Goldene Winke für Prediger - Charles H. Spurgeon - E-Book

Goldene Winke für Prediger E-Book

Charles H. Spurgeon

0,0

Beschreibung

Dieses Buch enthält Reden, die Charles H. Spurgeon (1834-1892) auf Pastorenkonferenzen gehalten hat. In jeder Rede ist es förmlich zu spüren, mit welchem gewaltigen Ernst und welcher Liebe zum Wort Gottes er den Pastoren das Ziel vorhielt, nach dem sie streben sollten. Sein Ideal eines Predigers war ein hohes und demgemäß waren die Anforderungen, die er an sie stellte, und die er unablässig selbst zu erfüllen strebte, hoch und streng. Seine Reden kamen aus den Tiefen seines Herzens und wer ihn kannte, wusste, dass er nicht nur predigte sondern sich an dem Gesagten messen ließ. Sein ganzes Leben war ein Zeugnis davon, mit welchem Ernst und welcher Hingabe er seinen Dienst auffasste. Seine Reden haben auch nach über 100 Jahren nicht an ihrer Aktualität verloren und sind heute für Prediger und Pastoren vielleicht noch nötiger als zu seiner Zeit.

Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:

Android
iOS
von Legimi
zertifizierten E-Readern

Seitenzahl: 295

Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:

Android
iOS
Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Goldene Winke für Prediger

Reden bei Pastoren-Konferenzen

Charles H. Spurgeon

Impressum

© 2. Auflage 2018 ceBooks.de im Folgen Verlag, Langerwehe

Autor: Charles H. Spurgeon

Cover: Caspar Kaufmann

ISBN: 978-3-95893-111-4

Verlags-Seite und Shop: www.ceBooks.de

Kontakt: [email protected]

 

Dieses eBook darf ausschließlich auf einem Endgerät (Computer, eReader, etc.) des jeweiligen Kunden verwendet werden, der das eBook selbst, im von uns autorisierten eBook-Shop, gekauft hat. Jede Weitergabe an andere Personen entspricht nicht mehr der von uns erlaubten Nutzung, ist strafbar und schadet dem Autor und dem Verlagswesen.

Dank

Herzlichen Dank, dass Sie dieses eBook aus dem Verlag ceBooks.de erworben haben.

Haben Sie Anregungen oder finden Sie einen Fehler, dann schreiben Sie uns bitte.

ceBooks.de, [email protected]

Newsletter

Abonnieren Sie unseren Newsletter und bleiben Sie informiert über:

Neuerscheinungen von ceBooks.de und anderen christlichen Verlagen

Neuigkeiten zu unseren Autoren

Angebote und mehr

http://www.cebooks.de/newsletter

Autor

Charles Haddon Spurgeon (* 19. Juni 1834 in Kelvedon (Essex, England); † 31. Januar 1892 in Menton, Frankreich) war ein englischer Baptistenpastor. Er gilt als einer der bekanntesten Prediger des 19. Jahrhunderts.

Inhalt

Titelblatt

Impressum

Autor

Vorwort zur Übersetzung

Was wir sein möchten

Haushalter

Die Übel der gegenwärtigen Zeit

Die Wirklichkeit der Religion

Die Kraft des Predigers und die Bedingungen, unter denen er sie erhält

Der Prediger in diesen Zeiten

Der große Schild des Glaubens

Unsere Empfehlungen

Vorwort zur Übersetzung

Den kürzlich erschienenen Vorträgen Spurgeons »Vor seinen Studenten« lassen wir nun noch die letzten Reden folgen, die er bei den jährlichen Konferenzen seiner Prediger gehalten hat, mit Ausnahme der Eröffnungsrede vom Jahre 1891, da diese schon früher übersetzt worden ist.

Dies sind die Reden voll tiefen, gewaltigen Ernstes, in denen er den Pastoren das Ziel vorhält, nach dem sie streben sollen. Sein Ideal eines Predigers war ein hohes und demgemäß waren die Anforderungen, die er an ihn stellte, und die er unablässig selbst zu erfüllen strebte, hohe und strenge. Wie viel liegt schon in der einen inbegriffen, so einfach sie auch klingt: »Tun Sie niemals Ihr Nächstbestes.« Wer die Reden hörte, der fühlte, wie sie aus dem eigenen Herzen hervorquollen, und wer ihn kannte, der wusste, dass sein ganzes Leben Zeugnis davon ablegte, mit welchem Ernst er seinen Dienst auffasste. Ein Leben, das von seinem siebzehnten Jahr an im Licht der Öffentlichkeit geführt wurde und auf das doch keiner seiner Gegner einen Flecken zu werfen vermocht hat. So bitter auch seine Lehre getadelt worden ist von den verschiedensten Seiten: Seine Strenge gegen weltliche Vergnügungen von weltlich Gesinnten, seine freikirchlichen Ansichten von Anhängern der Staatsgemeinde und zuletzt sein festes Halten an der Bibellehre von Mitgliedern der eigenen Konfession.

Die beiden ersten der nachfolgenden Reden sind bei den gewöhnlichen Konferenzen für die in seinem College ausgebildeten Pastoren gehalten, die anderen bei den Konferenzen des neuen, von ihm gegründeten Vereins. Als er nämlich im Herbst 1887 aus der Baptist Union austrat, zeigte es sich, dass auch einige Prediger aus seinem eigenen College sich irrigen Ansichten zugewandt hatten. Da Spurgeon fühlte, dass er nicht in brüderlicher Gemeinschaft mit denen bleiben konnte, die vom Glauben abgewichen waren, löste er den bisherigen Verein der Prediger seines Colleges auf und bildete zugleich einen neuen unter dem Namen Pastors College Evangelical Association, dessen Mitglieder eine Erklärung ihres Glaubens an die Hauptlehren des Christentums unterzeichneten.

