Grüße vom Mars - Sebastian Grusnick - E-Book

Grüße vom Mars E-Book

Sebastian Grusnick

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Beschreibung

Grüße vom Mars: Eine außerirdische Reise zu Oma und Opa. Tom ist zehn und etwas eigen. Er will unbedingt auf den Mars, sitzt am Tisch nur rechts vom Kopfende und wenn ihm etwas zu viel wird, zieht er seinen Astronautenhelm an. Als seine Mutter nach China muss, soll Tom mit den Geschwistern bei Oma und Opa wohnen. Doch die Großeltern haben den Besuch der Enkel glatt vergessen. Und zu Toms Schrecken besitzen sie nur einen einzigen, runden (!) Esstisch. Da hilft es nur, das Ganze als Vorbereitung auf die Mars-Mission zu sehen. Berührend, witzig und mit viel Leichtigkeit erzählen Thomas Möller und Sebastian Grusnick diese liebevolle Geschichte.

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Veröffentlichungsjahr: 2019

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Über dieses Buch

Das Allerwichtigste im Leben ist die Vorbereitung, besonders, wenn man Großes vorhat. Wenn man zum Beispiel zum Mars fliegt und am Raumschiff geht irgendwas kaputt, dann kann man ja auch nicht sagen: »Mist, ich hab das Werkzeug vergessen! Wir müssen noch mal kurz zurück.«

Mein Name ist Tom. Ich bin zehn Jahre alt und ich stehe vor dem wichtigsten Abenteuer meines Lebens. Zum Glück bin ich perfekt vorbereitet …

 

Manchmal ist das Leben so spannend wie die Reise zum Mars.

Das Allerwichtigste für eine erfolgreiche Expedition ist die Vorbereitung. Wenn man zum Beispiel zum Mars fliegt und am Raumschiff geht irgendwas kaputt, dann kann man ja nicht sagen: »Mist, ich hab das Werkzeug vergessen! Wir müssen noch mal kurz zurück.« Dann steckt man einfach fest und das ist sehr gefährlich. Deswegen versuche ich immer, mich genau vorzubereiten, egal, wo ich hingehe. Und für die Expedition nach Lunau hab ich das besonders sorgfältig gemacht. Ich hab die ideale Strecke rausgesucht, und meine Tasche hab ich schon vier Wochen und drei Tage vor dem Start gepackt, gleich nachdem Mama in mein Zimmer gekommen ist und von ihrer neuen Arbeit erzählt hat.

»Ich hab eine neue Stelle angeboten bekommen«, hat sie gesagt. »Wenn ich sie annehme, würde ich mehr Geld verdienen, und wir müssten uns keine Sorgen mehr machen.«

»Müssen wir uns denn jetzt Sorgen machen?«, hab ich gefragt.

»Nein, natürlich nicht, aber … es ist immer ein bisschen knapp mit dem Geld, und mit dem neuen Job wäre das vorbei.«

»Und was arbeitest du dann genau?«, hab ich gefragt.

»Ich würde weiterhin Berichte fürs Fernsehen machen, für die Nachrichten.«

»Also so wie jetzt?«

»Ja, aber dann jeden Tag und für mehr Geld.«

»Mama, kann ich mein Surfbrett mitnehmen?«, hat Elmar dazwischengerufen. Elmar ist mein großer Bruder. Er hat plötzlich in der Tür gestanden und ist von einem Bein auf das andere gewippt.

»Nein, du brauchst kein Surfbrett«, hat Mama gesagt.

»Warum nicht?«

»Weil da kein Meer ist!«

»Wohin will Elmar denn sein Surfbrett mitnehmen?«, hab ich gefragt, aber da ist Nina schon hinter Elmar aufgetaucht. Nina ist meine Schwester. Sie ist 15 und die Älteste von uns dreien.

»Hast du es Tom schon erzählt?«, hat sie Mama gefragt.

»Nein, ich bin gerade dabei.«

»Na, viel Spaß!«

»Was denn erzählt?«, hab ich gefragt.

»Und meine Bohrmaschine? Kann ich meine Bohrmaschine mitnehmen?«, wollte Elmar wissen.

»Wieso willst du denn deine Bohrmaschine mitnehmen?«, hat Mama gesagt. »Nein, Opa hat genug Werkzeug.«

»Was hat denn jetzt Opa damit zu tun?«, hab ich gefragt. Ich kann es nicht leiden, wenn alle durcheinanderreden, und ich wusste auch immer noch nicht, was überhaupt los war. Elmar und Nina sind wieder rausgegangen, und Mama hat sich zu mir umgedreht und gesagt: »Tom, es ist so: Um den neuen Job zu kriegen, müsste ich für ein paar Wochen nach China fahren, weil mein Fernsehsender da dringend jemanden braucht, und ich kann ja Chinesisch.« Das stimmt. Mama kann wirklich Chinesisch sprechen, was aber eigentlich Mandarin heißt und sehr merkwürdig klingt.

