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Menschen und Elfen - ein Krieg seit Jahrtausenden. Zwischen den verfeindeten Rassen steht das kleine, unterdrückte Volk der Halbelfen. Als Elijana bei einem verbotenen Ausritt auf den geheimnisvollen Jarno trifft, ahnt sie schnell, dass sie eine schicksalhafte Begegnung gemacht hat. Doch nie hätte sie damit gerechnet, dass ausgerechnet Jarno sie verraten würde ... Eine Geschichte über den verzweifelten Kampf um Freiheit.
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Seitenzahl: 520
Veröffentlichungsjahr: 2016
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Thomas Kadlubek
Halbblut
Dieses ebook wurde erstellt bei
Inhaltsverzeichnis
Titel
1 PROLOG
2 Ein Einhorn im Wald
3 Nicht Mensch, nicht Elf ...
4 Geister und ein Kuss
5 Abschied nach Fallseben
6 20 Monate später, im Herzogreich Fallseben
7 Der Strauchdieb
8 Die Höhle im Eis
9 Still gesprochen
10 Auf der Flucht
11 Jayishas Zeichen
12 Unter Freunden
13 Am Pass Darra Ro
Impressum neobooks
Halbblut
Von
Thomas Kadlubek
Der Kontinent Arlas, benannt nach Arla, dem mächtigsten Gott der Menschen, lag seit
Jahrtausenden im Krieg. Niemand kannte noch Geschichten aus der Zeit, in der Menschen
und Elfen friedlich oder gar freundlich miteinander gelebt hatten. Zu schlechten Zeiten
bekämpften die Völker dieser Erde sich über Jahrhunderte. Zu guten Zeiten, wie dieser, zogen
sie sich in ihre Länder zurück und blieben einander fern.
Den Menschen gehörte der größere Teil von Arlas, denn in vielen Kriegen hatten sie die
zahlenmäßig unterlegenen Elfen langsam in die Wälder im Norden zurück getrieben. Ein
reißender Fluss, der das ganze Land zu teilen schien als wären es zwei, bildete die Grenze
über die ganze Länge des Landes. Das Gesetz der Menschen besagte, dass kein Elf die Grenze
übertreten durfte, sonst erwartete ihn Gefangenschaft, Folter und schließlich der Tod.
Denn Elfen, so wusste man, waren gefährliche Wesen. Äußerlich den Menschen ähnlich,
wenn auch größer und körperlich stärker, verfügten sie über Kräfte, mit denen sie einen
Menschen ins Unglück stürzen konnten. Ihre Augen waren schwarz, ihre Haut weiß und kalt,
und es hieß, sie würden ihr eigenes Leben verlängern können, indem sie Menschen töteten,
und die gestohlenen Jahre des Gestorbenen mit dämonischem Zauber auf ihre Zeit
aufrechneten. Sie waren in der Lage, die Gedanken von Menschenfrauen zu bezwingen, und
sie nach ihrem Willen zu lenken.
Sie glaubten nicht an die drei Gottheiten Arla und seine Frauen Nanas und Kensayi, sie
beteten nicht und verursachten durch diesen Frevel immer wieder Katastrophen wie
Erdbeben, Wirbelstürme, Dürreperioden oder Überschwemmungen, unter denen die
Menschen mit ihnen zu leiden hatten. Elfen planten unentwegt an Verbrechen, mit denen sie
den Menschen schaden konnten, denn sie verlangten nach der vollständigen Gewalt über die
Erde Arlas, die sie selbst als „Nandah“ bezeichneten.
Manchmal geschah es, dass gerade in der Nähe der Grenzen oder alter Wälder Menschen – oft
waren es Kinder - spurlos verschwanden, entführt von den lebensgierigen Elfen.
Und manchmal sendeten sie wilde Tiere wie blutrünstige Einhörner und Drachen, die die
Männer angriffen und töteten und die Menschen schwächten.
In der Vergangenheit war es häufig geschehen, dass Elfenmänner Menschenfrauen in ihren
Bann gezogen – oder schlicht mit Gewalt geschändet hatten – und die dadurch entstandenen
Wesen - dämonische Bastarde, 'Halbelfen' - hatten die Aufgabe, die ganze Reinheit der
Menschen langsam auszurotten, indem sie ihr unseliges Blut langsam mit den Blutlinien der
Menschen vermischen sollten, bis es irgendwann keine reinen Menschen mehr geben sollte,
sondern allein noch Elfenblut regierte.
König Gerog war ein guter und gerechter König, der sein Volk bis zum einfachsten Mann
liebte und schützte. Die Aufgabe, verdammte Bastardkinder zu enttarnen und zu verurteilen,
machte ihm schwer zu schaffen, denn kaum eine Frau gab ihren Halbling gerne her. Viele
flehten oder kämpften gar um das Leben der unseligen Kinder, schrieen und jammerten, wenn
man sie ihnen wegnahm und manch eine war durch die Hexerei so geblendet, dass sie gar
wahnsinnig wurde oder den Freitod suchte. Da König Gerog schon als Kind im Thronsaal
seines Vaters Mitleid mit den armen Frauen hatte, tat er in seiner Amtszeit kaum etwas so
gewissenhaft, wie die Grenzen zu überwachen, damit es möglichst gar nicht erst soweit kam,
dass sich menschliches mit elfischem Blut mischen musste.
König Gerog war jung König geworden. Sein Vater war gestorben, als er selbst gerade
fünfzehn Jahre alt gewesen war. Er hatte schon während seiner Schulzeit verantwortungsvoll
über sein Land reagiert, war seinen Pflichten vom ersten Tage nachgekommen und hatte
darüber hinaus seinem Privatleben oder gar einer Familiengründung lange wenig Beachtung
geschenkt.
Selbst mutterlos von Ammen großgezogen, kam ihm die Suche nach einer Frau erst in den
Sinn, als er langsam daran dachte, sein Königreich irgendwann einem Sohn vererben zu
müssen. So fiel die Auswahl einer Frau schnell, pflichtbewusst und rational. Eine schöne Frau
sollte es sein, mit ordentlichen Abstammungspapieren über fast tausend Jahre zurück. Er
heiratete Ellen an seinem 40. Geburtstag, neun Monate später kam sein erster Sohn Frede,
sein Kronerbe, zur Welt.
Hatte König Gerog bisher ausschließlich seine Arbeit geliebt, so erfüllte ihn das Vaterherz mit
Freuden, an Kinderlachen konnte er kaum genug bekommen, nahm es ihm doch für einen
Moment die Bilder der Bastardsvernichtung, die ihn so oft verfolgten. Nur wenige Jahre
später hatte ihm Ellen einen zweiten Sohn – Viktor - geschenkt, dann verstarb sie bei der
Geburt des dritten Kindes, einem Mädchen, Elijana.
Elijana war König Gerogs schönste Freude und seine größte Sorge zugleich. Schon als Baby
zeigte dieses Kind sich aufgeweckt und aktiv wie kein Zweites. Ihre Amme tat kaum etwas
anderes, als sie im Schlossgarten herum zu tragen und ihr alles zu zeigen, um ihren
Wissenshunger zu befriedigen, wenn sie das lebenshungrige Kind nicht gerade an der Brust
hatte.
Das Mädchen begann früher zu laufen und zu sprechen als ihre Brüder, und nicht selten lief es
der Dienerschaft einfach davon, um nach einer schier endlosen Suche, die alle viel Nerven
kostete, lachend aus einem Versteck zu hüpfen.
Wie alle ihre Brüder hatte sie des Vaters Leidenschaft für Pferde geerbt und schon mit drei
Jahren bekam sie ihre ersten Reitstunden auf dem kleinsten Pony, welches im ganzen Land zu
finden war. Mit vier Jahren trabte sie alleine durch den Schlosspark und mit sechs Jahren ritt
sie ihren Brüdern lachend davon.
Elija, wie sie genannt wurde, bekam von ihrem Vater immer was sie wollte, nie blieb ein
Wunsch ihr verwehrt. Doch machte der König sich regelmäßig Sorgen über ihren enormen
Freiheitsdrang, denn die Schlossmauern wurden ihr rasch zu eng und die gemeinsamen
Ausritte mit Begleitern langweilten sie. Doch erst an ihrem fünfzehnten Geburtstag erlaubte
er ihr, alleine auszureiten, und dies auch nur, wenn sie nach Süden ritt, wo sich schmucke
Bauerndörfchen inmitten hügeliger Wiesenlandschaften einfügten, das Land weit
überschaubar war und wo seit vielen Jahren keinem Menschen mehr etwas zugestoßen war.
Die Uralten Wälder, etwas nördlich der Stadt, blieben für Elija verboten.
Und vermutlich war es genau das, was diese Gegend für Elija so besonders interessant
machte. Nachdem sie im Süden kilometerweit jedes Dörfchen gesehen, jedes Gehöft besucht
und jede Wiese überquert hatte, beschloss sie an einem taufrischen Sommermorgen, nach
Norden zu reiten.
Zunächst war die Gegend nicht anders, als die, die Elijana schon kannte. Doch umso weiter
sie ritt, umso weniger Häuser und Menschen passierte sie, und als sich der Wald in geringer
Entfernung schwer und schwarz vor ihr zeigte, hatte sie zum ersten Mal in ihrem Leben das
Gefühl, wirklich alleine zu sein. Elija durchführ ein angenehmer Schauer. Um von anderen
Menschen, die möglicherweise daher kommen würden, nicht gleich als Prinzessin Elijana
erkannt zu werden, zog sie die Kapuze ihres dunklen Mantels über ihren in unzähligen Farben
zwischen goldblond und kastanienbraun gesträhnten Locken tief ins Gesicht. Sie gab ihrer
eleganten Fuchsstute Mari die Zügel frei und trieb sie in einen zügigen Galopp. Das Pferd
schnaubte erfreut und schien bester Dinge auf den Wald zuzugaloppieren.