Die große Mehrzahl seiner früheren Studenten trat diesem Verein bei. Es wurden auch einige andere Pastoren aufgenommen, die nicht in seinem College gewesen waren. Die erste Konferenz dieses neuen Vereins fiel in eine sehr bewegte Zeit, in die Woche vor den Zusammenkünften der Baptist Union, den ersten, nachdem der Rat derselben das bekannte Tadelsvotum über Spurgeon ausgesprochen hat. Manche dachten, dass es da zu einer Trennung zwischen den Anhängern der alten und der neuen Theologie kommen würde. Stattdessen ward ein Kompromiss – Spurgeon nannte ihn »ein hohler Kompromiss« – geschlossen, dem seine Anhänger mit wenigen Ausnahmen beitraten.

Es war ein Dolchstoß, der durch seine Seele ging. Für ihn war keine Rückkehr zur Baptist Union mehr möglich. Wie gut begründet seine Warnungen gewesen waren, zeigte sich noch klarer ein paar Monate nach seinem Heimgang, gleich bei der ersten Zusammenkunft der Baptist Union. Ein zu derselben gehörender Prediger hatte einem Unitarier1 seine Kanzel eingeräumt und dafür in dessen Kapelle gepredigt. Die Sache wurde zwar vor die Versammlung der Union gebracht, über diesen Prediger wurde aber kein Tadelsvotum ausgesprochen, wie es über Spurgeon verhängt war.

Ebenso wenig erklärten die Pastoren und Delegierten ihren Glauben an die Dreieinigkeit als ein Zeugnis gegen solche Handlungsweise eines ihrer Mitglieder, sondern mit der Unterstützung desselben Predigers, dessen Verfahren infrage gestellt war, wurde ein Beschluss, dass es dem Gewissen jedes Einzelnen überlassen bleiben müsse, wie er in Bezug auf die Unitarier handeln wolle. Die Leugnung der Dreieinigkeit sollte also nicht mehr ein Hindernis für amtsbrüderliche Gemeinschaft sein.

Es war keine persönliche Differenz und keine Änderung seiner Ansichten in Bezug auf die Taufe, um deren willen Spurgeon aus der Baptist Union austrat, sondern ihr Mangel an Festigkeit gegenüber der Leugnung von Grundwahrheiten des Christentums. Diesen hatte er schon früher mit klarem Blick erkannt und mit fester Hand aufgedeckt, da ihm die Treue gegen seinen Herrn und seine geoffenbarte Wahrheit über alles ging. Für diese Wahrheit hat er mit Einsetzung aller seiner Kraft gekämpft, auch wenn die leibliche dabei zusammenbrach; die Festigkeit seines Geistes hat keinen Augenblick gewankt. Möchten diese letzten Reden an seine Amtsbrüder den Predigern aller Konfessionen wie ein Vermächtnis sein, das der gewaltige und hochbegnadigte Zeuge ihnen hinterlassen hat, und mögen sie Ihnen allen zum Segen werden!

Das gebe Gott.

1 Der Unitarismus lehnt die Lehre der Dreieinigkeit Gottes und die Göttlichkeit Jesu ab.

Was wir sein möchten

Ansprache bei der 24. Konferenz der Pastors College Association 1886

Diese Versammlung beginnt, ehrwürdig zu werden. Jahrelang waren wir eine Schar junger Männer. Aber jetzt sind unsere eigenen Söhne mit uns als unsere Gefährten im Predigtamt, und wir fühlen, dass wir keine Jünglinge mehr sind. Wir haben noch nicht das welke und gelbe Blatt erreicht, sind auch noch nicht zu unserer zweiten Kindheit und zur Faselei gekommen. Aber wir nähern uns der Reife und die Überzeugung hat sich uns tief eingeprägt, dass wir, wenn wir je etwas für unsern Herrn Jesus tun wollen, es sogleich tun müssen. Uns bleibt keine Zeit übrig zum Zögern, nicht einmal zur Erholung. Für mich wenigstens scheint die Ewigkeit so nahe, dass ich keine Entschuldigung für Aufschub vorbringen kann. Jetzt oder nie tönt es mir ernst in den Ohren.

Rückblick

Wenn wir, wie heute, nach mehr als zwanzig Jahren brüderlicher Konferenzen zusammenkommen und einige von uns nach mehr als dreißig Jahren des Predigtamtes, was für Erinnerungen umgeben uns da! In dem Kristallspiegel des Gedächtnisses sehen wir die Vergangenheit lebendig und sich bewegend. Fern sei es von mir, obwohl vom Schmerz gefoltert, diesen Spiegel mit dem heißen Atem meiner eigenen Furcht zu trüben. Aber doch muss ich es sagen: Niemals sehe ich auf meine eigene Vergangenheit ohne Bedauern zurück! Ich gehöre zu den am meisten begünstigten Dienern meines Herrn, und ich sinke in den Staub, während ich dies freudig bekenne. Ich habe keine Klagen vorzubringen gegen meinen Gott, aber ich habe nichts als Klagen vorzubringen gegen mich selbst. Es scheint mir, dass ich in dem, worin ich durch Gottes Gnade Erfolg hatte, noch weit größeren Erfolg hätte haben können, wenn ich ein besserer Mann gewesen wäre. Mangel an Glauben von meiner Seite mag meinen Herrn gehemmt und gehindert haben. Wenn ich die Heiligen Gottes geweidet habe, so hätte ich diesen heiligen Hirtendienst weit mehr zu meines Herrn Preis verwalten können, wäre ich nur tauglicher gewesen, von seinem Geist gebraucht zu werden. Wie kann ich mit eitler Selbstgefälligkeit auf das Wenige blicken, was getan ist, wenn ich vor meinen Augen eine unermessliche Menge von Möglichkeiten sehe, die ich mir entgehen lassen habe?

