in einer Dachgeschosswohnung. Wir haben von dort einen tollen Ausblick auf den Kanal. Am Kanal gibt es einen Weg, auf dem wir in unserer Freizeit häufig unterwegs sind.

Maria, meine Ehefrau, studiert in Lübeck an der Universitätsklinik Medizin und möchte später einmal als Kinderärztin in dieser Klinik krebskranke Kinder betreuen. Ohne Maria wäre es mir nie gelungen, aus dem Teufelskreis, in dem ich mich bewegte, herauszukommen.

Immer wenn ich den Weg am Kanal verlasse und ins Murkelland komme, muss ich an die Geschichten denken, die sich dort zugetragen haben. Meine Frau Maria und ich haben hier viel erlebt und denken mit unterschiedlichen Gefühlen an die alten Zeiten, als noch alle zusammen auf dem Schrumpelhof waren, wie er von den Bewohnern liebevoll genannt wurde. Die Gemeinschaft von Emily, Paulchen und Julia und Heini und Mario und den alten, engagierten, rüstigen Damen, die dort abends am Tisch saßen und miteinander redeten, Pläne schmiedeten und gemeinsam Abenteuer überstanden haben, wird uns immer in Erinnerung bleiben. Die vielen Tiere, die dort lebten, kann ich immer noch sehen, wenn ich die Augen schließe. Zu dieser eingeschworenen Gemeinschaft gehörte ich anfangs nicht. Von meiner dunklen Vergangenheit werdet Ihr noch genug erfahren.

Tiere können Euch reich machen, wenn Ihr sie respektiert und Tiere haben eine Eigenschaft, die uns Menschen fehlt: Tiere sind immer ehrlich! Die Tiere, die ich dann kennen und lieben lernen durfte, waren alle in der Lage, sich zu verständigen. Sie haben untereinander und auch mit den Menschen kommuniziert. Tiere zeigen Dir ihre Freude und vermitteln Dir auch, wenn sie mit Dir nicht einverstanden sind. Wie viele Menschen reden gar nicht mehr wirklich miteinander, sondern tauschen sich nur noch elektronisch aus. Wenn heute Jugendliche sagen, dass sie auf ihren Partner verzichten können aber nicht auf ihr Handy, ist das einfach nur noch krank.

Für Tiere ist es kein Problem, wenn jemand nicht dem Bild der sogenannten Normalität entspricht. Arm, reich, hässlich, behindert, schwul, groß, klein, farbig, weiß, Frau, Mann, Deutscher, Ausländer, religiös haben für Tiere keine Bedeutung. Im Gegensatz zu den Tieren haben wir Menschen zu einem großen Teil die Fähigkeit zur Toleranz verloren und wissen nicht, wie tolerant wir Intoleranz gegenüber sein dürfen.

Am Anfang der Geschichten aus dem Murkelland war das Abenteuer mit der Schwarzen Faust.