Elija wusste, dass sie sich auf die Instinkte ihres Pferdes verlassen konnte – kein Pferd würde
freiwillig in eine Gefahr rennen, beruhigte sie sich und genoss den verbotenen Ritt.
Viel schneller als sie es erwartet hatte, erreichte sie den Wald und umso näher sie gekommen
war, umso weniger bedrohlich wirkte er. Die gigantischen Bäume, alte und weise Geschöpfe,
standen weit auseinander und ließen ihrer Stute genug Platz um problemlos galoppieren zu
können. Ehe Elija den Waldrand aus den Augen verlor, hatte sie bereits einen kleinen Weg
gefunden, dem sie ein Stück folgte.
Die Natur war atemberaubend. Winzige Tautropfen glitzerten auf jeden grünen Blatt,
Sonnenstrahlen durchleuchteten die Baumkronen und schienen im darunter liegenden
Schatten fangen zu spielen. Ab und an kreuzte ein kleines Waldtier Elijas Weg, das größte
Tier, dem sie begegnete, war ein junger Fuchs, der sie aus runden Augen ehrfurchtsvoll
anstarrte, als sie in einigen Metern vorbei ritt.
Nur langsam schien der Wald finsterer zu werden, die Bäume standen enger und ihre Kronen
wurden dichter und ließen weniger Licht und Wärme hindurch. Doch erst als sie erste
Nebelschwaden durchritt, die sich wie Geisterscharen langsam und ohne einen Windhauch
bewegten, konnte Elija verstehen, warum die Menschen diesen Wald als unheimlich
bezeichneten. Doch immer noch führte der gut bereitbare Weg tiefer hinein und ihre Stute
trabte ohne zu zögern weiter, und so genoss das Mädchen den sanften Schauder ihrer leichten
Nervosität und ritt weiter bis sie an eine Gablung kam, wo der Weg sich teilte. Ohne lange
darüber nachzudenken wählte sie den linken Weg, als käme der andere für ihren Ausritt
überhaupt nicht in Frage.
Elija wunderte sich ein wenig über ihr Verhalten. Sie war immer schon wankelmütig
gewesen, und konnte sich nie leicht entscheiden. Immer nagten Zweifel an ihr – wenn sie den
einen Weg wählte, könnte der andere nicht etwas Interessanteres für sie bereithalten? Dieser
linke Weg schien fast nach ihr zu rufen, es gab scheinbar gar keine Alternative.
Der Wald schien sich zu verändern. Waren die Bäume vor einigen Metern noch
moosbewachsen und feucht, wurde der Boden plötzlich knochentrocken und die
Baumstämme schienen verdörrt und schimmerten silbrig, als wären sie von einer dünnen
Schicht flüssigem Metall übergossen. Elija sah nach oben. Das dichte Geäst schien ein festes
Dach zu bilden, die Zweige sich zu umarmen und ineinander zu flechten. Doch an diesem Ort
hatte kein Baum mehr ein Blatt, dabei war es fast Sommer und jeder andere Baum, den Elija
kannte und an dem sie vorbei geritten war, stand in voller Blüte. Elija hatte das Gefühl, die
silbernen Monde würden den Wald schwach beleuchten, dabei schien über diesem Dach aus
Geäst eindeutig die Sonne - doch kein Lichtschein fand hindurch, und allein die
schimmernden Bäume schienen unnatürliches Licht zu spenden. Das Zwielicht schien zudem
noch zu verblassen, es wurde immer dunkler.
Und es war ruhig, unheimlich ruhig.
So sehr Elija sich umsah und lauschte, sie konnte an diesem Ort keine Spur eines Tieres
erkennen, keinen Vogel, nicht einmal Insekten. Nichts außer dem Hufschlag Maris auf dem
trockenen Boden war zu hören.
„Wollen wir lieber umkehren?“, fragte sie ihre Stute, und erschrak, weil ihre Stimme viel
lauter war, als sie es beabsichtigt hatte. Doch Mari schnaubte nur leise und trabte unbeirrbar
weiter geradeaus, als würde sie zielstrebig auf ihren Stall zulaufen.
„Mir gefällt es hier nicht, lass uns umkehren!“, forderte Elija sie fast flüsternd auf und
versuchte zu wenden, doch sie hatte keine Chance, das sonst so folgsame Pferd lief einfach
weiter und störte sich nicht an ihrer Reiterin, so sehr diese auch an den Zügeln zog und sie in
entgegen gesetzte Richtung zu treiben versuchte. Elija wurde von einer Panik ergriffen, die
sie nicht verstehen konnte – fast wäre sie vom Pferd abgesprungen und weggerannt.
Mit einem Mal wurde der Weg vor ihr wieder heller und Elija gab nach und ließ Mari laufen.
Nur wenige Meter führte der Pfad noch zwischen diesen gespenstischen Bäumen hindurch,
dann fand sich Elija plötzlich von der Sonne geblendet auf einer Lichtung wieder. Staunend
ließ sie ihre Stute anhalten und sah sich um.
Eine derart wundersame Lichtung hatte sie noch nie gesehen. Sie war fast kreisrund und klein,
nur etwa 20 Schritte im Durchmesser, und der merkwürdige, silbrige Wald umschloss sie
komplett, wie die festen Mauern das Schloss umgaben, in dem sie lebte. Der Boden war von
jungem, weichen Gras und unauffälligen, kleinen Blüten verschiedener Farben bewachsen
und die Sonne schien völlig schattenlos im Zenit dieser Lichtung und wärmte Elijas Körper,
so dass sie sofort das Bedürfnis verspürte, ihren Mantel abzulegen.
Elija war sich ziemlich sicher, dass dies ein besonderer, vielleicht sogar heiliger Ort war und
sie stieg ehrfurchtsvoll ab und deutete eine Verbeugung an, auch wenn ihr nicht klar war, vor
wem oder was. Sie hätte einen Schrein erwartet, einen Tempel, oder zumindest eine Statue
der Götter – doch da war nichts als das Gras, umschlossen von den, bis auf den Pfad, der
hinein führte, scheinbar undurchdringlichen Baummauern.
Sie spürte einen seltsamen Respekt vor diesem Ort und fühlte sich, als würde sie beobachtet
werden. Was auch immer hier war, es hatte eine gewisse Macht, war deutlich bemerkbar, aber
es machte ihr keine Angst.
Es war bedrohlich, aber nicht akut gefährlich – zumindest nicht für sie und nicht in diesem
Moment.
Elija erinnerte sich daran, dass sie das gleiche Gefühl schon einmal verspürt hatte. Damals
war sie mit ihrem Pony ihrem Begleiter ausgerissen und war an einem harmlosen kleinen
Wäldchen einem großen Rudel Wölfen begegnet. Sie war erst acht Jahre alt gewesen, und
hätte mit ihrem Pony keine Chance gegen die Raubtiere gehabt. Doch das Rudel war satt, es
hatte kein Interesse an einer Jagd auf das Kind. Sie hatten sie nur beobachtet. Neugierig und
interessiert, und Elija hatte fasziniert und voller Ehrfurcht vor dem Augenblick zurück in
gelbe Augen gesehen.
Elija hätte es nicht gewundert, wenn genau diese Wölfe plötzlich auf die Lichtung gekommen
wären. Doch sie war alleine mit ihrem Pferd, welches sich ebenfalls staunend umsah, und nur
zögerlich an dem zarten Gras zu knabbern begann. Völlig alleine, nicht einmal eine Biene
oder eine Ameise schien sich hierher zu verirren. Selbst Mücken, zu dieser Jahreszeit wirklich
überall anzutreffen, schien es an diesem Ort nicht zu geben.
Und dann trat plötzlich etwas aus dem Unterholz. Elija dachte zuerst an ein Reh, doch dann
erkannte sie mit Faszination und Erschrecken zugleich, dass es ein junges, dunkelgraues
Einhorn war. Im ersten Moment war sie versucht auf ihr Pferd zu springen und so schnell sie
konnte davon zu reiten. Einhörner konnten enorm gefährlich sein. So schön sie auch waren,
mit dem Körper eleganter, schlanker Pferde und ihrem silbrigen oder schwarzen Horn auf der
Stirn, sie waren im Gegensatz zu Pferden reine Fleischfresser und meist enorm hungrig.
Elija blieb im Gegensatz jeder Vernunft unbeweglich stehen. Ihr war selbst nicht klar, ob sie
starr vor Schreck oder gebannt vor Faszination war, sie schaute das Wesen nur an, wie es mit
nervös spielenden Ohren langsam auf die Lichtung trat und zu ihr zurück sah. Mari schnaufte
nervös, machte aber selbst keinen Fluchtversuch, auch sie schien einfach nur abzuwarten, was
nun passieren würde.
Elija wusste nicht viel über Einhörner (außer, dass man besser die Flucht antrat, sollte man je
einem begegnen), aber ihr war sofort klar, dass dieses Tier noch sehr jung war. Es war sehr
klein und hatte den staksigen Körper eines knapp halbjährigen Fohlens. Seine Augen waren
dunkel und groß, Schweif und Mähne schienen noch aus weichem Flaum zu bestehen und die
Beine wirkten überdimensional lang und zerbrechlich. Es schien selbst verunsichert was es
nun tun sollte. Misstrauisch blickte es Elija und ihre Stute an, wirkte jedoch nicht feindselig
oder gar aggressiv. Nach einer Weile der Unbeweglichkeit wurde es mutiger, trat ein paar
Schritte nach links und ein paar nach rechts, nicht ohne das Mädchen aus den Augen zu
lassen, immer bereit, die Flucht anzutreten.