»Nach China?«, hab ich gefragt. »Aber wie soll das denn gehen? Du kannst doch nicht jeden Abend von China zurückfliegen? Das ist doch viel zu weit.«

»Nein, Tom«, hat Mama gesagt. »Ich müsste … zwei Monate dableiben.«

»In China? Aber ich will nicht nach China!«, hab ich gerufen. »Ich will hierbleiben!« Und ich hab daran gedacht, dass ich in China ja gar nicht mehr mein Zimmer hätte und dass China über 5000 Kilometer entfernt ist und wie viele Menschen da leben, nämlich 1,4 Milliarden, und wie wenig Platz die haben und dass die Chinesische Mauer das einzige Bauwerk ist, das man angeblich vom Weltraum aus sehen kann, und dass der Weltraum unendlich ist – und dann hat Mama mich zum Glück unterbrochen.

»Ich weiß, Tom«, hat sie gesagt. »Ich weiß, dass du das nicht möchtest. Deshalb hab ich auch eine andere Idee.«

»Das ist ’ne total blöde Idee!«, hat Nina vom Flur aus gerufen. »Alle fliegen in’ Urlaub und wir …? Das ist so gemein!« Dann hat sie ihre Tür zugeknallt und im nächsten Moment ist Elmar wieder aufgetaucht.

»Aber mein BMX-Rad, das nehme ich mit«, hat er gesagt.

»Das BMX-Rad passt nicht ins Auto«, hat Mama geantwortet. »Und ich rede gerade mit Tom!«

Elmar hat gestöhnt und ist wieder verschwunden.

»Was ist denn jetzt diese andere Idee?«, hab ich gefragt, und da hat Mama mir erklärt, dass ich mit Nina und Elmar nach Lunau ziehen sollte, zu Oma und Opa. Für acht Wochen. Für genau die Zeit, die Mama in China sein würde.

»Ich bin in China die meiste Zeit unterwegs«, hat sie gesagt. »Ich hätte kaum Zeit für euch.«

»Nein«, hab ich gesagt. »Nein, das ist nicht gut.«

»Ich weiß, dass das schwer ist«, hat Mama gesagt. »Aber der Job ist wichtig für uns, und China ist die einzige Chance, die ich habe, um ihn zu kriegen.«

Da hab ich mich erst mal weggedreht. Ich hab versucht, an was Schönes zu denken. Nicht an China oder daran, dass Mama weggehen wollte. Aber es hat nicht geklappt. Denn wenn man versucht, an irgendwas nicht zu denken, dann denkt man ja erst recht dran, und bei mir wird das dann immer schlimmer. Wie so eine Lawine, die mit einem einzigen Stein anfängt, und am Ende sind es unzählig viele, die einen überrollen: China, Oma und Opa, Lunau, die Chinesische Mauer, der Weltraum, mein Zimmer und dann noch Mama, die versucht, alles zu erklären.

Ich hab meine Stifte vom Tisch gefegt und mir die Ohren zugehalten. All die Gedanken über das, was passieren könnte, das war wie Krach, von dem ich wollte, dass er endlich aufhört.

Dann hat Mama plötzlich meine Hand genommen, und egal, wie häufig sie das macht, es ist jedes Mal der tollste Trick, den ich überhaupt kenne.

Normalerweise kann ich es nämlich nicht leiden, wenn mich jemand anfasst, aber wenn Mama meine Hand nimmt, dann fühlt sich das richtig an; wie wenn ich von der Schule zurück in mein Zimmer komme und weiß, dass ich zu Hause bin. Dann spüre ich plötzlich nur noch die Hand und der Krach ist auf einmal vorbei.

Mama hat also meine Hand genommen und ein Heft aus ihrer Tasche gezogen, auf dem eine blau-grüne Rakete zu sehen war, die am Mond vorbeigeflogen ist, und sie hat gesagt: »Das hier ist kein gewöhnliches Heft! Das hier ist ein Logbuch!«

Ein Logbuch ist so was wie ein Tagebuch. Das Tagebuch eines Kapitäns. Captain Kirk von Raumschiff Enterprise hat eins, aber auch alle echten Entdecker führen auf ihren Expeditionen Logbuch. Das weiß ich, weil ich nämlich selber einer werden will. Natürlich nicht im Urwald oder irgendwo auf See. Da ist es ja viel zu laut, und man weiß nie, was als Nächstes passiert. Aber im Weltraum, das fände ich toll. Ich hab so viele Bücher gelesen. Ich weiß alles über den Weltraum und die Sterne.

Ich weiß zum Beispiel, dass es im All keine Geräusche gibt, und als Astronaut wäre ich im Raumschiff mit nur ganz wenigen anderen Forschern zusammen, vielleicht sogar allein, was ich auch gut fände. Mit Mama, Elmar und Nina könnte ich per Computer sprechen und ansonsten würde ich jeden Tag Experimente machen und nichts würde mich ablenken. Es gäbe bestimmt eine Liste und Pläne für alles, was ich am Tag zu erforschen hätte, und irgendwann wäre ich dann vielleicht der erste Mensch auf dem Mars.

