Halt die Klappe und küss mich - Meredith Tate - E-Book

Halt die Klappe und küss mich E-Book

Meredith Tate

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Beschreibung

Online mag ich dich lieber

Stella Greene und Wesley Clarke können sich nicht ausstehen. Nicht nur, dass sie erbitterte Rivalen sind, wenn es darum geht, die besten Noten einzufahren, auch bei abfälligen Bemerkungen und dreckigen Tricks stehen sich die beiden in nichts nach. Und um Stufenbester zu werden und das damit verbundene Stipendium einzusacken, sind ihnen alle Mittel recht. Was Stella und Wes jedoch nicht ahnen: Sie haben mehr gemeinsam als sie denken. Beide sind Fans einer beliebten TV-Serie und beginnen, anonym miteinander zu chatten – ohne zu wissen, wer auf der anderen Seite ist. Während sich die beiden online immer näher kommen und auch im echten Leben ein Schulprojekt Stella und Wes dazu zwingt, mehr Zeit miteinander zu verbringen, müssen beide erkennen, dass sie einander besser verstehen als irgendjemand sonst …

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EPUB
MOBI

Seitenzahl: 475

Veröffentlichungsjahr: 2022

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MEREDITH TATE

Halt die und küss mich

Aus dem Englischen von Doris Attwood

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Erstmals als cbt Taschenbuch Juni 2022

© 2022 für die deutschsprachige Ausgabe cbj Kinder- und Jugendbuch Verlag in der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH, Neumarkter Str. 28, 81673 München

Alle deutschsprachigen Rechte vorbehalten

Die Originalausgabe erschien unter dem Titel »Shipped« bei Penguin Random House LLC, New York

All rights reserved including the right of reproduction in whole or in part in any form.

This edition published by arrangement with G.P. Putnam’s Sons, an imprint of Penguin Young Readers Group, a division of Penguin Random House LLC, New York

Aus dem Englischen von Doris Attwood

Lektorat: Christina Neiske

Umschlaggestaltung: Guter Punkt, München

Umschlagmotive: © AdobeStock (Drobot Dean , simona, Дарья Колпакова) © iStockphoto (dylan_burrill, Anna Vilieva, Chinnapong, miriam-doerr)

sh · Herstellung: AW

Satz: Uhl + Massopust, Aalen

ISBN 978-3-641-28458-9V001www.cbj-verlag.de

Für alle, die jemals eine erfundene Welt so sehr geliebt haben, dass sie real wurde.Für Jamie Howard, eine wunderbare Kritikpartnerin und Freundin, die mich von Anfang an unterstützt hat.Und für Vincent und meine Eltern, Jessica und Paul, weil ich jedes meiner Bücher für euch schreibe.

// 24. APRIL 2017 //✦ ZUR SOFORTIGEN VERÖFFENTLICHUNG ✦

Im vergangenen Jahr hatte SFFStream die große Freude, Euch mit Warship Seven unterhalten zu dürfen – einer Serie, die oft als »Robin Hood im Weltall« beschrieben wird. In Warship Seven riskieren die junge Weltraumrebellin Captain Jill Brighton und ihre bunt zusammengewürfelte Crew ihr Leben, um reiche, von den tyrannischen Truppen der Zentralen Elite kontrollierte Militärbasen zu plündern und die erbeuteten Ressourcen unter den ärmeren, abgelegeneren Planeten zu verteilen. Schon mit ihrer ersten Staffel erlangte die Serie unglaubliche Popularität.

Doch trotz ihrer großen Fangemeinde haben wir die schwierige Entscheidung getroffen, Warship Seven nicht mit einer zweiten Staffel fortzusetzen.

»Es war mir eine große Ehre, an dieser Serie mitarbeiten zu dürfen«, so Produzent William Jackson. »Warship Seven strotzt nur so vor Herz und Action und es geht um Themen wie Menschlichkeit und Moral. Wir möchten diese Gelegenheit nutzen, um uns bei unserer Besetzung, unserer Crew und unseren Zuschauern zu bedanken, die das vergangene Jahr in eine unvergessliche Reise verwandelt haben.«

Captain Jill Brighton, Sergeant Aaron Lewis und ihre unkonventionelle Crew an Bord der Happening haben sich zu sehr beliebten Charakteren entwickelt und die Serie wird schon jetzt als »Kultphänomen« bezeichnet. Wir werden sie sehr vermissen. Wir wünschen der Besetzung und der ganzen Crew nur das Beste für ihre zukünftige Laufbahn.

KOMMENTARE:

JBStan12: das soll wohl ein Witz sein!

Fleetlover9: NEIN!!! WAS?!

LewtonOTP: Ernsthaft, ich hoffe, ihr überdenkt diese Entscheidung noch mal. Eine der besten Serien aller Zeiten nach einer Staffel einzustellen ist fast schon eine Beleidigung für treue Fans. Mal abgesehen von der Tatsache, dass die erste Staffel mit einem echten Cliffhanger endet, hatten diese Charaktere noch eine unglaubliche Reise vor sich. Die Einstellung der Serie beweist, dass für SFFStream Profit wichtiger ist als seine Zuschauer. Vielleicht wandere ich mit dem Geld für mein Abo ja stattdessen zu Hulu ab.

danversisendgame: oh, komm mal wieder von deinem hohen Ross runter, es ist nur eine Serie lol. Ich liebe diese Serie, aber ich werd drüber wegkommen, und immerhin haben wir ja diese zwanzig unglaublichen Folgen

theeighthwarship: ^es gibt zwei Arten von Fans

C0NDORsBackup: lmaoooo mit der Serie gings sowieso stetig bergab, keine Überraschung

LewtonOTP: @danversisendgame Ich werde nicht einfach »drüber wegkommen«, aber trotzdem danke. Captain Jill und Serg Lewis haben sich ZWANZIG Folgen lang nacheinander verzehrt und standen endlich kurz davor, zusammenzukommen. Man beendet eine Serie nicht einfach, wenn der Hauptfigur gerade das Herz gebrochen wurde, weil der Mann, den sie liebt, sie völlig grundlos verlassen hat.

danversisendgame: @lewtonOTP ähm, da war nichts mit Liebe. Er hat sie verlassen. Haben wir die gleiche Serie geguckt?

LewtonOTP: @danversisendgame woooow. Es war doch wohl offensichtlich, dass er zurückgekommen wäre. Er wollte nicht gehen, er hat sie nur beschützt. Er liebt sie. Du irrst dich.

danversisendgame: @LewtonOTP Er hatte was mit ihr und ist dann mitten in der Nacht verschwunden. Er kommt nicht zurück. Rein, raus, aus die Maus.

LewtonOTP: @danversisendgame tja, jetzt werden wir es niemals erfahren, weil die Serie abgesetzt wurde, also stfu #Lewton ist das OTP

danversisendgame: @LewtonOTP die Chancen, dass Jill und Aaron ein Paar werden, standen gleich null. Die beiden hassen sich.

LewtonOTP: @danversisendgame Sie hassen sich nicht. Das war sexuelle Spannung.

danversisendgame: @LewtonOTP nein. War es nicht. Manchmal sind Menschen einfach inkompatibel.

LewtonOTP: @danversisendgame Hass ist ein starkes Gefühl. Liebe ist ein starkes Gefühl. Unterscheiden sie sich wirklich so sehr?

1 Stella

Im Cornerview Zoo gibt es einen Orang-Utan, der berühmt-berüchtigt dafür ist, mit seiner Kacke um sich zu werfen. Es ist schon fast eine Art Challenge – wer Orange, den Orang-Utan, mitten im Wurf erwischt, postet das Foto auf der Facebook-Seite des Zoos. Manchmal wählen sie dann einen der Beiträge aus und derjenige gewinnt eine Wasserflasche oder so.

Ich bin mir ziemlich sicher, dass ein Vortrag von Orang-Utan Orange sinnreicher wäre als die Kacke, dir mir hier gerade entgegengeschleudert wird, von Wesley Clarke höchstpersönlich.

Wesley lehnt im Rhetorikkurs vor unserer Klasse am Rednerpult und auf seinem zerknitterten grünen T-Shirt prangt ein gigantischer Charizard. »Um meine Argumentation abzuschließen, möchte ich noch einmal wiederholen, dass Schuluniformen Kreativität und individuelle Ausdrucksmöglichkeiten unterdrücken. Wie kann ich mich aufs Lernen konzentrieren, wenn meine Kleidung mich dermaßen einschränkt?« Mehrere Leute klatschen zustimmend Beifall. Ich behalte meine Hände demonstrativ auf dem Schoß.

Der Rest seines Teams grinst auf der anderen Seite des Zimmers hämisch, weil alle glauben, der verdammte Wesley Clarke hätte die Debatte im Sack, einfach nur, weil er der verdammte Wesley Clarke ist. Newsflash: Wenn du der Erbe einer großen lokalen Süßigkeitenfirma bist und Partys in deinem riesigen Spielzimmer mit Tischtennisplatte und altmodischem Pac-Man-Automaten schmeißt, dann halten dich im Prinzip alle für einen Gott.

»Genauso, wie alle Schüler:innen das Recht haben, sich in ihrer Lernumgebung wohlzufühlen, haben auch alle Schüler:innen das Recht, sich in dem wohlzufühlen, was sie anhaben.« Selbst Ms Hatley nickt.