Erster Teil: Die Abenteuer von Karlchen und Murkel mit der „Schwarzen Faust“

Karlchen: „Das Schicksal eines Weihnachtsgeschenks.“

In meinem kurzen Leben habe ich schon viel erlebt. Ich bin ein sogenannter Mischlingshund und bin in einem dunklen Raum, in einem Schuppen auf die Welt gekommen. Ich lebte dort mit meinen Geschwistern und meiner Mutter in einem engen Verschlag, der mit Zeitungspapier ausgelegt war. Es war dreckig, feucht und kalt dort und das Papier wurde nur selten gegen neues ausgetauscht. Meine Geschwister sahen anders aus als ich. Später habe ich dann erfahren, dass sie wie reinrassige Border Collies aussahen. Meine Mutter war ausgehungert und mager. Sie hatte weiches Fell und war sehr lieb zu uns. Für meine drei Schwestern und mich hatte sie jedoch nicht genug Milch, so dass kurz nach der Geburt zwei meiner Geschwister verstarben. Meine letzte Schwester und ich wurden dann, obwohl wir noch sehr klein und fast verhungert waren, in eine schwarze Kiste verfrachtet, in der wir schliefen, weil man uns mit einem Schlafmittel betäubt hatte und auf eine lange Reise geschickt. Wir landeten in einer Tierhandlung in Deutschland. Durch den Transport war meine Schwester so geschwächt, dass sie kurz nach der Ankunft ebenfalls verstarb. Nun war ich ganz allein auf der Welt in einem Käfig, in diesem Tierladen und hatte anfangs auch große Probleme mit der neuen Nahrung. Irgendwie habe ich es aber geschafft und blieb am Leben. Nach einer Woche und mehreren Besichtigungen durch Menschen wurde ich von einer Familie, d.h. einem kleinen Mädchen und dessen Eltern entdeckt. Das Mädchen fand mich so süß und wollte mich unbedingt haben. Nachdem das Mädchen Tränen vergossen hatte und versicherte, dass sie sich immer um mich kümmern würde, stand der Entschluss fest. Ich sollte das Weihnachtsgeschenk für das Mädchen werden. Ich kam also aus der Tierhandlung zu meiner neuen Familie. Zu Anfang konnte ich mein Glück gar nicht fassen. Ich bekam den Namen Kurt, weil der Schwarm des kleinen Mädchens Kurt hieß und es wurde für mich die Grundausstattung für Hunde gekauft, einschließlich eines goldenen Namensschildes und Glitzersteinen am Halsband. Das Mädchen kümmerte sich um mich und ich wurde gestreichelt, gekämmt, ich wurde mit Schleifen geschmückt und mit mir wurde gespielt, ich wurde den Freundinnen vorgeführt. Es schien alles gut zu werden. Nun wusste ich noch nicht, dass ich nur außerhalb der Wohnung mein Geschäft machen durfte und es kam zu den ersten Schwierigkeiten und ich wurde beschimpft und auch geschlagen. Irgendwann hatte ich das dann begriffen und nun wurde es wieder besser. Allerdings hatte eine Freundin des kleinen Mädchens festgestellt, dass ich ein Mischling war und das fand sie einfach uncool. Das kleine Mädchen beschäftigte sich von da an immer weniger mit mir und die Eltern mussten sich immer mehr um mich kümmern. Für die war das aber eine Belastung und das zeigten sie mir auch. Die Spaziergänge reduzierten sich auf ein Minimum und wurden nur widerwillig gemacht. Versorgt wurde ich ausreichend, aber Liebe und Zuneigung gab es so gut wie gar nicht mehr. Dann kamen die Frühjahrsferien und meine Familie wollte verreisen. Was sollte aber jetzt mit mir geschehen? Ich bekam mit, dass es irgendwie für mich anders werden würde. Ich wusste aber nicht was. Ich bekam Angst. Am Tag der Abreise, es sollte in die Berge gehen, wurde ich, nachdem alles im Auto verstaut war, mit ins Auto genommen und los ging die Reise. Vielleicht wurde ja doch wieder alles gut.

Nachdem wir längere Zeit unterwegs waren, kamen wir an eine Brücke. Der Vater stieg aus und nahm mich an der Leine mit. Ich dachte, ich sollte jetzt mein Geschäft machen und ging fröhlich mit, weil ich beweisen wollte, wie gut ich das konnte. Der Mann ging mit mir zum Brückengeländer und band mich daran fest. Um den Hals bekam ich ein Band mit einer Pappe auf der etwas geschrieben war. Nachdem der Mann das erledigt hatte, ging er schnell, ohne sich umzudrehen, zum Auto und fuhr weg. Ich konnte mit dieser Situation nichts anfangen. Ich war einfach nur verunsichert und wartete darauf, dass meine Familie mich wieder abholte und die Fahrt in den Urlaub weiterging. Es geschah aber nichts. Es fuhren viele Autos an mir vorbei. Ich war am Rand der Brücke, auf dem Fußweg am Geländer festgebunden und allein. Es vergingen viele Stunden und ich bekam Hunger und hatte Durst und wollte zu meinen Menschen. Jetzt fing ich an zu bellen und an der Leine zu zerren und wollte selbst für eine Lösung sorgen. Es gelang mir jedoch nicht, mich zu befreien. Mein Hunger und Durst wurden immer schlimmer. Meine Angst wurde mit der Zeit unerträglich und steigerte sich in Panik. Wie lange das alles dauerte, weiß ich nicht mehr. Es wurde jetzt schon dunkel und ich merkte, dass ich immer erschöpfter wurde. Ich muss dann vor Erschöpfung eingeschlafen sein, alleine auf der Brücke, obwohl es kalt wurde, ich Hunger, Durst und viel Angst hatte.