»Tom, was wäre, wenn die Reise zu Oma und Opa so was wie eine Probe-Expedition wäre?«, hat Mama gesagt. »Wenn du jeden Tag Logbuch führen und rausfinden würdest, was auf dem Planeten Lunau alles anders ist als hier? Und wir sprechen dann abends und schicken uns Nachrichten.«

Da hab ich erst mal gar nicht gewusst, was ich sagen soll, denn mir war natürlich klar, dass das eigentlich bloß ein Trick war. Lunau ist schließlich nur eine winzige Stadt und nicht irgendein fremder Planet, aber trotzdem …

»Meinst du, wenn ich Oma und Opa schaffe, dass ich dann auch eines Tages Astronaut werden und zum Mars fliegen kann?«, hab ich gefragt.

»Ich glaube, du kannst alles schaffen, was du willst, Tom«, hat Mama gesagt. »Aber ja, wenn du Oma und Opa schaffst, dann schaffst du auf jeden Fall auch den Mars.«

Ich hab Sachen für jedes Wetter und in der richtigen Farbe in meine Tasche gepackt. Die richtige Farbe ist wichtig für mich. Alles, was zum Beispiel rot ist, mag ich überhaupt nicht. Rot ist die Farbe von Blut und Wunden und deswegen kann ich sie nicht leiden. Blau dagegen ist eine gute Farbe. Zum Beispiel ist der Himmel blau und Mamas Augen und, wenn man vom Weltraum aus guckt, natürlich auch die Erde.

Außerdem hab ich all die Sachen eingesteckt, die ich brauche, um in einer gefährlichen Situation die Ruhe zu bewahren:

Die Geschichte der Astronomie in zwei Bänden

Die blaue Muschel von Papa

Meine Armbanduhr mit Kompass und klickerndem Drehrad

Das Logbuch von Mama

Meinen Helm und meinen Raumanzug

Ohne meinen Raumanzug gehe ich eigentlich nie raus. Erstens, weil ich darin geschützt bin, und zweitens, weil ich aussehe wie ein Astronaut, wenn ich ihn anhabe. Meinen Helm setze ich nur auf, wenn es wirklich gefährlich wird. Zum Beispiel beim Autofahren oder wenn ich irgendwo hinmuss, wo ich noch nie war.

Ansonsten ist das Team natürlich besonders wichtig für eine Expedition. Bei mir besteht es zum einen aus meiner Schwester Nina. Sie ist die ideale Funkerin und perfekt geeignet, wenn man mal mit fremden Wesen in Kontakt treten will. Das will ich zwar meistens überhaupt nicht, aber bei einer richtigen Expedition ist das unvermeidlich. Nina ist jedenfalls prima im Telefonieren und Nachrichtenverschicken, sie lässt nämlich ihr Handy nie aus den Augen und irgendwie ist sie sowieso schon meine Übersetzerin. Wenn wir zum Beispiel zu zweit in die Bücherei gehen und die Frau am Tresen mit den lila Haaren wieder mal einen Witz macht, dann kann Nina mir erklären, warum alle lachen – oder eben auch nicht, denn Witze sind nicht so meine Sache.

Das andere Mitglied meines Teams ist mein Bruder Elmar. Er ist 13, sehr groß und mutig, und es gibt nur wenige Dinge, die er nicht durchbrechen oder verbiegen kann. Außerdem springt Elmar gern von Schränken oder hohen Treppen und irgendwie scheint er sich dabei nie wehzutun. Ich finde, das sind hervorragende Eigenschaften für einen Ersten Offizier, denn der muss ja schließlich die Expedition verteidigen.

Ich war also überzeugt, dass ich richtig gut vorbereitet bin mit meiner Ausrüstung und meinem Team, aber dann ist Nina am Abend vor der Abreise aus ihrem Zimmer gestürmt und hat Mama erzählt, dass Marco gerade angerufen hat und dass jetzt alles vorbei ist.

Marco ist Ninas Freund, und die beiden hatten eigentlich vorgehabt, nach Italien durchzubrennen, was aber nichts mit Feuer zu tun hatte, sondern bedeutet, dass Nina und Marco heimlich von zu Hause weglaufen wollten. Aber dann hat Marco angerufen und erzählt, dass sein Mofa kaputt ist und dass er außerdem noch zwei ganz wichtige Punktspiele beim Fußball hat und es deswegen mit dem Durchbrennen nichts wird.

»Ihr wolltet mit ’nem Mofa nach Italien durchbrennen?«, hat Mama gefragt, als Nina ihr alles erzählt hatte.

»Wir hätten halt viele Pausen gemacht!«, hat Nina gerufen. »Aber ist jetzt ja auch egal! Fußball ist ja anscheinend wichtiger als ich!«

»Alles nur, weil du nicht mitwillst zu Oma und Opa?«, hat Mama gefragt.