»Ich dachte, die Genfer Konvention verbietet diese Art von Folter«, grummele ich leise vor mich hin.

Dahlia kichert neben mir. »Er schlachtet es echt ganz schön aus.«

Mir ist schon klar, dass Wesley ins Anti-Uniformen-Team gelost wurde, aber in einem zerrissenen Pokémon-T-Shirt und Surfshorts in der Schule aufzulaufen, ist dann doch ein bisschen übertrieben. Ich verschränke die Arme und lehne mich auf meinem Stuhl zurück.

»Deine Argumentation am Anfang hat ihn fertiggemacht«, versichert Dahlia mir. »Wir gewinnen das Ding.«

Ich wünschte, sie hätte recht. Aber alle wissen, dass das Anti-Uniformen-Team an staatlichen Schulen immer gewinnt. Und, okay, hier kommt mein großes, dunkles Geheimnis: Ich bin total mies in Rhetorik.

»Stell dir vor, du würdest in dem Wissen aufwachsen, dass du deine ganze Schulzeit über genauso gut durchfeiern kannst und am Ende trotzdem reich und erfolgreich sein wirst, weil du mit Nachnamen Clarke heißt.«

»Ich weiß nicht.« Dahlia neigt den Kopf zur Seite und ihre dunklen Locken hüpfen dabei. »Er ist schon ziemlich schlau.«

»Er ist reich und kann ein paar vernünftige Wörter aneinanderreihen. Das macht ihn noch lange nicht schlau.«

»Er hat letztes Jahr im Geschichtskurs ziemlich gut abgeschnitten. Er hat zig Fakten zu irgendeiner Schlacht aus dem Hut gezaubert, von der vorher noch nicht mal Mr Bridges was gehört hatte.«

Ich tue, als müsste ich würgen. »Okay, er ist gut in Geschichte. Wen interessiert’s?« Es ist ein Kinderspiel, überall nur Einsen zu kriegen, wenn man private Nachhilfe für die Uni-Aufnahmetests kriegt und nach der Schule nicht in der Eisdiele arbeiten muss. »Ich sage ja nur …«

»Hey, ihr zwei.« Ms Hatley wirft uns einen warnenden Blick zu. Sie zwingt die gegnerische Seite immer, während der Argumentation des anderen Teams in der ersten Reihe zu sitzen, aber auf den Anblick von Wesleys arrogantem Gesicht aus nächster Nähe hätte ich gut verzichten können. Warum finden ihn bloß alle so heiß? Okay, na gut, irgendwie verstehe ich es ja – mit seinen Wangenknochen könnte er wahrscheinlich Diamanten schleifen. Aber das würde ich natürlich niemals zugeben. Heimlich schalte ich unter dem Pult mein Handy ein – noch fünfzehn Minuten, bis es klingelt.

Captain Jill begrüßt mich auf meinem Sperrbildschirm, das typische Gewehr über ihrer Schulter. Ich habe ein Paar Ohrringe mit dem Wappen auf ihrer Jacke: die Happening, umschlossen von einem vierzackigen goldenen Stern. Ich hab sie mir letztes Jahr auf der Sci-Con gekauft – wobei mir wieder einfällt, dass ich noch ein Paar Captain-Jill-Stiefel für den Cosplay-Wettbewerb in diesem Jahr brauche. Dieses Sci-Con-Ticket hat mich praktisch eine Niere, meinen linken Arm und das Blut meines Erstgeborenen gekostet, deshalb laufe ich da garantiert nicht in irgendeinem Outfit auf, das nicht preiswürdig wäre.

Dahlia schaut zur anderen Seite des Zimmers und ein Lächeln huscht über ihr Gesicht. Ich folge ihrem Blick und bleibe an Brandon Nguyen hängen, Wesleys bestem Freund, der ihr Lächeln erwidert. Ich rutsche auf meinem Stuhl hin und her.

Ich weiß, dass das total klischeemäßig ist, aber Dahlia ist seit dem Kindergarten meine beste Freundin. Wir waren zusammen im Kinderturnen und beide echt erbärmlich, weil wir noch nicht mal geradeaus radschlagen konnten. Dahlias erster Schwarm war Luke, ein Typ, der in der vierten Klasse mal tierisch angebrüllt wurde, weil er aus dem kompletten Klassenvorrat Gummikitt Handschuhe gemacht hat. Ganz offensichtlich hat sich ihr Geschmack in Sachen Typen keinen Deut verbessert. Von mir kriegt jedenfalls niemand ein Gütesiegel, der auch nur im Entferntesten etwas mit Wesley Clarke zu tun hat.

»Das hier sollten die besten Jahre unseres Lebens sein – kein Militäreinsatz«, fährt Wesley fort. Gestern Abend hat er doch tatsächlich die Dreistigkeit besessen, in seiner Instagram-Story zu posten, wie er sich mit ein paar Jungs aus der Leichtathletikmannschaft bei Brandon zu Hause mit Brettspielen und gepimpten Milchshakes amüsiert, während ich gearbeitet und mich ernsthaft auf diese Debatte vorbereitet habe. Eigentlich ist es eine Beleidigung, dass ausgerechnet er mein größter Konkurrent ist – hier und im Kampf um den Titel des Valedictorian, des Abschiedsredners unserer Schule.

»Schauen wir uns doch beispielsweise einmal Stella Greene an.« Wesley gestikuliert in meine Richtung. Ich erstarre. »Sollte die Schule wirklich ein Ort sein, an dem ein Mensch so verkrampft und unfroh aussieht?« Gelächter schallt um mich herum. »Nein. Das sollte sie nicht.«

Hitze kriecht meine Wangen hinauf und ich spanne den Kiefer an. Das hat er gerade nicht wirklich gesagt.

»Okay, okay.« Ms Hatley schießt Wesley einen warnenden Blick zu. »Bleiben Sie beim Thema, bitte.«

»Kurz und gut: Genau das ist der Grund, warum die Gene Connolly Memorial High School keine Schuluniformpflicht einführen sollte.« Wesley verbeugt sich, begleitet vom Jubel und Applaus der restlichen Klasse. Sein Blick fängt meinen ein und er zwinkert mir zu. Meine Hände verkrampfen sich in meinem Schoß. Der Typ hat echt Nerven.

»In Ordnung, beruhigen Sie sich wieder.« Ms Hatley winkt mit einer Hand. »Wir haben noch fünf Minuten. Stella, Wesley, zurück ans Rednerpult für Ihre Schlussbemerkungen.«

Ich hieve mich von meinem Stuhl hoch und halte die ganze Zeit Blickkontakt mit Wesley, während ich mich vor die Klasse stelle und mich so verkrampft an meinen Karteikarten festkralle, dass sie total verbiegen. Mein Herz hämmert mit jedem meiner Schritte. Wenn ich von den Karten ablese, kann nichts passieren. Vielleicht waren der karierte Rock und die Bluse ein bisschen zu viel des Guten, aber ich musste schließlich zeigen, dass ich meine Aufgabe ernst nehme. Dahlia nickt mir zu und drückt mir beide Daumen.

Dieses Projekt sollte mir eigentlich total egal sein. Es hat überhaupt keinen Einfluss auf meinen Notendurchschnitt. Aber allein der Gedanke, gegen Wesley Clarke zu verlieren, bringt mein Blut zum Kochen. Ich lege meine Karteikarten auf das Rednerpult ihm gegenüber.

»So unterhaltsam deine Argumente auch sind, Wesley«, ich zwinge mich zum flüchtigsten Anflug eines Lächelns – mehr bringe ich nicht zustande – und richte den Blick auf meine erste Karte, »logisch sind sie nicht. Statistiken belegen, dass Schuluniformen eine positivere, äh … Lernumgebung begünstigen, weil sie fairere Grundverhältnisse schaffen. Sie lassen einige der Barrieren verschwinden, die durch Faktoren wie den sozioökonomischen Status entstehen.«

Wesley erhebt einen Zeigefinger. »Aber sie erschaffen Barrieren, indem sie individuelle Ausdrucksmöglichkeiten einschränken.«

»Wenn du mit individuellen Ausdrucksmöglichkeiten meinst, dass du in Badehose in der Schule aufkreuzen kannst, dann sicher, klar. Allerdings sind draußen heute nicht mal null Grad.«

Ein paar der anderen kichern.

»Ich verfechte die Theorie, dass wir von Berufs wegen sowieso für den Rest unseres Lebens bestimmte Kleidung tragen müssen«, erwidert er. »Warum jetzt schon damit anfangen, obwohl das hier die Zeit sein sollte, in der wir unsere wahre Identität entdecken und lernen sollten, wir selbst zu sein?« Ein paar Leute nicken zustimmend.

»Na, und ich verfechte die Theorie, dass die Schule im Moment unser Beruf ist, ähm, und dass man sich für den Job kleiden sollte, den man gerne hätte, nicht für den Job, den man bereits hat. Allerdings muss ich zugeben, du hast das Outfit für ein Leben als Gammler absolut perfektioniert.«

Er lehnt sich näher zu mir. »Ein Gammler mit demselben Notendurchschnitt wie du.«

»Du hast nicht denselben Notendurchschnitt wie ich.«

Ms Hatley versteift sich sichtlich. »Lassen Sie uns einfach …«

»Soweit ich weiß, liegen wir beim Rennen um den Valedictorian-Titel gleichauf, Stells.«

»Na, und soweit ich weiß, dauert dieses Schuljahr noch vier Monate, Wes.«

»Vielleicht solltest du von deinem hohen Ross runtersteigen und die Leute einfach anziehen lassen, was sie wollen.«

»Und vielleicht solltest du …«

Die Schulglocke schrillt und schneidet mir das Wort ab. Alle haben es furchtbar eilig, ihre Notizblöcke einzupacken und sich ihre Jacken zu schnappen.

