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Lust auf einen besonderen Triller? Wir lernen Olaf kennen und begleiten ihn. Nachdem er als Kind seine Umwelt begann zu hassen, bekam er die Moeglichkeit, diesen Hass zu verfeinern und bei der Bundeswehr zu perfektionieren. Nachdem er die Institution verlassen hatte, wurde die Agentur auf ihn aufmerksam und gab ihm erst einen kleinen Auftrag, den er mit einem guten Ergebnis und einer angeschnittenen Hand erledigte. Mehr Auftraege folgten und immer der Polizei einen Schritt voraus. Bis es in Duisburg knapp fuer Olaf wird.
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Veröffentlichungsjahr: 2021
Inhaltsverzeichnis
Impressum:
1 – Antrieb
2 – Dem Land dienen
3 – Das Böse naht schnell
4 – Der Ratsherr
5 – Urlaub in Brasilien
6 – Auf nach Recife
7 - Ankunft in Recife
8 - Der nächste Morgen.
9 – Rückreise
10 – Auftrag erledigt
11 – Wieder zu Hause
12 – Tod auf der Insel
13 – Norderney
14 – Sobras
15 – Datenaufnahme
16 – Fehler
17 – Abreise
18 – Das erste Auto
19 – Das verdammte Seil
20 – Stralsund
21 – Post und Polizei
22 – Die Männer Gottes
23 – Test in Meppen
24 – Regensburg und Bayreuth
25 – Schätze, die keine sind
26 – Teufel trifft Teufel
27 – Auerbach bei Nacht
28 – Ingo Janssen
29 – Schnappschuss
30 – Auftragsabschluss
31 – Der Clan
32 – KO
33 – Brennende Pferde
34 – 7 minus 2 macht 7
35 – Kniescheibenschießen
36 – Polizeischutz
37 – Schiebung und Spielzeug
38 – Gas
39 – Popcorn und auf der Flucht
40 – Technik, die begeistert
41 – Rückzug
42 – Ein Fahrzeug verschwindet nicht einfach
43 – Kurzurlaub
44 - Fischfutter
45 – Befreiung
46 – Moorleichen
47 – Spuren ins Nichts
48 – Gestatten, Olaf Pony
49 – Uzi Gal
Gestatten, Olaf Pony! Ich bin ihr Mörder
© 2021 Michael Hanjo Kugler
Auflage – Gestatten, Olaf Pony! – Ich bin ihr Mörder
Umschlaggestaltung, Illustrationen und Bilder
Umschlag Foto von pixabay.com/de/users/intographics-2633886
Bild Mann mit Waffe m-version pixabay.com/de/users/man-4134645_1920
Bild Frau mit Waffe f-version Lizenz Nummer 796106 Adobe Stock
Bild Bordmesser mit Marlspieker Michael H. Kugler
Coverbearbeitung Michael H. Kugler
Gewehr mit Schalldämpfer Lizenz Nummer 320893154 Adobe Stock
Pistole mit Munition Lizenz Nummer 90908480 Adobe Stock
Print out Über Amazon.de
Verlag Amazon © Selfpublishing Michael H. Kugler
Lektorat und Korrekturat B.V. Penning /
Testleser (innen) B. V.Penning /
Das Werk, einschließlich seiner Teile und Bilder, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichkeitmachung. Auch das nachträgliche Vertonen und umkonvertieren in eine Sprachdatei ist ohne vorherige Zustimmung des Autors untersagt.
Bibliografische Information und Archivierung in den staatlichen Bibliotheken in Deutschland:
Die staatliche Bilbliothek zu Oldenburg verzeichnet diese Publikation in ihren Archiven als Erstausgabe.
Eine weitere Ausgabe wurde an die Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek in Hannover gesendet. Auch hier als Erstausgabe.
Dr. hc. Michael H. Kugler
Kanalstr. I 64
26639 Wiesmoor
Was jemanden antreibt oder was in einem vorgeht, ist und bleibt ein Geheimnis. Niemand wusste, dass Olaf Pony einer der Menschen sein wird, die der Menschheit einige Gefallen getan hat. Gut für die einen, schlecht für andere. Für die Agentur war er eine perfekt ausgesuchte Maschine. Keine Fragen und keine Diskussion. Aus einem gutausgebildeten Soldaten wurde ein Auftragsmörder. Die Ausbildung bezahlte ihm der Staat selbst. Schnell und stets mit einem Maß and Genauigkeit wurden die Aufträge erledigt. Für seine Opfer indes war er das letzte, was sie auf der Welt zu sehen bekamen, wenn er ihnen die Gelegenheit dazu gab. Olaf Pony, der eine „fast normale“ Kindheit durchlebte, entwickelte sich zu einem wahren Todesengel, der es nie an Freundlichkeit mangeln ließ. Für seine Eltern war er ein Unfall, der es nicht wirklich wert war auf der Erde angekommen zu sein. Und für die Polizei ein Geist, der in der Lage war, jederzeit und aus dem Nichts zu erscheinen und genauso wieder zu verschwinden. Sie konnten ihn nicht zu fassen. Selbst eine einberufene Sonderkommission, eine SOKO, war nicht in der Lage, mit ihm Schritt zu halten.
Warum er war, wie er war? Das kann man vielleicht noch beschreiben. Doch sein letzter Auftrag brach ihm seine Seele.
Ohne Ende – kein Anfang!
Wie es immer ist. Erst muss etwas passieren, dann setzt sich alles in Gang und der Rest zusammen. Fast von alleine. So auch hier. Doch zuerst kurz zu ihm. In aller Kürze – Olaf Pony ist für einige wenige ein schlechter Mensch und hat schlimme Dinge getan. Für andere war er ein Wohltäter.
Er kam mehr oder weniger schon schuldig auf diese Erde. Dass Olaf ein Wunschkind war, wurde ihm weder gesagt noch gezeigt. Eine gewisse fehlende Zuneigung war das einzige, was seinen Aufwuchs begleitete. Egal was, am Ende wurde immer einer gefunden, den man die Schuld zuschieben konnte und wollte. Olaf. Später gesellten sich noch zwei Geschwister zu ihm, doch sie waren gleich in den Vordergrund getreten und er konnte nur durch Taten aus ihrem Schatten hervortreten. Als Kind fing er entsprechend an zu stehlen und fing mit Spielzeug an, was er sich nie hätte leisten können. Immer mit dem Ziel erwischt zu werden. Nicht, dass er sich besonders dumm angestellt habe. Nein, er stahl gut, sicher und viel. Hin und wieder führte es zum gewünschten Erfolg und Olaf wurde erwischt. Dann stand er für kurze Zeit im Mittelpunkt. Die Strafe, die folgte, war stets dieselbe. Olaf musste in den Keller und dort sollte er warten, bis sich jemand fand, der Zeit hatte ihn nach allen internen Hausregeln zu züchtigen. Diese Bestrafung erfolgte dann gemäß der Schwere seines Vergehens wahlweise mit der Hand oder Hilfsmittel, wie Kochlöffel und Bürsten. Aber am liebsten hatten seine Eltern, also die zur Erziehung eines Kindes Berechtigten einen Gürtel, der wenig später sogar einen Haken an der Wand bekam, um im richtigen Moment zur Stelle zu sein. Nebenan im Raum befand sich eine Spielzeugeisenbahn seines Vaters, die er liebte und pflegte. Diese schaute er sich an, während seine Gedanken ganz klein wurden und Olaf als Passagier in die Welt hinausfuhr und dieser Welt entfliehen konnte. In zwei, drei Minuten würde der Zug ohne ihn abfahren und er vor Schmerz seine Augen verdrehen. Aber bitte kein Mitleid. Er war ja selbst Schuld und seine Eltern wussten es einfach nicht besser. Also immer feste drauf. Der Vorgang war ihm bekannt. Auf die Züchtigung wartend, musste Olaf in diesen Raum, wo die Wäsche lag. Dort musste er sich untenrum entkleiden und warten. Das Licht erlosch kurz und ging wieder an. Ein Zeichen, dass sich jemand die Zeit für ihn nahm. Eine Art perverves Vorspiel der zu züchtigen Person zu sagen. „Jetzt geht es gleich los“. Während die Person also herunterkam, musste er, Olaf, sich über einen Haufen Wäsche legen. Olaf legte sich mit dem Bauch darauf und vergrub sein Gesicht in die dreckige Wäsche. Er fand schnell heraus, dass anfängliches Flehen, Betteln und Beteuerungen gar nichts nützten. Jeglicher Versuch, die kommende Strafe abzuwenden oder zu verkürzen, verlängerte diese nur. Zudem waren Schreie nicht erlaubt. Nicht selten wurde ihm der Kopf in die Wäsche gedrückt. Die Nachbarn sollten nichts von der Hilflosigkeit derer, die den Gürtel führten, erfahren. Das Unwetter kam dann unverzüglich.