Dies wird ein heilsames Gefühl für die jüngeren Brüder sein, die von ihren ersten Siegen aufgebläht sind. Mögen sie sich zu einer höheren Stufe der Erwartung erheben, damit sie nicht zu schnell selbstzufrieden werden und so alle Hoffnung auf ein großes Leben zerstören. Glauben Sie mir, junger Bruder, in dem Maß wie unsere Jahre uns ernüchtern, werden wir mehr und mehr unserer Unvollkommenheiten bewusst und fühlen uns immer weniger geneigt, unsere eigenen Leistungen zu bewundern. Für mich bedeutet ein Rückblick einen herzlichen Psalm des Lobes und einen tiefen Seufzer des Bedauerns. Dem Herrn sei Ehre auf ewig! Aber mir gebührt Schande und Scham des Angesichtes.

Doch was nützt das Bedauern, wenn wir dadurch nicht zu einer besseren Zukunft emporsteigen können? Seufzer, die uns nicht höher erheben, sind ein schlechter Gebrauch des Lebensodems. Züchtigen Sie sich selber, aber seien Sie nicht entmutigt. Sammeln Sie die Pfeile auf, die früher weit von dem Ziele niedergefallen sind, nicht um sie in leidenschaftlicher Verzweiflung zu zerbrechen, sondern um sie mit genauerem Zielen und mit mehr konzentrierter Kraft auf die Scheibe abzuschießen. Weben Sie Siege aus Niederlagen. Lernen Sie Erfolg von Fehlschlägen, Weisheit von Missgriffen. Durch Gnade wollen wir, wenn wir gut gearbeitet haben, besser arbeiten. Wir wollen uns völliger mit Gott bekannt machen, damit, wenn wir mehr in Einklang mit ihm sind, unser Leben zu einem göttlicheren Ton gestimmt werde. Vielleicht liegt das Heilmittel für diese bösen Tage nahe bei unserer eigenen Besserung. Wenn unsere eigenen Fackeln weniger Rauch und mehr von der himmlischen Flamme haben, so mag die Nacht nicht ganz so traurig scheinen.

Aussicht

Was die Aussicht betrifft, die wir vor uns haben, mag ich vielleicht als ein Prophet des Unglücks gelten. Aber ich bin es nicht. Ich trauere über die furchtbaren Abirrungen von der Wahrheit, die jetzt zu zahlreich sind, als dass wir im Einzelnen ihrer gedenken könnten. Dessen ungeachtet bin ich nicht unruhig, viel weniger entmutigt. Diese Wolke wird vorüberziehen, wie viele andere vorübergezogen sind. Ich meine, es sieht jetzt besser aus, als früher. Ich meine nicht, dass der Teufel irgendwie besser ist. Ich habe nie erwartet, dass er das sein würde. Aber er ist älter. Brüder, ob dies besser oder schlimmer ist, weiß ich nicht. Aber sicherlich ist der Erzfeind nicht etwas so Neues für uns, wie er es war. Uns ist nicht ganz so bange vor jener besonderen Form der Teufelei, die jetzt wütet, weil wir anfangen, ihre Gestalt wahrzunehmen. Das Unbekannte erschien schrecklich. Aber genaue Bekanntschaft hat die Besorgnis hinweg genommen. Zuerst sah dieses »neuere Denken« aus wie ein Löwe. Das Brüllen war entsetzlich, obwohl für einige Ohren immer etwas wie das Geschrei eines Esels dabei war. Bei genauerem Hinschauen sah der große König der Tiere mehr wie ein Fuchs aus, und nun würden wir ihm Ehre antun, wenn wir ihn mit einer wilden Katze verglichen. Wir sollten von Löwen gefressen werden, aber die Ungeheuer sind nicht zu sehen. Wissenschaftliche Religion ist leeres Geschwätz, in dem weder Wissenschaft noch Religion ist. Der Berg hat seine Maus geboren, oder jedenfalls ist das große Ereignis nahe. Es ist nichts in all diesen Kunststückchen.

Gegenwärtig sehe ich die Flut nachlassen. Nicht, dass ich mich viel darum kümmerte, denn der Felsen, auf dem ich baue, wird nicht durch Ebbe und Flut menschlicher Philosophie berührt. Doch ist es interessant zu beobachten, dass die Strömung nicht ganz dieselbe Richtung wie bisher hat. Junge Männer, die es mit dem neueren Zweifel versuchten, haben unter seinem austrocknenden Einfluss ihre Zuhörerschaft dahinschwinden sehen und sind deshalb nicht ganz so darin verliebt, wie sie es waren. Es ist Zeit, dass sie eine Änderung machen; denn christliche Leute haben bemerkt, dass diese fortgeschrittenen Männer sich nicht durch reichliche Gnade auszeichneten. Und sie sind sogar dahin gekommen, zu denken, dass ihre schlaffen Ansichten von der Lehre ganz aus einem Stück mit Schlaffheit in der Religion überhaupt wären. Mangel an Gesundheit im Glauben ist gewöhnlich durch Mangel an Bekehrung verursacht. Hätten gewisse Männer die Kraft des Evangeliums in ihrer eigenen Seele gefühlt, so würden sie es nicht so bereitwillig verlassen, um Fabeln nachzurennen.

Liebhaber der ewigen Wahrheit! Ihr habt nichts zu befürchten! Gott ist mit denen, die mit ihm sind. Er offenbart sich denen, welche seiner Offenbarung glauben. Unser Zug geht nicht hin und her, sondern vorwärts zum Siege. »Diese Ägypter, die ihr heute seht, werdet ihr nimmermehr sehen ewiglich.« Andere Feinde werden sich erheben, wie die Amalekiter, Hethiter, Jebusiter, Pheresiter und alle übrigen, die wider Israel aufstanden. Aber im Namen des Herrn werden wir weiter ziehen, um das verheißene Erbteil in Besitz zu nehmen.