»Vergessen Sie nicht, für den Sieger oder die Siegerin zu stimmen, bevor Sie gehen«, ruft Ms Hatley. »Stella, versuchen Sie beim nächsten Mal, nicht direkt von Ihren Karten abzulesen. Wesley, guter Vortrag.«

»Danke!«, sagt er. »Mein Tutor hat ihn letztes Wochenende eine ganze Stunde mit mir geübt.«

Er hat einen privaten Tutor? »Ernsthaft?«, zische ich.

»Entschuldigung.« Wesley räuspert sich. Er steht noch immer vorne am Rednerpult und die meisten hören tatsächlich auf zu packen und schauen ihn an. »Ich möchte mich herzlich bei Stella bedanken, die eine wirklich bewundernswerte Gegnerin war.« Seine Stimme trieft vor Sarkasmus. »Wenn ich Valedictorian werde und meinen Porsche bekomme, würde ich Stella gerne auf ein schönes Heißgetränk einladen – ihr wisst schon, um die finsteren Stirnfalten wegzuschmelzen, die auf ihrem Gesicht festgefroren sind.«

»Hmm, wirklich verlockend, aber an dem Tag schneide ich mir schon die Fußnägel, tut mir leid.«

»Ihre Argumente heute waren einfach … na, was auch immer. Freitag Abend!« Seine Stimme wird lauter. »Bei mir. Whirlpool und Pingpong – wer ist dabei?« Die halbe Klasse stürmt auf ihn zu, um sich schon jetzt die erste Runde an der Tischtennisplatte zu sichern.

»Meine Argumente waren was?« Ich knalle die Karteikarten auf mein Pult. »Gut recherchiert? Das Ergebnis tatsächlicher Arbeit anstatt einer Handvoll Zitate, die du dir fünf Minuten vor dem Unterricht bei Wikipedia gezogen hast?« Ich zücke meinen Stift und setze demonstrativ ein Kreuz bei »Pro Uniform« auf meinem Stimmzettel.

»Ja, das ist Stella Greene, Leute.« Wesley gestikuliert in meine Richtung und macht ein Kreuz bei »Kontra Uniform« auf seinem Stimmzettel. »Stets die klügste Person im Raum.«

»Wenn du im Raum bist, ja.«

»Schickes Outfit.«

Ich zeige ihm den Stinkefinger, bevor ich mir meine Sachen schnappe und zur Tür hinausrausche.

***

»Ist es nicht krass, dass ich schon wieder am Valentinstag allein war?«, fragt Dahlia mich auf dem Weg zu ihrem Auto. An unserer Schule gilt »Der frühe Vogel fängt den Parkplatz«, und da Dahlia für gewöhnlich von Glück sagen kann, wenn sie noch vor dem Klingeln durch die Tür schlüpft, gleicht der Weg zu ihrem kleinen Honda meist einer halben Wanderung. Normalerweise würde ich mich wortreich über den Aufstieg durch den Schnee beschweren, aber um ehrlich zu sein, bin ich Dahlia total dankbar, dass sie mich nach Hause fährt, weil meine Alternative der Bus wäre.

»Tja, meine einzige Verabredung an diesem Wochenende hatte ich mit unserem Englischaufsatz, also …« Mein Atem bildet kleine Wolken in der Luft. »Außerdem ist Freundschaft sowieso viel wichtiger.«

»Ja, na ja, aber das ist nicht der Punkt.« Dahlias dicker weißer Michael-Kors-Wintermantel verschmilzt perfekt mit dem hoch am Straßenrand aufgehäuften Schnee. Unwillkürlich zupfe ich an meiner eigenen rosa Jacke herum, weil mir plötzlich nur allzu bewusst ist, dass sie aus dem Schlussverkauf bei Walmart von vor drei Jahren stammt. Kennt ihr diese klischeemäßigen Filme, in denen das hübsche Mädchen immer eine leicht skurrile, unbeholfene, sarkastische beste Freundin hat? Genau. Die bin ich.

»Ehrlich gesagt hab ich total vergessen, dass gestern Valentinstag war.« Nicht vergessen habe ich allerdings, dass heute ein wichtiges Datum ist: Heute sind es noch exakt drei Monate bis zur diesjährigen Sci-Con, was bedeutet, dass mir in Sachen Cosplay langsam die Zeit davonläuft. Ich zwinge meine eingefrorenen Finger, eine Erinnerung in mein Handy einzutippen, bevor ich sie wieder in meinen Jackentaschen vergrabe. »Warum, hattest du irgendwas Besonderes im Sinn?«

Dahlia seufzt. »Nein. Nicht wirklich.«

»Vertrau mir, am Valentinstag einen festen Freund – oder eine feste Freundin oder sonst jemand Festes – zu haben, ist total überbewertet.« Ich halte einen Daumen hoch. »Erstens: Der gesellschaftliche Druck, dass wir überhaupt jemanden brauchen, ist zum Kotzen. Und zweitens«, ich halte auch den Zeigefinger hoch, »lenkt das alles nur vom eigentlichen Feiertag ab, der heute stattfindet: Süßigkeiten zum halben Preis in den Supermärkten.«

Dahlia rollt mit den Augen und angelt in ihrer Handtasche nach dem Autoschlüssel. »Du bist echt durch und durch Romantikerin.«

»So was hat bei mir nur gerade einfach keine Priorität.«

Es gibt drei Typen, bei denen ich meine Meinung eventuell noch mal ändern könnte: (1) Sergeant Aaron Lewis, der bedauerlicherweise fiktiv ist; (2) Ethan Martone, der Sergeant Aaron Lewis spielt und bedauerlicherweise verheiratet ist; und (3) Kyle Nielsen, der bedauerlicherweise keine Ahnung hat, dass ich überhaupt existiere, obwohl er in Bio nur zwei Reihen von mir entfernt sitzt.

Aber solange der Valedictorian-Titel auf dem Spiel steht, darf ich mich sowieso von nichts ablenken lassen. In ein paar Monaten gehe ich zusammen mit einem ganzen Haufen heißer Technikstudenten aufs MIT, alles bezahlt mit einem dicken, fetten Stipendium, das ich mir absolut verdient habe, weil ich mir in der letzten Ewigkeit den Arsch dafür aufgerissen hab.

Dahlia fummelt mit in Fäustlingen steckenden Fingern am Fernsteuerungsknopf ihres Autoschlüssels herum und wir steigen hastig ein. Die Jahreszeiten in New Hampshire sind ganz klar an der Farbe zu erkennen: Der Herbst ist orange, der Sommer grün, und im Augenblick befinden wir uns mitten im Weiß, was bedeutet, dass wir auf unseren Sitzen zittern, während die Heizung überlegt, ob sie anspringen soll oder nicht.

»Eigentlich ist es mir ja auch gar nicht so wichtig, aber … Ich weiß auch nicht.« Sie schaltet das Radio ein und hält den Blick aufs Armaturenbrett gerichtet. »Ich schätze, ein Teil von mir hat einfach gehofft, dass mich ein gewisser Typ fragt, ob ich mit ihm ausgehen will.«

Ich stelle meinen Rucksack zwischen meinen Füßen im Fußraum ab. »Fängt sein Name mit B an und reimt sich auf Schmändon?«

Dahlia glotzt mich an, als hätte sie gerade an eine Zahl zwischen eins und einer Zillion gedacht und ich hätte sie richtig erraten. »Woher wusstest du das?«

Woher ich das wusste? Na ja, es würde mich nicht wundern, wenn ihr Gesicht demnächst als eins dieser Memes genutzt wird: Finde jemanden, der dich so anschaut, wie Dahlia Johnston Brandon Nguyen anschaut. »Gut geraten? Warum fragst du nicht einfach ihn?«

»Das würde ich ja, aber – ich weiß auch nicht. Und ist eigentlich auch egal.« Sie zuckt ein bisschen zu schnell mit den Schultern. »Außerdem bin ich sowieso lieber Single, wenn ich aufs College gehe.«

Das kaufe ich ihr keine Sekunde lang ab. Aber ich widerspreche ihr auch nicht. »Das ist die richtige Einstellung.«

WARSHIP SEVEN, PILOTFOLGE:

»Der Mann in der Zelle« (2016)

SZENENKONTEXT: Die Crew hat soeben einen Soldaten der Zentralen Elite (ZE), SERGEANT AARON LEWIS, gefangen genommen und in der provisorischen Zelle des Schiffs eingesperrt, wo er auf einer Frachtkiste aus Metall sitzt. CAPTAIN JILL BRIGHTON leitet das Verhör, unterstützt von ihrem ersten Offizier MARKUS HARRIS.

JILL: Das hier war in seiner Tasche. [hält ein Abzeichen mit einem silbernen Adler mit blau gesäumten Flügeln hoch]

AARON: Woher wollt ihr wissen, dass das mir gehört?

JILL: [ignoriert ihn völlig] Aber ein ZE kommt niemals allein und genau das macht mich nervös. Sie sind immer zu zweit unterwegs.