Elija erinnerte es an ein hungriges, junges Pferd, dass auf seinen Stalljungen wartete, der das
Futter bringen würde. Sie griff in ihre Manteltasche und zog ein in Stoff gewickeltes
Schinkenbrot heraus, eine kleine Mahlzeit wie sie sie häufiger mitnahm, wenn sie länger
ausritt.
„Hast du Hunger?“, rief sie dem Einhornfüllen leise zu, nahm eine Brotscheibe ab und hielt
sie dem Wesen entgegen. Das Fohlen schnupperte, schnaubte und stampfte nervös mit den
Vorderhufen; unschlüssig was es nun tun sollte. Nach wenigen Augenblicken siegte offenbar
der Hunger über den Argwohn, es kam langsam und zögerlich näher, bis es nur noch den
Kopf ausstrecken musste, um die Brotscheibe in Elijas weit ausgestreckter Hand zu erreichen.
Mit geblähten Nüstern zog es den Geruch des Brotes ein, dann schoss es urplötzlich vor,
schnappte an ihrem Körper vorbei nach der anderen Hand und preschte mit dem Schinken im
Maul ein paar Meter davon.
Elija schlug das Herz bis zum Hals, sie war fest davon ausgegangen, von dem Einhorn
angegriffen, oder zumindest gebissen zu werden. Auch Mari hatte gescheut und war erst ein
paar Schritte weiter stehen geblieben. Erleichtert lachte sie auf, als ihr klar wurde, dass das
Fohlen sich lediglich den Schinken aus ihrer Hand geschnappt hatte.
„Oh nein wie dumm von mir“, schalt sie sich selber. „Du magst natürlich kein Brot, oder?“
Das Fohlen wieherte hell und wagte sich noch einmal näher.
„Ich habe nichts mehr für dich, nur noch das Brot“, erklärte Elija bedauernd und ließ das
junge Einhorn vorsichtig an ihren Handflächen schnuppern.
‚Mich wirst du hoffentlich nicht fressen wollen’, fügte sie in Gedanken hinzu.
Das Einhörnchen schien daran nicht zu denken, es schnupperte, wand sich dann leicht
enttäuscht ab, sah sich noch ein paar mal wie suchend um und trabte dann davon.
„Warte doch!“, rief Elija sanft, doch das Tier war bereits im Unterholz verschwunden.
Das Mädchen blieb für einen Moment regungslos zurück und konnte kaum glauben, was sie
erlebt hatte. Ein Einhorn hatte ihr aus der Hand gefressen. An diesem Ort schien das nicht
einmal ungewöhnlich. Mit leicht zitternden Knien kletterte sie in den Sattel ihrer Fuchsstute.
Es beunruhigte sie etwas, noch einmal durch den unheimlichen Wald reiten zu müssen, doch
wieder blieb Mari völlig gelassen und ruhig, und so riss Elija sich zusammen und versuchte,
sich einzubilden, dass das merkwürdige Aussehen der Bäume hier überhaupt nichts zu
bedeuten hätte.
Dennoch war sie erleichtert, als der Wald wieder normal auf sie wirkte. Ihr war, als würde
eine große Last von ihr abfallen. Völlig aufatmen vermochte sie aber erst, als sie auf das
Schloss ihrer Familie zuritt, und Mari mit nachhallendem Hufschlag über die offen stehende
Zugbrücke in den Innenhof trabte.
Schon im Stall hatte Elija jedes zweifelnde Gefühl der Angst schon wieder vergessen, und
nachdem sie ihre Stute gut versorgt hatte, flüsterte sie ihr zu:
„Was hältst du davon, wenn wir morgen noch mal hin reiten und schauen, ob das Fohlen
wieder kommt?“
Mit dem wie zustimmendem Schnauben der Stute war die Sache besiegelt.
Am Abend traf Elijana ihren Vater und ihren jüngsten Bruder im kleinen Speiseraum zum
Essen. Im Gegensatz zur prunkvollen Speisehalle, in der größere Essen mit Gästen und
offizielle Feste gegeben wurden, war der Speiseraum eher einfach gehalten. Außer einem
großen, mit Tüchern behangenem Tisch und den gut gepolsterten, aber schmucklosen Stühlen
standen keine Möbel in dem Raum, die Wände waren mit wenigen Gemälden der Familie
geschmückt.
Es war einer der wenigen Räume, in dem man nicht von kostbaren Erbstücken erdrückt
wurde; einer der wenigen Räume, in dem Elija und ihre Brüder sich als Kinder frei bewegen
konnten, ohne die Angst, etwas Wertvolles umzuwerfen. Einer der Räume, in denen der
König Vater war und weniger auf Etikette und mehr auf herzliches Miteinander achtete.
Viktor lebte wie Elija noch im heimatlichen Palast, wo er eine militärische Ausbildung
durchmachte, um in Kürze Befehlshaber der Wache zu werden.
Ihr älterer Bruder Frede hatte seine eigenen Ländereien, ein stattliches Herzogtum, welches er
regierte, bevor es an der Zeit für ihn war, das Erbe seines Vaters anzutreten.
Elijas Vater hatte an diesem Abend gute Nachrichten, er kündigte zwischen zwei Bissen
Braten an, dass Frede im Sommer zu Besuch kommen würde und auch seine Frau und seine
Tochter Anni, die im Winter erst geboren war, mitbringen würde.
Elija freute sich so, ihren ältesten Bruder und seine temperamentvolle, fröhliche Frau wieder
zu sehen und endlich ihre kleine Nichte kennen zu lernen, dass sie für eine Weile in
Gedanken mit den Planungen des Besuchs verweilte und gar nicht mithörte, wie ihr Vater und
Bruder wieder zu militärischen Belangen übergingen. Etwas, was Elija am Tisch nicht gern
hatte und häufig mit einem Schmollen quittierte, was zumindest ihren Vater zum Schweigen –
und ihren Bruder zum Schimpfen – brachte.
„Sind die Zeugenberichte glaubhaft?“
Elija wusste nicht, worum es im Gespräch ging, doch ihr Vater schien besorgt, eine tiefe
Mittelfurche teilte seine eh schon faltige Stirn.
Viktor räusperte sich und spülte seinen letzten Bissen mit einem großen Schluck Wein
herunter. Er wirkte euphorisch, wie kurz vor einer aufregenden Jagd. Die Wangen glühten
erregt in seinem Gesicht.
Elija musterte ihn prüfend. Er hatte sich verändert in den letzten Monaten. Alles kindliche war
aus seinem Gesicht gewichen, seine ehemals rundlichen Züge waren nun scharf geschnitten
und seine blauen Augen waren ganz anders als die des Vaters geworden: Entschlossen und
kühl, ohne ein einziges Lachfältchen darum herum.
Elija fiel ein, dass Frede immer ihres Vaters Augen gehabt hatte – gutherzig und warm –und
auch von der gleichen wasserblauen Farbe. Ob diese Ähnlichkeit geblieben war? Oder hatte
auch er sich verändert?
„Sie häufen sich zumindest“, antwortete Vikor, nachdem er ausreichend Wein getrunken
hatte. „Letzte Woche sah eine Frau angeblich einen Elfen, fast noch ein Kind, sagte sie, dann
behaupteten Holzfäller, im Wald eine kleine Gruppe fragwürdiger Gestalten gesehen zu
haben. Gestern und vorgestern waren es dann ein Wanderer und ein Bauer. Letzterer
behauptet, drei oder vier junge Elfenkerle hätten ihm ein Brot und einige Rüben gestohlen. Er
sagt, er hätte sie gesehen. Seine Frau allerdings meint, er wäre einfach sternhagelvoll
gewesen.“
Viktor lachte und König Gerog schnaufte verärgert.
„Elfen, hier in dieser Gegend!“ Er schüttelte skeptisch den Kopf. „Niemals haben sich die
Teufel in diese Gegend gewagt – was sollten die auch hier wollen! Nirgends ist die Wache in
größerer Stärke aufgestellt.“
„Vielleicht geht es ihnen um die Gefangenen im Turm?“, fragte Viktor, doch sein Vater wank
ab.
„Auszuschließen. Darin sitzt keiner, der irgendwie von Bedeutung wäre. Und wenn es so
wäre, dann kämen sie mit einer Streitmacht und würden keine Knaben schicken.“
„Vielleicht“, brachte sich Elijana nachdenklich ins Gespräch ein, als sie unbehaglich an den
düsteren Turm dachte, der als Kerker diente, „ist jemand inhaftiert, der nur für einige Elfen
eine Bedeutung hat? Vielleicht ist es seine Familie oder Freunde, die ihn suchen?“
Der König schmunzelte und schüttelte den Kopf.