Vorschlag

Mittlerweile ist es unsere Sache, ruhig weiter zu arbeiten. Unsere Tagträume sind vorüber. Wir werden weder die Welt zur Gerechtigkeit bekehren, noch die Gemeinde zur Orthodoxie. Wir weigern uns, eine Verantwortlichkeit zu tragen, die uns nicht zukommt, denn unsere wirkliche Verantwortlichkeit ist mehr als genug. Gewisse weise Brüder wollen mit warmem Eifer ihre Denomination reformieren. Sie reiten tapfer aus. Das Glück begleite die Kämpfer! Sie sind gewöhnlich klüger, wenn sie wieder heimreiten. Ich bekenne, dass ich große Bewunderung für meine Don Quijotischen Brüder hege. Aber ich wünschte, sie hätten mehr Erfolge ihrer Tapferkeit aufzuweisen. Ich fürchte, dass sowohl die Welt als auch die Gemeinde über unseren Bereich hinaus liegen. Wir müssen mit kleineren Wirkungskreisen zufrieden sein. Selbst unsere eigene Denomination muss ihren eigenen Weg gehen. Wir sind nur soweit verantwortlich, wie es in unserer Macht steht, und es wird verständig sein, diese Macht für etwas zu gebrauchen, was wir erreichen können. Im Übrigen wollen wir uns nicht sorgen und plagen wegen der Dinge, die über unsere Grenze hinaus liegen. Wenn wir auch nicht alle Dornen und Disteln ausrotten können, die der Fluch der Erde sind, so können wir doch vielleicht unser eigenes Stückchen Land reinigen. Wenn wir die Wüste nicht in eine Weide verwandeln können, so bemühen wir uns wenigstens darum, dass zwei Grashalme wachsen, wo früher nur einer wuchs. Und das wird etwas sein.

Brüder, lasst uns gut auf unsere eigene Festigkeit im Glauben, unseren eigenen heiligen Wandel mit Gott achten. Einige sagen solcher Rat sei selbstsüchtig. Aber ich glaube, dass es in Wahrheit nicht Selbstsucht ist, sondern eine vernünftige und praktische Liebe zu anderen, die uns auf unseren eigenen, geistlichen Zustand achten lässt. Mit dem Wunsch, sein Bestes zu tun und seine Kräfte im höchsten Grad zu Gottes Ehre zu gebrauchen, sucht ein treues Herz in allen Dingen recht zu Gott zu stehen. Wer schwimmen gelernt hat, der hat eine richtige Selbstsucht genährt, denn er hat dadurch die Macht erlangt, den Ertrinkenden zu helfen. Mit der Absicht, anderen zum Segen zu werden, lasst uns ernstlich nach den besten Segnungen für uns selber streben.

Persönlicher Ehrgeiz

Ich möchte gern mein Bestes tun. Ich mag vielleicht noch nicht einmal die Weise kennen, wie ich am meisten nützen kann, aber ich wünsche sie sehr bald kennenzulernen. Wenigstens kann ich ehrlicherweise so weit gehen, zu sagen, dass ich, wenn ich fühlte, ich könnte außerhalb der Kanzel nützlicher sein als auf ihr, sofort von ihr herabeilen würde. Wenn mir Gott zusicherte, dass er mehr verherrlicht werden würde, wenn ich an einer Straßenecke die Schuhe putzte, als durch mein Zeugnis vor der großen Versammlung, so würde ich die Belehrung willkommen heißen und ihr durch die Tat gehorchen. Einige Menschen können nie viel für Gott tun in der Weise, die sie vorziehen, denn sie waren niemals für solches Werk gemacht. Eulen werden es niemals den Falken gleichtun beim Tageslicht. Falken dagegen würden sich gar nicht zurechtfinden in dem Unternehmen bei Nacht in den Scheunen nach Ratten und Mäusen und kleinem Wild herumzujagen. Jedes Geschöpf ist nicht nur gut, sondern sehr gut an seinem Platz, seine eigene Aufgabe erfüllend. An einem anderen Platz mag es vielleicht etwas Lästiges sein. Mein lieber Freund, sei deiner Bestimmung treu! Der eine würde ein ausgezeichneter Prediger sein, wenn er gerades, ehrliches Deutsch spräche. Warum muss er sich ruinieren, indem er sich eines zierlichen Stils befleißt? Ein anderer würde sich zugrunde richten, wenn er versuchte, außerordentlich einfach zu sein, denn er ist von Natur blumenreich. Warum sollte er nicht seiner Neigung folgen? Apollos hat die Gabe der Beredsamkeit. Warum muss er dem rauen Petrus nachahmen? Ein jeglicher in seiner Ordnung. Es scheint mir heutzutage, dass ein jeglicher seine Unordnung vorzieht. Möge ein jeglicher herausfinden, was Gott will, dass er tun soll. Und möge er es dann tun, oder bei dem Versuch sterben. In welcher Weise kann ich meinem Herrn am meisten Ehre bringen und am meisten seiner Gemeinde von Nutzen sein, solange ich auf der Erde bin? Beantworten Sie diese Frage, und dann handeln Sie danach.