AARON: Vielleicht hab ich dieses Abzeichen ja auf dem letzten Schiff geklaut, auf das ich getroffen bin.

MARKUS: [ignoriert ihn ebenfalls] Glaubst du, er hatte Gesellschaft?

JILL: Das kann ich nicht mit Sicherheit sagen, aber uns ist niemand gefolgt. Gemma hat das überprüft.

AARON: [stellt seine in Stiefeln steckenden Füße auf den Tisch] Oder vielleicht übermittle ich meinem Partner eure genaue Position auch exakt in diesem Moment.

JILL: [zieht ihre Pistole und richtet sie direkt auf Aaron, ohne ihn anzuschauen] Klappe halten.

MARKUS: Also, was machen wir jetzt mit ihm?

AARON: Dürfte ich den gewagten Vorschlag machen, ihn gehen zu lassen?

JILL: [immer genervter von Aarons ständigen Unterbrechungen] Ich werde herausfinden, was er weiß, und dann überlegen wir uns einen Plan. Wir können nicht ewig jemanden auf dem Schiff gefangen halten. Wir haben weder den nötigen Platz noch die Ressourcen. Aber ich werde ihn auch nicht zur Elite zurückschicken, damit er ihnen alles erzählt, was er über uns weiß.

MARKUS: Du meinst damit doch wohl nicht, dass du ihn umbringen willst?

JILL: Mir bleibt vielleicht keine andere Wahl.

MARKUS: [mit offensichtlichem Unbehagen] Na ja, aber dann lass es Skulls machen. Er hat sowieso schon mehr als nur eine Handvoll Kerben im Bettpfosten.

JILL: Ich werde sicher kein Todesurteil verhängen und dann jemand anderen meine Drecksarbeit erledigen lassen.

AARON: Wenn ich etwas einwerfen dürfte …

JILL: [wirbelt herum und stößt seine Füße vom Tisch] Du bist hier auf meinem Schiff. Ich habe absolut keinen Grund, dich weiterleben zu lassen, abgesehen von meiner unglaublichen Gnade – und die geht allmählich zur Neige, du ZE-Dreck.

AARON: ZE-Dreck? [verzieht das Gesicht] Das ist ein bisschen hart, findest du nicht auch?

JILL: Nicht hart genug, du Abschaum – angesichts der Verbrechen, die die Zentrale Elite an unschuldigen Menschen verübt. Und wenn du mir nicht versprechen kannst, dass du die Klappe hältst, dann kann ich dir auch nicht versprechen, dass ich dich am Leben lasse.

AARON: Ich habe keine Angst zu sterben.

JILL: Jeder hat Angst zu sterben.

AARON: Ich nicht, Schätzchen.

JILL: Ich bin nicht dein Schätzchen.

AARON: Wenn du das sagst.

JILL: Ich lasse mich nicht von irgendwelchen Kleingeistern verurteilen. [Nickt Markus zu, und er folgt ihr aus der provisorischen Zelle und schließt die schwere Eisentür hinter ihnen.]

AARON: [Wartet, bis die Schritte verhallt sind. Er lehnt sich zurück und sucht mit der Zunge in seinem Mund nach dem winzigen Kommunikationschip, der zwischen seinen hinteren Backenzähnen versteckt ist.] Michele? Michele, hörst du mich? [Er flüstert, kaum hörbar.] Ich bin drin. Ich bin auf der Happening. Ich besorge die Infos, dann komme ich zu dir zurück … Ja … Bis bald, Baby.

[Schnitt zu MICHELE CORDOVA, die mit zusammengebundenem Haar nicht allzu weit entfernt in einem getarnten Zwei-Personen-Shuttle sitzt und die Happening durch ein Fernglas beobachtet. Sie lächelt.]

MICHELE: Und vergiss nicht, den Captain zu töten.

2 Wesley

Man sollte doch meinen, ich würde Befriedigung dabei empfinden, zuzusehen, wie sich vierzehn Seiten aus dem Drucker ergießen, weil ich nie wieder einen einzigen Satz für diesen schrecklichen Aufsatz schreiben muss. Aber nachdem ich den Großteil des vergangenen Monats mit Recherchen dazu verbracht habe, will ich ihm zum Abschied nur noch mit meinem Mittelfinger zuwinken.

Mein Knie wippt unter dem Tisch gegen meine Hand. Ich zwinge es, still zu halten. Bei den meisten in unserer Abschlussklasse ist die Motivation inzwischen verpufft. Es muss schön sein, seinem Gehirn einfach mal ein bisschen Urlaub zu gönnen, nachdem man im College angenommen wurde.

Der Brief mit meiner Zusage für Stanford nimmt einen ziemlich großen Teil meiner Pinnwand ein, aber ich kann die Ecke meiner Zusage von der Columbia trotzdem darunter hervorlugen sehen. In Geschichte haben wir letztes Jahr gelernt, dass Maria Stuart irgendwann im 16. Jahrhundert Prinz Edward von England versprochen wurde, obwohl sie noch ein Kind und dem Guten noch nie begegnet war. Ungefähr so fühlt sich das hier auch an, nur dass meine Eltern mich der Stanford-Universität versprochen haben, lange bevor ich überhaupt wusste, was ein College ist.

Vor drei Monaten habe ich etwas Schlimmes gemacht. Oder eigentlich etwas Gutes, schätze ich. Ich habe meinen Platz an der Columbia angenommen und den in Stanford abgelehnt. Meinen Eltern habe ich das allerdings nicht erzählt, weil sie total ausrasten würden.

Mein Blick wandert zu dem »Wunder der Natur«-Kalender hinüber, der an meiner grünen Wand hängt und auf dem der 15. Mai mit blauem Filzstift eingekreist ist: das Sci-Con-Wochenende. Manchmal habe ich das Gefühl, es ist das Einzige, was mich noch durchhalten lässt.

Noch drei Monate bis zur Convention. Noch vier bis zum Schulabschluss. Dann bin ich Valedictorian und kann verdammt noch mal von hier verschwinden. Es sei denn, diese entsetzliche Schlaftablette Stella Greene setzt sich in letzter Sekunde doch noch vor mich.

Was nicht passieren wird. Das darf sie einfach nicht. Ich brauche dieses Stipendium.

Ich scrolle durch Insta, während ich darauf warte, dass der Drucker endlich fertig ist. Brandons Eltern haben ihm zum Geburtstag einen Mazda geschenkt und er hat so viele Fotos davon gepostet, dass man sich fragt, warum das Unternehmen ihn nicht längst als Pressesprecher angeheuert hat.

Wenn du noch ein einziges Foto von diesem dämlichen Auto postest, dann fangen die Leute an zu glauben, dass du in Wahrheit ein Transformer bist. Seit vorhin gibt’s Parktickets für die Sci-Con. Ich kaufe eins, wenn du fährst (25 $, also jammer bloß nicht wegen Benzin).

Er antwortet mir innerhalb von Sekunden.

Du bist derjenige, der ’nen Porsche kriegt – das bedeutet, dass du fährst. Sorry, aber ich mache die Regeln nicht.

Lustig, dass er ernsthaft glaubt, meine Eltern würden mir irgendwas ohne Gegenleistung geben.

Ich kriege gar nichts, wenn ich nicht Valedictorian werde. Und im Mai sowieso noch nicht. Entweder fahren wir mit dem Mazda oder mit dem Bus. Oder deine Mom fährt uns.

Ich öffne Safari auf meinem MacBook, surfe zum Warship-Seven-Forum und klicke auf Fan-Art. Früher war das hier mal die Seite schlechthin. Die Hardcore-Fans sind immer noch hier und idealerweise kommen wenigstens eine Handvoll von ihnen zur Sci-Con. Es wäre cool, ein paar Leute zu haben, mit denen ich abhängen kann, weil Brandon mich wahrscheinlich ziemlich schnell stehen lassen wird, um irgendeinen Star-Wars-Schauspieler zu stalken, der auch da ist.

Mein Handy piepst mit einer weiteren Nachricht von Brandon.

Machst du Cosplay?

Vielleicht zaubere ich was aus dem Hut.

Solltest du. Ich gehe als Sturmtruppler.

Warum überrascht mich das nicht?

Es würde mich sogar noch weniger überraschen, wenn er nicht nur mit einem, sondern mit zwei Lichtschwertern dort aufkreuzen würde – wen interessiert schon der Canon?

Ich muss zwei Mal hinschauen, als mein Blick bei meinen Nachrichten am unteren Bildschirmrand hängen bleibt. Okay, ich hätte echt nicht gedacht, dass mir ausgerechnet mein eher zufällig und im Halbschlaf gezeichnetes Porträt von Sergeant Aaron Lewis mit erhobener Pistole über tausend Likes beschert. Ernsthaft, ich habe ihm noch nicht mal eine anständige Bildunterschrift verpasst. Ich habe nur gepostet: »schnelle Skizze von Aaron, cool und kampfbereit«, aber das Bild hat Dutzende Kommentare. Damit kann ich zwar immer noch nicht mit den schmalzig-anzüglichen Zeichnungen von Aaron und Jill konkurrieren, die andere Fans hier so posten, aber das ist mir egal.

Allhailtheship617: Die Zeichnung ist der Hammer – ich liebe ihn!