Nachdem das Gewitter mit durchschnittlich 15 Blitzen vorübergezogen war, blieb er allein mit seinen Tränen und Schmerzen zurück auf dem Wäscheberg liegen. Er oder sie hängte das Hilfsmittel wieder an den Nagel für den nächsten Einsatz. Und der würde ja auch kommen. Das er heute keine Narben habe, grenzt schon an ein kleines Wunder. Der Gürtel war im Grunde nur für sein Gesäß gedacht, doch ab und zu schnellte er zuckend hoch zu seinem Rücken, an den Seiten und nicht selten an seine Brust. Das tat besonders weh, weil der Schmerz dort nicht sein sollte. Tja, seine Erziehungsberechtigten hatten es in der Tat nicht besonders leicht mit ihm.
Dann wurde Olaf 7 Jahre alt. Auf sein Konto gingen bis dahin einige Kochlöffel und drei Gürtel. Es kam die Zeit, wo er seinen Eltern nicht mehr sagen mochte oder konnte, dass er sie besonders gerne hatte. Mit jedem Besuch im Keller, wurde es seltener. Olaf wurde eingeschult und es kam ein wenig mehr Abwechslung in seine kleine Welt. Der Besuch der Schule prägte nun seinen Alltag und die Besuche im Keller wurden entsprechend weniger. Dass indes der Nagel rostete wurde aber vermieden, denn es war immer ausreichend Bewegung an ihm. Er nahm es, wie es eben kam.
Später kam der Moment, dass sich seine Eltern trennten. Es war gerade in Mode gekommen und warum sollten die eigenen diesem Trend nicht folgen. Sie taten es und Olaf bekam eine Stiefmutter, die sich überhaupt nicht mit ihm auskannte, wohl aber beim Wäschemachen den Nagel bemerkte, an dem ein Gürtel hing. Es änderten sich Namen, aber andere Sachen blieben gleich. Warum auch, wenn es doch so einfach war Hilflosigkeit unter dem Deckmantel der Erziehung zu verdecken. Die Kirche macht es schließlich auch und alle tun so, als wäre dem nicht so. Wie schön es doch sein muss als Erwachsener, den Frust mit seinen Kindern zu teilen in der vergeblichen Hoffnung, dass alles besser wird, wenn man danach erleichtert die Stufen empor geht und die Tür schließt. Ein Kaffee ist dann genau das richtige während Olaf unten langsam wieder in Bewegung kam und mit zittrigen Fingern nach seiner Unterhose griff. Die Schmerzen, die ein Gürtel hinterlässt, begreift man erst, wenn die Hose darüber gezogen und verschlossen wird. Die Schreie und Tränen blieben im Keller und nur der Hass eines Kindes wurde mit nach oben genommen. Da er der letzte war, der den Keller verliess, löschte er das Licht, sah die schwarze Leere hochsteigen und schloss die Tuer. Bis zum nächsten Mal.
Sein Hass wuchs und wurde größer, wie eine Sonnenblume. Ja, das ist ein guter Vergleich. Jeder Kern wird zu einer imens hohen Pflanze mit einem starken Trieb und einer Blüte, die die Fähigkeit hat, sich stets der Sonne zuzuwenden. Einmal erwachsen, lässt die Pflanze sich auch von einem Gewitter nicht mehr unterkriegen. Nicht so, wie eine Rose, die aufblüht, auf den Besuch der Bienen wartet und danach die Blätter abwerfen wird. Kurze Pracht für alle und das war es dann. Und als Schutz hat die Rose nur die Dornen, die ihr auch nicht helfen. Das hat die Sonnenblume nicht nötig. Denn sie will nur überleben, um jeden Preis. Ein innerlicher unwiederstehlicher Drang. Und das ist ja auch das, was er wollte.
Familie. Seine leibliche Mutter erwirkte vor Gericht, dass er seinen Kontakt zu seinem Vater und der Stiefmutter verlor. Sie holte ihn zu sich. Na, so ganz wohl war ihm nicht, denn sie war sehr geschult, was Kochlöffel und Bürsten anging. Wie eine Spinne spannte sie ihr Netz und wartete nicht einfach auf Beute. Nein, sie nahm sich, was sie wollte und legte es gleich in die Mitte und in das Zentrum ihrer Macht und fing sogleich an, an der Seele der Beute zu saugen. Ja, sie war ein sogenannter Seelensauger.
Ab hier war Olaf allein, denn sie nahm seine Geschwister nicht mit. Und er bekam einen Stiefvater. Insgeheim fragte er sich wohl, ob allen Kindern das Gleiche widerfuhr. Die Sonnenblume wuchs und gedieh prächtig. Seine Zufriedenheit allerdings nicht so wirklich. Jetzt, wo er ohne Geschwister war, war die Verteilung der Schuld auch viel einfacher. Seine Gedanken wurden mit jedem Besuch im Keller unsortierter. Am Ende seiner Kindheit hasste er sie alle. Seine Geschwister, die Stunden und Tage im Keller, selbst die kleine Eisenbahn seines Vaters, an die er sich so gerne vorher erinnete. Die Tränen, die Schmerzen und die verfluchten Wäscheberge. Olaf hasste sogar die Wut der Tritte und Schläge, wenn der Gürtel es der greifenden Hand nicht leicht machte und am Nagel festhing in dem Augenblick, wo man ihn am liebsten hätte.
Der Gedanke, dass wenn er sein Leben ändern würde, sich auch alles andere ändern würde, kam ihm nicht. Also bestahl er die eigene Familie und er nahm mit, was Olaf konnte, Gegenstände oder Geld. Und er war wie eine Elster. Olaf war voller Wut und nahm alles ohne Rücksicht.
Er verließ nach einem kurzen Augenblick der Rebellion gegenüber seiner Mutter das Elternhaus mit 15 und ging in die Lehre eines Meisters ins Emsland, in Niedersachsen, unweit der holländischen Grenze. Gewohnt wurde ab da in einem Wohnwagen. Sein Hass wurde nur mehr genährt und Olaf machte sich auf die Suche nach einem Ventil. Seine Berufswahl war entsprechend seines Hasses richtig und er ließ sich zu einem Schlachter ausbilden. Schlachter, Fleischer und Metzger.
Jedem würde klar sein, das Fleisch nicht verpackt auf Bäumen wächst und Würste schon gar nicht. Dem Ganzen geht ein wesentlicher Schritt voran. Etwas, was lebt, muss getötet werden. Es ist nicht schon tot, wenn es auf dem Schlachthof oder in der Fabrik ankommt. So bekam er die Gelegenheit, seinen Hass abzubauen. Und das ging ganz gut und Olaf beschränkte sich einzig und allein darauf.
Als er 10.000 Lebewesen ins Jenseits beförderte, hörte Olaf mit dem Zählen auf. Das war nach einer Woche. Es wurden viele Wochen und diese zu Monaten. Er schaute in die Augen und sah zu, bis der Blick brach. Bei jedem einzelnen Tier. Und nein, er hat kein Tier gequält. Fast liebevoll begleitete Olaf alle Tiere vom Hier ins Dort. Immer wieder sagte er dem Tier „Gestatten Olaf Pony, ich bin dein Mörder“. Dann drückte er ohne weitere Emotionen ab.
Sein Hass verging und seine Wut ebbte ab, bis nichts mehr von beiden übrig war. Die Sonnenblume war bereits fast zwei Meter hoch und kräftig gewachsen am Stamm. Olaf mass 1,90m.
Aber das Gute ist, dass die Zeit alles selbst reguliert. Er wurde informiert, dass seine Mutter tot in ihrer Wohnung gefunden wurde. Sein Stiefvater überlebte sie, denn er war schon lange getrennt von seiner Mutter, als ihr wohl ein Ungeschick passierte. Zum Zeitpunkt der Nachricht hatte er bereits einige Jahre keinen Kontakt zu seiner Mutter. Zuvor verließ die Person, die sich die Mühe machte, einen Nagel in die Wand eines Kellers zu schlagen, sein leiblicher Vater, den Weg des Irdischen. Und irgendwann brach der Kontakt zu beiden Stiefelternteilen ganz ab.
Olaf wartete auf seine Chance. Und sie kam.
Damals gab es noch die Wehrpflicht. Ein Gesetz in Deutschland. Dieses Gesetz besagte, dass alle jungen wehrfähigen Männer für mindestens 15 Monate zur Bundeswehr eingezogen werden konnten. Am Tag, an dem besagtes Schreiben kam, beförderte er sein letztes Lebewesen in dessen endgültigen Bestimmungszustand. Damit waren es rund eine halbe Million tierische Seelen, die sich mit großer Sicherheit etwas anderes von ihrem Leben erhofften und mit einem leichten Druck seines Zeigefingers unwiderruflich diese Hoffnungen ausgelöscht sahen.