Mehr Gnade

Eines steht über allen Fragen: Wir werden unserem Herrn am meisten Ehre bringen, wenn wir viel Gnade von ihm erhalten. Wenn ich viel Glauben habe, sodass ich Gott bei seinem Wort nehmen kann, viel Liebe, sodass der Eifer um sein Haus mich frisst, viel Hoffnung, sodass ich der Frucht meiner Arbeit sicher bin, viel Geduld, sodass ich Hartes um Jesu willen ertragen kann, dann werde ich meinen Herrn und König sehr ehren. O dass ich viel Hingabe hätte, dass mein ganzes Wesen seinem Dienste geweiht wäre. Dann wird, ob meine Talente auch gering sein mögen, mein Leben doch brennen und glühen zum Ruhme des Herrn! Dieser Weg der Gnade steht uns allen offen. So zu sein, wie es einem Heiligen geziemt, das kann jeder Christ erreichen. Und dies ist die sicherste Art Gott zu ehren. Obgleich ein Prediger nicht mehr als hundert in einer Dorfkapelle um sich sammeln mag, so kann er doch ein solcher Mann Gottes sein, dass seine kleine Gemeinde ein ausgezeichnetes Samenkorn wird, jeder Einzelne in ihr wert mit Gold aufgewogen zu werden. Dem Prediger mag nicht viel Lob zuteilwerden in der Statistik, die nach Dutzenden und Hunderten rechnet; aber in jenem andern Buch, das kein Sekretär führen könnte, wo die Dinge mehr gewogen als gezählt werden, da wird das Register dieses Arbeiters seinem Herrn viel Ehre bringen.

Große Sorgfalt ist nötig

Brüder, mein Wunsch ist, alles für den Herrn in der besten Weise zu tun. Wir sind alle begierig, viel für den Herrn zu tun. Aber es gibt einen noch köstlicheren Weg! Mit klingender Kelle schlagen wir darauf los, bauen eine Mauer und umgürten eine Stadt in sechs Monaten: Diese Mauer wird nur sechs Tage überdauern. Es wäre besser, mehr zu tun, indem man weniger täte. Gründlichkeit ist unendlich viel besser, als oberflächliches, rasches Arbeiten. Es ist gut, für Gott mikroskopisch zu arbeiten. Jedes kleine Stückchen unserer Arbeit sollte die genaueste Untersuchung ertragen können. Das Werk der Gemeinde müsste in vollkommener Weise getan werden, denn ihre Mängel werden sich sicherlich innerhalb kürzester Zeit in großem Maßstab zeigen. Die Sünden von heute sind die Leiden von Jahrhunderten. Schaut auf jene Täler in den Hochlanden, die bis zu dieser Stunde römisch-katholisch geblieben sind. Wären sie zur Reformationszeit sorgfältig von protestantischen Predigern besucht worden, so hätten sie nicht Jahrhunderte lang in der Knechtschaft des alten Rom bleiben können. Eine noch so kleine Abweichung von der rechten Linie mag Jahrhunderte kummervoller Arbeit zur Folge haben! Unsere puritanischen Vorväter errichteten ihre Mauern und legten ihre »Steine wie einen Schmuck« und bauten die Stadt Gottes gut. Dann blickte Oliver Cromwell, jener größte der Helden, auf sie und lieh ihnen seinen Beistand. Er führte das Schwert aus Stahl wie es nur wenige je getan haben, aber seine fleischliche Waffe passte nicht zu dem Tempel des Herrn. Gott schien zu ihm zu sprechen wie er zu David gesprochen hatte: »Du sollst meinem Namen nicht ein Haus bauen; denn du bist ein Kriegsmann und hast Blut vergossen.« Deshalb musste der Puritanismus und all seine große Sittlichkeit untergehen, weil seine Söhne nicht sahen, dass das Reich des Herrn nicht ein Reich von Kirche und Staat ist, noch vom Gesetz der Nationen, sondern einzig und allein vom Geist des Herrn. Wir, auf die das Ende der Welt gekommen ist, müssen dafür Sorge tragen, dass wir nicht die Heere des Herrn noch zusätzliche vierzig Jahre in der Wüste umherziehen lassen, wenn Kanaan sonst so nahe gewesen wäre. Der Herr helfe uns Arbeiter zu sein, die sich nicht zu schämen brauchen, die das Wort »recht teilen«. Mögen wir leben im Angesicht der Jahrhunderte, der vergangenen wie der zukünftigen, als ob wir den sehen, der unsichtbar ist!

Anregung

Brauche ich euch liebevoll zu bitten, Brüder, die Gabe zu erwecken, die in euch ist? Pflegt die Gaben, die ihr von Natur und durch die Gnade fürs Predigtamt habt. Der Pastor weiß viel mehr als der Student, da er das College verließ. Hat er nun alles gelernt, was er in dieser Zwischenzeit gelernt haben sollte? Ohne Zweifel, viele unserer Brüder werden weiser, als ihr Lehrer war und kennen besser ihren Herrn.

Ich bin nicht ganz sicher hinsichtlich derjenigen, die dies am eifrigsten von sich selber behaupten. Wirklicher Fortschritt kann gewöhnlich nach der Demut gemessen werden. Der weiß am meisten, der sich am meisten bewusst ist, dass er wenig weiß. Wir haben alle ernstliches Studium sehr nötig, wenn unser Amt zu irgendetwas nützen soll. Wir haben von den französischen Bauern gehört, die zu dem Papst sandten und ihn um einen Pfarrer baten, der seine Ausbildung vollendet hätte. Sie beklagten sich, dass ihr Pastor fortwährend studiere, und sie wollten einen Mann, der alles wüsste, was notwendig sei und folglich keine Zeit für Bücher und Nachdenken nötig hätte. Was für Narren mussten die Leute in jenem Teil von Frankreich sein! Wir brauchen Prediger genau von der Art, die sie verachteten. Wer aufgehört hat zu lernen, hat aufgehört zu lehren. Wer nicht mehr im Studierzimmer sät, wird nicht mehr auf der Kanzel ernten.