„Du sollst dir keine Gedanken über solche Belange machen, davon verstehst du nichts,
Kleines.“ Ein paar Sekunden verweilte sein Blick liebevoll auf seiner Tochter, ehe er fort
fuhr. „Du denkst, sie seien Menschen, die füreinander einstehen, die Liebe und Mitgefühl
empfinden. Aber so ist es nicht. Sie sind wie Tiere. Sie denken nur an sich und tun nichts, was
ihnen keinen Vorteil bringt.“
„Sie sehen halt fast so aus wie wir“, bemerkte Elija nachdenklich. „Da vergisst man dies
schon mal.“
„Ja, das tun sie. Aber sie sind primitiv und triebhaft, sie werden nur durch ihre eigenen
Bedürfnisse gelenkt und fühlen nichts als ihre blanke Gier.“
„Daher sollten wir die Sichtungen ernst nehmen, Vater“, sagte Viktor begeistert. „Lass mich
morgen mit ein paar Männern ausreiten und in den Dörfern noch einmal die Menschen
befragen. Vielleicht finden wir etwas heraus.“
„Natürlich, tu das. Ich glaube zwar nicht, dass es sich wirklich um Elfen handelt, aber es ist
natürlich gut, wenn wir jeden Hinweis ernst nehmen. Das gilt auch für dich Elija – sei
vorsichtig und reite nicht zu weit fort.“
„Bestimmt nicht, Vater!“, sagte Elija, und hoffte dabei nicht rot zu werden.
Am nächsten Morgen konnte Elija das gemeinsame Frühstück kaum abwarten. Doch sie ließ
sich Zeit um ihrem Vater keinen Grund für besondere Aufmerksamkeit zu geben. Wenn sie
sich jetzt verdächtig machte, konnte sie das Einhornfohlen vergessen.
Elija war sich sicher, dass es wieder kommen würde, auch wenn ihr nicht klar war, woher sie
das wusste. Auf dem Weg zu den Stallungen durchquerte sie auf dem Dienstbotenweg die
Küche und steckte in einem unbeobachteten Moment ein frisches Hühnerbein ein, das mit
vielen anderen bereit lag um für das Abendessen vorbereitet zu werden.
Wenig später saß Elija im Sattel und ritt geradewegs auf den geheimnisvollen Wald zu.
Wieder überkam sie ein furchtsames Schaudern, als sie das Waldstück der silbrigen Bäume
durchquerte, wieder verstärkte sich die Angst mit jedem Trabtritt ihres Pferdes bis sie kurz
vor einer Panik stand, und wieder brachte die zauberhafte Lichtung Erleichterung, obwohl sie
auch heute das Gefühl beobachtet zu werden, nicht von sich weisen konnte.
Elija ließ Mari grasen und setzte sich selber ein wenig ins weiche Gras um zu warten, ob das
Fohlen kommen würde. Tatsächlich musste sie nicht lange verweilen und es knackte im
Geäst. Zögernd schritt das Einhornfohlen auf die Lichtung und schien sie mit einem kleinen
Schnauben zu begrüßen, als es sie sah.
Langsam, um es nicht zu erschrecken, stand Elija auf und griff in ihrer Tasche nach dem
mitgebrachten Fleisch. Das Fohlen schnupperte erregt und kam rasch näher. Nur eine
Armlänge stand es entfernt. Elija hielt ihm das Fleisch hin und es begann hungrig Stücke
heraus zu beißen und zu reißen, verschlag sie gierig und fraß zuletzt auch den Knochen, der
knirschend seinen harmlos scheinenden Zähnen nachgab. Zufrieden schleckte eine rosa Zunge
etwas Blut von den weichen Lippen und es blickte Elija an, als wollte es sich für das Mahl
bedanken.
Elija wurde mutiger und trat einen Schritt näher. Sie streckte ihre Hand aus, berührte das
weiche, flaumartige Fell am Hals. Das Fohlen schien überhaupt nicht mehr ängstlich, wie
selbstverständlich ließ es sich streicheln, als wollte es kein wildes Tier, sondern ein
freundliches Reitpony werden. Elija kraulte es an den Ohren und ließ ihre Finger vorsichtig
über das dunkelgraue Horn gleiten. Noch war es kurz und stumpf – nicht lange und es würde
eine spitze, gefährliche Waffe abgeben. Elija kam der Gedanke, ob es wohl möglich war,
Einhörner zu zähmen. Sie kannte Legenden von tapferen Männern der Vergangenheit, die
Einhörner gezähmt hatten, die auf ihnen reiten konnten wie auf Pferden. Sie erinnerte sich an
die Bilder in der großen Halle des Schlosses – Elfen, die auf blutäugigen Einhörnern in die
Schlacht ritten.
Doch ihr Vater hatte sie immer gelehrt, dass dies nur Märchen gewesen waren – Einhörner
konnten nicht gezähmt werden. Andererseits … wenn man sie früh genug an Menschen
gewöhnte … und dieses hier war in jedem Falle noch jung, sehr jung.
„Wo ist denn nur deine Mutter?“, fragte Elija leise.
„Tot“, kam hinter ihr eine Antwort.
Elija schrie laut auf vor Schreck und wirbelte herum, das Einhornfohlen stieg steil auf die
Hinterbeine und trat die Flucht an. Elija hatte den Mann, der nun wenige Meter hinter ihr
stand und wie in Gedanken ihre Stute Mari am Hals kraulte, nicht kommen hören.
„Wer … wer bist du? Und … was willst du?“, stotterte Elija und versuchte ihre Stimme
selbstsicher und mutig klingen zu lassen. „Geh von meinem Pferd weg.“
Der Fremde dachte nicht daran, er schien sie einfach zu ignorieren. Er war in einen ähnlichen
Umhang gekleidet wie sie selbst ihn beim Reiten trug, nur war seiner aus einfachstem Leinen,
alt und verschlissen. Die Kapuze fiel ihm tief in die Stirn. In der Helligkeit auf der Lichtung
konnte sie sein Gesicht im Schatten der Kapuze nicht mal erahnen.
Nur an der Statur konnte Elija erkennen, dass es ein Mann sein musste. Er war groß, sicher
eineinhalb Kopf größer als sie (und Elija war groß für eine Menschenfrau!), und schlank.
‚Ein Elf!’, schoss es ihr durch den Kopf und sie begann den Boden nach einer möglichen
Waffe abzusuchen. Doch hier lag nicht mal ein Reisigzweiglein auf dem Boden, erst recht
kein wehrhafter Knüppel. Und ihr silberverzierter Dolch, den sie immer bei sich trug, war an
Maris Sattel befestigt, wo er im Moment besseren Zugriff darauf hatte, als sie.
„Du solltest deinem Pferd den Sattel abnehmen, wenn du so lange rastest“, sagte er plötzlich
und kam ein Stück auf Elija zu. Elija wich wiederum ein paar Schritte zurück, doch blieb
dann stehen – wohin sollte sie hier schon fliehen, wenn ihr Pferd für sie unerreichbar war. Er
stand zwischen ihr und Mari – und hinter Mari war der einzige Pfad, der aus diesem Kreis
herausführte. Andererseits … das Fohlen hatte sich auch durch das Unterholz der Baumwand
arbeiten können. Wenn sie …
Die Aussicht, zu Fuß blindlings in diesen kalten, seltsamen Wald zu flüchten, schien Elija
nicht viel klüger, als mit bloßen Händen gegen den Fremden kämpfen zu müssen, zumal er sie
eh verfolgen würde. Elija war stark für eine Frau, bei zwei älteren, rauflustigen Brüdern war
das überlebenswichtig. Allerdings waren Elfen, wenn der Fremde denn einer war, körperlich
überlegen.
Der Mann blieb mit etwas Abstand stehen und hob sich die Kapuze vom Kopf. Elija wagte,
etwas aufzuatmen. Er hatte tiefbraunes Haar und hellbraune Augen, enorm schöne, sanft
geschwungene, große Augen, musste Elija irritiert feststellen. Seltsame Augen.
Er war selbst nicht älter als sie, allenfalls ein oder auch zwei Jahre, und sein Gesicht sah nicht
unfreundlich aus. Das war bestimmt kein Elf.
„Ich danke dir für das Fleisch“, sagte er und nickte mit dem Kopf in Richtung des Fohlens,
was einige Meter hinter Elija wieder aus dem Unterholz geklettert war und nun freudig auf
den Fremden zuging und sich von ihm Streicheln und Klopfen ließ. Seine Stimme war
angenehm warm. Er zog ein kleines, blutiges Stück aus einem Lederbeutel am Gürtel und
schob es dem Fohlen zwischen die Zähne.
„Sie hat immer Hunger, ich komme kaum nach, sie zu füttern.“
Über sein Gesicht huschte ein flüchtiges Lächeln, ein hübsches Lächeln. Seine Augen waren
wirklich zauberhaft schön. Sie schienen in allen Facetten zwischen orange und braun zu
schillern, und leuchteten, je nach Lichteinfall, bei seinen Bewegungen sogar golden auf.
Elija konnte ihn eine Weile nur anstarren.
„Du fütterst es?“, fragte sie ihn verwundert.
„Ja du etwa nicht?“ Jetzt lächelte er erstmals sie an und Elija fühlte sich, als würde ihr ein
bisschen schwindelig werden.
„Ihre Mutter wurde erschossen“, erklärte der Fremde dann wie teilnahmslos, nur seine Miene
verfinsterte sich etwas. Zwischen seinen Augen erschien eine kleine Falte auf seiner Stirn.
„Sie haben sie aus reiner Mordlust erschossen, ihr das Horn genommen und ihren Körper
liegen gelassen.“
Elija lief es kalt den Rücken runter. Ihre Brüder waren auch schon auf der Jagd nach
Einhörnern gewesen, sie wusste, wie stolz sie auf die Hörner waren und wie wertvoll diese
waren.
„Es sind gefährliche Tiere“, sagte sie schwach.