GemmasBodyguard11: Wow, du hast den Ausdruck in seinen Augen wirklich sensationell eingefangen.

Season2orbust: Diese Zeichnung hängt wahrscheinlich bei unserem Captain im Schlafzimmer.

CaptainJillsBFF22: Fantastisch!! Ich liebe Aaron. Ich wünschte, wir hätten noch mehr Szenen von unserem OTP #Lewton. Stellt euch bloß mal vor, wie sie Seite an Seite kämpfen! *Inohnmachtfall*

Ich wünschte, ich könnte wenigstens ein Mal eine Zeichnung posten, ohne dass irgendein Aaron/Jill-Shipper direkt ein Lewton-Ding draus macht. Natürlich ist CaptainJillsBFF22s Thumbnail-Bild eine Fan-Zeichnung von Aaron und Jill beim Rumknutschen. Das gehört mit zu den Dingen, die mich an diesem ganzen Fankram wirklich nerven. Aaron und Jill sind die beiden inkompatibelsten Charaktere aller Zeiten. Beide sind supertough und total cool, aber sie sind nicht füreinander bestimmt. Trotzdem bin ich mir sicher, dass dieser Mist auch bei den Warship-Talkrunden auf der Sci-Con das Thema Nummer eins sein wird.

Wie aufs Stichwort vibriert mein Handy mit einer neuen Nachricht von Brandon.

Schlechte Nachrichten: Ich hab eben erfahren, dass meine Oma am 15. Mai ihren 80. feiert. Ich kann nicht mit zur Sci-Con – sorry.

Ich starre eine halbe Ewigkeit auf die Nachricht. Oh, komm schon. Na, das ist echt scheiße. Jetzt muss ich mein Ticket wahrscheinlich auch verkaufen. Dad wird sich freuen. Als er den Posten auf seiner Kreditkartenabrechnung gesehen hat, war sein erster Kommentar: »Ist dieses Science-Fiction-Zeug nicht nur was für Kinder?«

Unten sind Schritte zu hören, die mir verraten, dass Mom mich gleich zum Essen rufen wird.

Drei … zwei … eins …

»Wes! Kommst du? Dein Vater hat Schweinekoteletts gemacht.«

»Bin gleich da!«, rufe ich zurück.

Ich tackere die frisch ausgedruckten Seiten meines Aufsatzes zusammen und lege das fertige Werk auf meinen Schreibtisch. Es hat beinahe etwas Sadistisches an sich, dass ich zwei Wochen gebraucht habe, um diesen Aufsatz zu verfassen, und er jetzt einfach so auf dem Tisch liegt, bereit, von meinem Englischlehrer gelesen und benotet zu werden, bevor er anschließend im Müll landet.

Unten klappern Teller, das einzige Geräusch, das bis in den Flur dringt.

Zögernd bleibe ich vor meinem Laptopbildschirm sitzen. Ich will wirklich zur Sci-Con. Und ich will Ethan Martone schon seit Ewigkeiten mal kennenlernen. Natürlich könnte ich auch allein hingehen – eine Menge Leute gehen allein hin. Aber das wäre bestimmt total seltsam.

Hastig poste ich eine Nachricht im Forum der Website.

Geht irgendjemand im Mai zur Sci-Con in Boston? Ist mein erstes Mal. Bin auf der Suche nach gleichgesinnten #Warshippern, mit denen ich abhängen kann.

Ich klappe den Laptop zu und blicke auf die vier Sticker, die ich letztes Jahr draufgeklebt habe: ein ZE-Adler und ein Warship-Logo und daneben ein Sticker von Imagine Dragons und einer vom AC Mailand, meiner Lieblingsfußballmannschaft.

Dad steht in legerer Hose und Polohemd am Herd und tippt auf seinem Handy herum. Er legt es mit dem Gesicht nach unten auf die Arbeitsplatte, als ich in die Küche komme. »Hey. Wie war’s in der Schule?«

Mom trägt eine Platte mit Schweinekoteletts und eine Schüssel mit Kartoffelpüree zum Tisch.

»Gut.« Ich strecke die Hände aus, um ihr die Sachen abzunehmen. »Setz dich, Mom, ich mach das.«

»Ich hab’s auch schon versucht«, sagt Dad. »Sie will sich von niemandem helfen lassen. Typisch.«

»Schon okay. Setzt euch einfach.« Meine Mom steht jeden Morgen mit den Hühnern auf, ist ab sieben in der Anwaltskanzlei, um sechs Uhr abends wieder zu Hause und gönnt sich trotzdem nie eine Pause. »Hattest du einen schönen Tag, Wes?«

»Ja. Wir hatten heute unsere Debatte.«

»Ach? Und wie ist es gelaufen?«

»Ganz okay. Ich glaube, Stella Greenes Team hat gewonnen.«

»Stella Greene! Den Namen hab ich ja schon ewig nicht mehr gehört.« Mom macht die Kühlschranktür zu. »Was treibt sie denn so?«

Sie ist eine unerträgliche Nervensäge. »Nicht viel.«

Dad setzt sich und schöpft Kartoffelpüree auf seinen Teller. »Hast du schon angefangen, an der Rede zu schreiben, die du als Valedictorian halten wirst?«

Ich zucke mit den Schultern. Ich habe das Gefühl, wenn ich jetzt schon total anmaßend anfange, an meiner Rede zu schreiben, verschwört sich das Universum gegen mich, und Stella Ich-weiß-alles Greene wird doch noch Valedictorian und versaut mir meine ganzen Pläne. »Noch nicht.«

»Na, ich bin jedenfalls stolz auf dich. Nicht jeder Vater kann von sich behaupten, Valedictorian an seiner Highschool gewesen zu sein und zwei Söhne zu haben, die ebenfalls die Besten in ihrem Jahrgang waren.«

Ich setze mich auf meinen üblichen Platz und lade mir Essen auf den Teller. »Sicher.« Das Problem bei einem Lob von meinem Dad ist, dass es immer so klingt, als sei es mit einem Sternchen versehen, das auf eine Fußnote mit einer Liste von Bedingungen verweist, die länger ist als der gottverdammte Aufsatz, den ich gerade ausgedruckt habe.

Ein altes Schild von Clarke Candies hängt neben dem Kühlschrank. In der zehnten Klasse mussten wir im Informatikunterricht einen dieser Eignungstests machen, die einem verraten, welche berufliche Laufbahn am besten zu einem passt. Eigentlich war es reine Zeitverschwendung, die ganzen Fragen zu beantworten, weil mir sowieso nicht wirklich eine Wahl bleibt. Als der Computer dann »Professor für englische Literatur« und »Künstler« ausgespuckt hat, kam es mir vor, als würde er sich über mich lustig machen. Du musst nicht ins Familienunternehmen einsteigen, aber die Zukunft liegt nun mal im Wirtschafts- und Ingenieurwesen. Ich habe diesen Satz so oft gehört, dass er wahrscheinlich mal als Inschrift auf meinem Grabstein stehen wird.

»Schatz, du hast die Brötchen ja noch gar nicht rausgeholt«, sagt Mom zu Dad und stülpt sich einen Ofenhandschuh über. Sie nimmt das Blech aus dem Backofen und ein buttriger Geruch erfüllt die Luft. »Sie wären fast verbrannt.«

»Dann hättest du sie ja selbst früher rausholen können.«

Moms Lippen verziehen sich zu einer dünnen Linie, aber sie erwidert nichts. Ihr Hosenanzug sieht immer noch perfekt gebügelt aus, trotz ihres langen Tags in der Kanzlei.

»Hast du dein Prozac heute schon eingenommen?«, fragt sie mich.

Ich verdrehe die Augen. »Ja. Beim Frühstück.«

»Gut.« Mom lässt sich auf den Stuhl mir gegenüber sinken und bedient sich ebenfalls. »Bevor ich es vergesse: Ich dachte, wir könnten diesen Sommer wieder nach Sint Maarten fahren, bevor Wes aufs College geht.«

Ich stochere in meinem Brokkoli herum. Irgendetwas bleibt mir im Halse stecken und es ist nicht das Essen.

Dad schaut sie skeptisch an.

»Dr. Bryce hat gesagt, dass wir mehr Zeit als Familie verbringen sollen«, fährt Mom fort, ohne aufzublicken. »Das weißt du.«

Ich bin mir nicht sicher, welcher Eheberater ernsthaft glaubt, in eine hübsche Gegend zu fahren und so zu tun, als sei alles wieder wie in den guten alten Zeiten, würde sämtliche Probleme lösen.

»Das wäre eine Möglichkeit«, erwidert Dad. »Trev liebt Kreuzfahrten. Erinnert ihr euch noch an diese Mittelmeerkreuzfahrt, als ihr Jungs noch klein wart? Wir konnten ihn kaum wieder aus dem Pool rauslocken.«

Es ist zwei Jahre her, dass Trevor ausgezogen ist, um aufs College zu gehen, aber meine Eltern wollen sich immer noch nicht eingestehen, dass er nicht mehr hier wohnt. Das Haus fühlt sich seitdem leerer an. Oder lauter, weil es ständig von Geschrei erfüllt ist.

»Ich kann mir nicht vorstellen, dass Trevor zu einem Urlaub Nein sagt«, entgegnet Mom. »Was ist mit dir, Wes? Hast du Lust?«

»Schätze schon.« Allein bei der Vorstellung, eine Woche eingesperrt mit meinen Eltern zu verbringen, werde ich seekrank, ohne überhaupt einen Fuß an Bord eines Schiffes zu setzen.