Murkel: „Meine Freunde und ich.“

Mein Name ist Murkel. Meine Mutter ist eine Polin, die zur Pflege auf einem wunderbar verschrumpelten Gehöft untergebracht war. Dort haben wir, meine sieben Geschwister und ich, das Licht der Welt erblickt. Wir sehen aus wie Dackel, die etwas zu groß geworden sind. Alle meine Geschwister haben kurze Haare nur ich gehöre zu den Langhaartypen. Meinen Vater habe ich nie kennengelernt. Meine Mutter und meine Geschwister sind jetzt über ganz Deutschland verteilt und leben ihr eigenes Leben. Emily, das ist die Frau, bei der wir leben, hat zu den Menschen, denen sie meine Mutter und meine Geschwister anvertraut hat, immer noch Kontakt. Sie mailen sich Nachrichten und Fotos mit dem Computer. Ich durfte auf dem Hof bleiben und fühle mich hier wohl und bin glücklich mit meinem Rudel und meinen Freunden. Zu meinem Rudel gehören Joschi, ein sehr alter und kluger Hund, der mein großes Vorbild ist. Dann gibt es bei uns noch zwei Damen, Fussel und Sandy. Fussel wurde als Welpe auf einer Müllkippe in Südeuropa gefunden und dann von Tierschützern nach Deutschland gebracht. Emily hatte sich bei einer Tierschutzsendung, bei der Tiere ein Zuhause suchen, in Fussel verliebt und so kam Fussel zu uns. Fussel hat aus Südeuropa eine Essstörung mitgebracht. Es darf ihr beim Essen keiner aus dem Rudel zu nahe kommen, sie wird dann richtig böse und kennt keine Freundschaften mehr. Das hat wohl damit zu tun, dass sie schon als Welpe um ihr Essen kämpfen musste, um zu überleben. Außerdem hat Fussel einen ausgeprägten Jagdtrieb, der nur schwer zu beherrschen ist. Fussel ist bis auf diese Macken eine sehr gute und zuverlässige und treue Freundin, auf die man sich in jeder Situation verlassen kann. Sandy lebte, bevor sie zu uns kam, bei einer Freundin von Emily, die schon sehr alt und fast blind war. Diese Freundin konnte Sandy nur bekommen, weil sich Emily und Paulchen verpflichtet hatten, Sandy aufzunehmen, wenn die Freundin sich nicht mehr richtig um Sandy kümmern könnte. Jetzt lebt Sandy bei uns und hat sich hier gut eingelebt. Sie hat allerdings auch so ihre Verhaltensweisen, die anders als bei anderen Hunden sind. Sie verfolgt Emily auf Schritt und Tritt und möchte überall dabei sein und sie ist kuschelsüchtig. Sie hört sehr gut und alle mögen sie, weil sie so ein lieber Kumpel ist und von sich aus niemals Streit anfängt. Selbst, wenn eine von den Katzen mal ausflippt, ist sie sehr geduldig und würde ohne Not keinem wehtun. Manchmal wird sie allerdings wegen ihrer Kuschelsucht etwas ausgebremst, womit sie aber gut klar kommt. Sandy ist eine richtige Wasserratte und der beste Schwimmer von uns. Sie bewältigt im Wasser auch längere Strecken ohne Schwierigkeiten. Ich liebe beide und bin froh darüber, dass wir zusammen in unserem Rudel sind. Auf dem Hof gibt es noch drei Pferde, zwei Haflinger und ein Shetlandpony. Die beiden Haflinger können beide nur noch auf einem Auge sehen, was sie aber nicht wirklich beeinträchtigt. Sie heißen Luca und Lucky. Zu den beiden werdet ihr im Laufe der Geschichte mehr erfahren. Das Shetlandpony heißt Willy Bärmann und wurde von Emily auf dem Weg zum Schlachthof gerettet. Willy ist ein sehr kluges Tier und war früher aber manchmal etwas durchgeknallt, wenn er das Gefühl hatte, dass man sich nicht genug mit ihm beschäftigte. Durch eine neue Aufgabe, die ich später noch erklären werde, ist das anders geworden. Ja, natürlich leben hier auch Katzen, die sehr unterschiedlich sind. Mit einigen bin ich befreundet und um einige mache ich lieber einen großen Bogen, weil das richtige Giftzwerge sein können. Im Sommer werden wir regelmäßig von Hein Mück und seiner Frau Veronika besucht, die dann bei uns ihre Kinder großziehen und im Herbst wieder verschwinden. Hein Mück ist als Schwalbenkind mal aus dem Nest gefallen und wurde von Emily gerettet und seitdem kommt Hein Mück jeden Sommer zu uns. Im Winter sind Meisen und ein Specht unsere ständigen Gäste, die ihr Appartement in einem Baum außerhalb des Hauses haben.