Olaf tat wie geheißen oder wie befohlen. Eine neue Ausbildung und eine neue Chance. Seine Kindheit war zwar irreparabel beschädigt und vollends gestört, aber er ließ die Chance zu neuen Ufern nicht aus. Deutschland hatte zu dem Zeitpunkt noch eine wundervolle Anzahl an Feindbildern.
Vieles änderte sich. Sein tödlicher Wirkungsbereich zuvor war 30 cm und dieser wurde nun auf 300 Meter und mehr erhöht. Von nah zu weit weg. Von 4 Füssen zu 2. Und nur der Druck des Zeigefingers blieb gleich. Und er konnte nicht mehr den gebrochenen Blick wahrnehmen auf diese Entfernung, was er manchmal als schade empfand. Aber es ging einfacher. Olaf war hochmotiviert, lernte, zielte und drückte ab. Immer wieder. Bei der Bundeswehr wird man dafür noch belohnt und er bekam nach seiner ersten goldenen Schützenschnur für besondere Trefferquoten eine Ausbildung zum Scharfschützen angeboten. Und diese wurden dort eingesetzt, wo es keine anderen Lösungen zur friedvollen Diplomatie gab. Am Ende war er einer von einigen, die den letzten Befehl bekamen und diesen quittierten. Danach meldeten sie sich erst, wenn es was zu melden gab. Und wer ihm den Befehl gab, war für ihm ohne Belang, denn Olaf war ja Soldat. Umso einfacher ist es, wenn man weiß und versteht, was Soldat eigentlich heißt und wofür das Wort steht.
Soll
Ohne
Langes
Denken
Alles
Tun
Wozu also diskutieren? Jemand anderes hat sich doch dazu ausreichend Gedanken gemacht. Er war nur die Ausführung, der Befehlsempfänger. Der lange Arm. Jetzt war er der Gürtel, der am Nagel seinen Platz hatte und auf seinen Einsatz wartet. Er wurde zum Unwetter.
Einsätze kamen und gingen und nach fast 15 Jahren war er ein perfekt ausgebildeter Soldat, schön nach Dienstvorschrift und zu allem bereit. Und weil er einen Monat zu alt war, wurde Olaf kein Berufssoldat und entlassen.
Er verließ die Bundeswehr, doch Olaf brauchte nicht lange warten. Bereits eine Woche nach seiner Entlassung wurde er durch einen, bis dahin, Fremden angesprochen und gefragt, ob er nicht Lust hätte, sich durch einen kleinen Auftrag etwas zu verdienen. Nun, zu dem Zeitpunkt hatte Olaf nichts zu verlieren, neugierig sagte er zu. Daraufhin hielt ein Wagen neben ihm und einem weiteren Fremden, der darin sass und auch sitzenblieb. Die Tür wurde geöffnet. Er stieg in einen Wagen ein und die Tür wurde von der Person von außen geschlossen, die ihn zuerst ansprach. Der Mann, der die Tür zumachte, blieb draußen stehen und wartete, bis er das Gespräch mit seinem Gegenüber beendet hatte. Sein Gegenüber, ein normal gekleideter Herr im mittleren Alter mit einem Bart und Brille fing an. „Wir wissen, sie sind Olaf Pony, 27 Jahre alt, aus Duisburg und leben in Lingen als Single“. Da dies für ihn keine Neuigkeiten waren, nickte Olaf nur kurz. „Herr Pony, uns wurde auch mitgeteilt, dass sie gut mit Waffen umgehen können“. Er nickte wieder und schaute sein Gegenüber nun direkt in die Augen. „Was war ihr bestes Ergebnis?“ wurde er gefragt.
„Nun, unbeweglich 7 in Folge in schwarz auf 400 Meter und in 9 Einsätzen alle genannten, beweglichen Ziele auf 1200 Meter erfolgreich gestoppt“.
Diesmal nickte der Herr und sagte: „Ja, das ist uns bekannt und wir wissen von Polen. Ein Ziel auf 1800 Meter“ „So?“ meinte Olaf, denn dieser Einsatz war während seiner Zeit beim Bund als geheim eingestuft worden. Nicht viele wussten davon. Der Herr war also bestens informiert und somit stoppte Olaf sein Spielchen mit ihm und sagte ihm, dass es richtig sei und er in diesem Einsatz nur ein Ziel hatte.
Der Mann, der da vor mir saß, beugte sich leicht vor und gab ihm einen Umschlag, der die ganze Zeit dort neben ihm auf der Bank lag. „Öffnen sie ihn!“ sagte er und Olaf tat so.
„Es wird für sie in den Norden gehen, nicht weit weg, aber dies wird ihr erster Auftrag sein. Sie begeben sich nach Mariensiel in der Nähe von Wilhelmshaven und Sande, einer kleinen Stadt daneben.“ begleitete der Mann die Öffnung des Umschlages. Olaf sah sich den Inhalt des Umschlages an, führte die Papiere und ein Foto wieder hinein und gab den Umschlag zurück. Alles weitere wird ihnen per Post zugestellt. „Wenn sie keine weiteren Fragen haben?“
Olaf fuhr in den Norden. Mit dem Zug von Lingen nach Leer und von dort weiter. In Sande, dem kleinen Städtchen kurz vor Wilhelmshaven, stieg er aus und dann ging es mit dem Taxi weiter. Mariensiel war nicht sonderlich weit entfernt und die Strecke hätte er auch zu Fuß hinter sich bringen können, aber dann wäre er unweigerlich aufgefallen, denn dort lief niemand an der Straße entlang.
Die Anschrift hatte er und das Foto in seiner Tasche. Auf dem Rücken geschnallt war sein Rucksack und in ihm alle Gegenstände, die er zu seinem Plan benötigte.
Wie zuvor bei allen Aufträgen in der Bundeswehr war es ihm gleich, was Opfer angestellt hatten. Olaf hatte den Auftrag zur Beseitigung bekommen and damit stand es fest. Der Ratsherr dieser kleinen Stadt würde in Kürze von seinem Posten enthoben werden. Er fand das Haus. Versteckt in einer Sackgasse war es das letzte Haus im Wendehammer der Straße. Zwei Autos standen davor. Mit einer sicheren Entfernung überprüfte er die anderen Häuser und deren Abstand zu dem fraglichen Haus. Dann verließ er die Straße wieder und ging über einen nahen Feldweg, der fast parallel zur Sackgasse angelegt war, hinter den Grundstücken entlang. Hier endete der Weg in einem kleinen Waldstück. Er ging in den Wald. Von hier konnte er weiter unbeobachtet an den Grundstücken entlang gehen, bis er am Ratsherrenhaus angekommen war. Er, der Ratsherr war im Garten beschäftigt. Er schnitt Holz mit einer Kettensäge klein und stapelte die Enden, alles Tannenstämme, an einer Außenwand seines Hauses hoch. Er war allein. Die Kettensäge kreischte immer wieder auf und machte Lärm genug. Manchmal muss man eben Glück haben, dachte Olaf so bei sich und legte seinen Rucksack ab.
Der Mann im Garten stellte die Säge ab und stoppte den Motor. Augenblicklich war es still überall. Zu still. Der Mann ging ins Haus und Olaf sah ihm nach. „Zu dumm!“ sagte er leise und wie er es ausstieß kam der Mann aus dem Haus zurück mit einer Flasche Wasser. Dieser öffnete die Flasche, setzte an und trank. Dann wurde die Flasche verschlossen und auf einen Tisch auf der Terrasse abgestellt. Der Ratsherr, er war es ganz bestimmt, nahm sich die Kettensäge vor. Er öffnete den Tank und füllte aus einem Ersatzkanister neuen Kraftstoff hinzu, schloss alles wieder und startete die Säge aufs Neue. Und dann kam er Olaf entgegen.