Seelengewinner

Mein ernster Wunsch ist, dass wir alle wirklich Seelengewinner werden möchten. Ich hoffe, ihr werdet nie die Meinung bekommen, dass nur eine gewisse Klasse von Predigern Seelengewinner sein könnte. Jeder Prediger sollte dahin arbeiten, seine Hörer zu erretten. Der beste Lohn unseres Lebenswerkes ist der, tote Seelen zum Leben zu bringen. Mich verlangt danach, jedes Mal Seelen zu Jesus gebracht zu sehen, wenn ich predige. Mir würde das Herz brechen, wenn ich nicht sehen würde, dass es so wäre. Die Menschen gehen so schnell in die Ewigkeit hinüber, dass wir sie sofort erretten müssten. Wir haben keine geheime Hoffnung, die es uns leicht macht, gegenwärtige Gelegenheiten zu verlieren. Von allen unseren Gemeinden sollte ein bitterer Schrei zu Gott hinaufgehen, wenn nicht fortwährend Bekehrungen gesehen werden. Wenn unser Predigen niemals eine Seele errettet und es nicht wahrscheinlich ist, dass dies jemals geschehen wird, sollten wir dann Gott nicht mehr Ehre bringen als Bauer oder als Händler? Welche Ehre kann der Herr von nutzlosen Predigern empfangen? Der Heilige Geist ist nicht mit uns, wir werden nicht von Gott für seine Gnadenzwecke gebraucht, wenn nicht Seelen zum himmlischen Leben erweckt werden. Brüder, können wir es ertragen, nutzlos zu sein? Können wir unfruchtbar und doch zufrieden sein?

Denkt daran: Wenn wir Seelen gewinnen wollen, so müssen wir dementsprechend handeln und ernstlich danach streben. Man fängt nicht Fische, ohne es zu beabsichtigen, und man errettet nicht Sünder, ohne darauf abzuzielen.

Das Gebet eines gewissen Pastors vor seiner Predigt war, dass Gott Seelen durch seine Rede segnen wolle. Nachdem ich diese Rede gehört habe, wunderte ich mich über das Gebet. Wie konnte der Mann um das bitten, woran er nachher niemals gedacht zu haben schien? Seine Rede machte sein Gebet zunichte. Er hätte genauso Wasser auf das Feuer gießen können und dann Gott bitten, das Feuer dadurch brennen zu lassen. Gott wirkt durch Mittel, die zu seinen Zwecken geeignet sind; und wenn dies der Fall ist, wie kann er dann gewisse Predigten segnen? Wie, im Namen der Vernunft, können Seelen durch Predigten bekehrt werden, welche die Leute in den Schlaf wiegen, durch Predigten, die bloße Kleinlichkeiten enthalten, durch Predigten, die ganz deutlich sagen: »Seht, wie geistreich ich das ausdrücke«, durch Predigten, welche Zweifel einflößen und auf jede geoffenbarte Wahrheit Verdacht werfen? Um den göttlichen Segen dafür zu bitten, was nicht einmal gute Menschen loben können, ist armselige Arbeit. Das, was nicht aus innerster Seele kommt und nicht für uns eine Botschaft von des Herrn eigenem Geist ist, wird wahrscheinlich nicht die Seelen anderer Menschen berühren und für sie das Wort des Herrn sein.

Lehrer

Brüder, ich wünschte, wir alle wären Lehrer.

Die Gemeinde hat nie Überfluss an denen, deren »Lippen viele weiden«. Es sollte unser Streben sein, »gute Haushalter der mancherlei Gnade Gottes« zu werden. Wir alle kennen gewisse tüchtige Prediger, die Ausleger des Wortes sind und Lehrer der Gläubigen. Man bringt immer etwas mit, wenn man sie hört. Sie handeln mit köstlichen Sachen. Ihre Ware ist vom Golde Ophirs. Einige Stellen der Schrift werden angefühlt und in ein neues Licht gesetzt, und manche Einzelheiten der christlichen Erfahrung werden beschrieben und erklärt. Wir gehen von solchen Predigten weg mit dem Gefühl, dass wir in einer guten Schule gewesen sind. Brüder, ich wünschte, dass der Predigtdienst eines jeden von uns ein so erbaulicher wäre! O dass wir die Erfahrung, die Erleuchtung, den Fleiß hätten, der für einen so hohen Beruf nötig ist! O, dass wir mehr lehrreiche Predigten hätten! Brüder, seht viele der neueren Predigten an! Was für Feuer und Wüten! Was für Blitzen und Donnern! Wozu dies alles? Zu welchem Zweck ist diese Zurschaustellung? Wir stoßen oft auf Predigten, die einem Kaleidoskop gleichen, wunderhübsch, aber was ist darin? Sehen Sie, da sind verschiedene Stückchen farbiges Glas und ein oder zwei Stücke von einem Spiegel und andere Kleinigkeiten, und diese werden in ein Rohr gesteckt! Wie sie funkeln! Was für wunderbare Zusammenstellungen! Was für bezaubernde Verwandlungen! Aber was sehen Sie? Sie haben nach zwanzig Darstellungen nicht mehr gesehen als zuerst. Denn in der Tat, es ist nicht mehr da! Einige Prediger tun sich hervor durch Zitieren von Versen. Andere zeichnen sich aus in der Apposition und Alliteration oder in der Besonderheit der Einteilung ihrer Themen. Viele sind groß in häuslichen Leiden und Sterbebettszenen und halbdramatischen Darstellungen, sehr ergreifend, sehr sensationell; und unter göttlicher Leitung nützlich in einem Maße. Aber wenn Seelen errettet werden sollen und errettete Seelen genährt werden sollen, so müssen solidere Dinge einen hervorragenden Platz einnehmen. Wir müssen die Herde Gottes weiden! Wir müssen von den ewigen Wahrheiten reden und Herz und Gewissen anfassen! Wir müssen in der Tat leben, um ein Geschlecht von Heiligen heranzuziehen, in denen der Herr Jesus wiederstrahlt wie in tausend Spiegeln.