»Wisst ihr, was? Mir gefällt die Idee. Wir machen eine Kreuzfahrt und amüsieren uns ein bisschen«, fügt Dad hinzu und schaut auf sein Handy. »Und feiern gleichzeitig, dass du Valedictorian bist und nach Stanford gehst.«

»Oder wir feiern einfach meinen Abschluss.« Es klingt härter als beabsichtigt, aber ich lasse es so im Raum stehen.

»Natürlich«, sagt Mom sanft. Sie wirft Dad einen tödlichen Blick zu. »Wir sind beim Abendessen, Schatz.« Er legt sein Handy wieder auf den Tisch.

Einen Moment lang essen wir schweigend weiter, während unsere Gabeln auf den Tellern klappern.

»Ich hab so das Gefühl, dass wir im Juni einen kleinen Ausflug zum Porsche-Händler unseres Vertrauens machen werden.« Dad nickt mir zu. »Du brauchst ein gutes Auto für die Fahrt nach Kalifornien.«

»Ich dachte, wir hätten uns darauf geeinigt, hinzufliegen«, erwidert Mom.

»Mit seinen ganzen Umzugskisten für die Uni? Da macht keine Airline mit.«

»Warum kaufen wir nicht einfach alles, was er braucht, wenn wir dort sind?«

Ich liebe es, wenn sie über mich reden, als würde ich nicht direkt neben ihnen sitzen.

»Was? Glaubst du, ich kann einfach so eine Ewigkeit nicht im Büro auftauchen? Und jetzt willst du auch noch in Urlaub fahren«, sagt Dad. »Wir schicken Wesleys Collegekram vorab mit einem Umzugswagen los, fahren mit ihm hin, helfen ihm, sich einzurichten, und fliegen wieder zurück.«

Mom schenkt ihm ein breites Lächeln. »Beim Golfen verbringst du auch jede Menge Zeit und bist nicht im Büro. Oder meinst du das, wenn du behauptest, dass du arbeiten musst?«

Dad grummelt irgendetwas, antwortet ihr jedoch nicht, deshalb fügt Mom hinzu: »Ich meine, Kalifornien liegt schließlich nicht gerade um die Ecke.«

Ich rutsche auf meinem Stuhl hin und her. »Oder, na ja, New York.« Wenn ich auf die Columbia gehe.

Die Falten graben sich noch tiefer in Dads Stirn. »Ich dachte, die Columbia sei nur dein Notfallplan. Nicht, dass ich glaube, Stanford würde dich ablehnen, schließlich können wir auf eine lange Reihe von Clarkes zurückblicken, die voller Stolz das Trikot der Cardinals getragen haben.«

Ich habe mehrere Sicherheitsnetze, aber die Columbia gehört nicht dazu. »Sie ist nicht mein Notfallplan«, murmele ich.

Dad gibt ein Schnauben von sich. »Ich bezahle nicht dafür, dass du dich in New York City amüsierst. Dann kannst du genauso gut gar nicht aufs College gehen.«

»Du wirst Stanford lieben«, versichert mir Mom und schiebt sich einen Bissen Kotelett in den Mund. »Das Wirtschaftsprogramm ist erstklassig. Und wir freuen uns schon so darauf, unsere Alma Mater mal wieder zu besuchen.«

»Ja.« Ich ziehe meine Gabel durch das Kartoffelpüree. »Sicher.«

Ich weiß, warum meine Eltern wollen, dass ich Valedictorian werde: Damit ich ihre makellose Bilanz, überall die Nummer eins zu sein, nicht versaue. Aber das ist nicht der Grund, warum ich es unbedingt werden muss. Ich muss Valedictorian werden, um ein volles Stipendium zu erhalten, damit ich nicht von meinen Eltern abhängig bin und mein Studium selbst finanzieren kann – denn wer nicht zahlt, hat auch nichts zu sagen.

Das Pendel der Standuhr schwingt hin und her, hin und her. Tick-tack. Tick-tack. Es ist schwer zu glauben, dass dieses Haus einmal von den Witzen meines Vaters und dem Lachen meiner Mutter erfüllt war. Es kommt mir vor, als sei das eine Ewigkeit her.

Dads Handy vibriert und bringt seinen Teller zum Klappern. Er wirft einen hastigen Blick darauf und legt es dann zurück auf den Tisch.

Plötzlich fällt mir wieder ein, dass ich meinem kleinen Cousin Devin eine Nachricht schicken sollte. Er hatte heute eine Mathearbeit.

Hey, wie lief Mathe heute?

Dad kneift die Augen zusammen, aber ich hab ihn in der Tasche – er kann mich nicht anbrüllen, weil ich beim Essen Nachrichten verschicke, wenn sein eigenes Handy praktisch wie eine zweite Gabel auf seinem Tischset liegt.

Mein Smartphone vibriert.

Gut, glaub ich. Ich hasse Mathe.

Oh, mein liebes Sommerkind, stöhnst du ernsthaft über Mathe in Klasse sieben?

Wart’s ab – Differenzialrechnen kommt erst noch.

Er antwortet mit einem Kotz-Emoji.

Mom blickt mit hochgezogener Augenbraue zu meinem Vater. »Das Essen läuft nicht weg, Ted.«

Dad hört auf, sich Essen in den Mund zu schaufeln, und schluckt. »Du hast eben anklingen lassen, dass du der Ansicht bist, dass ich nicht hart genug für diese Familie arbeite. Ich versuche nur, schnell zu essen, damit ich wieder zurück an die Arbeit kann.«

Mom murmelt leise etwas und pikst ein Brokkoliröschen energischer auf als nötig.

Dad lässt seine Gabel fallen. »Hast du irgendwas zu sagen, Bev?«

Ich stehe so abrupt vom Tisch auf, dass die Stuhlbeine über die Bodenfliesen kratzen. »Ich muss meinen Englischaufsatz noch fertig machen.«

Mom legt die Stirn in Falten. »Wes …«

Dad versucht, meinen Blick einzufangen, weil er wahrscheinlich stinksauer ist, dass ich mitten beim Essen einfach davonstürme, aber ich kann mir das gerade einfach nicht anhören. Ich spüle meinen Teller ab und stelle ihn in die Spülmaschine, bevor ich zurück nach oben trotte.

Früher habe ich jeden Abend mit meinen Eltern im Wohnzimmer gesessen und ferngesehen, aber jetzt arbeiten sie beide immer bis spät. Ich stütze die Ellenbogen auf dem Schreibtisch ab und lege den Kopf auf meine Hände.

Sergeant Aaron Lewis verzagt nie. Er ist gegenüber den Menschen, die er liebt, unerschütterlich loyal.

Ich muss mich auf was anderes konzentrieren. Irgendwas.

Ich surfe wieder zum Forum. Mein Sci-Con-Post hat nur drei Kommentare. Der erste stammt von irgendeinem Typen, der schreibt, dass er letztes Jahr dort war und inzwischen weggezogen ist, aber offensichtlich trotzdem das Bedürfnis verspürt hat, einen Kommentar abzugeben. Der zweite ist von jemandem, der Conventions für reine Geldverschwendung hält, so als hätte ich um seine Meinung gebeten. Und dann ist da noch ein Kommentar von dieser Lewton-Shipperin, CaptainJillsBFF22.

Ich werde da sein! Kann’s kaum erwarten.

Ich verdrehe die Augen. Natürlich geht ausgerechnet sie hin. Ich klopfe mit den Knöcheln auf den Schreibtisch.

Ich bin mir nicht sicher, was mich dazu treibt, aber ich klicke auf den Username und öffne eine neue Nachricht.

3 Stella

Ich kann kaum noch die Augen offen halten, die an meinem Geschichtsbuch kleben, das aufgeschlagen auf meinem Schreibtisch liegt. Ich habe denselben Satz über Teddy Roosevelt schon mindestens ein halbes Dutzend Mal gelesen, und wenn ich ihn noch ein halbes Dutzend Mal lesen muss, dann kratze ich mir freiwillig die Augen aus. Ernsthaft, der Name Roosevelt sieht echt seltsam aus, wenn man ihn sich zu oft anschaut.

Ich lehne mich zurück, vollführe eine schnelle Drehung auf meinem Schreibtischstuhl und lasse mein Zimmer um mich herum verschwimmen. Meine Wände verschmelzen mit dem beigen Teppich. Ich ziehe die Beine an die Brust, bis der Stuhl aufhört, sich zu drehen, und ich mit dem Gesicht zum Bett stehen bleibe, wo mein lila Bettzeug am Fußende zu einem Nest aufgehäuft ist. Ich würde nichts lieber tun, als auf der Stelle kopfüber dort hineinzutauchen.

Aber ich muss mir erst noch die Aknesalbe aus dem Gesicht waschen, mir die Zähne putzen, inklusive Zahnseide – und, ach ja, stimmt, das hier zu Ende lesen.

Spotify tönt leise aus meinem Handy: Ich streame die Taylor-Swift-Playlist. Gerade laufen ein paar Akustiksongs nacheinander, und ich schwöre, dass meine Augenlider mit jedem Gitarrenton schwerer werden.

Konzentrier dich.

Mein Handy piepst mit einer Nachricht von Bridget.

Weißt du, ob wir noch welche von diesen Erdnussbutterkeksen haben?