Olaf, der sich dunkel gekleidet und seine schwarze Ski Maske aufgezogen hatte, stand mit der Waffe im Anschlag im Wald und sah, wie der Ratsherr über seinen eigenen Rasen direkt zu ihm kam. Doch dieser sah Olaf nicht. Der Abstand war noch um die 7 Meter und der Mann mit der Säge machte keine Anzeichen zu stoppen. Viel zu beschäftigt war dieser mit dem Halten der Kettensäge, die in seiner Hand vibrierte und röhrte. Der Mann schaute auf den Boden und nicht in den Wald, denn dann hätte er Olaf dort stehen sehen. Er betrat den Wald und seine Augen gewöhnten sich an die Dunkelheit im Wald. Nur schemenhaft nahm er eine Gestalt wahr, die dort zwischen den Bäumen stand und sich nicht bewegte. Olaf indes fixierte den Ratsherr schon die ganze Zeit und hielt seine Pistole bereits hoch. Mit seinem Daumen entriegelte er die Sicherung. Einatmen. Und beim Ausatmen sagte er: „Gestatten, Olaf Pony!“. Er drückte den Abzug ohne zögern durch und mit sicherer Routine hielt er die Pistole ruhig, während die Kugel diese verließ und sich durch die dicke Jacke des Ratsherren bohrte und diesen zurückwarf. Der Ratsmann war sich nicht im Geringsten im Klaren, was gerade passiert war. Obwohl er getroffen war, ließ er die Kettensäge nicht los. Dennoch stolperte der Mann durch die Wucht des Einschalges rückwärts und fiel hin. Die Kugel hatte den Mann in der Brust getroffen, doch tot war er nicht sofort. Ein roter Fleck bildete sich dort bereits ab. Der Mann öffnete seine Hand und verlor den Kontakt zum Werkzeug. Die Säge kam neben dem Mann zu liegen und röhrte weiter. Olaf trat an den Mann auf dem Boden heran und beendete seinen Satz: „Ich bin ihr Mörder!“ und schoss zwei weitere Kugeln in den Mann hinein. Nun war der Ratsherr keiner mehr. Das Leben entwich aus dem Mann am Boden und niemand hatte etwas bemerkt, weil die Kettensäge nach wie vor einen Lärm machte. Olaf steckte die Waffe zurück in den Rucksack. In diesem befand sich auch eine kleine Eisensäge, doch die brauchte er nicht, weil ja eine andere Säge bereitstand. Olaf nahm die Kettensäge vom Boden hoch. Schaute sie kurz an und betätige den Gashebel. Er richtete sich auf und stellte einen Fuß auf die am Boden liegende Hand, die noch mit dem Arm des toten Mannes verbunden war. Die Kettensäge wurde angesetzt und mit leichtem Druck erhöhte er die Geschwindigkeit auf maximale Leistung. Die Zähne rissen sofort an der Haut und ins Fleisch. Knochen splitterte und Blut war plötzlich überall am Schwert der Säge und an Olaf. Er trennte die Hand komplett ab und danach legte er die Kettensäge auf den Boden neben die Leiche. Diese ließ er weiterlaufen. Aus seinem Rucksack nahm er einen Beutel und legte die abgetrennte Hand hinein. Beides wurde wieder in den Rucksack gelegt. Ein Blick in die Umgebung. Niemand vermisste den Ratsherr in diesem Augenblick.
Olaf ging diesmal nicht direkt zum Weg zurück, sondern durchstreifte den Wald in der gesamten Länge und kam an einem Kanal, der am Wald vorbeiführte, wieder aus dem Wald heraus. Bevor er diesen verließ, kleidete er sich um und stopfte seine mit Blut bespritze Kleidung in den Rucksack zu der Hand und der Waffe. Nichts wurde hiergelassen. Auch seine Handschuhe nicht. Von hier ging es nach rechts zu einer Doppelbrücke. Eine Seite war mit Schienen für den Nahverkehr der Bahn und die andere Seite war für den Straßenverkehr gedacht, wenn auch nur einspurig. Von hier aus würde es nicht mehr weit bis Wilhelmshaven sein. Dort spazierte er hin. Er wusste, dass es in der Nähe einige Kasernen gab und einen Marinestützpunkt und von daher waren Personen mit olivgrünen Rucksäcken keine Seltenheit. Niemand kam auf den schrecklichen Inhalt dieses Sackes. Die Säge war auch schon nicht mehr zu hören. Der Abstand wurde grösser und grösser mit jedem Schritt.
Arbeit macht hungrig und da er bei einem Fastfoodladen mit einem fetten „M“ vorbeikam, machte er dort halt, ging hinein und bestellte sich etwas. Er bekam alles recht schnell und mit dem Tablett bewaffnet, setzte er sich an einen Tisch. Den Rucksack stellte er neben sich ab. Ein Kind sah ihm dabei zu und direkt ins Gesicht. Das Kind zeigte unverholen mit seinen kleinen Zeigefinger auf die Nase des eigenen Gesichtes. Olaf bemerkte dies, stand auf und ging in die Toilette. Im Spiegel sah er einige trockene Blutspritzer, die es wohl an der Maske vorbei bis in sein Gesicht geschafft hatten. Er wusch sie ab. Dann ging er zu seinem Tisch zurück. Das Kind schaute ihn nicht mehr an und war mit einem Spielzeug beschäftigt.
Wie er fertig war, ging er wieder nach draußen und in Richtung Innenstadt. Bevor er dort den Bahnhof erreichte, musste er noch an der Redaktion der Wilhelmshavener Zeitung vorbei. Diese erreichte er gegen späten Nachmittag. Er schaute ins grosse Panoramafester der Redaktion hinein. Längst waren hier alle Mitarbeiter weg und nur in der Eingangshalle machten zwei Frauen sauber und ein Mann stand am Tresen der Rezeption. Aber er brauchte nicht hinein, denn ein großer Briefkasten war außen an der Hauswand befestigt und in diesen schob er den Beutel mit der Hand hinein. Wohlweislich mit Einweghandschuhen, die er sich überzog.
Damit und wieder mit sich zufrieden, ging er zum Bahnhof und suchte sich seine Verbindung zurück nach Lingen. Die Handschuhe verschwanden auf dem Weg dorthin in einem Mülleimer, der an der Strasse stand und auf seine Leerung wartete. Der Zug, der hier im Stundentakt abfuhr, wurde von Olaf gerade verpasst. Die roten Rücklaternen verschwanden in Kurven und aus seinem Sichtfeld. Er musste warten. Direkt ging eh kein Zug. In Oldenburg und in Leer umsteigen. Jetzt wäre ein Auto besser gewesen. Er drehte sich um, verliess den Bahnsteig und kaufte sich etwas zu trinken. Damit ging er wieder auf den Bahnsteig und tat das, was er am besten konnte. Warten.
Der nächste Zug kam und vier Stunden später war Olaf wieder in Lingen. Eine kurze Taxifahrt vom Bahnhof aus und er konnte wieder bei seinen Pflanzen und in seiner Wohnung sein. Am nächsten Tag entnahm er der hiesigen Emsland-Zeitung, dass es einen grausamen Mord in Ostfriesland gegeben hatte und die Ermittlungen in Richtung einer Bande führten. Mehr konkretes wurde nicht genannt. Korruption sei wohl der Auslöser gewesen. Olaf legte die Zeitung wieder aus der Hand. Die Tage vergingen.
10 Tage später verließ Olaf früh am Morgen den Schießklub. Er traf sich dort mit anderen am Abend zuvor, die eine Paintball-Schlacht arrangierten und dabei vergaßen die beiden Teams die Zeit um sich herum. Die Schlacht dauerte die ganze Nacht, bis in die Morgenstunden. Es gab hier im Klub keine Öffnungs- oder Schließzeiten. Personal war immer hier und so wurde der Laden 24 Stunden betrieben. Müde kam Olaf aus dem Klub. Die Tür schloss sich langsam automatisch hinter ihm. Ein weißer Wagen fuhr langsam heran und hielt vor dem Ausgang des Vereines direkt vor Olaf. Ein großgewachsener Mann stieg aus, drehte sich zur Seite und öffnete die hintere Beifahrertür. Er kannte den Mann nicht. Dabei zeigte dieser Olaf deutlich an, dass die Einladung ihm galt. Innen saß der gleiche Mann, wie bei dem letzten Auftrag und gab Olaf einen neuen Umschlag.
Er öffnete ihn stumm.
Drei Bilder waren darin und zeigten eine Frau und zwei Männer. Auf der Rückseite der Bilder waren Anschriften. Die Frau, wahrscheinlich Mitte 40 und die Männer im Alter zwischen 40 und 50 Jahren. Olaf schaute von den Bildern hoch und sah den Mann an. „Herr Pony, wenn sie interessiert sind an einem Urlaub, fliegen sie nach Recife in Brasilien, machen die drei Personen ausfindig und eliminieren sie innerhalb einer Woche“. „Dann kommen sie zurück. Das Equipment wird ihnen in Recife zugestellt und alle nötigen Papiere bekommen sie in zwei Stunden, wenn sie den Wagen wieder verlassen haben“. „Wir wissen, dass ist ihr erster Auftrag nach der Wehrdienstzeit im Ausland, aber es wird nicht der letzte sein, sollten sie alles erledigt haben“. „Das hört sich doch gut an“, sagte Olaf kurz und gab den Umschlag mit den Bildern zurück. Die Tür wurde geöffnet. Der Herr verabschiedete sich mit einem „Guten Morgen“ was Olaf erwiderte. Damit stieg er aus.
Der Mann, der draußen blieb, stieg ein und der Wagen fuhr davon. Nicht spektakulär oder besonders dramatisch.