Väter

Der Apostel Paulus sagt mit Wahrheit: »Ihr habt nicht viele Väter.« Er nennt die gewöhnliche Art der Lehrer Pädagogen, und sagt, dass wir viele solche hätten, aber »Väter« sind nicht viele. Kein Mensch hat mehr als einen leiblichen Vater, und in dem strengsten Sinne haben wir jeder einen geistlichen Vater, und nicht mehr. Wie merkwürdig wahr sind des Apostels Worte in der jetzigen Zeit. Wir haben immer noch einen Mangel an geistlichen Vätern. Ich möchte den Brüdern dieser Konferenz, die schon jahrelang im Dienst stehen, den Wink geben, dass wir zu der Stufe von Alter und Erfahrung gekommen sind, auf welcher jeder von uns das Bild eines Vaters vor sich hinstellen sollte, als das, dem er sich immer mehr zu nähern hätte. Wir sind schon Väter in dem Sinne, dass wir um uns her Bekehrte haben, die unsere Kinder in dem Herrn sind. Wir haben schon die Bekenntnisse der Buße und die gläubigen Gebete derer gehört, die durch unsere Predigt für den Herrn geboren wurden. Viele von uns, geliebte Brüder, können ohne Prahlerei sich freuen, dass der Herr uns nicht ohne Zeugnis gelassen hat. Unser Predigen ist schwach und unvollkommen gewesen; aber der Herr hat vielen durch unsere Worte Leben gegeben.

Das väterliche Verhältnis ist eins, das viel von uns erfordert.

Ein Vater sollte ein fester und selbstständiger Mann sein

Man sucht in einem Vater solide Werte und ein festes Urteil. Manchen Prediger könnten wir nicht »Vater« nennen. Es würde zu lächerlich scheinen. Der, welcher mit ernsten Dingen spielt, der Bruder, der veränderliche Ansichten hat, der Mann, der zornigen Geistes ist, steht nicht da, wenn wir die Liste der Väter verlesen. Etwas Gewicht, Freundlichkeit, Würde, Stetigkeit und Ehrwürdigkeit gehört zu unserer Vorstellung von einem Vater. Große Wahrheiten sind ihm sehr teuer, denn er hat viele Jahre lang ihre Macht erfahren. Wenn einige der Knaben ihm sagen, dass er hinter der Zeit zurückgeblieben ist, so lächelt er über ihre höhere Weisheit. Dann und wann versucht er, ihnen zu zeigen, dass er recht hat, obgleich es schwer ist, sie dahin zu bringen, dass sie es einsehen. Die Knaben denken, die Väter seien Narren; die Väter denken das nicht von ihnen. Es ist nicht nötig. Wahre Väter sind geduldig. Sie erwarten nicht alte Köpfe auf jungen Schultern zu finden. Sie verstehen die Kunst, bis morgen zu warten, denn die Zeit bringt manche Lehren mit sich und während sie die wahren als solche beweist, mag sie vielleicht die falschen abtun. Der Vater lässt sich nicht von jedem Wind der Lehre umhertreiben, läuft auch nicht jeder neuen Sache nach, die von den Zweiflern oder Fanatikern angepriesen wird. Ein Vater weiß, was er weiß, bleibt bei dem, was er als wahr erkannt hat und ist gegründet und gewurzelt im Glauben.

Aber bei all seiner Reife und Festigkeit ist der geistliche Vater voll Zärtlichkeit und legt eine große Liebe für die Seelen der Menschen an den Tag. Seine Theologie lässt nicht seine Menschlichkeit austrocknen. Er wurde geboren, um für andere zu sorgen, und sein Herz kann nicht ruhen, bis es voll solcher Sorge ist. Längs unserer Küste sind an einigen Stellen keine Häfen. Aber an anderen Plätzen sind Buchten, in welche die Schiffe zur Zeit des Sturms sofort einlaufen. Einige Menschen bieten einen offenen Hafen dar für solche, die in Nöten sind. Wir lieben sie instinktiv und vertrauen ihnen vorbehaltlos. Und sie in ihrem Teil freuen sich unseres Vertrauens und bemühen sich um unser Wohl. Die Natur hat sie mit warmer, menschlicher Teilnahme ausgestattet, und diese ist durch die Gnade geheiligt, sodass es ihr Beruf ist, zu unterweisen, zu trösten, beizustehen und in jeder Weise den schwächeren Gemütern zu helfen. Das sind die königlichen Männer, welche Väter der Gemeinde werden. Paulus sagt von Timotheus: »Ich habe keinen, der so ganz meines Sinnes ist, der so herzlich für euch sorgen wird.« Er selber hatte diese herzliche Sorge, aber er konnte gerade damals nicht auf einen anderen hinweisen, der ihm gleich gesinnt sei, ausgenommen Timotheus. Diese herzliche Sorge kann erläutert werden durch das Gefühl der Vögel für ihre Jungen. Sehen Sie, wie eifrig sie für diese arbeiten und wie kühn sie sie verteidigen! Eine Henne mit ihren Küken unter ihren Flügeln ist die Tapferkeit selbst. Sie wird ein wahrer Greifvogel für ihre Kleinen. Sie würde gegen den Kaiser von Russland kämpfen, ja gegen alle Großmächte Europas. Der Mann Gottes, welcher die Macht heiliger Vaterschaft fühlt, würde Alles und Jedes, Mögliches und Unmögliches, für seine geistlichen Kinder tun; »er legt sich sehr gern dar und lässt sich gern darlegen« für sie. Obgleich er vielleicht, je mehr er liebt, desto weniger geliebt wird, ist er doch durch die Gewalt seines inneren Triebes zu selbstverleugnender Arbeit gezwungen.