Das Kontaktfoto meiner Schwester leuchtet auf meinen Bildschirm. Sie trägt darauf ihre Burger-Blitz-Uniform und hält meine Nichte Gwen in die Kamera. Gwen ist auf diesem Foto noch so klein, erst ein paar Monate alt. Ich kann kaum glauben, dass sie demnächst schon ihren zweiten Geburtstag feiert.

Ich verdrehe die Augen und schreibe zurück.

Hast du mir wirklich gerade aus dem Nebenzimmer ’ne Nachricht geschickt? Du weißt schon, dass du einfach zwei Meter in die Küche laufen und selbst nachschauen könntest, oder?

Gwen ist endlich eingeschlafen und ich bin soooo hungrig.

Du bist wohl eher soooo faul.

Ich füge am Ende noch schnell ein Zwinker-Emoji hinzu, weil Bridget ehrlich gesagt der am wenigsten faule Mensch ist, den ich kenne. Was die Tatsache, dass sie sich ihr Leben versaut hat, nur umso schlimmer macht, weil ich schwöre, dass sie eine sensationelle Ärztin oder Anwältin oder so abgegeben hätte.

Mom hat Sonntag ’ne neue Packung gekauft.

Sie antwortet mit einer Ansammlung von Kussgesicht-Emojis. Schon nach wenigen Sekunden öffnet sich knarrend eine Tür im Flur und Schritte trippeln über den Gang. Das ist der spaßige Nebeneffekt, wenn man in einer winzigen Sozialwohnung wohnt: Egal, was man macht, alle anderen wissen darüber Bescheid.

Ich drehe mich auf meinem Stuhl, bis das verfluchte Buch wieder in mein Blickfeld kommt. Noch zwanzig Seiten. Das ist alles. Die Erschöpfung umhüllt mich wie ein Mantel. Ich sollte mich an dieses Buch erinnern, wenn ich mal wieder nicht schlafen kann – Geschichte lernen ist ein unglaublich effektives Mittel gegen Schlaflosigkeit.

Aber ich muss das hier zu Ende lesen. Mr Bailey liebt unangekündigte Tests, um zu sehen, ob wir unsere Hausaufgaben gemacht haben, und ich habe bisher eine perfekte Strähne, die ich mir nur ungern versauen würde.

Valedictorian.

Stipendium.

College.

Als Erste in unserer Familie.

Ich wiederhole die Worte wie ein stummes Gebet und zwinge mich, mich wieder dem Buch zu widmen.

Mein erster Fehler war es, dass ich es mir erlaubt habe, schon mal in meinen Schlafanzug zu schlüpfen. Der zweite Fehler, dass ich zum Lernen auf mein Zimmer gegangen bin, weil mein Bett einfach unfassbar gemütlich und verlockend aussieht. Aber Dave döst im Wohnzimmer auf der Couch, und Bridget wird mich sofort ablenken, wenn sie mich sieht, deshalb ist das hier der beste Platz.

Theodore Roosevelt war der …

Theodore Roosevelt war …

Theodore Roosevelt …

Theo…

Ich klappe das Buch zu und reibe mir die Augen unter meiner Brille. Das wird heute nichts mehr. Ich stehe morgen einfach extrafrüh auf. Meine Finger wehren sich regelrecht gegen mich, als ich mir den Wecker auf Viertel vor fünf stelle, aber ich tue es trotzdem.

Ich werde Valedictorian werden. Ich habe es verdient, Valedictorian zu werden. Ich werde allen beweisen, dass ich es verdient habe – und dass es keine Rolle spielt, woher man kommt, sondern nur, wohin man geht.

Ich checke nur noch kurz meine Fan-Fiction, dann gehe ich ins Bett.

Ich logge mich im Warship-Forum ein, und tatsächlich: Die Fic, die ich heute Morgen hochgeladen habe, hat zweiundsechzig Views und zwölf Kommentare. Ein verschlafenes Lächeln breitet sich auf meinem Gesicht aus. Es war nur eine kleine Kurzgeschichte, die ich am Wochenende verfasst habe – eine Jill/Aaron-Fic in einem Paralleluniversum, wo sie sich in einer Eisdiele in Seattle kennenlernen, in der sie beide arbeiten. Ich bin mir noch nicht mal sicher, warum ich mich für Seattle entschieden habe. Ich war noch nie da – ich hab in meinem ganzen Leben noch nicht in einem Flugzeug gesessen –, aber es sah irgendwie nett aus, also: warum nicht? Jill ist sein Boss und sie geraten ständig aneinander. Die Geschichte endet mit ihrer Hochzeit auf einem Boot, das aus strategischen Gründen den Namen – Achtung, jetzt kommt’s! – Happening trägt. Es ist das Ende, das wir alle verdient hatten.

Ich habe einen Ordner mit Lesezeichen für romantische Fluff-Fiction, falls ich mal allem entfliehen muss, und eine Sammlung mit Fix-It-Fiction, wenn ich mir Warship mal wieder anschaue. Zwei Mal im Jahr veranstaltet das Forum einen Livestream und alle schauen sich die Episoden noch mal an und posten ihre Reaktionen. Letztes Mal habe ich Zusammenfassungen zu den einzelnen Folgen mit persönlichen Anmerkungen geschrieben und bin mir ziemlich sicher, dass sie zumindest eine Handvoll Leser gefunden haben. Ich liebe es, aber ich brauche nach diesem schrecklichen Ende auch immer ein bisschen Fluff-Fic als Happy End.

Ich will Chrome gerade wieder schließen, als ich sehe, dass ich eine neue Nachricht erhalten habe.

CERanger11: hey. Hab deinen Kommentar zu meinem Post gesehen. Du gehst zur Sci-Con? Ich auch. Mein erstes Mal.

Na, ich hab definitiv nicht erwartet, dass dieser Typ sich in meine DMs wagt. Ist ein bisschen beunruhigend. Aber wenigstens hat er seine Nachricht nicht mit »Hallo Süße« oder so angefangen. Meine Freundin Brooke hält ihre Usernames aus Prinzip geschlechtsneutral und ihr Forum-Bild ist auch nur ein copyrightfreies Foto der Happening. Wir haben mal ein kleines Experiment durchgeführt und beide dieselbe Beschwerde im Forum gepostet: Obwohl die Hauptfigur eine Frau ist, bestehen über die Hälfte der Warship-Folgen den Bechdel-Test nicht. Mir hat die Aktion einen neuen Rekord an Mansplaining-Kommentaren beschert, dass ich total überreagiere, während Brooke ein paar »Likes« bekommen hat und ansonsten in Ruhe gelassen wurde.

Meine Finger zögern über der Tastatur. Ein Teil von mir würde die Nachricht am liebsten ignorieren. Nachrichten aus dem Nichts von irgendwelchen Typen führen nie zu etwas Gutem.

Aber ich kann mich noch gut an meine erste Con erinnern. Ich kannte niemanden und das war echt scheiße. Immerhin habe ich damals ein Autogramm von Leigh Stanton ergattert. Ihr Foto schaut mich von der anderen Seite des Schreibtischs an, eine Aufnahme von ihr in voller Warship-Montur und mit erhobener Pistole. Die verschnörkelte Unterschrift der Schauspielerin erstreckt sich quer über die Mitte. Etwas eher Unbekanntes so toll zu finden, kann ziemlich einsam machen. Es ist nicht das Gleiche wie Star-Wars- oder Harry-Potter-Fan zu sein, bei denen es richtige Vergnügungsparks für die riesige Fangemeinde gibt. Wenn ich jemandem erzähle, dass ich ein Kostüm von Captain Jill Brighton besitze, dann werde ich meist verständnislos angeglotzt. Aber als ich damals auf meiner ersten Sci-Con war und so viele andere Leute gesehen habe, die entweder ein Warship-Logo am Körper hatten, als einer der Charaktere verkleidet waren oder ein T-Shirt mit einem Aufdruck von einem von Jills berühmten Zitaten trugen, hatte ich das Gefühl, dazuzugehören. Die Leute haben mir den ganzen Tag Komplimente zu meinem Kostüm gemacht und Fotos von mir geknipst und es war absolut großartig. Wer bin ich also, jemand anderem genau das zu verwehren?

CaptainJillsBFF22: Ja, ist schon mein drittes Jahr in Folge! Die Sci-Con ist spitze. Jede Menge Warshipper.

Schon nach zwei Sekunden poppt die nächste Nachricht auf.

CERanger11: Cool. Machst du Cosplay?

Bisher keine widerlichen Kommentare oder Mansplaining. Wir sind auf dem richtigen Weg.

Mein Jill-Kostüm hängt an dem rosa Kleiderbügel, der aus meiner angelehnten Schranktür herausragt. Ich habe das Warship-Abzeichen eigenhändig vorne auf den taillierten grauen Mantel genäht und für die Jacke Messingknöpfe aufgetrieben, die denen an Jills Jacke ziemlich ähnlich sehen.

CaptainJillsBFF22: Ich gehe jedes Jahr als unser geliebter Captain. Du?

CERanger11: Ich hab überlegt, als Sergeant Aaron Lewis zu gehen. Weiß noch nicht. Hab mich noch nie an Cosplay versucht. Aber seine Uniform scheint mir nicht allzu kompliziert zu sein.