Auf seinem weiterem Nach-Hause-Weg machte er noch halt bei dem einzigen Waffengeschäft in Lingen und öffnete dessen Tür. „Guten Morgen und moin, Herr Pony“, wurde er begrüßt und Olaf wünschte der Frau hinter dem Tresen das gleiche. „Ich schau nur mal, was es so Neues gibt, wenn sie mir das Gestatten“, sagte Olaf. Die Frau nickte und tippte etwas an ihrer Kasse ein. Er schaute sich um. Neue Gewehre und ein paar Pistolen waren an der Wand und in einer gesicherten Vitrine, die in der letzten Woche hinzukamen. Aber Pistolen waren eher was für den Nahbereich und die Gewehre waren alle für die Jagd oder um irgendwelchen Sportschützen ein gefährliches Aussehen zu verschaffen. Richtige Fernwaffen gab es in dem Laden nicht und so verließ er ihn heute wieder mit einem netten Abschied. Die Frau, so erschien der Eindruck mal, wusste schon, was sie verkaufen sollte, aber mit dem Mann und Eigentümer des Ladens verstand Olaf sich stets besser und wurde von ihm genauer beraten. Der Mann wusste, dass Olaf eine Neigung für Fernwaffen hatte. Er war es auch, der ihm bei seinen privaten Waffenscheinen behilflich war.
In der eigenen Wohnung hatte er ein paar Küchenmesser und die einzige Waffe, die Olaf noch im Besitz hatte, war ein Bolzenschussapparat von seiner Zeit aus dem Schlachthof. Für diesen Apparat hatte und brauchte er einen Waffenschein, denn dieses Gerät war registriert. Seine Gewehre und Pistolen, waren allesamt im Sportschützenverein gesichert und unter Verschluss. Darunter befand sich auch eine Armbrust, die er schon fast ewig hatte. Seine Tomahawk war sein ganzer Stolz. Als er 18 Jahre alt wurde, legte er sich den Kreuzbogen an. Eine ideale stumme Fernwaffe mit einer extrem guten Genauigkeit.
Zu Hause angekommen legte er sich aufs Bett und wartete und mit Ablauf der zwei Stunden hatte Olaf seine Instruktionen. Ein Kurier klingelte an seiner Tür und übergab ihm einen gut gefüllten Umschlag. Eine Unterschrift war nicht notwendig. Sein eigener Reisepass war gültig und so kamen die Reiseroute, Flugtickets, ein Seefahrtsbuch, ein paar Blätter mit Schiffsdaten und eine Hotelreservierung hinzu. In drei Tagen musste er nach Hamburg zum Flughafen und von dort ging es los. Zusätzlich waren noch 2500 Euro in bar dabei. In diesem Augenblick wurde ihm klar, dass sie gar nicht über Geld gesprochen hatten. Na, wenn der Herr mit dem Umschlag eh alles über ihn wusste, dann wusste er auch, was Olaf auf der Bank hatte. Und da er erst vor einem Monat aus der Bundeswehr entlassen worden war, hatte er noch einiges auf seinem Konto und noch nicht wirklich auf Arbeitssuche.
Ob er sich selbst mochte oder sich sympathisch fühlte, konnte Olaf nicht sagen. Er wusste aber wohl, dass da jemand war, dem seine Fähigkeiten bekannt waren und dieser jemand wollte sich dieser bedienen. Und diesem Jemand war es wohl nicht egal wer diesen Job machte und aus diesem Grund wählte man Olaf Pony aus.
Die drei Tage vergingen und Olaf nahm den Zug von Lingen nach Leer und von dort nach Hamburg. Er fuhr gerne mit dem Zug. Kein Stress im Stau und man ist in der Lage, sich die Beine zu vertreten, wenn man einige Zeit sitzen muss. Umsteigen, na gut, einmal in Hamburg, um zum Flughafen zu kommen. Aber das ist es dann auch schon.
Sein Gepäck war leicht und alles passte gut in einen kleinen Koffer. Der Auftrag würde in maximal 7 Tagen erledigt sein. Handgepäck hatte er nur einen kleinen Beutel. Reisepass, Geld und zwei Äpfel waren darin. Im Flieger würde es ohnehin etwas zu essen und trinken geben. Gutgelaunt verließ er den Zug und steuerte auf das Abflugterminal zu. Wohl auch, weil er Business Klasse reisen würde.
Am Schalter wurde Olaf genauso freundlich empfangen, wie er es war und die Angestellte fragte ihn nach seinen Papieren, die er ihr gab. „Herr Pony, sie haben ein Seeleute-Ticket, bitte zeigen sie mir ihr Seefahrts-buch!“. Er tat dies und sie schaute kurz hinein, dann gab sie es ihm wieder zurück. „Sie gehen in ein Hotel und dann an Bord? Haben sie ein Schreiben ihrer Reederei, wo ich den Schiffsnamen sehen kann? Darf ich sie fragen, was sie auf dem Schiff machen, Herr Pony?“ „Ich habe eine Inspektion zu machen und sollte dann wieder nach Hause kommen!“ erwiderte er freundlich und sie gab ihm alle Papiere zurück. Dann folgten Boardingpass und die Einweisung, wo es zur Kontrolle und dem Flugsteig ging. Gleichzeitig und routiniert wurde sein kleiner Koffer eingecheckt. Er verabschiedete sich und ging direkt zur Kontrolle.
Da er nichts mit sich führte, was Aufsehen erregen könnte, konnte er seinen Gürtel wieder in die Hose einführen und seine Schuhe anziehen, nach er den Kontrollbereich verlassen hatte. Nun würde es noch eine weitere Stunde dauern, bis das Boarding beginnen würde. So vertrieb er sich die Zeit mit Lesen von den Zeitschriften, die dort auslagen. Er nahm sich die Äpfel vor.
Die Stunde verging und bis dahin füllte sich die Abteilung zusehends bis fast alle Plätze besetzt waren. Nur ein paar Sitze waren nicht besetzt, aber der Flieger war dennoch sehr gut ausgebucht. Die Türen wurden geöffnet, die Papiere nochmals gesichtet und er ging zu seinem Platz im Flieger. Seinen kleinen Beutel verstaute er in der Klapptasche am Vordersitz. Sein Nachbarsitz blieb frei, was ihm recht war. Olaf war lieber für sich allein, anstatt sich mit jemanden unterhalten zu müssen, den er nicht kannte und hinterher nie wiedersehen würde. Diese Art von gespieltem Anstand war ihm zuwider. Er war sehr wohl in der Lage über Stunden kein Wort zu sagen, obwohl er wach war. Das können nicht viele.
Kaum saß Olaf und war angeschnallt, kam ein Flugbegleiter und schaute, ob sein Anschnallgürtel geschlossen war und bat ihm einen Saft oder Sekt an. Er nahm den Sekt, warum auch nicht. Olaf bedankte sich und sagte ihm, dass seine folgenden Getränke nur Tomatensaft sein würden. Er, der Flugbegleiter, lächelte, nickte und ging. Olaf nahm sich den zweiten und letzten Apfel.
Start - Flug - Landung. Dazwischen Turbolenzen, dann wieder Ruhe und wieder Turbolenzen. Aber alle nicht so schlimm und so schlief Olaf die meiste Zeit. In der Touristen-Klasse rappelten die oberen Gepäck-stauräume und das Geschirr auf den Tablettflächen. In der „Business“ blieb alles ruhig.
Auschecken und auf den Koffer warten. Das Flugzeug leerte sich schnell. Nach der Immigration, der Einwanderungsbehörde war alles wieder normal und er ging durch die grüne Tür. Nichts zu verzollen und nichts zu verbergen. Und dann öffnete sich die Exit Tür. Die Hitze ist wie ein Schlag in die Fresse, die einen fast umhaut. In Hamburg waren es noch 10 Grad und hier fast 35. Er fasste sich und ging hinaus.
Da er mit der Bundeswehr oft in irgendwelchen Ländern unterwegs gewesen war, kannte Olaf dies alles schon und suchte als nächstes jemanden, der seinen Namen auf einem Schild hatte und in die Hohe hielt. Kurze Zeit fand er den besagten Mann und steuerte ihn an. Und da sein Name nicht besonders schwierig war, war er richtig geschrieben. Der Fahrer sah ihn an und zeigte erst auf Olaf und dann auf das Schild. Olaf nickte und der Fahrer streckte seine Hand aus und nahm sich seinen Koffer. Es ging zum Auto, ein sehr alter VW Käfer. Rost an manchen Stellen, aber gut in Schuss. Der unverkennbare Takt des Motors liess Olaf lächeln. Sein Koffer fand auf dem Rücksitz Platz und er selbst auf dem Beifahrersitz. Gurte gab es nicht. Olaf klappte das kleine Drehfenster auf, sodass wenigstens die Luft in Bewegung geriet. Das Schwitzen, was schon lange vorher eingesetzt hatte, stoppte jedoch nicht. Olaf fragte ihn in Englisch, wie weit es denn wäre und der Fahrer sagte, dass es nur 10 Minuten seien, woraus er folgerte, dass sie mindestens eine Stunde unterwegs sein würden. Das Zeitgefühl in der Welt ist nicht deutsch und es wurden 52 Minuten, bevor der Käfer vor einem Hotel stoppte.
