Geschichten vom Humpelpumpel - Hans Herkert - E-Book

Geschichten vom Humpelpumpel E-Book

Hans Herkert

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Beschreibung

Der gutmütige Zwerg Humpelpumpel kümmert sich väterlich um die Tiere des Waldes. Die Rehe Kitzi und Bambi, den Hasen Hoppelhoppel und das Eichhörnchen Fips nimmt er in seinem Zwergenhäuschen auf. Seine lebhaften Freunde halten den dicken Humpelpumpel gehörig auf Trab. Gemeinsam erleben sie lustige und spannende Geschichten. Hans Herkert (*1929) war Lehrer und langjähriger Rektor der Neuberg-Grundschule in Dossenheim. Er erfand die zeitlos schönen Humpelpumpel-Geschichten und erzählte sie als Belohnung für gute Mitarbeit seinen Schulklassen. Auf vielfachen Wunsch seiner ehemaligen Schüler hat er sie nun veröffentlicht. Brigitte Apfel (*1972) hat das Buch mit liebevollen Zeichnungen ausgeschmückt.

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Seitenzahl: 109

Veröffentlichungsjahr: 2017

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Vorwort

Ursprünglich waren die Geschichten von Humpelpumpel Gutenachtgeschichten für meine Kinder. Wenn wir mit Freunden und ihren Familien im Skiurlaub waren, wollten auch deren Kinder, die etwa im gleichen Alter waren wie die unsrigen, ebenfalls von mir vor dem Einschlafen eine Geschichte hören. Und so erzählte ich halt vom Zwerg Humpelpumpel. Zu Beginn einer Erzählung wusste ich nie, was ich erzählen sollte, und so erzählte ich einfach, was mir gerade so einfiel. Oft war auch ein Ereignis des Tages mit den Kindern der Angelpunkt, den ich dann in eine Geschichte, die zum Humpelpumpel passte, einflocht und umschrieb. Eines der Kinder, Eva war ihr Name, die im Skiurlaub dabei waren, war später bei mir in der ersten Klasse. Sie erzählte den Mitschülerinnen, dass ich nette Geschichten vom Zwerg Humpelpumpel erzählen könnte. Diese baten mich dann inständig, ihnen auch einmal eine solche zu erzählen, was ich am Ende einer Stunde tat.

Ich hatte in allen Klassen, die ich unterrichtete, eingeführt, dass wir am Ende einer Unterrichtsstunde, wenn alle fleißig mitgearbeitet hatten, und wir etwas früher mit dem Stoff fertig waren, in den letzten Minuten noch ein paar lustige Witze erzählten.

Nachdem die Humpelpumpel-Geschichten bekannt geworden waren, wollten die Schüler immer wieder diese Geschichten hören, und sie riefen, wenn ich fragte: „Witze oder Humpelpumpel?“ meistens im Chor: „Humpelpumpel, Humpelpumpel!“ Oft wollten sie sogar die Pause dafür opfern.

Nach meiner Pensionierung wurde ich immer wieder von ehemaligen Schülern gebeten, die Humpelpumpel-Geschichten aufzuschreiben, da sie diese ihren Kindern auch weitererzählen wollten.

So habe ich mich nun entschlossen, diesem vielseitigen Wunsch nachzukommen, und ich hoffe nun, dass diese einfache Art der Erzählung vielen gefällt.

Hans Herkert

Für Marion Apfel und Rüdiger Apfel

Die Humpelpumpel-Geschichten kenne ich aus meiner Kindheit, allerdings nur aus zweiter Hand. Meine Schwester war in Herrn Herkerts Klasse und hat mir die Geschichten weitererzählt. Ihr und meinem Vetter Rüdiger widme ich die Bilder in diesem Buch.

Brigitte Apfel

Foto oben: Herr Herkert mit Schulklasse, (Geburts-)Jahrgang 1968/69, Marion mittlere Reihe, dritte von links, Rüdiger obere Reihe, dritter von rechts

Foto unten: Wanderung zum Wildschweingehege am Langen Kirschbaum

Geschichten vom Humpelpumpel

Es war einmal vor vielen Jahren, da stand auf einer großen Wiese, mitten im Wald, ein kleines Haus. In diesem wohnte ein Zwerg. Er war, wie Zwerge eben sind, klein von Gestalt, hatte einen langen weißen Bart, eine rote Zipfelmütze und war ein bisschen arg dick. So kam es, dass er sich beim Gehen ziemlich schwertat und einen humpelnden Gang hatte. Weil er also etwas unbeholfen dahin humpelte, nannte man ihn halt den Humpelpumpel.