Des Vaters Macht

Ruft irgendein Bruder aus: »Ich möchte gern den Platz eines Vaters in meiner Gemeinde ausfüllen, denn dann könnte ich sie regieren!« Dies ist ein trauriger Beweggrund, und einer, bei dem er sich getäuscht fühlen wird. Der Vater einer Familie findet gewöhnlich, dass sein Vorrang mehr der einer höheren Selbstverleugnung, als der einer Selbstbestimmung ist. Die besten Väter regieren wirklich, aber sie werfen nie die Frage auf »Wer ist der Herr?« In einem wohlgeordneten Haus ist das Baby der König. Haben Sie nicht gesehen, wie alles um seinetwillen beiseitegesetzt wird? Die größte Fürsorge gilt diesem kleinen Fremdling und die Ordnung des Haushalts wird durch seine Notdurft geleitet. Wenn Sie ein so großer Alleinherrscher waren wie der König der Kannibalen-Inseln, so würde das keinen Unterschied machen – für das Baby muss gesorgt werden. Was bedeutet das? Nun, dass das ärmste, schwächste und am leichtesten beleidigte Mitglied der ganzen Gemeinde Sie regieren muss, wenn Sie ein wahrer Vater sind! Sie werden sich um die Sonderbarsten kümmern und Ihr eigenes Vergnügen aufgeben zum Wohle des Fehlerhaftesten. Jemand fragte: »Warum sollten wir uns starke Getränke versagen, weil schwache Leute zu viel davon trinken? Das hieße, die schwächsten Menschen tatsächlich unser Verhalten bestimmen zu lassen, was geschmacklos sein würde.« Ganz recht. Aber die Geschmacklosigkeit gehört zu der Familie der Liebe. Unsere häuslichen Angelegenheiten müssen teilnahmslosen Fremden geschmacklos erscheinen. Wer möchte sie den Uneingeweihten erzählen? Das hieße Perlen vor die Säue werfen. Ich möchte sage: Heil den Geschmacklosigkeiten heiliger Liebe! Mögen sie lange herrschen! Das Baby ist König. Die Schwächsten regieren unser Herz. Der Schritt der ganzen Herde wird langsamer gemacht, damit die Lämmer nicht überanstrengt werden. Unser Regieren besteht darin, dass wir zusehen, dass niemand die Schwachen niedertritt und dass wir das Beispiel der größten Selbstverleugnung geben. Wer nicht sieht, dass dies das gebieterische Gesetz der Liebe ist und in der Tat, das Geheimnis der Macht, der ist nicht tauglich zum Vater. Wir legen uns nieder, sodass alle Menschen über uns hinweggehen können, wenn sie auf solche Art nur zu Jesus kommen wollen. Unsere Pflicht ist, die Diener aller zu sein. Der Vater verdient das tägliche Brot, bringt es heim und verteilt es. Wir verbinden Vater und Mutter in uns und bemühen uns, alle nötigen Dienste für die, welche unserer Sorge anvertraut sind, zu verrichten. Wenn Sie in der Gemeinde ein Vater zu sein wünschen, damit Sie dessen besondere Ehre haben, so sehen Sie den Weg dazu: Sie entspringt aus der Selbstverleugnung, Geduld, Langmut, Liebe, dem Eifer und dem Fleiß. »Wer unter euch der Erste sein will, der soll aller Knecht sein.«

Ein Vater muss Weisheit besitzen

Aber in dieser Sache täuschen sich viele. Denn sie streben danach aus einem verkehrten Beweggrund, und werden deshalb zu Narren. Wenn Sie Weisheit hätten, mein Bruder, was würden Sie tun? Würden Sie diese so gebrauchen, dass Sie andere Ihre Überlegenheit fühlen ließen? Wenn ja, dann haben Sie bis jetzt noch wenig Weisheit. Eines Predigers Weisheit liegt darin, dass er sich bemüht, für andere weise zu sein, nicht schlau für sich selber. Einige gebrauchen ihre Weisheit in sehr unweiser Art und werden der Gemeinde zum Fluch statt zum Segen. Wollten Sie vielleicht in der Gemeinde umher gehen und jeden zurechtbringen, da sie selbst so weise sind! Hierin ist oft große Narrheit. Ich habe von einem Mann gehört, der sagte: »Mir ist durchaus nicht bange vor Dieben, die in mein Haus einbrechen. Wenn ich einen solchen hörte, so würde ich auf diesen Knopf drücken, und im Augenblick würde das Dynamit im Keller durch eine elektrische Strömung explodieren und den Dieb und das ganze Haus in die Luft sprengen.« Sie lachen, aber es gibt unter uns Pastoren, die ziemlich ähnlich gehandelt haben. Es tut mir leid, dass ich einen Bruder kenne, der dieses Kraftstück in fünf oder sechs Gemeinden vollbracht hat. In dem Augenblick, wo er denkt, dass ein Mitglied, besonders ein Gemeindevorsteher, etwas Unrechtes getan hat, sprengt er das Ganze in Stücke und nennt das Treue. Das heißt: »Nicht als Vater handeln.« Wenn wir Weisheit haben, so werden wir den Frieden aufrechterhalten und Reformen mit Sanftmut zu bewerkstelligen suchen. Väter schlagen ihre Kinder nicht tot, weil sie unphilosophisch oder in der Theologie nicht gesund oder in ihrem Verhalten etwas ungehorsam sind.

Ein höherer Grad der Heiligkeit

Wenn wir Väter sein wollen, so müssen wir nach einem höheren Grad der Heiligkeit streben.