Austeigen und einchecken. Auf dem Bett liegen. Warten.
Er war eingenickt, als es an der Tür klopfte. Daraufhin wurde ein Umschlag unter der Tür hindurch geschoben. In ihm befanden sich dieselben drei Bilder, Anweisungen in Englisch und zwei Schlüssel. Er sollte seine Arbeit sogleich aufnehmen und zum Bahnhof fahren. Dort suchte Olaf die Schließfächer, fand sein Fach und nahm einen Koffer heraus. Ein Taxi wurde gemietet. Mit diesem ging es ins Hinterland von Recife in ein Ressort, welches hier fertiggestellt war und mehr oder weniger wohlhabenden Leuten eine ruhige Gegend bat, die außerhalb des Stresses der Großstadt inmitten von grünen Bergen lag. Während der Taxifahrt öffnete er den Koffer kurz und sah hinein. Gewehrteile waren darin. Und noch bevor der Taxifahrer durch den Rückspiegel einen Blick erhaschen konnte, war der Koffer schon wieder zu. Er stoppte das Fahrzeug ein paar Straßen entfernt von der ersten Adresse, die auf der Rückseite des ersten Bildes aufgeschrieben war. Das wusste er, weil er eine Karte in der Hand hatte und während der Fahrt seinen Finger mitführte. Das Bild selbst zeigte einen Mann, mittelgroß im Anzug steckend vor einem Haus mit einem großen schwarzen Wagen. Das Model des Fahrzeuges war ihm nicht bekannt, was ja auch egal war. Sein Ziel war der Mann und nicht das Fahrzeug.
Ihm war auch egal, was der Mann verbrochen hatte, was er tat oder was er machen wollte. Sein Auftrag war eindeutig. Ausfindig machen und töten.
Nachdem er den Fahrer bezahlt und entlassen hatte, spazierte Olaf durch die Straßen und fand das Haus recht schnell. Auch den Wagen erkannte er vor dem Haus. Damit schaute Olaf sich ein Versteck aus, von wo er das Haus und den Eingang besser einsehen konnte und sah, dass das Haus gegenüber aufgestockt auf Pfählen stand, die das Haus circa 1 Meter höher über dem Boden hielten. Darunter hatte er Platz genug, um sich auf die Lauer zu legen.
Olaf vergewisserte sich, dass er nicht auf irgendwelchen Kameras auftauchen würde oder von Leuten aus der Nachbarschaft gesehen wurde und schlich sich im weiten Bogen über ein Nachbargrundstück zu dem ausgesuchten Versteck, kroch hinein mit dem Koffer in der Hand.
Für die, die ihn auf der Straße gesehen hatten, war er nur ein einfacher Mann, der mit einem flachen Koffer durch die Gegend spazierte, wie ein Vertreter. Unscheinbar und irgendwie ziellos. Und das sollte auch so sein.
Ausharren musste er nicht lange. Vor dem Haus tat sich etwas. Die Tür öffnete sich und eine Frau kam heraus. Hinter ihr kam der Mann auf dem Bild aus der gleichen Tür. Er hatte andere Sachen an, aber das markante Gesicht war das, was auf dem Bild auch zu sehen war. Da sein Versteck im Schatten lag, brauchte er sich weder ducken noch wegdrehen. Olaf hatte sich nur eine schwarze Skimütze über den Kopf gezogen. Somit verschwand er komplett, bis auf seine Augen, im Schatten. Er benutzte den Schlüssel und im Koffer die zerlegte Waffe. Den Bauteilen nach, ein normales Gewehr. Kolben, Verschluss, zwei Schalldämpfer, Abzugs- und Visiereinrichtung, Rohr, Verkleidung und ein gefülltes Magazin waren darin festgeschnallt. Kaliber 7,62mm ummantelte Bleigeschosse. Man mochte den Mann nicht besonders, denn dann hätte man eine andere Waffe gewählt. Diese Munition machte hässliche Wunden. Aber gut, das war wohl auch der Zweck, oder man wollte eine Warnung aussprechen.
Das Gewehr war ruckzuck zusammengesetzt. Darin hatte Olaf Übung und machte es fast blind, denn er wollte sein Ziel nicht aus den Augen verlieren. Die Frau stieg in den Wagen, der Mann blieb an der Fahrertür stehen und verabschiedete sich von der Frau mit einem innigen Kuss. Sie zog die Tür zu, startete das Fahrzeug und drehte sich auf dem Sitz, um nach hinten zu sehen. Damit rollte der Wagen rückwärts von der Einfahrt. Der Mann stand nach wie vor da und schaute der Frau nach. Der Schalldämpfer war das letzte Teil, was er auf dem Rohr aufdrehte. Olaf kniete sich auf einem Bein hin und hob das Gewehr. Den Kolben fest an seine Schulter gedrückt schaute er durch das Visier. Entfernung 55 Meter, kein Wind, perfekt. Der Mann drehte sich zum Haus hin um und ging zurück zur offenen Tür. Olaf sah ihm ruhig zu, wartete bis er an der Tür war und sagte: „Gestatten Olaf Pony und ich bin ihr Mörder!“, damit drückte er ab. Es gab einen Rückstoß, die Kugel verließ mit einem leisen „wump“ den Lauf und wurde in dem Kopf des Mannes wieder gestoppt. Teile seines Kopfes wurden zur Seite gedrückt, Blut und Hirn spritze und noch während der Körper des Mannes auf dem Boden aufschlug, war dieser bereits tot und Teile seines Kopfes irgendwo in seiner Eingangshalle. Zum Schließen der Tür hatte der Mann keine Zeit mehr.
Olaf versicherte sich, dass es kein Geschrei oder Aufsehen gab und nach weiteren zwei Minuten, fing er an, das Gewehr wieder zu zerlegen und zu verstauen. Der Koffer wurde wieder geschlossen. Olaf kroch nach hinten zur Hinterseite des Hauses und ging mit ruhigen Schritten an der Seite desselben Hauses wieder zur Straße und bog nach links ab. Es dauerte nicht lange, da fand er ein neues Taxi und machte sich auf dem Weg zur nächsten Anschrift. Doch verspürte er Hunger und somit bat er den Fahrer erstmal ein Restaurant oder Café anzufahren. Dieser fand schnell eines und Olaf fragte ihn, ob er warten würde oder ob eine Bezahlung notwendig sei. Der Fahrer würde warten, aber Olaf nahm seinen Koffer trotzdem mit ins Café.
Im Café war nicht besonders viel los. Drei Kunden, ihn nun eingeschlossen waren dort. Eine Frau saß am Tisch und blätterte in einem Heft, sie hatte einen großen Becher mit einem Getränk vor sich stehen und ein Mann saß am Tresen und aß irgendetwas, was wie Bohnen und Speck aussah. Mit Abstand zu ihm setzte Olaf sich auch an den Tresen. Dabei stellte er den Koffer neben seinen Stuhl auf dem Boden ab. Da ihm das, was der Mann aß auch gefiel, zeigte er der Bedienung, die schon vor Jahren ihr natürliches Lächeln verloren hatte, mit den Finger auf dessen Teller und machte dann seinen Daumen hoch. Stumm verstand sie es und fing an, einen leeren Teller zu befüllen. Diesen stellte sie ihm mit Besteck, was lieblos in Papiertüchern eingewickelt war, auf den Tresen vor ihm hin und befüllte danach ein Glas mit Wasser, welches sie neben dem Teller platzierte.
Es roch mild, war ein wenig zu scharf, aber das Wasser löschte den Brand unverzüglich. Alles gut und nach wenigen Minuten war er satt, legte eine 5 Dollar Note auf den Tresen und verabschiedete sich höflich. Die Dame nahm die 5 Dollar und nun lächelte sie ein wenig. Na, geht doch, dachte er sich und verließ das Cafe. Das Taxi war noch da und so konnte er seine kleine Rundreise weiter durchführen.
Bis zu seinem nächsten Ziel war es aber dann doch zu weit und er entschied sich zurück zum Hotel zu fahren, und morgen früh dann den Bus zu nehmen.
Er schlief nicht besonders gut, weil er sich an diese feuchte Hitze einfach nicht gewöhnen konnte. Alles war und blieb klamm. Zuerst hatte er noch einen Pyjama an, zog diesen dann aber aus und lag nackt auf dem Bett. Es wurde geduscht in der Hoffnung die Feuchte auf seiner Haut würde eine Art Abkühlung bringen, doch sie blieb feucht. Nervig, diese Nässe. Von drei Uhr bis halb fünf hatte er dann aber doch noch einen unruhigen Schlaf finden können, weil er einfach nur noch müde war. Nackt, nass und auf der Bettdecke anstatt darunter. Olaf stand auf, duschte wieder, zog sich an und ging hinunter ins Hotelcafé, bestellte sich einen großen Becher schwarzen Kaffee und Rührei mit Speck.