„Gefährlich?“, zischte der Fremde aufgebracht, und für einen winzigen Moment schienen
seine Augen pechschwarz und grausam und Elija kam der erschreckende Gedanke, dass er
doch ein Elf sein musste.
Mit dem nächsten Augenblick jedoch sah er wieder aus wie zuvor, und Elija war sich nicht
mehr sicher, ob ihre Nerven ihr einen Streich gespielt hatten.
„Sie sind nicht gefährlicher als du und ich“, erklärte er ruhig. „Sie töten, wenn sie Hunger
haben und sie töten, wenn sie angegriffen werden. Oder ihre Fohlen schützen wollen.“ Er
strich dem kleinen Einhorn behutsam über den Rücken. „Sie hier, ist noch zu klein um alleine
zu überleben. Ihre Mutter hatte keine Chance, ihr das Jagen beizubringen. Sie ist auf meine
Hilfe angewiesen.“
„Dann hast du sie gezähmt?“
„Ja“, knurrte der Fremde, in einer seltsamen Stimmlage, die dem Mädchen einen Schauer
nach dem anderen über den Körper liefen ließen. „Ich hatte keine Wahl. Sie wäre an der Seite
ihrer toten Mutter verhungert. Ob ein zahmes Einhorn jedoch besser ist als ein totes, wage ich
noch zu bezweifeln.“
Elija zog die Stirn kraus.
„Was ist schlecht an einem zahmen Einhorn?“
Der Fremde sah sie verwundert an.
„Ist dir das nicht klar? Sie scheut die Menschen nicht mehr. Sie ist freundlich auf dich
zugegangen – jeder andere Mensch hätte es ausgenutzt und ihr einen Pfeil in die Brust gejagt,
und damit geprahlt, ein wildes Einhorn getötet zu haben.“ Seine Worte waren kühl, seine
Stimme ebenso.
„Oh!“, sagte Elija bestürzt. „Ich … ich kann euch helfen!“, rief sie dann. „Wir bringen sie zu
unseren Stallungen, dort bekommt sie alles was sie braucht. Keiner wird ihr etwas antun,
wenn ich es verbiete. Sie ist doch nicht gefährlich!“
Der Fremde verdrehte die Augen, offensichtlich genervt, aber nicht direkt unfreundlich.
„Du kannst ein Einhorn nicht in einen Stall sperren“, erklärte er. „Spätestens wenn sie den
ersten Menschen beißt, wird man sie nicht mehr so harmlos finden. Und dann?“
„Ich werde nicht zulassen, dass man ihr etwas antut!“, beharrte Elija.
„Und du meinst, du hättest da etwas zu sagen, ja?“ Er lachte spöttisch, das machte Elija
wütend.
„Ich bin Prinzessin Elijana von Arlas“, sagte sie hoheitsvoll, doch bereute im gleichen
Moment, dass er nun wusste, wer sie war. Jedoch schien ihr Titel ihn nicht zu beeindrucken,
er sah nicht mal auf, sein Blick blieb stur auf das Fohlen gerichtet. Sie sprach etwas schwach
weiter, ihre Stimme zitterte ein wenig. „Wenn ich sage, dass ….“
„Und wenn du Arla persönlich aus dem Arsch gekrochen wärst“, unterbrach sie der Fremde
barsch und Elija starrte ihn entsetzt an.
„Du kannst ein Einhorn nicht in einen Stall sperren. Glaub es mir, oder lass es und merke es
selbst. Nimm sie halt mit und stell sie dir in den Schlossgarten. Aber heul nicht, wenn sie
nächstes Jahr die Hofköter frisst und übernächstes Jahr dein Reitpferdchen, Prinzesschen. Es
ist und bleibt ein Einhorn.“
Elija stand wie vom Donner gerührt. Nie in ihrem Leben war sie beleidigt worden – ihre
Brüder mal ausgenommen - und nun auf derart gemeine, gotteslästernde Weise.
Und dass, obwohl sie nur helfen wollte. Ihre Angst war verflogen und machte einer trotzigen
Wut Platz.
„Für deine Frechheiten könnte ich dich einkerkern lassen, ist dir das klar?“, fragte sie mit vor
Ärger zusammen gebissenen Zähnen. Der ungehobelte Kerl grinste sie nur kühl an.
„Du könntest mich alleine für meine Existenz einkerkern lassen, weißt du das nicht?“
„Was soll das – warum verspottest du mich? Warum beleidigst du mich? Wer bist du
überhaupt?“
Aus seinem gemeinen Grinsen würde ein Lächeln, nicht ohne Spott, aber freundlich. Elija
musste sich zugestehen, dass er enorm gut aussah, trotz aller Unverschämtheiten.
„Mein Name ist Jarno“, sagte er schließlich und hielt ihr versöhnlich die Hand hin. „Ich
wollte dich weder erschrecken, noch beleidigen.“
Elija nannte ihren Rufnamen und ergriff seine Hand. Sie fühlte sich kühl und merkwürdig an.
Sie konnte sich aber nicht erklären, woran das lag, also ließ sie schnell wieder los.
„Ich habe dich gestern schon mit Vida gesehen und als du heute wieder gekommen bist ….“
Elija war sich nicht sicher, aber sie glaubte zu erkennen, dass er leicht rot wurde.
„Du hast Vida nicht verraten, daher habe ich es riskiert, in der Hoffnung, dass du mich auch
nicht verrätst.“
„Warum sollte ich das tun? Oder warum sollte ich es nicht tun? Musst du dich verstecken?“
Jarno nickte, seine Augen schienen sich etwas zu verfinstern.
„Warum? Was hast du getan?“
„Nichts.“
„Nichts? Dann hast du keinen Grund dich zu verstecken.“
Er schüttelte amüsiert den Kopf und grinste schief.
„Du hast wirklich keine Ahnung, oder?“
Elija hatte durchaus eine Vermutung, aber die war so absurd, so unwahrscheinlich, dass sie
sich damit vermutlich lächerlich gemacht hätte, also schüttelte sie den Kopf und zog die
Augenbrauen hoch, damit Jarno weiter sprach.
„Himmel, Mädchen, ich bin ein Halbblut“ erklärte er, als wäre das eine ganz nahe liegende
Sache.
„Also doch!“, rief Elija erstaunt.
„Du hast es doch gewusst?“
„Nein, nicht direkt. Ich dachte du wärst ein Elf. Aber das kann ja nicht sein, denn dann hättest
du …. Ein Halbblut … das ist ein Mischling, oder? Ich wusste nicht, dass es so was noch gibt,
ich dachte …“
„Du dachtest, die wären alle ausgerottet, richtig?“
Elija senkte beschämt die Augen. Sie wusste, was mit Mischlingskindern geschah.
„Aber dann ist es gefährlich für dich hier zu sein“, bemerkte sie. „Warum bist du nicht …. bei
den Elfen?“ Ihre Worte irritierten sie. Es war auch für sie gefährlich, dass er hier war; er war
gefährlich. Wieso kam ihr das erst als zweites in den Sinn?
„Willst du das wirklich wissen? Ist eine längere Geschichte.“
Elija nickte.
Jarno atmete tief ein und setzte sich dann ins Gras. Er deutete Elija an, sich ebenfalls zu
setzen, sie kniete sich zwei Meter neben ihm zu Boden und beschloss innerlich sprungbereit
zu bleiben. Wenigstens war ihr Pferd nun wieder erreichbar für sie. Dann begann er zu
erzählen.
„Mischlinge, die Elfen nennen uns Halbblüter, sind nicht wirklich gut angesehen. Wir …“, er
zögerte. „Nein. Ich glaube, ich muss früher beginnen“ sagte er und verschränkte seine Füße
vor sich. „Als Kinder sind wir noch ziemlich gleich, weißt du? Es ist kaum möglich, ein
Menschenkind von einem Elfen- oder gar einem Mischlingskind zu unterscheiden und daher
verbringen viele Mischlinge ihre Kindheit recht unbeschwert im Reich der Elfen.“
Elija lief ein kalter Schauer über den Rücken. Sie musste daran denken, dass
Mischlingskinder in ihrem Land getötet wurden. Man warf sie ins Feuer, meist lebendig. Oder
man tötete sie und verbrannte ihre Leichen. Kinder, die menschlichen Kindern so ähnlich
waren? Wie konnte man sich überhaupt sicher sein …?
Er sah sie für einen Moment irritiert an, dann schien er zu schaudern, schüttelte kaum
wahrnehmbar den Kopf, sprach aber weiter.
„Erst mit ungefähr zwölf bis 14 Jahren merkt man langsam einen Unterschied. Die
Körpertemperatur von Elfen wird niedriger und sie entwickeln diese typischen Augen.
Elfen werden größer als Menschen, aber es dauert länger bis sie wachsen. Sie sind länger
Kind und erst mit etwa 21 Jahren, ausgewachsen.
Menschen, aber auch viele Halbmenschen, bekommen ab einem gewissen Alter meist Haare
im Gesicht, auf Armen und Beinen … und …“, er nickte grinsend in Richtung seiner Hose
und Elija musste trotz ihrer Anspannung kichern.
