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Gustav Hahn zieht es fort von seiner Familie hinein in die Welt. Ein Hahn auf Inlinern. Ein gutherziger Esel. Eine hektische Ratte. Ein Trio gemeinsam unterwegs auf der Suche nach dem Glück. Sie treffen auf einen Raben mit Zauberkräften, einen grimmigen Sammler, entdecken Zauberperlen und erleben den Kontrast von Stadt und Land. Zuletzt findet Gustav sogar seine große Liebe und mit ihr das gesuchte Glück.
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Seitenzahl: 36
Veröffentlichungsjahr: 2020
für
Frieda und Jonte
Meine Familie und die nervigen Verwandten
Neue Freunde
Die Warzenbesprechung
Die Perlen
Die Nachricht aus dem Fernsehen
Der missglückte Besuch
Florentine
Der Besuch
Die Wünsche
Der Überfall
Wunschlos glücklich
Ich befinde mich gerade mitten unter meinen Verwandten beim Abendessen. Wer ich bin? Ich heiße Gustav und bin der Sohn von Amanda und Georg. Wir sind Hühner und wohnen bei der Familie Pastek in Wülsbuttel.
Zu meiner Familie gehören Oma Wanda – sie ist schon 89 (in Menschenjahren glaube ich 15), meine beiden Tanten Olga und Kia, die Schwestern meines Vaters, dem Oberhahn hier im Stall. Dann sind da noch meine Mutter und drei weitere Hennen bei uns. Die Tanten sind erst vor ungefähr einem Jahr hier eingezogen. Oft erzählen sie uns von ihrer Zeit beim Hühnerhändler. Dort wurden sie jeden Tag in kleine enge Kisten gesetzt und mit einem Bus durch die Gegend gefahren. Zwischendurch wurde die Klappe aufgemacht und ein paar von ihnen wurden herausgenommen. Dann leben noch meine vier Schwestern hier. Sie heißen Kira, Kiki, Pipsi und Salma. Mit mir sind wir fünf und wie ihr bemerkt, bin ich der einzige Hahn neben meinem Vater.
Bleiben wir doch mal bei mir. Ich bin Gustav - aber das wisst ihr ja schon. Ich bin, wie man so schön sagt, noch ein Kind. Wann ich geschlüpft bin, habe ich vergessen, aber das ist wohl auch nicht so wichtig. Doch ich bin auch nicht mehr ganz klein. Immerhin habe ich schon eine große rote Schwanzfeder. Zum Abendessen gibt es heute Körnerfutter mit Quark.
Wir stürzen uns alle auf den Quark, da steht plötzlich mein Vater vor mir.
„Lass gefälligst erst die Älteren fressen! Wenn du mal der Oberhahn werden willst, dann musst du aber noch Vieles lernen!“ schreit er mich an.
Ich ergattere noch einen Haps und ziehe mich gekränkt in eine Ecke zurück. So geht es jetzt schon seit Tagen. Immer muss ich Vorbild sein. Ich bin doch noch nicht groß. Aber das scheint mein Vater anders zu sehen. Dabei habe ich mir fest vorgenommen, niemals der Oberhahn dieser Sippe von Verwandten zu werden! Viel lieber möchte ich losziehen und einen eigenen Stall finden. Den will ich dann mit vielen hübschen Hennen und eigenen Küken, die selber entscheiden können, was sie mal machen wollen, bewohnen. Aber Schluss mit der Träumerei. Was soll ich bloß machen, damit mein Vater das versteht?
„Gustav“, ruft meine Mutter, „es ist Schlafenszeit – ab in den Stall!“
Ich trotte – immer noch hungrig – hinein, wo schon die ganze Familie versammelt ist. Alle warten darauf, dass Oma ihr Gutenachtlied singt:
„Schlaft ihr Hühnlein,
und zwar alle,
der Fuchs, der baut uns
keine Falle
wir wollen träumen...
bla, bla, bla...“
Wie man merkt, ist es ziemlich langweilig... und das jeeeden Abend... Ich muss hier unbedingt weg. Vielleicht sollte ich mich auf die Suche nach einem eigenen Hof machen.
Gesagt getan hole ich am nächsten Morgen meine blauen Inliner, die ich Weihnachten von Oma bekommen habe. Leise schleiche ich mich an meinen noch schlafenden Verwandten vorbei.
„Wohin willst du, Gustav?“ flüstert plötzlich eine leise Stimme.
Ich bleibe stocksteif stehen. Wer war das? Ist Mutter etwa doch schon wach?
„Hey Gustav, antworte doch!“
Ach, es ist nur Kiki!
„Ich fahre ein bisschen Inliner“, antworte ich und schon bin ich weg.
Meine Inliner unter dem Flügel gehe ich auf den Hof. Es ist still und dunkel. Auch im Haus ist noch kein Licht. Ich ziehe die Inliner an, gucke mich noch einmal um und fahre leise auf die Straße.
Wie lange ich wohl schon unterwegs bin? Es wird schon hell. Zwischen Feldern und Wiesen am Ende der Straße entdecke ich einen alten Stall. Mir tun die Füße weh. Der Hof scheint verlassen zu sein. Alles sieht dreckig aus. Überall liegt Matsch und ekelig stinkender Schlamm. Doch als ich am Tor ankomme, ruft plötzlich leise jemand nach mir.
„Hallo!“