Wieder im Zimmer schaute er sich die beiden Anschriften an und nahm sich die vor, die auf seiner Karte weiter weg war. Diese Anschrift war genau am Stadtrand von Recife und ein Bus wäre hier das richtige, um dorthin zu kommen. Eine gute Stunde mit dem Bus. Sein Auftrag abwickeln und eine Stunde zurück.
Seine Sachen alle mit sich führend, ging Olaf wieder hinunter zur Lobby und legte seinen Schlüssel auf den Tresen. Auf die Frage, ob er auschecken wollte, drehte er seinen Kopf hin und her. „No, you will see me this Evening again, just clean my room if possible and change the bedsheets1! “ sagte er, lächelte und ging hinaus.
Mit einem Taxi, welches vor der Tür stand, fuhr Olaf zum Busbahnhof und suchte sich die Linie heraus, die ihm nahe genug an sein zweites Ziel brachte. Er fand sie zügig, kaufte sich die Fahrkarte und die Linie 11 war zum Einsteigen bereit. Sehr gut, dachte Olaf bei sich.
Nachdem er einen Platz fand und sich setzte, stellte er den Koffer auf seine Beine ab und wartete einfach ab. Die Türen wurden geschlossen und er kam seinem Ziel näher.
Das zweite Ziel war der zweite Mann. Olaf kam zur angegebenen Anschrift, doch das Haus war leer. Nicht leer im Sinne von unbewohnt, der Mann war einfach nicht da. Das machte Olaf nichts aus, denn er hatte Zeit genug und nutze diese, um sich wieder ein gutes Versteck zu suchen, von wo er das Haus vorne oder hinten gut einsehen konnte. Dieses Haus hatte einen Garten und schöne hohe Büsche an der Hinterseite um den Garten vor neugierigen Blicken der Nachbarn zu schützen. Dort war eine gute Ausgangslage. Das Grundstück betrat er von hinten über das Grundstück eines angrenzenden Anwohners. Niemand sah ihn und so konnte er in einem Gebüsch einen guten Platz finden und dort hockend weiter warten. Sein Blick war auf ein riesiges Fenster an der Hinterseite des Hauses gerichtet, welches einen sehr guten Einblick auf das gesamte Wohnzimmer preisgab. Olaf begann seine Atemübungen. Mit dem Zusammenbau ließ er sich Zeit, denn das war ja innerhalb kurzer Zeit geschehen. Am Abend zuvor reinigte er die Waffe komplett mit einer Lösung, die sogar die Spuren des ersten Schusses verbergen konnte. Damit würde im Falle einer Überprüfung nur anhand der Ballistik herauszufinden sein, wo die erste Kugel herstammte, die im Kopf des ersten Opfers steckte, als er ihn gestern verliess. Mittlerweile würde das Geschoss mit hoher Wahrscheinlichkeit schon aus dem Kopf hervorgeholt und in einer Schale liegen als Beweisstück. Die Schmauchspuren am Gewehr waren beseitigt.
Aus dem Vormittag wurde Mittag und es kam der Nachmittag. Ausdauernd und auf der Lauer sitzend, kam Bewegung ins Haus vor ihm. Zwei Kinder rannten durchs Zimmer, ein Mann, der Mann auf dem Bild erschien und fauchte die beiden Jungen an. Klein und untersetzt erschien er ihm. Die beiden Jungen ignorierten den Mann. Ein wenig fettleibig mit einem Bauch bewaffnet. Olaf verglich nochmal Bild mit der Person, die vor ihm im Wohnzimmer den Fernseher einschaltete. Ein Kind öffnete das Fenster durch aufschieben zur Seite und er hörte Musik aus den Lautsprechern des Fernsehers. Beide Kinder kamen heraus und liefen nun vor ihm auf dem Rasen herum und versuchten sich zu fangen. Dieses Spielen schaltete er konzentriert beiseite und schloss in Ruhe wieder seinen Koffer auf. Während er stumm das Gewehr zusammenbaute, kamen die beiden Jungen in seine Richtung und standen rücklings vor dem Busch, in dem er steckte. Sie lamentierten über irgendetwas, was er nicht verstand, öffneten Süßigkeiten und warfen das Papier achtlos auf den Rasen. Olaf zielte bereits durch das Visier auf den ersten Jungen. Würde dieser sich umdrehen, wäre der Lauf mit dem Schalldämpfer das letzte, was der Junge erblicken würde. Das Kind drehte sich, zum Glück des Jungen, nicht um und lief mit dem anderen zu einem Baum in der Mitte des Gartens, an dem eine Schaukel befestigt war. Olaf drehte sich ein wenig und nahm den Mann ins Visier, der sich gesetzt hatte und eine Pistole in der Hand hatte. Der Mann drehte die Waffe in seiner Hand hin und her. Dann schaute dieser selbst in den Lauf seiner Pistole. Ganz glücklich sah er nicht aus und er hörte auch nicht, wie Olaf ausatmete und sagte leise zu sich selbst: „Gestatten, Olaf Pony. Ich bin ihr Mörder!“ Er drückte ab. Zu seiner Überraschung gab es zu seinem „wump“ einen scharfen lauten Knall. Die Kugel, die den Mann traf, gab demselben noch Zeit einen unkontrolliertem Reflex zu folgen und er selbst schoss sich in den Kopf. Mit seiner eigenen Waffe. Wie man sowas nennt, wusste Olaf nicht zu sagen, aber die Kinder schrien und rannten ins Haus zu dem Mann, der mit dem Sterben beschäftigt war. In dem Moment, wo die Kinder eintraten, verlor der Mann gerade die Kontrolle über seine Hand. Kraftlos kippte der Arm mit der Pistole nach vorne weg. Sie fiel auf dem Boden. Stocksteif schauten die beiden Jungen auf den Mann. Sie waren damit beschäftig zuzusehen, wie der Mann seinen letzten Atemzug machte, und dann in sich zusammensackte. Überall war Blut im Raum. Haarteile klebten an der Decke und tropften zurück auf den Boden.
Olafs Gewehr lag damit schon wieder zerlegt und befestigt im Koffer. Er drückte sanft die Verschlüsse in ihr Schloss. Mit einem leisen knacken rasteten sie ein. In aller Ruhe nahm er seinen Rückzug auf und ging wieder zur Haltestelle, wo er auf die nächste Linie 11 wartete. Diese war vielleicht 175 Meter vom Tatort entfernt. Er konnte Menschen schreien hören. Eine Polizeisirene mischte sich in dieses Schreien und der dazugehörige Wagen passierte schnell die Haltestelle, an der er stand. Die beiden Beamten sahen nach vorne und würdigten ihn keines Blickes. Na, die würden sich wundern, wenn sie statt einer Kugel im Kopf zwei finden würden. Vorausgesetzt sein Geschenk würde noch in ihm stecken und nicht in der Wand gegenüber von dem offenen Fenster. Blut war überall im Raum.
Gegen frühen Abend war er wieder in seinem Hotel, das Zimmer war gemacht, die Bettwäsche gewechselt. Wie gestern auch, verbrannte er das Bild von dem zweiten Ziel und warf die Asche aus dem Fenster. Die Teile des Gewehres wurden wieder intensiv gereinigt. Für ihn gab es eine Dusche. Sein Abendessen bestand aus den Früchten, die auf dem Tisch standen. Das reichte ihm völlig. Er schlief ein klein wenig besser und länger.
Die Sonnenstrahlen weckten ihn und entspannt stand er auf. Wie am Tage zuvor duschte Olaf und bereitete sich auf sein nächstes Vorhaben vor. Sein drittes Ziel war die Frau auf dem letzten Bild. Auf dem Bild waren zudem noch einige Bodyguards zu sehen, wie sie die Frau umringt zu einem Fahrzeug begleiteten. Er drehte das Bild und schaute sich die Anschrift an. Diese befand sich in der Innenstadt, vielleicht 10 Minuten vom Hotel entfernt. Beim Hinausgehen gab er seinen Schlüssel wieder an der Rezeption ab mit der Bitte, sein Bett erneut zu machen. Dann nahm er sich eine Orange und ging hinaus. Die Anschrift war leicht zu finden. Sie lag in der gleichen Straße zwei Blocks entfernt. Bürogebäude. Keine Deckung, kein offensichtliches Versteck, nur ein paar Winkel und ein leeres Büro auf der gleichen Seite. Es war gerade 8 Uhr durch, da kam die Frau zu Fuß von der anderen Straßenseite heran und betrat das Gebäude mit der genannten Anschrift. Ihren Wagen hatte sie auf der gegenüberliegenden Seite in einer Seitengasse abgestellt. Für eine Tötung durch einen Schuss gab es keine Deckung und die Zeit herauszufinden, wo sie wohnte, war auch keine Option. Konzentriert und nachdenklich drehte er sich um, und fasste einen neuen Plan. Dazu brauchte er nur einen Tischtennisball, vielleicht zwei, ein Lineal aus Eisen und ein Rasiermesser. Die Bälle fand er rasch in einem nahen Spielzeugladen und das Messer, sowie das Lineal in einem Supermarkt nahe seinem Hotel. Seinen Koffer brachte er zurück ins Hotelzimmer und ging mit dem Messer, dem Lineal und den Tischtennisbällen in der Tasche wieder hinaus auf die Straße.