„Nun, damit wird es dann offensichtlich, dass etwas nicht stimmt. Und letztlich testen sie mit
14 Jahren … den Stand der Magie. Und in der Hinsicht lässt es sich nicht vermeiden, ehrlich
zu sein. Nur Elfen reinen Blutes sind in der Lage, Älteste Magie zu sprechen. Bist du nur ein
Mischling, kommt es an dieser Stelle garantiert raus.“
„Und dann jagen sie euch davon?“
„Nein, so ist es nicht. Die Elfen sind nicht generell grausam“, sagte er nachdrücklich, und
Elija wurde flau im Magen, als sie wieder daran dachte, was die Menschen mit Halbblütern
machten. „Aber sie wollen uns nicht gleichwertig in ihrer Mitte haben. Es gibt ein Dorf, weit
nördlich an der Küste. Dort sollen wir leben, dort lässt man uns in Ruhe, zumindest solange
man keine andere Verwendung für uns hat.“ Er sagte das ganz selbstverständlich,
emotionslos, aber Elija bemerkte ein seltsames Flackern in seinen Augen. Als würde sich
permanent ihre Farbe etwas ändern …
„Verwendung?“, hakte sie nach, und wieder war da der Hauch eines dunklen Zuckens in
seinen großen Augen.
„Wir sind Gefangene, die das Dorf nicht verlassen dürfen“, erklärte er ruhig. “Nur wenn
höher gestellte Elfen Interesse an uns haben, holen sie uns als Leibeigene zu sich.“
„Und du bist aus diesem Dorf wieder geflohen?“
„Ich bin in diesem Dorf geboren. Geflohen bin ich erst, als ich für eine Elfenfamilie als …
Arbeiter geholt wurde. Es war nicht besonders … angenehm dort“, er verzog den Mund zu
einem Grinsen. „Also dachte ich mir … ich geh und schau mir lieber mal die Welt an.“
„Das ist aber reichlich gefährlich“, stellte Elija fest.
„Alleine durch diese Wälder zu reiten und Einhörner zu füttern ist auch gefährlich“,
antwortete Jarno.
Elija verstand. Das Gefühl, eingesperrt zu sein, war auch für sie kaum zu ertragen, auch wenn
der Vergleich vielleicht hinkte.
„Und du lebst jetzt hier in diesem Wald? Allein?“
Jarno nickte rasch.
„Ich hätte nicht gedacht, dass du … dass du kein Mensch bist. Du siehst aus wie ein Mensch.“
Er lachte wieder leise, es klang als würde er eine Melodie singen.
„Was denkst du denn, wie Halbblüter sonst aussehen? Oder Elfen? Hast du je einen
gesehen?“
„Nein“ musste Elija zugeben. „Nur in Büchern.“
„Diese Bücher würde ich gerne sehen. Ich kenne die Bücher der Elfen, und ich versichere dir,
ihre Zeichnungen von Menschen sehen etwas anders aus, als du, oder die meisten anderen
Menschen, die ich gesehen habe.“
„Ja wirklich? Wie denn?“
Jarno überlegte einen Moment.
„Dicker. Wesentlich dicker. Und viel stärker behaart, überall. Mit schiefen Zähnen und
dicken, roten Nasen.“
Elija lachte hell, und war selbst darüber erstaunt. Sie saß hier mit einem Mischling und lachte
über Menschen?
„Ich muss dich enttäuschen, es gibt sehr viele Menschen, die so aussehen! Erzähl mir, wie die
Elfen aussehen!“
„Nun, sie sehen nicht viel anders aus als ich und du. Sie sind nur größer als du, meist noch
etwas größer als ich. Ihre Augen sind meist farblos, einfach nur grau. Sie haben spitze Ohren,
wie meine, aber noch länger.“
Er strich seine Haare zurück und zeigte seine nach oben spitz zulaufenden Ohren. Eigentlich
ziemlich unauffällig, fand Elija. Aber schaurig, wenn man darauf achtete.
„Das ist glaube ich allen Halbblütern gleich, diese verdammten Ohren. Ohne diese Ohren
würden wir euch vermutlich so ähnlich sein, dass …“
„Dass ihr unbemerkt unter Menschen leben könntet?“, vollendete Elija den Satz.
Nachdenklich betrachtete sie eine abgezupfte Blüte zwischen ihren Fingerspitzen.
„Ich muss mit meinem Vater sprechen“, sagte sie dann leise. „Wenn er erfährt, wie ähnlich
…“
Jarno sprang auf. Eine schnelle, fließende Bewegung, und Elija erschrak.
„Du wirst mich nicht verraten!“ Es war keine Frage. Es war ein Befehl. Er versuchte gelassen
zu klingen, doch Elija entging das nervöse Zittern im Hintergrund seiner Stimme nicht. Und
nicht das dunkle Leuchten in seinen Augen.
„Nein, das werde ich nicht.“ Elija wurde ängstlich. Sie hatte nicht vorgehabt, ihn zu reizen,
doch offenbar war genau das geschehen. „Aber … die Menschen haben nur Angst und wissen
es nicht besser! Aber wenn mein Vater nur wüsste, dass ihr … auch nur Menschen seid, dass
man mit euch reden kann …“
Es sollte beruhigend klingen, doch es verfehlte seine Wirkung völlig. Er wurde richtig wütend
und verbarg das nicht mehr.
Seine Mine wurde steinhart und er zog zischend Luft zwischen den zusammen gebissenen
Zähnen hindurch.
„Erstens“, sagte er, und es klang fast wie ein Fauchen. „Wir sind keine Menschen! Zweitens:
Du glaubst, dass er das nicht weiß? Meinst du, er weiß nicht, dass wir sprechen können, wie
ihr?“
Jarno starrte sie böse an, sein Gesicht verfinsterte sich völlig, und jetzt nahm Elija es ganz
genau wahr: Das Braune seiner Augen wurde schwarz. Sie erinnerte sich an die gezeichneten
Elfen in ihren Büchern: Große, bedrohliche Kreaturen mit spitzen Ohren und schwarzen
Augen. Als Kind hatten ihr diese Bilder Angst gemacht. Jetzt stand ihr jemand mit solchen
Augen gegenüber und funkelte sie zornig an. Furchteinflößend – und auf absurde Art und
Weise dabei schön.
Wie ein Einhorn. Schön aber gefährlich.
Elija biss die Zähne zusammen und versuchte, keine unnötige Bewegung zu machen, weil sie
fürchtete, dass das ein Startzeichen für ihn sein würde.
Sie hatte Angst; merkte, dass sie zitterte und drückte ihre Hände fest ins Gras, um schnell
aufspringen zu können, wenn er sie angriff. Und dass er angreifen würde, stand für sie kaum
mehr zur Debatte. Die Frage war nur wie.
Er fixierte sie, als wollten seine wütenden Augen ihr einfach das Atmen verbieten. Doch Elija
merkte, dass sie hastig und flach weiteratmete.
Die Legenden kamen ihr in den Sinn: Wenn ein Elfen einen Menschen tötet, kann er vor Arla
die Jahre, die er genommen hatte, verlangen und diese auf seine Lebenszeit anrechnen lassen.
‚Wie viele Jahre wird er für mich bekommen?’, dachte sie schockiert.
Plötzlich veränderte sich sein Gesicht. Die Wut schwand, doch Elija konnte seinen kurzen
Blick nicht mehr richtig einschätzen, ehe er zu Boden sah. Er sah fast … gequält aus.
Dann wendete er sich schnell ab und setzte sich wieder dahin, wo er eben gesessen hatte.
Vielleicht noch ein Stückchen weiter weg. Er nahm sich zusammen, seine Augen bekamen
wieder ihren hellen Braunton.
Elija beruhigte ihren aufgebrachten Atem und wagte nach wie vor keine Bewegung. Sie gab
sich Mühe, ihn nicht anzustarren, aber es ging kaum anders.
Er legte sich eine Hand vor die Augen und senkte den Kopf, schüttelte ihn leicht.
„Ich wollte dich nicht erschrecken. Bitte entschuldige“, sagte er schwach.
„Ich habe dich erschreckt“, erwiderte Elija leise, ihre Stimme wackelte noch ein wenig.
„Mach dir keine Sorgen, ich werde kein Wort sagen, wenn du es nicht willst.“
„Weißt du“, sagte Jarno, und seine Stimme klang plötzlich schwerfällig und finster hinter
seinen Händen. „Es haben schon viele meines Volkes versucht, mit den Menschen zu reden.
Wir haben nie viel verlangt. Einen Ort, an dem wir in Frieden leben können haben wir uns nie
erhofft. Nur die Freiheit unserer Kinder. Viele sind losgezogen um euren König um etwas
Gnade zu bitten. Keiner von ihnen kam zurück. Keiner.
Es geht ihnen nur um ihr reines Blut und um ihren geliebten Hass auf die Elfen.“
Elija überkam eine Welle von eiskaltem Zittern. Der Gedanke, dass ihr Vater töten ließ,
obwohl er wusste, dass Halbblüter den Menschen so ähnlich – dass man mit ihnen reden
konnte - schnürte ihr die Kehle zu.
Er log. Es konnte gar nicht sein, dass diese Ungeheuerlichkeiten wahr sein sollten. Er log sie
an.
„Aber es ist noch mehr als nur Angst um meinen eigenen Hals“, sagte Jarno, und seine
Stimme wurde mit einem Mal sehr weich. „Bitte erwähne mich um deinetwillen nicht! Sie
werden dir unterstellen unter einem Bann oder etwas derartigem zu stehen. Bring dich nicht
selbst in Schwierigkeiten. “
Dem Mädchen war es, als hätte er ihr in den Magen geschlagen. Als würde von ihrem Vater
eine Gefahr für sie ausgehen! Wie lächerlich war denn das?