Er war ein sehr gutmütiger und hilfsbereiter Zwerg, und alle hatten ihn lieb. Besonders beliebt war er bei den Tieren in Wald und Feld.

Wenn er abends auf der kleinen Bank vor seinem Haus saß und seine Pfeife rauchte, kamen oft Vögel, Hasen, Mäuse und andere Tiere herbei und erzählten ihm die Neuigkeiten aus Wald und Feld. Humpelpumpel verstand nämlich die Sprache der Tiere und konnte sich gut mit ihnen unterhalten.

Neben am Haus waren noch ein kleiner Stall und eine Werkstatt angebaut. In der Werkstatt sah man ihn oft fleißig arbeiten. Er zimmerte Stühlchen, kleine Tische, Futterkrippen für die Tiere des Waldes und vieles mehr.

Auch bereitete er hier Teemischungen und Salben zu, um kranken und verletzten Tieren zu helfen. Im Sommer sammelte er viele Heilkräuter und trocknete sie auf dem Dachboden.

Eines Tages, im Frühling, machte er einen Spaziergang an einem Waldrand entlang. Da hörte er plötzlich ein leises Wimmern und Fiepen. Sofort blieb er stehen, um zu lauschen, woher die Töne kamen. Da, irgendwo im Gebüsch muss es sein. Vorsichtig näherte er sich der Stelle, bog die Zweige vorsichtig auseinander und entdeckte ein kleines Rehkitz, das zusammengekauert auf dem Boden lag und aus vielen Wunden blutete. Es weinte ganz erbärmlich vor sich hin und stöhnte vor Schmerzen. Es war in eine Mähmaschine geraten und konnte sich nur mit letzter Mühe in das Gebüsch retten, wo es jetzt schwer verletzt lag.

Humpelpumpel erkannte sofort den Ernst der Situation. Er redete dem Tierlein gut zu, nahm es behutsam auf seine Arme und trug es, so schnell er konnte, nach Hause. In der Küche schüttete er weiches Stroh in eine kleine Kiste, stellte sie neben den warmen Herd und legte das verwundete Tierlein hinein. Nun reinigte er ganz vorsichtig die Wunden, bestrich sie dann mit einer selbst zubereiteten Salbe und verband sie. Die Wunden waren tief, und besonders die langen Beine und der Rücken waren betroffen. Auch hatte sich schon Wundfieber eingestellt, so dass es am ganzen Leib zitterte und stöhnte. Unser Humpelpumpel redete ihm gut zu und tröstete es so gut er konnte. „Du wirst bald wieder gesund, ich helfe dir, ich bin ja bei dir, du musst keine Angst haben.“ Danach kochte er einen speziellen Kräutertee und gab ihm zu trinken. Dieser Tee war gut gegen die Schmerzen und machte es gleichzeitig müde. Nun strich er ihm noch sanft über die Stirn und sang dabei ein Schlummerliedchen. Und bald darauf wurde das Rehlein ruhiger und schlief ein.

Als es nun am nächsten Morgen erwachte, ging es ihm noch nicht viel besser. Humpelpumpel, der die ganze Nacht bei ihm gewacht hatte, erneuerte nun die Verbände, bestrich die Wunden mit heilkräftiger Salbe und gab ihm stärkenden Kräutertee und Milch zu trinken.

So ging es nun drei Tage lang. Humpelpumpel wich nicht von seiner Seite.

Am dritten Tag glaubte er nicht mehr, dass das Rehlein noch zu retten sei. Er überlegte, was er noch tun könnte, um ihm zu helfen. Da fiel ihm ein altes Rezept ein. Sofort bereitete er einen Tee nach dieser Vorschrift und gab ihm denselben zu trinken. Das Rehkitz war sehr schwach geworden und glühte vor Fieber. Behutsam deckte Humpelpumpel es immer wieder zu und streichelte es sanft.