Ein Freund von Paulchen, das ist der Mann von Emily, hat noch eine Heidschnucken - Herde bei uns auf der Weide und es gibt drei Galloways, die mit den Heidschnucken den Job der Weidenpflege haben. Der Hof liegt in einem Paradies. Wir haben einen Wald, gleich um die Ecke. Nicht weit vom Haus und den Ställen ist ein Kanal und in 10 Minuten sind wir an einem kleinen See mit kristallklaren Wasser, in dem man toll baden kann. Zu meinem Rudel und zu meinen Freunden gibt es noch viel zu erzählen, weil fast alle schon eine Menge erlebt haben. Dazu kommen wir dann später noch. Aber eine Person, die für uns alle auf dem Hof sehr wichtig ist, darf ich auf keinen Fall vergessen, zu erwähnen. Das ist Julia, die uns Tiere besser versteht als jeder andere Mensch. Julia ist ein Adoptivkind und lebt seit ihrem sechsten Lebensjahr auf dem Hof.

Aktuell ist etwas passiert, was uns alle fast fassungslos macht. Gestern Abend wurde unser Bauwagen, der auf einer unserer Weiden steht und ein Weidentor total zerstört. Emily und Paulchen können nicht begreifen wieso, warum, weshalb. Alle sind geschockt über die Zerstörungswut, die hier getobt hat. Außerdem liegen neben den Trümmern Bier- und Schnapsflaschen, Glasscherben und anderer Müll. Nazisymbole wurden mit Farbe auf die Trümmerreste gemalt und Dreck von Menschen liegt überall.

Emily, Paulchen und Julia sind sicher anders als andere Menschen. Im Dorf nennt man sie Blumenkinder und sie werden geschätzt und akzeptiert, weil sie sehr hilfsbereit sind. Julia hat darüber hinaus im Dorf schon oft mit ihrer besonderen Fähigkeit helfen können, wenn es Erziehungsprobleme oder um Krankheiten mit Tieren ging. Meine Freunde und ich haben noch nie jemanden einen Schaden zugefügt. Vielleicht gibt es ja eine Möglichkeit, die Randalierer dingfest zu machen. Jetzt muss erst einmal, soweit das geht, der Schaden beseitigt werden aber dann werden wir ja sehen.