Sie wollte abwinken, ihm am liebsten den Mund verbieten, doch hielt sich zurück. Und es war
nicht die Angst vor einer erneuten Verärgerung Jarnos. Sie hatte einen kurzen Blick von ihm
aufgefangen, und der sagte ihr mit erschreckender Klarheit: „Glaub mir!“
Sie kam nicht umhin, es zu tun.
Elija starrte eine Weile an ihm vorbei in das dichte Gewirr aus silbrigem Unterholz und
beobachtete ihn aus dem Augenwinkel. Er saß bewegungslos da und betrachtete das Gras zu
seinen Füßen. Ab und an bewegte sich sein Kiefer, er kaute auf der Innenseite seiner Wange
herum. Über Elijas Gesicht huschte ein Grinsen – sie hatte die gleiche Angewohnheit und
erwischte sich ebenfalls dabei.
Jarno schüttelte irgendwann leicht den Kopf, als wolle er bedrückenden Gedanken
abschütteln.
„Absurd, dass ich unter allen Menschen ausgerechnet der Tochter des Königs im Wald
begegne“, sagte er leise, wie zu sich selbst. „Völlig absurd.“
„Wie meinst du das?“, fragte Elija, doch er grinste nur. Er wirkte wieder entspannt und seine
hellen, schillernden Augen waren völlig sanft. So sanft wie kaum etwas anderes, fand Elija,
und ihr wurde von innen plötzlich noch ein wenig wärmer. Dem Mädchen kam der Gedanke,
dass sie sich gerade noch schrecklich vor ihm gefürchtet hatte, plötzlich völlig lächerlich vor.
Sie errötete, als sie merkte, dass sie ihn immer noch anstarrte, und sah schnell weg.
Er sprang plötzlich aus der Bewegungslosigkeit auf, so schnell, dass Elija erneut
zusammenzuckte.
„Verzeih“, murmelte er schuldbewusst. „Ich habe dich schon wieder erschreckt.“
Er hielt ihr die Hand hin. Versöhnlich, und um ihr aufzuhelfen.
Elija zögerte, und aus irgendeinem Grund schien ihn das zu belustigen, er zog spöttisch die
Augenbrauen hoch.
„Hast du Angst vor mir?“
„Ich weiß nicht“, gab Elija zu, und ärgerte sich sogleich darüber. „Nein. Ich meine … müsste
ich denn?“
Sein Grinsen wurde zu einem breiten, ehrlichen Lächeln.
„Vermutlich“, sagte er, und meinte es ernst. In seinen Augen leuchtete es auf. „Aber ich hab
nicht vor, dir etwas zu tun. Vermutlich müsste ich viel mehr Angst vor dir haben, als du vor
mir.“
„Und, hast du es? Angst vor mir?“
Er verzog den Mund ein Stück als wollte er etwas sagen, überlegte es sich dann aber anders,
zuckte mit den Schultern und lächelte strahlend. Elija fasste seine Hand und er zog sie auf die
Beine. Der Griff seiner Hand war kühl und irgendwie unsicher.
Das Gefühl war noch seltsamer als zuvor. Er fühlte sich völlig fremd an, und dann wieder
doch gar nicht.
„Du erinnerst mich an irgendjemanden, den ich kenne“, bemerkte Elija. Sei Gesicht verzog
sich überrascht, aber er sagte nichts.
„Ich denke, ich muss jetzt los“, sagte Elija, dabei wäre sie eigentlich gerne länger geblieben.
„Aber ich komme morgen noch einmal und bringe etwas Fleisch für Vida.“
„Vielleicht werde ich auch hier vorbei schauen“, sagte Jarno, doch er lächelte funkelnd und
Elija war sicher, dass er ganz bestimmt kommen würde.
Den Rückweg verbrachte Elija grübelnd und umso näher sie dem Schloss kam, umso
zerrissener fühlte sie sich.
Es war alles eine Lüge! All die Angst und Furcht vor den Halbblütern war möglicherweise
unbegründet. Sie fühlten und litten wie Menschen, sie waren so menschlich, und sie wurden
von den Elfen gefangen genommen und versklavt und von den Menschen verfolgt und getötet
– alles nur aus dem Hass heraus, den Menschen und Elfen verband.
Andererseits … sie hatte ernsthaft Angst gehabt, als er wütend geworden war. Und sie spürte,
dass ihre Angst auch nicht völlig unbegründet gewesen war. Anhand seiner schnellen
Bewegungen konnte Elija sich vorstellen, dass er wesentlich stärker war, als er aussah.
Stärker als ein sehr starker Mensch vermutlich. Er schien ihr fast wie eine Katze; sah ganz
sanft und harmlos aus, konnte aber jederzeit mit überraschender Kraft blitzschnell zuschlagen.
Und warum hatte sie ihm überhaupt geglaubt? Sie glaubte doch sonst nicht immer alles, was
irgendwer, der gerade daher kam, erzählte. Irgendwas war an der Sache sehr merkwürdig, sie
fühlte sich merkwürdig.
Elija dachte nach, schmiedete und verwarf Pläne und Ideen. Ihr kam kein Einfall, was sie tun
könnte, wem sie von ihrer Begegnung erzählen könnte. Was sie überhaupt denken sollte ...
Als sie in den Schlosshof einritt, hatte sie noch keinen Ansatz einer Lösung gefunden. Sie
dürfte jetzt nur nicht sofort zu viel Aufmerksamkeit für das Thema zeigen – das würde
sicherlich auffallen und ihren Vater misstrauisch machen, denn bislang hatte sie nie Interesse
an diesen Themen gehabt. Und wenn er ihr erst einmal misstraute, würde sie ihn nicht mehr
anlügen können. Elija hatte nie lügen können, ihr schoss immer sofort die Röte ins Gesicht,
wenn sie die Unwahrheit sagte. Das könnte ein Problem werden – vor allem könnte es sehr
gefährlich für Jarno werden!
Sie hatte keinen Plan was sie tun könnte – aber egal was sie tat, sie würde enorm vorsichtig
sein müssen!
Und so beschloss sie, zu schweigen und nichts zu verraten, niemandem. Kein
Sterbenswörtchen.
Am Mittag begann ihr Schulunterricht, doch so sehr sie sich auch zu konzentrieren versuchte,
ihre Gedanken schweiften immer wieder ab, immer wieder sah sie in Gedanken in große,
hellbraun marmorierte Augen, in denen goldene Sterne zu funkeln schienen. Sie erinnerte sich
an sein Gesicht … es hatte recht eigenwillige Züge, und war dabei so schön. Seine Augen
tauchten immer wieder katzenhaft vor ihr auf, und die Erinnerung an seinen breiten Mund
trieb ihr die Röte ins Gesicht. Sich bei diesen Gedanken auf ihren Aufsatz zu konzentrieren
war kaum möglich. Ihr Hauslehrer war verärgert und unzufrieden mit ihr. Der Nachmittag
schien sich ewig hinzuziehen.
Beim gemeinsamen Abendessen mit ihrem Vater und ihrem Bruder brauchte Elija alle
Konzentration, um unbeteiligt zu erscheinen und mühevoll so viel Essen in den Mund zu
stopfen, dass es einerseits keine Übelkeit in ihrem nervösen Magen verursachte, aber
andererseits nicht auffiel. Währenddessen sprachen die Männer über die – erfolglose – Suche
nach herumstreunenden Elfen … Elija schluckte schwer an einer aufsteigenden Übelkeit.
In der Nacht fand sie schlecht in den Schlaf, und kaum eingenickt, wurde sie durch wirre
Träume wieder geweckt und lag erneut lange wach. Jarno und die grausame Jagd nach seinem
Volk ließen ihr keine Ruhe. Erst als die Sonne fast aufgehen wollte, schlief sie endlich
erschöpft ein und als sie wieder wach wurde, war es längst taghell.
Elija sprang hastig auf, ließ sich eine Waschschüssel und Reitkleider bringen und schalt ihre
Magd in Gedanken, weil sie sie nicht geweckt hatte. Als sie in den kleinen Speisesaal lief war
ihr Bruder schon gegangen. Nur ihr Vater saß noch bei Tee an seinem Platz, hatte das
Frühstück aber auch schon beendet.
„Entschuldige Vater, ich habe verschlafen“, sagte sie, küsste ihrem Vater die Wange und
setzte sich. Eine Tischdienerin servierte ihr eine Schale Haferbrei, die bereits kalt geworden
war.
„Bedrückt dich etwas, mein Kleines?“, wollte der König wissen, und Elija betete still, nicht
rot zu werden. „Du wirkst so nachdenklich.“
„Keine Sorge Vater, es ist alles bestens.“
„Hast du Kummer?“
„Nein, wirklich nicht, Vater. Ich grüble über meine Schulaufgaben, das Referat ist noch nicht
fertig und es hält mich in Gedanken so fest.“
„Du weißt, dass deine Ausbildung abgeschlossen ist – du lernst freiwillig weiter, gegen
meinen Wunsch. Da solltest du nicht jammern.“
Elija ärgerte sich, doch sie nickte, murmelte eine Entschuldigung und konzentrierte sich
darauf, ihren Haferbrei umzurühren. Ihr Vater verpasste kaum eine Gelegenheit, ihr
mitzuteilen, dass sie als Mädchen keine umfassende Ausbildung benötigen würde, sondern
lieber sticken und malen lernen sollte, oder etwas anderes, was seine Tochter für absolute
Zeitverschwendung hielt. Doch Elija bestand darauf, nicht mehr und nicht weniger zu lernen
als ihre Brüder und das betraf nicht nur die Schulbildung, sondern auch Schwertkampf und
Bogenschießen. Ihrem Vater war dies immer ein Dorn im Auge gewesen, seiner Meinung
nach brauchte eine Frau keine derartige Ausbildung, und ihr Bruder Viktor redete sogar auf
ihn ein, es der Schwester doch einfach zu verbieten. Doch Elijana hatte schon als Kleinkind
gelernt, sich durchzusetzen. In diesem Moment war das Thema eine passende Ablenkung.