Okay, ich will nicht lügen, also (1) bin ich kein bisschen überrascht, dass er als Aaron geht, weil der die Lieblingsfigur sämtlicher Typen ist, aber (2) frage ich mich auch ernsthaft, ob er nicht vielleicht ein über vierzigjähriger Widerling ist, der sich gezielt für Captain Jills stürmischen Liebhaber entschieden hat, weil das alles zu seinem perversen Plan gehört, mich flachzulegen. Ein paar von diesen Fanboys würde ich das jedenfalls durchaus zutrauen. Aber ich schätze, ich sollte mich wohl glücklich schätzen, dass er mich nicht mit einem Dick-Pic bedacht hat wie der letzte Typ, der mir hier ungefragt eine Nachricht geschickt hat. Ich habe ihm mit einem Foto von meiner Kacke im Klo geantwortet, woraufhin er mich blockiert hat, deshalb betrachte ich es als Sieg.

CaptainJillsBFF22: Ach? Ist er dein Lieblingscharakter?

CERanger11: Ja. Von der ersten Folge an.

CaptainJillsBFF22: Nice! Er ist wirklich cool.

Es klopft leise an meiner Zimmertür. »Stella, Schatz, ich bin gerade nach Hause gekommen. Bist du noch auf?« Moms gedämpfte Stimme durchdringt kaum das Holz, aber obwohl sie flüstert, kann ich das Gähnen hören, das darin mitschwingt.

»Ja«, rufe ich. »Tut mir leid, ich muss noch was für Geschichte lesen. Und mir die Zähne putzen.«

Die Tür öffnet sich und sie steckt den Kopf durch den Spalt, noch immer in ihren Krankenhausklamotten mit SpongeBob-Motiv. Sie hat erst letztes Jahr ihre Ausbildung als medizinische Assistentin abgeschlossen, hat aber trotzdem ungefähr eine Fantastillion unterschiedlicher Pflegerinnen-Outfits, alle mit verschiedenen Cartoonfiguren drauf. »Hattest du einen schönen Tag?«

Ich zucke mit den Schultern und drehe meinen Stuhl, um sie ansehen zu können. »Schätze schon. Ich wäre Wesley Clarke im Debattierkurs fast an die Gurgel gegangen.«

Ihre Augenbrauen schießen nach oben. »Schon wieder?«

»Ja, heute muss wohl ein Tag sein, der auf g endet – oder Mittwoch.« Ich ziehe die Knie ans Kinn und streiche über meine weiche rosa Schlafanzughose. »Aber sonst lief’s ganz okay. Und wie war dein Tag?«

Ein schweres Seufzen schüttelt Moms ganzen Körper. »Na ja, die Miete ist in zwei Wochen fällig, und das Auto quietscht seit Neuestem, wenn ich bremse, also um ehrlich zu sein: Nicht so toll.«

»Shit.«

»Entweder muss ich mit Cynthia reden und ihr sagen, dass sie die Miete diesen Monat später kriegt, oder weiter jedes Mal ein Stoßgebet sprechen, wenn ich bei Rot halten muss.«

»Ich kann nächste Woche eine Extraschicht in der Eisdiele machen und …«

»Nein«, unterbricht sie mich. »Du musst dich auf die Schule konzentrieren. Ich kann Bridget fragen, wenn es sein muss.« Bridget, die Schulabbrecherin, die für den Mindestlohn arbeitet und ein Kind großzieht. Ich muss nach dem College einen guten Job kriegen.

Zeit für einen Themenwechsel. »Wie läuft‘s im Altersheim?«

»Ich durfte mein Körpergewicht in Kotze aufwischen, aber ansonsten nicht übel.«

»Sehr glamourös.« Ich nestle an meinen Fingernägeln herum. »Ich glaube, in der Genossenschaftsbank suchen sie gerade Leute. Du könntest dir einen netten Schreibtischjob besorgen. Ich garantiere dir, dass dein Tag dort aus entschieden weniger Blut und Urin bestehen würde.«

»Stella, du weißt, dass ich meinen Beruf liebe. Mit Blut und Urin und allem Drum und Dran.«

Ich hoffe, dass ich eines Tages genug Geld verdiene, damit sie das nicht mehr tun muss.

»Hast du was zu Abend gegessen?«

»Nein, Dave lässt uns verhungern.«

Mom reagiert gar nicht, deshalb füge ich hinzu: »Ja, natürlich. Er hat Auberginen mit Parmesan aus dem Gefrierfach aufgewärmt. Gwen hat sogar auch ein bisschen davon probiert. Wir haben dir was übrig gelassen, im Kühlschrank.«

»Gut.« Sie lächelt. »Und jetzt ruh dich bitte ein bisschen aus.«

»Ich tu’s, wenn du’s auch tust.« Sie wirft mir zwei Luftküsse zu, und ich mache dasselbe – unser kleines Ritual.

Dann verschwindet sie wieder in den Flur und macht die Tür zu. Ich habe mich kaum wieder dem Bildschirm zugewandt, als eine Benachrichtigung auftaucht.

CERanger11 möchte ein Bild mit dir teilen.

Aha, also doch. Ich verdrehe so sehr die Augen, dass sie praktisch an meinem Hinterkopf kratzen. Warum machen Kerle so was? Haben sie damit wirklich schon mal jemanden rumgekriegt? Nach dem Motto: Ja, mein Sohn, ich habe ein Foto von meinen Klöten gemacht und es einer Frau mit einem echt heißen Profilbild geschickt, und, Überraschung, so habe ich deine Mutter kennengelernt.

Mein Finger schwebt zögernd über dem Button. Wider mein besseres Wissen klicke ich auf Akzeptieren – aber nur, weil ich immer noch dieses Kackefoto auf meinem Handy gespeichert und keine Angst davor habe, es erneut zu benutzen.

Ich scrolle bereits auf der Suche nach dieser ganz speziellen Munition durch mein Smartphone, als ein Schwarz-Weiß-Foto meinen Bildschirm ausfüllt. Aber es ist absolut jugendfrei: eine Bleistiftzeichnung von Aaron Lewis, der in seinem Fluchtshuttle sitzt und für immer von der Happening und Jill davonfliegt. Die letzte Szene der Serie.

CERanger11: Daran arbeite ich gerade. Habs noch nicht gepostet.

Mir wird ganz schwer zumute. Folge zwanzig. Oh, Folge zwanzig. Sie bricht mir immer wieder das Herz.

Ich bin mir nicht sicher, warum es mich so sehr trifft, dass er sie verlassen hat. Ich weiß, dass es nur eine Serie ist. Ich schätze, weil in der realen Welt Romanzen so enden wie die von Bridget und Ben – Gwens Vater und ein absoluter Komplettausfall. Jill und Aaron sollten das Nonplusultra sein. Und wenn mein OTP nicht funktioniert, welche Hoffnung besteht dann noch für den Rest von uns?

Dieser Typ hat den Ausdruck in Aarons Augen perfekt eingefangen. Er schaut in seinen Rückspiegel und die Qualen sind ihm ins Gesicht geschrieben.

Ich habe die Onlinepetition für eine zweite Staffel unterschrieben, obwohl es mir ziemlich aussichtslos vorkam, weil ich mir wirklich, wirklich wünsche, dass wir doch noch zu sehen bekommen, wie die beiden ein Paar werden. Ich muss einfach daran glauben, dass Aaron zu ihr zurückgekommen wäre.

CaptainJillsBFF22: Das ist wirklich gut. Cool, wie du sein leises Grinsen und die Zweifel in seinen Augen eingefangen hast.

CERanger11: Freut mich, dass es dir gefällt. Das ist eine meiner Lieblingsszenen.

CaptainJillsBFF22: Moment mal – ernsthaft? Das ist die traurigste Szene der ganzen Serie. Er geht.

CERanger11: Ich schätze, es ist nur traurig, wenn einem nicht gefällt, wohin er geht.

Natürlich ist dieser Typ Anti-Lewton. Ich kann wirklich nicht begreifen, dass es tatsächlich Shipper gibt, die Aaron Lewis ernsthaft mit Michele Cordova anstatt mit Captain Jill sehen wollen. Ich spiele mit dem Gedanken, ihm meine Zwölf-Punkte-Theorie dazu zu schicken, warum #Lewdova die entschieden schlechtere Ship ist, überlege es mir dann jedoch anders.

CaptainJillsBFF22: Okay, Schlafenszeit. Gute Nacht.

4 Wesley

Das Zweitletzte, womit ich begrüßt werden will, als ich in der Schule ankomme, ist die Bioklausur auf meinem Pult, auf der oben in fetten Zahlen 88 % steht. Ich schlucke schwer und überfliege meine Antworten. Ich hätte mehr lernen sollen. Aber am nächsten Tag waren zwei heftige Hausaufgaben in Integralrechnung fällig, deshalb habe ich Bio ein wenig schleifen lassen. Eine einzige Klausur kann meinen Schnitt schließlich nicht allzu sehr versauen, richtig? Meine Finger trommeln nervös auf meinem Bein.

Ich habe es gerade mal bis zu Frage drei geschafft – bei der meine Antwort komplett mit rotem Kugelschreiber eingekringelt ist –, als das Letzte, womit ich begrüßt werden will, ins Klassenzimmer stolziert.

Stella wirft im Vorbeigehen einen Blick auf das Blatt auf meinem Pult. »Lang lebe Mr Valedictorian, der König der Zwei plus.«