Murkel: „Wer ist Julia?“

Wie ihr bereits wisst, lebt neben Emily und Paulchen Julia bei uns. Julia ist als sechsjähriges Mädchen von Emily und Paulchen adoptiert worden und ein Mensch mit einer ganz besonderen Begabung. Kurz nach ihrer Geburt wurde sie, weil sie ein Zwillingskind war, auf der Insel Madagaskar in einer Holzkiste ausgesetzt und in der Wildnis vor einer Stadt sich selbst überlassen. Sie hatte Glück, weil die auf der Straße lebende Hündin Lea sie entdeckte, die selbst keine Kinder bekommen konnte. Diese wild lebende Hündin wurde von obdachlosen Straßenkindern mit den wenigen Nahrungsmitteln, die sie abgeben konnten versorgt. Dafür hat Lea, soweit es ihr möglich war, diese Kinder beschützt. Julia wurde von Lea im Keller einer verfallenen Hausruine versteckt und für vier Jahre war Lea Mutterersatz für Julia. Sie teilte ihre spärliche Nahrung mit dem Kind und kümmerte sich rührend um das Baby. Sie schaffte es, die Nahrung so vorzukauen, dass Julia sie aufnehmen konnte. Wie das genau geschah, ist bis heute ein Rätsel. Es hat aber funktioniert, denn Julia lebt heute noch. In dieser Zeit entwickelte Julia ihre besonderen Fähigkeiten, die an die Geschichten von Dr. Dolittle erinnern. Julia kann mit Tieren kommunizieren. Zufällig wurde Julia in ihrem Quartier von einer Entwicklungshelferin aus Deutschland entdeckt. Sie war unterernährt aber sonst kerngesund. Sie konnte nicht richtig sprechen und musste viele andere Dinge lernen, die Menschen in dem Alter schon beherrschen. Sie kam dann über viele Stationen als Adoptivkind zu Emily und Paulchen. Lea wurde von der Entwicklungshelferin und ihrem Team aufgenommen und hat dort noch einige Zeit gelebt und ist inzwischen verstorben, was Emily, Paulchen und Julia von der Entwicklungshelferin erfahren haben, die jetzt wieder in Deutschland lebt. Julia versteht uns Tiere besser als jeder andere Mensch. Sie kann sich uns auch so mitteilen, dass wir unmissverständlich wissen, was sie uns mitteilt. Julia erkennt sofort, wenn wir aufgeregt oder traurig sind. Sie spürt, wenn wir uns freuen und merkt, wenn irgendetwas nicht stimmt. Sie weiß, wenn wir etwas mitteilen wollen. Sie kann die verschiedenen Gerüche und ihre Bedeutung gut unterscheiden. Julia hat ein extrem gutes Gehör, was es ihr möglich macht, an der Lautstärke und an der Tonlage, wie wir uns melden, zu bewerten, was wir sagen wollen. Darüber hinaus kann Julia mit ihren Händen sehr gut fühlen, z.B.: ob wir zittern oder schwitzen und kann dadurch einordnen, ob wir krank sind oder Angst haben. Sie selbst teilt sich uns nicht nur gesprochene Worte mit, sie nutzt viele andere Möglichkeiten, sich uns mitzuteilen, z.B. über ihre Hände und auch durch ihre Körperhaltung. Julia ist jetzt 17 Jahre alt. Julia möchte nach dem Abitur studieren. Sie möchte Psychologin werden, was nicht einfach werden wird, denn Julia ist blind. Julia hat es geschafft, aus ihrer Behinderung eine Kompetenz zu entwickeln, über die andere Menschen nicht verfügen. Da Julia in der Schule sehr gute Noten hat und als hochbegabt gilt, wird sie das, was sie sich vorgenommen hat, wohl schaffen. Emily und Paulchen können sich ein Leben ohne Julia gar nicht mehr vorstellen. Auf dem Hof und in der Umgebung kennt sie jeden Stein und bewegt sich völlig frei und ungezwungen. Die Schule und der Weg dahin sind für sie kein Problem.