Nun konnte sie, ohne dass es auffällig war, schmollen und es würde ihren Vater überhaupt
nicht wundern, wenn sie das Schloss nun so schnell wie möglich verlassen würde.
Elija vergaß nicht, ein Stück frisches Fleisch für das Einhornfohlen Vida in ihrer Tasche zu
verstecken, dann sattelte sie rasch ihre Stute und war wenig später auf dem Weg in den Wald.
Mit klopfendem Herzen durchritt sie die silbernen Bäume, nicht sicher, ob es die Furcht vor
diesem Ort war, oder die Spannung, die ihr Herz rasen ließ. Würde Jarno kommen? Sie wollte
ihn nach diesem seltsamen Wald befragen, vielleicht wusste er, was er zu bedeuten hatte.
Doch die Lichtung war leer. Elija schluckte ihre Enttäuschung runter und beschloss zu
warten. Sie sattelte Mari ab und ließ die Stute grasen, setzte sich selbst neben ihr ins Gras und
ließ die Zeit verstreichen.
Nichts passierte. Weder Jarno noch Vida ließen sich sehen und auch sonst kein Mensch oder
Tier.
Sie wartete weit über eine Stunde, vielleicht auch länger, sie konnte die Zeit an diesem Ort
kaum abschätzen. Als es ihr schon fast Mittag erschien, gab sie enttäuscht auf und machte
sich auf den Heimweg. Den silbernen Wald durchritt sie im flotten Trab – nur nicht zu lange
an diesem Ort verweilen!
Und dann stand plötzlich eine Gestalt in Umhang und Kapuze mitten auf dem Weg. Mari
stemmte die Hufe in den Boden um rechtzeitig zum Stehen zu kommen und Elija fuhr der
Schreck durch alle Glieder und ein ungewollter Schrei kam über ihre Lippen, ehe sie Jarno
erkannte.
„Bei Arla, du hast mich fast zu Tode erschreckt!“, rief sie, doch Jarno gab ihr hastig ein
Zeichen, still zu sein.
„Los, komm mit“, flüsterte er, nahm Mari am Zügel und führte sie vom Weg ab, tiefer in den
eigenartigen Wald.
Elijas Herz schlug so stark, dass sie es bis in die Fingerspitzen spüren konnte. Sie hatte keine
Ahnung was passiert war, aber Jarno schien besorgt und in dringender Eile. Er lief knapp
zwei Meter vor Elijas Pferd durch den Wald und entfernte sich dabei immer mehr von dem
Weg, den das Mädchen kannte. Der Pfad auf dem sie sich nun bewegten wurde mit jedem
Meter finsterer und angsteinflößender. Doch der Halbelf schien sich auszukennen, das
beruhigte Elija etwas und sie blieb dicht hinter ihm. Nichts hätte so furchterregend sein
können, wie sich allein in diesem silbrig finsteren Wald zu verlaufen.
‚Wenn er mich jetzt nur nicht verschleppt’, dachte sie mit einer Spur von Misstrauen, folgte
ihm aber trotzdem. Sie sah seine Schultern vor sich zucken, als würde er lachen.
Endlich erkannte Elija vor sich natürliches Licht. Jarno hatte sie zu einer Lichtung geführt,
der ersten gar nicht so unähnlich, aber größer.
Elija ließ sich erleichtert vom Sonnenlicht wärmen und sah sich um. Auch diese Lichtung war
hell und sonnig, es schien keinen Schatten zu geben und auch der dunkle Silberwald, der die
Lichtung umschloss, wirkte von hier überhaupt nicht mehr bedrohlich.
Zwischen ein paar Felsen, die wie dort abgelegt im weichen Gras zu ruhen schienen, sprudelte
eine kleine Quelle einfach aus dem Boden. Das Wasser lief für etwa drei Meter in einem
glitzernden Rinnsaal, das kaum den Namen Bach verdiente, und versickerte dann im Boden.
Ein paar junge, blühende Apfelbäume reihten sich akkurat aneinander.
Jarno atmete durch. Er schien noch etwas angespannt, aber nicht mehr in Sorge. Er ließ seinen
Umhang achtlos fallen und ging zu der kleinen Quelle, wo er trank und sein Gesicht wusch.
Elija saß ab und ließ Mari frei laufen. Die Stute würde ungestört grasen können, an diesem
Ort würde sie sicher nicht fortlaufen.
„Was ist passiert?“, fragte Elija und trat ebenfalls an die Quelle, wo sie sich auf einen der
kleinen Felsbrocken setzte.
Jarno blieb kurz am Wasser knien, schloss für einen Moment die Augen, machte eine
seltsame Handbewegung und murmelte ein paar Worte, die Elija nicht verstehen konnte.
Dann stand er auf und wandte sich Elija zu.
„Ich bin gesehen worden“, erklärte er knapp und schüttelte dann fassungslos grinsend über
sein eigenes Missgeschick den Kopf. „Monatelang hat mich kein Mensch gesehen, scheinbar
bin ich unvorsichtig geworden. Ich wollte dich nicht erschrecken.“
„Darin bekommst du ja langsam Übung“, spottete Elija und Jarno grinste breiter.
„Vielleicht gewöhnst du dich besser dran.“
„Meinst du … dass du hier sicher bist?“
„Davon gehe ich aus.“
„Was ist das für ein Ort? Diese Lichtungen … sie sind doch etwas besonderes, oder?“
„Oh ja.“
„Es ist“, sagte Elija leise und strich mit den Fingerspitzen über den Felsen, „fast wie ein
heiliger Ort. Man spürt eine gewisse Macht.“ Er hatte die Bewegung ihrer Hand sehr genau
beobachtet. Dann sah er plötzlich auf, schüttelte leicht und wie irritiert den Kopf, ehe er
sprach.
„Ohne Zweifel ist dieser Ort etwas Besonderes. Es ist eine Zuflucht. Du spürst den Zauber der
Elfen.“
Elija lief ein kleiner Schauer über den Rücken. „Zauber?“
Jarno nickte. „Früher, vor vielen hundert Jahren, war das hier alles freies Land, und die Elfen
haben sich geheime Zufluchtsorte geschaffen.“
„Zuflucht – vor was? Vor diesem unheimlichen Wald?“
„Nein. Vor euch, vor den Menschen. Der Wald ist eine Art Schutzbarriere. Du wirst bemerkt
haben, dass die Bäume tot sind. Einst gaben sie den Elfen ihr Leben dar. Doch ihre Geister
blieben, um für sie diese Orte zu schaffen. Zufluchtsorte, an denen die Elfen sicher waren,
versteckt in den Herzen der toten Wälder. Die Baumgeister verhindern, dass Menschen sie
passieren.“
„Dann funktioniert es aber nicht richtig“, warf Elija ein. „Ich bin einfach hindurch geritten.“
„Ja, das hat mich auch irritiert“, gab Jarno zu. „Ich weiß nicht, warum du einfach hindurch
gehen kannst. Spürst du denn gar nichts in diesem Wald?“
„Doch! Furcht, Beklemmung. Es ist, als könne man nicht mehr richtig atmen, als würde das
Blut stehen bleiben und das Herz langsamer werden.“
Wieder nickte Jarno, diesmal sehr nachdenklich. „Das spüre ich auch. Aber ich bin eben nur
zur Hälfte ein Mensch und mein Elfenblut verhindert, dass die Furcht mich übermannt.
Menschen werden von dieser Furcht derart gepackt, dass sie unweigerlich umkehren.
Zumindest dachte ich das bis vorgestern, als ich dich auf der Lichtung sah.“
„Meinst du denn, es ist für dich noch sicher hier? Wenn ich hindurch gehen kann, können es
vielleicht auch andere!“
Jarno zögerte kurz, ehe er weiter sprach. „Ich bin heute nicht ganz unbeabsichtigt gesehen
worden“, gab er zu. „Ich habe es ausprobiert. Es waren zwei Männer hinter mir her, die
packte schon weit vor dem ersten Baumgeist das Grauen. Nein, ich glaube nicht, dass die
Magie gebrochen ist. Diese Art von Zauber ist ewig.“
„Warum kann ich dann hindurch reiten?“
„Ich weiß nicht. Elfenblut, vielleicht?“
„Das glaubst du doch selbst nicht!“ Elija sprang empört auf. „Nimm das zurück!“
Jarno lächelte nur unbeeindruckt. „Wäre das so schrecklich?“
„Was? Was bildest du dir ein. Ich bin von reinem, königlichem Blut, meine Ahnen sind über
die Jahrhunderte bekannt und ganz sicher war niemand davon ein Bastard!“, rief Elija wütend
- doch im gleichen Augenblick bereute sie ihre Worte und biss sich erschrocken auf die
Lippe. Es war mehr Scham über ihre Arroganz, als die Sorge, er würde wütend werden. „Ich
meine, dass ist doch wirklich völlig ausgeschlossen“, fügte sie in ruhigerem Ton dazu, als er
nicht antwortete.
„Ja, vermutlich“, sagte Jarno mit betont gelangweilter Stimme. Nur seine leicht vorstehende
Unterlippe und die dunklen Funken in seinen Augen zeigten, dass sie ihn sehr wohl getroffen