Aber unser Humpelpumpel war auch nur ein Mensch. Drei Tage hatte er nun schon gewacht und gesorgt. So übermannte ihn jetzt der Schlaf. Seine Augen fielen ihm zu, und er schlief ein.

Lange und fest hatte er geschlafen. Immer wieder sah er im Traum das Rehkitz vor sich, wie es schwer atmete und zitterte, und plötzlich ganz aufhörte zu atmen. Doch da spürte er plötzlich ein Ziehen an seinem Arm. Er erwachte und öffnete die Augen. Was sah er da? Er konnte es fast nicht glauben. Neben ihm stand das Rehkitz in der Kiste und leckte an seiner Hand. Dabei schaute es ihn ganz lieb und glücklich an.

„Ach, ist das eine freudige Überraschung!“, rief Humpelpumpel, und sofort nahm er das Tierlein in seine Arme, streichelte und liebkoste es.

„Wie ich mich freue, dass du wieder gesund bist. Ich habe mir solche Sorgen um dich gemacht und so schlimme Dinge geträumt. Doch jetzt ist alles gut!“ Er schaute noch nach den Wunden und stellte fest, dass sie fast ganz abgeheilt waren.

Von jetzt an ging es schnell aufwärts mit unserem Kitzi, so nannte es Humpelpumpel inzwischen. Es hatte einen guten Appetit und bekam auch nur gute, kräftige und gesunde Nahrung.

Bald konnte es nun mit Humpelpumpel außer Haus gehen und ihn auf seinen Wegen begleiten. Am liebsten war es jedoch bei ihm in der Werkstatt. Dort lag es auf dem weichen Sägemehl und schaute ihm bei der Arbeit zu. Nachts schlief es nun in dem kleinen Stall, wo Humpelpumpel ihm ein weiches Lager hergerichtet hatte.

Die Tage und Wochen vergingen und der Sommer neigte sich seinem Ende zu. Es war die Zeit der Ernte gekommen. Humpelpumpel ging nun täglich hinaus um in Feld, Wald und Wiese allerlei Pflanzen, Kräuter und Früchte zu sammeln. Kitzi, jetzt schon stärker und größer geworden, begleitete ihn immer und half ihm bei der Arbeit, so gut es konnte. Vor allem konnte es jetzt schon die gesammelten Sachen auf seinem Rücken nach Hause tragen, worüber Humpelpumpel sich sehr freute, denn er konnte ja nicht so gut laufen und dabei auch noch volle Taschen tragen. Wie wichtig gerade die Heilkräuter sind, wusste Kitzi ja aus eigener Erfahrung.

Inzwischen war es Herbst geworden. Die Blätter färbten sich bunt und die Sonne schien nicht mehr so heiß wie im Sommer.

Kitzi, das bisher immer fröhlich und gut gelaunt war machte seit einigen Tagen einen gedrückten Eindruck. Humpelpumpel sah, wie es vor dem Häuschen stand und in Richtung Wald schaute. Er ahnte schon, was in ihm vorging, zog es aber vor, nicht nach dem Grund zu fragen. Doch eines Abends, als sie nach dem Abendessen in der Küche beisammensaßen, hielt es unser Kitzi nicht mehr aus. Es legte seinen Kopf auf Humpelpumpels Schulter und sagte: „Lieber Humpelpumpel, du weißt, dass ich dich sehr gern habe, aber manchmal fühle ich mich doch sehr einsam. Da denke ich an meine lieben Verwandten, die Rehe draußen im Wald, mit denen ich gerne zusammen sein möchte, um mit ihnen zu spielen und mich mit ihnen zu unterhalten. Kannst du das verstehen?“ „Ich verstehe dich schon“, meinte Humpelpumpel, „obgleich ich dich auch warnen muss. Du bist jetzt an ein angenehmes Leben bei mir gewohnt und es wird für dich nicht leicht sein, dich draußen in der freien Natur zurecht zu finden, zumal dort mancherlei Gefahren lauern.“ „Ach, die anderen Rehe werden damit ja auch fertig, dann kann ich es auch“, antwortete Kitzi. „Nun gut!“, sagte Humpelpumpel. „Ich will dich nicht abhalten, deinen Weg zu gehen, aber ich wollte dich nur warnen. Wenn es mir auch schwerfällt, dich zu verlieren, so kannst du selbstverständlich selbst wählen, was du tun willst, gerade auch jetzt, wo der Winter vor der Türe steht.“ „Hab vielen Dank, lieber Humpelpumpel, ich kann dich ja ab und zu besuchen, dann siehst du mich ja wieder. Morgen werde ich schon gehen!“ „So schnell schon!“ antwortete Humpelpumpel, und er war sehr überrascht, von dem schnellen Entschluss. Kitzi gab ihm nun einen festen Kuss auf die Wange, drückte ihn ganz lieb und sagte: „Hab tausend Dank, lieber Humpelpumpel, du bist halt doch ein ganz lieber und herzensguter Zwerg. Morgen werde ich mich schon in aller Frühe auf den Weg zu meinen Verwandten machen, weshalb ich mich jetzt schon von dir verabschiede.“