In der Nähe des abgestellten Wagens nahm er in einem Straßencafé Platz und bestellte sich einen Kaffee, ein Brötchen und zwei weitere Orangen. Er bezahlte sofort und wartete auf sein Frühstück. Es dauerte nicht lange, da kam die Bedienung mit den bestellten Sachen und er legte die Orangen beiseite. Mit einem Zahnstocher machte er ein kleines Loch in die Tennisbälle. Das Brötchen tunkte er in den schwarzen Kaffee und aß es mit einer sagenhaften nichtgespielten Ruhe. Der Kaffee war ausgezeichnet und schmeckte mit dem Brötchen sehr gut.
Er beobachtete den Wagen und seine Umgebung. Viele Leute kamen dort nicht vorbei und nahmen von dem Auto keine Notiz.
Er stand auf und ging zu dem Fahrzeug. Es interessierte niemanden, als er den Wagen untersuchte und einen Tennisball auf das Schloss drückte und mit der anderen Hand platt schlug. Durch den zentrierten Druck aus dem Tennisball sprang die Zentralverriegelung sofort mit einem Klack auf. Das hatte er schon mehrfach so gemacht und damit brauchte er das Lineal nicht mehr. Hätte der erste Weg nicht zum Erfolg geführt, hätte das Lineal durchs Fenster es sicher getan. Er öffnete wie selbstverständlich die hintere Tür auf der Fahrerseite und stieg ein.
Olaf war sehr geduldig und wartete. Atemübungen wurden gemacht und es vergingen Stunden. Da der Wagen in der Seitengasse stand und dort keine Sonne abbekam, wurde es im Fahrzeug nicht so unerträglich heiß, was sehr angenehm war. Er nahm sich die erste Orange nach einer Stunde vor und die zweite nach weiteren zwei Stunden. Seine vom Hotel mitgebrachte ass er zuletzt. Es roch leicht nach den Früchten im Auto.
Der Feierabend kam und damit auch die Frau. Sie war Mitte 40 und hatte außer einer Aktentasche noch eine Papiertüte mit Lebensmittel dabei. Olaf rutschte vom Sitz hinunter und machte sich so klein, wie es ging hinter dem Fahrersitz. Die Fahrertür wurde geöffnet und sie stieg ein. Die Papiertüte stellte sie auf den Beifahrersitz und ihren Koffer daneben. Die Tür wurde geschlossen. In dem Augenblick, als sie den Schlüssel in die Zündung einführte, hörte sie vielleicht noch, wie jemand etwas in deutsch sagte und sich anhörte wie „Gestatten, mein Name ist Olaf Pony und ich bin heute ihr Mörder“. Dann wurde der Frau plötzlich sehr heiß am Hals und sie fasste sich augenblicklich dorthin. Das Rasiermesser war so scharf, dass sie den Schnitt gar nicht richtig spürte, wohl aber, wie eine Flüssigkeit dort auslief und ihre Hand, als sie sie sah voll mit frischem Blut war. Aus diesem Schock heraus wurde ihr bewusst, dass man ihr gerade die Halsschlagader durchgeschnitten hatte und sie dabei war ihren Lebenssaft zu verlieren. Mit weiten Augen versuchte sie ihren Täter im Spiegel zu ermitteln, was ihr nicht gelang, denn Olaf hatte sich wieder hinter den Sitz rutschen lassen und wartete einfach ab. Er hörte die Frau röcheln, weil sie dabei war, an ihrem Blut zu ersticken. Der Frau war es nicht moeglich zu schreien. Der Schnitt verletzte ihre Luftröhre und Blut floss dort hinein. Die Bewegungen wurden langsamer und aus dem Husten und Röcheln wurde noch ein leises pfeifen. Dann war es ruhig. Die Frau starb still. Blutiger nasser Schaum trat aus ihrem Mund.
Ihr Kopf fiel nach vorne und verbarg die Wunde, die das Messer verursachte. Das Blut lief von ihrem Hals direkt in ihre Bluse und wer von außen in den Wagen schauen würde, könnte annehmen, dass die Frau ein Nickerchen machen würde. Diese Person würde, wenn sie kein Interesse an der Frau hatte, sie in Ruhe schlafen lassen. Olaf rappelte sich auf und saß für einen Augenblick still auf der Rücksitzbank des Wagens und schaute sich um. Alles gut. Niemand interessierte sich für das, was gerade passiert war. Das Messer klappte er ein und nahm es mit. Mit einem kleinen Tuch wischte er seinen Fingerabdruck von der Türklinke innen ab. Dann machte er mit dem Tuch in derselben Hand die Tür auf und stieg in Ruhe aus dem Wagen. Jetzt entfernte er die Abdrücke von außen mit dem Tuch und steckte es in seine Tasche. Die Reste des Tennisballes hob er auf und steckte sie zu dem Tuch. In seiner anderen Hosentasche steckten die Schalen der Orangen. Noch ein Blick auf seine Uhr und er stellte fest, dass er noch einen Kaffee genießen könnte, was er in dem Café tat, indem er am Morgen schon Kunde war. Die Frau ließ er „schlafend“ zurück. Er nahm im Lokal Platz, bestellte und genoss den Ausblick.
Er liess sich Zeit und leerte den Rest des gutschmeckenden Getränkes. Er bezahlte. Danach machte er sich auf dem Weg zurück zum Hotel. Dort angekommen reinigte er das Messer sorgfältig und warf seine anderen Sachen aus den Taschen in den Müll. Das Messer nicht. Das Bild der Frau und die Tischtennisbälle wurden verbrannt und die Asche wieder aus dem Fenster gestreut. Dem Gewehrkoffer widmete er sich besonderer Aufmerksamkeit. Keine Spuren der Tatorte oder Gras durfte an ihm haften. Die Waffe war bereits perfekt gereinigt. Mit einem neuen Tuch legte er das Messer zu den Waffenteilen und verschloss den Koffer. Damit machte er sich auf zum Bahnhof, wo er den Koffer in Empfang genommen hatte und stellte diesen in das gleiche Fach. Das Fach schloss er und bezahlte im Voraus fuer eine ganze Woche, indem er die passenden Münzen einwarf. Olaf ging zurück zum Hotel.
Als er die Tür zu seinem Zimmer öffnete, lag dort auf dem Boden bereits ein neuer Umschlag. In ihm befand sich lediglich ein neues Flugticket, ausgestellt für den nächsten Tag schon gegen Mittag. Von Recife nach Amsterdam und von dort nach Bremen. Wieder Business-Class. Mit sich zufrieden, zog Olaf sich aus und duschte wieder. Die Luftfeuchte stieg wieder an und alles wurde klamm. Danach legte er sich aufs Bett und schlief ein.
Nein,sie werden mich heute abend wiedersehen, reinigen sie einfach meinen Raum und tauschen die Bettwäsche.↩
Wie am Vormorgen wurde er entspannt wach, machte sich wieder frisch. Nach dem Frühstück checkte er aus dem Hotel aus und bedankte sich für den einwandfreien Service. Bezahlt wurde in bar und die Dame freute sich über das Trinkgeld, welches Olaf ihr gab. Er gab ihr alle übrig gebliebenen Münzen, die er noch bei sich hatte. Dafür bestellte sie für ihn noch ein Taxi, was einige Augenblicke später schon vor der Eingangstür stand und wartete. Da es niemanden zu Hause gab, dem er mit irgendetwas beschenken konnte, kaufte er nichts ein und fuhr direkt zum Flughafen in Recife. Olaf checkte normal in die Business-Class ein und setzte sich in ein Restaurant, um dort auf den Aufruf seines Gates zu warten. Dabei schaute er sich die Menschen an, die an ihm vorbei hasteten und keine Zeit zu haben schienen. Er blieb in der gewohnten Ruhe. Das er in den letzten Tagen drei Menschen ermordet hatte, sah man ihm nicht an. Für Olaf war es eben nur ein weiterer Einsatz, diesmal ohne Uniform.
Der Flug verlief normal ohne Störungen und auch in Amsterdam gab es beim Transfer keine Probleme. Sein Gepäck würde bis nach Bremen durchgehen und dort sein, wenn es keine Verspätung in Amsterdam geben würde. Selbst ein Verlust ware zu verkraften, weil sich nichts wichtiges im der Tasche befand. Die Maschine startete mit leichter Verspätung. Der Pilot entschuldigte sich dafür und versprach die Zeit bis Bremen wieder gut zu machen, das Wetter dafür sei gut.