Karlchen: „Heini, Mario und ich finden etwas im Wald.“

Am nächsten Morgen ging es mir schon wesentlich besser. Ich hatte zwar einen mörderischen Hunger aber sonst ging es mir gut. Heini sagte zu mir, dass wir uns auf den Weg in die Stadt machen müssten, da wir was zu essen bräuchten und er wollte versuchen, bei der Tafel etwas für mich zu organisieren. Die Tafel würden er und Mario nutzen, weil dort alle nett wären, und sie auch mal etwas ohne Geld bekommen würden. Es könnte auch sein, dass wir unterwegs etwas im Müll finden würden, weil die Menschen so viele Dinge in den Müll schmeißen würden, die man auch noch gut essen könnte. In der Stadt gäbe es auch ein Lokal, das einem Freund von Mario gehören würde, der gerne von den Essensresten etwas abgeben würde. Wir müssten also auf keinen Fall verhungern. Das wenige Bargeld, das Heini und Mario brauchten, verdienten sie sich durch Leergut, das sie aus dem Müll sammelten und mit der Straßenmusik von Mario, der Gitarre spielen und gut singen konnte. Mit dem Geld könnte man dann auch mal zur Waschstation und sich einer Reinigungsprozedur unterziehen. Dort gäbe es Duschen, Waschmaschinen und was zu trinken und belegte Brote könnte man auch bekommen. Wir machten uns, nachdem die Isomatten, die Schlafsäcke und die Gitarre und die wenigen anderen Habseligkeiten der beiden Freunde verstaut waren, auf den Weg. Heini erzählte gerne und war glücklich darüber, dass neben Mario jetzt auch ich ihm zuhörte. Ich war froh, dass Heini mit mir redete. Heini erzählte, dass er in seinem früheren Leben ganz „normal“ war. Er hatte eine schöne Wohnung, einen Lebenspartner und arbeitete als Prokurist in einem großen Unternehmen, das Maschinenbauteile in alle Welt verkaufte. Eines Tages kam er nach Hause und sein Partner hatte ihm einen Brief geschrieben, der im Wohnzimmer auf dem Tisch lag, und darin stand, dass er ausgezogen wäre und nun mit einem anderen Mann zusammen leben würde. Heini brach das Herz. Er fing an zu saufen und die Abwärtsspirale nahm ihren Lauf. Am Ende landete Heini auf der Straße. Er wollte aber auch nicht auf Kosten anderer leben und versuchte deshalb, sich so durchzuschlagen. Mit Ausnahme der Tafel und der Hilfe von netten Leuten, wie einem Lokalbesitzer, den Mario gut kannte, sorgten Heini und Mario für sich selbst. Heini sammelte die Flaschen und bekam auch mal etwas zugesteckt, weil man ihn kannte. Heini lebte seit zwei Jahren als Landstreicher auf der Straße und wollte auch mal wieder sesshaft werden. Im Winter hatte er Mario kennen gelernt, der sich seinen täglichen Geldbedarf als Straßenmusiker verdiente. Sie hätten, nachdem sie sich kennengelernt hatten, beschlossen, als Paar zusammen „auf Platte“ zu gehen, so erzählte Heini. Diesen Sommer wollten Heini und Mario noch auf der Straße leben und sich dann beide etwas Dauerhaftes suchen. Sie wussten nur noch nicht genau, was sie dann machen würden. Heini glaubte nicht an Gott. Er kannte aber einen Pastor in der Stadt, der ihm gesagt hatte, dass er ihm helfen würde, wenn Heini wirklich zurück ins “normale“ Leben wollte. Der Pastor, wisse allerdings noch nicht, dass er jetzt mit einem Zigeuner zusammen leben würde. Das alles erzählte mir Heini. Er erklärte mir auch, dass das Leben auf der Straße nicht ungefährlich wäre. Wir wären jetzt aber drei und würden damit viel stärker sein. In der gefährlichen Welt der Landstreicher hätten wir deshalb jetzt viel bessere Chancen als einer alleine. Unter der Brücke, auf der die beiden mich gefunden hatten, war ein Quartier von ihnen, das relativ wettergeschützt war und die beiden Freunde wurden durch mein Bellen aufmerksam und so fanden wir zusammen, wie sie mir erzählten. Der Weg in die Stadt führte von dort durch einen Wald, der an der Straße lag, auf der ich dachte, dass ich mit meiner alten Familie in den Urlaub fahren würde.

Wir marschierten also gemütlich vor uns hin und Heini erzählte viel und die Zeit verging sehr schnell. Wir kamen auf unserem Weg an einem Hof vorbei, wo wir von vier Hunden durch freundliches Bellen begrüßt wurden. Auf diesem Hof konnten wir auch zwei Haflinger und ein Shetlandpony erkennen, die uns neugierig anschauten. Gegenüber von dem Hof lag eine Weide, auf der ein zerstörter und mit Nazisymbolen beschmierter Bauwagen stand. Wir waren dann insgesamt ungefähr eine Stunde unterwegs, da hörten wir ein leises Jammern und konnten zunächst nicht einordnen, wer, wo und was da jammerte. Wir gingen einfach dem Geräusch nach und fanden dann unter einem Gebüsch eine völlig verängstigte Katzenmutter mit drei kleinen Katzen, die weinten. Heini redete mit Engelszungen auf die Katzen ein und versuchte, sie zu beruhigen. Endlich gelang es Heini, die Katzen in die Decke einzuwickeln, die schon mir eine ausreichende Wärmeportion gegeben hatte. Die Katzen hatten Angst und wollten abhauen und Heini kratzen, hatten aber so wenig Kraft, dass der erste Schritt zur Rettung mit Unterstützung von Mario schließlich gelang.

Murkel: „Die Spur der schwarzen Faust.“