Sie umarmten sich nun ganz innig und sagten: „Auf Wiedersehen!“, und beide hatten Tränen in den Augen, so schwer fiel ihnen der Abschied.

Danach begab sich Kitzi in den kleinen Stall und dachte noch ein bisschen nach über alles, was es beim Humpelpumpel erlebt hatte. Aber bald wichen diese Gedanken, und es sah nur noch vor sich, wie schön es sein würde, wenn es mit den anderen Rehen zusammen in Wald und Feld spielen und toben konnte. Endlich schlief es dann ein.

Am nächsten Morgen erwachte es schon sehr früh. Die ersten Sonnenstrahlen blinzelten gerade durch das kleine Stallfenster und kitzelten es an der Nasenspitze, als es die Augen öffnete. Hurtig sprang es von seinem Lager auf und ging nach draußen, um sich die frische Morgenluft um die Nase wehen zu lassen. Dann sprang es mit hohen weiten Sprüngen hinunter an den See, stürzte sich ins klare, kühle Wasser, schwamm ans andere Ufer, wo es wieder an Land ging. „Ach, das hat gut getan“, dachte es bei sich. „Jetzt fühle ich mich richtig froh, und gewaschen bin ich nun auch schon. Jetzt können der neue Tag und ein neues Leben beginnen.

Nachdem es ein paar saftige Gräser, die am Ufer wuchsen, genascht hatte, rannte es zum Waldrand, wo es seine Verwandten vermutete. Aber an diesem Morgen war niemand da. „Nanu,“ dachte es. „Wo sind denn die alle? Am besten wird es sein, wenn ich zur Fichtenschonung gehe, vielleicht sind sie dort und äsen an den jungen Tannenspitzen.“ Als es auf dem Weg dorthin war, sprang plötzlich ein Reh an ihm vorbei und rief ganz aufgeregt: „Wer bist du denn und wo willst du hin? Lauf mir am besten nach.

Wenn du in deine Richtung weiter springst, wird es gefährlich!“ „So halt doch mal an und erkläre mir, was da so gefährlich sein soll“, rief Kitzi dem Reh nach, aber dieses war längst verschwunden. Kitzi blieb stehen und überlegte, was das bedeuten sollte, als es plötzlich einen lauten Knall hörte. Da raschelte es plötzlich neben ihm im Gebüsch und 1-2-3-4 Rehe stürmten an ihm vorbei in die gleiche Richtung, wie das erste Reh. Auch vernahm es jetzt Hundegebell, das aus der gleichen Richtung kam wie der Knall zuvor. Kitzi wusste zwar nicht, was das alles zu bedeuten hatte, aber instinktiv witterte es eine Gefahr und dachte: „Ich muss den anderen Rehen folgen.“ Sofort drehte es um und versuchte, die anderen einzuholen, aber diese waren längst verschwunden. Es überlegte: „Wenn ich die gleiche Richtung nehme, werde ich sie schon einholen.“ Aus Leibeskräften sprang es nun dem Rehpfad nach - Rehe haben ja ihre eigenen Pfade durch den Wald - und hatte dabei den Eindruck, dass Äste und Zweige immer dichter wurden und es allmählich in einen finsteren Tann kam. Mit seinen scharfen Augen spähte es umher, und da sah es plötzlich ein ganzes Rudel Rehe unter einer mächtigen Fichte stehen,